Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 40 . Nr. 6 ו* \־ J U E D1 5 C11 i., ״ U .: . u ,. 1.. U I. im Eiuvcinclnncn mit den I)1 striktsor^.1 nisatiosicn in L c m b c r g tmd S t a 11 i s I a u (ev. auch T arno p o I) und mit dem Exckutiv-Komitoc in Wien soll möglichst rasch eine Parteikonferenz der g a 1 i z i s c 11 c 11 Zionisten in eine Stadt Mittelgaliziens ev. Przeniys! cinberufen werden mit der Tagesordnung: Wald einer Parteileitung und straffe Zusammenfassung der Organisation, Revision des Gegenwart sprogrammes und der Taktik den anderen Parteien gegenüber. Aufstellung eines wirtschaftlichen Programmes tmd schließlich Siel• iimgnahine zum allgemein-österreichischen sowie gali• zisch-bukowiiiaer Judenkongreit. II. Im Einvernehmen mit den anderen national gcsinnten Parteien Galiziens und der Bukowina sind Vorbereitungen zur schleunigen Einberufung eines Ga- I i z isclt- Bu ko w i 11 a c r J ud e n ko n gr es s e s zu treffen. III. Es wird beschlossen, ein wöchentlich erscheinen» des Parteiorgan in polnischer Sprache mit dem Sitze in Krakau herauszugeben, Zu diesem Zwecke sind binnen 3 ׳Wochen die nötigen Gelder sichemistellcii. Die Durchführung der Beschlüsse I und II wurde einem Komitee, bestehend aus Dr. Wahrhaftig, A. Nullbaum, und CI1. F. L e i s 111 e r unter Zuziehung des Referenten zur Ausführung zugewiesen, während der Beschluß III durch I)r. Eeldblum und Dr. B e 1׳ k e 111 a 11t in e r (Tarnow) ausgeführt werden soll. Agitations-Tournee im Rheinland und in Westfalen Die letzte Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hatte beschlossen, in Ausnutzung des gegenwärtigen günstigen Augenblicks die Propagandatätigkeit in Deutschland mit größerer Intensität zu betreiben. 111 Ausführung dieses Beschlusses hat der Sekretär des Zionistischen Aktions* Komitees, Herr Dr. Fritz Löwenstein, Mitte Januar im Rheinland und in Westfalen eine Keilte von Prop a g a n d a - V c r s a 1111111 u n g e n abgelia Iten, deren Ergebnis zeigte, daß beute auch in Deutschland eine dein Zionismus stark geneigte Stimmung vorhanden ist und daß es leicht gelingen kann, den Teil des deinsdien Judentums, der unsere Bestrebungen zwar mit Sympathie verfolgt, sieii aber dem Zionismus bisher nicht aiizusclilielieii vermochte, nunmehr ganz zu gewinnen. Herr Dr. Löwenstein benutzte die Gelegenheit, die Gcsinmmgsgenosseii in vertraulichen Besprechungen über die Lage der Bewegung aufzuklären und die im Augenblick notwendigsten zionistischen Arbeiten aiiztircgcn und zu besprechen. Am 15. Januar sprach Herr Dr. Löwenstein vor ca. 200 Personen in Elberfeld. Die Versammlung, die unter der Leitung von Herrn Dr. Grüncbcrg und unter lebhafter Teilnahme der Anwesenden vor sich ging, hatte nicht nur äußerlich einen erfreulichen Erfolg, indem die Ortsgruppe!5 neue Mitglieder gewann, s1!״- dem sie zeigte auch durch die Tragen, die an den Referenten gestellt wurden, das Verständnis, das das national-jüdische Problem liier findet. Am lü. Januar sprach Herr Dr. Löwensteiu vor einer ebenfalls stark besuchten Versammlung in Düsseldorf, wo nach einer kurzen Diskussion, bei der der einzige uuftretende Gegner mit den alten Argumenten der Assiniilation zu arbeiten versuchte, 14 Personen der Zionistisehen Ortsgruppe beitraten. Ebenso nah ist die am 17. Januar in Dortmund abgehaltcnc Versammlung einen interessanten Verlauf, in der Diskussion wurde der Referent über das Verhältnis des Zionismus zur jüdischen Religion befragt tmd der Aufragende zog aus den Ausführungen des Referenten dann die Komeijtienz, daß er der Zionistischen Organisation, zu der er früher gehört hatte, wiederum beitrat. Auch liier war das äußere Ergebnis des Abends mit 15 neuen Mitgliedern der Ortsgruppe befriedigend, Die am Sonnabend, dem 19. Januar, in der Rheinland-Loge