Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wo das unmöglich ist, soll eine zionistische Liste aiifg.estellt werden. Das Komitee in Kiew hat zu eiltnlinden, in welchen Bezirken die Zionisten eine selbständige Liste mifstelleu; '3. alle jüdischen Mitglieder der ukrainischen Gründungsversammiiing sind verpflichtet, sieb den Beschlüssen des russisch-jüdischen Kongresses zu unterwerfen; 4, das Kiewer Komitee soll die Frage der Gründung einer besonderen ukrainischen Sektion auf dem russischjüdischen Kougrclt in Erwägung ziehen.“ E* wurden ferner folgende Resolutionen aiigeiiommen: 1, ״das L:\ekutiv-K01nitee wird beauftragt, sieh mit der Frage der Legalisierung des jüdischen Nation a 1 f o 11 d s in R u 131 a 11 d als juridischer Person zu beschäftigen; 2. Lag Ihm» in er wird für ganz Rußland als Nat i o 11 a I (o n d - T a g bestimmt.“ Von den Resolutionen, die sieh mit O r g a n i s at io 11 sf ragen befaßten, sind noch zu nennen: 1. ״das Lxekutiv-Komitee soll bei der Gründung der Fraktion M i s r a c 11 i behilflich sein; 2. das Kiewer Zionistische Rayon •Büro bekommt ausgedehnte Selbständigkeit bezüglich aller Fragen, die sich auf die Ukraina beziehen." Von der Hechaluz-Bewcguiif I >!c Palästina- K o m tu i s s i <1 n am Zeutralkonutce der Zionistischen Fraktion Zei're Zion veroffcntliclitc für alle Mitglieder des ״I i e eh a 111/.“ eine eingehende Fmi'ictc, die 35 Fragen enthält. Gleichzeitig,, versandte sie auch einen Entwurf über die Pflichten jedes 1״ Ieehah1z“-Mitgliedes, das wie folgt lautet: 1. Das Lebensziel des ״I Iechaluz"-Mitglicdes ist die dauernde Ansiedelung in Palästina, 2. Das ״I leehaln/“־M1lglied ist bereit, sofort an die Vorbereitung für seine Arbeit in Palästina zu treten. 3. Ls ist verpflichtet, nach Beendigung des Krieges auf Befehl des Verbandes nach Palästina zu fahren 4. In Palästina stellt es sich dem ״I ied1aluz“-Verband für wenigstens 3 Jahre zur Verfügung. 5. Fs ist bereit, sieh der Disziplin des ״Hcehaluz“ zu unterwerfen. 0. Es ist bereit, mit den ״Hcclia]uz“-Mitglied(j111־ auf Grundlage der gegenseitigen Hilfe zu leben. Dieser Entwurf wird der Konferenz, des ״I Icchaluz“ zur Erörterung unterbreitet werden. Vom jüdischen Kongreß in Rußland Oie für den 6., 7. und 8. Januar alten Stils anberaiimten Wahlen zum russisch-jüdischen Kongreß sind laut telegraphischer Meldung aus Petersbürg auf den 22., 23. und 24. Januar (4., 5. und 6. Februar) verschoben worden. Der Kongreß selbst ist auf den 17. Februar (2. März), abends 7 Uhr, cinberulen. Die jüdische Kongrcßdemonstration in Holland Das Jüdische KoireSpondeiizbüro im Haag berichtcl: Der Vorschlag der Leitung des Niederländischen . Zionistenbumles, in der Kongrcßrcsolutio'n die Worte ״nationale Konzentration in Palästina“ durch den Wortlaut des Baseler Programms zu ersetzen, wurde vom Kongreßkomitec a b g e 1 e h 111, Die Demonstration wird am 17. Februar in Amsterdam stattfindeii. Als Ehren- Vorsitzender wird Herr Jacobus H, Kann fungieren. Zum Tode B. Borochows Das Organ der Poale-Zion in Rußland ״Jewrejskaja Rabotschaja Chrouika“ widmete ihr letztes Heft (Nr. 22) dein verstorbenen Führer B. üorocliow. Es enthält eine Reihe Nachrichten über die letzten Stunden Borochows, seinen Tod und die Trauerfeierlichkeiten. Der Verstorbene hatte sich auf einer Agitationstourncc eine Lungenentzündung zugezogen. Seine Kiewer Freunde, insbesondere der poalc-zionistischc Journalist Ktndschcrsks, der zusammen mit dem Verstorbenen aus New York zurückgekehrt war, pflegten den Totkranken. Bis zur letzten Stunde war der Verstorbene bei vollem Bewußtsein und sprach ohne Unterlaß über die Fragen der Partei. Kurz vor seinem Tode sprach er vor Kcndsehcrski mit Begeisterung die Ueberzeugung aus, daß jetzt die Stunde der Verwirklichung der großen Träume nahe sei, für deren Realisierung er 12 Jahre unermüdlich gekämpft habe, die er aber nicht mehr erleben werde. Am 5./18. Dezember hielt der Vorsitzende der ukrainischen Rada, Prof. Oruachewski, in der Rada eine Gedenkrede und brach als Ehrenbezeugung für de■ Verstorbenen die Sitzung ab.!