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Jüdische Rundschau · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Seite 25 kein Ereignis von so großer Bedeutung und so vor• hiingnisvoll für unser Volk gewesen wie dieser Krieg. Der Kosaktiiaufstand unter Bogdan (.iimcinicki im Jahre U11S, von dem ein Fünftel der Itulenhrit betroffen wurde, die Judenverfolgungen in Spanien. Eng■ land und!־rankreieh sowie /ur/.eit der Kreuz/iige, die Pogroms in Rullland sind nielit zu vergleichen mit dem Seliicksalssihl.ag, den <las jüdische Volk durch diesen Weltkrieg erlitten hat. Vielleicht nur ein Sechstel der Judeulicit ist nicht unmittelbar in den Weltkrieg verflochten, und die wichtigsten jüdischen Zentren sind atiscinamlcrgesprcngt und vernichtet. Viele erblicken bereits in Amerika das neue jüdische Zentrum. Ziffermnalüg, mul was Solidarität angeht, nimmt dieser Teil des Judentums jetzt einen der bedeutendsten Plätze ein. _l)ie Zukunft wird lehren, ob er auch in kulturellem Sinne die entstandenen Lücken ausfüllen wird, und ob das amerikanische Judentum nicht iulolge jü• discher Masseneimvaiiderung nach dem Frieden Be• Schränkungen erfahren wird. Die überall unter den Juden herrschende trostlose Stimmung liüit uns mehr als jemals den Blick gen Zion richten. Noch geben nielit Alle es deutlich zu erkennen, doch im stillen זיו auch deren iniaiisgcsprodH'iier Wunsch und Hoff• nung unsere Erneuerung in Palästina, Frühere Verfolgungen haben immer nur Teile, wenn auch ansehnliche Teile unseres Volkes erschüttert. Die Geschlossenheit des jüdischen Lebens im Ghetto und die sieh daraus ergebende Einheit des Denkens und Handelns verbürgten die Unantastbarkeit des Judentums und der Judenlieit. Jetzt sind die Verhältnisse anders. Ucherall, in Ost und West, hat die Assimi- Intimi die Wurzeln unserer Volksexistenz berührt, lind dem (eticll unserer Volkskrafi hat de.־ Kr.cg di״ grollte Vcrwüsttuig /uget'ügt, Wir wissen, dall die btirgerliehe Fmaiv/ipatiun, der für das Individuum glückliche Fall, mit grollcm Schaden für die Volksgemeinschaft verbunden sein k a n 11. Fs ist der typische Zustand des jüdischen Volkes im tiolus, dall, was ein Vorteil für die Juden, oft ein Nachteil für das jüdische Volk sein kann und umgekehrt. Dieser Krieg hat uns die Zwiespiiliigkeit unserer Weise des Denkens und Han• delits deutlich gemacht. Die Menschenrechte der frauzüsisehen Revolution würden sich für Menschen geeignet haben, die nicht durch Tradition, Blutsbande und gemeinsame Interessen mit anderen vereint waren. Redner erinnert an das Unrecht, das den Juden von manchen Regierungen noch während des Krieges zugefügt wird, die sie als Fremde behandeln, obwohl sie sie zur Verteidigung des ״Vaterlandes“ riefen. Das Friedensjahr nach dem dreilSigjührigen Kriege und das englische 1־ reiheitsjahr war für uns ein gcwaltiges Ungliieksjahr. Wir fürchten, daß das Freiheitsjalir der polnischen Nation, so sehr wir deren Befreiung begrüßen, für uns ebenso verhängnisvoll sein wird, indem es an jeglicher Garantie für die politischen und materiellen Rechte der Juden vollständig fiji't, und die Organe des polnischen Volkes gleich nach ernmeener Freiheit unverblümt Maßregeln ergreifen, um die 'luden zu knechten. Wir fordern stets und überall das Recht, das jeder Bürger besitzt. Wir foidern das Recht als Einzelne, als Glieder unseres Volkes und für unser Volk, Das ist auch der Grundgedanke der jüdischen amerikanischen Kongrcßbewcgung in Amerika. ״lim■ sere Brüder jenseits des Ozeans dürfen überzeugt sein, daß die Gruppen der Juden in anderen Weltteilen; namentlich in Europa, soweit sie dazu die Möglichkeit haben, bereit sind, ihr Streben tatkräftig und moralisch, individuell und organisiert zu unterstützen, wenn