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Jüdische Rundschau · 1917-05-04 · Heft 18 (4.5.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 18 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 j u ein SC H E RUN DSCHAU * Seite 153 Dr. Moritz Cli&mizcr Am 3. April ds. Js. starb in Leipzig■ im m Lebens-!.ihr Dr. Moritz Chamizer, ein vorzüglicher Philolog und hebräischer Bibliograph, aber ebenso ausgczctch- »et in seinen Charaktereigenschaften als Mensch und als Jude. Dr. Chami/cr wurde am 18. August 1817 in Moliiievv am Dnjcpr geboren. Er zeigte früh eine ungrwühiiliehe Begahmij! und erhielt von seinen frommen Eltern : eine sehr sorgfältige Erziehung. Noch in junge״ J.־ihren erwarb er sich gründliche Kenntnisse in der hchraisehen Sprache 11 ml im hebräischen Schrifttum, lernte ahei■ .mch die klassischen und mehrere moderne Sprüchen. I m das Jahr 1870 kam er nach Berlin, wo er m der I niversitiit orientalische Sprachen studierte; seit dem Jahre!872, in dem die Lehranstalt für die Wissenschaft des Imlentinns eröffnet wurde, trieb er au dieser Hochm'IiiiIc auch jii1lisel1״lh1׳ologisehe Studien. So reifte• er zu einem gediegenen Philologen heran. Nach Vollen• hing der Uiihersitälsstuilien iihcrsic'dclte er nach l..eip־ /!!.;, we» er über •10 Jahre hindurch eine überaus segens-!eiche Tätigkeit als wissenschaftlicher Direktor der Ofli/in I)rugulin ausiibte. In seiner allzugroßcn Beschei• ilenheit trat er sehr wenig mit eigenen wissenschuflliclien Vrbeiteu hervor, nichtsdestoweniger leisteteer der Wissenschaft ungemein große Dienste mit seinem gctlicgeneu vielseitigen Wissen und mit der Sorgfalt, die er einer unübersehbaren Reihe von philologischen Werken hei der Drucklegung widmete. In (iclchrtenkrcisen war der Verstorbene als allezeit hilfsbereiter Berater beliebt und verehrt. Dr. Chamizer war dahei ein Mau« von vornehmer und edler Gesinnung mul von treuer!*flichterfiilliing, die sein Leben bis zum Ende ausfüllteu. Item Judentum, das er in seiner ganzen geschichtlichen Bedeulmig so gründlich kannte, hing er in inniger Liebe mit allen Fasern seines Lebens an. Gleich nach dein Beginn der zionistischen Bewegung schloß er sich ihr an und blieb ihr bis zu seinem Ende treu, trat aber auch da in seiner Bescheidenheit niemals öffentlich hervor. Am ö. April wurde Dr. Chamizer zur letzten Ruhe bestattet. An seiner Bahre sprach Dr. Simon B e r n f e 1 d, ein Neffe des Verstorbenen. 1111 Namen der Fandlienaugehörigeu widmete er dem Heimgegangenen Worte des Abschiedes und schilderte in kurzer Rede die «He Persönlichkeit des Emsehlafencn, was er seiner Familie, seiner Umgebung, dem jüdischen Volk und der Wissenschaft gewesen ist. Das Andenken dieses edlen Mannes wird in den Kreisen jener, die ihn gekannt haben, immer in Einen gehalten und in dankbarer Eriniierung bleiben. Sclicmarja Jellin Wieder einer der hoffnungsvollsten Söhne jerusa-!eins in den Scholl der Erde geborgen, die er so heiß geliebt, und für die zu wirken und zu leben ilun nur so wenige fahre gegeben waren. Kaum 21 Jahre alt, ist er von der Epidemie dahingerafft worden. Er lebte und starb auf dem heimischen Boden, den er als echter Sohn 11er Zion *borge nie verlassen hatte. Er war der Sohn des neuen Jerusalems, das von der erstickenden Umarmung der alten Mauern betreit, sich filier die liiigel und Täler ausbreitet und immer neue blühende StädUviertel bildet. Des neuen Jerusalems, dnsi einer neuen blühenden Baumkrone über einem jahriiundertcalfen SUimine ähnelt. Hier geboren, verbrach(e er daselbst seine ruhigen Kinderjalirc, seine, erste so»- nige lugend. Hier wuchs er zu einem echten Paliistina-Juden heran, dem alles, um das wir, die Neu- .