in Cöin veranstaltete öffentliche Vcrsanunhing war durch Plakate au den Säulen und durch Annoncen in den Tageszeitungen angekündigt worden und dementsprechend gut besucht. Die Ausführungen des Redners schilderten in objektiver Weise die Ent- Wicklung, die in Amerika und Rußland, in England und Oesterreich die große Mehrzahl des jüdischen Volkes den nationalen Forderungen des Zionismus gewonnen hat, würdigte dann die Stellungnahme der englischen, der 'österreichischen, der türkischen und der deutschen Regierung am! Zioni-mus in eingehenden Ausführungen und schloß mit einem Appell an die deutschen Juden, auch ihrerseits den Weg atr jüdische» Volksgemciiischalt zurückzufinden. Eine Diskussion י kam nicht zu Stande. Der Ortsgruppe traten 14 neue Mitglieder bei Am nächsten Abend sprach Herr Dr. Löwenstein in der zionistischen Ortsgruppe Bonn, die damit ihre Tätigkeit wieder auinahin, in öffentlicher außerordent- 1J5.'1, besuchter Versammlung, die ebenfalls ohne Diskussion mit <> neuen Mitgliedern ein zufriedenste!- Icndcs Ergebnis hatte. Wichtiger aber als die Tat- Sache, daß in allen Ortsgruppen neue Mitglieder ge- Wonnen wurden, ist das Interesse für die Vorgänge im Judentum der Gegen wpfct, das überall erweckt wurde und das erhoffen läßt, daß bei intensiver Fortsetzung der Arbeit die Erfolge nicht Ausbleiben werden, ZioSiLÜCC'iC ju.i;; Holland Der Bundesvorstand des א i e d e r 1 ä a d i :י c 11 c 11 'ioni«te n- Bu mies erhol־» dagegen Protest, daß bei den Verhandlungen, die in IJ r e s t- L i t o w s k gcführt wurden, die Vertreter der Jeden nickt gehört worden sind, obgleich dabei nicht allein die Interessen von Millionen Juden und die Regelung ihrer nationalen Minoritätenrcchte berührt werden, sondern auch die spätere definitive Regelung der Jtidenfrage beeinflußt werden könnte, Südafrika. Durch die Rückkehr von Herrn Dr. Alexander Heymann, der bis zum Sommer 1917 als Zivilgefaiigener .in IXniischlaiHl weiße, bat das Exccutiv-Konütec der südafrikanischen Zionisten-Födcratlon seinen altbewährten Miturheber wiedorgewonnen. Dr. I leymami s! rach Ende September zum ersten Male nach seiner Rückkehr in der Zionistischen Ortsgruppe ■Johannesburg von seinen Eindrücken über ״Zionismus und .Zionisten in Europa“. Er schilderte die große zionistische Propaganda, die gerade während des Krieges mit Erfolg durch,geführt wurde, und bcrichteie über die Hilfe, die eins Aktionskomitee den jüdischen Kriegsgefangenen zu leisten bemüht ist. Dr. Heymann iiherhrnditc der Versammlung die Grüße der curopaisehen Zionisten mul die Aufforderung des Aktions- Komitees an die ganze südafrikanische Zionistcn-Föderation, auch weiterhin ihre ganze Kraft für die Vcrhreitmig der zionistischen Idee, die Förderung den jiidisehen NalionalfotKis!111111 der übrigen zionistischen Fonds, sowie für ,die jüdischen Hilfsaktionen ci11zusetz.cn. Der Vortrag von Dr. Heymann wurde mit großem Beifall mitgenommen. Australien. Während des letzten Jahres hat die zionistische Bewegung auch in Australien Fortschritte gemacht. 1 tank der Propaganda, die die Y o u 11 g M e n’s Zionist Association in Sidney entfaltet hat, ist die Mitgliederzahl der organisierten Zionisten nicht unerheblich gewachsen. Der genannte Verein hat eine Reihe zionistischer Vorträge und zwei Herzl-Gedenkfciern veranstaltet. Für zionistische Zwecke wurden im Laufe des Berichtjalircs von ihm 103 X aufgebracht. Er zahlt 260 eingeschriebene Mitglieder. Aus aller Welt Aus Deutschland. Der Verband der Deutschen Juden hat in einer Eingabe an das preußische Abgeordnetenhaus dringend beantragt, daß die Berufung von Vertretern des Judentums in das preußische Herrenhaus gesetzlich gesichert werde. ln der Eingabe ist betont, daß es eine Zurücksetzung bedeuten würde, wenn neben Vertretern der evangelischen