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Jüdische Rundschau · 1917-04-06 · Heft 14-15 (6.4.1917) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 14-15 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 120 JU EPISCHE RUNDSCHAU Nr. 14/15 Kapitalbedarf, Erbpacht und Nationalfond*) Von Julius Simon, Den Haag. In der soeben vom Hauptburemi des Jüdischen Nalion dfomls herausgcgchcncn Schrift von lug. Agr. Jacob O e 11 i 11 g e r über ״M c 111 o 11 c 11 und K a p i t a I b c d a ן f jüd i sc 110 r Kolonisation in Pa Iä s t i na" erhält die zukünftige zionistische Palästiiinaibcit ilire systematische Grundlage. Diese Schritt ist herufen, die Klärung 11er bisher vieltadi verworrenen Anschauungen vom Wesen und 11111:11t einer nationalen Kolonisation her• liei/nfiiliren. Sie zerstört endgültig den naiven (11111111, dal) es für die zionistische Organisation!;einige, die initieren Bedingungen für die Ansiedlung zu schaden. Diese sind gewiß die Voraussetzung grollzügiger 1(0• Ionisation. Sie erleichtern, erweitern die Ansiedlung, verbilligen sie teilweise; aber sie siebent weder ihren natio- | nalen Charakter noch ihre Wirlschaftliclikeil. Hierfür stellt Oettinger bestiniinte Thesen auf: Der Boden 1111111 vom Ansiedler umi seinen l־'amilien■ migdiörigen oder aber von jüdischen Arbeitern behaut werden. Keine erhitzten Diskussionen über die ״Arbeiterfrage“. Keine politischen Auseinandersetzungen über Wert und Unwert der arabischen Arbeit. Schaffung ge-!lügender Ansiedlmigsmöglichkeiten, um dem erprobten jüdischen Arbeiter zu erleichtern, sieh neben der Arbeit in der Kolonie, vom proletarischen Landarbeiter zu höbe• reu Lebensformen zu entwickeln. Der Ansiedler ist von einem bestimmten Teil der tinauziellcn Leistungen zu entlasten. Damit wird die Siedlung nicht zu einer philanthropischen. Ihr Unter• scheidungsmerkmal ist nicht die finanzielle Beihilfe, son• dein die systematische, vorher erwogene, aber daun 1111■ vemiekbare Abgrenzung der Lasten, die dem Einzelnen, der Allgemeinheit, den nationalen Institutionen zufaileu. Nur so bleibt das köstliche (int freier Bauernschaft (auch freier Lamlaiheitersetiaft!) gewahrt: das Selbst• hcstimmimgsrcdit. Dieses Recht erfahrt sein Korrelat 1111 nationalen Bedürfnis. Auch bei der reinen Privatkolonisation. In allen Landern wird ein Teil der Leistungen vom ׳ Staat übernommen. Diese Aufgabe fällt bei uns den nationalen Institutionell zu. Vor allem dem National• hmd. Sein leitendes Prinzip ist nicht seine eigene Rcutabilität. Er soll Zweckmäßiges schaffen helfen. Darum bemifU siel! die Höhe seiner Bodenrente nach natümn• len, nicht nach Privatwirtschaft liehen Erwägungen. (Ich gehe darin noch weiter als Oettinger. Der Nationalfoml dar! bei weniger rentablen, aber ihr den nationalen Aufbau wichtigen Typen für eine bestimmte Reihe von Jahren auf jede Rente verzichten, wenn er damit die wirtschaftliche Stärkung des Ansiedlers erreicht und so die Eutwickiimg seiner Wirtschaft und die Frlüllimg seiner Verbindlichkeiten sicherstem. Sicherung gesunder Wirtschaften das ist das Entscheidende beim Nationalfoml, die Bodenrente ist nur von untergeordneter Bedenhing). Was Octtiugcrs Buch so wertvoll macht, ist seine durchsichtige Klarheit. Er stellt 6 Betriebstypen auf, ohne sielt hei allen miiglidien Mistiiformeii aiüzuimlteri, In seinen Typen überwiegt: bei Typus I die Octrcidcproduktion li Futtermittel und Miielipioduktiou lil Baiimpflau/ungen auf