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Jüdische Rundschau · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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•s.,.-... .־tat it% * t Ki'% Redaktion und V״l״? Jüdische Rundschau, Berlin W. 15. Säd.«s«fco S'.raOe 8. ErvhXhährtMk2« חי־T flb0I]n?mAnt bc‘ ^f^P'dition und bei allen Postämtern v1cfte J־U '־ Mk> 2,25 111 Deutschland. ln Oesterreidi-Ungarn Mk. 2,50, im Ausland Mk. <!,— Nummer 1 I Berlin^den 51 Januar 1gJ^raSÄ־' /׳O /(! l etfplions Amt Uiiland 845, 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich ג K. K. Por.t;j1nrkar5ennmt Scheckkonto Nr. 156030. Anzeigen die sechsgespaltene Petitr.ri’o oder deren Raum 40 Pf. Tciicrungsr.usehlag ] 5"/״. Rednktionssdiluß Dienstag nachm. 1. Tebeth 5677 Ti־:״ fc*-■lim*1""!'* ־* * W וין■■!! P . llrfclMKffrwmUMMIaHmB I XXII• Jahrgang 1״Vf Auf dein Wege zum jüdisch-amerikanischen Kongreß Die erste Sitzung des vereinigten Kongreßkomitees New-York, 26. Dezember. Kabel. Das Vereinigte KongrelJkoinitee, welches die Repräsentanz der früheren Kon• greßbewegung darstellt und aus je siebzig .Mitgliedern beider Richtungen bestellt, hielt in New ■ York a!n 25. Dezember seine erste konstituierende Sitzung ab, deren Ergebnis einen wichtigen Sieg der ursprünglichen Kongreßpartei bedeutet. 111 die Kompetenz des Kongresses wurde der jüdische Wiederaufbau in den Kriegszonen (das große und nach dem Krieg in systematischer Weise wrzunduuende Hilfswerk für die Juden in den kriegführenden Ländern. Anni. d. Red.) einbezögen, indem die von Herrn Louis Marshai aufgestellte Forderung abgelehnt wurde, den jüdischen Wiederaufbau in den Kriegszonen dem Joint Distribution Committee (dem Verieilungskomitee der amerikanischen jüdischen Hilfsaktionen. Anm. d. Red.) vur/iibehalten. Bei den Wahlen der Exe* kmive wurden die leitenden Posten durch die Vertreier der früheren Kongreßpartei, Zionis'.cu und Nationalisten, besetzt. Zum permanenten Vorsitzen• den wurde der Zionist Nathan Strauß gewählt, zum Sekretär wurde ein Zionist, zum Schatzmeister ein Nationalist gewählt. Nur ein Antiualbmalist ist 1111• ler den gewählten Vizepräsidenten. Die Nachricht über die erste Sitzung des Ver• einigten Kongreßkomitees in Amerika, darf mit Oei1!!gtuu11g Ixgrüßt werden. Sie beweist, daß die Hoffnungen berechtigt waren, die auf die Bewegnng zur Einberufung eines jüdisch-amerikanischen Kongresses gesetzt wurden. Die Kon grell 1k־ wogimg hat io ihrer Oesehiclite s(’«rke Kämpfe zu v ei zeichnen, die die Aufmerksamkeit der jüdischen •t )•effciitlichknt in der ganzen Weit gefunden nahen. Diese Kample wurden auf der einen Seite von den Vertretern der ursprünglichen Kongreßhewegung geiührt, welche eine demokratische Repräsentanz degesamten amerikanischen Judentums scliaffeil und durch sie das durch die Kriegsereignisse so .sehr in Mitleidenschaft gezogene jüdische Oeschick von berufener Stelle aus beeinflussen woll- 1en. Auf der anderen Seite standen die Vorkämpfer der sogenannten Konfereiizheweguug, welche die gesamte von! amerikanischen Judentum zu leistende Arbeit in die Hände der kleinen Gruppe gelegt haben wollte, die traditionsgemäß die Führung der bestellenden Hilfsorganisationen innehat. Der Kampf zwischen der Konfcrcnzbcwegung und der Koiigreßbcwcgung führte zu einem immer stärkeren Anwachsen der Kongreßbcwegung, die 111 ihrem F ührer Bundcsoberricbter Louis D. Braudeis eine außerordentlich überragende , Repräsentanz gefunden hatte. l>er Erfolg der Kongreßbe• weguiig bestimmte die Vertreter der Konferenzidee zu