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Jüdische Rundschau · 1917-02-16 · Heft 7 (16.2.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 JUEDISCHE RUNDSCHAU kontinuierlich werden kann. Das könnte die jüdische ׳.schule schlechthin nicht leisten. Es ist vielmehr zu befürchten, dall sic cs ganz mul gar verhinderte; niimlieh nicht dann, wenn eine und die andere geschaffen würde, dies wäre zu begrüßen, sondern wenn sie zur Form des Nntionalcrzichungswcscns würde. Das sei ganz kurz bewiesen. ״Vom jüdischen Standpunkt ist unerläßlich, daß jüdische Kinder die jüdische Sehule . . . besuchen“, <las soll vermutlich heißen, daß alle jüdischen Kinder »sw., ist also ein Maxiinnlprogramm, dessen I>urd1fulmmg einzig und allein auf dem Wege antisemitischer «lesetzgebung möglich wäre, *leim nationale Autonomie für die Juden in Deutschland fordert wohl kein Vcr* nunftiger. Wir sind den Vorwurf des jüdischen Antiremitismus gewohnt, uns schreckt das ״selbstgewählte יilietto“ nicht; aber dieses gesetzlich verfügte Ghetto, wurde es unseren Zweck erfüllen, das Wiedererwachen jüdischer Kulturgesimumg, jüdischer Politik im deutselten Judentum? Die einzige l'olge wäre wohl seine wirtschaftliche Vernichtung und seine Auswanderung, aber schwerlich die nach Palästina. Es ist unnötig, die Meinung ad absurdum zu führen, als würde das Heil von Zwangsmaßrcgebi kommen, wie sie Daniel Frvniann unentwegt durchfülirtc, ״wenn er Kaiser wäre“. Klötzel meint dies sicherlich auch nicht. So traurig cs sein mag, der Umfang unserer Nnlionalerzieiiung ist lediglich der Kreis der Juden, die sie freiwillig bejahen. Zweierlei kann Dies bedeuten. Einmal sind es die Eltern, das andere Mal die Kinder, die jüdische Erziehung fordern, lind liier schon ist Klötzels Vorschlag meinem gegenüber im Nachteil. In seinem Fall wird die Bejahung von den Eltern, in meinein von der lugend verlangt. Solcher jüdischer Eltern sind eben zu wenige. Wir möchten noch in dieser Generation die Kinder der Assimilautcneltern gewinnen. Außerdem: der größere Teil der jüdischen Eltern ist orthodos, nicht national. Die Orthodoxie aber hat in der lungeren Generation keinen Boden, keine I loffnung. Und ein Drittes: die Zahl der jüdischen Eltern, weiche bereit wären, ihre Kinder einem nationalen Erziehung*- wesen zu übergeben, schrumpft noch zusammen durch cineu wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Werden'die in jüdisehen Sonderschulen Erzogenen vorbereitet sein iiir den wirtschaftlichen Kampf in Deutschland? Wir müssen ehrlich sagen, daß sie im Nachteil sein werden; daran ist nicht zu zweifeln. Wie können also die Eltern die Verantwortung vor sicli und ihren Kindern tragen, so- Lange nicht aus Erez Israel die Nachricht kommt: Wir sind bereit, es wandere zu uns wer will, wir können alle ernähren, welchen Bends, welcher Konstitution er H־. (An dieser Stelle zeigt sich nebenbei die merkwürdige Sonderstellung des Judentums in Deutschland. Seine Lage verlangt die 11 e 111 s c 11 e Schule als avirt- .cliaftliche und politische Position, nicht umgekehrt; hier ist ■die Selmlfrage eint׳ reine Kulturfrage), Die Aussicht für jüdische Schulen, seien sie wie immer, ist in Deutschland gering. Sie als Natioualer/ielumgswesen fordern, heißt datier in Wahrheit ein Minimal- Programm aufstellen. Ucbcrdies: die Schüler dieser Schulen werden zum Besuch derselben zwar nicht vom Staat, aber von den Eltern