unbewässcr* barem Boden IV Bauinpflanzungeii auf bewüsserbarem Boden V Gemüseprodiiktion, während VI die Arbeiterheimstätten darstellt. Die Aufwendungen für Boden, Gebäude, Amelioratio*. neu, Betrieb, für Unterhalt 11er Familie in den ertraglosen *) Aus dem 2. Heft von ״Ercz I s r a e I“, zu bc• ziehen durch den Jüdischen Verlag, Berlin, Preis M, 1,50. Jahren sind ziffernmäßig bestimmt, ebenso Roh- und Reinertrag. Die Voraussetzungen planmäßiger Kolonisation sind für Oettinger: Aufstellung des Gesamtplans der Kolonie unter reich* lieber Bemessung von Reserve* und Gemeindeland; Bestimmung der Wirtschaftstypen nach dem Standort; also nicht nur bezüglich der natürlichen Bodeubediiig* ungeii, sondern auch der Transport* und Alisatzvcrhällnissc mul der Arbeit«• und Kapitalkraft der An• siedler, Mimlestgröße der einzelnen Siedlungen, um die Ausgaben der Verwaltung, sowie die für die kulturellen Bedürfnisse der Siedlung auf erträglicher Holte zu halten; Organisierte Aptieriingsnibeiten, sowohl zur leichteren Entwicklung der Einzelwirtschaft, als zur Ausgestaltung von Arbeitergenossenschaften; Vornahme von Gemcinuepflaiizungeu: die organisierte Einfügung der Idee der Baumspeiule in den Gesamt* koloiiisatioiisplan; Steigerung der Arbcitsoiiaiititiit pro Flächeneinheit im Interesse der nationalen Wirtschaft; Auswahl iles Ansiedlermaterials unter Vorausfclluiig erfahrener Arbeitskraft, selbst hei geringerer Ka* pitalkraft; Zentralisation der Koloiiisationsbewegimg (durch ein zentrales Koloiusationsinstilut) und I fczeittraUsatiou der Arbeit für die ,Eiitzclkolonic (durch eine aus den einzelnen beteiligten Faktoren gebildete Ansiedlungs-Kommission). Oettinger fordert zunächst die Ausarbeitung der Pläne und die Aufbringung der Geldmittel für 31) Koloiiiegriin* düngen mit 15 001) Seelen (ungerechnet der damit im Zusammenhang stellenden weiteren ländlichen und stiidtiseilen Siedlung. Er errechnet dafür einen Gesamtaufwand von rund 75 Millionen Francs, wovon etwa 10 Millionen auf die iiatioiial-ktilturelleii Institutionen (Gebäude für Schulen, Synagoge, Krankenhaus; Weghauten und Ge* meimlepflaiizimgen, sowie Deckung der Kolonieausgabcu in den ersten (> Jahren) entfallen, während der Rest drei, etwa gleiche Teile umfaßt: I. den Aufwand für den Boden, .2. das eigene Kapital der Ansiedler, '3. den Kredit für den durch das eigene Kapital nicht gedeckten Teil der Kosten für Gebäude, Anielio* rationell, Inventar und Betrieb. Oettinger spricht mit aller wünschenswerten Klar* heit ans, (hiß es nicht Aufgabe der Ansiedler sein sollte, das Kapital für den Boden zu beschaffen, sondern daß der dafür bestehenden nationalen Institution, dein Jiidi* sehen Natiomilfoud, diese Aufgabe zufaileu muß, der dem Ansiedler den Boden «1:11111 ilureii die Erbpacht über* läßt. Diese Forderung ergibt sich zwingend aus Oettingers KapitiddriUcluiig. Er erweitert mit einem Schlage den Kreis des Ansiedlcrmateriais und schafft erst «lie Voraussetzung für die Durchführung seines Grundsatzes der Bevorzugung der Arbeitskraft vor der Kapitalkraft. Er stellt damit erst die bisherigen Versuche zur Orgnnisicriiiig der Kolonisation, wie sie in den Acluisoth zu Tage treten, auf den Boden der Realität. Wir haben es ja bei diesen, nach rein kupitalmiißigen < irundsiitzcii 1 gebildeten Organisationen erleht, wje sieh ihre Kapital* Beschaffung in dem Augenblick zu erschöpfen begann, als sie zur Durchführung lies Koloiiisatimisprogramms recht eigentlich