Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Blunienfclds Referat . , Palästina Ist das Ziel unseres Lebens. Zionismus ist der Wc'i; nach Zion, wenn auch nur wenige Zionisten diesen Weg zu Ende gelten. Zwei Fragen bedürfen einer Antwort: Ist durch, das Leben in Palästina für den ein* zclnen Zionisten die Erfüllung der nationalen Sehnsucht gegeben 1׳ Was wird aus den in den andern Landern zurückbleibenden Zionisten? Nicht die Tutsache der Uebersiedlung macht den Menschen ne 1. Er setzt sein Leben fort, aber auf einem Boden, der ihn fruchtbar werden läßt, wenn er die Kraft zum Wachsen bat. Im Ausland verdorren auch die Saftigen. Dort wie überall muß er Zionist sein, durch Willen und Tat zum jüdischen Leben streben, aus dem einst Kindern, Lnkeln späteren Oe* schlechtem die Einheit der Kultur erwachsen wild. Zionismiis bleibt auch in Palästina eine Aufgabe. Die Arbeit aller Generationen wird nicht ausreichen, ihn zu erfüllen. Ein Volk ist unvollendet in seinem Geist, solange es an seine Zukunft glaubt. — Wer von der Landung in Palästina schon den Lohn iür die Hewührung zionistischer Gesinnung erwartet und das Leben dort schon für eine verdienstliche Tat hält, der wird enttäuscht sein. Enttäuscht sind alle, die von Palästina die an ihnen zu vollbringende jüdische Leistung erwarten. Nur dem gebenden Zionisten wild es zum jüdischen Lande. Nicht Palästina und der Anfang der jüdischen Gemeinschaft — der eigene Zionismus und der Glaube an die Notwendigkeit der persönlichen liingäbe versagen. Die Forderung der Uebersiedlung liegt im Wesen der zionistischen Auffassung des Judentums. Die Hechaluz-Bewegung muß die deutschen Zionisten ebenso ergreifen wie die amerikanisdicn und die östlichen. Für uns bleibt es die vorncln11s.l1? Aufgabe, Menschen für Palästina zu erziehen, Menschen, die fachlich und zionistisch vorbereitet sein müssen. Die fachliche Vorbereitung ist notwendig und unerläßlich. Es sollen keine Dilettanten Itiügchcn. Aber die fachliche Ausbildung allein genügt nicht. Der beste Fachmann, der in Europa Wertvolles geleistet hat, ist nicht schon deshalb für Palästina geeignet. Der Zionisnius ist kein mechanisches Problem, und die Luit Palästinas reicht nicht aus. jüdische Menschen zu schaffen. Cie Frage der zionistischen Vorbereitung ist die Frage tmseies zionistischen Lebens außerhalb Palustinas. Was ist die Aufgabe der Vielen, die nicht die Möglichkeit zur Uebersicdclung finden? Die zionistischen Gegner der grundsätzlichen Forderung der Uebersicdclung mülltcn uin so stärker an ein zionistisches Leben in der Diaspora glauben. Merkwiirdigmveise leugnen gerade sie die Möglichkeit eines iiihnltvollcn GalnHi-Zioiiismus. Die Feststellung der Unmöglichkeit eines vollen jüdischen’ Lebens in Palästina und in Deutschland scheint für ihren Zionismus ־.tus/urclcheii. Die Vcr.uclic der Umformung des jüdischen Menschen liier weiden als bildungslos und kulturlos empfunden. Nur den poni chcn, russischen, vielleicht auch den amerikanischen Juden darf cs genügenl nach rein jüdischen Inhalten zu stieben. Für uns gilt es vor allem, testzustcllcn, wie stark wir durch die Umgebung entjudet worden sind. Das Problem dieser Zionisten ist die Umwelt geworden, wählend unbeschadet der Auseinandersetzungen mit der Umwelt das Problem des Zionismus die Auseinandersel/u 1g mit dem Judentum ist. Die Erkennt- 11 is der nicht jüdischen Beziehungen und Inhalte wird Gegenstand licbcvoFslcr Sorge, alsob diese und nicht unscre jüdischen Werte in Gefahr schwebten. Da wird festgestcllt, erkannt und abge'.chnt, die Distanzen zur Umgebung genau abgemessen, bis die negative