gezwungen sein. I:s ist fcuzugehen, bei den Jüngeren, etwa bis zum zwölften Ijchcnsjahr, wird dies nichts schaden. Sie werden es *clbstvcrstiimllich finden; der Unterricht wird fruchthör sein; und wenn die Schufen, nicht sei cs wie immer, *nmlcrn gut sein werden, wird auch die Erziehung fruchtbar sein in diesen wenigen, vielleicht ein llundertstcl, vielleicht seihst fünf t limdcrtstcf der jüdischen Jugend umfassenden Schuten. Wie aber dann, wenn die Kinder älter werden? Wenn die Opposition in ihnen erwacht, wenn ihre Lehrer ihnen lächerlich erscheinen werden, wenn timen die Schule langweilig, (jti.ilcml wird (und sie werden sich langweilen, wenn die Schule wie immer, das heißt wie die deutsche sein wird), wenn sie ihren Eltern vorwerfen werden, daß sie von ihnen mit dem gelben Fleck gestempelt wurden? Um es kurz zu sagen: vielleicht werden sie sich nicht taufen, aller ebensowenig von jüdischer Kulturgcsinnung erfüllen lassen. Ein paar Jahre werden sie den Talimul ertragen, wie andere die Ilias, und das Ergebnis wird Indifferenz gegenüber dem Judentum und Schnsucht nach der deutschen Jugendgemeinschaft sein. Den anderen aber, der weit überwiegenden Menge der jüdisehen Jugend, die in deutschen Schulen aufwuclis, wird! 11m die Paradoxie vollkommen zu machen, das Patliologische ihrer jüdischen Existenz, in lXnitschland füllthur werden und Sehnsucht nach dem von mir gesellt!- tlcrtcn jüdischen Ei'/iehungswcsen wird sie erfasssen, das nicht da seilt wird, weil man sichs zu leicht gemacht hatte in dieser wichtigsten und schwierigsten Frage. Ls gilt kein Zwang. Das Optimalprogramm für die jüdische Erziehung ist nicht ״Alle hineinzwingen“, nicht ״Nur jene erfassen, deren Eltern es wünschen", sondern jene, die cs selber wollen. Freilich, ihnen mutt man dies Wollen erleichtern durch ein jagendgemäßes Er/ieh1ingswcsen. Darum meine ich, likiischc Schulen sind gut, je besser sie sind, um so!»csscr. Aber sie sind Einzelfülle und um so seltenere Einzel* fälle, je besser sie sind, denn tim so höhere Anfordemugeu stellen sie an ihre Leiter. Aber ein Nationalcrziclumgswcscn sind sie nicht. Dessen Umfang ist allein gegeben durch den Kreis der bewußten jüdisehen Jugend. Damit dieser so groß als möglich werde, müssen die Einrichtungen eigenartig, jugendgemiiß sein. Zuletzt fürchtet Zwi Klotzet, die deutsche Schulbehönlc würde einem jüdischen Erzielnmgswcsen feindlieh entgegentreten, das in wichtigen pädagogischen Belangen vom offiziellen abweicht. Ob liier nicht ganz, ungewohnte Gcdunkcngänge einer Schulbehörde insiliniert werden? Gewißlich wird sie nicht die piida* gogischc Besonderheit besonders empfindlich stören, sondern die politische Bedeutung eines umfangreichen jüdischen Erzicluiugskreiscs und das, wenn überhaupt, unabhängig von seiner inneren und äußeren Form. Tritt dieser Fall aber ein, so ist kein 'Zweifel, daß er jüdischen Schulen viel gefährlicher wäre, als jüdischen Jugemlbimdcn, jene kann man schließen, oder inan kann ihre Schiilerzalil auf ein Minimum reduzieren, indem man etwa keinerlei Berechtigungen au sie knüpfen läßt. Diesen kann behördlicherseits nichts Wesentliebes geschehe 11: eine begeisterte Jugend wird einen Weg zu finden wissen, wenn sie nicht ganz auf sid» selbst angewiesen bleibt; und sollte selbst die vcrhindert werden, den Willen zur jüdischen Kultur kann kein Machthaber in jungen Menschen vernichten. So wenig wie ihn erzwingen. So