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Jüdische Rundschau · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 5 -:Jf .% || ,'3 ■:;I 'd§ '14 'fl i 1 1 i f Seite 36 Vota «teilt dahinter, ״nt! dir. Politik der einen mitte der Weit und die Sympathie« der gatuca rfutl jetet :•,Chon auf Reiner Seite“. ״Ea wäre ein unverzeihlicher?elikr der «ladwheii Politik, wenn sie es endgültig ■unterließ-, das Wenige au erfüllen, was die Juden von Deutschland erwarten. Dan ist, um cs noch einmal kurz in1samtnenit1tfav.cn•, die Anerkennung <lcr jüdischen Nation als eines eigenen Volke» mit nationalen Rechten ln den IMmtcni des Cstcns, wo die Juden in Massen gesiedelt eind, sowie die Anerkennung <* * r jüdischen Forderung auf Schaffung eines jüdisch-nationalen Zentrums in Palästina.“ Zu den gleichen Konsequenzen gelangt der sozialdemokratische Abgeordnete Max Coh e n-Ueuß in seinem 1 »heo erwähnten Artikel. Auch er konstatiert, daß der Krieg die nationalen Forderungen der Juden der Weit bekannt gemacht und für die Zunahme ihrer Anhänger mehr fertig gebracht hat, als ein Jahrzehnt ruhiger Ent- Wicklung. Auch in bisher völlig teilnahmslosen Kreisen zeigt man steigendes Interesse für die Forderungen lies Ostjudentums und fiir die PaUi5tjn*-Be3trel>u11gcn des Zionismus. Die Entente hat frühzeitig aus dieser Entwicklung die Konsequenzen gezogen. Sie hat mit Synipathickimd• gdnmgen für die jüdischen Forderungen niclrt zurückgehalten, und die englische Regierung hat sich zu einer «ffizicilen Anerkennung der zionistischen Bestrebungen entschlossen. Die britische Regierungserklärung ist sicherlich durchaus ernst gemeint, wenn sich freilich auch vou selbst versteht, daß die Stellungnahme der englischen Regierung nicht etwa au» besonderer Vorliebe für das Judentum, sondern au» wohl erwogenen eigenen Interessen heraus erfolgt. Englands Er-!;lärmig zeige, wie groß angelegt es seine wclt-po’iü• sehen Plane torbereilet und seine auswärtige Politik betreibt. 1״■ Deutschland hätte man die Bedeutung der natio- «al-jüdischen Bestrebungen ebenso rechtzeitig crkeiuicn rnd ausnützen können ■wie in England. Und man •würde, wenn man es getan hätte, oder wenn man es jelzi noch täte, den ungeheuren Vorteil der größeren Aufrichtigkeit auf seiner Seite haben. Ohne Zweifel ist 8s fiir Großbritannien leichter, über türkisches Gebiet zu verfügen als für Deutschland. Großbritannien will die Türkei zerschlagen und aufieilcn, Deutschland aber will sie, im Gegensatz hierzu, erhalten und kräftigea. Aber gerade deshalb würde eine Erklärung der verbündeten Mittelmächte für die zionistischen Wünsche in Palästina von größter Tragweite sein. Denn die jiidi- Sehe Kolonisationsarbeit in Palästina ist heute ‘bereits von wirtschaftlichem Nutzen für die Türke». Sie würde 'jedoch, von den Türken planmäßig gefördert״ für den «((omanischen Staat eine außerordentliche wirtschaftliche uad politische Stärkung sein. Von dein wirtschaftlichfinanziellen Ergebnis der bisher nur spärlichen jüdischen Besiedelung ganz abgesehen: wie würden aber die Dinge stellen, wenn Palästina einmal von einer Million oder auch von zwei oder noch mehr Millionen jüdischer, dem türkische■ Staat ergebener Bürger bewohnt wäre? ,,Die Türkei kann in der Tat ga!