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Jüdische Rundschau · 1917-03-02 · Heft 9 (2.3.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 7ö JU EDI SC HE RUNDSCHAU Nr. 9 r I 1 \ V ־־ י•* I mit den Betriebseinnahmen rechnen*). Es ist wahr, daß in Jerusalem Juden vom ״Bettel'׳ leben; aber die sind nicht Kolonisten mul sind cs nie gewesen, sondern es sind die altgewohnten frommen Müßigganger, die Empfänger des organisierten Almosens der Chaluka, die mit der neuen Siedlung in keinerlei Zusammeniiang stellen. Und es ist wahr, daß der Steuerncingang aus den Kolonien bedeutend (wenn auch leider bei weitem nicht um das Fünfzig fache) gewachsen ist, aber nicht infolge Erhöhung der Grund- Steuer, sondern infolge der fortschreitenden Steigerung des Bollenertrags durch intensive Arbeit der Siedler**). Im übrigen brauchte die Türkei wahrlich, ״um zur Bebauung tiud so zur ehrlichen Rentabilität zu zwingen“, die Steuer auf die Grundeinheit nicht um das Fünfzigfache zu •erhöhen, da nach türkischem Recht jeder drei Jahre lang nicht bebaute baufällige Boden an den Staat fallt***). Ich habe dreimal liingeseliriebcn: ״Es ist wahr , . Die lüge, die in den drei Sätzen Bleis iiiedcrgclcgt ist, ist al:so keine Bhantasieliige; sie hat, wie ich gezeigt habe, ״Anhaltspunkte“. Durch wieviel Mäuler mögen sie wohl, von Maul zu Maul reichhaltiger wer* dend, gegangen sein, bis sie den endgültigen Empfäuger, den menschlichen Betrachter erreichten, der nunmehr, in ihrem unantastbaren Besitz, ein Wissender, den Ideologen, die für den König David scliwiirmcii, ihr Leugnen verweist! 3. Eine Sache ist im Werden, eine menschenbefreieiide, gcmeinscliaftaiif richtende, geist verwirklichende, eine gute Sache. Wir stellen 11ns vor sie, einige Geistesarbeiter jiidischcu Blutes und Willens, die wir stolz sind, ihr dienen zu dürfen, und decken sie. Wir sind uns nicht zu erlesen, um ihretwillen in den hinabznsteigcn, den wir sollst meiden, in den Kampfplatz des Tages; nicht zu kostbar, den Dreck, mit dem sic beworfen wird, mit unserer Person aufzufaiigcii. Wir werden nicht dulden, daß sie hinfort geschmäht werde. Ilir, die ihr von ihr redet, saget was ihr wißt, und nichts mehr. Aber nehmt das Wort Wissen in seinem Ernste und vermeinet nicht zu wissen, wenn ihr etwclelics Geschwätz zusammcugchacken habt. Wir fordern nicht Gerechtigkeit — wer dürfte die fordernV aber Wahrheit fordern wir, von jedem, der unsere Sache mit seiner Rede anriihrt. ״Die Wahrheit ist das Siegel Gottes.“ ■Dits ist ein hohes jüdisches Wort, und die 11011c vollkommene Wahrheit ist gemeint. Aber es gibt eine knappe 110twendige Wahrheit, die das Siegel des Menschen ist: kein Leben, das ihrer enlrät, kann ein menschliches Leben, keine Betrachtung, die sie verleugnet, darf eine menschliche Betrachtung genannt werden. *) Vgl. Leon Schulmann, Zur türkischen Agrar• frage, Weimar 191(1, S. -16 -57. ") Da Blei hier eine Zahl nennt, die freilich nur Kuriositiitsamyert besitzt, will ich mit Zahlen antworten. Zuverlässige Ziffern liegen für 12 Kolonien vor. Diese 12 Kolonien haben an dem Osclicr oder Zehnten, also einer Ertragsstcuer, int Jahre BW! zusammen 450B),4(I Eis. entrichtet, im Jahre 1913 war der Betrag auf 321 •153,20 Ers. gestiegen. Das haben die Kolonisten, die ״schon lange nicht mehr ackern“, durch■ ihre Arbeit aus dem Lande gemacht. Dagegen ist der Betrag der übrigen Steuern, die größtenteils Besitz• steuern sind, in den 12 Kolonien in diesen zehn Jahren nicht gewachsen. ***) Vgl. Curt Nawratzk'1, Die jüdische Koloni• sation Palästinas, München 1014, S. 68. g'" ■J! . *!'