Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1917)
- Date
- 1917-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Seite 152 J U EDI SC 11 E RUNDSCHAU er der Welt des Taylorsystcins die jüdische Welt «ntgegenstellt, in der nicht tler Arbeitsbctrieh, solidem der Geist regiert. Heber den ״J ii d i s c 11 « 11 K o 11 ין■ r e II“ in Am«• 1'ika, die Geschichte und das Ziel der ganzen ,unerikanischm Kongreßbcwcgting schreibt Leo Cliasanowitsch, der mehrere Monate lang selbst in der Kon'• grcllliewcguiig in Amerika tätig gewesen ist. Seine Darstellung ,vermiUelt lebendig das Hikl der Strömungen, die im amerikanischen Judentum zusanuncng.cwirkt 1111ben, bis es sieh nach einer gewaltigen Aufrüttelung und Organisierung in der allumfassenden KongrefVbeweguing auf der nationalen Plattform zusaminengcfumlcn hat, Chasanowitseli weiß zu zeigen, von welch einzigartiger hi• storiseher Bedeutung die Kongrcßbcwcgiuig ist. (ielegentlleli hat es zwar den Anschein, als ob sich Cliasano• witsch in der Beurteilung der Faktoren, die der Kongreß- Bewegung zum Furchbniih geholfen haben,!etwas zu sehr von seinem poafe-zionistisetien Standpunkt aus leiten ließe, wenn auch nicht verkannt werden soll, welch grollen Anteil gerade die Poule-Zion an den bisherigen Re• sultateii der Bewegung gehabt haben. Aber diese Einscitigkeit in der Beurteilung erklärt sich zum Teil daraus, dali Qiasnnowitsch mit besonderer Genauigkeit die Politik des von den Dundisten geführten Nationalen Arbci* terkoinitees kritisiert, das vor der Einigung die Gruppe des American jewish Committee gegen die Kongreßbcweguitg stützte. Adolf B ö ii m schreibt in Anknüpfung an Oettingcrs Broschüre über ״Systematische Palästinak oi oti i s a t i o n“ und schließt seine sachgemäße Be• spredmug mit dem Ausblick: ״Deshalb darf cs nicht mehr so bleiben, daß der Zionismus bloß als ״eine“ der Parteien des Judentums betrachtet wird. Die Sehicksalszeit, die das jüdische Volk jetzt durchlebt, erfordert die lebendige Anteilnahme der ganzen jiidenlieit an seinem Werk, im Bewußtsein, daß er der Ausdruck ihres Willens zum Leben ist. Aus dem schlichten Büchlein Oettingcrs, das mit nüchternen Ziffern gefüllt ist, spricht es zu uns, wenn ivir hören wollen: Die Zeit ist da, ucr Weg liegt klar vor uns, an euch ist’s, zu vollbringen!“ Apolinar Hartglas in Siedlee, einer der fähigsten nationalen Politiker im polnischen Judentum, schreibt über ״Die Krisis des p o I n i s c h c 11 . J u d e 11 t u m s“ und sieht der jüdischen Zukunft im freien Polen mit Optimismus entgegen, Moses S e h o r r behandelt die ״R c c 111 s s t c 1 I u 11 g ii n d i 11 n c r c V er I a s su!1 g d e r Juden in Polen", indem er die Prinzipien fest/ustcllcn sucht, welche für die Rechtsentwickluug der Juden in Polen im ganzen Verlauf der Geschichte Polens richtunggebend gewesen sind, ' Einen sehr interessanten Aufsatz ״Vergessene Kunst" steuert Sigmund B r o 111 b e r g B y t k o u׳ s k i bei. 111 sachkundiger Weise behandelt er die Kunst des jüdischen Handwerkers, die im Grabstein und Messing- Icuchtcr, im Silbergerät und im Kupfersclnmiek ihre bcsondere Eigenart geprägt bat. Seine Ausführungen beleuchten ein leider sehr wenig gekanntes Gebiet, dem er sicherlich neue Aufmerksamkeit gewannt. Leo Bneck, dessen Buch über ״Das Wesen des Jiidentiinis״ unvergessen ist, hat für den Juden einen Aufsatz ״L ebc n s g r u 11 d 1111 d L e be 11 sg eii a 11“ geschrieben, in dem er der Sehnsucht