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Jüdische Rundschau · 1917-02-16 · Heft 7 (16.2.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 58 sehr selten, da es an Familien oder Anstalten, wo Mädchen sich in Haushaltung Milchwirtschaft, Oeflügelbau, Gemüsezucht ausbilden können, fast gartz fehlt. Zur Abhilfe dieses Mangels müßten landwirtscliaftlichc Haushaltungssdiulen gegründet und den Mäddien In den Farmen mehr als bisher Gelegenheit zu praktischer Arbeit gegeben werden. R. Jüdische Schulen? Von Pr. Siegfried Bernfcld, Wien. Weim Clieskel Zwi Klötzel, der sichtlich mit gutem Vorurteil au meine Erörterungen über das ״Problem der jüdischen Erziehung״ (Der Jude, 1, 3) hcrange* treten und ihnen mit überaus freundlichem Verstandnis gefolgt ist, sich genötigt sieht, im 51. Heft dieser Zeitschrift mir in einigen wichtigen Punkten entgegenzutreten, ohne daß ich selbst einen wesentlichen Gegensatz zu dem von ihm Gesagten verspürte, so rechtfertigt ] dies vielleicht den Versuch, hier einiges klarer zu sagen j als dort gelang. ' j Klötzel stellt meinen Standpunkt elwa so dar: Ich gehe aus von der ״Erkenntnis der Gesetzmäßigkeit jugendlichen Daseins überhaupt“. Diese׳‘ Betrachtung der Dinge in erster Linie ״mit den Augen unserer heranwachsenden Jugend selbst" führe mich dazu, die ״heutige Schule ab/ulelmcii, a« ihrer Stelle die Jugemlgcineinj Schaft zu fordern und deshalb auch den Gedanken der ן jüdischen Schule abzulelincn“. Aber gerade dieses Deshalb ist nicht mein Gctlankc. Ich ״will auf die Beeinflussung des Kindes verzichten, weil es in seiner Er- Ziehung gänzlich auf die Schule angewiesen ist". Auch dieses Weil kann ich nicht annehmen. Wenn ich von der jüdischen Schule nicht sprach, vielmehr eine ablehnende Haltung nndailete, so war das ans anderem Weil und Deshalb erflossen. Was die Jugend wünscht und will, wessen sie bedarf, was sic als ihre eigene Sonderart empfindet und anerkannt sehen will, wie sie zu dem gesamten Wollen ihrer Erzieher eingestellt isi: das muß der Pädagoge wissen und grundlegend berücksichtigen, aber cs kann nimmermehr die einzige Grundlage des Erziehuiigswesens sein. Jede Er/.iclumg ist ein Versuch zwischen antinomen Wertungen auszugleiche 1!; die Anforderungen der Kultur, der Nation, der Fnrnilie einerseits, die Forderungen der Jugend andrerseits müssen in jeder Erziehung synthctiscli verknüpft werden. 111 soweit muß in jedem ׳ Erzielnmgsprogramm!),־nun sein für die Eigenart der Jugend. Diese selbst jedoch, als ein bloß Tatsäehliebes, als ein wissenschaftlich feststellbares Tatsäehliebes meinetwegen, liiBt keinerlei Postulatc aus sich selber zu, und wenn es noch so richtig wäre, daß Jugend so und so beschaffen ist, notwendigerweise so und so will, daraus nllcin folgt noch nicht, daß ihr durch das Er/idiungsvvcscn dieses Soscin auch erhalten werden muß. An sich ist die Forderung möglich, cs intensiv zu verändern. Ob und inwieweit ein Erzichungswesen jugendgemäß sein soll, kann nicht aus der Tal- Sache oder der Idee der Jugend, sondern nur aus den momentanen und ewigen Forderungen und Zielen 'der die Erziehung bestimmenden Gruppe, in unserem!