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Jüdische Rundschau · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite Q Leben besteht. Amerika wurde wir uns durch- .Dieser Delcgicrteiitag ist etwas anderes als der Leipziger. Ich habe hier nichts Gegensätzliches ־״M, , sondern nur etwas Ausgcführtercs,־ vielleicht noch'1״t• scluedeticr, noch nationalistischer, noch palästinensischer. Wo Sehnsucht nach jüdischem bestellt Sehnsucht nach uns. In d.1׳s!:üiulnis geschlossen, nachdem Ueset/t halten Friede wird nach Kämpfen geschlossen und ein dauerhafter Friede nur dann, wenn man <׳e• sehen hat, welche Mächte hinter den Cmippen stehe... Ich habe bei der politischen Arbeit immer ircmcrH dal! eine klare Auffassung des Zionismus \vie idi sie /.um!Beispiel 111 den Preußischen Jahrbüchern ge- Itclrcn bähe, mit ihrer entschiedenen Betonung unserer l‘ke v‘k־" nicht/.ioiiistisclien Politikern willkommen war. Die Nichtjuden fühlen 1ms immer als eine Einheit. Die Ideologie der Assimilanten ist es, zu glauben, dalf die anderen unsere Differenzen sehen. Deshalb ist es nicht nötig, dall Sic sich sagen, wenn wir uns politisch wandeln, dann!brauchen wir neue Leute. Das ist assimilatorisch mul wäre unpolitisch. Selbst unsere Ge/- 11er wissen, dalf, wenn man mit einer Bewegung zusammengelieii will, es darauf ankommt, sich mit ihrem starken, repräsentativen, radikalen Teil zu verständigen. Dr. Adolf Friedemann: Wir haben hier eben eine Rede von lierrn Blunicnfcld gehört, die angeb• lieh von seinem gestrigen Releraf. das ich nicht gehört habe, abgewiehen ist. Wir sind seit Leipzig weitergekommeii, darin hat er Recht, aber wir sind wcitcrgckommcn auf dem Wege der Ent- Wicklung zur Sekte. Was ist der Unterschied zwischen einer politischen Partei, die wir sein wollen, juid der religiösen Gemeinschaft? Fine politische Organisation sticht das Mögliche zu erreichen und wird ein Minimalprogramm aufstellen, eine politische Partei verlangt wenig von ihren Anhängern als Gesamtheit. Der Einzelite soll sich verliefen, das ist selbstverständlich, eine politische Partei hat solche Forderungen nicht auf/.ustellen, das hat mit Politik nichts zu tun. Hebräische Zirkel sind notwendig, das haben wir auch schon früher verlangt, aber das jüdische Leben pflegen ist die scktimläre Aufgabe der Partei. Im Augenblick, wo man nach Empfindungen fragt, hört sie auf, eine nolitische Partei zu sein, dann ist sie eine RcügionsscKte. Das ist ein schwerer Fehler, Politik ist die Kunst des Mögliehen. Das Mögliche war sehr gering. Wir hatten sehr wenig praktische Möglichkeiten. Für den Einzelnen blieb wenig zu tun übrig. Das war einst ein Milistaud, Jetzt kam plötzlich eine Richtung, die verlangte, wir sollen die geistige Inhaltslosigkeit ansfüllen, und ver* langte nicht, dall der Einzelne sich ausfüllcn solle, sondern die Organisation müsse dies tun, Dadurch kam der politische Inhalt ins Hintertreffen, in einem Augenblick, wo das Gegenteil notwendig gewesen wäre, in einem Augenblick, wo Hunderttauscnde in die Gefahr gerieten, miterzugehcn. Wir nahmen an, dalf wir das jüdische Volk sind und das mit Recht, weil wir den Geist des jüdischen Volkes in uns fühlten. Ich glaube nicht eine Minute daran, dall man hier eine jüdische: Kultur schaffen kann, umgeben vom deutschen Geistesleben, in dem wir leben und leben müssen. Man hat uns gepredigt: Politik ist Unsinn, wir itiimsen den geistigen Inhalt des Zionismus lioclibringcii, Ich hetone nochmals: der Einzelne versäumt seine Pflicht, wenn er nicht tut, was er kann. Uelicr dem Zionismus steht aber das Judentum, und wenn das östliche Judentum zugrunde gegangen sein wird über dem Mangel einer Organisation, daun ist der Zionismus zugrunde gegangen. Wir erleben bei uns dasselbe wie bei der Sozialdemokratie. Dort auch die Unentwegten, die