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Jüdische Rundschau · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Seite 27 Vom 23. Mai 101(» bis 1. Januar 1017 wurden durch das der in einer Arbeiterfrage zusammen mit den Antise- Bureau ca. 700 000 M, mul 25 000 Briefe für 7000 Per ״neu versende(. Das zionistische Bureau hat auch eine \btcihmg ti 1 r K o 111 e n v 1• rso rg u 1»g eröffnet. Von den 000 13׳ Mark, die die Zionisten aus Argentinien Mhiekteu, wurden 'Ul000 N\. in bar und 13 000 M ,11 Kohlen /u billigen!'reisen verteilt. Der Wund ■ taml aueJt in reger Verbindung mit den Zionisten der polnischen Provinz, Gegenwärtig bestellt eine Ver- Bindung mit ■15 L o k a 1 v e r e i 11 e 11. Pur den Natio-' ualfoud wurden in der Provinz 1023׳ M. und für das 11 i 1 i s w e r k f ii r 1' a 1 ii s t i u a 22(1! M. gcsaniiiiill. Am 11 das Sclmlkiiraforiiim dehnte sein Tätigkeitsgebiet;uni! aullerlialli Warschaus aus, gründete und unter• stiit/le in der Provinz. Volksschulen, Kindergärten usw. Von der politischen Tätigkeit des Wand beneidete Herr Nisscuhaiim folgendes: Schon vor Ausbruch ites Krieges befallteu sich die /lonistcn mit der politischen Arbeit. Ps wurde ein pniitisclier Klub ins Leben;;enden, an rleni auch nationale Niehl/.iouistcii teilualuncn. Die Grund-!,!:"וו dieser Politik waren: Kamp! gegen die Assi• inilation, Verständigung׳ mit den l’oleu und Verteidi- ::im״ unserer nationalen Interessen. Diese Prinzipien - erklärte der Redner - blieben dem Waad bis jetzt unerschüttert. Die Situation verlangte spater die Ver• inigiuiß׳ aller jüdischen Parteien, und der Waat! hat diese Pflicht der Stunde erfüllt. Die jüdische Oefientliehkeit begrüßte diese Vereinigung׳, Das war durchaus keine ״ Verquickung mit de״ Assimilauteu־‘ und kein Verzieht auf unsere nationalen Forderungen“, wie es dem Waad vorgeworfeu wird. Als die polnischen hin*׳ ׳:erlichen Parteien sieh in einem Block zusammenschlossen, konnte keine jüdische bürgerliche Partei es wagen, sich der llikhmg dieses Blockes enlgegcnzu- ׳ stellen! Die zionistischen Kandidaten blieben dem erwähnten zionistisch-politischen Programm treu, ln ihrem letzten Stadium nalmien aber die Wahlen eine vollst:in- <lig chaotische l'orni an. Ls muli aber konstatiert werden, dali auch weiterhin die zionistischen Ratmiimier ihre Prinzipien nicht vergalten und die nationalen Borderungen tormnlierlen. im Zusammenhang mit der nettgeschaffenen politischen Lage beschlossen die Zionisteil zu verlangen: I. eine würdige Re 11 rase»- tanz der Julien in allen kommunalen und S t a a t s e i n r i e 111 u n g e n u n d 2. eine selbständige V e r v a 11 tt n g 1 ü r alle i n n e r e 11 jüdisch en Angelegenheiten. Unter 1:111ganhaltendem Beiiall erklärte zum Schluß der Be- I ichterstalter, dal! die zionistischen R a t m ä 11 - II e r aus der sog, ״Vereinigung“ a u 8 g e t r e t e n sind und eine selbständige zionistische Fraktion im •Spidtrat gebildet haben, die sieh die Verteidigung der eru.dinteii 1 äinlcmngci» zur Aulgabe machen wird. Die Debatte ii b e r d e 11 B e r i c 111 d e s W a a d cröffiiele der Vertreter der Jugendorganisation ״Merh״s“, Herr Sokolka. Die Maupfarheiten. um denen der Berielit spricht, sind - Hier Meinung׳ des Redners nach nicht vom ״Waad luiiroui“, sondern von den I inzelvereiiien, insbesondere von den Jugciuiorganisationeu ansgegangen, für die übrigens der ״Waad“ wenig Interesse an den Tag gelegt liatte. Diese Untätigkeit dis W.uul trug dazu bei, dall die politische Initiative die inckl-zionistischeii Llemeule übernommen haben. Der Redner sprach