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Jüdische Rundschau · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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S»ite <> Um /11 könne״ nluul»i und sie 1 auf P׳|״is1inu beschränken will, .V\1i dieser Richtung habe jeli nichts zu tun. Es gibt eine /:weite Ric.itiing, zu der icn gehöre. die das Judentum als ein uii.rciiiibares Ganze sieht und das Ostjudcnl,r -'litem als den w ■einigsten Teil aulfaltt I tviitric.i Margulies - B e r I i 11: In dem Rechcnschafts-!»erteilt, den uns me Leitung über ilne Täägkeit in 2' t fahren erstat.et bat, tinJe ich nichts von dem, was ich in dic-cr /.ei; erwartet hat e Das einzig Positive, was uns gegeben wird, s;11J die Vorschkige von Herrn bd.״ekeii, die ich nur voll unterUieidK'ii kann, In der Hede de.י Herrn Schocken fehlt mir nur der Sehlul)- satz: ״Warum hat die Leitung dieses nicht alles getan?“ Es handelt sich ja nur um die tedmische Trage der Ausfülirbark/it. Wir Italien ja in der Leitung Männer sitzen die die: e Arbeiten sdi.m läng st hätte 1 austiiliren können! Ich will hierauf heute nicht entgehen. Trotzdem mul) ich einiget sagen. Her,■ Biumcnlcld repräsentiert heute nie geistige Richtung des Zi in smus die die Zionistische Vereinigung für Deutschland eisigeschlagen hat. . Lhese Richtung scheint mir so gclältrlieh, daß sich liier die Wege scheiden müssen. Nach dem Referat des Herrn Bltimenfeld herrschte Empörung unter den Delegierten. Viele sagten mir, wir wollen derartige Sachen nicht hören und trotzdem bekommen wir immer wieder dieses Programm der verschrobenen Geistigkeit vorgesetzt, noch dazu heute, in einer Zeit, wo wir die wichtigsten Probleme zu lösen haben. Durch eine Pnlemik i t die Sache li eht aus der Welt zu schaffen. Blumen cid sagt, wir müssen thearrtisdic Karstcilungcn des Zionismus vornehmen. Er sagt die Sachen seien viel zu schwer. Ich habe die Ueb.rzcugung, daß Herr Biu- 1ne.11 leid seine überragende rhetorische Begabung ausnutzt, um eine Pscuci.»Wissenschaft zu proilu/L'ie.1, die den Einzelnen verhiüift. und den Eindruck hervorruft, dal! liier überragende Sachen vorgetragen werden. Blumenlcld meint es dürften nur Zionisten nach Palästina gehen, die mit Jiidischkeit erfüllt sind. Blmncnfeld hat aber nur von der Intelligenz gesprochen, die nach Palästina geht und nicht davon, daß hunderttausend Vertriebene dorthin kommen können. Auch in der ״Jüdischen Rundschau“ wird von politischen Dingen nicht gesprochen, chgegen zerbricht man sich den Kopt über geistige Dinge, Es ist eine Gelalir, dal) kein Mensch außer uns mehr weil!, daß es zwölf Millionen Juden gibt, die cs sich als Plan gestellt haben, ein freies Volk zu schaffen. Bubcr sagt, er wolle nicht, dal) die jüdischen Helden so dargestellt w erden, wie die He den anderer Völker. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß cs auch eine jü-lische Epoche gab, wo ein solcher Unterschied nicht vorhanden war. U11 er Rcligi »simterricht hat uns immer die jüdische Geschichte durch die thealogi che Brille vermit e t und jebt wird sie abgelöst durch die intellektuelle Riclitimg. Alle Juden, die ihr Auge auf die zionistische Organisation gerichtet haben, erwarten, daß in der Ostjudenfrage endlich etwas Entscheidendes von dieser Seite ge- Schicht. Diese ungeheure Verantwortung muH uns die Krülte hierzu geben. Was wir bisher diskutiert haben, sind wunderscaöne Aufgaben, aber sie sind sekundärer Art, zunächst müssen wir einmal positive Arbeit leisten. Ich bcgriissc Bubers Schluß,utsführungcn. Heute ist der Ruf zur Sammlung aller Juden angebracht. Gewiß ist ein Kongreß, wie er zu unserer Freude in Amerika stattfinden wird, in (DLmtschlnnd nicht denkbar, aber es muß doch einen Weg zur Verständigung geben, Wir müssen im Zionismus ein Minima!