״(־gekommenen, erst ringen mußten, schon eine Selbstverständlichkeit war: das Land, die Sprache, das neue Leben. Sclicmarja kannte nicht den Riß in der Seele, an den wir, die jmigverpflaiizleu Palästinenser, litten. Er liebte sein altes Jerusalem mit seinen dunklen (iäßclien mul allen Synagogen wie man seine liebe alle Kinderstube liebt. Er war dem neuen Jerusalem ergehen, weil es ilun ein Symbol des neuen paliistincnsisehen Lebens war, an dem’ aufopferungsvoll uiit/uvvirkeit *eit (iesdileeliUrn eine Tradition seiner Familie war. Wir liebten ihn, den treuen Kameraden, sein frisches kerngesundes Wesen, das versöhnend und erfrischend in unserer oft viel zu nervösen, überspannten Atmosphäre wirkte. Demi in seinem '11111 und Lassen spürte tiiait *len erfrischenden Wind, der um die Berge Jerusalems weht. Es ist Ihm vergönnt gewesen, nach Vollendung seiner Studien an der Jerusalemer Handelsschule des Hills- Vereins seinen Beruf an einer der wichtigsten losti-!iitionen des neuen Jisclmws auszuüben. Er war an unserer Palästina-Bank tätig. Seine freie Zeit weihte er der Jerusalemer Turn-Organisation ״Makkabi“. Selbst gesund an Leib and Seele, ist es sein Ideal gewesen, auch andere Söhne Jerusalems kräftig und stolz zu sehen. Die Aufrichtung der gebeugten Riidken hatte er zu seinem I ebenswerk gemacht, an dem er mit inniger Hingabe und treuer Ergebenheit arbeitete. N. Be 11 - N a t ba n. Turnen und Sport Eine Beratung des Zentralkomitees der Jüdischen Turnorganisation in Polen Dienstag, den 24. April, fand die Viertcljalircskotifeien/, des Zentralkomitees der jüdischen Turnoi'gauisa• tion in Polen statt. An der Sitzung nahmen die Mitglieder des Zentralkomitees aus Lodz und der pol* nischen Provinz teil. Es waren Vertreter aus Czcnstoeiiau, l’l«ick und Ka lisch anwesend, Herr Morgenstern gab einen Ucberhlick über die Tätigkeit״d«r Turnvereine in der Provinz. Herr Scheinberg berichtete über die Tätigkeit der tcch* nischen Kommission, die die Aufgabe hatte, die Turnvereine einheitlich zu organisieren. Den Kassenbericht erstattete Herr Eiger. Nach den Berichten hat die Turnorganisation wahrend der kurzen Zeit ihrer Existenz große Fortschritte gemacht. Siebzehn Turnvereine haben sich ih. .. .!geschlossen und zahlen die Kopfsteuer, die auf der letzte» Konferenz beschlossen wurde. In allen Vereinen wurde die 11 e b r ä i s c h e K o m in a u - dosprache eingeführt. Der Redakteur des ״Lodzcr Tageblatts“, Herr IJger, gab einen Bericht über die Kulturkommission, die sich besonders mit den Fragen der Erziehung beschäftigt. Er betonte, daß trotz der großen Schwierigkeiten, die dieser Arbeit eritgegcntreicii, die bisherige Tätigkeit gute Resultate gezeitigt habe. Last in allen Vereinen herrscht die nationale Richtung. Herr Hger behandelte feiner die Frage eines eigenen Organs, das bis jetzt nicht infolge der schwierigen Umstände geschaffen werden konnte und betaute die Notwemligkeit der Versendung von Zirkularen zum Zweck der nötigen Aufklärungsarbeit in den einzelne» Vereinen. Dem Beschluß bezüglich der hebräischen Kommandospräche gemäß hatte die Kulturkommission die Aufgabe, eine einheitliche hebräische T u r 111 e r in i 11 o 1 o g i e zu schaffen. Zu