Verhandlungen, die mit einem Kompromißvor• •1111:1g cndelen. Der Kompromiß verschlag mußte den Anhängern der Kongrcllbewcgimg durch ein Referendum zur Aiuialmie vorgelegt werden, wurde aller wegen einiger allzu groß erscheinender Kon- Zessionen von diesen abgelehnt. Es kam nun auf *!rund des Ergebnisses des Referendums zu neuen Verhandlungen, und diese Verhandlungen führten 11׳ einer voiMändigen Einigung der beiden Rieh- Hingen, die sieh zu einem vereinigten Kongreßkomitce Zusammenschlüssen und in dieses siebzig Mitglieder entsandten. Dieses vereinigte Kongreßkoimh'e i-t die unlxsti itteue Repräscutanz des anie- : ikaiiivelieii Judentums und wird ah solche in der!lachsien mul weiteren Zukunlt ״ruße Aufgaben zu erlYilleii 1 iahen, deren politische Iragweite für die l äge des jüdischen Volkes ohne weiteres klar M. 1 > bestellt kein Zweifel daran, daß!las vei■ eiiiigu Koiigiellkoniitce ah die Repräsentanz de- .liiien k a iiis!'Ih.׳ii Judentums verstehen wird. sM! «Iiirrli/u-ct/eii Bevor die erste Sitzung des \ ei - •.,11 .!!;,וווו Kon. lelikonutees stattfaiicl^ wurde noch .■ ׳, 1111.101׳in Versuch gemacht, die Kompetenz de» Kongivßkoiiiihcs ein/uscliiänkeii, aher^die dahingellenden Vorschläge von Herrn üskar Strauß, dem 1uilieri ii;mie.jk'iiiiselH'fi Boischaftei in Kui1»t mti uopei w unien von Herrn Jakob Sehiil. dein ויי- ״Der Zionismus erstrebt für dat Jüdiacho Volk die Schaffung eine? C.TcnSlSch-rcchülcl» ßctkhcrien Heimstätte in Palästina«" Baseler Proßramiri. gentlicheii Führer der Konferenzgruppe, mißbilligt und verworfen, der erklärte, das Kongreßkomitec, welches nunmehr zusammeimitretcn habe, habe seine Aufgabe zugewiesen erhalten und dürfe in seiner Kompetenz, nicht beeinträchtigt werden. Nunmehr hat, die erste Sitzung des vereinigten Kongrcßkomitees stattgcfiuulcn und ihr Ergebnis bedeutet, wie das Kabd'.elegramm hervorhebt, eineu wichtigen Sieg der ursprünglichen Kongreßbewegtmg. Dies kommt zunächst darin zum Ausdruck, daß eine Forderung von Herrn Louis Marshnl abgelehnt wurde, die ähnlich wie die ctAvälimtc Forderung von Oskar Strauß, eines der wichtigsteil Arbeitsgebiete, das für die Zukunft unschätzbare Bedeutung bekommen wird, den ״jüdischen Wiederaufbau in den Kriegszonen“ der Kompetenz des Kongresses entziehen und dem Joint Distribution Committee Vorbehalten wollte, das zwar auch die Vertreter der zionistischen Organisation, der jüdisch-nationalen und sozialistischen Gruppen utnfaßt, aber doch nicht auf Grundlage umfassender demokratischer Wahlen zusammengesetzt ist. Durch die Ablehnung die ■ver Forderung wurde der repräsentative Charakter des Kongrcßkomitees nochmals offiziell festgestelll. Charakteristisch ist das Ergebnis der Wahlen, an denen ja auch die siebzig Vertreter der ehemaligen Konfcrenzbfcwbgung teilgeiiommen haben. Zum ersten Mal sind tatsächlich die breitesten S,-luchten des jüdischen Volkes in organisierter Form zu Wort gekommen und sie haben sich für die nationale Richtung entschieden. Der permanente Vorsitzende des Kongreßkomitecs ist Herr Nathan Strauß, der Ix־- kannte Rliilanthrop, geworden, der eine der füllieiuk'0 l’ersbiiiicltkviicn de» amerikanischen Zioaisimis ist. Mit .Spannung werden weitere Nachrichten über den Fortgang der jüdischen Kongreßbcwegung erwartet werden. Die Nachricht über die konstituierende Sitzung des vereinigten Kongrcßkomitees ist viclverhcißcnd. Die stärkste Hoffnung ruht darin, daß die nun einmal hcrgestelltc Einheit des amerikanischen Judentums nicht mehr zerstört werden wird. Sie ist ein starkes Unterpfand für die