- und kein Maxiinalprogranun schaffen, wie es Bluuienfeld tut. Moses Calvary stellt hierauf folgenden Antrag: ״Es wird beantragt, eine Kommission aus sieben Mitgliedern mit Keoptationsrecht zu wählen, die morgen vormittag dem Dclcgicrtcntag konkrete Leitsätze vorlegt, so daß dieser beschließen kann, inwieweit, aut welchem Wege und mit welchen Mitteln die Ziele der Referate praktisch durchgeführt werden sollen.“ In die Kommission werden die Herren Blumen» feld, Schocken, Dr. Tä übler, Dr, Bubcr, Cafvary, Max Strauß, Dr. Epstein, Löwenthal, Joel gewählt. ' Schluß der Sitzung: 7 Uhr. Vormittagssitzung vom Dienstag, 26. Dezbr. 1916, Beginn 10 Uhr. Zahnarzt Hugo Schachtel* Breslau erstattet das nachfolgende Referat über die Landspende des jüdischen National fonds: Schachteis Referat Verehrte Gesinnungsgenossen! Was ich Ihnen heute hier zu sagen habe, fällt ja aus dem Rahmen dieses — man kann wohl sagen — in jeder Beziehung ״außerordentlichen“ Dclcgicrtcntages heraus, dessen Verbandhingen so ganz anders geartet sind wie die aller unserer früheren Tagungen. Aber so notwendig es auch war, daß wir uns einmal ernstlicher und eingehender als sonst mit den Fragen der Vorbereitung unserer Mensehen für ihre Zukunft in unserem Lande befassen, so dürfen wir darüber doch nicht ganz die Vorbereitungen des Landes für seine zukünftigen Menschen vergessen. Ich bin überzeugt, daß dies auch nicht in Ihrer Absicht liegt, besonders nicht im jetzigen Moment, der doch wohl nicht mehr gar so fern dem Ende des furchtbaren Krieges ist, welcher Zeitpunkt uns vor neue große Aufgaben in Erez Israel stellen wird. Das Instrument, das wir uns für solche Aufgaben geschaffen haben, ist, wie Sie ja wissen, der Jüdische Nationaltond, Für ihn erbitte ich für eine kurze Zeit Ihr Gehör, In der Herzl-Nummer“ der Welt vom Jahre 1910, die aus Anlaß des 50. Geburtstages unseres großen Führers erschien, veröffentlichte unser verehrter Freund Justizrat Dr. Bodenhcimcr einen schwungvollen Aufruf für eine neue Unterabteilung des Nalionalfouds: die LaiuJspefldc:. ״Jeder Einzelne widme ein Stück unseres Landes dem jüdischen Volke, ein Stück so groß, wie das Tagewerk eines Bauern, üm einen Garten darauf zu pflanzen und ein Haus zu bauen, — ein Stück Land, das für ewige ,Zeiten den Namen des Spenders tragen wird, — ein Stück, an das sich andere reihen werden, in unermeßlicher Zahl , . J U E D iS CHE R UN DSCil AU Einen Dtiiiam Land dem Natlonnlfoiicl und damit dein jüdischen Volke durch Zahlung von 5!) Francs oder •10 Mark zu stiften, das sollte die neue Spende jedem Juden zur heiligen Pflicht machen. Auf diesem Boden sollk'11 jüdische Landarbeiter als Erbpächter des Natioiialfomls :!״gesiedelt werden. So hatte das Dlroktormin des Nationalfonds in seiner Sitzung im April 1910 beschlossen und damit einen vom Hamburger Kongreß zum Ausdruck gebrachten Wunsch erfüllt, So sehr indes auch der Gedanke einer solchen Spende für den ureigensten Zweck des Nationalfands, den Erwerb von Land in Erez Israel zum ewigen Besitz des jüdischen Volkes und zum Zwecke der Bebauung durch jüdische Hände, .der Kolonisierung jüdischer Landarbeiter dem allgemeinen Wunsche in allen zionistischen und chowewe-zionistisehen Kreisen entsprach und gegen sie doch nichts einzuwenden war, die Lnndspende fand wenig Anklang. Sic brachte im Jahre 1910: '4982 Mark, 1911: 26 559 Mark, 1912: '38 395 Mark, 1913, dem Rekordjahr des Nationalfonds: einen Rückgang bis auf 27 673 Mark, während alle andern Spendenzweige und -arten ziigvnommen hatten. 