Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. ö Seite 43 \ J U E DI S C H E RUNDSCHAU I), tun in hvc \n- (l:ri rci- •ralus sti- ר er. Her sch scn die Jng der 15• ח ein ml- HIÜ* der ־ete ehe Ddc Be- und ־enorin Zen rinc 1en oli- 11י1ל nH Im•• mit;len die 41(1־ ehe red ach onpahon und in־׳ Me¬ $ ׳f 7:|;1 '1: T um: 11 n- 'ioiteit :reu ahichihr :re ß UHR' ,;uui iciic <ÜC 1!;4| «־tu: -11״> ״?1111 »i s,> :״״K mde iow, idu־ •/ICS lein, riert IH'tC ölite :ine. ״111 ו:;tritt ulen ent-;lien des 1(1.7II ,;tni-׳ .oie•, , W. /.eiliroi* ־. I:. hied kiel» :111 v-!seiviir- ■ isii- Ungarhtet soinoi׳ schweren Krankheit, Voll der die weite zionistische Oel't'entlidikeit nur selten, in dem rc- (iilirliclisteu Moment, erfahren hatte, set/.te E. W. Tselile• iiow die verantwortungsvolle Arbeit ununterbrochen fort. Die /.eit erschien ihm zu schicksalsschwer, um auf per* söuiichc (iefahren aelitcu zu dürfen. Die neue politische Situation und die ihr entkeimenden Aufgaben der z.ionistisehen Politik riefen ihn wiederum aus Rußland fort. 111 Kopenhagen nahm er mit seinen Kollegen vom Enteren Aktionskomitee an den Si!/.1111Ren teil, in denen die wichtigsten Fragen der /.ionistisdien Arbeit he• sproehen wurden. Von Skandinavien reiste er nach L 0 11• don und entfaltete dort eine Tätigkeit, deren historisehe Würdigung einer späteren Zeit Vorbehalten blei• lien lnulS. In einer der verantwortungsvollsten Stunden, auf dem verantwortungsvollsten Posten trat an unseren Füllrer der Todesengel heran. Unser Schiff hat seinen Steuerer verloren in einer Stunde, in der der Hafen so nahe erscheint und in der seine Erfahrung־, seine Liebe, seine Kühnheit und seine ()rolle so ,unbedingt not• wendig sind, um das Land zu erreichen ... Das Kopeuhagcuer Büro der Zionistischen ürgani• sation erhielt folgendes Telegramm aus London vom 3. Februar: ״Mit tiefer Trauer feilen wir Ihnen mit, dali unser verehrter Freund und Führer Dr. Ediiel Tschlenow schmerzlos und friedlich Donnerstag nacht entschlafen ist. Ach ad Haani, So ko low. Weizman.*' Herr Dr. Tschenow ist sonach in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar verschieden. Von der Orthodoxie Tagung der orthodoxen Organisationen im Gebiet der Mittelmächte. Wir haben in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau'‘ über gewisse neue Strömungen berichtet, die sieh gegenwärtig innerhalb der deutschen Orth״- doxie bemerkbar machen. Wir konnten an Hand der Aulsät/c einiger deutscher Orthodoxer, die an hervorragender Stelle in orthodoxen Organen erschienen sind, die erfreuliche Erscheinung konstatieren, daß sicii auch die deutsche Orthodoxie hinsichtlich ihrer Stellung zu den nationalen Fragen des jüdischen Volkes neu zu orientieren beginnt. Wir sprachen zugleich mit dieser Feststellung die Hoffnung ans, daß es diesen bis jetzt nur vereinzelten. Stimmen gelingen möchte, ihren neu gewonnenen Anschaumigen innerhalb der Orthodoxie immer größere Geltung zu verschaffen. Freilich bezweifelten wir, ob diesen Strömungen schon auf der Frankfurter Tagung der orthodoxen Organisationen i 111 Ge* bi eit der Mittelmächte, die dieser Tage stattfand, eine Einwirkung auf den Gang der Verhandlungen gegönnt sein würde. Aus dem uns vorliegenden offiziellen Bericht über diese Tagung läßt sieh nicht ohne weiteres erkennen, oh sieh derartige günstige Einflüsse geltend gemacht liabcn oder nicht. Die Wendung des Berichts, י daß während der zweitägigen