Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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N Seite 76 ׳fu ediccml 1 r.1: Fiitwicklung. Die Bäume sind groß 11ml hübsch geworden, in diesem Jahr ergab die Oelbaumernie eine Limiahinc von 700 Fpucs, während sie im vorigen Jahr nur!00 Francs cinbrachtc. hie Landwirtschaft wölben wir dieses Jahr dadurch vergrößern, daß wir in Kerkur ein neues (iehid zur IVarbciiuitg bekommen wölben. Dies gelang uns aber nicht und so müssen wir nm; daiicr mit dem Land begnügen, das wir von den Kolonisten Chcdcras gepachtet haben (270 Dimain). Wir haben für ungefähr׳ 170;) Francs Ueberschufl an Getreide auf Lager. In der Sitzung, die wir zusammen mit Herrn Diesc ng of f abhiclten, beschlossen wir, angesichts der kritischen Lage der Arbeiter in Samaria das Getreide zu verkanten, und das Geld zugunsten der Arbeiterorganisation in Samaria Herrn Dicsengoff zur Verfügung zu stellen. In Gau Schmuci befinden sich gegenwärtig '.13 Personen, darunter •1 Kinder. Unter den Mitgliedern der Kwuza sind vier verheiratet. Außer den Ansässigen kommen noch drei Personen zur Arbeit aus Clsederaii; der Gesundheitszustand ist in Gau Schmucl gut. Im Verlauf tier letzten Monate kamen fast gar keine Krank- Ueiisfälle vor. Von den allgemeinen Verhältnissen sind wir direkt nicht betroffen worden. Indirekt machen wir keine Ausnahme. Dadurch aber, daß wir uns dieses Jahr gut organisiert haben, und dank' der guten Ernte ist unsere Lage ungefähr so: einerseits haben wir uns Nahrungsmittel für da:; ganze Jahr vorbereitet, beginnend mit Brot bis zum Oel. Auch für die Wirtschaft haben wir alles vorbereitet, Kohlen und Gel für die Motore. Andererseits haben wir auch die Möglichkeit, die Arbeiten in der bisherigen Weise fortzusetzen. Und so pflügen, säen und ernten wir mitten in der ungeklärten läge, in der wir uns alle befinden, linier dem Donnern der Kanonen, wie alle Jahre. 9 Dessen ungeachtet kann niemand wissen, was' der nächste Tag bringen wird. In Anbetracht dessen, 1md angesichts der Tatsache, daß wir von der ganzen Welt abgeschabten sind, beschränken wir unsere Ausgaben auf ein Minimum, damit wir auf alles genügend gefaßt sind, was die Zukunft uns bringen wird. Zum Schluß soll auch noch dies bemerkt werden: dank der allgemeinen guten Lage unseres Betriebes, dank der vergrößerten Einnahmen timt dank der Tatsuche, daß Gau Schinnel ein selbständiger, sich selbst ernährender Betrieb geworden ist, lebte auch der Geist der Mitglieder unserer Gemeinschaft auf. Fast alle fühlen sich dem Boden verwachsen und sehen hier ihre Zukunft.“ Aus London wird berichtet: Am 18. November fand in Pet ach Tikwoii eine Beratung statt, an d«׳r Vertreter einiger jüdischer Kolonien im okkupierten Teile Palästinas leilnahmen. Es wurde beschlossen, die ’Eiligkeit aller jüdischen liistitufioncii sofort nufznnehmeit, tmd die britischen Behörden über die bereits begehenden Formen der Selbstverwaltung der Kolonien zu 1111terrichton, insbesondere über die nationalen Schulen, die Friedensgerichtc und, dem Gebrauch der licbriiisehen Sprache. , Ferner wurde beschlossen, sämtliche Kolonien und Farmen im okkupierten Teile Palästinas auf/ufordern, je zwei Delegierte zu einer binnen kurzem abzuhaUcudcn K o 11 f e r e 11 z n a c 11 Jaffa zu entsenden. Bei dieser Konferenz soll das Projekt, einer Organisierung der Juden im okkupierten Teile Palästinas und die Schaffuug einer Repräsentanz dieser Judcnhcit beraten und beschlossen werden. einer parallelen Versammlung■ der Jasager ein Student der Agronomcnschnlc zu Montpellier sieh erlaubt habe, llerzl den Vorwurf ins Gesicht Zu schleudern, er sei ein Verräter am zionistischen Ideal. ״Das ist der Lohn, den wir unseren Führern zollen“ — rief Tschlcnow mit tiefem, bitterem Seufzen. Die historische Nachisitzung war glücklich abgclaufen. Am Morgen kehrten alle Neinsager mit Tschlc- 11QW an der Spitze in den Kongreßsaal zur Vormittagssilzung zurück. So rettete Tschlcnow die Organisation. Bei meiner Rückreise von Basel traf ich Tseiilenow־ am Züricher Bahnhof. In einem längeren Gespräch über die Ergebnisse des Kongresses sagte mir Tschlcnow unter miderem: ״Viel habe ich ausgestanden auf diesem Kongresee. Ich befürchtete dreierlei Gefahren: vor allem für unser zionistisches Ideal, sodann für unsere Orga- «isaüou und zuletzt für unseren Flerzl. Jetzt bin ich sicher, daß Zion über Afrika den Sieg (erringen wird; ich bin auch lest überzeugt, daß die Zionistische Organisation feisenfest bleiben wird. Ich bin aber nicht sicher, ob Flerzl noch lange die übermenschlichen Kräfte besitzen wird, um das schwere, bittere Los des jüdischen Führers zu tragen.“ 7 Rchlciiow almte nicht, wie rasch dieses Verhängnis hcremorcchen würde.., S. L. Zitron, Wilna. Jerubbaal Ein© Zeitschrift der jüdischen Jugend. Die demnächst in Wien unter 4er Redaktion von Dr. Siegfried ücrnfeld erscheinende Jugendzeitschrift ״Jerubbaal“ versendet folgenden Prospekt: Diese Zeitschrift unterscheidet cid» von anderen jüdischen durch ihren Leserkreis. Sie wendet sicli an die jüdischen Mensche« im Alter von 16—25 etwa, so Die Koufeic;::׳. be.: .;',0.7 c.vMl;..:׳i der I ieraiisj gäbe einer h e h r ä i s c a e :1 Z c i t u r. g sofort zu Leginnen. « Aus Kairo wird dein Kope 1:11:1 ״euer Büro der Zionistische n Organisation tmler dem 15. Februar telegraphiert: ״In den j 11 d ä i s c 11 e 11 Kolonien ist die Lage weiterhin v c r 11 ä i 1!1 i s m ä Z i g 1»e r i e <1!;• e 11 d. Weizen- und Gersten־..״׳;{ sind durch die Behörden verteilt worden. Die Bedürfnisse sind groß. An Weizen werden monatlich 60 Tons gebraucht. Es herrscht Knappheit an Medikamenten. In Jerusalem herrscht große Not. Dori sind monatlich 000 Tons Weizen notig. Dort herrseht auch Mangel an Kleidung.',stücken; I iilfsgckler Und nötig für die Waisenhäuser und Hospitäler. Ein kleiner Teil tier evakuierten C.-völkerimg ist I nach Jaffa zuräckgekehrt, wo die Bulürinbse ebenfalls groß sind. Die Häuser in T e 1 - A w i w sind itubeschädigt.“ י * Das Kopenhageiier Büro der Zionistisifhcn Organisation erhielt folgendes aus London vom 23. Februar datiertes Telegramm; ״Die Läden des Bezalel sind wieder geöffnet und seine Aibcit ist sogar ausgedehnt. Die Ges er lladassa arbeite! unter der Leitung von Dr. Kogau und cröffnete ein neues Kiitderhospilal. Sie brauchen Ucbcrwcisuugcii für Rechnung der Budgets 1017/18.“ * Wir haben bereits gemeldet, daß, in dein 'von englischeu Truppen besetzten Teil Palästinas die Wiedereröffmtiig der Filialen der A. P. C. Btattgelmulcn hat. Wie das P. E. C. miücilt, wurde diene Wiedereröffnung dadurch ermöglicht, daß das P. E. C. 200 000 Dollar telegraphisch überwies, Angesichts! der chaotischen Zustände in Rußland hat die amerikanisch-zionistische Organisation auch den russischen Anteil, der ebenfalls 201)000 Dollar beträgt, übernommen. Der Palüstina-Wicdcrmifbaii-Fond Dr, Stephan S. W i s e, der Vorsitzende des Provisorischeu Zionistischen Exckutiv-Komitecs, teilt mit, daß von der ersten Million Dollar für den Palästina- Wiederaufbau- F o 114 mehr als ein Viertel innerhalb von drei Tagen gezeichnet worden ist. An der Spitze der Kommission, die die Arbeit für diesen Fond übernommen hat, steht Eugene Meyer jim. Die Kommission begann ihre Arbeit mit einem Meeting, zu dem aus allen Teilen des Landes begeisterte ZustimiHuiif'sadreswu eingetroffen waren. Der erste Betrag, 23 000 Dollar wurde von einem Anonymus zur Verfügung gestellt. Fs folgte ein Beitrag