־־all der jüdischen Nation im Westen gesetzt werden. Freilich, wehe der Nation, die jene Synthese nicht zu schaffen vermag, deren Jugend an der Beschränktheit oder der Notdurft der Gesamtheit verkümmert. Es gibt keine allgemein gültige pädagogische Norm, nur eine allgemein gültige Psychologie. Diese vermag ums at sagen, welche pädagogischen Mittel und Wege zur Das Neujahr der Bäume Der 15. Sdnvat. Draußen herrscht starrer Frost. Von meinen Fenstern übersehe ich ein weites, weißes, schneebedecktes Feld. Und schweigend, regungslos, in finstre Trauer versunken stehen da Bäume, auch sic bis ins Herz erstarrt vom Eishauch, der sie umgibt. Ihr glaubt cs mir nicht, lüiumc, daß heute der Tag ist, an dem geheimnisvoll, unsichtbar, neues l eben durch eure Poren cinzuJriiigcn beginnt, daß cs in der Tiefe zu flüstern beginnt von der Sonne, die nicht gestorben ist, die wiedcrkehreii will, wärmend, strahlend, glückbringend, wie ehemals. Und damit ihr mir glaubt, damit ich seihst cs noch glauben kann, die erstarrt ist wie ihr in Trauer und Somieuseliiisucht, laßt euch erzählen vom Chamischa-asar-biscliwat, in Ercz-lsracl, wo Blumen, Bäume und Menschen diesen Tag keimen und feiern. Dort trat auch er mir entgegen ‘ als frohes und tiefes Erlebnis, .. . 111 der ersten Woche des Sclnvat hatte cs ununterbrodien geregnet. Wie graue Schleier hing cs über Jerusalem. Von den Hängen des Oelbergs und des Scopiusberges iloß das Wasser herab und vereinigte sich im Kidrontal Zu einem kleinen Sec, eine für das wasserarme Land seltene Erscheinung. Viele Straßen und Wege in der Stadt hatten sich zu grundlosen Pfützen verwandelt. Es gehörte schon ein besonderer Mut da• zu, sich in die höher gelegenen Teile der Stadt zu wagen, und zum: Bczalel stieg nur der liinauf, der ein Einsinkcu in Regen und Schlamm nicht fürchtete. Aber die Kinder sangen froh und unentwegt: ״Geschein, gcscheni, geschein tow, mischaittnjim ten larovv". Wußten sie doch alle, wie wertvoll für die regenlose Zeit der jetzige Ucherfluß sei, wie das von den Himmeln gesendete Wasser die Brunnen und Zisternen füllte, lind doch war es so kalt und unfreundlich, daß jeder1 sich nach der Sonne sehnte. ־ Nach einer Nacht, in der sieh die Stürme wie los* gelassene Bestien gegen Felsen und Häuser warfen, war am Morgen die Sonne da, groß, strahlend und JU EDI SC HE RUNDSCHAU Erreichung eines bestimmten pädagogischen Ziels nötig wären. Das Ziel selbst aber vermag die Psychologie nicht zu geben lind noch weniger der Begriff, den die Jugend aus sich heraus von ihrer eigenen Art hat dieses Ziel wird von der gegenwärtigen Lage und dem Ideal der erziehenden Gemeinschaft, der jüdischen Nation gegeheu. Deshalb gibt es eine west jüdische Pädagogik, die sich von jeder anderen tim so viel unterscheidet, als Lage und Ideal der jüdischen Nation 1111 Westen von denen anderer Völker different sind. Unsere Aufgabe im Westen heißt, negativ formuliert, Ilcinimiiig der Assiniilation, positiv und auf die Jugend gerichtet, Neubclehimg und Verwirklichung der jüdischen Kultnrwcrtc in der jüdischen Jugend. 1111 deutschen I )cutschland ist solches nicht die Aufgabe der Nation, sondern nur einer Partei in ihr, der Partei der Geistigen, einer sehr kleinen und sehr äuge feindeten Grujipc. ihr Eraeluuigsprogramm wird darum vor allem nngefeindet: es erscheint radikal, extrem, futuristisch. Und vom Standpunkt des ikutschtiinis, das ja keinen geistigen, sondern einen wirlschädlichen und politischen Inhalt hat, mit Recht. 