nur kritisieren ujid sagen, wir müssen uns vertiefen. Auf der anderen Seite die Praktischen, die die Masse hinter sich bringen. Wenn wir heute den geistigen Inhalt des nationalen Wesens und Seins in uns zu entwickeln suchen und darüber den Anschluß an die Masse verlieren, die gebannt nach dem Westen starrt, so machen wir einen Fehler, den wir nie wieder gut machen können. Es war charakteristisch, daß in derselben Woche, als I lerr Berger in einem Artikel erklärte, daß die polnischen Juden sich selbst helfen wollten, der Ratsmann Hirschhorn im Frankfurter Familieublatt das Gegenteil schrieb. Die ״Jüdische Rundschau“ hat diesen Artikel verschwiegen, wie ja überhaupt alles IJnangenehme, Unbequeme, das in den Proviiizblätterii erscheint, nicht zur Kenntnis der Organisation kommt. Der Redner bespricht hierauf die Tätigkeit des ״Komitees für den Osten“ und erklärt sich bereit, einer vom Delegiertentag zu wählenden Kommission Einsichtnähme in die Akten des ,,Komitees für den Osten“ zu gewähren. Nachmittagssitzung 4 Uhr Bankier Wolff: Es ist wirklich ein Wunder, daß wir in der Zeit der Not und des Dranges uns hier in so stattlicher Zahl zusammenfinden konnten, uni in ernste Beratungen einzutreten. ich möchte zunächst die Anerkennung meiner Ortsgruppe Frankfurt a/M. für die politische Arbeit des Aktionskomitees erklären, wenn wir auch der Anschauung sind, daß in verwaltmigstechnischen Angelegenheiten noch manches besser gemacht werden könnte. Einer der gestrigen Redner hat uns das schöne Bild vor Augen geführt, von den vielen Strömen, die alle zum Lande Palästina füliren. Ich ha 1k־ die heutigen Ausführungen des Herrn Vorsitzenden mit Freude begrüßt, der in so maßvoller Weise den gestrigen Kritikern entgegnet hat. Wir wollen uns einmal objektiv klar darüber werden woher kommt der Anstoß, der an den Reden des Herrn Blumenfeld genommen wird? Grundsätzlich stehen wir ja alle mehr oiler weniger im großen und ganzen auf dem Stand• punkt des Herrn Blumcnfeld, Es ist nicht der Inhalt, sondern es ist die Form, von der auch schon Herr Dr. Friedemann gesprochen hat. Wir sollten die große Gefahr nicht untersehiitz.cn, die aus dem Auftreten des Herrn Blumcnfeld droht. Ich stehe in der Leitung der Ortsgruppe Frankfurt a/M. ln dieser Ortsgruppe haben sich vor wenigen Tagen so heftige Kämpfe über diese Dinge abgespielt, daß ich gezwun• gen war, Herrn Blumenfeld in Schutz zu nehmen. Ich tat es, weil sich die geistige Anschauung des Herrn Blumcnfeld mit meiner deckt, nidht, weil ich ihn» einen Dienst erweisen wollte. Dieses Inschutznehmen .wurde mir von andere!! Herren unseres Vorstandes direkt übel genommen. ....!!״rr blumcnfeld hat hier den Ruf ״Zurück zur Bibel 1 erschallen lassen. Ich will Herrn Blumenteld uaian erinnern, dalf er uns auf dem Leipziger Delegiertcntage versprochen hat, auf dem nächsten Delegicitcutag Hebräisch zu reden. Ich würde mich Irenen, wenn sein Ruf zur Bibel, zur hebrüisehen _ Fibel in die Tat unigesetzt würde, wenn nach seinem Vorschlag Lehrer i!1 die Ortsgruppen kommen würden, die uns das alte Hebräisch sechsdi naher bringen, Wenn es sich bei Herrn Blumenfehl nur uni die Romantik der Bibel handelt, so betrachte ich uas nur als eine Stimvnungssachc, die keinen dauernden Erfolg haben kann. Ich kann mir ke'n nationales Judentum denken, ohne daß die Thora das oberste Gesetz bildet. Ich muß nun noch auf eine unangenehme Sache bmweisVn, weil icli dazu ausdrücklich von meiner Gruppe beauftragt bin. Die Frankfurter Ortsgruppe verlangt, daß ׳die. Leitung dafür sorgt, daß die Verstöße gegen das Religionsgesetz seitens unserer Lehrer in Palästina auf hören. Wir könnten große Mittel für unser Schulwerk bekommen, wenn hier Wandel geschaffen würde. Julius Berger! Ich habe die Aufgabe, vor Ihnen einiges über die Ostjudenfrage zu