Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2652026-2652032--10988-2668790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 51 Mehrzahl nicht aus dem Streben nach Verbesserung ihres Einkommens, sondern «ms nationalen Motiven nach Palästina gekommen. Wenn sie nun hier auf Unfreund- 1ichkeit stolien oder wenn das Verbleiben im Lande übermenschliche Entbehrungen von ihnen fordert, so werden sie das Land eben wieder verlassen. Denn Hunger und Krankheit machen auf die Dauer auch den grollten Idealisten mürbe. Tatsächlich Wandern sehr viele von ihnen wieder aus und die Auswanderung wäre in den letzten Jahren sicherlich noch grüllcr gewesen, wenn nicht seitens der nationalen Meiriche den Arbeitern Verst uuluis und Wohlwollen entgegengebracht worden wäre. Drohung und Strenge sind geeignete Mittel, um dw Arbeiter aus dem l ande zu treiben, nicht aber, um sie hu ■I amte zu erhalten. R. (Schlaft folgt). Kulturarbeit Palästinaarbcit Von Hugo Schachtel ln Nr. '1 der ,,Jüdischen Zeitung‘* * befindet sieb ein Artikel von l>r. Otto Alleles ״Zum deutschen Ziomsteiitag“, der scharfe Kritik übt an den Verbandhingen und Beschlüssen des aulSerordentlichen Delcgiert entages der deutschen Zionisten, der am 21, und ״׳>. Dezember in Berlin abgehaltcii wurde. Aböles ist ״unzufrieden* verwundert, ja unwillig“, dal! man sielt 111 Berlin aiisscbliellbch init Fragen jüdischer Kultur, mit der Bragc der ״Vcriiinerüi'lnmg des zionistischen Individuums“ befallt ltahe und alle wichtigen zioni* sfischcn Eragen unerörtert gelassen habe, als da sind: Ostjudenfragc, KuHusgeineiiidepolitik, körperliche und wirtschaftliche Regeneration, Emigrat onsproblom, grollzueigcs Koiouisationswerk in l’.ilästäia. Abeies führt zu seine!» Untcrdiil/ung .Stimmen an, die beim Dclcgiertentagc selbst sieh dahin ausgesprochen lütten, ״dall die Kultur,iitn'it nicht das einzige Wirkimi'sgehii't des p.dilisdien Z onismtis s; in körnte, inshcMimli re anno l׳H7 nicht," Trietsch, Mnrgulies mul nneli. Von mir zitiert er als ״bezeichnend“ die Worte, mit denen ich mein Referat über die Eandspendc heg.inn: ״Was ich Ihnen bettle hier zu sagen habe, fällt ja aus dem Rahmen dieses mau kann wohl sagen — m jeder Beziehung ״aullcrordentliclieii“ IVegiertcntages 11er,ms“. Dies veranlaflt mich zunächst, jetzt hier das Wort zu nehmen. Ahclcs hat in meine Worte etwas hmciiigclcgt, was In ihnen nicht enthalten ist: Ironie. Ich Italie in Wirklichkeit die Tagung als eine ״atillcrordentliche“ empfunden und als solche hinstellen wollen, Nicht bloli der äußeren Umstände halber, dali der Delegiertentag in Kricgszeiten und 11111 e r K r i c g s r e e 111 und K ri e gsg c sei z e n stand, war er mir ein aulleronlentüelier, sondern gerade weil er sich in den '1 lagen fast aussclilielllielt mit einem Thema ]»eia Ute, das unter aiuleien Verhältnissen immer zu kurz kam, s! eingehend mit den!'ragen der geistigen Arlieit, der Kultur, der Verinnerlichung, der Intcnsiviening belassen konnte. Ich habe also durchaus keinen Tadel aussprechen wollen, sondern sah einen Vorzug in dieser Beschränkung, Einheitlichkeit und ücsehlossciilnit der offiziellen und öffentlichen Tagung, von der Abeies das Protokoll 1.1s, und wonach er den 1 )elegiertem.