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Jüdische Rundschau · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 J U EDI SC H E RUNDSCHAU ‘ Nr. i tionstätigkeit geübt wird, geht uns sehr nahe. Wir sind um» klar darüber, daß die Koloiiisatioiistätigkeit, "ie sie sich bisher entwickelt hat, nicht als etwas Voiles angesehen werden kann. In Palästina ist alles im Null. Von tler Entwicklung der Verhä t.iissr nach dem (Krieg wird es abhängig sein, wie der Natiomilfoml dort später arbeiten kann. Kolonisation ist eine der schwierigsten Sachen überhaupt, und wenn die Summen, die wir liineingesteclct liaben, verhältnismässig nicht sehr groll sind, so kann das nur unserer Arbeit zur Ehre gereichen. Wenn aber gesagt wurde, daß die Erfahrungen, die bisher gemacht wurden, nicht genügend zur Cieltuug kommen, so haben! wir uns gerade in der letzten Zeit Mühe gegeben, Leute, die etwas v״n diesen Hingen ver• stehen, zu praktischer Mitarbeit he.an/uzic en. Es wird sich nach dem Kriege vor allem auch daium haiulciii, das Verhältnis des Hauptbureaus des Jüdischen Naliona!- fomls zum Aktionskomitee zu regeln. Es ist eine Un- ■nögiiehkeit, dalt das Hauptbureau selbständig arbeitet und voi» der Leitung der Organisation nicht genügend kontrolliert werden kann. Was die Kolonisation selbst an• langt, so möclrte ich Sie doch an die grollen ,Schwierigkeilen erinnern, die z. B, Deutschland mit seinen Kolonien gehabt hat. Es hat lange gedauert, bis die Neu- Guineische Gesellschaft, die doch gewiß mit großen■ Kapitalicu ausgestattet war, zu einer fruchtbaren Arbeit kommen konnte. ■Sic wissen, daß kurz vor dem Kriege eine Revisions-Kommission in Palästina genesen ist und dort gründliche Studien gemacht hat, die noch bc.11beitet werden müssen. JeJen'alls kann versichert werden, daß allen Fragen der Kolonisationssache in Palästina unsere ganze und intensivste Aufmerksamkeit zugewendet ist. Dr. Hantke: Wir eröffnen nunmehr wieder die Debatte über die gestrigen Referate. Herr Estermann: Ich habe mich gemeldet, um zur jüdischen Erziehungsfrage zu sprechen. Zunächst möchte ich1 mit allem Nachdruck daran! hitiwciscii, daß unsere ostjüdischen Brüder wenn sie auch noch sein־ in lüttere■ materieller Not leinen, den nationalen Wert der Erzehungsarheit durchaus nicht vergessen, s.aidcrn sehr gut wissen, daß es auf diese Arbeit in erster Reihe ankommt. Sie können von unserem Freund Rosenbaum in Wi na erfahren, daß die Schule dort im Zentrum des nationalen Interesses steht. Das sollten auch wir hier nicht vergessen. Huber hat aul die ungeheuren Schwierigkeiten lungewiesen die jüdisclien Kuiturwertc der neuen Generation zu übermitteln mit anderen Worten, sie jüdisch zu erziehen. Ich glaube, Ihnen zeigen zu können, daß die Schwierigkeiten nicht so groß sind. Wir haben das noch behalten, was den Inbegriff a!'er Kullurwerte bildet. Nicht unser Jidisch, unser Jargon, nicht unsere Volkslieder sind jüdische Kultur, solidem jüdische Kutur ist das, was in unseren jüdischen Schritten enthalten ist. Das können und müssen wir .erhalten. In einer Zeit, wo der Jude so tief fühlt wie nie, wie rechtlos er in der Weit ist, da wird der Jude, der Hebräisch kann, sich sein Chumesch aufschlagen und darin das herrliche Gesetz finden: ״Ein Gesetz und eine Gerechtigkeit nur für Euch und den Fremden, der unter Euch wohnt.