erst einsetzen sollte: nach dem Er* wert) des Bodens. Oettinger, der in weiser Selhstbeseliräiikuni; von jeder Komplizierung seines Grundprinzips der DriUcluug des Kapitalaufwandes (Boden, Eigenkapital, Kredit) im Interesse der schärferen Heraiisarbeitung seiner Thesen alisali, läßt die Frage offen, welche Kapitalvertcilung siattzufinden hat, wenn der Ansiedler über größere eigene .Mittel, sagen wir z, B. über a/a des Gesamtaufwands verfügt, lieber seine Stellungnahme kann aber kein Zweifei sein. Bisher ׳galt als fast unbestrittener Grundsatz, daß in solchen Fallen folgende Teilung stattzutindeii habe: Ein Drittel Kapital des Ansiedlers für den Boden, Ein Drittel Kapital des Ansiedlers für Gebäude!mg Betrieb, Ein Drittel Kredit für den fehlenden Rest des Geliaud«. und Betriebskapitals. Das ist grundfalsch. Der Ansiedler, der sieh Boden auf andere Weise als im Weg des Kaufs beschaffen kann, handelt im höchsten Grade unwirtschaftlich, wenn er einen Teil seines eigenen Kapitals (und einen sehr beträehtlichen dazu) im Boden festlegt, statt daß er sich von der Kreditfcssrl befreit. Kami er sich den Boden im Wege der Erbpacht beschaffen, dann ist er in inise. rem Beispiel völlig schuldenfrei, während er nach der bisherigen Methode der Kapitalverwendung noch aut lange hinaus verschuldet bleibt. Aber ich gehe noch einen Seluitt weiter. Auch jener Ansiedler, der kapitalkräftig genug ist, die Gesamtkosh n seiner Siedlung aus eigenen Mitteln zu bestreiten, soll ebenfalls kein Kapital im Boden festlegen, wenn d,1* Instrument nationaler Kolonisation, eben der Jüdische Nationalfoml, in der l.age ist, ihn! den Boden für seine Wirtschaft im Wege der Erbpacht zur Verfügung zu steilen. Der Wert des flüssigen Kapitals ist für Palästina ein viel höherer als m entwickelteren Ländern. Die IT st• lcgung von Privatkapital im Grund und Boden müßt« darum soweit als möglich eingeschränkt werden. Ihr Ansiedler hat weit größere EiilwicklungsinOglichkcitca, wenn er die sich allmählich ergehende stärkere lnteiiM- Vierung oder Rationalisierung seiner Wirtschaft mit jenem noch verfügbaren Eigeukauital bestreiten kann, das ein weniger weitsichtiger Siedler im Boden fcstgelegt hat Seine Ertragsaiissichten sind bessere und vor allem die Grundlage seiner Wirtschaft eine gesündere, als wenn er sich die später erforderlichen Mittel im Wege des Kredits beschaffen muH. Demi was für den laudwirtsehattliehen Betrieb in viel höherem Maße als für den kominerziellen und den industriellen Betrieb gilt, hat für ein unentwickeltes Land wie Palästina noch viel größere- Bedeutung als für Kulturländer: die möglichste Niedcrlin!• tmig der Boden Verschuldung. Daraus folgt: cs ist die Sache der Zionisten, die Aufgabe des Jüdischen Nation.tlfonds «icl weiter zu faßen und ihm die nötigen Mittel in weit höherem Maßt zur Verfügung zu stellen, als bisher. Der j. N. E. 1s! in erster Linie in die l.age zu versetzen, den Boden iiir kapitnlschwache, oder kajiitallose aller nrbcitstiiclitigc Ansiedler im Wege der Erbpacht zu erwerben, um rim freiere Basis der zukünftigen Ansiedlung zu schalten, Werden dem J. N. F. aber darüber hinaus die Mittel für den Erwerl» des gesamten, für die jüdische Koloni* sation erforderlichen Bodens zugeführt, dann ist uiclii nur der nationale Charakter der j'ülischcu Siedlung fut alle Zeiten sichergesteilt, sondern die unerschütterlich gesunde Grundlage des ganzen nicht nur des landwirtschaftiiehen Wirtschaftlcbens