sprechen. Ich will die Debatte zurückführen auf die zionistische Basis und Urnen sagen, daß ich es bestreite, daß es die Pflicht der Zionistischen Organisation ist, eine Rettungsaktion für die polnischen Juden zu unternehmen. Es ist mir etwas wunderbar voge •kommen, daß de schärf den For• deruugen von jener Seite in diesem Punkte an die Leitung gestellt worden sind, die gleichzeitig der Leitung ihren politischen Charakter abgcspiochcn hat. Es wird Ihnen bekannt sein, daß schon auf dem 1. Zionisten- Kongreß ein Antrag auf eine Rettungsaktion gestellt worden ist und zwar von S. R. Landau. Herzl hat es strikt abgelduit, sich mit dieser Sache zu befassen. Ebenso׳ hat David Wolffsolin es immer abgelehnt, aus dem Zionismus enie Rettungsaktion zu machen. Fs klingt sehr gut, wenn liier in den Saal gerufen wird, «las Judentum in Polen geht zugrunde und das Aktionskomitee steht tatenlos da. Wenn Sie Beifall klatschten, so spricht dies sehr für ihr mitleidiges Herz, nicht aber für das Erfassen der zionistischcn Idee. 1 lerr Reich hat liier die Zustände in Galizien geschildert. Ist es denn etwa so, daß diese Zustände erst durch den Krieg so geworden sind, oder waren sie nicht vielmehr schon vor dem Kriege vorbanden? Die Not im Osten ist ja nur durch den Krieg ins Unermeßliche gestiegen. Ich habe nicht gehört, daß die Herren früher eine Rettungsaktion dort machen wollten. Ich habe auch niemals gehört, daß jemals von ostjüdisclicr Seite ein solcher Antrag gestellt wurde. Erst vor kurzem haben wir ja Gelegenheit gehabt, Jemand, der von dort kommt und mitten in der Hilfsarbeit steht, zu hören, Er hat uns von der Not dort erzählt. W.as war es aber, was er von uns verlangt hat: Die Unterstü/.ung eines hebräischen üymnasi־ u m s. Bleiheu wir tlucn Zionisten in diesem Augenblick. Wir haben eine große Aufgabe und zwar die, das jüdische Volk wieder zu einem Volke zu machen. Wir müssen stark genug sein, um dieses große Ziel durclizufUhren, Strauß meinte hier, wir sind zu klein. Ich sehe unsere Möglichkeiten größer. Aber es kann doch nicht unsere Aufgabe sein, alles zu tun. Wir haben zu Beginn des Krieges ein Programm aufgestellt und uns vor allein die Aufgabe gestellt, unsere Arbeit in Palästina zu erhalten. Wer die vielen angstvollen Stunden mit uns durchlebt hat, der wird zufrieden damit sein müssen, daß uns dies verhältnismäßig sehr gut gelungen ist. Es ist auch nichts Kleines, daß die Zionistische Organisatioii unerschüttert dastellt. Ich Verrate kein Geheimnis, daß dies der hauptsächlichste politische Eindruck ist, den wir gemacht haben. Es gibt neben uns keine interterritoriale Organisation, die sich behaupten konnte. Gewiß, wir hätten das tun können, was andere getan?1:1ben. Wir hätten das Gesicht der Organisation verwandeln und ein I lilfswerk machen können. Aber dies wäre ein proßer Fehler von uns gewesen. Nur unter dem zionistischen Gesichtspunkt ist cs möglich, etwas zu schaffen, was dem jüdischen Volk dauernd nützen kann. Zionistisehe Arbeit kann nicht die Arbeit irgend eines Hilfswerkes sein. Unter dem Gesichtspunkt der nationalen Ford c r u 11 g hat die Leitung ihre Arbeit im Osten aufgefaßt. Was die speziellen Arbeiten anlangt, so gehörten diese in das Arbeitsgebiet der Zionistischen Vcreinigung für Deutschland. Grundsätzlich falsch erschien lins eine Rettungsaktion, wie sie I lerr Reich wünschte. Wenn Sie eine Ahnung hätten von den schwierigen Verhältnissen in Polen, so würden Sie wissen, daß es notwendig ist, hinter die Forderungen eine Kraft zu setzen, Alles was dort geschehen kann können nur Palliativmittel sein. Wir waren nie der Meinung, daß man mit der Gründung von Lcilikassen die Judenfrage lösen kann. Wir haben die sozialpolitischen Forderuugen aber nicht etwa abgelehnt, sondern sind mit allen Kräften dafür cingetretcn. Wir