ח der N’aelii vom 5. zun» 6. Dezember hielten Borochowa Freunde die i hren wache am Totenbett. Amö. mor. gens kamen I )lirg.itionen: des Zionistischen Zculralkniiiitees, der ukrainRcheii Rada, des ukrainischen Cieneralsekretari.its, des Zentralkomitees der Vereinigten Jüdischen Sozialisten, der ukrainischen Sozialdemokraten und der ukrainischen Sozialislenrevohitionäre, des Verband» jiidisehcr .Soldaten, der ״Zci're-Zioii“, des ״Dror1' usw. Auf dein Friedhof sprachen als erste die Vertreter des Zentralkomitees der Poale-Zion Rewuzki und K en d sch 1■ rsky. Im Namen der ukrainischen Rada sprach Wasilewsky, in» Namen des ukrainischen Generalsekrctariat» der jüdische Generalsekretär Dr. Silber färb (Basin), im Namen der Zionisten M. G ro ß 111 a 11 u, im Namen der ״Vereinigten“ Dr. S c 11 f» t z (Aiiin), im Namen des ״Bundes“ S. Dobiu, Fs folgteil dann Reden der Vertreter des Kiewer Rates, der Arbeiter- «uitl Soldateiidepiitierteii, des in jenen Tagen in Kiew tagenden Kongresses der Röte, des jüdischen N’ationalrak's am ■Sekretariat der Rada, der jüdischen Kriegsgefangenen aus Oesterreich, der ukrainischen SoziaüstcnrevoSiitioiinre, der;russischen Flotte, des jiklisehen Lchrervorbniides, der Ze'ire-Zion und des ״Dior“. Erst des Verehrer die Freunde und Fnlc zu füllen, Presse, ohne Unterschied brachten Würdigungen der am Abend begannen roten (las Grab mit 1 >ie ganze jüdische der Partei und Richtung, Bedeutung des großen Toten. Der 'Frau sles I labingeseliiedenen, die gegenwärtig zusammen mit den zwei Kindern (einem Mädchen von fünf [ähren und einem Knaben von sechs Monaten) in Stockholm weilt, war es nicht gelungen, ans Krankenlager zu komme 11. Das poale-ziouistiselie Zentralkomitee entsandle einen Vertreter nach Stockholm, um der Witwe die traurige Nachricht zu übermitteln. Das Vvrbaudahiiro der Poale-Zion in Stockholm und die Witwe des Toten erhielten zahlreiche Beileidstelegrammc, 11. a. vom Zionistischen Aktionskomitee, vom Sekretär des Internationalen Sozialistischen Büros und von den Zentralkomitees der jüdischen Parteien. In einer Reihe von Städten in Rußland, Polen, Oesterreich, Deutschland, England, Amerika, Holland, Scliwoden und Dänemark wurden anläßlich des Todes Borochowa große Trauerkundgebungeil veranstaltet. Viele Organisationen und Arbeiterinstiliitiouen nahmen den Namen lloroehow an. I )as Zentralkomitee 11 e r russische 11 P oale-Zion faßte unter anderem folgende Beschlüsse: I, den literarischen Nachlaß des Toten zu veröffent* liehen (die Redaktionskommission, «Iic zu diesem Zweck gewählt wurde, besteht aus Alexander C hasch in (Awcrhnch), Bcrl i 11 r,11)111׳ und Rewuzki); 2. für die l'ämiiie des Führers Sorge zu tragen, zu welchem Zwecke ein Fond von 75 000 Rubel־ geschaffen werden soll und '3. 