geschaffen. Unsere an• deren Fiiian/instrumcnte werden freier. Die APC wird liquider, wem) ihr nicht mehr die!,Hege des ganz außerhalb ihres Tätigkeitsgebietes als I laiidulsbauk liegenden langfristigen Kredits ziigeimitct werden muß, wozu sie übrigens bei der Entwicklung der landwirtschaftlichen Kolonisation gnrnicht in der l.age wäre. Sie wird sich iiiren eigentlichen Aufgaben, der Förderung von Handel und Gewerbe, ungestört widmen können. Auch die Kredit* frage ist mir zu lösen, wenn mau ihrem Umfang bcstimmte Grenzen ,/a ßcs Gesamtaufwands setzt; wir kommen darauf noch zurück. (Ich sehe übrigens jede erforderliche Sicherung des kreditgebenden Instituts, auch vor tlcr Durchführung eines geregelten Grundbuch- und Hypotlickciirechts in Palästina, im Zusammenhang mit der Erbpacht und nur damit ■ gegeben, weil vertragliche Abmachungen mit dem J. N. r. als Boden- Besitzer möglich sied, die vollkommen genügen). Diese uneingeschränkte Proklamierung der Bedeutung der Erbpacht verpflichtet, auf einige der gebräuchlichsten Einwände gegen diese Rcchtsforin zurückzukommen. Darüber im Folgenden. ■יי! weilt, während sie sich versammeln, um lustig zu sein? Weil ihnen die Hauptsache fehlt: Glaube fehlt ihnen, Nm der unbegrenzte, innige, tiefe Glaube des Schrift• stellers an den Wert und die Notwendigkeit seiner Ar• heit für die Zukunft seines Volkes, seiner Sprache uml seiner Literatur — dieser Glaube allein kann dem Schrift• steiler die wahre, innige, wirkliche Freude bringen!“ ״Fragen des Ostens״ Fine Besprechung Von Arthur Joiil, im Felde. Wir sind heute, auch in der nicht jüdischen Welt ein sehr aktuelles und vielumstritlencs Problem geworden; uml dank der Flut der publizistischen Litefatur, die sich neuerlich, im großen ganzen durch den Krieg veranlaßt, nber uns ergossen hat, gehört cs zur Elementarbildung, zu wissen, daß die Ostjuden eine Sprache reden, die manclic unglücklicherweise für Deutsch halten; daß dort di«• Männer lange schwarze Röcke tragen und Pelzmiitzen, die sie nicht ״Tschapka“, sondern ״Streimel“ nennen; daß die Kinder sehr altklug sind und daß es in den Wohnungen oft recht unsauber und kümmerlich aussicht. Das alle« weiß inan und manche wissen noch mehr. Die ״Süddeutschen Monatsheft c“ gehen m ihrem diesjährigen Fehruarheftc, benannt ״Fragen c s Ostens“, wiederum an die Bearbeitung ost* jüdischer Fragen heran, naclideni ein gleicher Versuch!111 Februarhefte des vorigen Jahres, dem bekannten ״< isljudeulieft“, ein ziemlich einseitiges und damit unzutreffendes Bild der Sachlage gegeben hatte, - Wenn eine Zeitschrift wie die ״Süddeutschen Monatshefte“, die vorwiegend für einen nichtjikiischc/1 Leserkreis be* stimmt ist, dem Komplex ostjüdischer Fragen zu Leibe gellt, so geschieht dies nicht etwa, um den Ocreciitigkcitssimi ihrer Leser aufzustacheln - dazu war vor dem Kriege Zeit und Gelegenheit genug -, sondern vielmehr aus der ganz, einfachen Erwägung, daß nach dem Kriegt die Ostjuden in dem mitteleuropäischen Wirtschaftslcbei einen ganz, nmlercu Platz, eiiinehmcn müssen und wer den, als sie cs vor dem Kriege in Polen-Rußland taten Mau wird dementsprechend also erwarten dürfen, daß de l.eser hier mit der sozialen Luge der ostjiidlschcu Muss! und mit ihren sozialen Bestrebungen bekannt gemach werde, mit den Formen ihres Wirtschaftslebens, ihre Kunst und Gesittung; kurz: mit allen Faktorei ihres öffentlichen Lebens? Man wird doch ii den ״Fragen des Ostens"' l’lilnc (luden, auf