sind hierbei mit den Zionisten in Polen zusammengegangen, da cs uns unmöglich erscheint, von liier aus zu dekretieren. Wir haben immer im vollsten Einverständnis mit unseren Freunden in Polen gehandelt und es ist auch von keiner Seite dort ein Vorwurf gegen uns erhoben worden. Die Ostjudcn sind für die ostjüdischen Dinge :naßgebend. Wir haben vor allen Dingen versucht, die zionistische Organisation in Polen auszubnucn und da stellten sich uns schon genügend Schwierigkeiten entgegen. Der Delegiertentag der polnischen Zionisten ui Warschau war sicher bedeutungsvoller für die Weiterentwieklung des Zionismus in Polen als unser dcutscher Delegiertentag heute. Unsere Arbeit ist nie vmterhroclicn worden und wenn hier von Herrn Mnrgulics gesagt worden jst, daß nichts getan worden ist, so hat er seine Behauptungen nicht belegen können. Das Hilfswerk in Polen. Lst schlecht und idi habe seine Reorganisation verlangt. Ich kann nicht genug bedauern daß;von den Ficrm Dr. Friedemann und seinen Freunden, die ja auch in dem Hilfswerk-Komitee sitzen, diese Reorganisation nicht auch dringend verlangt wor-, den ist. Der Redner bespricht hierauf die Aus• Führungen des Herrn Dr. Frieaemann über das ״Komitee für den Osten“. י Moses Calvary: Ich möchte Ihnen über 11:1s Ergeiinis der Sitzung de,- gestern von Ihnen eingesetzten Kommission zur Beratung der Vorschläge von Herrn Schocken berichten: Wir sind zu dem Resultat gekommen Ihnen vorzuschlagrii, daß wir zimäelist nur den Kulturatisschuß gründen wollen. Wenn dieser besteht und arbeitet, wird das Zentralkomitee frei für die übrigen Arbeiten werden, wenn cs natürlich auch weiicrliin sich um die kulturellen Arbeiten kümmern s.ill. Her Kulturatisschuß soll aber doch im wesentlichen tür sich selbst sorgen, er soll auch nicht abhängig von den Mitteln der Lantlcsorgaiiisation sein. Worin soll nun die Arbeit des Ausschusses bestehen? Wir haben zunächst die hebräische Arbeit in den Vordergrund geschoben. Dieselbe soll dadurch gehi-tet werden dall hebritische Lehrbücher heratisgegehen werden, Wunderlehrer in die Ortsgruppen geschickt werden usw. Ferner soll eine Zentralstel'e für jüdische Publikationen gegründet werden, Jugcndschriften hcr.uisgc ,e'-cn werden und eine Beratungsstelle für Verlagsarbcit und ein literarischer Ratgeber geschaffen werden. Ich schlage Ihnen fok genden von der Kommission gefaßten Antrag vor: ״Der Delegiertentag beschließt die Einrichtung von zionistischen Arbeitskreisen. Die Organisierung der Arbeitskreise tür Propaganda. Nationalfoncl, wirtschaftspalitischc Arbeiten und Gemcimle-Poiitik ülwrnimmt auch weiter das Zentralkomitee. Zur Schaf, tung der Arbeitskreise für geistige Anwesenheiten, nationale Erziehung und hebräische Sprache wird ein Hauptaussdiuß eingesetzt, der aus f ugenden Mitglicdern besteht: Dr, Hugo Bergmann Kurt Blu• menfcld, Dr. Mas Brod, Dr. Martin Buber, Moses Cal Vary, S. Schocken.•‘ Nun möchte ich mich noch zu den Dingen, mit denen wir uns hier beschäftigt bähen, äußern. Es wurde hier so viel darüber geklagt, daß wir über kulturelle und nicht über politische Dinge gesprochen haben. Des liegt 1k־- gründet in der Situation, die wir heute in Deutschland haben. Es hat sich zweifellos im deutschen Judentum eine Aenderung vollzogen: die deutschen Juden sind jüdischer geworden, Sic verlangen nach uns. Man kann ein ausgezeichneter Politiker sein und man braucht trotzdem vom Judentum wenig zu wissen. Ale diese Krält ׳, die vielleicht ganz ausgezeichnet sind, wollen wir doch nicht entbehren. Aber wir müssen dafür s. rgen, da.l desc Leute nicht mir politisch tätig sind, sondern wir müssen sie auch mit Jiidisriikcit erlüllcn, damit sic etwas 11aben, was sie ausstrahlen können. Es darf sic«! nicht um eine leere Tätigkeit handeln, bei der der Inhalt fehlt. Darum habe