Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr I J UE D1 S CH E RUNDSCHAU Seite ln bestimmten Abständen werden gemeinsame Be• sprcchungeti aller Gnippenverbaiulsleiter mit der La»• licsieiinn^ 111 SVcrlin stattlinden nui^sen ■ ‘,.1'!ll>lH׳nverb;mds.Vorständen ' iiebcngcordnct s‘ml Mitglieder des Zcntral-Komilces, die neben ihrer iatigkm im Landesvorstand der Partei ein zu hestimmendes Arbeitsleld in einem Teil des Lindes, der sich gegebenenfalls mit einem Gruppen \ erbands-iiezirk deckt, zu übernehmen haben. — h! das Zentral-Kumitte \\eri.en Männer gewählt werden, die in einem bestinmiten Laiulcstcile eine bedeutende organisatorische Tätigkeit ausuben, 1 Orientierung der Zionisten über die Lage in I alastma und über die sonstigen zionistischen Vorgange wird an! besten von den Zentral-Komitee-Mitgliedern mul den < inippeiivcrbandsvorstämlen für ihre IWzirke durcligeliihrt. in den letzten Jahren ist der wert der Orieutieriingsarheit weit überschätzt worden. Ls ist unwichtig für das zionistische!,eben in Deutsch• land, ob der Zionist ständig über die diplomatischen und äuileren politischen Vorgänge allenthalben inlorrniert ist. Wichtig dagegen ist die aktive Betätigung jedes Zionisten an seinem Platze. Diese wiederum ist nur möglich, wenn wir die Arheitsaufgaben übernehmen, deren Boden ilie Ortsgruppe ist, Ich bin tiei dem eigentlichen Kern meiner Auf■ gäbe, wenn ich jetzt davon »])reche, we'ciic Wege man gellen mtili, um Material. In 11 alt und tätige Beihilfe zu schaffen für die Ausgestaltung der zionistisclicn Arbeit in imseicn Ortsgruppen. Fürs erste Mini cs sieh darum handeln, alle Kräfte die in unserer Bewegung stehen, aktiv zu machen für diese Aufgaben. Ls gilt da besonders auch die wertvollen Menschen unter uns, die durch persönliche Veraiilaguug oder uns Wirtschaft ieheu o.lcr ör,liehen üriinden bisher nicht die Möglichkeit hatten, sich aktiv in dem Parlciaiilhati einzustcl.en, heran/uziehen, ale Klüfte zu einer organisatorisch wertvollen Arbeit zu leiten und das Ergebnis dieser Arbeit durch Vermittelung geeigneter Kräfte in die Ortsgruppe zu tragen. 1111 Januar dieses Jahres habe ich bereits in einer Zentnl-Komitcesitzung hierzu einen Vorschlag gemacht, den ich, besser ausgearbeitet, Ihnen jetzt vorlegen möchte. Die Lamlesorganisation soll ergänzt werden durch Arb eitsh ft rp erschaffen, die alle inlellektuellen und organisatorisch wertvollen Kräfte zusaminenfassen. Die neuen Arbeitskörperschaften gliedern sich nach den verschiedenen Arheitsaufgaben. Ich sehe zwei große Hauptgruppcn von Arheitsaufgaben: 1. Jüdische Kulturarbeiten 2. Zionistische Parteiarbeiten, Diese Hauptgruppcn gliedern sich wiederum in be• sondere Arbeitsgebiete, für die je ein Arbeitskreis zu schaffen ist. Die Haunt'grupnc für jüdische Kulturarhcii gliedert sich in drei Aibcifskrcisci I. Geistige Angelegenheiten II. Nutende E rziehung III. Hebräische Sprache. Die I laiiptgriippc für zionistische Parieiarbeit gliedert sich in vier Arbeitskreise: 1. Natiomnfondsmul Palästina-Arbeit II. Wohlfahrtseinriehtungen und Hilfs-Aktionen III. Propaganda IV. Oeuu'iiiile-Polilik. Bür jede 11er zwei I lutiptgruppen ist ein Haupt• a r b e i t s - A u s s e 11 11 ti einzuset/eii, der aus 5 (1 Müll• nern bestehen soll. Diese Hauptausschüsse •eiten die Arbeit der ihnen unterstellten Arbeitskreise, Sie müsseu so zusammengesetzt sein, dali ihre Mitglieder die Möglichkeit haben, oft zu Beratungen zusammen zu kommen. I 111• die Kühlung der Geschälte ist für jeden der Hauptausschiissc ein besonderes Büro zu seliaffeil. Die llauptaiisscliüsse haben die Aufgabe, die in ihrem Gchieic liegenden Arbeitskreise zu organisieren. Bür jeden