1914 brachte sie nur noch 18900 Mark. Und diese Betrüge kamen zum weitaus größten Teil aus Nordamerika und Kanada, woher auch die Anregung zur Lnndspende gekommen war. Die curopäischen Zionisten beteiligten sich wenig daran, allenfalls noch Deutschland, Oesterreich dagegen weniger. Woran es lag, daß dieser neuen Einrichtung des Nationalfoiuis so wenig Sympathie entgegengebracht wurde, wird sich schwer genau feststellen lassen. Vielleicht war daran wenigstens zu einem Teil die nicht richtige, aber nahe liegende Erwägung schuld, daß letzten Endes jedes andere Saminehnittel des Nationalfonds ,demselben Zwecke dienen solle. Sollte die Landspcndexnicht allmählich ganz in Vergessenheit geraten, so mußte ein neues Moment, ein neuer Gedanke hinzukommen, um sic populär zu machen, sic in allgemeine Aufnahme kommen zu lassen. Und so kam •es auch: der Krieg brachte dieses neue Moment. Dr. Qerson Zipper, ein Lcntbcrgcr Zionist, Leiter der galizischcn Landes-Sammelstelle des Nationalfonds, den das Kriegsgeschick nach Wien verschlagen hatte und der dort in die Nationalfond- Kommission kooptiert worden war, gab die erste Anregung. Er proponiertc eine besondere Sammlung unter dem Namen ״Kricgslaiidspcade“ zum Ankauf von Land in Palästina, auf dem nach dem Kriege solche jüdische Kriegsopfer aus 'Osteuropa in Erbpacht angesiedelt werden sollten, die schon vorher sich landwirtschaftlich betätigt haben, , Dieser Gedanke zündete und durch die unermüdliche und ziclbcwußtc Tätigkeit unserer österreichischen Freund«, nicht zum wenigsten der Leiter der österreichischen Landcs-Sammelstelle, Dr. Egon Zweig und Dr. Wilhelm Beigcl, aber auch dank der Tätigkeit jedes einzelnen österreichischen Zionisten, besonders auch der im Felde stehenden, gelang cs in 1% Jahren, vom April 1915 bis 7. Dezember 1916 150 362 Kronen für die Landspeude aiifzubringcn. Auch Ungarn schloß sich dieser Arbeit an, veranstaltete insbesondere Sammlungen durch Kinder für die KLS und erzielte in den ersten 8/1 Jahren seiner Arbeit 25 000 Kronen, eine in Anbetracht der ungarischen Verhältnisse sehr anerkennenswerte Leistung. Welch allgemeiner Sympathie sich diese Sammlung in Oesterreich erfreute, gellt daraus hervor, daß auch die Tageszeitungen, insbesondere die ״Neue Freie Presse“, in deren Spalten einstens das Wort Zio* nisimis nicht Vorkommen durfte, Aufrufe für die KLS brachten, selbst nclicn andern Kriegshilfs/.wcckcn dafür sammelten uml über die Eingänge Ausweise publizierten. Leider ist die weitere Tätigkeit für die KLS dort jetzt etwas behindert durch das jetzt in Oesterreich befolgte System, alle Sammlungen für Krlegslillfszwecke außerhalb der vom Staate unternommenen Aktionen cinzuschränken, wodurch etwa 30 Snmmelzwecke verboten wurden, darunter auch die Krlegslandspcnde. Doch betrifft das Verbot nicht den Nntionalfond, insbesonntere auch nicht die Landspende schlechthin, die drüben jetzt ״Dunamspemle“ genannt wird. Auch die ״Neue Freie Presse“ publiziert weiter Eingänge für den Nalioiialfond. Die Arbeit geht also fort. Die Gcsaniteingäiige für die Landspende aus aller Welt betrugen 1915 und 1916 etwa 200 000 Kronen, ein recht erfreuliches Ergebnis. Und doch nur ein Tropfen auf einen heilten Stein. Was ist das bisher Erreichte gegcuübcr dem, was nach dem Kriege erforderlich sein wird, was nach dem Kriege vom Nationalfond in Erez Israel zu leisten sein wird? 1913 war ein Rekordjalvr des Nationalfond gewesen, cs ,hatte 811000 Mark (nach damaliger Währung über eine Million Francs) gebracht. 