und der katholischen Kirche das Judentum nicht beriicKsicliiigt würde. Die Wünsche des Verbandes der Deut• sehen Juden sind in der Koni mi s si o n s b c r a tu n von einem Mitgliedc der fortschrittlichen Volkspartei nachdrücklich vertreten worden. ' Es wurde von allen Seiten anerkannt, eiaß cs durchaus am Platze sei, dal» auch das Judentum im Herrenhaus vertreten sei. Uebcr die Art der Berücksichtigung dieses Wunsches gingen die Ansichten auseinaiKler. Der Minister des Innern erklärte, daß die Regierung beabsichtige, durch Berufung aus königlichem Vertrauen für eine Vertretung des Judentums Sorge zu tragen, Ein Repräsentatioiisrccht hielt er wicht für durchführbar, während von anderer Seite dies als wohl möglich erklärt wurde. Aus Ecfllnad. s (Der neue englische Botschafter in Amerika.) Zum englischen Botschafter in den Vereinigten Staaten ist der Jude Viscount Read i ng (Sir Rufus Isaacs) ernannt worden. Aus Amerika . (H i! f s t a g für Palästina) Das Zentralkomitee der zionistischen Voreine in New York veranstaltete am 28. Oktober einen ״P a I ii s t i n a - H i l f s t a g“, an dem 1000 Saminlerpaare in Aktion traten. In den Synagogen der Ort hodoxen und Reformgemeinden wurden Predigten für diese Sammlung gehalten. Aus Griechenland (Die Not in Saloniki) Der Chief-Rabbi von England Dr. Herz erhielt vom O b e r r a b b i n c r von Saloniki Rabbi Jacob M e i r folgendes Telegramm: ,,111 Beantwortung Ihres Telegramms teile ich ' Ihnen mit, daß die Zahl der liier lebenden Juden ingcr.amt' etwa 73 448 beträgt. Von diesen leben 2133 Familien in Baracken, 683 Familien in Ställen oder unter freiem Feld. 10 000 Familien sind vollständig rtiiniert, ohne Heim und Existenz. Die erhaltenen 10 00!) Sterling sind schon atisgegeben. Es ist unbedingt nötig, 1000 Wohnungen zu errichten, Material für Arbeits■׳ Werkstätten zu beschaffen, Vorschüsse für die kleinen Krämer, Kleider und Wäsche, Mittel׳ für •erste und mcdizinisclie Hilfe und die dazu gehörigen Personen zur Verfügung zu stellen. Ich appelliere an Ihre Bruderliehe und erwarte Ihre rasche Hilfe.“ Aus Polen (G c ß e n D r. 11 § k i) Auf Initiative des Warschauer Zionistisehen Komitees fand vor kurzem in Warschau eine größere Beratung von Vertretern jüdischer Organi- Kationen statt, die 211 der Ernennung von Dr. Il'ski zum Direktor der Emährungsabie'ituiig durch den Warschmier Magistrat Stellung nahmen. Au der Beratung nahmen außer Vertretern der proletarische» Organisa* tionen auch Delegierte iiiditnationaier jüdischer Organis.ttioiien teil. Die Arbeitervcrtrcter erklärten, daß sie ihren Protest gegen diese Ernennung bereits zum Ausdruck gebracht haben. Auch die nicht״,liionalen Delegierten äußerten sich in scharfen Worten über die durch die Erneniiuug Ilskis eklatante antisemitische Politik de« Magistrats. Aus Oberost (Sachverständiger für jüdische Schulfragen i 11 Bialystok) Feldrnbbincr Dt. Wilhelm Lewy ist auf Vorschlag ,des jüdischen Referenten für Oberost Leutnant Struck als Sachverständiger für jüdische SchuUragen nach Bialystok berufen worden. Aus der Ukrnlna Die Ukrainische Rada nahm nach einer Meldung des Stockholmer jüdischen Preßbüros ein Gesetz an, in welchem sie die nationale und personale Autono m i e fcstsctzte. Die Kompetenzbostimmungc« im einzelnen würden den Gründungsvcrsammlungen der verschiedenen nationalen Gemeinschaften überlassen. Aua Rußland (Jüdisches Militär) Die Oberste Heeresleitung bestätigte das Projekt der Bildung einer besonderen Abteilung der jüdischen Soldaten, Vorläufig wird diese Abteilung nur die jüdisdlien Soldaten der Retrograder Garnison umfassen, die sieh dieser jüdischen Abteilung ansclilicßci» wollen. G c m e i n d c w a 111 e 11 in S111 o I e 111 k. Uebcr die Ergebnisse der Geineindewahleri in S m o - lens k wird folgendes