nach der ״messianischcn Prophetie der großen Gedanken" Ausdruck gibt, die uns die Richtung geben, Ob Leo Bacck der Spannung gerecht wird, die in der Auseinandersetzung zwischen Hermann Cohen und dem Zionismus ihren Ausdruck gefunden hat? Leo Baeck sagt: ״Es ist kein Gegensatz... zwischen der Idee Hermann Cohens, die das Judentum wieder in die geistige Weltgeschichte liineinstellt, ihm den Platz, der Weltrdigion wieder erweist, und der Idee der zionistischen Autoren, die den Boden unserer Eigenart, unsere besondere Lebenstiefe, unsere Religiosität darlegen.“ So gcgensatzlos scheint uns wenigstens die Spannung nicht zu sein. . . Nach einer Arbeit von Arno Nadel ״Der erste Satz der Bibel“ stehen von Ernst Müller besorgte ״U ebertragungen aus dem Buche S o h a r“. Gustav Landauer veröffentlicht einen Vortrag ״Strindbergs Historische Miniaturen" und, ׳bezeichnenderweise, mündet auch Landauers Vortrag so: ״Wir Juden haben nicht bloß unser Amt an der Menschheit; die Wege, die die Menschheit nimmt, Umweg«, Irrwege, schwere und gefährliche Wege, die Wvjgc der anderen Völker werden auch um unsertwillen gefingen, sind auch unsere Wege. Sind nicht unser ganzer cg, nehmen uns nichts von unserer besonderen Aufgäbe ab, sind auch unser Weg. Unser Weg auch der Weg Europas bis zum 18. Hruinaire, unser Weg auch, was dann kam bis März 1848, unser Weg auch, was anschloß und weitergebt über unsere Zeiten hinweg," Ein neues Tor in die Zeitschrift hat Bubcr der Litcratur aufgetan. Er bringt bisher unveröffentlichte Gedichte von Franz. Werfel, denen er eine ״Vorbe 111erkung über Franz Werfe 1“ voraussendet. An die Spitze seiner Vorbemerkung stellt er eine Stelle aus einem Brief von Franz Werfel: daß ich in mir die tausend Schmerzen und Verzerrungen des neuen Ghettos erkenne, bekenne Ußd gu überwinden kämpfe und als einziges Heilmittel die Errichtung eines ufthystcrischeu gereinigten nationalen Selbstbewufttscins sehe.. Die Gedichte Franz Werfels und Bubprs Vorbcmerktirijj rechtfertigen vollauf die neue Einführung. Bubcrs Werruiig ist zuverlässige Bürgschaft dafür, daß unter dem Deckmantel der Literatur nicht Halbwcrte in den ״Juden" , Eingang finden werden und dal mir, was künstlerisch restlos bestehen kann, im ״Juden“ zu finden sein wisd, Nach einem ״J ü <1 i 8 e h e n Sold a t e n I i e d", das im .Schützengraben entstanden ist, schreibt in der Ru• lirik der ״ Bemerk 11n:;cn“ B. fC r 11 p 11 i c k über ״Oie Befreiung der nissisclu'ii Juden durch die Revolution und die neue Bedeutung, die von nun ab der Golusbegriff für uns hat. Helene Hanna Colin knüpft eine schöne Bemerkung ״Das J u d e n s c h i f f“' an die Nuehrieh* (eil über die Nctigriiiidtmg jüdischer Geniei 111c 11 in Spanien, Max Mayer eine konzentrierte Glosse ״W i I - n as Kriegs v e r in ä c h 1111 s" an tlas ״Wilnaer Sammelbtieh". Line sehr sachkundige Auseinandersetzung widmet der Nationalökonoin Ignaz Schipper unter dem Titel ״Der jüdische Kapitalismus“ der Kontroverse zwischen Lu jo Brentano und Wenter Soinlnirt. Hugo Berg in a 1111 findet in Karl Renners Buch ״Oesterreichs Erneuerung“ Anlaß, unter dem Titel ״Verwal- 111 n g“ über die zionistische Aufgabe zu sprechen, welche uns in der Verwaltung des eigenen jüdischen Lehens gegeben ist. Das I left schließt ein Aufsatz von Arthur R u p p 111 über ״Die Zahl der Juden“, die Rtippin bis zum Jahre 1915 auf rund 13 750000 schätzt. Ucber ein so reiches Heft des ״Juden" einen gedrängten