“ Wenn man dies liest in heutiger Zeit, in unsercr nationalen Sprache, dann hat man in sielt den Kulturwert des Judentums. Wenn man in einer Zeit, wo die ,Völker der weit die Pflüge in Schwerter umscnmclzen, lebt, da gibt es keine bessere Gelegenheit, jüdische Kultur zu verbreiten, das Hebräisch zu treiben, das Hebräiscli, in dem die starken Kuiturwertc unse.es Volkes enthalten sind. Rechtsanwalt Max Strauß richtet den Antrag an das Präsidium, darüber abstimmen zu lassen, ob Herrn Dr. Franz. Oppenheimer, der, allerdings ohne Mandat, im Auditorium als Gast erschienen waic, das Wort gegeben werden solle, Dr, Hantke erwidert Hamens des Präsidiums, daß er es außerordentlich begrüßt hätte, hätte Herr Dr. Gnpenlicimer ein Mandat von einer Ortsgruppe erhalten. Da dies aber nicht der Fall sei, sei es unmöglich, ihn sprechen zu lassen. Es ginge nicht an, daß bei den Delegierten- Tagungen Vorzugsrechte geschafften werden. Wir köuuten unsere Organisation nicht desorganisieren lassen. Der Antrag von Herrn R.-A. Strauß könne nicht zur Ab- Stimmung gebracht werden, weil er gegen die Geschäftsordnung verstößt. Rechtsanwalt Max Strauß! Der Beitall, den die nicht in sachlicher und angumessener Form gestern vorgebrachten Angriffe bei einem erheblichen Teil der Anwesenden fanden, erklärt sich aus zwei Gründen, Zunächst schafft die äullere Sachlage jedem Kritiker ohne Weiteres eine günstige Stellung. Man fühlt was eine vollkommene jüdische Organisation heute zu leisten hätte, daß sic gegenüber den Zuständen iin Osten und in Palästina, deren Unerträglichkeit wir alle empfinden, Abliillc schaffen müßte. An dic-en großen Zielen gemessen erscheinen die kulturellen Maßnahmen, die gestern hier besprochen wurden, win■lg. Iler Abstand . ws hen dem zur Rettung der Juden Notwendigen und den hier gemachten Vorschlägen muß ein Gclünl der Unzufriedenheit mruCklassen und die Versuchung liegt nahe, dieses Gefühl zu Angriffen gegen die Führung 11118/1111111/011, die indessen sachlich ganz, unberechtigt sind. Denn wir sind nicht die vollkommene Organisation der Juden, die allein hier vielleicht helfen könnte; wir sinu nur ein ganz, kleiner Teit der Jiidcnhcit, nicht aber schon eine Vertretung des jüdischen Volkes. Unsere nächste Aufgäbe »nun Vs sein, in einem höheren Maße als ,bis jetzt eine solche Vertretung »1 werden, die Juden um unzu Hammeln, mul der deutsche Dc'eglcrlcntag hat darüber zu beraten, wie diese Arbeit In I JciiHchliind zu leisten ist. Es ist '»elstverständlicli. daß der jüdisch-UAtionn'e Oedanke, der allein unserer Organisation die Existeii/beicclitiguug gibt, auch weiter ihre Grundlage beiben muß, Für die Propagierung dieses Gedankens aber bedeutet dieser Dehgiertciitag eine Umkehr gegenüber der bislierigen Art der Arbeit, di« auf das Freudigste zu begrüßen ist. Das vorzügliche Referat des Herrn Schocken u1־d der praktische Kern der Ausführungen von Blutnen'ed, nämlich die Erfüllung der deutschen Juden mit jüdischen! Inhalt, bezeichnen durdutus das, was in Deutschland erforderlich ist. Wir sind bisher für die deutschen Juden die Schreier gewesen, «ine natürliche Folge davon, daß unsere Haupttätigkeit hier in Versammhmgsreden bestand. Wir werden von jetzt ab auf die sachlich: Arbeit, die jüdische Durchbildung und ganz hcoxdcrs die! Hege und Verbreitung der hebräischen Sprache das Hauptgewicht legen. Wir werden <!c3!1a b nicirt weniger bekämpft werden; aber wir werden Klarheit schaffen, indem wir unsere Gegner zwingen, sich entweder gegen l*>sitiv jüdische Arbeit zu wenden oder sie uns naclraimachen. Wir werden uns freuen, warn sie «ie nachahmen; denn jede jüdische Arbeit, die geleistet •wird, muß schließlich unserer Bewegung zugute kommen. Es wird sich eine anständigere Form ries Kampfes ergeben, nicht mehr ein gegenseitiges erbittertes Ueberscitrelcn, sondern ein Wctteiicw in posFlver Arbeit, und es wird unsere Sache sein, dafür zu sorgen, daß wir vor der jungen Generation dastchen als die. die das größere Mali Arbeit leisten. Es bleiben ucich ner>׳ö11'lche Momente zu erörtern, aut die ebenfalls ein Teil des Beifalls bei den Angriffen von gestern zuriiek/uführen ist, und zwar ein nicht 101berechtigter. Er entsprang dem Unwillen über die Art und Weise, in welcher der — gewiß zum Teil uns au!gezwungene -- Kampf nach außen hin von einem Kreise der Leitung nahestehender