■»■1■1■"E,.1!!"!1■!. .»1L■1. n.11'■ J .1 I Buchbesprechung Jüdisch-deutsche Texte. Lesebuch zur Einführung in Denken, Leben und Sprache der osteuropäischen Juden, Von 1). Dr. Hermann L. Strack. Lcipzig B117. '(> S. Zu beziehen durch den ״Jüdischen Verlag“, Berlin W. 15. Die Texte bilden eine wertvolle Ergänzung zum ״J ü d i s c h c 11 W ö r t e r bu c h“ desselben Verfassers*). Kann ein Wörterbuch allein überhaupt keine rechte Vorstellung von einer Sprache gehen, die ja nur in zusammenhängenden Sätzen lebt und vvalirgeiiomiiien wird, so konnte insbesondere dieses ״Jüdische Wörterbuch“, das nur einen Bruchteil des Idioms — den mit dem [knitschen nicht identischen — Aufgcnommcn hat, ohne Texte kaum die Umgangssprache der Ostjiideii vor Augen führen. Ikuin erst in der Vcr- Schmelzung des Deutschen mit dem Jüdischen — sei cs dem Hebräischen, sei es dein jtidaisiertci! Slawischen — bestellt die Eigenart des Jidiselicii. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit hat wohl deshalb der Verfasser das Wörterbuch ״Jüdisch“ genannt, die Texte aber — ״Jüdisch-deutsch“, * Gewählt sind die Texte meisterhaft. Sie gewähren wirklich einen Einblick in Denken und Leben der jidischsprcchendcn Juden. Auf einem kleinen Raum finden wir vertreten; politische Aufrufe der lebendigslen Gegenwart, herzergreifende Schilderungen der Elüclitlingsnot und Flüclitlingsfürsorgc in Rußland und Oesterreich, Zeitungsartikel und Kriegsberichte aus War- Schauer und Lemberger Blättern und — was noch wichtiger ist — Erzählungen aus dem jiidisclvcn Leben, zum Teil genommen bei den besten Schriftstellern, wie Asch, Jchoasch und — Perez. Letzterer ist mit einem wahrhaft klassischen Bilde vertreten: ״I11 Kcller-Stub". Es istי interessant, daß der *) S. ״Jüdische Rundschau“ 1916, Nr, 44. Idee der jüdischen Cist"*:״״ tn,d 1!2a Vclhshclmes Von Siegfried Lehmann, im Felde, i. Die jüdische Siedlung will die jüdische Bevölkerung einer oder mehrerer .Straßen zu einer jüdischen Lebensgemeinscliaft zusamiiicnschlicßcn und in diese den Geist der nationalen Erneuerung hineiiitragen, von der Erkennt• nis ausgehend, dal) nicht durch eine möglichst starke An• Sammlung vau Juden in Palästina Zion wieder aiifgcrichtct wird, sondern nur dadurch, daß die, welche ziiriickkchren, sieh schon im Golus zum jüdischen Menschentum zurück• gefunden habi'11. Daß die Erneuerung einer Volkskultur - - der Spra• eben, l.chcusformen und all der anderen Werte - nicht durcii Agitation, in Abendvereinen oder durch Uebermitt• hing der alten Volksliteratur in Wort und Schrift erfolgen kann, sondern wahrhaft erst durch eine im neuen Geiste zusammen 11׳ In• 11 d e Gemeinschaft, erkannten zuerst 1111 vergangenen Jahrhundert die nach Wiederbelebung der allöaiiiseheu Kultur strebenden jungen Dänen. Unter der geistigen Eiilining Gnmdvigs, des ״Erweckers des frühliehen Glirisli'iituins1‘, siedelten sieh iiationalgesiimte Studeuten in dänischen Dörfern an. .Sie erzählten an den Abenden der versammelten Gemeinde von der großen Vergaugcnlivit ihres Volkes, von den dänischen Sagen, erweckten unter der Jugend! wieder die alten Volkslieder und Liehe zur heimatlichen Sprache, In den daraus ent־ stamleneii Volkshochschulen leben junge Baueriiluirsebein und Mädchen gemeinsam mit ihren Lehrern unter deren Linliull. Wohl liegen die Verhältnisse unter den Juden anders als dort, aber von der Möglichkeit, wieder im