Ucbcrblick zu geben, ist nicht leicht, aber gern erfüllte Pflicht, Der Reichtum ist so groß, daß er nur deshalb nicht den Rahmen sprengt, weil er in einer bewundernswerten Komposition zum einheitlichen Bild zusamincngefaßt ist. Bubcr hat Recht, wenn er die Tendenz und wenn er die Objektivität rühmt, die den ״Juden“ aiis/.eichnet, Es gibt keine Zeitschrift, die diescr Auszeichnung in solchen! Maße teilhaftig wäre. Sieh des ״Juden“ freuen, heißt nicht nur, sich einer Zeitschrift freuen, die in ausgezeichneter Redaktion wertvollste Beiträge bringt. Es heißt vielmehr, sich mit Stolz der jüdisehen Bewegung freuen, in der die Zeitschrift wurzelt und die uns trägt. Die Bewegung ist stark, weit und tief. Sie gibt uns das Recht und die Kraft, an unsere Zukunft zu glauben. Leo ilcrrmimii. Syrien als Wirtschaftsgebiet von Dr. A. Ruppin Berlin, Verlag des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees 1917. X-H 419 S. (Fortsetzung) Meisterhaft schildert Dr. Ruppin die A c k e r b a 11wirtschaften des Fellachen, des d e u t s c 11 e 1! und jüdischen Kolonisten. Er bringt die richtige Auffassung zum Ausdruck, daß kein Grund vorliegt, die Bodenbewirtschaftung des Fellachen, wie dies so häufig geschieht, als Raubbau zu bezeichnen. Die Wirtschaft des Fellachen hat den Vorzug, daß sie gut equilihriert ist, d. h. an Klima. Verwaltung*•, Verkehrs- und Steuerverhältnuisc, Meiisclien- und Tiermaterial richtig angepallt ist, Eine rein äußerliche Modernisierung durch Einführung von Maschinen erschuftert dieses Gleichgewicht. Die höheren Ausgaben werden durch höhere Einnahmen nicht wettgemacht. Jede piötzliehe oder gewaltsame in die Fcllaehcnwirtschnft eingeführte technische Neuerung stiftet mehr Schaden als Nutzen. ״Das sollten alle diejenigen beherzigen, die Vom grünen lisch aus Allheilmittel für die syrische Land- Wirtschaft in der alsbaldigen Nachahmung europäischer Arbeitsmethoden sehen.“ Die deutschen und jüdischen Kolonisicii hatten jalirzehntel,•mg Lehrgeld zu zahlen, bis sic an Stelle der Fellachonwirtschaft neue rentable Wirtschaftsformen ins!.eben rufen konnten, 1 );ibei wäre nach Ruppins Mcintmg der deutsche Wirtsehaftstyp, der hauptsächlich auf der Milchwirtschaft beruht, nicht überall anwendbar, sondem nur in der nächsten Nähe von Städten mit ctiropüischer Bevölkerung, welche die Milchprodukte zu guten Preisen abiiinimt. (111 Klammern mochte ich hier bcmerken, daß ich die Abwendbarkeit des auf der Milch- Wirtschaft beruhenden Hetricbstypiis für eine weit allgemcincrc halte.) Die von den Juden bisher ausgearbeitote rentable Wirtschaftsform stellt gleichfalls nur eine Teillösung d es P r 0 b I c 111 s dar, da Wein-, Grangen-, Mandelpflanzungen ohne Viehhaltung und mit sehr wenig Getreide- und Gemüsebau nur unter besondereu Bedingungen möglich sind. 'Diese Bedingungen sind: Großes Anfangskapital, genügende U n - t e r 11 a 11 s 111 i 11 c 1 während der ertragslosen laugen Warteperiode, kooperativer Zus a in in c 11 s c 111 u ß für Produkt Ion, (bei Wein) und Absatz, leichter Zugang zu den Ausfuhr h ä f c 11. eicnr zmrenenu ist, was ur. ■rutppin in oczug aui das bisherige Fchlscltlagcn des Getreidebaues iri den ■ jüdischen Kolonien sajft: ״Weder der Kleinbetrieb noch der Großbetrieb, gleichwie ob administrativ oder genossensclinftlicli geführt, haben die adäquate Form in bezug auf Getreidebau gefunden. Alle Ackerbauwirtschaitcn in den jüdischen Siedlungen haben bisher erwiesen, daß ein Betrieb, der zwar über bessere Gcbäude, Oeriite und Tiere verfügt, aber die gleichen Kulturen anbaut wie der Fellache, nicht nur nicht rentahlcr, sondern im ׳ Gegenteil weniger rentabel ist die der Fellachen.