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Jüdische Rundschau · 1918-01-25 · Heft 4 (25.1.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 4 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Das zionistische Programm zum jüdischen Kongreß in Rußland Anläßlich der Wahlkampagne zmn Jüdischen Kongrell erließ das Zentralkomitee der Zionistischen Orgaiiisatiou in Rußland folgende Erklärung: ״Zusammen mit den Zionisten der gau/en Welt erstrebt die Zionistische Organisation in Rußland für das jüdische Volk das Recht, frei zu leben 11ml sieh frei, seiner nationalen Art entsprechend, ׳zu entwickeln. Wir glauben au die lebendigen Kräfte des Volkes lind an seine nationale Wiedergeburt im Lande der Väter. Wir konstatieren, daß der Rcgcnerationsprozeß des jiidisehen Volkes in Rußland, wo die Juden in kompakten Massen leben, uns neue Formen der nationalen Organisation zu schaffen zwingt. Die allen chaotischen l orineil des jüdischen Zusammenlebens, ein Rcsulta! der Beschränkungen und Unterdrückungen, müssen durch eine nein׳, allumfassende harmonische Organisation ersetzt: werden, die auf nationalen und demokratischen Grundlagen gebaut und mit Sclbstvcr waltu 11 gsrecht versehen ist. Diese neuen Formen des natio- 11,den Lehens kann und muß das Voile mittels seiner von ihm bevollmächtigten Vertretung, des allrußländi-!:! heu J ii (I i s 111 ׳ e 11 Kongresses schaffen. Die Wahlkampagne zu diesem Kongreß eröffnend, eikl.ii t die Z.iuiii ,lisclie Organisation in Rußland, daß auf dem Kongreß die zionistischen Abgeordneten die folgenden Prinzipien verteidigen werden, die dein Wesen des Zionismus entstammen. 1. Das rußlämiisehe Judentum ist nur ein Teil der ,׳!!iwelliichen jüdischen Nation, die durch eine einheitliche Sprache und Kultur, durch eine gemeinsame Geschichte, durch gemeinsame Kämpfe und Hoffnungen zusammengeschmiedet ist, . 2. Das jüdisch-nationale Problem wird endgültig nur durch die Schaffung eines jüdischen staatlichen Zen• inims in Palästina gelöst werden. 3. In den Ländern, in denen Juden in kompakten Massen wohnen, verwirklicht das Judentum seine Rechte und befriedigt seine nationalen Bcdüi Busse, indem es sich in einer aufonomc 11 u 11 d natio 11 a Ic 11 Org a 11 i s a t i 0 11 vereinigt. Diesen Grundprinzipien gemäß wird die Zionistische Organisation in Rußland danach streben, folgendes Programm auf dem allrussischen Jüdischen Kongreß durchzuführen: * 1. Die national-politischen Forderungen. 1. Rußlano, als Staat mit einem 1ungeheuere» Tcrrilomtm, das von vielen Völkern bewohnt wird, imiß, zwecks Sicherung seiner Entwicklung und im Namen der Interessen seiner Völker, auf der Grundlage einer weiten nationalen und territorialen Autonomie umgestaltet werden. 2. Das jüdische Volk, das nicht zu den territorialen Völkern Rußlands zählt, hat das Recht, eine national-pcrsoiulc Autonomie zu genießen, einen öffentlich-rechtlichen Vorhand zu schaffen, der alle Juden, die auf dem Territorium des russischen Reiches wohnen, umfaßt, 3. Das allgemeine Reichs- und Verfassungs-Gesetz iivuß die nationale Autonomie für alle nationalen Minoritäten im russischen Reiche einführen und die tatsiidiliehe Möglichkeit des Genusses die;,er Rechte garantieren, indem es ein System der zentralen und lokalen Organe schallt, die die Vollmacht erhallen, die Rechte der’ nationalen Minoritäten zu verteidigen. >1. Die Gleichberechtigung der Sprachen aller Völker im öffentlichen Leben, in privater und privatreclitlichcr Beziehung. 