Verhandlungen ״naturgemäß manche Gegensätze der Auffassungen zwischen den versclticdcncii Landcsgruppcn zu Tage traten׳‘, läßt allerdings die Vermutung zu, daß sicii diese gegensätzlichen Auffassungen auch auf die Frage bezogen, weldie Stellung die Orthodoxie zu den nationalen Forderungen des jiidischcn Volkes nehmen soll. Die Tagung, die am 29. und 30. Januar statt fand und an der Delegierte der orthodoxen Organisationen in den Gebieten der Mittelmächte sich beteiligten, hatte den Zweck, die p r o g r a m m a t i s c 11 e 11 F o r d e r u 11 * gen zu beraten, die anläßlich der beim Friedensschliiß bevorstehenden Neuordnung der Dinge im Osten im jüdischen Interesse zu stellen sein werden, Und außerdem eine gemeinsame Vertretung dieser Interessen bei den Regierungen der Mittelmächte zu sichern. Die Konferenz war, wie bereits mitgctcilt, durch Beratungen der Organisationen in den einzelnen Ländern seit laugerer Zeit vorbereitet worden. Durch Delegierte waren vertreten: die ״Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“, der ״Deutsche üruppenverband der Agudas Jisroel", der ״Verband orthodoxer Rabbiucr Deutschlands“, die ״Vereinigung traditionell gesetz.estreuer Rabbiner Deutschlands“, der ״Bund geset/.estreues jüdischer Lehrer", die ״Galiziscfie Landesorganisatiou der Agudas Jisroel", der ״Verein zur Wahrung des orthadoxen Judentums in Westöstcrreich" und der ״Rabbiner- Verband in Galizien“, Die ״Agudath Haortliodoxim“ und der ״Rabbincrvcrhand" in Polen, sowie die ״Palästineasisclie LamlcsorganisaUon der Agudas Jisroel“ waren zur Tagung nicht erschienen, sondern hatten ihre Beschlüsse schriftlich übermittelt. Auch die ״Ungarische orthodoxe Landcskanzlei" hat ihren Anschluß an die Aktion vorbehalten. Aus der Tagesordnung, die die Konferenz batte und deren fünf Punkte lauteten: 1. Uruppcnreclitc der Juden im Osten, 2. Palästinafrage, 3. Religiöse Forderungen ün Staatsleben, 4. Bürgerliche Gleichbe• rcchtigung und 5. Form und Methode der Vertretung, ging hervor, daß die hier versammelte Orthodoxie an den großen jüdischen Vorgängen der letzten Jahre, besonders an dem Programm der Koiigrefibewegungen in den verschiedenen Ländern nicht gänzlich Vorbeigehen zu dürfen glaubte. Besonders die Aufstellung des ersten und zweiten Punktes und vielleicht auch die Reihe»!- folge der zu behandelnden Probleme lassen einen solchen Schluß zu. Deutlicher zeigt sich diese Rücksicht an den Be- Schlüssen; die gefaßt wurden. Die auf!*unkt 1 der Tagesordnung bezüglichen, einstimmig angenommenen Resolutionen lauten: 1״. Bei ihrer Erlscbung zur Volks-!׳emoinsdiad hat Gott der Judenhcit, deren Existenzbcrcchtigung, Ideale mul Ziele lediglich in der Religion verankert sind, sowie jedem einzelnen Juden für alle Zeiten dii treue Erfüllung des offenbarten Gesetzes zur Pflicht geuunht. Auf dieser gemeinsamen Pflicht beruht das Band gegenseitiger Verantwortung, das die Juden umschlingt. 2. Die Jiulengcmeinsebaft fordert die tmgehinderte Freiheit zur pflichtgemäßen Erforschung und Erfüllung ihres offenbarten Gesetzes. 