von der Unurdmmg im Sdmlktirutoriuni, dem nicht kollegialen Verhältnis^ der Kuratoreu zu den Lehrern und kritisierte die Wahlpolitik des Waad. Mit den Assimilauteu sei es unmöglich, eine Vereinigung zu schlichen. Line solche ״Vereinigung" bleibe eine I ikuua, die die öttTiitlichc Meinung tauscht. Diese unrichtige Politik des Waad, dieses Streben nach •Linigimg um jeden Preis, führte ziir Bildung der ״V o 1 k s g r u 1» p e”, die übrigens auch bloll eine Fiktion ist. Der Redner versicherte aber, dall trotz aller dieser l eider die zioiiis.i.ehe Jugend noch immer bereit ist, die Leitung zu verteidigen, falls sie nur eine klare, ausgesprochen! unistische und würdige Politik fuhren wird. . Die I aü;>ci1 des Waad, huiiptsüchlicii seine Wahlpolitik, \cnrde noch von den weiteren^ Rednern A. Frank und Rosen angegriffen, lug. Ze 111 ach verteidigte das Sduilkuralorium und Herr Dr. Hin• des dankte dem Komitee für seine Milfsarbeit. Fine leiden•■׳rhaftliclie Stimmung brachte in die De• batte Herr Mi Iner, der aus der Provinz kam. Seiner i’.cobach.un:; nach herrschte unter den Zionisten der Provinz l liuuiriedeuheit mit der politischen Tätigheit der Warschauer Zionisten. Dort könne inan nicht verstehen, wainni man nicht mit der ״Volksgruppe“, simdern mit den Assimilauteu vereinigt war, und niemand w ird es begreiien können, warum mau jetzt selbständig mul nicht /iisamiiK•» mit der ״Volkspartei“ gehen wolle. Die Politik des ,,Waad" sei so weit gegangen, dall ein zionistischer Ratmami im Stadt rat einmal sogar zurammen mit li->ki geUunmt habe. Fine eindrucksvolle Rede zur Verteidigung des Waad hielt Dr. < 1 u 11 I 1 e 11, Fs ist keine leichte Aufgabe meinte der Redner , die Wahlpulitik des waii'.l und die t'ukiik der zionistischen Katmiinncr zu ver- Hi heu. Aber Klarheit tut not. Wir kannten alle sch jeher das Verhältnis der Polen zu uns. Ls war aber (irund zu hoffen, dall jetzt, nachdem Polen den Weg der politischen Lctreiuug betreten hat, auch seine Stelhing zu uns eine neue werde. Unter der Zauber- Wirkung der uouanhrcdtcndeu Epoche mulStcn wir daran, glauben ׳ t«ad «las allein war unser!־'eitler. Wir mnllteii dabei Kompromisse sdüielleu, auf einige Maudate verzichten, m weitherzige Bündnisse eintreleu. Wenn dies alles als verfehlt sich herausstellt, ist dies nicht unsere Schuld, sondern die Schuld der anderen. Die zionistisclieu katmänuer wollten Realpolitik treiben, was auch ganz natürlich ist. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Schritte der Polen abzuwarten. Aber bald darauf, als die politisdte Situation eine klarere wurde, nahmen unsere Ratmiimier eine ausgesprochen v p p o s i t i o 11 e 11 e Stellung zum Mu׳׳i- «trat ein, Opposition wird nicht bloß in lärmenden Reden und starken Worten atisgcdrückt, sondern vor allem in den Abs.inimuugcn gegen das Budget, wie sie die zionistischen Ratinänner vorgenommeti haben. Ls fand'keine ״Vereinigung“ mit den Assimilanteu statt. Fs gab blofl einige Zusammenkünfte unter einem Dack I)er Redner berührte hierauf die von Herrn Milner angciU-utctc Taktik des Ratsmanns Seideima»111, mdcu gesiimmt hatte. Ls handelte sich — erzählte dir Redner - um eine Streitfrage zwischen den polniahrn ״National-Hcmokraten“ und der ״Fortschritts- Partei“. Die Zionisten als solche konnten 111 der F'rage keilte besondere Stellung etunelime», und es war vielleicht gut, dal! die zionistischen Stimmen sich teilten, da cs noch fraglich ist, ob überhaupt eine der beiden Parteien im Stadtrat der -Unterstützung der Zionisten würdig ist. Die Aufgabe der Zionisten ist, führte der Redner