־nichts besseres für ihre eigenen Zwecke tun, als die jüdische Kolonisation mit 1 llen Mitteln zu fördern. Denn sie würde dadurch *stellt allein einen zahlenmäßig beträchtlichen Zuwachs ao loyalen, dem türkischen Gesamtstaat ergebenen Bürfern erhalten, sondern auch eine neue Blüte tles Wirtschaftüch jetzt noch bedeutenden palästinischen Gel.icli erlebe;;, <f;e ' *1 ' ׳. r.'Jicn Will .;h׳;B von . ./•'■־ ׳; i.l ln Geeignetere irlcuicul: 1 ־• . Piix.iina'i t!h die j;״D:r i. , ־. " _ä ..::..1 ס.•,׳;; ... Das bev/eizen einmal «.10 1.1 1-., i;.Lp״׳;.׳ ״;;■1. ׳er Arbeit der ganz auf «.,;ד eg...;;!־ K־. »׳••׳:.!• ' ..:ncn, 0!1;;c jegliche ir liördliclu: i iiih: - .;״.•;.;len ,1! 1 ״׳; iei•.. /.,.vri. tci י׳ aller ir.i er. gev/iß, de..! <i.:n />;. ..־ .nui, l־.öci!׳.tc Sch1r.ut.11l cn i:.t, ,11!־ i;;״Ar r 'I׳׳;;.״!..I;;.;; 1;n׳l .־׳:beiten zu können, die Er’!!!!::..׳; «\. .er i ilr.nc u:!׳i Lust zum Sd1;1,S'cn verde, ,.;I;; ׳ Alt::• .;ehe fju* der. wir überall j1;t Lebe» Ir'.V'.v.■;!. Um; v־;!;n eie' schon im all,;emcir.cn richd;-• i:.l, ur.;A f.ic ttmr.0 r.färker in «Ijerciii La'OlidaYü i'V.li oirben, wo für Zehntausende um! Abciv.t־h:;t:.u:;:m!u *0:1 Juda! <!:.:; Palästinazld höchste Erfülle:;;; ,;vll;;lü;;c;1 v״:d oll ihres anderen gefühlsmäßige:; Lcticutcl.; Pr.Üir.tiiia ist ihnen das Land der Väter, die I leimat, «in der v/idriges Geschick sie cintSrnal;; vertriebe!» I.at, die wiederum zu besitzen und neu .־־.ufziib.r.sci» all; Kraft hergegebeo werden wird. . , . ״Wir deutschen Sozialisten haben von jeher und grundsätzlich der Untcrdrüclamg von Völkern und Volksstämmen feindlich ge;׳enüb:n;a!1d:n und das Selbstbcstimmungsreclit der Nationen ׳;.;dt: r,ncr!:;:nr»i. 'Wir stehen daher selbstverd.Mndlieh de;! Forderungen nach nationaler und kuliurel'cr Scibatberiimmunt; «kr■ Juden in den Ländern jüdischer Mr.r.:cn:iedl1;ag!sowohl all* auch dem Streben des jüdischen Volke.; nach Schaffung eines national-jüdischen Zentrums in PaJäntina freund* lieh gegenüber. AL; deutsche Sozialirden, die die Wirt- »chaftliche Bedeutung aller vorderasiatischer Gebiete für Deutschland kennen, haben wir doppelte Veranlassung dazu. Natürlich müssen wir wünschen, <la5 die territoriale Zugehörigkeit Palästina» zur Türkei durch die zionistischen Bestrebungen nicht in Frage gestellt wird. In diesen! wichtigen Punkt sind die Auffassungen der I iauptbcteiligten, von denen «!er Entcntcpoütiker «hgesehen, ja die gleichen. Mau darf cbo wohl endlich erwarten, daß die für Deutschland und seine Verbündeten nützliche national-jüdische Dewcgunß überall di* Förderung erfährt, die sie verdient . . Die amerikanischen Gcr/erliocliaflen für den Zioai3r.uo Die Ende November 1917 in Buffalo abgehaltene Konferenz der American Federation of Labour drückte in folgender Entschließung ihre Sympathic für den Zionismus aus: ״In Erwägung, daß das jüdische Volk das einzige «ater den kleinen Völkern Jvt, das kein eigenes Flein» besitzt, fordern wir den Prii!;ideuten der Vereinigten Skaten »and den Internationalen Kongieß, der die Fricdem.bcdir.gur.gcn fcatzucctzen habe» ׳ wird, auf, die gerechte Förden»!;; des jüdischen Volkes ' auf die Wiederherstellung seiner nationalen Heimat in Palästina auf Grundlage der Selbstregicrimg anzuerkennen. Mr. Go in pe rn, der Präsident der American F'edcration of Labour, soll au? die amcrikonfcche Regierung einwirken, daß sic einc_ Erklärung In» Geiste dieser Resolution veröffentlicht,“ In» Repräsentantenhaus der Vereinigtcu Staaten wurde ein Antrag eingebracht, die britische Regierung anläßlich ihrer Unterstützung zur Schaftung einer nationalen Heimstätte *ür die Juden in Palästina nt beglückwünschen mul die Untcrctiitzuiig der Vereinigten Staaten bei diese!» Unternehmen zu »erfangen. Au3 Palästina t.'