diesem Zweck hat die Kulturkommission eine besondere Koiiiiuissioii von hebräischen Philologen gebildet, in der mich Herr Dger und Herr Scheinberg vertreten waren. Diese Kommission hat auf Grund der hebräischen Turntermhiologie, die in Palästina eingeführt ist, und auf Grund neuer Ausdrücke, die später geschaffen wurden, eine Tiirnterniinologie zusammenge* stellt, die demnächst veröffentlicht werden wird. Es wurde auch die Frage der Schaffung eines S c in i 1! a rs für T u r 111 c 11 r c r behandelt. Man stellte fest, daß die Durchführung eines solchen Projektes infolge Mangels der nötigen finanziellen Mittel zurzeit nicht möglich ist. Es wurde nach längeren Debatten der Vorschlag; des Herrn Ugcr angenommen, daß das Zentralkomitee im Prinzip die Notwendigkeit eines Scminars für Turnlehrer anerkennt, einstweilen aber nur I n s t r u kt t on s k 11 r s e von vier- bis sechswöchentlieher Dauer ciurichtcn kann. Die allgemeinen Unterrichtsfächer dieser Kurse sollen in jidischer Sprache erteilt werden. Die Mittel zur Einrichtung der Kurse sollen durch einen Teil (250״) der aus Turnfesten fließenden Einnahmen gewonnen werden. Nachdem Normalstatutcn für die jüdischen Turnvereine festgesetzt worden waren, beschloß die Sitzung noch folgendes: Bis zur Gründung eines eigenen Organs sollen von Zeit zu Zeit Zirkulare an die Turnvereine versandt werden; die jüdischen Wochenblattcr, wie die ״Hazefirab‘‘, ״Das Jüdische Volk“ usw., sollen gebeten werden, besondere wöchentliche Turnrubriken einzufülircn; die Mitglieder des Zcntralkomitees, die in der Provinz wohnen, sollen als Rayon- Vorsteher betrachtet werden und mit den Turnvereinen in ihrem Rayon in Verbindung stehen, die. jüdisehe Turuorganisation in Polen soll sich mit den jüdischen TuriHirgaiiisatiniseu in Galizien über die hebräische rurntcrminologic verständigen, Ferner wurden einige Beschlüsse gefallt bezüglich der Einführung eines ge* nteinsamen Abzeichens und eines einheitlichen Kostüms für die jüdischen Turner in Polen. Mitteilungen des K. J. V. Das K. J.V. Belgien hält seine Zusammenkünfte jeden 2. mul 4. Sonntag im Monat ab; die nächste ist am Pi. Mai. Treffpunkt bei Gefr. Ludwig Mayer, Brüssel, Kommandantur Militärpolizci, der auch sonst im Büro au Wochentagen von 8 I und 4—8 und Sonntags von 8 1 Uhr zu treffen ist. Alle Bundesbriider im Elsaß wollen ihre Adressen umgebend Uhr, Stabsarzt l)r. S. Moses (durch Veriuitthing der Präsidiums) mitteilcn. Bundesbriider, die au einer Schowuaus-Zusamtnenkunft in K o w 1• I teilneliineii wollen, werden gebeten, dies umgehend Bhr. Fritz Perndt (durch Vermittlung des Präsidiums) niit/utcilen. Treffpunkte im Westen: Lille: Gefr, Paul Sulzbergcr. Metz: Dr, Isidor Weehselbaimi, S t r a ß b u r g i, Eis.: Dr, Robert Oidion, Collier Ring 24. Ferner in; Cambrai, Chnrlcvillc, Doual, Lion,, St. Quentin, Reims, Saarbtirg, Sedan, Valencicnncs und votiz.iers. Ucber ״Ile in Belgien befindlichen Bundesbrüdcr erteilt Gefr. l.tidwig Mayer, Brüssel, Kommandantur Mllitärpoii/ci, Auskunft, Treffpunkte im Osten: Ivobr vn: L;m1lsft1rmmunn Gurt Weiß, am Friedensgeeicht. Mit au; l'eklliilfsnrzf Erich Jaruslawsky, Schreiber- Straße 32, Grill. Warschau: Feld/nhnarzt Fritz Tryfus, Fcstungslazarett, II. Zahnstation. Rrnila: Unterzahnarzt H, Sluszewer, Boulevard Couza 203. Bukarest: Dipl.