*1g fälschlich beurteilte. Denn das, was er vom!)elegiertctitag weiß, ist eben nur das im Protokoll Nicdergelcgtc, Abeies übersieht, dal! wir, wie ich schon sagte, unter Kriegsrecht und Kriegsgesot/.e standen. Alleles lebt in Wien und sollte eigentlich daher wissen, «lall es im Krieg beengende polizeiliche mul mifilärisclte Vorschriften und Maßnahmen gibt, in Oesterreich ja noch mehr als in Deutschland, aber in Deutschland jedenfalls auch. Und «liese lind Buk! ben Jogli l.s gibt in jeder Literatur (lest,alten, die «lern Liternimgcfchuhtici• und seinem Schema trotzen, «lie keiinslalls in einen Rahmen passen, die nichts voll Evolution ..,ui Aiikmipluiig aul/eigen, «lie keine Schule machen. Abseits von der Heerstraße der gegebenen Literatur waii- «lern sie wie üreiule l.icliter und lochen den Leser hesondev> in denjenigen Augenblicken, \v«1 er des klassisehen und naehklassischeu ״Werdegangs“ müde wird, wo er etwas sucht, das nicht zu einem bestimmten Abschnitt gehört, sondern ausschließlich persönlich gekenn• /eichnct v erden kann. In der neuhebniischcn Literalur gibt es solcher Gestalten sehr wenig. Eine dieser wenigen war der verstorbene I >r. J. L. Katzeneisou als Dichter unter dein l'semlouvm Buki bei! Jogli bekannt, Nicht nur in der hebräischen Literatur seines Zeitnltcis stand «׳r abseits, smuk'rn auch in seinen eigenen mannigfachen Bends- 1 «ml Licbli!1gsbesel1äfti;,1m׳״cn, Was hatte der Mann nicht alles /״ schaffen! Arzt, Redakteur, noc.tsiluidozent, medizinischer Schriftsteller, Talmudimd (ieschiehtslorsclier, Vorsitzender der Jüdischen Bildiir.gsgesellseliaft, des Hebräischen Sprachvereins Cliowcwc-Mat-hwir mul daneben, in einer Sti1nnu1u!>s- 'luiuic. sitzt sieb Bilki ben Jogli hin und «liebtet: 1 1 ,!V״• Livahlungcii, Satiren, Feuilletons. Er maeid 1K. Militärarzt den Feldzug 1877,8 mit und schildert rührend einen l eldseder (״Kulanii messubbin“), wie er uns beule mich nid״ geschildert worden ist. Er "״'״.l’ehebt und bcmliim durch sein liebliches ״Nach- VJ\״ ,)• eigeiitlicli eine Erzählung für Jünglinge und Mädchen, aber in ihrer wunderlichen Vcnpiickmig von Realem und Romantischem jeden Leser fesselnd, lluki ben Jogli hat «he ganze I Inskalnepoelte milerlebt und ist kein Maskil. Weiler im Inhalt noch der Form nach sind seine Werke aufklärerisch, hochfahrend «Hier schwülstig. Aber auch zmn neuen Stil kann man ihn nicht rechnen. Seine Werke sind ebensogut vormeudelisch wie nachinemlclisch. Noch in der Hnskalnzcit *) Deutsch übersetzt von Dr. J. Meis!, Wien IWfi. andere äußere Gründe verboten cs uns, uns bei der Tagung mit gewissen!•'ragen der Politik zu befassen, politische Referate zu halten und politische Themen zu erörtern. Dadurch gewinnt die zutage getretene Einseitigkeit wohl schon ein etwas anderes Aussehen. Aber ich kann Dr. AIicies verraten, daß wir alle, «lie wir nach Berlin ztim Delegicrtcntage kamen, Gelegenheil genug fanden, obwohl die beiden Tage zur Genüge durch «lie offiziellen Verhandlungen nusgcliillt waren, uns davon zu überzeugen, daß unsere Leitung, sowohl die der deutschen I.imilsmannsdialt wie die mit ihr ja zmn Teil identische «ler Gesaintbcwcgung, sieh durchaus nicht bloß mit Kulturfragen belaßt habe, sondern ganz, im Gegenteil «lie Hauptarbeit «len palitischeu Problcmcii unserer Organisation zugewandt hat. Jedem, «ler orientiert sein wollte, war Gelegenheit elazu gegeben. Ich gehe zu, daß manchem das, was er über die Tätigkeit in der Ostjmlenfrnge erfuhr, nicht genügte. Zu einem Teil kam «lies jedoch daher, weil;Hielt liier der Kriegszustand und seine Folgen über* sehen wurden: wieviel mehr halle geleistet werden können, wenn nicht si» viele Kräfte durch «len Heeresdienst in Anspruch genommen wären. Viel weniger, fast gar nichts aiis/.usclz.en