.x’j elccA Londoner Reutertelegramw vo;3 Li. Januar aus Cairo habe« die Zioaif.tcn i;3 PiläcUna umfaasemJc Hilfaarbelie« ihr Jerusalem, Jaffa uml die jüdische» Koloaicn in Angriff genommen. Sie werden 111erbei voa «len englndini Militärbehörden ustrrctüizt, welche euch den Ankauf von Weizen zur Verteilung1 in Jerusalem!Order». Die Lage in «kn jüdischen Kok»- nie!! sei hr! allgemeinen zufriedenstellend, doch hernscU* Mangel an Mcdikaineiiten. [)ringend notwendig- «eie« auch Klcidungr.slücke. Die englische Regierung hält« den Kolonien Saalgetreide geliefert. Nach einem anderen Telegramm vom 22. Januar sind die Weingärten und Pflanzungen der Kolonien im allgemeinen in gutem Zustand. Ea mangele an Vieh, das die Behörden den Kolonisten zu verschaffen suchen. Die jüdischen Wahlen zur Konstituante ' Das wichtigste Ergebnis der jüdischen Waliikaaipagne zur Konstituante war der entschiedene und absolute Sieg der national-jüdischen Waiilkomitees, die «las zionbticche Waiiipmgramm zur Grundlage hatten. Außer den Zionisten, die den Kern der nationaFjüdisdusu Komitees bikieten, schloß«» sidi ihnen die ״Volkspartei", «lie Orthodoxie beider Riditungen und die ״Demokratische Gruppe“, also — ■!it Au»- nähme der Wiiiawerschen ״Volksgruppe“, die mit «len Kadetten einen Block schlossen — alle jüdischen oichl- Sozialistisdien Parteien an. Von den *ozialistiacJiea Parteien waren die Poalc-Zion die einzigen, die «in• selbständige Wahlkampagne iührten; Der ״Busd“ schloß «ich den russischen Soziaklemokralen-Mloimalistcn amd die ״Vereinigten“ den russisclica Sozialisten-Revofutionären an. Von den jüdischen sozialistischcn Parteien ist kein Kandidat ge%väi!lt worde«. Nur die Kandidaten der jüdisch-nationalen Komitees, abo diejenigen, die eich verpflichtet hatten, in der ׳Kobstituantc eine jüdische Fraktion zu bilden und *ich allen Beschlüssen de* Jüdischen Kongresses zu unterwerfe«, haben überall wo sie au ft rate 11, und wo die Juden ihrer Zahl nach einen Delegierten durchführen konnten, den Sieg davon getragen. Gewählt wurden: im Gouverntment Minsk: Dr. J. Bruzku»; im Gouvernement Mohilew: Dr. J. J. Mase, in Cheraoa: O. O. Grusenberg und W. J. Tomkin; in Kiew: N. S. Syrkin; in Betsarabien und Podolien wahrscheirdici!: Dr. J. M. Ko h a n - B e r n 91 e i n und A. M. Goldstein. Mit Ausnahme von O. O. Gfusenberg, der sich persönlich große Verdienste a«n das Judentum erworben hat und sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreut, sind sämtliche Gewählte führende Zionisten. Ein solches Resultat *eitigte keine der früheren Wahlen zur Reichsdwn*. Vorbereitungen zum Jüdischen Kongreß in Rußland 1■ der Sitzung des Hauptwahlbüros des Jüdischen Kongresses vorn 11./24. Dezember kam ein Brief zu! Verlesung, in dem eine Gnippe angesehener jüdischer Politiker