sie diesen Gedanken und Forderungen, die zugleich ein Protest sind, den richtigen Ausdruck zu geben wissen. Wir rufen ihnen von hier aus ein Wort der 1 Ermutigung und der Erkenntlichkeit zu für dasjenige, was sie für unser Volk zu erreichen streben,“ Das schrecklichste Schlachtfeld Europas hat eine überwiegend jüdische Bevölkerung. Kein Land können wir in Wirklichkeit unser. eigen nennen. Es ist die Ironie der Geschichte, daß das östliche Schlachtfeld seit Jahrhunderten in schlechtem Sinne unser Eigentum ist. Das östliche Schlachtfeld ist für uns ein Achusath Kewer! Auf allen Fronten zählen wir unsere Gefalleneu von denen viele getötet und auch viele ermordet sind. Vielleicht sind ebenso viele infolge erschöpfter Lebenskraft und als Opfer einer rauhen Soldateska umgekommen. Unsere heiligen Plätze sind entweiht, un• sere heiligen Bücher der Verachtung preisgegeben. In allen kriegführenden Ländern findet man Juden und einzelne Zionisten, die verlangen, dall unsere Be• wegung um Palästinas willen politisch und, was noch verwerflicher ist, praktisdi Partei ergreifen solle. Sie denken die sonderbarsten Konstruktionen aus, glauben objektiv zu sein und sind doch in den gefährlichsten Phantasien bcfairgcn. F» ist nicht richtig, daß zwei entgegengesetzte, nicht neutrale Strömungen einander aufheben; sie tun unserem Ansehen doppelt Abbruch und unterminieren unsere Position in Palästina. Wir wissen, daß es Einzelne sind, für deren Aeußcrungcn unsere Organisation nicht verantwortlich ist, doch unsere Feinde achten nidht auf diese Umstände, Vcrgessen wir nicht, daß wir auf den Ausgang des Krieges keinen Einfluß ausüben können, bedenken wir, daß unsere Brüder in den kämpfenden Armeen aller krieg» führenden Länder ihre Pflicht erfüllen. Li seit wir niernals vergessen, daß Palästina in den Krieg verwickelt ist. Wir haben in unserer langen Arbeit in Palästina unsere Loyalität gegen den Beherrscher dieses Landes bewiesen und werden auch in Zukunft loyal sein. Das ist nur «ine Bestätigung unserer Neutralität und die Erkenntnis, daß wir als Zionisten auf den Ausgang des Krieges keinen Einfluß ausüben. Auch beim hebräischcn Sprachenstreit haben wir ein für allemal be• wiesen, dal! wir neutral und uns selbst getreu sein wollen, jüdisch sein wollen und nicht bloß das Werkzeug anderer Interessen Unser Verhalten ist auch die deutliche und beinahe überflüssige Erklärung, daß die jüdische Gemeinsdhaft in Palästina sich nicht im Gegensatz zu den Interessen des Besitzers von Palästina befindet. Die Verwirklichung unseres Streben» kann nur vorteilhaft für die Entwicklung de« Orients und für die ganze Menschheit »ein. Unsere Bewegung hat eine praktischere Politik zu führen ul» di«, welche Phantasten Ihr vo-zelc'mcn. bis wird überdies zum Gelingen unser aller Arbeit, An-; strengimg und Selbstbeherrschung erfordern. Drei 1 Zwecke müssen die Richtschnur unseres Handelns bi)• 1 den; die Erhaltung der jüdischen Kolonien•; t i o 11 in Palästina, die Stärkung der z i o n i - s t i s c 11 e n Einheit des Auftretens, die Vorbereitung und teilweise Einleitung unserer inf o r m a1 i v e 11 Arbeit, um unserem Streben Ansehen mul Anerkennung zu verschaffen. Diese drei Leitpunkte sind ursächlich miteinander verbunden. Die Erhaltung der Kolonisation ist nicht nur um ihrer selbst willen notwendig, sondern außerdem 11er wichtigste reale Faktor unserer informativen Arbeit. Gäbe es keine jüdischen Kolonien in Palästina, entwickelte sieh dort nicht ein neues Leben, so könnten wir unseren Fordertingeii nicht den jetzigen Nachdruck verleihen. Die Kolonisation ist auch der Schlüssel zu der Tür, die 1ms von der öffentlichen Meinung ubscliließt. Ohne diese Arbeit wäre die Einheit unserer Reihen ernstlicli bedroht. Der