Arbeilskicis ist ein Unter-Ausschuß von •I- (1 Mitgliedern zu bilden und zur Mitgliedschaft in dein Ar• beitskreis selbst sind alle Menschen, die in dem be• sonderen Gebiet des betreffenden Arbeitskreises theoretisch oder praktisch, beratend oder arbeitend tätig sind, hcranzu/icln'ii. Ich möchte das, an einem Beispiel deutlich machen. Der Arbeitskreis für geistige Angelegenheiten würde alle Männer umfassen, die geistig produktiv arbeiten (wissenschaftliche Arbeiter, Schriftsteller, Rabbiner, Leb• rer), ferner alle Zionisten, die sieh in den Ortsgruppen und in der Leitung mit geistigen Dingen beschäftigen. Die Anzahl der Personen, die zu dc;1n einzelnen Kreis gehören, braucht nicht begrenzt zu werden. Einmal im Jahre sollen Tagungen des gesamten Arbeitskreises stattfitulen. Der Haupt-Ausscluiß wird mit den ihm unterstellten Puter-Ausschüssen der einzelnen Arbeitskreise öfter zusammen treten müssen und die Büros der beiden Haupt-Ausschüsse werden die Verbindung innerhalb der Arbeitskreise durch Rundschreiben, Rund• fragen und Berichte aufrechterhalten. lieber die Kompetenz der Ausschüsse und Arbeit«• kreise und über die Deckung der Mittel, die sie für ihre Arbeit brauchen, müssen Beschlüsse gefallt werden, Die Kompetenzfrage lullt sicli im einzelnen jetzt noch nicht erörtern; das Wichtigste hierzu wird sich erst in der Arbeit selbst ergeben. Vielleicht wird cs sieh zeigen, dali die Kompetenz der Ausschüsse verschieden sein muH, je nach dem Arbeitsgebiete. Der Hauptausschuil für Kultur-Arbeiten wird im wesentlichen Aufgaben haben, die bisher überhaupt noch nicht oder nicht systematisch bearbeitet worden sind. Der Haupt• ausschuß für zionistische Parteiarbeiten wird sich mit Arbeiten zu beschäftigen haben, in denen .schon eine langjährige Arheitserfahrung vorhanden ist und die stiindig von den Kräften der Parteileitung überwacht und geleitet worden sind. Der Wert meiner Vorschläge wird Ihnen vielleicht deutlich werden, wenn icli nun auf die Arbeit, die die neuen Arbeitskörpcrscliaftcn leisten sollen, im elnzcl• nen zu sprechen komme. ׳ , ' Ich beginne mit den Arbeitsaufgaben des Haupt• Ausschusses für jüdische Kulturarbeit. Es fehlt uns am notwendigsten. Wir haben keine arbeitende Wissen- Schaft und keile Bücher. , Es besteht eine Wissenschaft vom Judentum in Deutschland, die von liberalen Juden in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts anfgebaut worden ist und deren Leistungen sich jetzt in den Veröffentlichungen der Ciesellselmft zur Eörilerung der Wissenschaft des Judentums _ zeigen. Es ist hier «licht der Ort, und ich fühle mich auch nicht berufen, im einzelnen auf die Leistungen dieser \\ issenschalt vom Judentum cinzugohen. Aus inneren mul alliieren (irümJen bestellt da nur ein spürliciies Leben. Aber wäre dem auch anders wären!111 liberalen Judentum viele und bedeutende Männer voi er Begeisterung bei der wissenschaftlichen Arbeit und wären die Leistungen, die in den zwei •ortlnxioaeu jüdisch-wissenschaftlichen Gesellschaften (Mckize Nirda- ■mm mul die Jüdisch-literarische Gesellschaft in Krankfurt a, M.) erheblich größer als sie wirklich sind, die Arbeit, die bei uns und für uns zu leisten ist, kann dort nicht geleistet werden. Es hat keinen Sinn zu warten, daß uns die Hilfe von einer anderen Beite kommen soll. Wir müssen daran gehen, eine neue jüdische Wissenschaft zu sclnffcn, die aus unserer Steifung heraus und aus unserem (leiste versucht, unsere Vergangenheit, unser Volkstum, unsere ganze (ieisteswelt neu aufzuhaueu. Männer, die in unserer Bewegung stehen, müssen die Arbeit leisten, unsere Vergangenheit mit 1111• seren Augen neu zu sehen mul 1ms die Geschichte unseres Volkes