aus Rumänien die sdiwierige Lage der Juden im Lande und die rigorosen Verfolgungen seitens der rumänischen Regierung schildert. Da* Büro fordert* die Politiker auf, ausführlichere Materialien zu sammeln und eine Deputation der rumänischen Juck« «er Großstadt zu gelangen, unternommen in einer Sprache, die auch den großstädtischen Mutterboden meist nur mit Hilfe fremder Einsprengungen lockert! kann, und verzehrt von der Sehnsucht, diesen» erstickenden Zirkel zu entrinnen, — solche Widerstände machen die Kunst Wolfensteins zu mehr als einem bloß persönlichen: zu einem jüdischen Problem. Die Großstadt als eine Erscheinungsform der ewigen Schöpfung zu erleben, dazu bedarf’s ga!•nicht der organischen Natur, das könnte einen» Dichter gelingen, ohne daß er auch nur den Baum vor seiner Haustür zu sehen brauchte, allein durch die Kraft :!einer Anschauung und die Wucht seiner Beschreibung, die ihre eigene Schwere schon zum Mit 101• pimkt tles Kosmos tragen würde. Aber dazu müßte er wirklich die Kraft der Anschauung besitzen und die dunkle, aber unzerstörbare Sicherheit, mit aller Kreatur von Anbeginn verbunden zu sein, die dem Juden der Diaspora auf seinen! lebensabgewandten Ghettoweg abbanden kam. Wenn dem heutigen Wcsfjuden das Glück schöpferischen Erlebens zuteil wird, 60 ist es ausnahmslos versetzt mit der höchst unschöpferisdien Qual, für seine Visionen keine adäquaten Werkzeuge 11! sich vor- *11finden. Entweder er bekommt nur das Ganze zu fassen und kann es nicht ausfüllen (wie dies Martin Buber an Werfels Gedichten mit bewunderungswürdiger Klarheit gezeigt hat*), oder er saugt eich wie Wolfensicin an den Details fest und kann sie zu keinen! Ganzen runden, weil sie von keinem Ganzen erzeugt wurden. Und es ist nicht weniger ein Kennzeichen des jüuischen Geistes, daß Wolfcnskin doch (im Gegensatz ei Werfel) einen Ausweg aus dieser Engc-gau finden glaubt und Worin er die Befreiung erblickt. Freilich wird er selbst siel; des bisher behandelten Formprobleir.s überhaupt nicht bewußt, und noch weniger beschwert sl!n dessen jüdischer Ursprung. Für ihn stammt aller Kampf seines;Innern au» ׳allgemeines» Menschheit- *) Martin Buber: Vorbemerkung über Franz Werfel, (״Der Jude", II. Jalirg., Heft 1/2.) fragen, also ans Fragen der -inhaltlichen Weltauffassung, r.ie bilden daher euch den überwiegenden Inhalt seiner Gcdickle. Er crLbt die Welt als ein ״Allegro der Finsternis“, das «lern willige!» Geiste nur ״höllische Wirrnis“ eiligegcnr.chlaidcrt, und, ein ״Hohn auf das eine Licht, das ich audite“, i.'a in immer tiefere Verzweiflung;dürzt. Der Geint aber kann kraft seiner eingeborenen Sehnsucht rieht au!börc11, cid» der verfluchten Eaie r.! nähern, tim ihr eidlich «loci! das Geheimnis der Eriär.uag zu eutre liicu und aus diesem sinnlosen Durcheinander von Manch und Materie zu reineren Weiten a!5fzi:.־.t;‘r׳c;i. Wo!fe״;;!«!;;'! Schwanken zwischen Stadt und Wald, ni* tles beide verbirulcndcu We barte, ist also von ihm aas , des künstlerischen Schrak.1s, ethischen Willens, dessen b Umkreis ticr Natur ve; Erfüllung darf überhaupt r.iu: den, sie muß den leidenden; (״die Woge schwillt ven;ich licl! in der Gemeinschaft gl,ר gerichteter Geister: der F! fävr räch ja deni Gleich- .;ea io ersds.utcrnd offencceheg gansiclrf ein Kampf sondern der Ausdruck eines :sincadci* Drang im weiten;cclieSi Erfüllung sucht. Die ' von at:,'1!