Fixierung des Zionismus gelungen ist. im Vordergrund steht die klare, nüchterne Erkenntnis unserer menschlichen Mischung und die Würdigung aller vorvorhandenen Elemente in uns. Wenn aber neben der Ewigkeit Palästinas das Galuth ein Dauerzustand ist, der für uns unabsehbare Generationen imifailt, dann wird ein auf dein Erkennen des Seienden beruhender Zionismus sehr bald ein noch palästina-irenuleres Judentum hier fcststellcn können. Palästina lebt nach eigenen Gesetzen und entwickelt sich schnell. Palästina wird vielleicht schon in zehn Jahren so gewaltige Wandlungen durchgemacht haben, daß wir es wiederum vno iieum begreifen müssen. Selbst für Tsch'cnow, der alle Einzelheiten des palästinensischen Lebens kannte, war Palästina, das er mir fünf Jahre nicht gesehen hatte, eine neue jüdische Welt. Jedes Jahr bringt dort neue Strömungen hervor. Wir müssen daher mit dieser Ent- Wicklung’ Schritt halten, damit nicht ein jüdisches Palästina erwächst, das uns durch sein Fortschreiten fremder wird. Die Entwickelung Palästinas muH von einem starken paläMlnazcntiischcn Ga’uth bcg'eitct sein, Zionismus ist Bewegung, n'cht Sein. Wir sind Zionisten, weil wir im nationalen Sein bedroht sind und zur Nation werden wol'en, weil Zion nicht ist, sondern wird durch die Verstärkung der Kräfte des kämpfenden Judentums. Der Wil e, Nichtbcstehcndes zum Leben zu erwecken, macht den Zionismus zur lebendigen Macht in uns. Der Zionismus erzeugt in Palästina jüdisches Leben, also muß auch in Deutschland der jüdische Nationalismus inha’N 11י־ werden, um mit Palästina mit’eben zu können; Pal״i״ua spricht hebräisch, also müssen wir lernen, es in seiner Sprache zu verstehen, Palästina als Zentrum verliert jeden Sinn, wenn nicht gleichzeitig mit ihm ein jüdisches Diasporajudentum erwächst. Ausstrahlungca aus Palästina werden nur den erwärmen, der nach Palästina strebt. Palästina wird nur denen zum Zentrum, die sich zentripetal entwickeln. Ocsinnungen reidien allein nicht aus, um dauernde Beziehungen zu Palästina herzustellcn. Wir bleiben leer und auf die Dauer unbefriedigt, wenn es uns nicht gelingt, uns«, ren Nationalismus zu konkretisieren. Al'zu passiv habch sich die Zionisten in ihrer Arbeit bisher verhalten. Informiert sein und sich informieren lassen über die Tätigkeit der Leitung und die Beschäftigung mit der Parteiliteratur und Presse sind gewiß wichtige Be- Bchäftigungcn, die aber nur fruchtbar werden, wenn wir gleichzeitig durch eigene Arbeit vollere luden werden. Zwei Wege zur zionistischen Arbeit sind cingeschlagen worden: Jugendorganisationen haben versucht, nur.r.cliüefilich durch das״ Vertrauen auf die Kraft des Gcmelnschafts* lebens jüdische Werfe zu erzeugen. Inniger mcnachlieher Zusammenhang, eine neu,־ t-e:e Frciüie ־ehr. t, dis Erwecken aller sittlichen Kriiite wurden als ausreichende Grundlagen für die Entwicklung des jüdischen Menscheu erachtet. Das naive Vertrauen auf die Kraft des Gemeinselmftslebens setzt normale, gesicherte Lebeiisbcdingungen voraus. Das werdende Judentum bedarf bewulfter Führung und Beeinflussung. 111 dem Referat des Herrn! Schocken wurden dem Dclcgicrleii-Tag Vorschläge unterbreitet, die eine Konkrctisicrimg des jüdischen Nationalismus vorbereiten sollen. Grundsätzlich wichtig erscheinen mir zunächst folgciulc Maßnahmen: 1. Die Erweiterung der allgemeinen Theorie des Nationalismus durch die jüdische Auffassung vom jüdisclien Volke und vom Staate. Unser Denken ist bisher allzu sehr durch das Erkennen der Zusammenhänge mit gleichzeitigem weltgeschichtlichen Geschehen beeinflußt worden. Wir erschienen uns selbst vor allem als eine