(Bei dieser Gelegenheit möchte ich bemerken, daß das bisherige zweifellose Mißlingen des Getreidebaues in den jüdischen Kolonien die Möglichkeit seiner gedeihlichen Entwicklung in Zukunft nicht ausschließt. Durch eine systematische, streng wissenschädliche Vcrsuchstätigkcit, durch Anwendung starker Düngung, sorgfältige Sortenwahl, ausgedehnten Anbau von Leguminosen usw, werden die Roherträge aus dCm Getreidebau sich bedeutend steigern larren, so daß auf Böden in gewissen Lagen, die nicht sofort zu intensivere״ Kulturen zu verwenden sein werden, der Getreidebau sich auch in indische״ Kolonien wird behaupten können. Nach dem Kriege ׳wird überdies die bevorstehende beträchiliche Preissteigerung für alle Getreidearten bei der Frage, ob auf bestimmten Böden und in bestimmten Lagen der Getreidebau zu betreiben sein wird, von ausschlnggcbciidcr Wichtigkeit sein.); , Die darauf folgende Erörterung der Rentabilität des Ackerbaus enthält sehr interessante Zahlen, die sich aui die Lrträg« des Komerbaus beziehen und <qt liaimtsäehlieli auf Mitteilungen des Herrn J. Wiikatisky in Jaffa beruhen. Die Maximalerträec, die (ür gedüngte (Hier von Natur besonders reiche Boden und in guten Jab. reu gellen sollen, sind pro Hektar mit 2880 kg fu/• Gerste und mit 21100 kg für Weizen angegeben, n )!<:!,« A 11 s 11 a b in e / a h I e 11 vgl. S. ÖS) 11. 01 — durften nicht 111. L. mit den D 11 r c 11 s c 11 n i 11 s c r t rage q in den europäischen Ländern, die für DeutsclilamT in! Jahre I0FJ bei Weizen 21(10 kg und bei Gerste 2000 kg pro Hektar betrugen, verglichen werden. Die Palästina!, sischen Diirchsclmittscrträge für Gctreidcgcwächsc entsprechen in Wirklichkeit bloß etwa eitlem Drittel der bisher nur ausnahmsweise erzielten Maximalerträge.) Sehr lehrreich ist die Berechnung der Einnahmen und Ausgaben verschiedener Ackcrbamvirtscli,alten. Diese Erinitthingen erbringen den unwiderleglichen Beweis, daß die Fellachen größere Koltcinunhmcn erzielen als die go ßcnwärtigcii jüdischen Ackerbatikolonisten. Das Anlage. Kapital, einschließlich Boden, bewertet Dr. Ruppin Tür eine durchschnittliche Fellachenwirtschaft (100 Dunam) mit 5000 Francs, für eine jüdische Ackcrhauwirtschaft (200 Dunam) mit 17 000 Francs, (ür *eine deutsche Koloiiistcmvirtschaft (200 Qunain) mit 24 000 Francs. Die deutschen Wirtschaften erzielen als Gegengewicht (ür das höhere Anlagekapital erheblich höhere Roherträge, und zwar etwa 000 Francs per Hektar gegenüber rund 200 bis 3110 Francs in den Fclladiemvirtscliajtcn und 100 bis 173 Francs in den jüdischen Getreidebauwirt• schalten. Während die Rentabilität des jüdischen Getreidebaus eine auch sehr niedrige ist, ist die hohe Rentabilität der Bamnpfl,inzungen in Palästina außer jedem Zweifel. Die im entsprechenden Kapitel enthaltenen Angaben beziehen sich auf die Durensclinittserträgc der Pflanz.uugcn bei Jaffa und sind in übersichtlicher Weise in Tabellen zusammengestellt. Besonders instruktiv ist die Rcntabilitätstabellc der Faiimpilanzmigeti in den jüdischen Kolonien (S. 100). Von hoher Wichtigkeit ist in diesem Zusammenhänge der Hinweis darauf, daß ln Pa• lästiua durch die Utilisicrung des Randgebietes des Düneu- und Wüstcngiirtcls viele tausende Quadratkilometer der Kultur