Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Seite 133 Wähler 3(!״״ tlcr Gesamtzahl der Wahlberechtigten in der 6. Kurie. Im besten halle konnten daher die Juden piur 3 von den zu wählenden 10 Ralmiinnern durchfuhren. Heu Sie}; trugen die Poale-Zion davon. Ihre Liste zog 261);) Stimmen auf sich, wahrend die bimdistischc liste nur 1600 Stimmen hatte. Seitens der l’oale-Z.ion wurden zwei Ratmiinner gewühlt (Hr. David R o s e n z w c i g und A. K. H o I o 11 d e r s k y) und sei_lens des ״Hund'‘ einer (Lehrer L i c h t e n s t ei n). Einen bedeutenden Sieg feierten die Poale-Zion in H c n d z i n. I Ijer wurden drei poale-zionistisclie und ein humlistiseher Ratmann gewühlt. In Wlozlawek dagegen führten die jüdischen Arbeiter nur die Wahl eines Ratnianns und zwar eines Bundistcn, durch, ln C zeit stoch au vereinigten sich die Bundisten mit den polnischen Sozialisten. Die Poale-Zion dagegen stillossen einen Block mit den Sozialisten-Territorialistm (S. S.). Das Wahlergebnis ist noch unbekannt. Der einzige Ort, wo die jüdischen Arbeiterparteien keinen ihrer Kandidaten in der (>. Kurie durchführen konnten, war Siedlcc. liier stand als erster auf der Liste des jüdischen Wahlkomitees der bekannte zionistische Jourmilist Hartglall. Dank der Popularität dieses Kandidaten gelang es dem allgemeinen jüdischen Wnhlkomitee, auch die (!, Kurie für seine l.iste zu gewinnen. Zionistisches Volksinceting in Lodz ln Lodz wurde in der vergangenen Woche das erst! zionistische Volksinceting abgchallen. Ls wurde anläßlich des in Lodz durcligcführlcn Schekel- 1!1׳:cs durch (las Lodzcr zionistische Komitee veranstaltet 1111(1 stellt einen grollen Erfolg des zionistischen Geliaukciis in Lodz dar. Ls waren über 130(1 Personen auwesend. Die Versammlung eröffnet(■ das Vorslandsmilglied des Lodzcr zionistischen Komitees Herr Dr. J. Rosen bl att, Er sprach über die Lage der Juden im gegenwärtigen Zeitpunkt, Zugleich mit dem Los anderer Volker um! Länder müsse auch das Schicksal des jüdischen Volkes heim Friedensschlüsse entsehieden werden. Es müßten anher den bürgerlichen Rechten .1 ncli die nationalen Rechte der Juden garantiert werden. I /:irin bestehe die Aufgabe tlcr Zionistischen Organisation in dieser Zeit. Als zw eiter Redner sprach Herr M, J. 1' re 1111 aus Warschau, der das Lodzcr zionistische Komitee im Namen des Warschauer ״Waad Ironi“ in hebräischer Sprache begrüßte. Der Redner wies dann in jülischcr Sprache auf die Bedeutung des Schekels für die zionistische Bcwegung hin. Lr betonte, daß die zionistische Arbeit allen Schichieu des jüdischen Volkes gehe, ohne Rücksicht auf die Richtung, der sie angeboren, weil ihr Ziel die Wiederhclebung des jüdischen Volkes im jüdischen Lande ist.!,dicht der Zionisten im Golus lind besonders der zionistisehen Jugend sei es, sich für eine breite Tätigkeit /ugunsten Palästinas vorzuberciten. Dai.mi erhielt der zionistische Journalist Advokat Hartglall aus Siedl«׳ ׳.las Wort. In längerer inliaits- , reicher Rede (in polnischer Sprache) verglich er das Lehen des jüdischen Volkes mit dem anderer Völker im gegenwärligen Zeitpunkt mul betonte die Notwendigkeit, nationale Rechte zu fordern, die es ermöglichen, die jii- (lischt Kultur und Ligenart zu pflegen tun( zu eulwiekeln. Weiler behandelte der Redner ilic Emanzipation der Juden in Europa, wo sie nur die Gleichberechtigung als Mensciien und Bürger erhalten haben, während inan