1914 sollte und mußte cs übertreffen, sollte der Nationalfontl mir halbwegs seine Aufgaben erfüllen können. Da kam der Krieg und unterbrach zwar nicht die Sammclarbeit für den Nationalfond, aber er minderte doch erheblich seine Einkünfte. Das Gesamtergebnis für 1914 war 596000 Mark, 1915 brachte noch weniger, nur 509 478 Mark. 1916 wird es ja wieder mehr sein, aber wie viel mehr haben wir doch nötig, soll der National•׳ fond nur einen Teil der Aufgaben, die für das jüdische Volk zu erfüllen er berufen ist, auch vollbringen. Wir müssen altes daran setzen, in dem kommenden Jahr, gleichviel wie lange das grausige Morden noch anhaltcn wird, das Rekordjahr 1913 weit, weit zu überflügeln. Ein großer Teil dieser Pflicht fällt uns deutschen Zionisten zu. Und wir wollen sic zu erfüllen suchen, Indem Wir uns Jetzt in erster Reihe der Landspende״ zuwendön. Mit ihrer Hilfe wollen wir die bisherige Kolonisation ausbauen, wollen wir sie ln dem erheblich vergrößerten Maßstabc fortsetzen, der nötig ist, um nur einen Teil der Not zu lindern, die der Krieg über unsere osteuropäischen Brüder gebracht hat. Wir wollen die Sammlung bei uns nicht ״Kriegslandspende“ nennen, Nr. 1 cs spricht manches dagegen. Sachlich berechtigt wäre die Ite/cicl1i11111j1, denn die Zahl der Kriegsopfer aus unser״ Reihen ist wahrlich njclit klein, vor allem auch die Zahl der Juden, die durch den Krieg von Haus und Hof vertrieben «fne neue Existenz sich schaffen müssen. Man lese nur die erschütternde Schilderung in Nr. 48 der ״Jüdischen Rundschau“ von Dr. Osias Thon, um nur ein solches Bild heraus/ugreifen, oder erinnere sich der Schilderungen, die Dr. Rosenbaum uns gab. Wer von uns weil) nicht von diesen Dingen? Und haben wir nicht — abgesehen von dem jetzigen großen Weltkriege — stets und immer ״Kriegsopfer“ in tmscrn Reihen, Opfer des Krieges, der ohne Unterlaß.gegen Juden und Judentum geführt wird? Ueberwinden wir die in den letzten Jahren bei uns unnötig groß gewordene Scheu, auch innere materiellen Palästina-Aktioncn mit jüdischer Not zu begründen. Die Not ist da, sic schreit zum Himmel, und wir wollen versuchen, so weif es in unsern Kräften steht, ihr in Palästina abzuhelfcn. Wjr sehen ja auch, daß in allen noch jüdisch empfindenden Kreisen, die doch jetzt sich zu mehren scheinen, der Gedanke an Hilic durch Ar* beit in Palästina zunimmt und sich ausbreitet. Für diese Aktion müssen wir darum unseren Gedanken sonst fernstehende Kreise zu interessieren suchen. Das muß und wird uns gelingen. Neue Kolonien sollen alsdann aus diesen Mitteln begründet werden, und zwar Kolonien für je etwa 100 Familien. Das ist der Plan der Leitung unseres Nationalfonds nach den Vorschlägen seines sachverständigen Beirats, des 111g. Agronomen O e 11 i n g e r, der sich seit Jahren mit Kolonisationsarbeit in Rußland, Argentinien und Palästina belaßt hat und der darum wohl berufen erscheint, die Wege, die beschriften werden sollen, vorzuzeiehnen. Je hundert Familien sollen also dörflich zusaminengefallt werden und zwar unter folgenden!hinzipien: I. eigene Arbeit, 2. Erbpacht von Natbnalfond- Boden, 3. gemischte Wirtschaftsführung. In wohl fast allen kriegführenden Ländern bemühen sich jetzt Regierungen und freie Gesellschaften, insbesondere Bodenreformer, unter ähnlichen Prinzipien für Kriegstcik nehmer für die Zeit nach dem Kriege vor/usorgen, ihnen Land zur Besiedlung zur Ver'ügimg zu stellen. Nur werden Juden nicht viel davon haben. Für Juden müssen