weiter aus, eine würdige nntionnljiidisc׳hc Renriisentanz int Stadtrat zu schaffen. Hm eine Vereinigung mit der ״Volkspartei“ Uerzustellcn, uutcrmihuvdcr Waad verschiedene Schritte. Wir taten alles, um eine Vercinigtiug zu ermöglichen. Programmatische Bedenken liegen nicht vor. Unser Programm im Stadtrat und das Programm der Volkspartei decken sich miteinander. Die Volksgruppe stellte aber unter anderem eine Fordernni׳, die die Lhre der zionistische» Organisation verletzt. Auf Beleidigungen können wir nicht eingeheu, Die- Schuld daran, falls die Vcrcinigiingsvcrsuche scheilern sollen, wird nicht auf unserer Seite sein. Leider sind wir dureli ein Ehrenwort gebunden — erklärte der Redner - diese Streitfrage der Ocffentliehkeit bis zur nächsten Konferenz, vorzubehalten. Sie können aber sicher sein, dali die Politik der Zionisten den von Ihnen gewünschten Charakter zeigen wird. Das Wort erhielt hierauf der Vorsitzende des Waads, Herr H, Earhstciu, Wäre die Kritik eine sachliche gewesen, -- beganu der Redner, der mit Beifall empfangen wurde ־- bitte ich meine Verteidigungsrede bis zum Sdilull der Debatte verschoben, Nach den Vorwürfen, die hier dem Komitee gemacht worden sind, halte ich cs tiir meine Pflicht, die Fortsetzung der Debatte in dieser Form nicht abwarten zu dürfen. Vor allem weise ich die Ausdrücke des Herrn Mi ln er zurück. Herr Milncr ist vielleicht ein guter Lehrer für Kinder, aber nicht für Erwachsene. 111 unserer politischen Tätigkeit sind vielleicht einige taktische Fehler begangen worden, aber kein Unrecht und kein Verrat! Als das Abkommen mit den Polen zustande kam, wurde keine einzige Stimme dagegen laut. Sogar diejenigen Kreise, die später dagegen eifrig auftraten, begrünten ursprünglich dieses Abkommen. Unser Haupt-Versehen bestand darin, dali wir keine genaue Ucbcrsidit über die Zahl der jüdischen stimmen ludteu. Wir dachten, dali die Juden im besten Falle nur 16 Mandate im Stadirat erhalten können, Vergossen Sie aber auch nicht, meine Herren, dali wir hinter uns eine Knoche des Boykotts hatten, daß wir uns alle nach einer Verständigung sehnten. Dazu ging das Land einem neuen Leben entgegen und wir glaubten ,nilrii'litig, dall das freie Polen uns besser verstellen wird. Leider hat uns die Wirklichkeit unsere 1 ioffuuiigen zerstört und wir erklären liier öffentlich: Wir haben uns getäuscht, \?ir stol'eu auf keine Geneigtheit zur Vorstäiuliguug und wir ändern jetzt unsere Taktik. (Beilall.) Ls ist aber nicht richtig, dali wir im Stadt rat eine opportunistische Politik geführt haben. Wir blieben unseren Prinzipien' treu. Schon am ersten Tage gaben wir unserer l'/eberzeugung Ausdruck, daß das freie Polen uns die Rechte der uatiimaleii Minderheit gcwähren wird. Hier wurde vorgeseblagc», — sagte Herr Färbstein ferner -- den Ratmaim Seidemann aus der Ziouistisdieu Organisation auszuseliliellcii. Dagegen muli ich energisch .Verwahrung entlegen. Wenn der Waad setzte der Redner fort - eine uielit genügend rege Tätigkeit auf dem rein/ionistiseben (iebiete entfaltet habe, ist es lediglich die Schuld der zionistischen Jugend, die der Arbeit firnblieb. Bezüglich der I lazefira tat das Komitee alles, was es tun konnte. Der Redner schloß seine Rede mit einer kurzen UÜbersicht der Hilfstätigkeit des Waad. Die Debatte wurde hierauf fortgeführt. Herr Ru .schaut zieh den Waad eines extremen 1 lebräismtts, der in Verachtung der jidisclieu Sprache entartet sei. Herr S e 11 a p i r o besprach die I la/cUra-Frage. Die Herren Sch, L, Gordou und Milcikowski verteidigteu eins Schtilkuratoriiim, Eine eingehende