111t Westjudeiituin ist dies völlig anders, liier ist Volkssadie, was dort Parteisache ist. Darum ist das Erziclnmgswcscii, wie ich cs Versuchte, auf den drei Stütz* punkten jedes pädagogischen Baues aufgericlitet zu scliildem (dem Wesen der Jugend, der Idee der Kultur, hier der jüdischen Kultur, und der realen Gegebenheit der gegenwärtigen Struktur der Gesamtheit, hier des Judenttuns), dem Erziehimgsprogramin Wyncleim so viel;11111lieber als dem offiziellen in Deutschland, weil es mit jenem zwei, die wesentlichen forinbesüninienden, Punkte gemeinsam hat, -- nämlich die allgemein gültige Idee der Jugend und die Zielsetzung: Fortpflanzung der letzten Werte, -- während es mit diesem nichts verbindet. Also, und das ist mir überaus wichtig, ganz klar zu machen, nicht weil ich von einer allgemeine« pädagogischen Idee komme und bemüht bin, die von mir als au sich richtig befundene Erzieliiuigsforin Wynckciis im Judentum zu realisieren, nicht-deshalb fordeiv ich die Jugeudgemeiuschaft, sondern weil wir in unserem konkreten Full eine Erziehung brauchen, die das zu leisten hat, von Volks wegen zu leisten hat. was mir die Jugemlgcmciiischaft leisten kann. Nicht weil die Jugend so und so ist, sondern weil das Judentum ii21 Westen nur eine so beschaffen? Jugend braucht, darum fordere ich ein Erzieliungswescii, das einzigartig und ohne Beispiel ist. Auch das Judentum seihst, vor allem sein Ziel, ist einzigartig «ml ohne Beispiel. Wenn die deutsche Pädagogik solche Erziehung ablehnt, so hat sie recht, denn sie ist ihr sehr gefährlich. Wir aber, die wir andere Voraussetzungen, andere Forderungen haben als die deutsche Nation, dürfen ihr nicht iiaeliäffen. Wir brauchen gerade diese Erziehung, uns ist jede andere gefährlich. Gegen die deutsche Schule an sich bin ich keineswegs; im Gegenteil bewundere ich, Wie sie in jeder Beziehung ihrem Zweck niigepaßt ist. Ich kann auch nicht deshalb gegen die jüdische Schule sein. Jüdische Schulen würde ich begrüßen, wenn sie ebenso folgerichtig aus ihrem Zwecke aufgebaut wären. Ich bestreite,nur, daß sic die Orgaiiisaliousform der jüdischen Nalioiialcr/iehting im Westen sein können, weil wir andere Zwecke haben iiml darum anderer Formen bedürfen. Zwi Klötzel meint, cs sei seines Erachtens ״garnicht Sache des Judentums, zu entscheiden, ob die Schule von heute die Mängel auf* weist“, die ihr von mir vorgeworfen werden. Das wäre richtig, wenn wir von der deutsche« Schule sprächen. Es kümmert uns kaum, oh diese Schule ihrem Zwecke von! blauen Himmel herahleuelitend, wie in den Tagen des Sommers. Noch einige Tage, und ihr Lächeln hatte alles Verwüstende und Entstellende vom Angesichte der ewigen Stadt hinweggewischt. 111 frischem Grün stau* den die Bäume. Und wie mit einem Znubcrschlng grünte und blühte es draußen vor der Stadt, auf den steinigen Hochflächen des liebirgslamles, auf den sclimäien Strcl״ fen det Fehler und den Pfaden, die sich liindurclizichcn. Dam in Palästina kommt der Frühling nicht wie'der zarte L-ciiz des Nordens. Er ist ein farbentrunkener Rausch der Natur, l ausende 1111(1 Tausende der roten Anemonen sind da über Nacht erblüht, zwischen dem Gestein dräugeil sich in gleicher Menge die lieblichen AI|1cnveilchen hervor, auf Arabisch ״Horn der Gazelle" genannt. Orchidtcn, Gladiolen und Winden und zahllose andre Frühlingskiiuler ergänzen die Symphonie des Frühlings, Ja das ist der Geburtstag der Natur. Und so wird er auch von den Menschen