Erscheinungsform allgemeiner geschichtlicher Welten. Das Denken in nicht jüdischen Analogien hat uns oft dazu geführt, das spczilisch Jüdische allgcmeineu übcrgcord׳;..Ki1 Begriffen tiuteiv.uordncn, oder aus ihnen erwachsen zu lassen. Auf möglichst breite Grundläge seizlen wir als Schlußstein die jüdische Folgerung. Falsche Analogien haben verwirrend auf unser jiidisciies Lehen gewirkt. So gibt es z. B, zwischen dem cntschiede:111׳ jüdischen Nationalismus und dem Staatsgelühl in Wahrheit deshalb keine Zusammenstöße, weil es sich um zwei in verschiedenen Ebenen liegenden Werten bandelt. Für unsere Nation gelten andere Gesetze als für die Völker. Territorium, Leistungen des Geisics in Wissenschaft uml Technik (Gesetze, Vcr- Wallung, eiserne Brücken und steinerne Häuser, mit einem Wort vor allem aiißernieiisclilielie, formale Bc- Ziehungen) kennzeichnen die Einheit der Anderen, soziale Gemeinschaft, menschliche Vcrkiiüpftiieit, Schicksalsgemcinschaft im Jiöchstcn Sinne ist die Grundlage unseres Nationalismus. Der jüdische Nationalismus war schon vor Jahrtausenden fertig, der europäische bestellt erst seit wenigen Jahrzehnten. Unser Nationalismus begann damit, daß Moses eher sterben wollte als dulden, daß sein Volk zugrunde geht, Diesen Nationalismus formt das jüdische Sprichwort! ״Was wird sein mit Klal Jisrocl, wird sein mit Reb Jisrocl!“ Die Theorie des jüdischen Nationalismus beginnt mit der Liebe, die des westeuropäischen mit der Macht. — Schon die Bereicherung und Umformung unserer gedanklichen Begründung durch jüdische Anschauungen wird 1ms unseren Nationalismus gegenständlicher machen. Das nationale Denken der iilchtjüdisehen Umwelt verliert für uns natürlich iiiemals seine Bedeutung. Wir werden die Denker und Schöpfer des modernen Natioiialismus noch besser zu windigen verstellen, wenn wir sie nicht nur in der Gültigkeit der Allgemeinheiten, sondern auch in der Besonderheit ihrer nationalen Bedingthcil zu erkennen vermögen. 2. Das wirkliche Lernen wird uns reicher an Inhalten machen. Zu lernen sind zunächst zwei Dinge: die Bibel und die hebräische Sprache, Das Lisch der Bibel kann vieles ersetzen, was wir Theorie des Zionismus genannt haben. Die Methode muß erst gelehrt werden: die Bibel lesen wie ein Deutscher den Faust liest. IXr Unterricht muß die dünne Schicht, die uns am unmittelbaren Aufnehmern hindert, liinwcgräumcn; dann wird sie sich als größtes Erlebnis unseres Wesens offenbaren. Ohne Philologie und ohne literarhistorische Anmerkungen müssen wir künstlerisch und jüdisch eliifülircn und angeführt werden in dieses Buch. Wie' deutsche ׳Menschen ein Werk der deutschen Größe erleben. So erfassen wir unverlierbar, wie wir zum Volke wurden und wie wir ein Volk sind. Der wahre Zionismus wird dann Ereignis werden. Das Lesen der Bibel muß uns zur Grundlage eines gesteigerten Lernens unserer Geschichte werden. Hebräisch muß unablässig In Kursen und privat gelernt werden! Das wirkliche Lernen schafft wesenhaften Nationalismus. 3. Alle Schranken fallen lassen, die eine innige Berührung mit östlichen Zionisten hemmen. Wenn auch der Zionismus die östlichen Juden uniformen muß wie die westlichen, bis sie wahre ■Bürger des jüdischen Landes werden, so wird er dieses Werk an unvergleichlich mehr Juden im Osten zu vollbringen vermögen als an deutschen Zionisten. Wir bleiben eine geringe Zahl. Unser Lernen wird uns den Weg zu den Brüdern im Osten leichter finden lassen. 