3. Sie fordert den Seluitz von Lehen mul Eigentum, sowie Freiheit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Juden der Eiuzeiiämler gleich allen Bürgern des betreffenden Staates. •I. Die Formulierung der prinzipiellen Fordertiiigeii und die Art ihrer Durchführung muß »len Verfreiem der Juden der Einzelkinder überlassen bleiheu." Zu Punkt ,1 wird im Bericht bemerkt, daß ״die in diesem Punkte enthaltene Entschließung sieh insbesondere auf die ausgiebig erörterte Frage der Per so- 11 a I a 111« n <> in i e bezieht, die nach Ansicht der Ver- Sammlung nicht grundsiitzlicli, sondern nur gemäß den besonderen Vorbedingungen in jedem Lande gelöst werden kann," In diesen Beschlüssen wird zunächst feslgextcllt, daß Gott die Judenhcit zur Volksgemeinschaft erhoben hat, daß die Juden also eine Volksgemeinschaft sind. Wer Zeuge der bisherigen heftigen Verneinung die* sei׳ Tatsache durch weite Kreise der deutschen ürthodoxie (nicht nur des Liberalismus) gewesen ist, muß diesem Teil der Frankfurter Resolutionen einen besonderen Wert heimessen. Daß der Ausdruck Volksgcmeiiischaft weiter unten durch den der Judengcmeinscliaft ersetzt wird,!»raucht nicht unbedingt als bewußte Um* gehiuig des Wortes Volk angesehen werden. Auch die dritte Resolution dieser Besehlußreilie scheint über das hinaiis/ugchen zu wollen, was sonst unter den Begriff der bürgerlichen Gleichberechtigung fällt. Es ist jeden* falls dankenswert, daß hier die summarische Bczeichinnig ,״bürgerliche Gleichberechtigung“ vermieden und dafür eine konkretere Formulieiuiig gewählt wurde. IX׳r ״Schutz von Leben und Eigentum", sowie die ״Freiheit der geistigen und wirtschaflidien Entwicklung" der Juden in den!.;indem der Zerstreuung, ist immerhin eine deutlicher umrissene Fassung der ülcidibercehligtingsforderuiig Den Seluitz der nationalen Interessen enthält freilich diese Formulierung keineswegs. Darüber vermag auch die zu Punkt 4 gegebene ergän/ciidc Bemerkung, daß die Frage der Persoiialaiitoiioniie ausgiebig erörtert wurde, nicht hiinvegzutäusehen. Daß die Formulierung der prinzipiellen Forderiing mul die Art ihrer Durchführung den berufenen Vertretern der Juden in den einzelnen Ländern überlassen bleiben soll, ist ein Standpunkt, der gewiß Zu- Stimmung findet, der aber bisher von' der deutschen Orthodoxie leider nicht eingenommen wurde. Es wäre daher sehr erfreulich, wenn die Frankfurter Tagung in dieser I iinsicht eine Wendung in der bisher befolgten Politik der Frankfurter ״Freien Vereinigung" darsteilen \winlc. Die bisherige Tätigkeit der beiden im Aufträge der ״Freien Vereinigung“ nach Polen entsandten deutsehen Rabbiner widerspricht so vollkommen dem Geiste dieser Resolution, daß es in der Tat sehr wünschenswert wäre, wenn die ״Freie Vereinigung" aus diesem Wider- Spruch die richtige Konsequenz ziehen würde. Die zu diesem Punkt gegebene Ergänzung zeigt jedenfalls, daß in der Debatte die Frage der Sicherung der nationalen Rechte des jüdischen Volkes eine gewisse Rolle gespielt hat. Aus der Reihe der gefaßten Resolutionen, die sich mit der P a I ä s t i 11 a f r a g e beschäftigen, teilt der offi* ziehe Bericht nur den prinzipiellen Teil mit, der wie folgt lautet: 1. Die Orthodoxie erblickt — unter unvcrhrüchlidicm Festhalten an den mcssianischcn Zionshoffmuigen der Judenhcit zu allen Zeiten in der Besiedlung des heiligen Landes durch Juden die Erfüllmig einer im Religionsgesetz begründeten Pflicht, deren möglichst ungehinderte und umfassende Ausfühniiig zu sichern Aufgabe der jüdischen Gesamtheit ist. Wunsch und Wille zur Einwanderung entsprach stets dem tiefsten religiösen Sehnen der jüdischen Volksseele. 