wir, mul) der Nationalfond in Ervz-Isracl sorgen. Diese Arbeit ist etwa 80 gedadit: Nach dem Kriege soll eine Aiisicdlungsgesellschaft begründet werden, die zur Aufgabe haben wird, zunächst 70 jüdische Familien in Osteuropa zu rekrutieren, die sidi bereits mit Landwirtsdiatt befaßt haben, von denen jede über mindo• stens 3000 Francs oder Kronen verfügt und die bereit sind, ein Mitglied ihrer Familie sofort für 2 Jahre nach Palästina zu schicken, damit es sich dort mit den spezifisdi-palästincnsisehen landwirtsdiaftlidieii Verhältnissen bckanntniatfit und die dortigen Arbeitsmethoden und Arbeitsbedingungen kennen lernt, woraufhin erst die ganze Familie iibersicdeln soll. Es dürfte nicht schwer fallen, solche 70 Familien vielfach ausfindig zu machen. Als Vorarbeiter in diesen neuen Ko km icn sind 30 bereits in Palästina lebende Landarbeiter gedadit, denen der Arbcitcrheimstiittcn-Fond Haus, Hof und Garten zur Vcrtügung steilen würde und denen vielleicht auf diese Weise Gelegenheit gegeben werden könnte, sich selbständig zu machen und eine Familie zu begründen. Den Boden gibt der Nationalfond aus den Mitteln der Landspcnde. Es ist anzunchmen, daß nadi dem Kriege die Bodenpreise in Palästina angesidits des großes! Geld» mangels ziemlich niedrig sein werden. Immerhin sdiätzt Oettlnger die hierfür und für die Okkupationsarbeiten aufzubringenden Mittel auf etwa eine Million Francs für eine Kolonie in günstiger Lage, für die er insgesamt etwa 10 000 Dunum in Anschlag bringt. Die Ansiedlungs-Gesellsdiaft würde also für eine Kolonie an Kapital zur Verfügung haben: etwa eine Million Francs durch den Nationalfond aus der Landspende für den Bodenkauf, 210000 Francs aus den Mitteln der Kolonisten und 60 000 Francs vom Nationalfond aus dem Arbcitcrhcimstättcn-Fond für den Häfiscrbau. Oettin* gcr hält nun weitere 5—600 000 Francs als Betriebskapital für nötig, und man nimmt wohl mit Recht an, daß es nidit schwer fallen wird, diese zu beschaffen, sei cs durch Kooperation mit andern Gesellschaften,, sei cs auf dem Leihwege. Wie ich schon vorhin anführte, soll di« Kolonie auf Basis der ״gemischten Wirtschalt“ aufgebaut werden, d. h. sic soll keine reine Pilanzungs- oder Ackerbaukolonie sein, sondern beides vereinen und auch Milchwirtschaft. Geflügelzucht. Gemüsebau und tlergl, betreiben. Schon die Erfahrungen der Kricgszcit müssen dazu veranlassen. Die Kolonien sollen' möglidist in der Nähe von Städten begründet werden, um ihre Produkte leichter absetzen zu können. Daß die Kultur-Institutionen einer soldicn Kolonie, wie Schulen, Volkshaus usw. von nationalen Organisationen, insbesondere der zionistischen übernommen werden, wird wenigstens für die erste Zeit vorausgesetzt. Ist erst eine Kolonie gesidicrt, 90 wird das zwei fellos'-dcr Sam- " mclarbeit einen neuen Anstoß geben, und Oettinger hofft, daß die Begründung weiterer Kolonien dann in arithmetiseber Progression steigend erfolgen wird ... Es wird vielleicht cingcwendet werden, daß die Zahlen von Oettinger zu hoch gegriffen sind. Doch wir müssen uns dabei — wenigstens zunächst — auf den Land und Leute und vor allem sein Fach kennenden Mann verlassen. Sollten seine Zahlen zu hoch sei»■ 80 f8* das jedenfalls weniger bedenklich, als wenn sic zu niedrtg angesetzt wären. Das sind sic aber sidi er nicht. Seine Berechnung ergibt 20000 Francs für die Familie. Wie weit es möglich sein wird, in Zukunft mit geringeren Beträgen bei der landwirtschaftlichen Kolonisation Buszukommen, ist meines Wissens vorläufig in der

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