Erkliirnng über seine Haltung im Stndtrate gab Herr Seidemann, Lr sei auf Vorwürfe gefallt gewesen, hätte aber nicht glauben können, dall sie in solcher Form ausgesprochen würden. In der Tat habe er nicht znsam• men mit Jlski gestimmt, sondern mit dem linken Ratmann Markowski, dem sich später llski angc:c'alossc» habe. Für uns -- meint der Redner —• gibt es im Stadtrat keine rechtsstehende und linksstehende Parteien. Beide sind uns keine Freunde. Zum Schild! der Debatte wurde die folgende von Herrn Dr, Hurwitz beantragte Resolution einstimmig angenommen: 111״ Kenntnisnahme des Berichts des ״Waad haironi“ und der geübten Kritik und in der Anerkennung, dall das Komitee trotz mancher taktischer Fehler bezuglieh seiner politischen Tätigkeit immer fest auf dem Boden des Zionismus gestanden ist, drückt die Versannuhing dem ״Waad" ihr Vertrauen aus, anerkennt seine gegenwärtigen Bemühungen, eine vereinigte nationale Vertretung zu syliaffen, und wünscht, das ncugewülilte Komitee möge auf diesem Gebiete eine verstärkte Tutigkeit entfalten und die Palästinaarbeit erweitern.“ Außerdem wurden noch folgende Anträge der Herreu Sch ul ko w it sch , Dr. Port 11 er Dr. Kl 11• mcl und Dr, Göttlich unter rauschendem Beifall angenommen: 1. die reiuzionistisdte Tätigkeit zu erweitern und zu befestigen; 2. die jüdischen bürgerlichen, nationalen und religiöseu Rechte mit Mut und gebührender nationaler Selbstwürde zu verteidigen; 3. mit der größten Energie auf dem Gebiete der iiung der Sympathien der weiten jüdischen Voiksmassen zu bemühen, und 7. die •energische, positive Arbeit für die Fördctung der hebräischen Sprache lind der nationalen Kultur fortsetzend, lube sich das Komittcc vor jcdi r Stellungnahme zu hüten, die bezüglich der iklischcn Sprache und jidisehen Schule als negative betrachtet werden könnte. An den Wahlen beteiligten sich 735 Personen. Mit ungefähr 500 Stimmen wurden in den ״Waad haironi“ die Herren: J. I) z i a I os chi n s k i, JA. Elenbcrg; H. Farbstcin, M. J. Freud, Dr. J. Oo 111 ic b, Stud. M," Gordou, Dr, K111111 e 1, 1. Lew in- Epstein, Dr. A. Portner, Stud. (1. A. Sokolka, A. L. Sch a lko w i t sch (Ben Awigdor) mul Izchak Schweiger gewählt. Herr Farbstcin erklärte, er ziehe seine Kandidatur zurückDer Vorsitzende, Herr Freud teilte mit, dali Herr Farbstcin bereits der Wahlkommksio» diese Erklärtmg gemacht habe, die aber trotzdem beschlossen habe, die Kandidatur des Herrn Färbst eilt aufzustellen. Fferr Farbstcin als disziplinierter Zionist werde sieh sicherlich dem Beschluß unterwerfen und seine Stellung in der Leitung der Warschauer Zionisten behalten. Unter Gesang der Hatikwah wurde die Jahres- Versammlung geschlossen. Dr. Hugo Kauffmann nationalen Gruppen und Richtungen zur gemeinsamen, nationalen Arbeit zu wirken; ¬ו, einen entschlossenen Kampf gegen die Assituilatioii aut allen Gebieten des jüdischen Lebens!zu führen; 5, dafür zu sorgen, daß die orthodoxen und unparteiiselten Volksschichten für die jüdische nationale Arbeit gewonnen werden; 6. die zionistische und nationale Arbeit im Geiste der Demokratie zu führen und eich um die Gewin- Von den vielen, lieben Freundet:, die wir beklagen, nun auch dieser. Für die Allgemeinheit einer mehr aus der erschütternden Schar junger, gesunder Mensehen, die der Krieg vernichtet hat. Für uns Zionisten unendlich mehr: denn jeder Einzelne* war uns Hoffnung auf eine neue, gesunde Generation; jeder Einzclne auch im tiefsten Frieden - - Kämpfer und Hanuertrüger. Unser Freund gehörte zu den stillen, iiiiIkkannten Zionisten, die nicht im Parteiwesen hervortraten, deren