bleibt tatsächlich die Zukunft des Judentums — im Westen mindestens — in die freie Entscheidung seiner Jugend gestellt. Möge dieser Entscheidung kein schweres Hindernis entgegengestellt werden durch mcchanjschc Analogien und Utivermögen, aus ganz eigenartiger Situation eigenartige Folgerungen zu ziehen. Es darf nicht vergessen werden, daß es ein anderes ist, ein wenig Wissen und Verstellen als deutsche^ mitteleuropäische Zivisilationstünche über die ursprüngliche Art der Jugend zu dahinter etwas zurück; es bandelt sielt in den deutschen < >1״׳anisalio11e11 im allgemeinen um Erziehung zur Persönlichkeit und Erziehung zum brauchbaren Staatsbürger. Ganz anders liegen die Dinge in den jüdischen Organe sationvn. Sie entstanden, wie schon eingangs!erwähnt׳, ■nis dem Kampf der jüdischen Parteien, mit dem Zweck, die nächste Generation im Sinne vier einzelnen Partei■ .oischainmg zu beeinflussen. Liberale, Orthodoxe, Nationaljtiden und Zionisten schulen sielt ilire Jugendotgai'isntioncn mit dem Zweck, die kommende Gene* ration zu gewinnen. Nachdem also die Verfasserin in der Einleitung au Hand der deutschen Organisationen die Begriffe Jugendpilcge (Erziehung der Jugend durch Erwachsene) und Jugendbewegung (Sclbstcrrichinig der Jugend) sowie die Einteilung nach so/iahvirtsciiaftliciicn und sozialpädagogischen Zielen auscinaiidcrgesetzt hat, behandelt .ne im Hauptteil ihrer Arbeit (S. 21 55) ausschließlich den Verband der neutralen Jugendorganisationen, um schließlich in einem kurzen, nur vier Seiten umfassen• den Anhang sämtliche übrigen Jugendorganisationen /iowstischcr, liberaler, orthodoxer Färbung kurz auf zählend abzufertigen. Sie begründet diese Bewertung mit der *> außerordentlich großen Zahl der im neutralen Jugendverband organisierten jüdischen Jugend. (Der Verband umfaßt 12$ Vereine mit 20 000 Mitgliedern, von denen <>000 außerordentliche Mitglieder sind.) Wir glauben nicht, daß hier die Zahl das entscheidende Prinzip ist. Wir glauben, daß heute die uns nahestehenden Jugend- Organisationen, sowohl die direkt zionistischen wie audi die große Zahl der nation,ו!gesinnten eine weit größere Wicht im Judentum darstellen, als die neutralen Orga- »üsatkmen, schon wegen der ganz anders gearteten ikgcistcrungsfähigkcit ihrer Mitglieder, wegen der intensiven Mitarbeit, die in unserer Organisation von je• dem einzelnen verlangt wird und vor allem wegen der zukunftsfreudigen Tendenz, die sie in sich tragen. — Keinesfalls kann der Außenstehende ein objektives Bild der Verhältnisse aus dieser Darstellung bekommen. Aus ihr muß er vielmehr den Schluß ziehen, daß gegenüber dem Verband vier neutralen Jugcmlverciue die anderen Organisationen überhaupt nicht existieren. Das wird nie• inaml für richtig halten, der die wirklichen Verhältnisse im deutschen Judentum kennt. Es kommt 111111 also mir eine Darstellung des neutra• len Verbandes. Ais charakteristisch!möchten wir die Ausfiihmng der Verfasserin über die Ausländerfrage hervorliehen. Sie bedauert hier, daß die soziale Fürsorge für die zahlreichen in Deutschland ansässigen rciclisausliindisehen Juden vom Jugendverband völlig vernachlässigt worden ist. Wir halten es für notwendig, an dieser Stelle zu betonen, daß es gerade der nationalgcsinntc Teil der Jugend gewesen ist, der in dein Berliner jüdischen Volks* heim zum ersten Mal großzügige Arbeit in diesem Sinne leistet. Ereiliclt scheint nach unserer