2. Die Orthodoxie erwartet, daß die Türkei diesen auf tausendjähriger religiöser Ueberliel'emng beruhenden Palästinabcstrcbuiigen Vertrauen eiitgegenbringen und der jüiiisehen Einwanderung nach dem Kriege sowohl bei der Ansicdluiig als bei der Entwicklung des religiösen und wirtschaftlichen Lebens im eigenen Staatsinteresse systemalische Forderung angedeihen lassen werde.“ 111 diesen beiden Resolutionen wird einerseits auf die große Bedeutung hingewiesen, die Palästina zu allen Zeiten für das Judentum Iiatte, während andererseits der Türkei gegenüber Forderungen erhoben werden, die auf die ungehinderte jüdische Einwanderung und Ansiedelung nach dem Kriege und die freie Entwicklungsinoglichkeit des religiösen und wirtschaftlichen Lebens in Palästina gerichtet sind. Es wird dabei die Ucbcrzeugung ausgesproehen, daß eine auf Grund dieser Forderungen siel» ergehende Entwicklung im türkischen Staatsi n t e ress e liege und daß daher eine s y s t c m a - tische Förderung der jüdischen Paläsiinabeslrebungen ciiitreten müsse. Der p ra k t i s c h e Teil der auf Palästina bezüglichen Resolutionen ist bis jetzt noch nicht der Oeffcntlichkeit zugänglich gemacht worden. Daß in diesem Teil eine Reihe praktischer Forderungen erhoben wird, zeigt die Bemerkung des Berichtes, daß auf den prinzipiellen Teil eine Aufzählung der an die türkische Regierung in» Intercsse der jüdischen Siedlung zu stellenden Fordcrungen und der Ausdruck der Ucbcrzeugiuig folge, daß ״mit der Zugehörigkeit des heiligen Landes m einer rcoiganisicrtcu Türkei die günstigsten Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung der palästinensischen Ansiedfutig im rclij!iösen Sinne gegeben sind/‘ Aus diese! kur״ zeu Mitteilung über den zweiten teil »1er Palästina!esohitioueii ist zu ersehen, »laß die orthodoxen Organisationen in einer r e o r g a 11 i s i »׳ r t c n Türkei günstige Vorbedingnngen für tlic jüdische Kolonisation und das neu erwachende jüdische Leben in Palästina erblicken. Man muß konstatieren, daß die Palästiuaresolutionen der Frankfurter Tagung, soweit sie bis jetzt veröffentlicht sind, zu den zionistischen Bestrebungen in keinem Widerspruchc stehen. Es muß natürlich der Orthodoxie anheinigegeben bleiben -- und dieses Recht ist von zionistisclier Seite nie bestritten worden -- die auf Pala* stina gerichteten Bestrebungen der Juden aus Motiven abzuleiteii, die der orthodoxen Weltanschauung entsprechen. Von diesem grundlegenden Unterschied in der Motivierung aber abgesehen, findet sieli in der vorlicgeiulen Formulierung der orthodoxen Wünsche und For- »ieruiigen in Bezug auf Palästina eine Uebercinstiminiuig mit den zionistischen Bestrebungen, die von den Zionisten gewiß begrüßt werden kann. Hinsichtlich des fünften Punktes der Tagesordnung, der die Form der Vertretung fcstlcgcii sollte, wände die Bildung eines Vollzugsausschusses der jüdisch-orthodoxcn Organisationen im Gebiete der Mittel• m.ächte beschlossen, in den jede der beteiligten Qrgauisationen zwei Vertreter und zwei Stellvertreter entsendet. Der Vollzugsausschuß wurde beauftragt, zur Vermeidung jedes üegciieinaiiderarbcitens der ver-chie* denen jüdischen Organisationen unverzüglich in Fühlung mit anderen Organisatkmcn, die gleiche Ziele verfolgen, zu treten und, soweit sachlich möglich, eine Verstaudigung mit ihnen behufs gemeinsamer Arbeit herbeizuführen. Auch »licser Beschluß muß als ün Interesse einer einheitlichen Vertretung des deutschen Judentums gelegen begrüßt werden. Wie weit dieser Beschluß zu einem fruchtbaren Zusammenarbeiten der Orthodoxie mit anderen