neu zu erzählen. In den 20000 Bänden der hebräischen Literatur ruhen unsere Schätze vergraben und unsere Arbeiter können wahrhafte Mckize Nirdamim (Erwocker der Schlummernden) sein, wenn sie die Goldadern wertvollen jüdischen Lehens aus den verschütteten Büchern herausholen, Unsere Wissenschaft wird lebende Wissensehaft sein können. — In unserem Zukunftsideal haben wir das Organ, die Tatsachen der Vergangenheit und der (legenwart nach einem Prinzip der Auswahl zu scheu, das die bedeutsamen Vorgänge, die leitenden Kulturwerte hcraushebt. - Unsere Wissenschaftler werden nicht leicht zu wissenschaftlichen Kleinarbeitern werden, die schließlich auch froh sind, wenn sie Regcnwiirmer finden. Geistige Arbeiter können aber ihre Arbeit , nur leisten in ruhigen uiid langen Lebensjahren und wenn sicberzablende Auftraggeber da sind. Hier hat die Gesamtheit einzuspringeii. Jetzt geben wir. wie Dr. Epstein einmal sagt, unsere Besten preis. Sic müssen ein ihrer Liebe fernliegetidcs Brotstudium aufnehmen und unser (!arten stellt unbebaut. Fremde kommen und holen sich Stücke aus ilun und tragen sie fort zu ihrem Bau. — Das nennen sie dann z, B. alttestamentarische Wissenschaft. — Erst* wenn wir unsere Ohren und unsere Herzen auftun um zu hören, und wenn aus unserem Kreis heraus Lebensbedingitngen fiir geistig Schaffende sich bilden, wird unser Rasch i kommen können, der uns lehrt, die Bibel zu lesen. Es wird eine Publikationsgescllschaft gegründet werden müssen, deren Aufgabe cs sein wird, die jüdische wissenschaftliche Arbeit wirtschaftlich zu stützen, wertvolle wissenschaftliche Arbeiten anz.urcgcn mul zu bezahlen; die Herausgabe wissenschaftlicher Werke mit Geldbeiträgen zu fördern und Bücher in eigenem Verlag heraiisziigeben, deren Herausgabe auf geschäftlicher Basis wegen der geringen Aussicht auf den Wirtschaftliehen Erfolg sonst nicht erfolgen würde. Diese Unternehmung wird Ihnen wegen der großen Mittel, die sie voraussetzt, schwierig erscheinen und ich gehe zu, daß es den Anschein hat, als oh cs sich hier um eine Aufgabe handelt, die weit über unsere wirtschaftlichen Kräfte geht. Wenn wir aber die Inneren Kräfte zu dieser Aufgäbe haben!111111 sie in uns weiter ausbauen, wird der Mangel an äußeren Mitteln die Durchführung der Aufgaben nicht dauernd behindern können. Nach einer oberflächlichen äußeren Beurteilung spricht mau von 11er Gegenwart als von einem rein kapitalistischen Zeitalter, und mau neigt dazu, große Geldmittel als die erste Voraussetzung bei allen Unternchmungeu anzusehen. Wer aber mitten im Wirtscbaftslebeu ,stellt und Anlaß hat, mit offenen Augen das Werden mul das Vergehen der Unternehmungen zu beobachten, weiß, daß selbst bei rein wirtschaftlichen Unternehmungen nicht die Aufhäufung oder das Vorhaiidensein großer Geldmittel, sondern das Wirken lebciKliger Kräfte den Ausschlag gibt. Wo wertvolle Kräfte mit festem Arbeitswillen aultretcn, schließen sich Ihnen Ule äußeren Mittel gern dienend au und die im Werke wirkende Energie baut sielt den Körper der wirtschaftlichen Mittel selbst aus. Ich kann hier auf eine, nach diesen Gesetzen bereits wirkende Unternehmung hinweisen. ln diesen Tagen ist das 0, Heft unserer Monatsschrift ״Der Jude“ erschienen. Diese Zeitschrift ist, rein äußerlich bcur• teilt, ein Unternehmen, dessen Durchführung niemand von uns noch vor einem Jahr für möglich gehalten hat. Die Zeitschrift besteht, sie wird gut weiter bestellen und wird ohne äußere Hilfe ihren Umfang und ihre Gebiete weiter nusbatten können, weil nie in ihr wirkenden Kräfte in der kurzen Zeit ihres Bestehens sich einen in sich selbst gesicherten wirtschaftlichen Organismus geschaffen haben, Stellt man in