ich mit außerordentlicher Freude das Re* ferat von Herrn Blumcnfeld begrüßt. Ich wLl Ihnen sagen, was uns Blumenteld bedeutet. F.r hat einen jädlsehen Intellektualismus geschaffen, eine Theorie, mit der wir arbeiten können. Es ist keine 10 Jahre her, daß man gegen Blumenfeld in der ״Jüdischen Rundschau“ polemisiert hat, weil er die nationale Tendenz in die Be»• wcgting hincingcbracht hat. Inzwischen haben die Kreise, die damals den Kampf gegen ihn führten, eine andere Stellung eingenommen. Wir sind in dem Kampfe entschieden nationaler geworden. Der Redner würdigt dann die Bedeutung der ״Blau* Weiß-Bünde“ und bittet dringend um die Förderung von deren Arbeiten. Die Redezeit wird sodann auf 10 Minuten festgesetzt. Leo Herrmann: Ich halte cs tür notwendig, in dieser Versammlung der deutschen Uc'cgierten darauf hinzuweisen, was die Jüdische Rundschau׳‘ zum noiitischeu publizistischen Organ des deutschen Zionismus macht. Welche Bedeutung die ״Rundschau׳‘ während des Krieges bekommen hat. muß nicht erst gesagt werden. Es gibt keine jüdische Zeitung in Deutschland oder in Oesterreich oder in Polen, die nicht von der intormativen uml redaktionellen Arbeit der ״Rundschau“ (lewinn zöge. Für uns war es von Anfang an eine nationale und darum zugleich eine politische Aufgabe, durch unser Organ den Sinn tur geschlossene jüdische Solidarität stark zu erhalten. Das ist uns über alle Erwartung gelungen, und damit haben wir auch eine dauernde politisehe Wirkung erzielt. Denn politische Wirkung erzielt inan nicht mir dann, wenn man über politische Theniata schreibt. Dazu kommt, daß wir allerdings auch immer, bis in jede Zeile unserer Berichte hinein, die Richtung nicht vergessen haben die für unsere Auffassting jüdischer Dinge mallgehend ist. Vielleicht sind nicht alle immer mit jeder Einzelheit luiseicr Richtungnnhme einverstanden — daß unsere Organisation fast ohne Ausnahme es ist. können wir beurteilen ־—, aber niemand kann sich dem Eindruck entziehen, daß wir wissen, was wir wollen. Gestern und heute sind hier einige Einzellieiteu, die die redaktionelle Behandlung einiger Fragen allgehen, erörtert worden. Es sollte darauf gesehen werden, daß nicht infolge inaimelhafter Kenntnis des Tatbestandes eine ״Legeudenhiklung“ entstellt. Darum ist es notwendig, die angeführten Fälle klar zu stellen. Der Redner führt dem Delegiertentag hierauf für einige der berührten Punkte das Material vor. Georg Kareski: In der Hauptsache richtet sich die Kritik gegen die Haltung des Geschäftsfühl enden Aus- Schusses in der Ostjudcn frage. Wir haben hier eine sehr ausführliche Verteidigung gehört, kl! glaube nicht, daß cs. ihr gelungen ist, die Kritik zum Schweigen zu bringen, denn der Umstand, daß der Geschäitsfülirende Ausschuß erst nach ungefähr einem Jahre die Maßnahmen getroffen hat, die von einer Reihe von Kritikern schon seit einer Reihe von Monaten gefordert wurden, beweist, daß etwas verabsäumt wurde, Die Entscheidungen sind äußerst schwierig und die Gründe ganz ungeeignet für eine öffentliehe Erklärung. Der Redner nimmt hierauf zu den früheren Ausführüngen über das ״Komitee für den Osten“ Stellung, Ich komme nun! zu dem Blmncnfcldschen Referat. Das war ein tystisches Beispiel dattir, wie man es nicht machen soll, wie man eine Verhältnismäßig ganz harmlose Sache gefährlich machen kann, so daß darüber die größten Komplikationen entstehen. Ich meine, daß 'die Theorien, die Herr Blumcnfeld entwickelt hat, nicht ungefährlich sind. Wir haben in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Zusammenbrüchcn gehabt. Es ist noch nicht allzulange her, da hat einer der eifrigsten Palästinenser Palästina aufgegeben, einer der Chartristen den Charter aufgegeben, gestern hat Blumenfeld den Volksgcdanken auf•

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