hatte man an «lein, was mau über die Tätigkeit im Hinblick auf «las politische Endziel erfahren konnte. Sn also war «ler Delegierte 11lag auch darum ein außerordentlicher, weil man ihn unmöglich nach dem l'iotokoll allein beurteilen kann, ohne Berücksichtigung der Neben- und Begleitumstände, die im Protokoll uicdcr/ulcgcit nicht gut möglich ist. Dies zur Entschuldigung für Dr. Ahclcs und andere, die durch ihre Nielitteilnalimc zu einem schiefe» Urteil gelangten. Unverzeihlich isl aber, wenn jemand, der zugegen war, in einem nichtzionistischen Blatte eine solche Kritik veröffentlicht, wie es von einem geschelu-ii ist, der seinen Namen zu nennen sich offenbar scheut und sieb hinter dem Pseudonym ״Eli»- 111,hui“ versteckt. Davor könnte einem grauen. , , I 1)0111־ das nur neben hei. Ich sagte vorhin, daß mir dir Delegierientag wirklich ein ״aiißernrdeiitlielier“ war, eben weil er sich so eingehend mit «ler Kultiirfrngc befassen konnte. Das möchte ich noch etwas begründen. Bei allen Kongressen kam man zur Kultmtrage in einem Moment, da man den Kopf mit andern Dingen voll batte, wenn 111:11» schon müde und abgespannt war von allein, was vorangegangen, wenn im Pcruianenz.-Aiisscluill die letzten Kämpfe ausgcfochtcn \vur- «len. Nie kam es zu einer gründlichen Erörterung. Auf deutschen Delcgiertent.igcn kannte mau sic gar nicht, j Sie gehört aber doch zu «len zionistischen Grund Ir.tj gen, über die man sich zumindest e i 11 Mal in Ruhe und mit freiem Kopfe in größerer Gemeinschaft aus• sprechen mußte. Ich glaube, ihre Wichtigkeit nicht zu hin rschätzcu. Ich kann aber wohl sagen, dal! sic für manche unter uns ininu'i׳ mehr an Wichtigkeit gcn.inn, je älter wir wurden und je mehr uns Kinder heraiiwuehsen. Ein nicht geringer Teil von uns, denen das Glück zuteil wurde, Kinder zu besitzen, sah sich dem׳ Problem gegenüber: Wie erziehe ich meine Kinder zu guten national empfindenden Juden, die für ihr Volk zu leben und zu wirken für ihre natürliche Pflicht erachten, die einst unser Werk fortsetzen? Es würde zu weit führen, wollte ich hier erörtern, warum diese [*rage für viele von uns so besonders bedeutsam wurde. Nur streifen möchte ich «len Gedanken, daß die meisten unserer Kinder unter anderen Verhältnissen und anderen Einflüssen .ווו!wachsen, als die waren, die auf uns einmal einwirktcii. So kam cs, daß sieb an maneiten Orlen, wo Zionisten nicht bloß durch das politische Prinzip zusaininengelialtcn werden, soiulcni sich in allen Lebciisbeziehiingen 11;i hertraten, neue Gemeinschaften bildeU'11, «lie sicli spontan diesen Fragen zuwandten. bat er kmiM- 11n«l inhaltsvoll, in gemütlicher Sprache geschrieben, aller noch bis auf «len letzten Tag huldigte er «kn neuen Strümiiugi'ii nicht, die ihm nach Gehalt (uni S(1| /u dekadent schienen. Er stand eben abseits von der l.ileraturgcschielite, aber mit •beiden I iissi-11 in der Literatur. Er wohnte in Petersburg mul blich dort von Wilnacr Rhetorik und Warschauer Viclselirei• herei 1 erschollt, von «lern Odessacr literarischen l'em• pi'ltlieust unberührt. Still und einsam, ohne von einem Meister zu lernen niler jemanden zu bcmcisterii, schuf er seine literarischen Werke, die zu keiner «Strömung gehören, außer zu «ler Buki bin Joglis. Viele Sachen von ihm sind zerstreut in l lajoni, Ilamelitz. I lascliilnaeh, Hasman, Moledetli und ,־linieren Zeitschriften. Eine Sammlung war noch vor dem Kriege geplant und wird jetzt von «len vielen Freunden des Verstorbenen gewiß veranstaltet werden. Zusammen mit der groliangclcgten Autobiographie, die jetzt im Moskauer ,,11.