Organisationen führen wird, wird die Erfahrung lehren müssen. Aus dem Bericht über die Tagung ist nodi hervorzuheben, daß die Frage der praktischen P a 1 ä - s t i 11 na r b e i t dem Vollzugsausschuß zur Vorlx׳- reitung eines entsprechenden Programms überwiesen wurde. Das gleiche Schicksal teilten wegen der vorgerückten Zeit die Fragen der :Berücksichtigung des Sabbaths in der Sonntagsruhe-Gesetzgebung, der Sicheruiig der Schechita und des jüdischen Ehereclits im Osten. Die Frankfurter Tagung der orthodoxen Orgauisationen war nicht öffentlich und auf Grund des ausgegebeitet! offiziellen Berichts kann sieh tlic Oclfentlichkeit kein zureichendes Bild der Strömungen und Ansichten machen, die in der Beratung zu Tage getreten sind. Das sclnvädht natürlich die Bedeutung der Tagung einigermaßen ab. Soweit man aber, besonders im Zusammeuliang mit den schon vor der Tagung kuud ge* wordenen Aeiillerungiii einzelner Richtungen, die gefaßten Beschlüsse deuten kann, ist jedenfalls von einer ganz entschiedenen Wandlung zu sprechen, die von unseren! Standpunkt ans begrüßt werden kann. Um so mehr als aus dein Geist der Beschlüsse, die gefaßt wurden, doch sehr deutlich hervorgeht, daß der Standpuukt, den Rabbiner Dr, Pinchas K o h 11 - Warschau vertritt und vertrat״ Widerspruch und Ablehnung erfuhr. Mankann daher der zukünftigen Entwicklung der Arbeit der Orthodoxie mit Erwartung cntgcßcnschen, M. M. Das ״Analphabetentum“ der baltischen Juden Im ״Vorwärts" vom 6. Jan. erschien ei■ Aufsatz, in dem vom Analphabetentum der baltischen Juden gesprochen wurde. I)er nachfolgende Aufsatz sollte die ganz unzutreffenden und irreführenden Behauptungen des sozialdemokratischen Organs richtigstem‘!!. Der ״Vorwärts“ lehnte seine Veröffentlichung ab. Wir bringen den Aufsatz unsererseits zur Kenntnis der Oeffcntlichkeit. Bemerkungen, die nebenbei gemacht werden, bloß zur Ausschmückung eines anderen Gedankens, wirken, wenn sie falsch sind, besonders irreführend. Ihre Absichtslosigkeit wirket bestechend und der Leser nimmt sie als Selbstverständlichkeiten hin, die keine Eiuwämle zulassen. Berühren sie die Lebensinteressen eines ganzen Volkes und ist die Oeffcntlichkeit über die Probleme dieses Volkes so gut wie gar nicht informiert, so sind sie doppelt schädlich und müssen mich denjenigen zur Abwehr auffordern, den sonst jegliche Apologetik kalt läßt. Eine solche Bemerkung, die gerade so schädlich wie falsch ist, wurde in der Sonntagsbeilage nun ״Vorwärts“ vom 6. Januar d. Js. in einem Aufsatz ״Ucbcr Lettland und die Letten“ nebenbei gemacht. Der Autor möchte zeigen, daß das lettische Volk das Recht auf Selbst- Verwaltung besitzt, und glaubt es dadurch begründen zu müssen, daß die Letten bereits eine verhältnismäßig hohe Bildungsstufe erreicht haben und daß cs unter ihnen keine Analphabeten gibt. Damit auch die verseil windend kleine Zahl der Analphabeten, die seine Statistik in manchen baltischen Kreisen aufweist — 3—4״;* — nicht der Sadie der lettischen Autonomie schaden könnte, läßt der Autor die Bemerkung fallen, daß diese ״Zahlen sich auf die Gesamtbevölkerung beziehen und daß unter den Russen und Juden verhältnismäßig viele Analphabeten anzutreffen sind“. ,Zur Bekräftigung des Gesagten folgt dann ein Beweis: ״ln Südlivland sind des Lesens und Schreibens unkundig 43,30/0 aller Juden.“ Dem unvoreingenommenen Leser bleibt dann allein die Schlußfolgerung Übrig: Wem! die Bildungsstufe eine