Personen besonders Bliiinenfcld, geführt worden ist. ßlumcnfclu ist sicher, abgesehen von Buber, die stärkste Persönlichkeit unter den deutschen Zionisten und ich bin durchaus dafür. ihm weite Arbcitssnöglkmfiitcu inncrlia b der Organisation zu geben. Aber er hat gestern vergessen, zu sagen, daß seine Rede eine Rede gegen seine bisherige Arbeit war. Das unjüdische Spielen mit Machtpulitik und Nationalismus, das er und andere von den deutschen Chauvinisten übernommen haben, konnte sich bei ihnen, da sie keine tatsächliche Macht einzusetzen hatten, nur in einer unangenehm wirkenden Rücksichtslosigkeit des Aultretens äußern. Sie hat uns auch da, wo es nicht nötig war, Feinde gemacht und zu *olchen Fehlgriffen wie der Poseucr Resolution über die Jugcndvercine, die uns sehr geschadet lmt, geführt; übrigens wirkt auch die ״Jüdische Rundschau'1 manchmal durch ihren «achlieh unnötigen schroffen Ton schädlich. Wenn wir also auch Kräfte wie Bituneitfeld in weitestem Maße für unsere innere Arbeit hcranzlclvcn müssen, so sollten wir ihnen doch nicht die Vertretung des Zionisnuis nach außen überlassen, Buber hat gesagt, daß sich eine grolle Schicht von Juden um den Zionismus herum zu sammeln beginnt, wir sind verpflichtet, diese uns näher Kommenden nicht durch' Reden, Artikel und Resolutionen ab/ustoßen, sondern durch unser« sachlichen Leistungen für uns zu gewinnen, Davis Trlctscln Ich finde in Blumen felds ■ Ge■ geiiwaiis-Arbeitsprogramm nicht eine Spur von dem. was heute nötig wäre. Auch Margulles' Anschauung, daß Bliiinenfcld ein Programm von einer verschrobenen Geistigkeit entwickelt, kann ich dem Sinne nach nur ziistimmcii. Strauß liat den Herren Reich und Margulies den Vorwurf gemacht, daß sic der Organisation neue Ziele gesteckt hätten. Ich finde, daß die Herren an die Grundlagen unserer Organisation erinnert haben und daß dies notwendig ist. Das Referat von Herrn Schocken war entschieden das wertvollste, das wir hier gehört haben. Die Einteilung in Arbeitskreise findet meinen vollen Beifall. Aber es scheint doch bc/cichnend, daß Herr Schocken über Palästina In seinem Referat nichts gesagt hat. Wenn Herr Schocken darauf liinweist, daß die Ausführungen darüber nicht zu seinen! Thema gehörten, so nehme ich das zur Kenntnis. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken daß die Behandlung des wichtigen Artikels von Bailou und Arbeiten, die im Zusammenhang hiermit erschienen, seitens der Leitung eine mir unbegreifliche war. Herrn Professor Warburg möchte icn erwidern, ׳ daß wir 1807 nicht gewartet, sondern ein Programm «ifgestcllt, das uns die Arbeit ermöglicht hat, und die Organisation geschaffen haben. Ich nabe Angst vor der von Herrn Professor Warburg angedeuteten Stelle, die sich mit dieser Sache befassen soll, ich bin auch von Herrn Oettinger, aiif den ich große Hoffnungen gesetzt hatte, enttäuscht. Er macht jetzt auf mich den Eindruck, als oh die palästinensischen Verhältnisse Ihn sehr heeiuflnllt hätten. Ich stelle den Antrag: ״Per Delegierteutag wolle beschließen, eine Stelle zu schaffen, die sich mit der materiellen Ostjudenfrage zu befassen hat und diese Stelle mit den erforderlichen Arbeitsmöglichkeiten zu versehen,“ Dr. Arthur Hantke 1 Es ist gestern der Leitung vorgeworfen worden, daß die einen Zionismus ohne ein national-politisches Programm vertritt, Trotzdem eiuige meiner Herren Vorredner sich hiergegen schon geäußert haben, halte ich cs doch zur Vermeidung von Mißverständnissen für erforderlich, midi auch meinerseits gegen dies« Vorwürfe zu wenden, Es klingt vielleicht apodiktisch, wenn ich von vornherein behaupte, daß es nach meiner Ansicht noch nie ein Engeres Aktions-Komitee gegeben hat, in dem mehr politische Arbeit versucht worden ist, als in den letzten Jahren. I terr Strauß hat Ihnen hier auseinanderzusetzen gesucht, wie