von Jakob H. Salti ff, ebenfalls 23 000 Dollar, Diese Summe!;teilt die erste PeitraßleislHiig von Jakob II, Schiff für zionistische Zwecke dar, Eine dritte 23Ü00 Dollar-Spende hat Marion T r a v i s, Tulsa (Oklahama), gezeichnet. Eine dreitägige zionistische Konferenz i 11 Ghieago überwies diesem Fond 80000 Dollar, von clenen '20000 Dollar von Delegierten aus Chicago selbst, der Rest von den Delegierten aus dem mittleren Westen zur Verfügung gestellt worden war. Bei der zionistischen Konferenz in B a 11 i in o r e wurden, wie bereits mitgeteilt, 100 000 Dollar für den Fond gezeichnet. weit eie sieh selbst, ihr Judentum und die Menschheit ernst nehmen. Sie unterscheidet Dell) von! anderen Zeitschriften für die Jugend dadurch, daß sie Achtung vor dieser Jugend hat, sie nicht belehren und unterhalten, sondern * zu klarem und reinem Ausdruck bringen will. Weit entfernt von der Absicht, die Jugend zu bevormunden, will diese Zeitschrift im Gegenteil der jüdischen Jugend gerade das bieten, was eine bevormundende Erziehung ihr vorzuenthaHen pflegt: Wahrhaft führende Miinner werden, sich in unmittelbaren Zusammenhang mit der Jugend set־zcnd, grundsätzlich tmd berichtend den Zustand des jüdischen Kulhirweccno, seiner lebendigen Vergangenheit seiner gewollten Zukunft darstcHcn. Der ganze Umkreis des Leben״, der Religion, Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Politik des jüdischen Volkes werden ko nach und nach in die Gefühl; •;pkärc der jugend gerückt werden, Eine Umschau wird über Menschen, Bücher mul Bewegungen bei andern Völkern berichten. Die vernehmlichste Pflicht eiucr solchen Zeitschrift ist aber neben dem .mdern, ausführlich zu erörtern, was die dringendste Frage jeder ernsten. Jugend ist: ihre Aufgaben im Judentum und in der Menschheit; und daraus folgend: die kor.krete Ocsblhuig ihres Lebeus: die Formen ur.d Ziele der Jugendbewegung. Zu dieser Frage werden I13MMM,iid] junge Menschen, als die hier vor allem KompMcatcn, d:.5׳ Wort ergreifen. Kurze regelmäßige Mcrkiud .ך.!.׳ Mica belangvollen Jugendgruppen werden ein E/'d vom gegenwärtigen Stand der Jugend?־.;vv;v::1:g tuul /.11!:;;rp.׳ua;;:punkte für eine fruchtbare Alt,,.;.:.״: r״b::״ ' Die Zeitschrift ei.״/.: .mt .״׳:,.׳!׳ehr.'; 1:;■׳ MonaicscS’.rift im Umfange von 2*/:; )>':;״;).im R. L.cv/it Verlag, Berlin und Wien. Die ׳:.de Miw er; Jieint i!11 April 1918. Abormcv.::;;/:;:ד / .: M;2.-״ T/d. 30.- j/ltriidi, K. 3.— Mlc, 2,Lu vkNd.Elnzühcite werden zunächst nicht .־״:״:״eg׳dm. dnrgcM.׳:!:!־.;“! erbittet tungehend R. Löwit Ve.Bg, 'ddr. I,, Fddidnnrid• I.“ ‘ , Nt. 10 Die C.fliodöslc in Amerika und die Palastioafrage Aufforderung zum Anschluß an die Zionistische Organisation. , Die Konferenz des ״G c sc t / c s t r c 11 c n Jüclisehe n R a b b i 11 e r v e r l> a 11 des voll A 111 e r i k a“ {Agudnth I Inrabonim 1!amaiifim!»’Amerika), die am •i und 5. Dezember in New York statt fand, hat eich vor allem mit der Frage der Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina Beschäftigt, und nach lebhafter DNkussirm, die durch Referate der Herren E. W, L e w i ח - E p s t e i n, Schatzmeister des Provisor!.dien Exckutiv-Ka1uit4.es, und Rat»- biuer Hirsch Maslianski eingcleitet wurde, eins t i 111 m i g folgende Resolution e u angenommen: ״Da das jüdische Volk zu allen Zeiten seit seiner Zerstreuung für seine ' nationale Wiederherstellung im Lande seiner Väter gebetet und gestrebt ‘ hat, da ein• solche Wiederherstellung eine Notwendigkeit für die Erhaltung des überkommenen Judentums und der nationalei» Wohlfahrt des jüdischen Volkes ist und da die Wiederherstellung aller unterdrückten Nationen umim-!,dinglich ist für die Wicdcratifrichtung der Gerecht!