Redner behandelt dann die Lage der jüdischen Siedlung in Palästina während der letzten Jahre und die zu ihrer Erhaltung ergriffenen Maßnahmen. Die Männer und Frauen des neuen Jisclmb haben ein Anrecht auf unsere Dankbarkeit für ih c heldenhafte Hin• gäbe, Lassen wir uns von ihnen nicht beschämen, möge vom Galuth zum lisdiub in Erez Israel duf Ruf erklingen: Gedenket der Makkabäer, das jüdische Volk steht hinter Euch. Redner behandelt daun die Frage der nationalen Autonomie in der Türkei, die dieser weniger fremd sei als manchem europäischem Staate. Die Kapitulationen in der Türkei — eine Art Exterritorialität seien einerseits aus der Exklusiv!• tat der moliiiiuednniseheu Reclitsuiischaiiung und «11* dererseits aus der Entwicklung des Levantehanüels her• vorgegangen. Die Lage der Juden und die jüdische Arbeit in Palästina bedarf einer besomlemi Regelung, Wenn die Völker, die für die Rechte der kleinen Nationen und für die Kultur ins Feld gezogen seien, alle zusammen• kommen, um in Frieden zu leben, so werde unsere Position in der Welt und nicht minder die in Palästina ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen müssen. Die Zeiten sind ernst und für das Los unseres Volkes von großer Bedeutung. Wir hören nun Friedensklänge. Möge in unseren Tagen Juda geholfen werden und Israel in Sicherheit wohnen! Nach der Regle des Vorsitzenden, die lebhaften Beifall erregte, nahm das Mitglied des Aktionskomitees, Herr Jean Fischer, das Wort und gab eine kurze Ucbcrsicht über die für das jüdische Volk und die zionistische Bewegung durch den Krieg geschaffene Situntion. Ebenso wie dieser Redner gedachte auch der Vertreter der belgischen Federation, Dr. Herz, in warmen Worten der gastfreien Aufnahme der aus Ant• werpen geflüchteten Juden in Holland. Es gelangte folgendes Telegramm des Engeren A k - t i o n s k o m i t e c s zur Verlesung: ״Aktionskomitee sendet niederländischem Zionistenbund, von seiner tatkräftigen Mitarbeit für gegen• wärtige Notwendigkeiten Und zukünftige Ziele über• zeugt, beste Wünsche zu Beratungen: Hantk.e, Wurburg." Ein vom Kopen 11agc n er Bureau der Zio• nis tischen Organisation eingetroffencs Be• grüßungsschrcibcn lautet wie folgt: Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Den besonderen Verpflichtungen, die unseren Zio• nistischen Landesverbänden in den vom Krieg ver• scliontgebliebeuen Ländern auferlcgt sind, ist der Niederländisclie Zkmistenbund die ganze Kricgszcit hin• durch in vorbildlicher Weise nacl1j!ckomme!1. Mit rieh• tigern Blick haben die niederländischen Zionisten er• kaiint, daß die Erhaltung der Zionistischen Grganisa• tion und der jüdischen Kolonien in Palästina unsere dringendst« Aufgabe und die wichtigste Vorbedingung für jede־ weitere Entwicklung ist. Sie haben das auch dureli die Tat dokumentiert, indem Sie der jüdischen Kolonie Poriah, deren Fortbestand gefährdet war, ein größeres Dahrlehn gewährten, was die Aufmerksamkeit und den Beifall der Zionisten aller Länder gefunden hat. Sie haben in ihren eigenen Reihen den Zionismus vertieft, wie die Lutwicklung Ihrer Zeitung, des ״Jood* sehen Wächter“ auch nach außen hin beweist. Die Zionistische Studentenschaft Hollands hat durch Veranstaltung von Kursen ihr Wissen über die Problemd des Zionismus und der Arbeit in Palästina erweitert, und durch großzügige systematische Propaganda haben Sie unserer Sache in Holland neue Anhänger gewonnen. Darüber hinaus haben die Minner des Niederlän• discheii Zionistenhundes, die seine Führer sind, in auf• opfernder und hingehender Weise ihre Arbeitskraft in den Dienst der Gesamtorganisation ge .teilt und an der Erfüllung ihrer Aufgaben mitgearbeitet. Die drei Forderungen,• die die Leitung der Zio• nistischen Organisation zu Beginn des