111 den Städten, in denen eine nationale Minorität eine bestimmte Zahl oder einen bestimmten Prozentsatz der Bevölkerung erreicht, wird das Recht ihrer Sprache für die Schule, für das Gericht und für die Kegieruug's- und sozialen Linrichimigeii anerkannt, 5. Das Recht der Juden, überall die Sonntagsruhe durch Sabbalmhc und die niclitjüdisdicn Feiertage durch jüdische Feiertage zu ersetzen. :01111mm1111mu11׳tm1!m11m1111i11m11Mu1!1111;111umnN111m1111t1111m1111111imu11nm111111M1im11t111111i111111w | Berliner Zionistische Vereinigung. | | Sonnabend, den 26. Januar 1918, g 5 aUmul» ö'/a Uhr: | 1 Mitgliederversammlung | Ü Herr Julius Bor?»er spricht nn di«tse1n Tage | | bestimmt über: | Die Juden 111 Polen 1 L u ic 111: 0 ftentanrunt as. Ilcfdolhcrgor, Frlcdrichatr. 143/149 |; : Prachtaälc des Westens, Spichcrnstrnsse 3. | d Donnerntag, den 31. Januar 1918, | :• fthomls 8'/, Uhr: | r: | Osffciifllcliei! Vortrag | J ״Zionismus und Weltpolitik“ I Referent: Kurt Blumcnfeld. : s Diskussion. y 2 Eintritt 30 Pfennig. ■-׳-׳.״״— | ■A tri filinilllNIIIIIIIIIIIIIimilllllllllllllinillllllllllllllllMlllimilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllMlllllllli II. D i c G ru 11 d 1 ag e » der nationalen Autonomie. 1, Der jüdischen Nationalität gehört jeder Jude an, der nicht seinen Austritt aus dem Judentum erklärt hat und keiner anderen Konfession angcliört. 2, Der Jüdische Kongreß in Rußland, der auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen und proporiionellen Wahlrechts ohne Unterschied des Geschlechts eiuhenu'en ist, wird als eine allnißländisclie, jüdische nationale Versammlung betrachtet, die bevollmächtigt ist, die konkreten Formen der zentralen und lokalen Organe der nationalen Autonomie und den Umfang und die Grenzen ihrer Kompetenz zu bestimmen. 3, Die jüdische national-personale Autonomie wird durch die Waadim (Komitees) der Gemeinden, durch die Waadim der Bezirke (Gliliin) und den allrussischen jiidisehen Waad verwirklicht. All diese Institutionell werden ebenfalls durch allgemeine, direkte, geheime, gleiche und proportionelle Wahlen ohne Unterschied des Gesehlechts gewählt, Seite S7 4. Die Organe der nationalen Selbstverwaltung liefriedigen alle Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung im Einklang mit ihrer geschichtlichen Lebensart. Zu der Kompetenz der Waadim gehört 1 ic Gründung, Finanzierung und Unterstützung der Anstalten, die sich befassen mit: a) Kultur- und Bildungsarigclegenheiten, b) Fragen des religiösen Lebens, c) sozial-ökonomis:her Hilfe (Genossenschaften, professionelle Ausbildung etc.), d) Regelung der Emigration Und Binnenvvaiideiiiiig, e) Volksgcsumlhcit, f) sozialer Fürsorge, g) Einschreibung der jüdischen Bevölkerung in Matrikel! und Volkszählung, h) Budget. Die Waadim veröffentlichen auch lustruktionen und Sin (ulen iiirer Anstalten. Zwecks Sichenmg einer größeren Erzieluiiigsfreiheit erhält jede Literngruppe, die eine bestimmte Zahl erreicht, das Recht, besondere Schulen laut einem iluieii erwünschten Programm zu entrichten. Dabei muß nur das Minimalprogramm gewahrt werden, das für alle Schulen obligatorisch ist. Auch diese Schulen werden auf Kosten des Gemeindcbudgds erhalten. 5. Die Organe der nationalen Autonomie verwenden die Mittel, die, der Zahl der Juden gemäß, für jüdische Bedürfnisse aus den staatlichen oder lokalen Geldiniltehi bestimmt sind. Außerdem haben diese Organe das Recht, eine Zwaugscinkommenstcuer der jüdischen Bevölkerung nufzucrlcgcn. Diese Steuer muß eine progressive sein. Der Kongreß hat zu fordern, daß* ein der Zahl der jüdischen Bevölkerung entsprechender Teil der Geldmittel, die vom Staat zwecks Wicderaiifoau der vom Kriege zerstörten Wirtschaft bestimmt werden, einem vom Jüdischen Kongreß besonders zu wählenden Organ zur Verfügung gestellt werden soll. 6. Die Organe der nationalen Autonomie genießen alle Rechte einer juridischen Person. III, Die