Go• Ins im Westen und Osten — in sich geschlossene jiülisehe Volksgemeinschaften zu schaffen, hängt auch bei uns die natürliche Wiederbelebung he zw, die organische Erhaltung unserer national-religiösen Kultur al>. Wir lialien zwar keine jüdischen Dörfer, in denen im täglichen Lehen Sprache und Formen wieder zum sclhstvciständliehen Ausdruck des jüdischen Wesens werden können, aber jüdische Straßen, deren Bewohner durch geistigen und wirtschaftlichen Zusammenschluß zu einer Gemeinscliaft /iKiimiiiMigesdilosscn werden können. Es kommt ferner hinzu, daß die Männer und Frauen hier im Westen, die als Führende in solchen Siedlungen in Betracht kommen, nicht den erforderlicheu Znsnnnm'iiliang mit unserer Volkskultur, mit Sprache und »Ion Werten unserer Vergangenheit haben. Daraus ergeben sich zwei Forderungen: Erstens: Schaf-' fung von Gemeinschaften in den Städten durch Ztisrmiinen• Schluß der Bewohner, die in der Nachbarschaft des V o I k s 11 e i in s wohnen, das als Er/ieliuugslind Ziisninmenkunftsstätte, als geistiger Mittelpunkt und dann als wirtschaftliches Zentrum (Konsum- und Kreditgcnosscnseliaft, eventuell Proihiktivgenosscnschnft) für die kleine Kolonie gedacht ist. Zweitens: — eine Forderung für uns West jiideii mit unserer Volkskultur so vertraut zu werden, dal! wir sie in einer solchen Gemeinschaft erwecken oder wenigstens am Leben zu erhalten vermögen. Das Jüdische Vnlkshcim in Berlin, Dragonerstr,22, im Zentrum des meist von Ostjudcn bewohnten Viertels gelegen, strebt danach, diese beiden Forderungen im Laufe der Zeit zu erfüllen. Seine Gründung, die im Mai!!)Ui stattfaml, wurde nicht durch das Bedenken ״\vir Italien noch nicht das nötige jüdische Wissen“ auf eine spätere Zeit verschoben, sondern man begann die Arbeit sofort ans zwei Erwägungen heraus: weniger theoretisclics Wissen als das Leben unter den Ostjudcn selbst wird uns zum jüdischen Volkstum ziirückftdircii, und geraile die für uns in Frage kommende Jugend steht nach einer mchrjiihrigcn Vorbereitung in jüdischen Dingen in einem sie stark in Anspruch nehmenden Beruf mul würde somit meist nicht mehr die zur Siedlungsarbeit nötige äußere Bewegungsfreiheit mul seelische Elastizität aufweisen. Die Hclierseliaft des Volkshcims ist sich wohlbewußt, dall noch unendlich viel zu leisten ist, bis das Heim jenem ideal ähnelt, das den Mitarbeitern als Bild im Geiste vorschwcht, zumal die heutige Arbeit noch durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen ist. II. Der Wochentag im Heim. Da die Jugend der erzieherischen Beeinflussung am leichtesten Zuganglieh ist, hat das Volksheini seine Arbeit mit dem Zusnmimuscliluß der Jugendlichen (von 3 21 Jahren) in der Nachbarschaft begonnen und hat sie nach und nach, nach Alter und Geschlecht, in Kmdcrgruppen, Kameradschaften und Klubs cingctcilt. Nur an den Festtagen und Volks- Nachmittagen, von denen unten noch zu sprechen ist, lallen diese Einteilungen, lind es gibt im Verein mit den Eltern, Nachbarn mul Helfern nur eine große Volkslicimgcmeimle, die beute ungefähr 250 Menschen umfaßt. MSt 3 Jahren wird das Kind in die Kinderspiels 111 n d e aufgenomincn, wo es bei einer palästinensischen Kindergärtnerin die Vormittage mit I röbeln, Spielen und Singen neiihebräischcr Kimlerlicder verbringt. Damit die Kinder nach Eintritt in die Volksschule die hebräische Sprache, die sie im täglichen Umgang leicht lernten, nicht vergessen, werden sic alsdann in die hebräische Gruppe des Naeiimittagshorls ,׳mfgeiiomnieii. Der