Rechnung, daß das unter erschwerenden Verhältnissen während der Kriegszeit geschehen ist, denkt man daran, welche besonderen Schwierigkeiten gerade dem innerem Aufbau einer Zeitschrift während des Krieges, wo der größte Teil der für die Arbeit brauchbaren Kräfte im Felde steht, erwachsen, so kann man aus diesem Beispiel schließen, was uns mit den uns z.u Gebote stehenden Kräften in langen Friedensjahren möglich ist, wenn wir mit ernstem Arbeitswillen an das Werk gehen. Bisher hatten wir keinen eigenen Verlag. Der Jüdische Verlag wird von der zionistischen weltorganisation subventioniert. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland ist an ihm nicht beteiligt. Wollen wir an den Jüdischen Verlag Arbeitsansprüche stellen, so muß ihm ein entsprechendes Kapital zur Vergrößerung seiner Betriebsmittel bewilligt werden. Ob das jetzt möglich oder wünschenswert Ist. läßt *Ich in Kürze nicht erörtern. Darüber wild aber in der nächsten Zeit beraten werden müssen. Auf dem Oebicte des Buchverlages werden wir einen Schritt vorwärts kommen, wenn der von mir vorgescMagene Haupt-Ausschuß für Kultur-Arbeiten eine Beratungsstelle für Verlagsangclegenheiten gründet. Es könnten jähräch mehr Bücher erscheinen, mit mehr Freude für die I lerati-geber mul für die Organisation,' wenn die. Herausgeber, seien es Eiu/elue oder Vereine, vor Abschluß ihrer Verlagsver.r!ge von einer ohjektiven Beratungsstelle beraten werden. Eine der ersten Aufgaben des I l.'uipt AiHschusscs für Kulturarbeiten wird die Herausgabe eines ״Etcrarischeu Raigebers“ fiir die deutschen Juden sein. Als Muster denke ich hierbei au den literarischen Ratgeber des D1ir׳׳rbuudes, der in den Jahren seines Ik> Stehens ein wichtiger Fak.or zum Aufbau des neudeutschen Kulturlebens war. Neben unserer Arh.eit au dem Aufbau unserer Wis- Seilschaft wird die Herausgabe populär-wisscnscnaftlieher Arbeiten einhcrgeheii müssen. Unsete Arbeit wird ersl 11:11111 ihre Wirkung beginnen, wenn wir gute Darstellungen von der Vergangenheit unseres Volkes und seines gegenwärtigen Bestandes unter dem fiesichtspimkt unserer Zukunftsentwieklim׳; in die Hand jedes jüdischen l.e-ers geben können. Wir werden Büeher für den Gebrauch unserer Jugend her!:.!sztigcbeu haben litt gereiche des Ausschusses liir nationale Er- Ziehung werden verschiedene jüdische 'Jugeiid-Jahrbüeher zu bearbeiten sein. Kleine Anfänge sind dafür schon vorhanden. Zugunsten eines schnellen Wirkens wird ,man für die erste Zeit wohl bescheiden sein müssen •und mit Beiträgen fürlieh nehmen, die unserer idealen Forderung nicht ganz entsprechen. Wir können nicht warten, bis die Wirkung der neu aiif/uhauenden wissenschaftlichen Arbeit einsefzt. Wir müssen daran gellen, den Kindern jüdische I Iddensngcu zu er/ählen. Es wird nicht ganz zu vermeide.1 sein, daß fürs Erste unsere Helden in imserin׳ Jugend-Erzählungen den 1 lelden-Gestalteu der etiropäisehen Völker nngeähnclt werden. Der reiferen Stufe aber werden׳ wir unser eigenstes Heldentum vorzeigen können, etwa so, wie es sich in überwältigender Größe als Heldentum des leidenden Ertragene in jeremias zeigt. Die tausendjährige Arbeit unseres Volkes in der Literatur der Midrascnim wird uns zu Hilfe kommen, wenn wir unserer Jugend eine eigene Welt via Legemien. Märchen und jugenderzihUingm schaffen wollen. Vielleicht gelingt dann der große Wurf und es entsteht ein Standard ׳wort:, die neue Z'cna ur’ eua, die wir an Stelle des bei uns seit drei Generationen verlassenco alten Buches der vveib ichen Jugend ln d e Hand geberi können als Ersatz für die flache, aus dem Tage »cborcue Unterhaltungsliteratur, die heute der weiblichen Jugend gereicht wird, auch wenn sie