-ltig. Mathias Wechsler, Strude Eiicaei 45 A, Focsniii: (Auskunft erteilt: Flcrr Rabl». Dr. Nacht, Straße Stefanie del Mare 10), 1־eener in: Bnranowitschi, Brcst-Lltowsk, Goduzisehki, Grodno, Kowel, Nowo-Alcxnndrowsk, Nowngrodek, Nowo-Sweii/i.uiy, Olschnny, Soly, Wilna, Lemberg, Sofia. Die genaueii Adressen sind beim Präsidium zu' erfahren. Die Leiter der Zusammenkünfte auf den verschiedeneu Kriegsschauplätzen werden gebeten, die neueste Adressenlistc dem Präsidium so bald als möglich zu übersenden. Das liier vorhandene Adrcsseninntcrlal Ist nicht melir ganz zuverlässig. Die Adresse des Präsidiums ist: Berlin W, 15, Silclisisclie Straße 8. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Georg Calmann und Arthur Korn (Zion. Jugendvcreiit, Berlin) haben das Eiserne Kreuz erhalten. Fritz Sch c r b e 1 (״Bar-Kochba׳‘, Berlin) wurde zum Vizefeklwcbcl befördert. Berlin. Am Donnerstag, *len 10. Mai, um Ö'.j Uhr abends, findet im hebräischen ״B e t It - W a a d“ (Zianistisebes Zentralhüro, Sächsischest!-. 8) eine Aussprache über die Frage der jüdischen national-kulturellen Autonoinic statt, die Herr S. Rubaschow einleiten wird. . Gaste willkommen. 4 Berlin. Das ״Hebräische Informationsbüro'‘ des ״Beth-Waad“ teilt folgendes md: Am 15. Mai beginnen drei hebräische Kurse, und zwar; 1. Stille Sur Anlänger, 2. Stufe für Vorgeschrittener« und 3. Stufe liir solche, die, des Hebräischen mächtig, sich durch Lektüre, Konversation und ׳Stilübungen vervollkommnen wollen. Teilnehmer wollen sieh selirifllieb unter ungcf;ihrer Angabe ihrer hebräischen Vorkeriutnisse an die Adresse des ״Hebräischen Informationsbüros“ (״Lischkath-inodiiii"), z. H. von Dr. Max Ma) •er, Berlin w. 15, Düssekbirierstraße 23, wenden. Berltü. Der vom ,Jüdischen Turn verein Ihi r IC o c 111) a“ am 22. April veranstaltelc ״J ü d ls c 11 e Kunstabcnd" beschäftigte die zahlreichen Besucher /,um grütUew teil mit den ernsten Arbeiten des jungen Komponisten Jaiiot S. Ros k in. Seine Bearbeitung jüdischer Volkslieder und der Lieder nationaljiklisclicr Dichter (Reisen, Perez usw.) bilden eine wertvolle Bereicherung der lU'Ujüilisclicn Kunst. All dem tiefen Judencleiul, das auch mit Deutlichkeit den Schimmer einer glücklicheren Zukunft erblicken läßt, hat er einen kraftvollen und ergreifenden Ausdruck verliehen. Als besonders gelungen verdient hervorgehoben zu werden der melodiöse ״Scliuster bei der Arbeit“ (Text von Reisen), den auch in Armut und Not der immer wieder Itcrvorgeliobcnc jüdisehe Frohsinn kennzeichnet, öollanin sang, begleitet am Klavier von Ludwig Mendelssohn, mit einer besonderen Innigkeit und ergreifenden Wärme den volkstümlielien Teil. Auch das innige Violinsniel des Frl. Carola Zcilcnka fand reichen Beifall. Frau Johanna Meyer rezitierte national jüdische Gedichte von Zuckermann und Rosenfekt und zeigte die noch viel zu wenig bekannten Schöpfungen ncujüdisehcr Kunst Weniger glücklich waren ihre Vorlesungen aus der Bibel gewählt. Es ist auch bei bester Wiedergabe schlechterdings nicht möglich, den tiefen Gedankenreichtum und die außerordentlich religiösen Werte, die in den Büchern Jcsaia und Prediger Salomo enthalten sind, durch bloßes Vorlcsen auszuscliöpfen. Berlin. Am Dienstag, dem 21. April, sprach Herr Kurt Blumenfcld in einer gut besuchten vom K. J. V. einberufeilen Versammlung. Das Thema seines Vortraträges lautete: Zionistische Politik. Der Redncr ging davon aus, daß die heutige Zeit von größter Bedeutung für die Geschichte des Zionismus und des jüdischen Volkes werden könne, daß man sieh bereit halten müsse für die großen