welcher Ba sIs sich die kommende Zusammenarbeit aufbauen wird man darf «loch sozial- und wlrtsciiaftsjiolitisclic Vor schlüge erwaVteu, und sei es auch nur den berühmte: Grenz.schluß? Nichts oder nur wenig von alledem finde der Leiter in dem Flefte, das nur je c i n e n Aufsatz, übe Livland, Polen und die deutschen Ansiedlungcn in de Ukraina, dagegen fünf Aeußcrungen zur Juden frag c enthält und das somit die letztere Frage al die wichtigste Frage des Ostens anzuerkeiinen schein Im großen Ganzen verfällt das Fielt genau wie da Ostjudenheft in den Felder, «las Alte auf Kosten der ii jimg-j'itdischeu Lehen sich regenden Kräfte, die Vergär genheit auf Kosten der Zukunft zu schildern. Eine Au! nähme hiervon bildet Wladimir M cd c m , der in scinci Aufsatz ״Die Lage der jüdischen Arbeiter in Polen" vi! unterrichtendes Material herbeigeschafft hat. Auch da ״Bücherverzeichnis zur Wissenschaft des Judentums" vo K a |11 u 11 K o g a n ist eine zwar völlig anders geartet: aber sachlich wollt wertvolle Arbeit. Von dem Uebrigcn ist leider nur wenig Erbaul dies zu sagen Man merkt es den Aufsätzen an, daß d: Verfasser nicht wie Modem aus dem inneren Lebe des Ostjudentums heraus schreiben, sondern nach Wa sclia״ reisen, um die Juden wie exotische Tiere zu b sichtigen, ihre Lebcnsgcwohiihcitcn mit Brchm'scher G nauigkeit zu notieren und die Leute hinterher recl merkwunhg zu finden. Und wenn nur noch das, was s schrieben, rchtig wäre! Dies beides lat um so bedau« lieber, als manche der Autoren zweifellos selber Juden sind. Adolf F r i c d c m a n n s Bericht ״Von eine! Reise nach Warschau■‘ stammt aus dem Jamuir 1015! Inzwischen aber hat sich seihst in Warschau manches verändert. Dennoch aber wird es dort immer noch Juden gehen, die hei strenger Kälte und Kohteumauget l (üs 5 Kaftane mv/ichen, Dagegen war «׳In Glieder auch BIG keine ״Oebetschule“, ein dinssidlseher Rebln■ auch damals kein ״Wimderrabbiner“ Wenn man schon die nichtjiidisclu■ Oeffentliehkeit mit den Geheimnissen des Chassidismus bekannt machen will, so soll man die Sekte der Chnssidim doch wohl etwas besser charakterisieren als mit den Worten: ״Der eigentliche Wert und die 'Besonderheit der Sekte Insteht darin, «laß sie die Liehe aller Stammcsangchörigen untereinander predigt mul daß sie hilfsbereit eingreift, wo ihr das möglich mul nötig erscheint." Ich glaub«‘, über das Gemeinschaftsleben der Chassklim schon ein• mal etwas Besseres gelesen zu haben. Prof. Dr. Moritz So her״ heim liefert einen Aufsatz über ״Jüdisches Volksscluilweseu in Warschau“. Professor Sobcrnhcitn wird doch wohl die zu diesem Thema gehörigen hygienischen und pädagogischen Gemeinplätze verlassen; er wird uns doch über die Bedeutung des Sprachenstreits belehren, sowie über die nationalpoli• tische Bedeutung der Volksschulen mit polnischer, jüdBcher und hebräischer l Unterrichtssprache? Nichts von nllcdem! Nichts Neues und unter dem Alten viel Palsclies findet sich in dem Aufsatz, der eigentlich gar kein Aufsatz ist, sondern nur eine Reihe lose aneinander getügter, oft zusatnmenhangsloscr Notizen. ■ Die Chederschulen befassen sich nach Sobernhcims Ansicht ״fast nur mit dem religiös(!(! Lehrstoff", obwohl Herr Professor Sobernheim selbst einige Zeilen vorher berichtet, wie ihm von einem 10 jährigen Chcdcrzögling schwierige rechtsphilosophischc Begriffe, wie der Unterschied von ״usus" und ״usus fructus“ scharf, ausein•

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