-1,1111“ erscheint, vviril eine solche Sammlung erst die Dehersiclit über das literarische Work Buki ben joglis ermöglichen. I Ir. Kal/enelson vvnr nicht nur Novellist uml Wissensehaftler. Audi Publizist war er ab und ־zu. Schon in seinen Satiren. So /. B, hat er wundervoll einen hekannten Vorgang gegeißelt - die Verscheiiknug der Friedläihlerscncn Bücherei (,,Kebillatli Mosche“) an das Pciiagradvr Asiatische Museum. Aber auch in einfachpublizistischer Prosa begegnet man dem Meister des Stiles; sei es in «ler Frage des Sclicchiia-Vcrbots, sei es in «ler Erzieluingsfragc (eine Artikelserie im wöchentlichen Hasman, Petersburg). Einer seiner letzten Artikel war der l'arbfrage «ler Neubildungen in der hebräischen Sprache gewidmet (Monatsschrift ״Hasafa“ 1QI2), ln diesem einen Punkt, in der Stellung zur Stilfrage im 11cbräischen Schrifttum, stellt Buki ben Jogli nicht allein. Hier war er einer :ms dem Triumvirat: Kantor (ebenfalls wälin nd des Krieges gestorben), David Erischmann lind er. Merkwürdigerweise sind diese drei, die «loch die Gründer «ler ersten hebräischen täglichen Zeitung (״llajom“, Petersburg, 1880) waren, gerade gegen die Neubildungen. die die lebendige Sprache, besonders die Zeitiingsspracne, tbch gebieterisch verlangt. Solchen war es etwas «lurchaus Erfreuliches, daß (wenn auch aus durchaus unerfreulichen letzten Gründen) jetzt einmal eine zionistische Tagung stattfand, auf der man diese Frage gründlich erörtern konnte, daß man von Männern, die sich nach dieser Richtung rcdlichst stre• bend bemüht hatten, das Ergebnis ihrer Oedanken zu hören bekam. Die andern Sorgen und Fragen des Zionisten blieben darum bestehen, das ist selbstverstündlich. Aber vielleicht sind auch sic damit etwa» gefördert. Demi was geschah, iinchdeni man sich cinigermaßen über «liese Dinge ausgesprochen (und dabei selbstverständlich alles, aber aurli alles andere — wie «las nun einmal so üblich — mehr weniger ״gestreift“ halte)? Man Übergal) die Frage einer - man kann wohl sagen -- vvirklicli sachverständigen Kommission, und entlastete, wie schon einer der Opponenten (ich glaube: Margulies) hervorhob, dadurch andere Instanzeit von «ler Behandlung mit diesem Kapitel. Mit an- «lern Worten: andere Kräfte wurden für andere Dinge frei. Uml so sehe ich in ,diese/ Kommissions-Einsetzung den Beginn einer Neuordnung der Dinge ]jn Zionismus, wie ihn insbesondere Trietscfi schon immer angeregt, aber nie erreicht lmt: den Beginn einer Sektionierung. Nach dieser Sektion für die Kultiirlragen wird die Bildung anderer Sektionen «Hier Arbeitskreise im Zioiiismus nicht mehr nusblcibcn können. Ich sage absichtlich ״im Zionismus“ und meine damit die Gesamt- Organisation, also nicht bloß die deutsche Landsmannschalt. Denn «auch «las neue Komitee (irr die Kulturarbeit enthält ja auch schon Leute, die außerlull» Deutschlands wohnen . . . Doch zunächst zurück zu «len Ausführungen von Ahclcs. Abeies scheint mir danach zu glauben, daß das Kulturprogramm ״alles“ ist, was die ״Berliner" als ihr Arbeitsgebiet betrachten und daß sie darüber vergessen hätten, wozu sie eigentlich vom Kongreß bestellt wurden. Daß er sich darin täuscht, deutete ich schon'oben an, als ich von dem sprach, worüber wir noch in Berlin orientiert wurden. In der Tat beweist ihre Arbeit, «lall sie sich «ler ihnen übertragenen Pllichten wohl bewußt sind 11ml danach ltaitdcln. Hoffcntlieh wir«l in nicht zu ferner Zeit