*״ her erwartet weröubjekten selber entspringen ,‘),und er findet sic schließich crnpfilnglicher und gleich •e»j n äs ch ,1 f t, seiner ״einzigen Möglichkeit“ ist der ganze zwei;״ Teil und der Titel des Buches gev/i• hnrt Atif’r r*crr de an dieser Lösung zeigt sich, wie er.^ cHe ctlilr.clic Tendenz mit seinem künstlerischen G l;"ngi. Denn diese Tendenz braucht v::r.::t t;nä Leben nur noch als ein Mittel, als eine!״:' c;i-cr׳.t c,:r v\ £c־jh;ncle Anregung, tun zu l!<"h;rer 211 c;:;c r cirdicitüchcn Auffassung der Weit, ::1׳ 1c!c'.if'crl c ׳0 1 || 1 t. t iiGIl Nächsten“ zu gelange:;: r l:־fUcLu! rruia; Coden gespannt empfangen ״׳;. xrc r.n C: ז ihren Scholl, aber Dir gilt ihr Cr י vty■ n i c Im t, r;:! ebter, fcov/ußtloses Land“. Der DK uler \"/A '0! die Sdiöpfang auf cid! beruh:;;,;!;;״ *C•;!«! : CrteKimgswillen unterjocht u;;־i ־:״U, «in nlü C::t 'r':rrh.»:riid;cn Verpflichtung. Damit J •׳".* 0::^,נ jeder kiinstcrische Zv/1: * 1 svcd c;r.e so degradierte Kt:,ist 1* ״,::.־;,:,r;en Profaleme mehr stellt. Es ist charakteristisch sicht nur ,ftr Wolfenstein, sondern für all jene — fast ausschließhd» jidisdien — Literaten, die zum Krci* der Berliner ״AWtion“ gehören, daß sic die künstlerische Leistung in eine etlnhclie, die Dichtung in Tat und Lei!re umzusetzen nicht müde werden. Ich will unerörtert fassen, ob nicht gerade dieser Drang nach besseren menscfiliehen Möglichkeiten einen» uralten jüdischen Erbe enispringt. Er setzt gewiß edle gciitige Kräfte voraus, aber er liegt ewig außerhalb der Kunst unil kann zu ihrer Einr.pammng in die Zwecke des handelnden Mensehen nur Temperamente verführen, die von ihrem Urquell nicht mehr unmittelbar gespeist sind. Denn ihr Künstler kennt keinen anderen Zweck als den, die Sciiöpfang auszusprcchcn, er dichtet nicht »ach einer Weltanschauung hin, sondern trägt die Welt als einen lückenlosen Kosmos 211 sich, den ihm das eigene Schaffen nur immer mehr verdeutlicht, und so gewiß er das Ethos wie jede andere Form lebendiger Kräfte atim Gegenstand der Dichtung machen kann, 60 wenig wird es je seine leitende Idee, 60 amoralisch uml 80 jenseits voa Gut und Böse bleibt sein Werk. Wo geistige Tendenzen dennoch mitgcwiikt haben, da hat »och knmtr der Poet verloren, was der Mensch gewinn; man muß schon ein Tolstoi «ein, um über der Gestalt der Mar- Iowa vergessen zu fassen, welchem Antrieb die ״Auferstcliung“ ihre Niederschrift verdankt. Der Jude Wob!cristem sucht menschlich zu gewinnen, was ihm <fk Wirklichkeit an Offenbarung schuldig blieb. Seine Flucht vor der ״höllischen Wirrnis" des Lebens in die reinen Gefilde der Freundschaft, der ganze Inhalt *einer Go dankenlyrik ist ’ eine wenngleich unbewußte, wenngleich von hohem menschlichem Willen getragene Ausflucht, uro dr.3 ihm verschlossene Außen durch ein ihm zugänzliches Innen zu ersetzen. Er stellt den Gedanke■ über die Gestalt und wähnt — ein Künstler — in vermessenem Glückegefühl, ״unendlich weiter“ als die vor ihn» rusgebreitde Erde zu reichen, anstatt in ihr schon die Wunder des Fiimmels zu entdecken, die einzig durch sie zu Himmelswundern werden können.

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