ihnen als Juden keine Rechte gegeben hat. Zum Schluß torderte llartglali die Anwesenden auf, au der grollen Arbeit des Zionismus Anteil zu nehmen und hei der Lrrciclutug des zionistischen Endziels mit/uhelfen. Die Rede wurde mit begeistertem Beifall aufgenotmnen, Das Schlußwort erhielt Herr J. I) a w i d 0 w i t s e 11 aus Warschau, der über die Regulierung des öffentliehen Lebens der polnischen Juden sprach und dabei folgende Resolution in Vorschlag brachte: ״Da die Juden als besondere Nation mit einem ausgesprochenen Willen ihrer nationalen Lortesistenz. das Recht haben, Garantien für die freie Entwicklung ihrer eigenartigen nationalen Kultur zu fordern, stellt die Vcr- Sammlung \om Hl. April ID 17 i:11 Konzeitsaa! in Lodz fest, daß, während die Regulierung der Judenfrage und die Crhaitung des jüdischen nationalen Organismus nur durch die Schaltung einer ständigen jüdischen Siedlung in dein hislorischcn Vaterland der Juden möglich ist, im Golus, besonders in den Ländern mit einer großen jüdischen llevülkcrtmg, die Rechte der Juden als natiuualcr Minderheit anerkannt werden müssen, Es wird daher gefordert: 1. die Anerkennung der jüdischen Nation in Polen und konstitutionelle ־Garantien für die Rechte der jüliisehen nationalen Minderheit. Zur Sicherung dieser nationalen liechte eine entsprechende Vertretung in allen Staats- und Koimmmal-lnstimtiouen Wie auch volle Rechte der Selbstverwaltung in allen innerjüdischen nationalen Tragen. Diese Forderungen stehen un Einklang mit den Rechten uml Pflichten des Staates ׳und entsprechen seinen Interessen. 2. eine öffentlich-rechtliche Anerkennung von Paliistina als I leint für das jüdische Volk und Garantien für eine jüdische Kolonisation in Palästina, die eine weitere freie Entwicklung ermöglichen.‘' Diese Resolution wurde in begeisterter Stimmung per Akklamation einstimmig angenommen. Unter den Klängen der Hatikwah wurde das zionistiscltc Volksinceting geschlossen. Vom Jüdischen Nationalfoml Die S p e 11 d e n e i 11 k ü n f t e des Jüdischen National.onds im Monat März, betragen 82 465' Mk. und verteilen sich auf folgende Länder: Nordamerika 2-1553 Mk., Oesterreich 23 001 Mk., österreichisches besetztes Gebiet 2112 Mk., Deutschland 14 121 Mk., deutsches besetztes Gebiet 1777 Mk., Holland 3105 Mk., Rußland '2550 Mk., Ungarn 2124 Mk., Schweiz 1675 Mk., England 1250 Mk., Stidslavische Länder 951 Mk,, Süd-Afrika (188 Mk., Schweden 659 Mk., Belgien 655 Mk., Dänemark 586 Mk., Australien 510 Mk., Oricchenlannd 478 Mark, Aegypten 107 Mk., Frankreich, Italien und andere Länder 270 Mk. Die Einnahmen des ersten Vierteljahres 1f)17 beliefen sich auf insgesamt 208 270 Mk., gegen 100 105 Mk. im ersten Vierteljahr 1010, G c m ii s e ha 11. Im abgelatifencn Jahre wurden auf den Grundstücken des Jüdischen Nationalfonds in den Arbeitersiedlungen Decr-Jakob und En-Ganiin sowie von Arbeiter״ und Mätlchengruppcn in verschiedenen Kolonien Judäas und Galiläas 045 Dunattt mit Gemüse bebaut. Davon wurden für den Anbau von ca. 300 Dunam kurzfristige Arbeitskredite aus den Mitteln des Jüdischen Nationaltonds fiir Notstandsarbeiten gewährt, und zwar im Betrage von ca. 9000 Fres. Notstands a r b e i t e n. In letzter Zeit sind folgende Notstandsarbeiten geplant oder bereits in Angriff genommen: a) Anlage einer lohantitsbrotbaumallee und Bepflanzung des Hcrzlhitgeis auf dem Kcrak, b) Anlage von Pfltmzungen in Kincrcth (Eukalyptusbäume, Bananen- und Zitronenbiitimc), c) Assanletungsarbeiten (Trockenlegung eines Sumpfes in Kincrcth). Die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds hat beschlossen, auch im laufenden Jahre nach Maßgabe der entlaufenden Spenden für Notslandsaibriten die Arheilen zur Linderung der drückenden llcscliäftigungslosigkeit fortz.nseizen sowie den lür die Lcbcnsmittclvcrsorgtmg der Bevölkerung so wichtigen Gemüsebau durch Arbeitskredite zu fördern. Es wurde für verschiedene Assanierung*- und Pflanzuiigsarbciten auf Ländereien des Jüdischen Nationalfonds ein Kredit von 10000 Fres. bewilligt. Ferner wurde eine Verdopplung der Anbaufläche für Gemüse in Aussicht genommen. In der Annähme, daß in diesem Jahre Kredite für den Anbau von etwa 000 Dunam in Anspruch genommen werden, wurde für diesen Arheiiszwcig der Betrag von 18 000 Fres. aus den für Notstnndsarbeitcn eingehenden Mitteln bewilligt. Jüdische Gemeindcwahlreform Von Dr. H. Epstein, Duisburg. In feierlicher Torrn hat der deutsche Kaiser und König von Preußen dem Volke ein gerechtes Wahlrecht verheißen und die Regierung beauftragt, ohne Säumen die Vorbereitungen zu treffen, damit die aus dem Kriege Ziirückkclircinlcn alsbald des freien Rechts teilliaftig werden: Für das nach dem Vermögen abgcstufte Klasscnwahlrecht, sei - sagt der Erlaß — kein Raum mehr. Das Wort des Königs von Preußen hat in allen Staaten Deutschlands nachhaltigen Widerhall geweckt: Ueberall geht man an eine Revision des Wahlrechts. Der Sturmwind, der das morsche Unrecht in Preußen wegfeg(, verschont die rückständigen Wahl- Ordnungen der anderen Bundesstaaten nicht. Die Botscliaft wird aber ihre Wirkung weiter äußern: Das nunmehr dem Untergang geweihte preußische Wahlrecht hat vielfach zum Vorbild gedient nicht nur dem Stimmrecht ztt den Landtagen, sondern den Wahlordnungen zahlreicher anderer Körperschaften, mögen diese Ordnungen auf Gesetz, und Zwang oder Satzung und Willkür beruhen. War ihnen das preußische Recht Vor- | hiiil im Lehen, so werden sie ihm mich in den Tod folgen. Zu diesen unhaltbar gewordenen Ueberbleibscln einer | vergangenen Zeit gehören auch die Stählten zahlreicher jüdischer Gemeinden Deutschlands, Die meisten Judengeset/e Deutschlands, so vor allem das preußische Ge- I setz von 1817 haben es den Synagogcngcineinden überlassen, sielt das Wahlrecht zur Gemeindevertretung nach freiem Belieben zu schaffen. Die Satzungen sind recht buntscheckig. Neben dem gleichen Stimmrecht ist auch I das Dreiklasscnreelit, das nach der Stcnerieistung diffcrcn/ierl, vielfach zu finden. Es ist geradewegs dem preußischen Lumltagswnhlrccht entnommen. Es widerspricht vollkommen dem Geist des Judentums. Seine starke Stütze liitul es im jüdischen Liberalismus Deutschlands, was nur dadurch erklärlich wird, daß diese Rieh- I lung aus dem plulokratisehcn System günstige Wahlergebnisse zu erzielen hoffte. Aber selbst der liberale Gcmcindcrcchtspolitikcr Michaelis muß ztigeben: ״Tür eine Synagogengemeinde ist cs ganz gewiß ungeeignet. Es geht nicht an, die idealen Rechte der Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft nach der Größe des Geldbeutels ah/ustufeu,“ (Allg. Zeitung des Judentums 1912, S. 255). Den zahlreichen Versuchen jüdischer Gemeindeverwallmtgeti, die statutengemäß im Besitze des gleidien Wahlrechts waren, das Drciklasscnwahlrecht eiitzuführen, setzte deshalb die preußische Regierung auch schon vor dem Kriege Widerstand entgegen unter Bert!