Kinderhört umfaßt gruppenweise die Kinder im Alter von (1 Iß Jahren, die• mit Vorlesen und Singen, besonders aber mit der Anfertigung von Papparbeiten als Vorbereitung für die handwerkliche Betätigung in den Kameradschaften tler älteren beschäftigt werden. Die Knaben und Mädchen von 11 bis 14 Jahren sind in J11 g e 11 d k a m c ra 11 - schäften vereinigt nach dem System jener amerikauischeu Jugendklubs, die auf die Bedeutung des Gemeinsebaltslebeiis und der IJcbertragung weitgehendster Verantwortliclikcit an die jungen Mitglieder in der sozialen Erziehung der Jugend besonderen Wert legen. Kinder, die von trüli an gelernt haben, sieh für das Wohlergehen eines Gemeinwesens verantwortlich zu fühlen, werden auch später ihrem Volke gegenüber als Erwachsene die stärkste Verantwortung empfinden. Die älteren Knaben und Mädchen wählen sich ihre Präsidenten, Schriftführer und Kassierer. Die Leitung der Kameradschaften liegt in Händen von jungen Menschen der Intelligenz. ■ Es wäre zu weitgehend, im einzelnen das Leben in den Kameradschaften zn schildern, welches natürlich nach Alter unil (!(׳schlecht variiert. Der Wochcnplaii einer älteren Knabenkameradsdiaft sei hier kurz skizziert: Am Montag K a 111 e r a d s c h a {t ss i t z 1111 g: Zuerst Erledigung der Kliibangelcgcnlieiten (Reehtspreclnmg durch die Kameraden, Aufnahme neuer Mitglieder cte.). Daun Erzählungen aus der jüdischen Vergangenheit, Singen jidischer und hebräischer Volkslieder, Bcsprerliuiig jüdischer Tagesfragen, ethischer Fragen, die im Erldiniskreis der Knaben liegen, oft im Anschluß :111 die Bibel, Zuweilen auch Einführung in das Verständnis von Bildwerken. Am Dienstag: Unterricht in der J11 g e 11 d vv c r k s t ä 11 e: für Gruppe A : Metallarbeiten, für Gruppe B: Buelibinderarbeiteii. Der IJ11terrieht in der Tischlerwerkstatt wurde wegen Mangels an geeigneter Lehrkraft aufgegehen. Das Volksheini sieht eine seiner wesentlichsten Aufgaben darin, die jüngere Generation jener Schichten zu neeinflussen, daß sie sich wieder mehr den Berufen des H a 11 d w e r k s und der L a 11 d w i r ts c h a! t zuvvende. Ist doch eine der unerfreulichsten Erscheinungen der Großstadt die Laufbahn des jüdischen Jünglings, der als Lehrling hinter dem Ladentisch beginnt und als entjmleter Bourgeois in Berlin W endet. Die Möglichkeiten, in diese üble, im schlechtesten Sinne assimilierte Bourgeoisie aufrusteigen, sind in den Berufen als I lamlwcrkcr und Landwirt nicht in dem gleichen Malle gegeben. Aber auch aus rein nationalen Gründen scheint 1ms die Erziehung zum Handwerk wichtig. Die Beschäftigung in der Werkstatt, besonders in der M e t a 11 w e r k s t a 11, die unter der Leitung von Joseph Bild ko sehr schöne kimstgewerblieht Gegenstände!!erstellt, macht den Knahcr, die sich für diese Arbeit als geeignet erwiesen haben, so viel Freude, daß sie Zweifel bei ihrer Berufswahl beim Ab■* gang von der Schule kaum noch haben. Geeignete Stellen sucht das Heim ihnen zu verschaffen. Der Zusammen- Verfasser, der in seiner Auswahl merklich mit Vorliehe das religiös-sittliche Leben und Denken der Ostjudcn vorztifülircn wünscht, sich dem Zauber der Pcrezschen Skizze nicht vcrscliließen konnte, die auf den Fond patriarchalischer Sitten erotische Farben so fein eimvebt, daß man nicht weiß, ob hier die Keuschheit im Eros oder der Eros in der Keuschheit den!lichter reizt. Jedenfalls wird dadurch die an und für sieh gar nicht zu tadelnde Einseitigkeit des Vcrfassers ausgeglichen. Die Auswahl