Auffassung die Bedeiilmig der Ausländer für unsere Organisationen sich nicht darin zu erschöpfen, daß sic Objekte sozialer Fürsorge sind. Ihr ganz anderes Verwachsensein mit dem Judentum kann and muß für uns ein wertvolles Element sein, um von ihnen jüdisch zu lernen und mit ihnen jüdisch zu arbeiten. In dieser Einsicht nehmen die nationalcn Jugendorganisationen ausländische Juden in ihre Reihen auf wie inländische und können allgemein eine erfreuliche Beeinflussung iltrer Arbeit dadurch konstaticrcn. Vom national-jüdischen Standpunkt aus ist das freilich nicht mehr als selbstverständlich, Als pädagogisches Ziel der Jugendarbeit bezeichnet die Verfasserin neben dein allgemein menschlichen Ziel der Erziehung zur Persönlichkeit das spezifisch jüdische der Erziehung zu ״selbstbewußten Juden“. Sowohl der Antisemitismus wie der innerjüdischc Streit mache es für den jungen Juden von heute unmöglich, die Frage seines Judentums einfach ״naturhaft“ zu empfinden, zwinge ihn vielmehr, bewußt Stellung zu nehmen. Hierbei gilt aber als oberstes Prinzip die Neutralität. ״Diese Neutralität bedeutet aber nicht, daß man an den Problcmcn vorbeigeht. Im Gegenteil, alle Fragen sollen den jungen Mitgliedern durch eingehende Erörterung 90 nahe gebracht werden, daß cs ihnen möglich wind, sich eine I selbständige Stellung zu erarbeiten. Aber jede Agitation, Seite 59 streichen, und ein anderes, in dir Wesen Kulturwerte tief verwurzeln und durch ihr Leben verwirklichen lassen. Jenes ist möglich bei völligem Uebcrschen des Wesens, des Rechts und der Schönheit der Jugend, dieses ganz und gar unmöglich ohne diese Erkenntnis und das Vertrauen, das aus ihr fließt. Cavcant oonsulcs! Enttäuschte Hoffnungen Die amerikanische und russische Presse brachte vor kurzem die Nachricht, daß das neugebitdete Ministerium des Innen! die Absicht habe, einige Judcnbcschränkungen demnächst abzuschaffen und dem provisorischen Erlaß des ehemaligen Ministers des Innern,Schtscherb a t o w , über das Aufcnthaltsrccht der Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons Gesetzeskraft zu verleihen. In den bürokratischen Kreisen wurde diese Nachricht dahin gedeutet, daß das bevorstehende Gesetz nur für die■ jenigen Juden gültig sein werde, die sich auf Grund des Schtschcrbatow-Erhsses bereits niedergelassen haben, die also bei Veröffentlichung des Gesetzes bereits außerhalb des Ansiedlungsrayons wohnen. Die Lokalbchörden bemühten sicli daher rechtzeitig, die Zahl dieser Glücklichen zu verkleinern, ln manchen Gouvernement* wurde die Einwanderung neuer Juden durch unzählige Schwierigkeiten unmöglich gemacht, ln den Gouvernements Kursk, Kaluga und Twer wurde eine Anzahl jüdischer Familien auf administrativem Wege ausgewiesen, darunter sogar einige Inhaber von Diplomen, die auch vor dem Schtschcrbatow-Erlaß das Wohnrecht außerhalb des Atisiedlutigsrayous besaßen. Als der Vertreter der ״Rjct&ch“ das Ministerium des Innern besuchte, um über die Einzelheit«! des bcvorstehenden Judengesetzes Näheres zu erfahren, wurde ihm mitgcteilt, daß keine der zuständigen Personen von einem solchen Projekt wisse und daß vorläufig keine Schritte in dieser Beziehung gemacht worden seien. Einer der leitenden Beamten sprach sogar über die; Entstehung solcher grundlosen Gerüchte sein Erstauneu aus. So endete von neuem eine hoffnungsvolle Erwartung mit dem einzigen Ergebnis, daß eine Anzahl wolmberechtigter Juden ihres Wohnrechtes verlustig gingen, 1 Vom jüdischen Hilfswerk in Rußland Am 25, Januar fand In Petersburg eine Massen- Versammlung der jüdischen Bcitragszahler für das Hilf*■ komitec zu Gunsten der vom Kriege betroffenen Juden statt. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Sliosberg, Cr■ stattete Bericht über die Tätigkeit des Hilfskomitees In * dem letzten 2!/ä Jahren. Wir entnehmen dem Bericht fol-! gende interessante Angaben: | Für die ganze Zeit seiner Existenz hat das Hilfs- ‘ komitec mehr als 21000000 Rubel verteilt. Folgende Beträge wurden gesammelt: In Petersburg 1 765000 Rubel, in der Provinz '1: )200 000 Rubel, aus Amerika ist dem Hilfskomitee der j Betrag von 5000000 Rubel zur Verfügung gestellt wor• j den, aus England und Afrika $00 000 Rubel. Außerdem f erhielt das Komitec von den schottischen Christen in Dublin 150000 Rubel. Im ganzen ist das Ausland am ׳ Hilfswerk der Juden mit 8000000 Rubel beteiligt. Von 1! der russischen Regierung Ist der Betrag von 9 Millionen Rubel bewilligt worden. Es verdient, hervorgehoben zu werden, daß das jüdische Hilfswerk in Rußland das einzige ist, welches durch private Mittel und Spenden aufgebaut wurde im Gegensatz zu den Hilfsorganisationen bei den jedes ״Bestiegen“ der Mitglieder auf eine bestimmte Anschaumig ist verboten.“ Als Grund hierfür wird angegeben, daß es pädagogisch falsch sei, junge unreife י Menschen unter Mißbrauch ihrer Begeisterungsfähigkeit I zur einseitigen Parteinahme zu erziehen. Freilich, fährt 1 die Verfasserin fort, bedeutet die Neutralität keinesfalls, 1 daß der Jugend verband nicht auch von Zeit zu Zeit seinem Empfinden in innerjiklischen Dingen Ausdruck geben darf, wie das z. B. in der ausgesprochen antizionistischcn Stimmung des Frankfurter Dclegiertcntage» von 1913 der Falt gewesen ist. Wir können hier nur konstatieren, wohin es führt, wenn deutsche Gesichtspunkte in jüdischen Fragern angewendet werden. Die Verfasserin weist darauf hin, daß in der deutschen Jugendbewegung der Grundsatz der Neutralität in politischen Dingen aus denselben phdago-; gischen Gründen begründet werde wie ira jüdischen Jagendverband. Als ob das dasselbe wäre! Die Parteien in Deutschland, seien sie nun liberal oder konservativ, sind einig darin, daß sic für ihr Vaterland arbeiten wolle!», und der Streit (»esteht nur über die Methode der Arbeit. Da ist es freilich schwer, für den jungen Mensclien ohne eingehende Kenntnis aller politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umstände sid» zur Stellungnahme zu entschließen, und es Ist auch ganz überflüssig, daß der junge Mensch von 18 bis 20 Jahren schon eine ausgesprochene Partcistcllung hat. Wenn er nur bewußt das Vaterland bejaht, so hat er sclwn noch einige Jahre Zeit, sid! seinen engeren Parteistandpunkt auszuwählen. Aber liegen die Dinge im Judentum etwa ähnlich? Sind etwa alle jüdischen Parteien über die Grundfrage, die Erhaltung , des Judentums, sich einig and bleibt nur ein Streit um die Methode? Stehen hier nicht vielmehr schroff di©־ jenigen einander gegenüber, die das Judentum erhalten wollen, und die, die es assimilieren und zerstören wolle»? Und kann man hier überhaupt neutral sein? Ist es denkbar, hier objektiv die Tatsachen einander gegenüberzustcllen, ohne daß man völlig instinktiv sid» sofort für die eine oder die andere Gruppe entscheidet?

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