auf einem Kongreß mehr davon gesagt werden können oder vorher schon durch die Macht «ler Tatsachen erwiesen sein. Unter denen, «lie sich so mit Geschick betätigen, möchte ich '.ui dieser Stelle Blu in c 1t f e Id nennen, weil er ja gerade wegen seines Referats am meisten als einseitig geneigt Gegenstand des Angriffs ist. Ich glaube, daß Abelcs überhaupt die Berliner falsch beurteilt. Er sieht vielleicht in größerer Nähe Zionisten, die ihren Zionismus allmählich so nach gewissen Vorbilder» ״idealisiert“ haben, daß von Zion, den! Zion der Wirkliclikeit kaum noch etwas übrig bleibt. Ich denke da insbesondere au einen Artikel von Wilhelm Stein, der vor etwa einem halben Jahre in «ler ״Jüdischen Zeitung“ erschien. Der erinnerte mich gar zu sehr an das Zuriickstcllcn des sozialdemokratischen Endziels zugunsten des Ocgenwartsprograinms. Solch ״Messianismus“ wird in Berlin doch nicht gepredigt. Wogegen sich die Kritik in Berlin zu einem Teil wandte, war dieses: «laß das Programm der Verinnerlichung, der Intcnsiviening zum offiziellen Programm des Zionismus geinacht würde. Und das mit Recht. Was beim Delcgiertentng in den Reden Bhunenfelds, Schockcns und vor allem Hubers, auch Calvarys geboten wurde, sind Forderungen, «lie dcnkeml«* Männer als im Interesse der zionistischen Entwicklung liegend erachten, sind Fordeningen, die der einzelne Zionist an sich stellen kann, an seine Lebensführung. Der vom Dclcgiertcntag eingesetzte Ausschuß soll den einzelnen Zionisten in dieser Arbeit an sich, an der kommenden Generation unterstützen, soll ihn lehren, zu einem immer tiefgrün- Möglich übrigens, daß er nur für die Diaspora so sprachkonservntiv war. Die «Spraehlrcilicitcn Palästinas hatte er bestimmt verziehen. Der Unterfertigte hatte die Gelegenheit, ihn im Jahre 1 <)10. nach seiner Palästina* reise, ztt sprechen. Begeistert von Palästina äußerte sich Dr. Knlzcnclsoti unter anderem: ,,Wenn man ilort, in Erez.-Israel, sogar eine ״Awera“ (religiöse Ucbertre* tung) begeht, wird sie zur ״Mizwa“; hier im Golus .wird selbst die ״Mizwa" zur ״Awcra“." H. K r 11 p n i e k. Buchbesprechung Max Brod: Die erste Stunde nach dem Tode. E i n c Q e 8 p e 11 s t e r g c s c 11 i c 111 e. Mit drei Zeich» nitngcn von Ottomar S'arke. Leipz'g, Kurt Wolff (Sammlung ״Der jüngste Tag“ Nr. 32). 46 SS. 0,80 M. In einer kleinen Auseinandersetzung über die jüdische Ethik, welche Felix Stössingcr kürzlich im ״Jüdischen Prag“ veröffentlichte, bezeichnet er als Mission kl cs Juden nach dein Kriege: ״Die Menschheit mit Gott zu versöhnen, «he UnVerbesserlichkeit dieser Welt liebevoll sichtbar zu machen.“ Ein Paratlox? Wer die Uiiverbesscrlichkeit dieser Welt, wenn auch noch so liebevoll, sichtbar macht, läuft wohl eher Gefahr, die Menschheit mit Gott zu entzweien. Dennoch: dieser widerspruchsvolle pessimistische Theismus und theistischc Pessimismus ist die Wcltansch,1uung einer ganzen Reihe junger, meist jüdischer Literaten geworden. Die Welt ist nun einmal der Hötlcnpfuhl und Gott nicht durch sie hindurch zu erreichen und zu verwirklichen, denn er steht außerhalb dieser verpfuschten Welt. Der Krieg hat dieses dualistische Wcltgcfühl natürlieh noch verschärft, wenn es aucli schwer begreiflich ist, daß sich jemand, nach der Frage: Warum all das Leid?, mit der Antwort zufrieden gibt: Weil diese Welt nun einmal (endgültig!) gottentfremdet, verdammt ist. Wir lesen bei Stössinger: ״Der Weltkrieg ist für das tiefste

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.