der Lesestücke läßt somit im ganzen nichts zu wünschen übrig. Das bezieht sich auf den Inhalt und hätte auch von einer l J c b c r s e t zti 11 g der Texte gesagt werden könne 11. Dem Verfasser kommt cs aber darauf an, den deutschen Leser mit dem Original bekannt zü machen. Zu diesem Zwecke sind die Lescstückc eben im Original gedruckt, aber in einer lateinischen Transkription. Der Leser soll den Text auf Grund seiner Kenntnis des Deutschen, mit Zuhilfenahme der Anmerkungen am Ende des Buches, verstehen. Es wird aber kaum ohne Anspannung der Vorstellung.?- kraft gehen: gar vieles läßt sich nur aus dem Zusamt11e11I1a1״re erraten. Fehlt doch hier jede grammatische, geschweige denn syntaktische Anleitung. Die im vornugc&migcncn Wörtcrbuclic beigegebene Grammatik ist sehr spärlich. Vielleicht wird cs Prof. Strack noch nacliholcn, wie er sich überhaupt durch Unermüdlichkeit auszcichnet. Die Texte sind in litauischer Aussprache trauskribiert. Nur in der Einleitung erwähnt der Verfasscr in wenigen Zeilen die Besonderheiten des poilolisch-wolliyni sehen Dialektes. Abgesehen davon, daß dieselben Besonderheiten meistens auch der Aussprache der polnischen Juden eigen sind,, die doch für die Zwecke des Verfassers vor allem in Betracht kommt und folglich erwähnt werden sollte, sind dabei manche Ungenauigkeiten unterlaufen. Der Unterzeichnete weift 2. B. aus erster Quelle, daß mau in I otlohen und Wolhynien nicht ״Hube“ Sondern ״Bobc“ die Großmutter nennt (״Bube״ ist eine Hebamme; es ist übrigens dasselbe slawische ״baba", das je nach der Bedeutung anders ausgesprochen wird). Komisch wirkt liier die scfardischc Ausspräche, in der alle hebräischen Bestandteile wiedergegeben sind. Hätte inan die ״jüdisch-deutschen Texte“ einen! gewöhnlichen Juden aus Osteuropa vorgcfeseii, er würde die hebräischen Worte nicht verstehen, da sic in keinem der ostjiiilischen Dialekte so aus gesprochen werden. Der Verfasser verfolgte wobt mit dieser Transkription den Zweck, den hcbräischkundigcn Theologen den Einblick ins Jidisclic zu erleichtern. Das erklärt, berechtigt aber nicht das Verfahren, Würde Prof. Strack versuchen, jidisclic Lieder in sol* eher Weise zu transkribieren, der ganze Rhythmus würde dabei verloren gehen. Aber auch die Prosa hat ja ihren Rhythmus. Alles in allem gewährt das Werk Prof. Stracks, wie es jetzt in den beiden Büchern uns vorlicgt, eine Möglichkeit, sich mit der jütischen Literatur bekannt zu machen, einen guten Willen und Energie des Lesers vorausgesetzt. Zu Konversationszwecken wird man das Werk Stracks vorläufig weniger benutzen können. Für deutsche Juden, die die östliche Kcrnjudcnheit niiher kennen lernen wollen, ist dieses Werk besonders ge• eignet. Mit dem hebräischen Alphabet vertraut, werden sie rasch die Umschreibung erfassen und zu der Urschrift greifen können. Allerdings gibts für deutsche Juden noch einen besseren Weg zu ״Denken, Leben und Sprache der osteuropäischen Juden“, nämlich — hebräisch gründlich zu lernen. Die zahlreichen Tiebritischen Elemente im Jidischcn werden ihnen dann, statt Schwierigkeiten zu bereiten, zu Wegweisern dienen, wie es Prof. Strack ergangen ist, der!seine Freude hat gerade an Stücken, die hebräisch stark ge• würzt sind, und von diesem Gefühle geleitet ein prächtvolles Lcsebüchlein geliefert hat, in saftiger Sprache geschrieben, schön und wahr die ostjüdische Gegenwart wicderspicgclnd. K. Baructi. 1 I f : * V b יו I 4 j 1 1 ך., }

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