gering unsere Möglichkeiten sind. Er hat sie allerdings sehr unterschätzt. Unsere Zahl ist bedeutend größer, ohne daß wir die Leute, die uns naliestehen, niitrcchncn, Selbstverständlich sind aber Erfolge abhängig von gewissen Mnchtmöglichkelten. Sic müssen sich doch von der Vorstclhmg frei machen, daß in einem Engeren Aktions-Komitee geheime Krliftc vorliomlen sind, die, ganz gleichgültig wie die Organisation beschaffen Ist, Erfolge erzielen, wir könne« Erfolge nur )»onuisholen, aber nicht künstlich lilnelntrngeii, Wir Itabei! gesehen, worin unsere Macltlmögllchkelteii bestehen und wo unsere Grenze liegt, Unsere MaehlnidgllchkiHten sind In gewissem Maße vorhanden. Die Tana che, daß mau innerhalb der Welt mit der z.ioulstisclien Organisation auch in einer Zeit rechnet, wo mm! sich mit ganz, änderen Größen gewöhnt hat, umziigtlien, ist doch der Beweis dafür, daß wir nicht eine cjuantitd rkgligcublc sind. Wir haben den uationaljüdiseheu Charakter des Zionismus stets betont. Auch wenn »ie unsere Presse , verfolgen, werden sic dies bestätigt sehen. Allerdings ist in dieser Zeit In mancher Beziehung oft Zurücklialtuug und Vorsicht eine unumgängliche Notwendigkeit. Wir haben gefunden, daß diese vorsichtige Zu- - rückhaltuag in unserer Organisation nicht geübt worden ist, und wir haben uns veranlaßt gesehen, unsere warnende Stimm« solcher Dinge wegep zu «/־heben. Wir haben hierbei nicht den Wunsch gehabt, als Zensor aufzutreten, aber wir hatten die Pflicht zu warnen, wenn wir der Ansicht waren, daß die Organisation darunter Schaden leidet. Wir fahren am besten, wenn wir uns auf unsere Ziele beschränken. Alle Welt wartet gar nicht darauf, wie manche unserer ״Politiker“ meinen, von uns beraten zu werden. Wir Zionisten haben genügend zu tun, Wenn wir uns um unsere Angelegen- Reiten kümmern. Da gibt es genügend zu tun. Es Ist etwas sehr Schönes mit der zionistischen Politik. Es ist etwas sehr Angenehmes, wenn man in seiner Zeitung liest, daß diese oder jene Macht mit dem Zioiilsimis sympathisiert, und ich bin der letzte, der cs nicht für seine Pflicht und Schuldigkeit hält, sämtliche Mächte über uns aufzukliireu. Vergessen wir aber nicht, daß es einen Faktor gibt, der für unsere politische Arbeit der wichtigste ist: das jüdische Volk. Sic können nichts machen, solange wir keinen Boden unter uns haben. Die Aufgabe der N a t i o n a! i s i e ־ rung der Juden, bleibt ein Hauptteil unsercr nationalen Politik. Ich fürchte den angeblichen einseitigen Intellektualismus und ein liebertreiben der Kulturpolitik in keiner Weise. Der Zionistischen Vereinigung für Deutschland kann mau es gewiß nicht nachsagcii, daß sic es vernachlässigt hat, neue Jahrgänge «l'cr Jugend heranzuziehen. Wer unsere Arbeit kennt, der weiß, daß wir nicht einseitig vorgegangen sind, daß wir jeden nach seiner Faßon arbeiten ließen, Es gibt ja auch Jugendorganisationen in Deutschland, die nicht zionistisch sind und die doch unser Interesse in großem Maße in Anspruch nehmen. Eine Erziehungsarbeit der nicht-zionistischen Jugend hat aber das Bestehen einer kräftigen zionistischen Ortsgrupne als Zentrum zur Voraussetzung, welches den Zionismus ohne jede Einschränkung vertritt. Wir mußten ja erst die Zionisten zionistisch erziehen. Wir haben den Zionismus in Deutschland groß werden sehen, wir haben uns selbst erst zu Zionisten erzielten müssen. Nun haben wir endlich nach vieler Arbeit in Deutschland eine feste zionistische Organisation bekommen, so daß wir imstande sind, auch Außenarbeit zu leisten, ohne zu fürchten, daß uns das passiert, was uns in den Anfangen des Zionismus so oft passiert ist, wo wir eine jüdische Organisation nach der anderen in Deutschland geschaffen naben und eine nach der anderen uns verloren gegangen ist. Wer hat denn die Lesehalle in Berlin, die Vereine für jüdische Geschichte und