• fting auf die ״gegen jede Ncueinfühnmg des Klassen- Wahlsystems bestehenden allgemeinen Bedenken“. (Erlaß des Oberpräsidcutcn der Rheinprovinz vom 18. März 1912, II 1138.) Wenn das preußische Stimmrecht gefallen ist, ward der frische Liiftliauch der neuen Zeit auch in die festverschlossenen jüdischen GemeindesUtbcn dringen. Man wird es nicht mehr wagen, das gleiche Wahlrecht zugunsten des Dreiklasscnwahlrechts nbzuschaffcn. Man wird vielmehr überall den umgekehrten Weg gehen, und mau wird so liberal sein, sich nicht erst durch die Aufsichtsbehörde, die konservative preußische Regierung zwingen zu lassen. Daß Deutschland nicht gesonnen ist, zu dulden, daß der Geist der Zeit vor den Toren der jüdischen Gemeinden Halt macht, ergibt die Ver- Ordnung die Organisation der jüdischen Rcligionsgesellschaft im Generalgouvernement Warschau betreffend vom 1. November 1916, nach der die Wahl der Gemeinde* bevollmächtigten nach dem Grundsatz, der Verhältniswähl zu erfolgen hat. Hinter den polnischen Juden, die, von den Führern der jüdischen Gemeinden Deutschlands vielfach als rückständig und des Wahlrechts unwürdig angesehen, aus den Händen der deutschen Regierung das gerechteste und beste Wahlrecht empfangen, werden die deutschen Juden nicht zurückstehen wollen. Sic werden überall die Verhältniswahl entführen, die, wie Elias Straus treffend dargelegt hat (Jüdisches Ciemcindcjahrbucli 5671, S. 61), den Weg zu besserem gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Riclihmgen anbahnt. Ein jüdischer Kongreß in Oesterreich Der Gedanke der Einberufung eines jüdischen Kongresscs, an dem sich die gesamte Judensdialt Oesterreiclts beteiligen soll, wurde schon seit längerer Zeit von böhmischen Zionisten in der zionistischen Prager ״Sei bst wehr“ erörtert und als für die Zukunft der österreichischen Judenheit fruchtbringend mul notwendig dargestellt. Der Oedanke dieses Kongresses der Juden Oesterreichs beginnt nunmehr von der jüdischen Presse Oesterreichs aufgegriffen und näher präzisiert zu werden Die Redaktion der ״S e I b s t w e h r‘* hat dabei die Initiative ergriffen. Sie hat sieft unter Hinweis auf die in der ״Selbstwehr“ wiederholt erörterte Anregung der Einherufung eines Kongresses an prominente Persönlichkeitett des österreichischen Judentums mit der Bitte gewandt, sielt zu den folgenden Fragen zu att Ilern: 1 ״I. Erfordert Ihrer Ansicht nach die gegenwärtige und die künftige Lage der österreichischen Juden nach Fricdeiisschltiß, insbesondere mit Rücksicht auf das Anwachsen des Antisemitismus, einen engeren Zusammen- Schluß der österreichischen Judenschaft? 2. I laltcn Sie einen österreichisch-jüdischen Kongreß für ein geeignetes Mittel, das diesen engeren Zusammensclthtß herbeiführen könnte? 3. Welches Programm Italien Sic für einen solchen Kongreß fiir wünschenswert? Glauben Sie insbesouderc, dal! neben der Frage der Organisierung der israelitiselten Religionsgesellsciiaft in Oesterreich und einer datternden Repräsentanz der österreichischen Juden die Frage der jüdischen Erziehung und der wirtschaftlichen Hüteleislung für die durch die antisemitische Bewegung bedrohten jüdischen Existenzen notwendige Verhandlung■• gegenstände eines solchen Kongresses wären? Wäre ferner nach dem Beispiel des amerikanisch-jüdischen Kongresses auch die Frage der Unterstützung der jüdisehen Kriegsopfer, des Wiederaufbaues in