nach geistiger Umfriedmig verlangt. Besonders wichtige Aufgaben wird auf dem <iebiete der Bücher-Heratisgahu der Ausschuß fiir die hebräischc Sprache zu leisten haben. Der Ausbau eines erprobten Systems zur Erlernung der hebräischen Sprach« iiir deutsche Juden ist des I leißes der IUnuii wert. Mir liegt ein Entwurf zu einem solchen Lehrbuch der hebräischen Sprache vor. in dem eine große Anzahl fruchtbarer Gedanken steckt, mul ich rechne damit, daß der neu zu bildende Ausschuß des Arbeitskreises für die hebräische Spradtc die Möglichkeit haben wird, den Auftrag fiir die Ausarbeitung dieses Lehrbuches zu erteilen und das Lehrbuch heraiis/.ugehcn. Bis zum Erscheinen des Lehrbuches wird freilich noch eine läiigere Frist verstreichen. Als vorläufigen Ersatz für das noch nicht vorhamlcne Lehrbuch könnte mau einen Arbeitsplan für hebräische l.chrkurse herausgehen, der den in *Deutsch* latul lebenden hebräisch sprechenden Juden Anleitung gibt, l.chrkurse zu veranstalten, die die Schüler dauernd tesselu und damit den Erfolg sicher stellen. Nach meinem Urteil (und was ich bisher über veranstaltete Kurse höre, bestätigt mir das) Fähen hebräische Sprach• kurse um so mehr Aussicht auf ein langandauermles Arbcitsiiitcresse der Schüler, je mehr im Lehrplan von vornherein Wcrf darauf gefegt wird, die Sprache im Zusammenhang mit unserer klassischen Literatur zu erlernen. Ich habe mit Midrasch-Leser-tücken die beste Erfahrung gemacht; sie eignen -sich besonders gut zur Einübung der erworbenen Sprachkeuntuissc und zur Auffrischung des Arbeitsinteresses der Schüler. Es werden Bücher mit geeigneten Lcsestiickcu aus Bibel, Misclma, Midrasch, der Literatur des Mittelalters und aus der neu-liebräischcn Literatur herausgegeben werden müssen (etwa in der Art der historischen Lesestücke von Zcdner). Aus der hebräischen Literatur Palästinas mul Ost-l iiropas sind l isten der für die einzelnen Kenntuisstiifen geeigneten Bücher zusammeuzustellcn und heru1Kz11,;e• ben, und cs wird ein Weg geschaffen werden müssen, um die ,Bücher schnell mul billig in die Hände der Lernenden gelangen zu lassen. Unsere wertvollsten Bücher werden aber erst entstehen können, nachdem an einzelnen Stellen die Arbeit begonnen bat, die nach und nach allenthalben geleistet werden muß: Die Einrichtung von Vortrags- Zyklen, Lelirkursen aller Art, seminaristische Uebiingen. Aus den Erfahrungen der Kräfte, die diese Untemelunungcn leiten, müssen Lehrbücher und Material- Sammlungen erwachsen, die dann Unterlagen für die Wiederholung der Veranstaltungen in allen Ortsgruppen mit einer ins Große steigenden Wirkung werden können. Neben der bereits besprochenen Anregung der wisscnschaftliehen Arbeit und der Herausgabe von Büchern, ist die Einrichtung von Vortrags-Zyklen, l.ehrkurscn und seminaristischen Uebungen die 'Hauptaufgabe des Hauptausschusses für jüdische Kultur-Arbeit, Hier wird sich alles erst aus der Praxis entwickeln können. Ich will nur kurz und obenhin das Wichtigste hierzu sagen: Die Anstellung von Lehr- und Vortrags-Kräften ist unumgänglich. Größere Ortsgruppen werden Lehrer für die hebräische Sprache einstellvn können; in kleineren Ortsgruppen könnten Lehrer für die hebräische Sprache wirken, die von dem Gruppenverband für den ganzen Bezirk angcstellt werden. Für die Veranstaltung von Vortrags-Zyklen werden Wanderredner für die einzelnen F.icbgebiete gewonnen werden können und für die verschiedenen Lehrkurse werden erfahrene Fachkräfte angestellt werden müssen, die allenthalben im Reiche die Lchrkurse besuchen, sie gegebenenfalls neu einrichten oder durch einige Arbeitsstunden auffrischen. Die Vorausssctzung hierzu ist freilich, daß eine strenge