Hoffnungen des gesamten Judentums. Bericht über den außerordentlichen Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland (25. und 26. Dezember 1016) Vormittagssitzung vom Montag, den 25. Dezember Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Hantke, eröffnet die Verhandlungen um 10 Uhr vormittags und erstattet den bereits in der vorigen Nummer der Jüdischcn Rundschau veröffentlichten Rechen Schaftsbericht. Danach hält Herr Justizrat Dr. Boden• 11 e i in e r die loigcndc Gedenkrede: Gedenkrede des Justizrats Dr. Bodenhclmer. lieber zwei Jahre sind seit dem T<׳de unsere- F ihn rs David Wolffsohn verflossen. Ecr schreckliche Weitkrieg, der über Europa wütet, hat die deutschen Zionisten verhindert, zu einer Tagung z.usanimenzu!roten. Erst heute ist also die Zelt mul liier der Ort, wo die Zionistische Vereinigung'für Deutschland der Klage für den Hingeschiedenen Ausdruck geben kann. Aber aucn beule können wir die Lebensarbeit WoHfsohtis mir in gedrängter Kürze würdigen. Sein Bild stell! klar und deutlich vor unseren Augen. Kein größerer Ck׳censatz ist zu denken, als seine kraftvolle Gestalt und die Vorstellung von Siechtum und Tod. Wieviele aber auch der '1 odesengcl iiiedorgemiiht hat, der mit rauschender Sense über die Länder Europas zieht, wie »ehr unser (iel'ülil gegen Leid mul Sehmer׳ abgestumpft is! »clunerzt 1ms «loch von neuem die Wunde, die das Scheiden Wolffsoluu in unsere Herzen gerissen. Sein grüble י Lob verkünde ich, wenn ich sage, daß er lins allen, persönlich nahe stmid. Sem tmvcr-iegh.1rcr Humor, sein liel'feii ler Wilz gepa.irl mit einer grollen < tiiie, «In ans »len hellen Augen strahlte, erlulltc seine l :iiigclmu;.’ mit Heiter seil 011 I Froh• sinn,.. Wir folgten seiner Führung gern, wem« -0111 energischer Wi.ie gezwungen War, ' mit Strenge Fordenmgeu zu stellen oder zu weigern. Bitter war cs -.eeiin■ wir im Meiuungskampf gegen ihn auftrctcii An! -Iren,;stell w.tt!^^7wiTTvjgdi sellwt, am ei -ich. i/WoB/M'1 vE'ilic .*einet uns ׳ imii'ii*•!, IIK |.H II vcl'-.l:. Kraft und Zeit dem Ideal widmete, dessen Fahnen wir folgen. Vorbildlich war er uns durch seine Treue und Fälligkeit, sich dem Ganzen unterzuordnen. Die meisten der jetzigen Generation kannten ihn a's Führer von ausgesprochener 1 ierrschernatur. Wir Aelteren haben ihn aber als menschlich vertrauten Freund, als treuen Diener 1 lerzls kennen gelernt, dem kein Dienst zu gering, keine Mühe zu groß war, um sie zu leisten. Wohl machte er seine eigene Meinung mit Nachdruck geltend, wenn aber die Führer sich anders entschieden, hatten, folgte er unbedingt. So war er auch mir ein treuer Genosse, solange icli die Führung der deutschen, Zionisten in Händen hatte. Selbstlos und bescheiden, hielt er sich im Hintergrund, bis ihn der Wille des jüdischen, Volkes an die Spitze der zionistischen Bewegung berief. ALs einen der edelsten und tüchtigsten, der Führer des jüdischen Volkes wollen wir ihn. ehren. Stolz aber sind wir deutschen Zionisten, darauf, daß er zu den uusrigen zählte und in unserer Mitte wirkte. Noch eines anderen tapferen Zionistenfülircrs gedenken wir heute in Wehmut und Trauer: Dr. Jeremias aus Posen. Noch sehe ich diesen treuen Gesinnungsgenossen vor mir, wie er auf dem Zionistenkongreß in Basel laute bittere Klage über den langsamen Fortschritt unserer Sache in Deutschland erhob. Seiner glühenden Begeisterung war unser Waclistum nicht schnell genug. Seine Hoffnungen heischten rasche Erfüllung. Fast scheint cs, als ob er das schwere Siechtum ahnte, daß ihn, ergreifen und seine Kraft allzufrüh