Krieges aufgestellt hat: Erhaltung der Organisation, Erhaltung des jüdischen Kolonial-Wcrkes in Palästina und Vorbereitung der Organisation für jede spätere Entwicklungsmöglichkeit, behalten ihre Kraft in erhöhtem Maße, io mehr wir uns der Stunde nähern, die über die Schicksale der Völker die Entscheidung bringen wird. Wir erwarten von den Niederländischen Zionisten, daß sie sich ernsthaft dieser Forderungen auch fernerhin bewußt sein werden, und daß ihr Delegiertentag sie zur Richtschnur für seine Beratungen machen wird. Wir entbieten Ihnen unsere herzlichsten Grüße und wünschen Ihrer Tagung einen schönen Verlauf und segensreiche Resultate. Det kobcnhavnske Bureau for zionistisk Organisation Dr. Jacobsohn, Roscnblüth. Sodann wurde noch ein Brief von R. J. Spitz vorgelcsen, der infolge des Beschlusses des letzten Dclegiertcntages betreffend die Mischehe seinen Austritt aus dem Niederländischen Zionistenbund anzeigte, »ich aber gleichzeitig vorbchiclt, nach dem Kruge die Angelegenheit duer höheren Initan* zur Entscheidung zu unterbreiten. Der von dem Sekretär des Niederländischen Zioni• »tenbunde», Dr. van VrUsland, erstattete J ah• resberieht äußerte sich im allgemeinen befriedigt über die geleistete Arbeit, welche e׳in Ergebnis straffer Organisation ist, wobei die Propaganda immer streng grundsätzlich geleitet wurde. Neben mehr allgemeinen Iktraclilungen und einer Ucbcrsicht über die Entuicklung der holiämlisdien Par.eipressc, des Buch- und Biosehürenveriags, der Sammlungen für verschiedene Fonds gedenk! der Bericht des Besuches 'von lleirn Dr. tlantkc. erwähnt den Beitritt leitender Ziou'sten in ein von verschiedenen Organisationen gebildetes Komitee zur Intervention für die Gleichberechtigung der Juden. Ferner beschäftigt sich der Jahresbericht im Anschluß au die Ucbersiedlung aus dein Osten staminender Zionisten nach Holland mit der Eigenart der zionistischen Auffassung und Betätigung bei Gest lern und Westlern. Mit Genugtuung wird die von der Amsterdamer Nationalfond-Verwaltung veranstaltete Ghetto• Ausstellung verzeichnet und der Sommerfeld/ug, der eine Periode regster propagandistischer Aktivität bildete. Aus dem Bericht des Nationalfondskommissärs Alfred Polak sei hervorgehoben, daß die Einkünfte des Jüdischen Nationalfonds in Holland im letzten Geschäftsjulire fl, 10 7<*<> gegenüber II 572'i itn vorhergehenden Jahre betragen haben. Im Verlaufe der allgemeinen Diskussion vertrat lleir j, H. K a n n im Anschluß an den Brief von R. J. Spitz die Ansich , daß der Bund durch die Annahme der Mischehe-Resolution eine Materie behandelt hat, die außerhalb seiner Kompetenz liege. Uehrigeits sei der Ausschuß von Mitgliedern — man denke an die Möglichkeit eines Ausschlusses aus religiösen Gründen — kein gutes zionistisches Prinzip, Seme Auffassung sei, daß der Betroffene, falls er es wünsche, Schekelzahler bleibe, und er hctruchtc ihn vollkommen als Zionist, Während eine Reihe von Rednern ihre Befriedigung über die Arbeit des Bundesvorstände• ausdrück• len, hie t Herr B, A. K a 1111 Amsterdam eine Opno• sitionsndc, in der er der 111 ill.uuiischen Leitung den Vorwurf madii, sie entbehre der geistigen Initiative, ihre Pläne seien recht bescheiden, und sie dulde keine abweichende Meinungsäußerung. Redner betrachte als Endziel das Aufleben des jüdischen Volkes; Palästina sei hierzu nur das wichtigste Mittel, aber kein Zweck. Die Rückkehr zum Judentum müsse mit der Rückkehr ins Judcnland gleichen Schritt füllten. Warum man mit der Golus-Arbeit warte? Wenn man nicht für Gegen war isarbeit sei, weshalb man denn das Er• ziehiingsproblcm auf die Tagesordnung gesetzt habe? Die Bekanntgabe des Themas sei auch zu spät erfolgt, als daß man das Problem noch genügend hätte studicrcn