4. Deii Willen zur jüdischen Form immer wach halten, aber nie künstlich Innerlich Ucberwundcncs pflcgen. Besser formloser Expressionismus als öde imlt'ation. Formen jetloch, die .dein Einzelnen heilig sind, zum eigenartigen Symbol gestalten. Diese Versuche, unseren Nationalismus wesenhafter zu machen, sind augenscheinlich von anderer Art als die Tätigkeit, die man in Deutschland Oegcnwartsarbeit (Oalutharbeit) genannt hat. Bei dieser Oalutharbcit lag der Schwerpunkt auf der Beteiligung am allgemeinjüdischen Leben der deutschen Juden, vor allem durch sogenannte Gemeindepolitik. Die Konkretisierung des Nationalismus verlangt zunächst Arbeit an uns (Intensivierting unserer jüdischen Persönlichkeit). Jene Galutlinrbeit war eine Kette von politischen Kämpfen und Verständigungen, die uns ebensowenig jüdisch machen konnte wie die Teilnahme am äußeren Leben unserer Organisation; sie stand ferner begrifflich Im Oegensatz zur Pnlästinaarbcit; — die Arbeit an uns geschieht um Palästinas willen, Um zentripetal leben zu können, müssen wir das jüdische Leben im Oaluth schaffen. (Die Bedeutung jüdisch politischer Arbeit hier und vor allem im Osten wird durch diese Ausführungen selbstverständlich nicht berührt.) — — Es kommt heute darauf an, die notwendige Verknüpfung des zionistischen Lebens hier und ln Palästina zu zeigen. Mehr als bisher noch soll dadurch die Palästina Idee uns auszufüllen vermögen, daß es außer der fachlichen, der ständigen füdlichen Vorbereitung bedarf. Vielfach hat bisher dl« Anildit geherrscht, daß der Pnlästiiicnsisinus uns der Mühe, hier ein jüdisches Leben zu schaffen, enthebt. Nichtstuer rechtfcrtiVten ihren Quietismus ausdrücklich mit der Aussichtslosekeit jüdischer Arbeit außerhalb Palasimas. Ist «;er Zionismus aber die Frage aller ... Generationen dann . gibt es für uns nicht mehr die l;r.1ges»cl|.111g’ ob liier rin jüdisches Lehen geschaffen werden kann oijer nicht. Die Erkenntnis, daß wir es leben müssen.’ wird uns zu Leistlingen bringen, die wir bisher trotz aller guten Vorsätze nicht haben erzielen können. Schöpferisch werden wir hier gewiß niemals werden kömien, aber wir werden imstande sein, die 1,n״e;,l1ntc Jüdischer Leistling, die der schaffende («ist des jüdischen Palästinas erzeugen wird, als• jüdische Kultur zu empfangen» Bankier Wo 1 f f - Frankfurt a׳M schlägt vor sofort in die Diskussion des Referates von Blumenfehl ein/utroten. Das gleiche wünscht Zahnarzt Fabian- Dortmund. Dr. Pelz-Königsberg und Max Strauß-B׳rlin sprechen dagegen. Der von Wolff gestellte Antrag wird abgelehnt. Der zweite Referent, S. Schocken, hält sein Referat über ״Organisation und 111 h a Ft der zionistischen Arbeit in Deutsch- Und". Schochens Referat Vor dem Kriege schon hat man erkannt, daß unsere zionistische Arbeit in Deutschland neu ausgebaut werden muH. Während des Krieges ruhen wichtige Funktionen unserer Organisation. Es heißt nun für die Zeit nach dein Kriege neu aufbauen. Die gegenwärtigen Ereignisse iiben eine belebende Wirkung auf unsere Bewegung aus. •— Das zeigt sieh jetzt schon in Amerika. Ein ähnliches Erwachen wird in allen Ländern einsetzen und wir in Deutschland wissen, ohne daß ich im Einzelnen darauf hinziiwciscn brauche, daß sich bei •ms der Hoden für unsere Arbeit neu erschließt. Wir sind nun hier beisammen um zu beraten, wie wir unser(‘ Arbeit zu tun haben, Ucher das Ziel sind wir einig, lieber die Wege, die uns zu unserem Ziele führen, könnte manche Debatte gespart sein, wenn wir im Galuth lebenden Zionisten unser Leben /um. Ausgangspunkt unseres Tuns machen. Wir können einen weiten weg gemeinsam gehen ohne eine Differenz zu finden. Wenn wir deutschen Zionisten daran arbeiten, unser Sein jüdischer zu machen, schaffen wir den Untergrund, in dem unser Werk für die Juilenheit und für das