mitgctcilt: Von den 33 Mandaten fielen 12 den Zionistesi, 6 den Bundistcn, 6 den Vereinigten Sozialisten, 2 de« Poalc-Zion und 7 der sogenannten parteilosen Gruppe zu. Da unter den Parteilosen gleichfalls 3 Zionisten vorhanden sind, so kann die zionistische Fraktion mit diesen 3 Repräsentanten und den 2 Poale-Zionisten über eine absolute Majorität in der jüdischen Gemeinde Smolensks verfügen. (Konferenz, jüdischer Schauspieler) Vor einiger Zeit fand in.Kicw eine Konferenz des Verbandes der jüdischen Schauspieler und Choristen statt, an der 4(X> Delegierte tcilnahmcn. Die Kdnfcrenz wurde von vielen politischen Parteien und Kulturorganisationcn sowie von einer Reihe jüdischer Schriftsteller begrüßt. Die Konferenz behandelte eine Reihe Fragen der jüdischen Tbcatcrwclt: die Trennung der Operette vom Drama, die Befreiung des Theaters von der Wirkung unberufener Unternehmer, die Schaffung einer dramatischen Truppe auf genossenschaftlicher Grund- Inge, Die Konferenz faßte auch eine Reihe Beschlüsse, die die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Schauspieler bezwecken. Es wurde ein Exckutivkomitec gewählt, das seinen Wohnsitz in Charkow haben wird. Dort wird auch die Zwei wochcn schrift des Verbandes, der Entwicklung der jüdischen Bühne gewidmit, erscheinen. Vom Jüdischen Nationalfond Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfond im Jahre 1917 betragen nach Ländern geordnet: Rußland Rub. 475 312, Öcstcrrcich Kr. 447 ö<>2, Nordamerika $ 73 502, Deutschland Mk. 1I936S, Polen und Litauen• deutsche Okkupation Mk. 83 692, österreichische Okkupation Kr. 72 463, Holland Fl. 28767, England X 1396.1.10, Argentinien Pesos 13 378, Canada $ 4056, Ungarn Kr. 18 526, Süd-Afrika JC 639.8.4, Südslavische Lander Kr. 14 940, Bulgarien Levas 13 810, Schweiz Frs. 11 572, Belgien Frs. 8329, Frankreich (inkl. Tunis) Frs. 6978, Aegypten .£ 255.11,4, Griechenland Frs. 6125, Ostasien .£ 160.-—.— Schweden Kr. 2512, Däne• mark Kr. 2447, Australien .£ 82.10.6, Neuseeland Ai 52.1.3, Italien Lire 697 China £ 20.—.—, Brasilien Fl. 192, Spanien Frs. 309, Norwegen Kr. 85 und diverse Länder Frs, 460. Das ergibt zu den Kursen vom 31. Dezember 1917 zusammen Frs. 1 747 278. Nack den Friedenskursen ergeben diese Beträge Frs. 2730011, Da ein großer Teil der Spenden vorerst nicht realisiert wird, sondern in den Landeswährungen deponiert bleibt, so ist das Ergebnis noch nicht ab endgültig anzusehen. Bei einer eventuellen Erholung der Währungskurse nach dem Kriege könnte die Kursdifferenz zmn Teil an den Jüdischen Nationalfond zurückfließen. Die Einnahme des Kriegsjahres 1917 ist ein deutlieber Beweis, daß der Nationalfond siel! einer außerordentlichen Popularität erfreut, ja sogar die beliebteste Institution im jüdischen Volke genannt werde« darf. Skreits im Frieden (1913) liatie der Jüdische Nationalfond, hauptsächlich aus kleinen Spenden der minderbemittelten jüdischen Massen, eine jahresoiunähme von einer Million Francs erzielt. Das Ergebm* dea Jahres 1917, welches eine Verdopplung dieser Summe brachte, ist umso beachtenswerter, als die Spcnden zum größten Teile den vom Kriege am schwerste« hcimgcsuchtcn Gebieten entstammen. In letzter Zeit beginn eil, durch die großen, für die Zukunft Palästinas cntsciicidenden Ereignisse des Weltkriegs veranlaßt, and! die kapitalkräftigen jüdischen Kreise dem Jüdischen National.ond ihre Sympathien zuzuwenden. So werden seitens einzelner wohlhabender Juden Stiftungen zugitnsfcn des Jüdischen Nationalfoiuis gemacht. Auch Subventionen seitens jüdischer Korporationen, wie Loge׳«, Gemeinden usw, sind nunmehr zu erwarten. , ,1Pi? .״»־■״er kaum zehnjährigen Wirksamkeit hat der Jüdische Nationalfond in der Entwicklung der ■// fnT II im. ^l2 y ü Ü;״.;!בד_aaa. f'7 h:3 n e; ri H I r W.J Ihi 4 ו i ' i I ־• %