können. Oer Replik des Bundesvorsitzenden, der die von diesem Redner geäußerte Kritik zu widerlegen suchte, sei als prinzipiell wichtig entnommen, daß nach des ersteren Ansicht ein Entschluß hinsichtlich der Golus* arbeit deshalb bis nach dein Kriege aufgeschoben werden müsse, weil der Krieg sowoftl das Gcdankcnleben der Juden und die jüdischen Zentren, als auch die Verhältnisse in Palästina verändern werde und diese Faktoren für die Frage der Golusarbeit von besonderer Bedeutung seien. Die Aussprache über das Erzichungsprobfetn wurde durch ein Referat von Dr. J. C o 11 e 11 - Arnheim eingeleitet. Dieser ging von der Frage aus: Was m ü s - *ca wir Zionisten tun, um die j ü d i s c 11 e Jugend für die zionistische Idee zu e r z i e 11 e n 11 ח d z u erhalt c 11? Für manchen Beurteiler ist das Verhältnis der Er* zieliungsfrage zur Frage der direkten Arbeit im Golus entscheidend. Aber auch prinzipielle Gegner der Golusarbeit betrachten den Gegenstand von der propagandistisehen Seite und glauben, daß man sich in der Praxis auf ein Minimum-Programm verständigen soll, oder sie sind der Meinung, daß nur soziale, nicht aber kulturellu Arbeit unter de» Begriff der (iolusarbcit falle. Der Redner behandelt weiter die Möglichkeiten der Er* zielumg der Jugend im zionistischen Geiste seitens des Elternhauses, in einem religiösen und in einem freidenkenden Milieu. — Die Reform des Schulwesens in Holland ermöglicht nun die Einrichtung beliebiger pri• vater, religiöser bezw. Sektenschulen. Der gegenwartig bestehende unzureichende jüdische Religionsiuiterrieht kann ersetzt werden: 1. durch eine Reform des Religionsunterrichts in zionistischem Same, 2, durch Einftigiing des Unterrichts in jüdischen Fächern in• die Lehrstunden der allgemeinen Volksschulen und 3. durch eine jüdisch-nationale, in religiöser Hinsicht neutrale Schule mit fakultativem Religionsunterricht. Die Mehrheit des Bundesvorstandes ist für eine solche Schule und glaubt, daß es ein Weg zur jüdischen Erziehung im weitesten Sinne sei, so dall selbst Orthodoxe ihre Kinder dorthin schicken können und werden. Eine Mindtrheit hält die Begründung einer jüdisch-nationalen Schule nicht für wünschenswert. Es handelt sich um das Problem der Propaganda in der Zukunft. Wir jetzt lebende Zionisten waren größten* teils schon erwachsen, als der Zionismus in Holland seinen Einzug hielt. Für uns war also die direkte Propagaitda nötig. Muß diese Propaganda, da es doch nielit wahrscheinlich ist, daß der Zionismus seine Bestrebungen binnen absehbarer Zeit ganz verwirklicht sieht, tür jede Generation von neuem erfolgen, oder können wir die Heranwachsende Generation während ihrer Er- Ziehung zu Zionisten heranbilden, so daß für sie keine Propaganda mehr nötig sein wird? Nielit die Zionistisehe Organisation, aber die einzelnen Zionisten müssen für die Errichtung dieser Schulen sorgen. Manche vertreten allerdings die Meinung, daß ein neutraler Unterrieht in jüdischer Geschichte und Bibel unmöglich sei lind wir keinen Kulturkampf in unseren Reihen entfachen sollten. — Der Staat muß die Schule subventionieren. Wenn aus praktischen Gründen der Forderung der nationalen Schule nicht genügt werden kann, so ist eine jüdische Unterrichtsstunde innerhalb der Lehrstunden der allgemeinen Volksschule zu verlangen. Dies ist gewissermaßen eine unbedenkliche Miniaturausgabc der jüdisch-nationalen Schule. Die zweite Alternative ist die Reform des derzeitigen Religionsun- (erricht*, der gegenwärtig von AZionisten oder Anti- Zionisten erteilt wird. - ln der anschließenden Debatte betonte Herr Henri Edersheim, daß keine jüdische Erziehung im Goius ׳ möglich sei. wir können vielle'cht in einzelnen Fällen

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