den Kriegs- Zonen (insbesondere.in Galizien), die Erziehung der jüdischcti Kriegswaisen, sowie die übrigen Probleme der jüdischen Kriegsfürsorge und schließlich auch Heratungen über die Fragen der jüdischen Emigration, da Palästina-Kolonisatkfn und der politischen GleiciisteLuiig der Juden in allen Ländern, wo sie ihnen noch vorenthalten wird, Programmpunkte eines östcrreichisch-jiidischeu Kongresses? Gder soll sielt der Kongreß nur mit der f rage der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der österreichischen Juden und der Abwehr aller gegen diese gerichteten Angriffe belassen? I. Welcher Zeitpunkt zur Abhaltung des Kongresses erscheint Ihnen als richtig? 5, Haben Sic Anregungen und Vorschläge für die Vorarbeiten zu einem solchen Kongresse?“ In ihrer Nummer vom 23. März veröffentlicht die ״Sc Ib s t \v e 11 r“ als erste Antwort auf diese Rundfrage die Meinung des Präsidenten des Zionistischen Zentralkomitees für Oesterreich und ehemaligen Reichsratsahgeordneten Adolf Stau d. Die erste Frage der Enquete bejah! Herr Stand. Nach seiner Ansicht erfordert sowoitl die gegenwärtige wie auch die künftige Lage der österreichischen Juden nach FriedcnsschUtß einen engeren Zusammenschluß der österreichischen Judcnschaftcu, und zwar nicht nur mit Rücksicht auf das Anwachsen des Antisemitismus in Oesterreich, sondern um analog den anderen Natiottalitäten Oesterreichs, z. B. den Polen und Tschechen eine gemeinsame Plattform und Basis für ein einheitliches jüdisches Vorgehen zu finden. ״Die Tatsache“, betont Herr Stand, ״daß wir ein einheitliches Volk mit gemeinschaltliehen, wiclitigen Postttlaien, Forderungen, Lebenszeichen, mit Wünschen kultureller, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur sind, diese Tatsache spricht in erster Linie dafür, daß wir uns endiieh finden und zusamtncustiilicßcn müsset!, um unsere Lage zu studieren und zu besprechen.“ Auch die zweite Frage beantwortet Herr Stand in bejahendem Sinne. Er Hält einen österreichischjüdischen Kongreß fiir das geeignete Mittel, das diesen inneren Zusammenschluß eiu'Hte 1 und lic.bc’tül'- ren könnte. Zur Frage des Programms eines s )!eben Kongresses äußert« sich Herr Stand dahin, daß der Kongreß angcsichts der traurigen Lage der österreichischen Judenheit das Feld seiner Tätigkeit möglichst weil atis/udehnen habe. Neben der Frage der Organisierung der j jüdischen Religionsgemeinschaft in Oesterreich und einer Repräsentanz der österreichischen Juden sä die Frage der jüdischen Erziehung und der Wirtschaft).eiten Hilfeleistiin״ für die Tausende der Kriegsopfer von hoher Wichtigkeit. Jedem dieser Gegenstände müsse der Kongreß grolle Aufmerksamkeit schenken. Nicht vom Parteistandpunkt, sondern von einem weiten Gesichtspunkt müsse jede dieser Materien fachmännisch und systematisch behandelt werden. Auch mit der Frage der Emigration müsse sich der Kongreß beschäftigen. Einer Einwanderung der durch den Krieg Wirtschaftlieh ruinierten galizischcn und bttkowinaer Juden nach den westlichen Kronlündcrn und Deutschland müssen die Wege geöffnet werden. Nicht ürenzsclilull, sondern Grcnzöffnung müsse die Parole sein. Als Zeitpunkt der Einberufung des Kongresses scheint Herrn Stand der Herbst 1917 geeignet. Er hofft, daß dieser Zeitpunkt nicht zu spät sein wird, um seine Aufgaben gehörig erfüllen zu können und daß bis dahin die vorbereiteten Arbeiten und Bcsprechungen vollendet ■ein können.