dort begrüßt und gefeiert, Die Schu* len sind geschlossen. Im Gau hajcladim wird das Früh- Ungsfcst durch Spiele und Reigen besonders festlich begnugen. Draußen ist Krieg, Hunger und Elend. Die grolle Mehrzahl der Kleinen, die da versammelt sind, leidet seit. Jahr uiul Tag bitteren Mangel, und doch —’ wie strahlen die dunklen Augen, wie Bell klingen die Lieder von Sonne und Frühling. Und am Schlüße der ..Chagiga" ein wunderschönes, lebendes Bild: Der Traum vom 15. Schwat. Um das Lager eines kleinen schlafenden Blondkopfs stehen 15 Englein In weißen Gewändern und Flügeln. Sic bieten dein kleinen Schläfer die Früchte dar, die die heute aus ihrem Winterschlaf erwachenden Baume dem guten Kinde reifen lassen׳ Orangen und Feigen, Granaten, Brotfrüchte, Datteln! 1 rauben und Nüsse. — Und die anderen Kleinen sehen staunen und jubeln. ׳ _ Und ich vergesse in diesem Augenblick, daß die ״Eng* lern * aus ärmlichen Lumpen in ihre strahlenden Hüllen geschlupft sind, daß ein hungernder und frierender sind ent das schöne hebräische Liedchen zu dem Bilde gedichtet hat, daß dunkle Schatten über Stadt und Land hangen — ich fühle mir aus diesem Feste des Frühlings Nr 7 gerecht wird, noch weniger, ob diese Zwecke zu bdhgen wären oder nicht; das ist nur möglich vom Stand, punkt einer deutschen Partei aus, etwa der des Geistes. Danach habe ich auch nicht gefragt. Ob aber unsere Selm!«־ Mängel hat oder nicht, das geht uns an und umso mehr, je gefährlicher diese erscheinen, je mehr wir durch xu• geradezu das Ziel unserer Nationaler Ziehung in Frage gestellt Velten. Und das, glaube ich, wäre der Faß, 1wenn wir die deutsche Schule kopiertem Nicht, weil sic schlecht Ist, sondern weil sie für uns schlecht im, ״Pädagogische Streitfragen so .־illgemeüien (.hnrakters werden gelöst von der Gesamtheit aller lehrenden und erziehenden Kräfte". Aber es handelt sich nicht um eine pädagogische Streitfrage allgemeinen Charakters, sonder״ um eine ganz spezielle• Anwendung allgemein anerkannter pädagogischer Ideen. Niemand bestreitet au sich die Richtigkeit der Anschauungen Maria Montesoris, Berthold Ottos. Gustav Wyiickcns. Aber man bekämpft sie als Prinzipien des deutschen Schuhtesens, weil sie seiner wirtschaftlichen und politischen Zielsetzung nicht entsprechen. Wir sollen das gleiche tim, trotzdem sie unseren!•'«mlerungcn adäquat sind, mir deshalb, weil wir im deutschen Lande leben? Wie, wenn wir vom dänischen, englischen, amerikanischen Schulwesen umgehen wären? Dann müßten wir uns wieder dar״,■ich richten? Ijeillt das nationale Selbstliesiiinuiig, sich in der wichtigsten Frage von außen bestimmen zu lassen? Und nicht etwa von wirklichen pädagogischen Lösungen, denn davon ist im offizi- -eilen Schulwesen Deutschlands wenig die Rede, sondem von Lösungen, die aus seiner momentanen s״z1alen 1und politischen läge entspringen. Klötzel gibt ein Beispiel solch einer ,,allgemeinen pädagogischen Frage": Simultanschule oder nicht? Gerade an diesein Beispiel wird deutlich, worauf cs ankommt. Das Problem ist hier ganz und gar kein pädagogisches, l>1e Pädagogik könnte vielleicht sagen, w i c Kinder verschicdcncr Konfession zu tuiferrichten wären, aber oh, entscheidet nicht die Pädagogik, sondern die Politik. Wie in diesem Beispiel, ist cs im deutschen Schulwesen überhaupt, sclbslverstämllichei'wdse. Sein Bestand und seine Entwickelung