Ereignisse, die eintreten können. Als llerzi im Jahre 1S')7 den Ruf nach dem Judenstaat erhob, da habe noch kein Volk und kein Land existiert. Heute müssen wir uns fragen, ob wir seit jener Zeit wcitcrgckommeii sind, oh wir heute eine größere Macht repräsentieren als damals. Das wertvollste Ergebnis ist sicherlich die durch unseren zielbewußten Nationalismus gewonnene Einheit der Organis.ition. In Amerika hat sich das zionistische Judentum, das während des Krieges eine sehr starke Ent- Wicklung genommen hat, nicht gescheut, mit der Assimilation einen Kampf aufzimeluiiei!, und es hat diesen Kampf zu einem siegreichen Ende geführt. Dadurch erst war es imstande, mit der Assimilation keine Kompromisse, sondern ein B ii n d n i s zu gemeinsanier Arbeit einzugehen. Es besteht lu'irtc in Amerika eine starke national gerichtete Stimmung der Juden. Das grüßte Ereignis der jüdischen Geschichte der letzten Jahrzelmlc aber ist die russische Revolution. Die Einanzipation der Juden in Rußland fällt in die /eit brennendstcr Natiimalitätenkämpfe. Das russische Judentum kämpft bewußt für seine nationalen Forderungen. Gewiß werden Assimilationserschcinungcu nicht ausblciben, aber sic werden nicht aufkommen gegen die nationalen Ten- (lenzen, die hier zum ersten Mal gerade von den offizielten Kreisen des russischen Judentums vertreten werden. Die Befürchtung, daß der Kampf um die kulturelle Freiheit, der Autonouiismus, dem Zionismus abträglich sein würde, ist nicht berechtigt. Wie wir wissen, daß wir Menschen jüdischer Kultur nur auf palästinensischem Boden sein können und doch mit allen Kräften danach streben, schon im Golus uns möglichst viel an jüdischer Kultur anziicigncn, so werdet! die russischen Juden um die Autonomie kämpfcn und darüber 11ns palhstiiiensisclie Ideal nicht vergessen. Fassen wir alle Kräfte des jüdischen Volkes zusammen für gemeinsame Arbeit im Golus und in Palästina. Dortmund. Am Sonnabend, den 21. April, hielt die Zionistische Ortsgruppe ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr S, Lieh e n g r ii 11, berichtete über die Tätigkeit der Ortsgruppe wäliretid des Krieges. Nach Vorlegung des Kassenberichtes wurde in eine Ausspräche fingetreten. In Ergän/uitgswalilen wurde Frau L. Abeies und Herr M. Go he 11 in den Vorstand gewählt. Hierauf referierte Herr Zahnarzt Fabian über die ״Nächsten Aufgaben des jüdischen Volkes“. Der Vortrag wurde mit Beifall aufgennmincn. Mannheim. Am Donnerstag, dem 26, April, fand eine Sil/tiup der Zionistischen Ortsgruppe statt, in der über ״Zionistische Kulturarbeit“ gesprochen wurde. Das einleitende Referat beschäftigte sich vornehmlich mit den Gedniikengängcn Achat! 1 laams, indem es den Ocgensatz zwischen der Auffassung Her/Is imtl der Acliad •1 laams scharf hcrausarbeitete und daran anschließend einige Eiii/elfrngen streifte. Es entspann sich daraus ein Meinungsaustausch, bei dem ganz verschiedene Standpunkte vertreten wurden, und der dadurch sehr anregend wirkte. Einige Wochen vorher hatte eine Aussprache über ״Die niichstliegcndcii zionistischen Aufgaben“ im Anschluß an die Verhandlungen des Delcgicrtcntagcs stattgefumien. Der n ft c h s t c V o r t r a g, der das Thema ״Die jüdische F rau“ behandeln soll, wird am Mittwoch, dem 9. Mai, wiederum im Hotel Odenheimer, D 5, 2, stattunden, und zwst werden vor der Aussprache ein Referent und eine Korreferentin sprechen.

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