{(-■ keit und des Friedens auf der Welt, beschließt die Konfcreiiz der gesctzestreiien jüdischen Rabbiner vo* Amerika, ihrer tiefen Dankbarkeit Ausdruck zu geben für die Haltung, die in der letzten Zeit vieler- 0113־ gegenüber den Lebensfragen des jüdischen Volkes zum Ausdruck kam!mul die ihren prägnantesten Ansdruck in der Deklaration der britischen Regierung an die Zionistische Organisation erhielt, worin die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina begünstigt wird (Und die größten Anstrengungen für die Erleichterung der Erreichung dieses Zieles versprachen werden. ״ Es wird ferner beschlossen, den Präsidenten und den Kongreß der Vereinigten Staaten zu bitten, ihr Bestes zu tun, um in Ucbcrcinstimmung mit dem amerikanischen Ideal der Beschützt:!]״ der Rechte der kleinen Nationen, die nationalen Aspirat io ne 11 und Bedürfnisse des jüdischen V o 11( c s vor die Friedenskonferenz zu bringen, die berufen sein Wird, über die Forderungen aller Völker, die in den Weltkrieg liineingezogcn sind, zu entscheiden. Es wird des weiteren beschlossen, in Anbetracht der fundamentalen Wichtigkeit der ungehinderte» Freiheit aller religiösen Bekenntnisse, an die Häupter aller religiösen Bekenntnisse zu appelliere», י damit sic ihren Einfluß bei ihren Anhängern geltend machen zu dem Zweck, daß diese den Bemühungen zur Sicherung der freien u nd unabhängige* Entwicklung des J u dent ums in Palästina sowie in allen Ländern, in denen Juden wohnen, ihre stärkste Unterstützung angedeihe» lassen. Endlich wird beschlossen, im Namen der jüdische* Uebcriieferung, Geschichte und Hoffnungen die g esetze st reue Judcnhci.t Amerikas auf zufordern, i 11 d i c Z i o » i s t i s c 11 e O r g a n i s a t i o * ei 11 zu trete 11 und freudig und mit ganzer Kralt die praktische Arbeit, dic\ für die Wiede rhcrutclittng des jüdischen Volkes in Palästina notwendig ist, zu fördern, sowie die orthodoxe* jüdischen Synagogen in Amerika aufzufordet», sich der Zionistischen Organisation anzuschlieUen.“ Polnischer Antisemitismus Die ״Wiener Morge«ze itu ng“ berichtet: Die landwirtschaftliche Gesellschaft in Lublin hat auf ihrer kürzlich abgehaltcncn Tagung unter anderem folgende Resolution angenommen: ״In Anbetracht des gewaltig zunehmenden Ueber- Busses von Juden auf dem Gebiet unserer teuerste* nationalen Interessen erachtet es die kmdwirtschaftliche Gesellschaft in Lublin für notwendig, eine Kommission zu schaffen, die unablässig auf der Wacht für unsere Interessen stehen soll. Die Kommission hat die Aufgabe, den An- und Verkauf landwirtschaftlicher Produkte zu vermitteln und Genossenschaften zu gri»*• den, die die Produkte absetzen und einschlägige Infor* mationen herausgeben sollen.“ Auf der Tagung waren fast alle polnisch«* und g a 1 i z i s c h c n Städte vertreten. Zu den judenfeindlichen Ausschreitungen in Galizien Der Abgeordnete der Stadt Lemberg, Herr Breiter, hatte am 27. Februar mit dem Minister des Innern, Grafen Toggenburg, eine längere Konferenz über die in Lemberg von unbekannter Hand verbreiteten Flugschriften, in welchen versucht wird► die nichtjiidisdic Bevölkerung gegen die Juden in unerhörter Weise aufzuhetzen. Abg. Breiter machte de» Minister Vorstellungen, wie wichtig und dringend e» ist, diese sowohl dumme als verbrecherische Hetze 1« Keime zu ersticken, da gewichtige Anzeichen vorlicgct», die dafür sprechen, daß; diese Arbeiten von gedungene« Provokatorcn inszeniert werden. Per Minister erkannte die Wichtigkeit dieser Angelegenheiten an, und verspracht, unverzüglich entsprechende Verfügungen zu treffe«. Allo 1a der Jüdischen Rundschau besprochenen oder erwähnten Bücher sind mit Ausnahme der im Ausland erschienenen durch den Jüdischen Verlag G. m. b. H.t Berlin W. 15, Sächsische Straße t tu beziehen.