sind größtenteils bestimmt von außcrpädngogisclien Gesichtspunkten. Daher: wenn ich mich auch jenen pädagogischen Erkenntnissen beugen würde, die gegen meinen Entwurf sprächen, von inner• deutschen anßerpädagogisclien Fragen können und diirfeil wir 1ms nicht beeinflussen lassen, wenn wir über jüdische Erziehung iincliilcnkcii. Alle nationalen Minoritäten, die um ihre Anerkennung und Autonomie ringen, führen auch einen Schulkampf. Sie ringen tim wirtschaftliche mul politische Positionen. Und weil die Schule für die imijorisiereiide Nation eine solche Position bedeutet, versuchen sie, ihr sie z.u entreißen. In diesem Fall befindet sich vielleicht auch das Judentum in mniiclicii Diasporal,1indem. In Rußland, in Polen, in Galizien. Hier braucht das Judentum seine Schule zu eben dcitisdhen Zweck, zu dem die Polen, Russen und Ruthcucn sie ihnen verweigern wollen, zu einem wirtschaftlichen und politischen. Hier mag die Forderung am Platz sein ״wir wollen die jüdische Schule, sei sic, wie sic sei;“ eine Forderung, die Klötzel für Deutschland stellt, wie ich glaube, sein mit Unrecht. Hier brauchen wir die Schule nicht als wirtschaftliche und politische Position oder nur ganz nebenbei. Wir brauciicn die Schule in Deutschland überhaupt nur dann, wenn s 1 e am besten das einzige Erfordernis erfüllt: die jüdische Jugend mit jüdischer Kultur durchtrankcn, dieser eine Stelle geben, wo sic eins heraus: den ewig jungen, ewig sielt erneuenden Optimismus des jüdischen Volkes״ seine Zuversicht und seinen Glauben an eine Sonne, die einmal doch alte Blitten erwecken und zur Reife bringen wird — trotz alledem I Dina bath Ahr am (Clcmcntiiic Mayer) Der Kampf um die Jugend Ein späterer Historiker der jüdischen Renaissance in Deutschland wird sicherlich der Bewegung der jüdi* scheu Jugend einen bedeutenden!»!atz in seinem Geschichlswerk einriiumeii. Mau kann die Kämpfe im deutschen Judentum im letzten Jahrzehnt eigentlich zu* sanimcnfasscud als einen Kampf um die Jugend bczciclineu, einen Kampf, der von allen Parteien im Judentum geführt wird und hei dein ursprünglich die Jugend das Objekt des Kampfes war, die gewonnen werden sollte, während in letzter Zeit die Jugend mehr und mehr aktiv in diesen Kampf cingrcift, sich selbst Riehtlinieii zieht und selbst Stellung nimmt. . Wer in der Broschüre von I)r. Cora Berliner ״Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland" glaubt, eine erste Darstellung der Geschichte und des heutigen Standes dieser Jugendorganisationen zu finden, der wird ziemlich enttäuscht das Buch aus der Hand legen. Die Verfasserin stellt die jüdische JugcndbewC- Rung nicht etwa in den Rahmen der jüdischen üewe* gung überhaupt ein, sondern sic betrachtet sic vielmehr als einen Teil der allgemeinen deutschen Jugcndbewc* gung und Jugendpflege, als die Organisation der dritten Konfession neben Protestanten und Katholiken. Das ist historisch falsch gesehen. Die Verfasserin betont selbst mit Recht, daß für die deutsche Jugendfrage sozial wirtschaftliche Motive im Vordergrund ste* hen: Es gilt, die schulentlassene Jugend vor den Oefahren der Großstadt zu behüten, ihnen ein Familien* leben zu ersetzen, ihre Berufsinteressen zu vertreten und ihnen wirtschaftliche Vorteile und Förderung za gewähren. Das sozial pädagogische Element tritt

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