'das Andenken des Verstorbenen durch die Schaffung einer großen Arbeitorinstitutioii in, Palästina zu verewigen. ln Rußland mul Deutschland wird die Durch füllrung einer Selbstbesteuerung unter den Arbeitern — in Deutschland in der Höhe eines Tagelolmes — geplant. * Auch die nichtjüdische sozialistische Presse Deutschlands hat B. Boroehow ehrende Nachrufe gewidmet. Außer den sozialdemokratischen Tages- Zeitungen haben besonders die ״Sozialistischen Monatsheft e“ von» 5. Februar die Bedeutung Borocliows gewürdigt. (Siehe dortselbst unter den Rubriken ״Sozialistische Bewegung“ und ״Nationale Bewegung“.) Vom amerikanischen Hilfswerk für Polen ״Jewish Exponent“ vom 23, November berichtet: Präsident Wilson empfing ein Komitee hervorrageniler jüdischer Persönlichkiteu, die ihm die Bitte der amerikanische» Jndcnhcit iiberbrnehten, der notleidendcii jüdischen Bevölkerung Polens mit allen Kräften zu helfen, Das Komitee bestand aus den Herren Henry M o r g c nt h a u , Abraham Elkus, Oskar S11 a 11 s, Jakob II. Schiff, Richter Otto Ros a 1 s k i!, Alexander Kahn aus New York, Richter Julian Madk aus Cliikago und Dr, Gyrus Adler aus Philadelphia. Dr. Adler und Henry Morg c nt 11 au trugen dem Präsidenten die Wünsche des Komitees vor. Nach dem Empfang beim Präsidenten Wilson wurde der Presse folgende Publikation übermittelt: ״Das Komitee bat den Präsidenten dringend, in Erwägung zu ziehen, ob die Regierung der Vereinigten Staaten ihre Hilfe für Polen nicht in der Weise ausdelmen könne, wie es für Belgien geschehen ist. Das Komitee betonte, daß cs seine Fonds und Lebensmittel durch eine Kommission zur Verteilung bringen würde, die der Präsident ernennen und die in jeder Weise als vertrauenswürdig betrachtet Werden würde. Es wurde dargclegt, daß das State Departement sehr wertvollen Beistand in dieser Richtung leisten könnte. Das Komitee verließ das Weiße Haus nach einer lialbstümligei» Konferenz mit dem festen Vertrauen, daß der Präsident sein Acußerstcs tun werde, uin diese Wünsche zu erfüllet». Präsident Wilson' zeigte sich sehr freundlieh und außerordentlich üitercssiert für diese Angelegen* heit und wird voraussichtlich den Regierungsapparat in dieser Richtung in Bewegung setzen, vorausgesetzt, daß hinreichend Transportmöglichkeitcn für die Ucbermitthing der Lebensmittel nach Polen vorhanden sein werden. Es stent »1 hoffen, daß der Besuch ein positives Resultat haben wird. Das Joint Distribution Committee (das diese«. Komitee m» Wilson entladt hatte) besteht aus Vertretern der drei jüdischen Hilfskommissionen in Arnerika: Pcoplc’s Relief Committee, Central Relief €0ך«וו mitloe und American Jewisl» Relief Committee. . Düs Joint Distribution Committee hat bis jetzt II Millionen Dollars gesammelt, wovon ') Millionen allein im Jahre 1017 verteilt wurden. Zur Zeit ist das Joint Distribution Committee mit der Aufbringung von 10 Millionen Dollars beschäftigt, von denen ו.ך bereits gezeichnet sind. Bis zum Ende des Jahres l(>17 dürfte and» das letzte Drittel gedeckt sein. Herr Julius Roscnwald hat allein 1 Million Dollar für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.“ Einberufung einer zionistischen Landeskonferenz in Galizien Ein Gallziscli-Bukowiuner Jüdischer Kongreß. In Krakau fand dieser Tage eine Beratung der vvestgali/iseheii Führer der zionistischen Bewegung unter dom Vorsitz von Dr. Wahrhaftig statt. Das Referat über die Lage, sowie die wichtigsten Aufgaben der galizischcn Ziouistenorgaiusntum erstattete der Herausgeber des ״Lemberger Tagblatt“ Dr, Michael Ri״gel. Er würdigte in der Einleitung die wichtigsten Erfolge der obersten Parteileitung sowie der Wiener Partcicxekutive und betonte, daß die gali/ischc Lamlcsorganisation sieh gerade jetzt in höherem Maße den dringenden und unaufschiebbaren Fragen energisch' ziiweiulen muß, die .. das Los der jüdischen Bevölkerung in Galizien und der Bukowina vielleicht für Jahrhunderte entscheiden sollen. Er wies auf die noch vielleicht im Laufe dieses Jahres zur Entscheidung gelangenden Projekte bezüglich der Verbindung Galiziens mit Polen oder seiner Teilung durch Anglicdcning einerseits an Polen, andererseits an die Bukowina hin. Jede