Literntur, den ״Esra“ tmw, geschaffen? Alles ist zlortl• »tische Arbeit. Aber wir waren damals schwach, und wir hatten nicht die feste Organisation, so daß wir diese Ihngc nicht in tler Hand behielten. Unsere Arbeit ist groll, unsere Möglichkeiten sind groß, aber die Durchführung der Arbeit ist ungenügend, weil uns oft die Männer fühlen, die bereit sind, andere Arbeiten hintanzusetzen. um sich uns zur Verfügung zu stellen. Wir wollen Kritik, aber sie soll im Verhältnis zu der von den Kritikern gebildeten Arbeit stehen. Wir bekommen genügend Vorschläge, aber damit ist uns nicht geholfen, wenn uns nicht auch die Kräfte zur Verfü* gung gestellt werden, die uns bei der Ausführung diescr Vorschläge zur Seite stehen wollen. Ich kann nur sagen, daß uns die Zustande der Juden im Osten genau so ergreifen, wie irgendeine» von Ihnen, Ich habe Gelegenheit gehabt, einen Teil dieser Dinge zu sehen, und ich werde in den nächsten Tagen mehr davon sehen. Wir dürfen aber nicht Vergesseu, daß unsere Hoffnungen in der Zukunft liegen und was Zionismus bedeutet. Ich erinnere sie an die Tage von Kischinew. Damals hat man gesagt, daß man den Nationalfoud hergeben müsse, um Gewehre zur Bewaffnung zu kaufen. Ich verstehe diese Gedanken ln einer solchen Zelt, aber wer von uns ist nicht stolz darauf, wie es unserem Schmaria Levin gejungen ist, in Amerika ein Hilfswerk für Palästina zu schaffeil, trotzdem ihm dort auch diese Oedankengänge Schwierigkeiten bereiteten. Die Rettungsaktion für das Ostjudcntum ist eine Sache, über die sieb heute ernst »ehr schwer sprechen läßt. Bleibeil wir doch bei der Ansicht, daß unsere Brüder im Osten ihr eigenes Urteil über diese Dinge liaben. Selbstverständlich haben ,wir unsere zionistische Pflicht gegen die Ostiudcn zu erfüllen. Aber cs kommt auf die nationale Grundlage der Arbeit an. Dies bildet aucli die Grundlage rar den jüdischen Kongreß in Amerika, Unsere Arbeit ist jetzt eine Notstandsaktiou und Vorbereitung für die Zu- Kuntt. Wir möchten gern mehr scltifcn als schon jetzt geschehen ist, die Zukunft wird aber lehren, daß wir recht getan haben, wenn wir immer wieder betonen, daß jetzt keine endgültigen Dinge zu schaffen sind. Wir müssen uns heute auf die notwendigsten Arbeiten konzentrieren. Es ist nicht damit getan, daß ein Zionist erklärt, es muß mehr geschehen. Was soll die Leitung mit dem Schrei nach Besserung anfangen? Geben Sie uns nicht nur Anregungen, sondern geben Sic uns die Menschen, die geeignet sind, diese Arbeiten durclmi führen. Es ist gut, daß der Geist der Kritik in uns lebendig Ist, aber cs sollte der Geist einer Kritik sein, in dem der Kfiliker und der Kritigierende an einer Stange ziehen. Der Dclegiertontng, auf dem wir uns alle wieder versammeln werden, wird hoffentlich nicht zu fern sein. Wir werden nicht zögern, ihn elnzoberufe» in dem Moment, wo wir cs können, und wir werden dann die Möglichkeit haben, wieder neue Gedanken durchzunetzen. Vorläufig dürfen wir alle zufrieden »ein mit der geistigen Entwicklung, die der Zionismus seit dem letzten Dcloglertcntng genommen hat und auch mit der praktischen Entwicklung, Kurt Blumenfeld 1 Ich habe das Referat gehalten, well wiederholt der Meinung Ausdruck gegeben wurde, diese Oegeuwortsarbeit störe die Palästinaarbeit. Ich glaube, cs müßte vielen eine Freude und Erlösung *ein, daß Galutharbeit und Pnlästinaarbcit nicht not* wendige Gegensätze sind. Ein richtig verstandener Palästinensismus muß gerade um Palästinas willen hier ein jüdisches Leben sdiaffcn. ich nahm an, daß gerade von den Gegnern des Palästinas-Radikalismus das begrüßt wird. Der Delegiertentag kann uns praktisch ge- Fördert und so ein Stück weiter gebracht haben. Ich glaube, wir werden dadurch stärker, daß Galutharbeit und Paliitinaarbeit uns zusammen stark machen.

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