Judentum ruhen muß. Der Zionismus Ft eine Werkgemeinschaft. Die Ar״ beit an der gleichen Aufgabe schließt uns zusammen. Die Wrrkßcmeinschaft ist die edelste Form der Menscheuvereinigung; sie hebt den Gleichklan); der Seelen und zerdrückt die im Menschen wirkenden Tendenzen zur Absplitterung und Eigcnhiö.lelH. Jemehr wir uns In unsere Werkgemeinschaft einstetlen, jcimiir gemeinsnme Arbeit unseren Tag lullt, desto mehr Einheit, Liebe lind Freude werden wir erleben, mul danken wollen wir dem Schicksal, das uns zersplitterte Mensehen in eine große Aufgabe eingestellt hat: eine Volkseinheit wollen wir neu aufbauen. Wenn uns auch alle gemeinhin nötigen, äußeren Mittel zu diesem Tun fehlen, sind wir doch froh der Arbeit. Unser llcr/hhit und unsere Sode sind uns. r Werkzeug und >•» bringt uns jeder SAritt, auch der kleinste, ein gut Stück vorwärts. Wir müssen nur wissen, daß nur die Schritte, die wir mit eigenen Füßen gehen, wirkliche Schritte sind; dann wird die fruehtbare, innere Ruhe, die zum Werke nötig ist, in uns sein und 'die kleinen eigenen Schritte werden für uns mclir bedeuten, ais ein überreiche, Füllhorn glücklieber Zufälligkeiten, das sieh über uns t!nd unsere Bewegung aiisschiittct. Ich will sagen: jeder kann nur da arbeiten, wo er sieht. Hat er ein hochhauendes Ziel, dann wird er seinen Weg auf das Ziel hinziirichtcu wissen, erspringen wird er es nicht können, erschleichen auch nicht, und, was Andere unter anderen Möglichkeiten Stehende für das gleiche Ziel tun, wird für ihn ein Geschenk sein, immer aber nur von sekundärem Wert bleiben. Die Nachricht von der glücklichen Entwickelung der Arbeit' Wird ihn freuen, wird ihm cm Ansporn sein, selbst Schritte zum Werke zu tun. Bleibt er aber ein stets Hin horchender nach guten Nachrichten von außen, so bleibt er beim Empfang von guten Nachrichten wie von schlechten ein hinhorcliemier, passiver Mensch der sich den Inhalt seiner Lebensfreude und seines Tuns erhorchen will, und in unserer Werkgemcinschaft bleibt der Bringer guter Nachrichten immer noch ein schlechter Bote, wenn die Nachricht, die er bringt, nicht einen Sinn hat: Den Hörer zur eigenen Arbeit um Werk zu bringen. Meine erste Aufgabe wäre cs heute den bestelicndcn Parteiaufbau durchzusprechen und in ihm zu *eigen, wo unsere Arbeit neu cinsctzen muß,*) Die Ortsgruppe ist der Ort unserer Arbeit: Was an zionistischem Leben nicht in den Ortsgruppen besteht bestellt gemeinhin überhaupt nicht. Das Ortsgruppenleben zu bereichern, daraufhin zielen alle meine Vorschläge. Man wird den Ortsgruppen^ einen wertvollen Stützpunkt geben, wenn man die jetzt schon bestehende Einrichtung der Gruppe riverbände von Grund auf erneuert. Die Oruppenverbiinde sind ein wesentlicher Bestandteil unseres organisatorischen Aufbaues. Die üruppenverband eitung hat die Veranstaltungen der Ortsgruppen zu beraten und zu überwachen. Das zionistische Leben aller Ortsgruppen eines Oruppenverbandes muß zu einer Einheit zusammenge» faßt werden. Manche Möglichkeit zur gemeinsamen Arbeit wird sich da zeigen. Ein Austausch der Kräfte von Ort zu Ort, durch den die schwachen Ortsgruppen gestützt werden, wird stattfinden können. Die Oruppenverbandsleitungen werden ihre wichtige Arbeit erst leisten können, wenn die Leitung der Landes- Organisation sich ihrer bei der Durchführung aller Organlsationsarbeitcn als Mittelglied bedient. *) Der Referent hat diesen Teil des Referates aus äußeren Gründen erheblich gekürzt und wind In einem Aufsatz, der in einer der nächsten Nummern der ״Jüdisclien Rundschau" abgedruckt werden soll, das We- •entliehe des hier Portgelasscnen nachholen. '