zurückerohert werden können. Die letzten Kapitel, die der landwirtschaftliche■ Produktion gewidmet sind, enthalten eine Unmenge neuer Beweise für die ungenügende Organisation des landwirtschädlichen Kreditwesens im Lande, für die argen Verhiiltnissc in bezug auf Besteuerung, Kataster, Agrargesetzgebung und die staatliche Fürsorge für die Ent- Wicklung der landwirtschaftlichen Produktion. Der Abschnitt schließt mit einer Aufzählung von Vorschlä- §.. . Anhänge lioigefügt. I >r. Ruppin empfiehlt hauptsiiehlieh folgende Maßnahmen: 1. Gründung einer ״Syrischen landwirtschaftlichen Gesellschaft“, deren H iuptarbeitszweige die Bckäiiipiinig von Schädlingen, die Vermittlung bei Ankauf von Dünger und Saatgut, die Einrichtung von Uemonstrationsfeklern, die Erprobung uno Einführung von neuen Kulturen wären. 2. Förderung der Viehhaltung durch Gründung Staatlieber Gestüte zur Verbesserung der Tierrassen und durch Errichtung einer Anstalt zur Bekämpfung der Tierseuchen. 3. Erlaß eines Ameliorationsgesetzes zur Vermehrung der landwirtschaftlich benutzbaren Fläche. 4. Errichtung von Lagerhäusern und Verbesserung des Frachttransportes. 5. Ausdehnung des landwirtschaftlichen Kreditwesens. 6. Reform der Osdiergcsct/gcbung. 7. Baldige Durchführung des Katastergesetzes vom 5. Februar 1328. 8. Abschaffung der Beschränkungen des Immobilienrecht cs zur Erleichterung des fimlen- und Hypothekenerwerbes durch Gesellschaften. Dieses Programm beruht augenscheinlich auf der Hoffnung, daß in naher Zukunft mit voller Einsicht und mit aller erforderlichen Energie seitens des Staates die für die Entwicklung des Landes unabwendbaren Agrarrefonr.cn werden durchgefülirt werden. Der Abschnitt über die übrigen Zweige der Urproduktiou (Forstwesen, Fischerei und Jagd, Bergbau) enthalten Angaben, die sich mehr auf Gesamtsyrien als speziell auf Palästina beziehen. Immerhin ist hier die Feststellung der Bedeutung der in jüdischen Kolonien angelegten Eukalyntusnflanzungcn von Wert, sowie der Hinweis auf die Möglichkeit der Entwicklung einer Fischkonserven-lndustrie. O. (Schluß folgt.) Ida Abraham Ein heißes Herz hat äufgehört zu schlagen. lila Abrahams Name erscheint nicht in den Annalen der zionistischen Geschichte. Sie stand in der Reihe, aber die neben ihr standen, kannten ihre treue gute Kameradschaft, ihre unverbrüchliche Hingabe. Wißt ihr noch, ihr alten Freunde, entsinnt ihr eutii noch unserer jungen Tage in Cöln? Der ersten Nordauversammlung in Deutschland und der dann folgenden Zeit? Damals war sie schon dabei und war uns anfangs recht merkwürdig, die erste zionistische Frau, die uns entgegentrat. Kennt ihr die Anfänge der jüdischen Frauenbewegung und was uns lda Abraham damals war? Wie war sie bei uns in all ihrer Jugend, in unserer Jugend! Sie war uns alles, begeisternde Vorkämpferin und kluge Beraterin, vor allem aber Kamerad. Sie war unser Kamerad und allen, die jene junge köstliche Zeit erlebten, war es nachher nie zweifelhaft, daß die Frauen neben die Männer gehören in unserem Kampf. Sie war für uns und mit uns alle Tage. Ach, wie oft haben wir mit ihr in heißen Debatten, in kühnen Himmclsflügcn Nächte durchschwämit, in mühseliger und immer so gerne getaner Arbeit, die damals ja noch so neu war. Sie war mit uns, sie und ihr Mann, der uns so Freund war und Kamerad wie sie uns Freundin und Kameradin. Ich d!iidce ihm in Trauer die Hand. Ein heißes zionistisches Herz hat aufgehört zu schlagen. Warschau. Julius Berger,