Stellung zu den Juden anderer L ä 11 der. 1, Der Jüdische Kongreß in Rußland fordert die Abschaffung aller Beschränkungen der bürgerlichen, polifischen und nationalen Rechte der Juden in allen Laudem, in denen .sie wohnen, 2, Der Kongreß fordert die Anerkennung der nationalen Rechte der Juden in den Ländern, in denen sie in kompakten Massen wohnen (Polen, Galizien, Rumänien efc.) 3, Der Kongreß fordert, daß vom internationalen Wiederaufbau-Fond entsprechende Geldmittel zmn Wiederaufbau der jüdischen Wirtschaften in Polen, Litauen, Galizien, Rumänien etc. bestimmt werden. Diese Geldmittel ׳müsse» den entsprechenden jüdischen Organisatione» zur Verfügung gestellt werden. 4, Der jüdische Rcichswaad hat das Recht, mit jüdischen Einrichtungen und Organisationen anderer Länder bezüglich allgemein jüdischer Angelegenheiten in Verbindung zu treten. IV. Palästina. 1. Der rußlämiisehe Jüdische Kongreß deklariert inv Naii'cn des Judentums der russischen Republik die Foidenmg der Schaffung einer vom internationalen Rechte anerkannten nationalen Heimstätte für das jüdisehe Volk in Palästina. 2. Der Jüdische Kongreß beschließt, daß die Mit- Wirkung an der Schaffung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina in die Kompetenz der Organe der nationalen Selbstverwaltung gehören muß“. zistik und Belletristik des letzten Jnhrc's, Sein Kritciiiim bei der Auswahl der besprochenen Bücher — er hat nur solche erwähnt, die ihm für diesen Zweck ciiigesaudt wurden — scheint bei aller Anerkennung des gesunden Prinzips nicht ganz einwandfrei. Sehr verdienstvoll ist das gewissenhaft angelegte Verzeichnis der besprochenen Bücher, das seiner Uebersicht folgt. Diesen an aktuelle politische und literarische Ercig- , nissc anknüpfenden Beiträgen stehen solche gegenüber, die Probleme der jüdischen Gegenwart behandeln. Mehr noch im Geschichtlichen wurzelt das Problem, dein- Osins Thon in seiner ״Kunst der Bejahung“ nachgeht. In skizzenhaftem Aufbau beweist Thon an den verschiedene» Epochen der jüdisdien Geschichte, daß das Judentum durch die bewußte Bejahung des Lebens der Gemeinschaft' das Leiden der Welt zu überwinden sucht und daß jene Epochen des jüdischen Daseins, in denen dieser Bcjahungswille geschwächt oder ganz verschwunden war und die Erlösuiig in einer jenseitigen Welt gesucht wurde, die Zeiten der jüdischen Erniedrigung waren. Erst die spate Kabbala und der Chassidismus haben wieder An- Sätze der irdischen Zukunitslioffnunf des jüdischen Volkes gezeigt, die aber erst im Zionismus von neuem zu vollem Durchbruch gelangt sei. So stellt sieh Thon der Zionismus als die Rückkehr zum Urjudentuin, zur 11״t jüdischen und ewigjüdischen Kunst der Bejahung“ dar. Einen für die zionistische Ideologie sehr bedeutsamen Beitrag hat Nacluun Goldman« geliefert. Ausgehend von dein Satz, daß stets die edelsten Laster es sind, von denen die stärksten Gefahren ausgehen, wendet sich Goklmami gegen die ״gheltoromaiilisehe Einstellung“ eines Teiles, und wie er glaubt des besseren Teiles der j ׳ngeii zionistischen Generation. Goldmann sieht die tiefste Wurzel dieser Ghettoromantik in dem tragischen Umstand, daß die zionistische Jugend, die besonders durch den Krieg mit dem ostjüdischen Leben vertrauter wurde, in demselben Augenblick, da sie dieses Leben keimen lernt, es auch bereits als nicht mehr lebensfähig erkennen muß. Die Wirkung dieser Ghettoromnntik äußere sich in der Ablehnung der europäischen Werte für das Ostjudeutum, wodurch die klare Entscheidung und Grcuzset/uiig des Zionismus verwischt werde. Wiihreml der Ostjude die Gefahr dieser Ghettoromantik kraft des gesunden Instinkts leicht überwinde, sei Ihr der Westjude, da er das Problem nur