lähmen sollte. Während seines langen Schmerzenlagers war er stets mit Herz und Sinn bei unserem Werk. Mitten im Weltkrieg hat ihn das unerbittliche Scliieksal hinweggerafft. Eine edle Frau nenne ich, deren Heimgang wir beklagen. Frau Hermann Schapira die Gat Li eines unserer ersten Führer, die, dem Vermächtnis ihres Mannes getreu, Lire Lebensarbeit dein Streben nach Erez Israel widmete. Sie erreichte ihr Ziel, um in Jerusalem im Kampf mit einer tückischen Seuche zu erliegen. Noch viele andere haben, wir zu beklagen, die ich nicht nennen will, die Liste wäre zu lang; ticue Diener am Uchte, haben sie mit Eifer nach unseren Zielen gestrebt. Was aber soll ich sagen, wenn ich all der i'oten gedenke, die der Moloch des Krieges als Opfer gefordert. In freudigem Drang, vaterländischen Gefühls stellten sicli viele Hunderte unserer Gesinnungsgenossen freiwillig zu den Fahnen. So konnten sie durch die Tat beweisen, daß Zionismus und Vaterlandsliebe sicli nicht im Wege stellen,. Alle aber, welche die Pflicht rief, haben sie treu lieh erfüllt. Mehr als 20i> unserer Mitglieder sind als Helden auf dem Schlachtfelde gefallen - - ein, übergroßer Teil unserer kleinen Gefolgsebaft. — Wir denken ihrer mit Stolz und mit Trauer. Ein grimmiger Schmerz erfüllt uns aber bei dem Gedanken, alle Hingabe dieses jungen Blutes kann nicht verhindern, daß von neuem die Drachensaat de* Judenhasses aufgeht im.l Bosheit, Neid und Haß sich in den Kulturländern des Westens mit den verruchtcn Quälgeistern des Zarismus vereinigen konnten, um das Jtulenvolk wieder zu knechten und zu peinigen. Wieviele zehntausend«: unserer Brüder deckt das Orab des Schlaehtfc'des! Noch ist n cht die Zeit gekommen, all die Not und das Elend und die Seclcnschmcrzeu zu schildern, die dieser Krieg über das jüdische Volk gebracht. Lin Trost wäre uns, wenn wenigstens «las deutsche Vaterland Ge eclitigkeit gegen 1ms walten ließe. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgelten und «las Vertrauen nicht verlieren, daß eine Minderheit anderen Stammes auch in Deulsch and Schutz ihrer berechtigten Eigenart finden wird, und daß im Osten, wo jüdische Massen wohnen, ihre Rechte auf Seih; thestimmtmg ihrer Schule «in 1 Sprache gleich den amleren Nntlonaiit iicn zu Teil werden möge. Aber wie ein Menetekel mögen die Scäicksalswortc dieses Krieges «lein jüdischen Vo'ke vor Augen leocli.en: ,,Ihr habt keine Rulie, ihr habt keine Ehre, ihr habt kein Recht und ihr halt! kein Heim, solange ihr euch nicht in allen Landern der Erde unter einem Ban״Jr vereinigt, welches licillt: Freiheit, Volkstum und Väter-, erde, Ader «ler loten wollen wir in dankbarer Erinnerung gedenken, die fnr dieses holle Ziel gestritten linken. (Dii Versammlung erlicht sieh) Ich danke Ihnen, daß Sie sielt ׳um /ncaen Ihrer Irauer von lliitn Plätzen erhöhen haben. I »ar.tul wird zur Wald del'i.i-idluuige «׳hiitten. Bankier Wo I 1 1 -!-ranklnri a. M, s.h'ägt «1,1■ Wahl bdgeinler Ihr.eit in das!,ra.-idetm vo : V.nsit/vinlei Di. Aithu 1 11 a 111 k c Berlin, stellvertretende Vorsitzende Dr. Alfred Klee, justizrat Dr. Boden• h e i in 1• r, Dr. Walter Stein, Dr. Marlin B 11 bei, Beisitzer l.äluard Joel. Gustav S c 11 w a b e , Dr. C 11 a ־ nutzer Zahnarzt Schachtel. Der An: rag vvml einstimmig angemuiimeii Iheraul c,Mattet . . Kurt B I 11 in e 11 I 1■ 111 da. Referat übel 1 /״ o u i s t 1 s C 11 g G C - g e 11 v a r l » a 1 1> «־ i 1 *• Angofartlgt Im Auftrag dat ElgtnlQmart gomlS dtn Daillmmungon dar || M, 14 UrhQ vom ». t. 1«M

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