ganzes Wesen aber ein Symbol ist der unterirdisch wirkenden Volkskräfte, in denen unseres Volkes Aufstieg wurzelt. Hugo Kauffmann war ein Süddeutscher. Das war sein Wesentliches. Erzogen in einem milden, frommen, heiteren Hause, gesegnet mit Schönheit, Gesundheit und harmonischer Kraft, war er mit der süddeutschen Heimat ganz selbstverständlich eins und mit ihr von Jugend auf, im sommerlichen Wandern und auf winterlichen Schneeschuhen, eng verwachsen. Wir Ln Süddeutschlatul — einfach zai stolzen Juden erzogen — wachsen unbeschwerter auf, als die jüdischen Kinder in Morddeutschlaud oder gar im Osten; das rein Intellektuelle Wird von einem naturstarken Gefühl beherrscht, zugleich aber mißtraut der schlichtere Verstand dem Uebersehwang aller Gefühle. Tiefe und Wärme; aber keine Schwärmerei, keine Sentimentalität. Hugo Kauffmann war ein vollkommener Typus soleher erdfester Menschen. Die Entwickelung dieser keruigeii Naturen ist eine langsame. Nichts von schneller Hypnose durch schöne oder auch tiefe Worte; aber auch keine nur geistig-theoretische Konstruktion. Ihr jüdisches Gefühl, das!% priori da ist, wandelt die innige Treue zur Tradition langsam zum nationalen’ Bewußtsein. Die Entwicklung wird also vom Gefühlsmäßigen bestimmt; doch der Verstand prüft, wägt, ringt und die Erkenntnis geht mitten durchs Herz. Bei solchen Juden gibt es keine laute Studcntenbcgcistmmg, die* in höhe*• ren Semestern verblaüt, um iin Mannesalter als süße Jugendeselei belächelt zu werden. Was hier aufblüht, hat Wurzel gefaßt, gedeiht in die Tiefe und wächst in die Höhe, wie die schönen Bäume der fruchtbaren süddeutschen Lide. Wer Hugo Kauffmann näher stand, erlebte diese menschlich jüdische Entwicklung mit. Er kämptte mit sieh und mit den Eiullüssen seiner Umgebung, wie auf seinen Hochgebirgstouren mit Wind und Wetter; kein Abirren, nur ruhiges Prüfen des Weges zur Höhe, uncrschfitterlichcs Festhalten am einmal Errungenen, heilies A’ufw.ärtsstrehen, bis das Ziel erreicht ist. Und er kam aus Ziel. Aber einmal auf der Höhe augelaugt, fand er nichts besonderes mehr am Kampf, der hinter ihm lag; cs war alles wieder selbstverständlich geworden, auch die Bejahung des zionistischen Gedankens, der ohne Pathos ein Teil seiner geraden, wahrhaftigen, festen Wesenheit wurde. י Wenige Tage vor dem Krieg kam der VienimUwnnzigjährige aus England heim, wo er, der Chemiker war, als Mitarbeiter Qiniu» Wei/manns gewirkt hatte. Vom ersten Tag an war er draußen und seine Feldbriefe, die er täglich den Eltern sandte, waren ein Widerspiel seines klugen Kopfes und seiner reinen, bescheidenen Seele. An der Somme traf ihn mit sieben seiner Karneraden ein Volltreffer — ein einziger Sohn, der seinen Eltern, seinen Freunden, seinem Volke gleichermaßen entrissen wurde, ln diesen Tagen errichtet seine Familie eine Stiftung, die seinen Namen in Palästina dauernd mit seinem Ideale verknüpfen wird . . . Johanna Simon •Fried berg. Hugo Kauffmann-Stiftung Zum Gedächtnis an unseren an» 10. November 5050 י׳ד ה ש ין gefallenen Gesinnungsgenossen Dr. Hugo Kauffmann :•״*•j צמואי צבי כ״ר* aus Mannheim, für den die heutige Nummer einen Nachruf bringt, hat sein Vater sowie seine sonstige Familie eine Stiftung errichtet, die bisher einen Betrag von 25 000 Mk, ausmacht. Die Stiftung, über deren genauen Zweck erst nach dem Kriege Bestimmungen getroffen werden sollen, wird zionistischen Zwecken in Palästina gewidmet sein. An der Verwaltung der Stiftung4 wird der Vater unseres gefallenen Freundes, Herr Max Kauffmann,

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