nacherlebt und nicht am eigenen Körper von ihm ergriffen wird, ziemlich hilflos ausgcliefcrt. Obwohl das Ghetto in seinem innersten Wesen eine Schöpfung des; jüdischen Volkes sei, müsse es doch zu gunsteu eines neuen, freien, schöpferischen Lebens prinzipiell abgelelmt werden. Leider.hat es Goldmmm unterlassen, den Nachweis zu führen, daß eine Lösung des Problems schon gefunden sei, auf welche Weise und in weicher Auswahl die europäischen Werte dem1 jüdischen Leben eilige impft werden sollen, um in ihm jenes neue schöpferische Leben, das er fordert, zu entfachen. Es will uns dünken, daß eine befriedigende Lösung dieser Frage bis jetzt noch nicht ausgesprochen wurde und daß daher eine so radikale Forderung, wie die Goldmanns, 'mit großer Vorsicht zu prüfen ist,*) Eine Teilantwort auf diese große, ,uns alle tief berührende Frage weiß — wenn auch von einem ganz anderen Gegenstand ausgehend — A. S. Juris zu geben, der ״Die nationale Bedeutung der jüdischen Arbeiterschaft“ würdigt. Er erkennt als den bedeutendsten inneren Vorgang der jüdischen Entwicklung den Prozeß, durch den das Volk der Bücher in ein Volk der A 1׳ beit verwandelt wird. Es ist bedeutsam, aus dem Mumie eines jüdischen Sozialisten das Bekenntnis zu vernehmen, daß der jüdische Sozialismus sieh nicht mehr vom jüdisdien Geiste unabhängig machen kann. ״Das jüdische Proletariat, auf den Boden der durch ein tausendjähriges Schaffen und Ringen erzeugten jüdischen Wirk- *) Auf Goldmanns Aufsatz kommen wir dem* nächst in einem anderen Zusammenhang noch ausführ• lieber zu sprechen. lichkcit gestellt, kann und darf sich nicht vor! dieser Geschichte, die auch die seine ist, loslösen, einer Geschichte, deren Inhalt ein ewiger Kampf ist um die Freiheit und Vorherrschaft des Geistes gegen die Brutalität einer m a t c r i a l i - siertcii und entseelten Anti-Zehn- Gebot- Gesellschaft, gegen die Europa Militans, die ihrem Tim und Lassen nacli heidnisch und barbarisch geblieben ist. Leben kann sieh nicht identifizicren mit einem Kampf gegen das eigene Ich. Nur ein Schaffen aus sich heraus, heißt leben, aus den durch ganze Generationen in den Tiefen unseres Seelenlebens aiifgestapelteu geistigen Schätzen.“ Aus diesem Gedaukengang heraus kommt Juris zu der Feststellung, daß das Glück der jüdischen Zukunft nicht im Gegensatz zur jüdischen Religion stehen kann, daß die religiosen Uchcrlicferuiigcn vielmehr eine der stärksten Triebkniffe sozialen Ausgleichs waren und sind. ״Das absolute Ethos, das unser Gesetz durchdringt, verleiht dem jüdischen Proletariat in seinem Kampf gegen die Iknirgeoisie das stärkste Rückgrat. Dieser erneute Bund des proletarischen Judentums mit Israels ewigem Gott wird zum Unterpfand für eine glücklich geläuterte Welt‘־ Diese Auflehnung gegen das ״mechanistisch-dekadente“ Europa iut unter der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas bereits in den genossenschaftlichen Siedlungen symptomatischen Ausdruck gefunden. Sie konnte den Wider- Spruch: ״nationaler Boden und soziales Unrecht“ nicht ertragen. Schon aus den wenigen Zitaten des Auf- Satzes wird das Außerordentliche der Ausführungen Jinis deutlich, Sie sind in der Tat eine teilweise Autwort auf die Frage, die Goldnianu uiihcaiitwortet ließ. Eine sehr brennende Frage der zionistischen Jugend und der Zionistischen Organisation zugleich behandelt Siegfried B e r n f e 1 d. Mit unbedingt überzeugender Kraft der Darstellung deckt Bernfeld die Gesetzmäßigkeit auf, nach der die Jugend, sobald die politische Tat nottut, die nach einem Letzten strebt oder zu streben scheint, sich in die ersten Reihen des politi- / k. 'I I; ׳1 I I I * t I I i I

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