dieser Lösungen ist für die Juden der Ostländer Oesterrcichs in wirtschaftlicher, politischer »nid kultureller Hinsicht eine Lebensfrage von höchster Wichtigkeit. Trotzdem hat die Zionistische Partei in Galizien diesen Fragen noch immer nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt und sie besonders bezüglich der wirtschaftlichen Folgen für die Juden Galiziens und der Bukowin״ nicht so gründlich studiert, um den maßgebenden I ־cn gegenüber die Stellungnahme der jüdisch-ziom: Kreise mit Nachdruck vertreten zu können. In diesem Zusammenhänge wies der Referent atu die durch den Krieg zerrüttete Pa r t e i o r g a n i - s a t i o n G a I i z i c 11 s und der Bukowina hin, die eine energische und repräsentative Parteileitung! erhalten müssen. Er betonte weiter, es sei höchste Zeit zur Vornahme einer Revision der zlonisti - ' sehen L a n d e s p o I i t i k , d, 11, des zionistischen Gcgcnwartsprograimns, wie sie die Zionisten in Rußland und!,ölen bereits vorgciioinmen haben, in der Frage des — die Regicruiigshilfe ergänzenden — Wieder a 11 f b a 11 p i a 11 e s für die galizischbukowinaer jüdische Bevölkerung müssen Richtlinien festgestellt werden, insbesondere wenn vom amerikanischen Judentum ergiebige Hilfe nach dem Kriege erwartet wird. Die zionistische Taktik sowohl den polnischen und ukrainischen Parteien als insbesondere den Assimilauten gegenüber muß einer gründlichen Revision unterzogen werden. Es sei höchste Zeit, den» nur kirnstlieh und infolge der Geduld mul Indolenz der nationaljüdischen und zionistischen Massen aufrecht erhaltenen Zustund ein Ende zu machen, daß eine ganz dünne Schicht plutokratischcr Assimilanlcn noch immer die jüdischc Bevölkerung im Kahal und Gemeiiulcrat, in Handclskammcrii und Landtag, im Reichsrat und der wirtschaftlidicii Körperschaft beherrscht und am Gänge!- bandc führt - gegen den Willen der beinahe ganzen jüdischen Bevölkerung. Diesem Zustande, daß ein item Volke fremder Bruchteil, der nicht einmal 5 ס׳,״ der jüdischen Bevölkerung ausmacht, weiterhin das jüdische Leben korrumpiert und die Entwicklung be-!lindert, nuiiS baldigst ein Ende gemacht werden. Es ist notwendig, führte der Referent weiter aus, daß schon in allernächster Zeit eine machtvolle W i I - I e 11 sä 11 ß c r 11 n g der zionistischen und national-jüdisehen Massen .Galiziens und der Bukowina erfolge. Dazu sei die Einberufung eines Jüdischen National-Kongrosses fürGalizicnund die Bukowina notwendig. Dieser würde, da das jüdische Volk der genannten Länder homogen und national einheitlich ist, nicht mit so großen Schwierigkeiten kämpfen, könnte daher rascher cinbeiufcn werden und wird bestimmt den Vorbercitungcii zum allgemeinen österreichisch-jüdischen Kongroß als Vorläufer einen mächtigen Impuls geben und zur Beschleunigung desselben beitragen. Andererseits hat die ca. eine Million Seelen zählende jüdische Bevölkcrung dieser Länder eine Reihe von wirtschaftlichen und politischen Fragen besonderer Natur zu lösen die eine selbständige Durchberatung und Stellungnahme erfordern, insbesondere angesichts der brennenden Problcme, denen diese Länder in staatsrechtlicher Hinsicht gegenüberstehe״. Diese Klärung der Stellungnahme des gahztscU-bukow inaer Judentums würde die Vorbereitung und den Verlauf des allgemein österreichischen Kongresscs nur günstig beeinflussen. Schließlid» trat der Referent für dl« baldigste Her- Stellung des innigsten Kontaktes mit der Zionistischen Organisation in Polen ein. H.rr״°Clr»em\v/ '1"gehenden Diskussion, an welcher die Herren Dr. Wahrhaftig, Zimmermann, Le* ter, Nußbaum, Dr. Feidbltim, Leistner, Dr. u. a. tcilnahmtn, wurden folgende Berkelhammer Beschlüsse gefaßt: