Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1917)
- Date
- 1917-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652026-2652072--11366-2668682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 48 Seite 387! t b 11 n t h K 11 *. n (־!1 •« »• ,e 11 II » 11 <t t* tt;ft 1• 1• rr t* i. r t» n i- P tn tt fr tt!» •r ׳0 * n• v tu j j U E ülbL Si!•: n U N 1 ח>C H AU Die Judenfrage im österreichischen Parlament Eine Erklärung Dr. Strauchcrs tu der 36, Sitzung des österreichischen Abgeordneten• hauses vom 5. November, in der die Abgeordneten der verschiedenen Parteien Stellung zur polnischen Frage nahmen, gab der zionistische Abgeordnete l>r. Heimo St rau eli er eine Erklärung ab, In der er auf die Gcfahren liinwics, die den galizisdien und bukowiuaer Juden bei einer Vereinigung Galiziens und der Bukowina mit dem Königreich Polen drohen würden. Die Erklärung Dr. Strauchcrs hatte ungcüihr lolgendei! Wortlaut: Itohes Haus! Ich erachte es für meine Pflicht, ו in dieser hochwichtigen politischen Frage eine kurze | Erklärung abzugcben, eine Erklärung vom Standpunkte I des Oesterreich! rs, des Biikowinacrs und vom jüdischen 1 Standpunkte. Was diese meine Stellungnahme betrifft, | so möchte ich betonen, dali während des ganzen Verj laufe-, des gegenwärtigen Krieges die Judciischatt nicht * nur Polens, sondern auch die europäische und auitcrcuropiiisclie Judenschaft, insbesondere aber jene in Nord• amerika, die Befreiung der Polen vom russisdi-zaiischen Joctii! iiikI die Wiederherstellung des polnischen Slaalcs ■ begriißl und mit allen Mitteln gefördert 11,1t. Allerdings י wurde dabei dem liefen Schmerze darüber Ausdruck gc• * . geben, dali seit längerer Zeit sowohl in Russisch-Polen ' wie «lieht minder i« Galizien ein geradezu bien- 11 c 114 c r A 111 i s c in i 1 i s m 11 s sich geltend gemacht ' und um sich gegriffen hat und dali cs keineswegs im י Interesse des polnischen Volkes gelegen sei, die Juden• Schaft, die ihr durch Jahrhunderte freundschaftlich, hin• י gcbuitgsvoil und fördernd zur Seite stand, derart feind• f lieh;1! behandeln. (Abgeordneter Dr. Anger mann: j Das ist nicht wahr!) Was ich sage, ist wahr, ist Tatsache. Leider gewährt mir die heutige Debatte nicht 1 die hinreichende Zeit, alle jene Tatsachen vorzuführen, \ die meine Behauptungen unwiderleglich beweisen würden! ln dem Augenblick, da sich die polnische Nation ,ווו schickt — was wir ihr alle vom Herzen wünschen — für sich die Freiheit mul die staatliche Selbständigkeit zu erringen, in demselben Augenblick, da beispielsweise in der Ukmina die Judenschaft als eine selbständige, gleichberechtigte Nationalität anerkannt wird und ihr die Rechte einer solchen cingeniiimt wurden (Zustim• ' iming), können wir an das polnische Volk, ein so grobes Kulturvolk, ein Volk von so groller historischer Ver■ ' gangeiiheil, gleichfalls die Forderung stellen, dali die Juden als g I c i c 11 he re c 111 ig t e Nation im Verbände des Königreiches Polen micrkaimt werden. Das eigene Interesse 11 cs polnischen Volkes diktiert dies.; Meine Herren! 1111 Königreich Polen wohnen min•! destens 12 Ws 15 Prozent Juden in einer Zahl von weit über 2J/2 Millionen und ich erkläre Urnen, dali ,f sowohl aus jenen Gebieten wie auch aus Galizien bittere Klagen und Beschwerden über Verfolgungen, Unter- ■ *י drücfciiiigcn und kdiukcmlc Zurücksetzungen sowie Ökonoiniselics Elend cingelieii, denen die Judciiseli.itl dort 'misgcsct/t ist. (Abgeordneter Dr. A 11 g e r 111 a 1111: Das ist nicht wahr!) IHirch die Zwischenbemerkung ״Das ist nicht wahr!" haben Sie nicht■; widerlegt, lieber die an zuständigen Stellen vorgchiachteii Beschwerden sind Erhebungen durcligelülirt worden, die die vollste Riehtigkeit der vnrgcbrachtcii Beschwerden erwiesen haben. Es liegt mir gewill lerne, irgend welche tendenziöse , oder unbegründete Anschuldigungen im Pariament gegen das mir sympathische polnische Volk zu erheben; da■; will ich absolut nicht, fin Gegenteil, ich weil) mich , davon frei, schon deshalb, weil ich und meine Partei in der Bukowina gerade mit der polnischen Uevölj kerung intime politische Beziehungen unterhalten und ״ mit Unterstützung der anderen l.andcsparteien vieles getan haben, damit die polnische Bevölkerung in Stadt , ‘ und Land zu den ihr gebührenden Rechten gelange, t ׳ (Zustimmung.) liier sielten meine Kollegen aus der 1 Bukowina, die meine Behauptung vollinhaltlich bestä• 1 tigen werden,!).mini habe ich ein Recht, der polnischen ■ j Nation in diesem feierlichen Momente, da ihre Staat• , I liehe Selbständigkeit anerkannt und der polnische Staat | \ errichtet werden soll, dringend nahe/ulegen, die Frei- ■ i heil, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Rechtsgleichheit; i auch der jüdischen Bevölkerung Polens und Gaii/iens im j vollsten Malle angc־deil1cn zu lassen. I Ein׳ die Bukowina ist es vom ethnographischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Standpunkte gerade/» eine Lebensfrage, dali sie nach wie vor als ein selbständiges Kroiilnml im Vorhände der österreichischen Monarchie verbleibe, Der Kronlmuischarakter darf ihr absolut nicht genommen weiden. (Zustimmung.) Verstiebe, die Bukowina an Galizien an/uschwcdk'ii, sind ja schon wiederholt gemacht worden, sic scheiterten aber immer wieder schon nach kurzer Zeit.,. Die , Bukowina bietet in ihrem engen Gebiete ei» Beispiel glücklicher Lösung der nationalen Streitigkeiten, wie sic in Oesterreich bisher versucht, aber doch nicht ' dnreligdiilirt worden ist. Die Lumlesvcrlrcttiiig in der > Bukowina beruht auf dein nationalen Kataster: wir 1 liaheti einen rumänischen Kataster, einen ruthcnischen oder ukrainischen Kataster, eine!! deutschen, polnischen und «inen jüdischen Kataster; alle Nationalitäten haben ihre eigenen Volksvertreter:־ demnächst ist auch der Landesausscliull zusammengesetzt. All das ist den Be-׳ mühtingen der po’i: ischen Parteien des Landes zu verdanken. Alle po:i.i-tlu-11, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen werden einvernehmlich beraten, cinvcrnchmlich : behandelt und einvernehmlich gelöst. So ist der nationale ־ und konfessionelle Friede in der Bukowina bisher nicht wesentlich gestört worden; von kleinen Friktionen ab■ gesehnt, besteht der nationale mul politische Friede im Lande..ktHört, Bravo!) Und nun frage ich: Warum soll dieses Land heute seine autonome Selbständigkeit verlictett imd an Galizien nngegliedert werden? Ich weiß nicht, meine Herren, ob das von den verehrten Herren Polen oder von einer anderen Seite aiijgcArebtwird. (Verneinende Zwischenrufe!) Ich nehme Ihre Vcriteitmngen zur Kenntnis, daß Sic das ״!)!ebnen; wir wünschen nichts sehnlicher, ab daß der statu״, cpio erhalten bleibe, das heißt, daß der Kronlniuh'.charaktcr der Bukowina in seiner bisherigen selbständigen, das heißt reiclisumnittci• luireii Stellung gewahrt bleibt. (Zustimmung.) •— Wir Juden in <1«r Bukowina, die wir tut unentwegt staatstreues Element sind, haben wohl ein gutes Recht, zu verlangen, daß endlich auch unsere nationale Indivitiuaiiiiil anerkannt werde. Die Zeiten sind längst vorüber, da in der Judenschalt lediglich eine konfessionelle Gemeinschaft erblickt' wurde. Die Juden sind ein eigener Voiksstamm und verlangen als solcher auf Grund des Artikels KJ des Staats• gniiidgeset/cs auch die volle Anerkennung der jüdischen Nationalität. Die Regierung muß mit dem veralteten Systein brechen, daß sie die Juden gewissermaßen zum beliebigen Amtsgcbrauehe anderer Nationalitäten ausliefert, lieber den Kopf der Juden hinweg, gegen ihren Willen, ja, ohne sie aiizuhörcu, unter MilSidilung ihres Si'lbsthestimiiimigsrcclitcs, wird über ihr Schicksal entschieden. Dagegen lehnt und bäumt sich das gesamte Judentum auf. Und wenn Sic in Galizien nicht die berechtigte große jüdische Opposition hören, die zu Worte kommt, so weiß man cs ganz genau in der Oeffentliciikeit, wie die Leute mundtot gemacht werden, unter welchen Pressionen, unter welchem Druck sic beispielsweisc zur Wahlurne schreiten, wie sie im ganzen üf!entliehen und sozialen Leben behandelt werden. Lassen Sie einmal, meine Herren, vollständig freie, unbeeinflußte Wahlen mache«, lassen Sk der Judenschaft das ihr geböhrende Sclbstbestimmungsrccht und sie werden zu Ihrem und zum Heile der Judenschaft die Erfahrung machen, wie sehr meine Ausführungen begründet sind und welches nützliche und Ihnen befreundete Element Sie in den Juden Galiziens gewinnen werden. (Ilörti) Emanzipieren Sie in Wahrheit das jüdische Volk Ga* lizieus, ja Oesterreichs! 111 keinem Land« der Monarchic herrscht ein so erschreckendes wirtschaftliches Elend wie unter der Judenschaft Galiziens. Ich berufe mich da auf einen der hervorragendsten Kenner der wirf• schaltlichcn, sozialen und kulturellen Verhältnisse des Landes Galizien, auf den ehemaligen Abgeordneten Szcc• n «uoevski, der in seiner ausgezeichnete!« Studie ״Das Elend Galiziens in Ziffern" ein erschütterndes, düsteres Bild von dem wirtschaftlichen Elend der Juden in Galizieii entrollt hat. Was dort an grausen Bildern schreckhellster Not, des Elends, des Jammers und der Ernicdrigmig in den jüdischen Prolctaricrkreisen geschildert wird, übersteigt alles, was bisher liier im Haus« vorgebraeht worden ist. Die!.a/zaroiii in Italien und die Proletarier in den elendsten Bezirken Londons sind Krösusse gegen■ über dem jüdischen Proletariat in Galizien. Und ich erinnere׳ Sie, daß im galizisdien Landtag ... Hcrr.Kollegn Dr, Steinhaus lächelt, Wenn Sie zu diesen Ausfiihrtmgen liiehcln können, dann haben Sie kein Mitgefühl mit Ihren jüdischen Stainmesgcnossvii iu Upii/ien, Im (:.1׳li/i׳cheM Landtag hat auch Abgeordneter Dr, Löwen• stein diese• Frage vor einigen Jahren aufgerollt Und mau lud auf (iritntl seiner Anträge eine Enquete eiligescl/l. Das Ergebnis dieser Enquete ist bis zum heutigen Inge gleich Null Und Abhilfe ist nicht geschaffen worde n. Gelien Sie den Leuten Ihr Seibstbestininmngsrcdit, ihre Autonomie und sie worden für ihre Stauiiucsgenosscn smgeu. Sie selbst anerkennen in ihren eigenen Reihen die Juden nicht als Polen, Hier stellt Ihr Kollege I>r. B .111 a s. Er wird sieh erinnern, daß er erst kürzlich hier ausdrücklich gesagt hat: ״Die Juden sind keine Polen". Das hat Herr Kollege Dr, Rauas liier erklärt und ich habe das zur Kenntnis genommen. Es war in meiner Gegenwart, Herr Dr. Ofner war zugegen. (Ab geoidnctcr Dr. Bauns: Ich habe von der Statistik gesproehen!) Ich kenne• Ihren Antrag auf statistische Erlicbimgcii, betreffend die Beteiligung der Juden im Heere. Wir wünschen, dali diese Statistik durchgcfülirt wüst, wir wünschen nichts sehnlicher, damit Sie zu der Ueberzeuguug kommen, daß Ihre Behauptungen über die Eiit/k'liinig der Juden von« Milil.'irdieiist völlig utt* richtig sind, ebenso wie jene unrichtigen gehässigen Ausführungen des Herrn Kollegen Witos, gegen die leider die Juden des Po 11• n k 111 bs nicht Stellung genommen haben .,, Der Jude isl seiner Nationalität nach Jude und Sie selbst wisse«: Jud bleibt Jitd! (ileiterkeil,) Gau/, gewill, wir schämen uns dessen nicht. Männlich offen bi keuiieu wir uns zu inisereiii Volke. Meine Herren, das ist durchaus kein Stoff zu humoristischen BegleitcrMheimiugcn. (Abgeordneter Modrrtcek: Keinen Selniaps soll er verkaufen!) Von einem* S o z i a I d cmoUratcn eine» solchen Zwischenruf 7.1! hören, habe ich nicht erwartet; er zeigt, daß der Zwisdieuritter keine Kenntnis von der wahren Sachlage besitzt. Aber ich werde Ihnen etwas sagen; Sie kennen das Land Oali/ien gar meid, Fragen Sic, was der jüdische Schanker war? Er war nichts :1 mit• res, als der Inkassant des Grollgnmdbesitzcrs, der Grafen und Fürsten. Her arme jud hat geschuftet von früh bis spät in die Nacht, hat einen riesigen Pachtzins gezahlt ttml war der-Bediente oder Ausbeuter für die Grafen und Flirrten I... Das Merkwürdige ist, daß die' jüdischen Mitglieder des Poienkitibs, wen» es sieh dämm bandelt, schöne Reden zu baiten, immer anerkennen, daß das Judentum ein Volk ist, wenn es aber zu Bekenntnisse« im politischen Leben, zu den Konsequenzen kommt, dann au! einmal weiß man .es nicht. (Abgeordneter Svejk: ״Man braucht ihr Geld!",) Ja, nur für Geld und ihre Stimmen, da sind die ״geschätzten“, ״lieben", ״verehrten“ MitbürgerI... Wir Juden verlangen nicht mehr, als was die Verfassung »111s gewährleistet und die geltenden Gesetze 1ms citträumeu. Lassen Sie auch die Juden sich in ihrer Eigenart ausleben, geben Sie ihnen ihre nationale Würde, ihre Freiheit und Gleichberechtigung, aber im Wahrsten Sinne, wie wir dies liier immer von allen Seiten hören. Im Hause zerfließt jeder Redner von Wohlwollen, Gercchtigkei', Freiheit und Brüderlichkeit für sich und alle Nationen — für die unterdrückten Juden aber erhebt sich keine Stimme; und wenn dies dennoch geschieht, so machen Sie, meine Herren, Ihre höhnischen Reinerkungcr. dabei. Aiyiu die Juden sind ein altes Kulturvolk und sic fordern jetzt und iu Zukunft die Anerkennung ihrer Nationalität und Rechtsgleichheit, und zwar als Volk wie auch für die einzelnen. (Abgeordneter Heine: In Palästina!) Herr Heine, Sie haben diesen Zwischenruf gemacht: ״nach Palästina‘. Es ist gut, daß man das im Protokolle vermerkt findet, iienn bei Ihrer Wald brauchen Sie wohl jüdische Stimmen, da schicken Sic die Juden nicht nach Palästina! (Hörtl) Sie sollen dies noch verantworten! Ich appelliere, meine I lerren, an Ihren Rechtlichkeit»• sinn, ich appelliere an Sie als Vertreter Ihrer Völker, daß Sie, wenn Sie für Ihr Volk national empfinden, verstehen mögen, daß auch ein anderer für sein Volk, für sein bedrücktes Judentum national empfindet. (Beifall.) Die Jtdcnfragc im Lecker Stadlrat Am 13. November fand im Lodzcr Stadt rat die Debatte über die jüdisch-polnische Frage, die sich an* läßlich der Budgetdebatte entwickelt batte und sich über einige Sitzungen des Stndtratcs erstreckte, ihren Höhepunkt und Abschluß. Nachdem schon in der Sitzung vom 31. Oktober drei jüdische Ratmiinncr, der Zionist Dr. Roscnblatt, der Poale Zionist Ho Ion• d c r s k y und der Biindist Lichtcnstcin, in län• gereu Reden die jüdischen Rechte vertreten hatten, waf cs in der darauffolgenden Sitzung am 7. Oktober zu heftigen Zusammenstößen ׳gekommen, indem die pol* uisclien Ratmänncr Szewski und Professor Rcmi• , szewski gegen die Rechte der jidischcn Sprache auftraten, während die jüdischen Ratmänncr Lichten• stein und Ing. Rußak sowie der polnische Arbeiter- Vertreter Gralak (linker P. S, S.) die jidische Sprache gegen die gemachten Angriffe verteidigten. In der Sitzung vom 13. November löste die aufreizende antisemitische Rede des getauften radikaldemokratischen Ratmmins Faterson, der die jidische Sprache durch karrikieri« ״Beispiele“ unter dem großen Beifall der polnischen Ratmänncr lächerlich zu machen versuchte, den heiligsten Protest aller jüdischen Ratmänncr, mit Ausnahme des Lehrers Sch we i zc r, aus. Von nationaljüdisclicr Seite traten gegen diese Rede Fatcrsons, die unter dem Eindruck der auf der zionistischen Konferenz in Warschau. gefaßten Resolutionen stand und scharte Angriffe gegen diese Resolutionen und gegen den Zionismus enthielt der poalczionistischc Rntmauu Dr. Rosen zweig und der Ziouist Dr. Roscnblatt auf. Dr. Rosenzweig betonte, daß die jidische Sprache nicht nur, wie Ratniann Szewsky behauptet hatte, die Sprache der jüdischen Bonrgoisie, sondern auch die der jüdischen Arbeiter sei. Er machte auf die Inkonsequenz aufmerksam, die jene polnischen Sozialisten begehen, die der jidischcn Sprache den Kampf erklären, während sie doch als Demokraten die Freiheit aller Völker wünschen müßten. Eine eindrucksvolle und politisch bemerkenswerte Rede hielt Dr. Roscnblatt. Er wandte sich nicht nur gegen die scharfen Angriffe Fatersons auf die jidische Sprache, sondern beleuchtete auch die Stellung der Jude« iu dem befreiten Polen überhaupt. Zunächst wandte sich Dr. Roscnblatt gegen die Beschuldigung, daß die zionislisehen Aktionen in Polen von den deutschen Zionisten inspiriert würden. In Polen, so führte Dr. Roscnblatt ungefähr aus, haben in den letzten Jahren verschiedene |>oliii;chc Grien• ticrungcu geherrscht und bei jeder Orientierung bat man den Juden ähnliche Beschuldigungen gemacht. Im Antang des Krieges hat in Polen die russische Orientierung geherrscht. Da kam cs zu Pogromen, zu Mord imd Totschlag gegen die Jude n, weil mau von der anderen Seile den Russen zugeir.igeii hat, daß die Juden deutsche Spione seien. Man hat sngar behauplet, dali die Juden it! ihren Barten und Srhlüicnlocken Te ephone ver• steckten, durch die sie sich mit den!kutschen ver• ständigen.. Als der Redner damals die Stadt O ro d z i $ k besuchte■ und die schrecklichen Zerstörungen, die bei den Juden ungerichtet worden waren, gesehen hat, fragte er einen Bauern: ״Wer ist Schuld daran?“ lief Bauer antwortete'darauf: ״Audi bei uns gibt es wilde Tiere, wie bei allen anderen Völkern . . Nur die polnische (iel-.Uiehkeit •J1al sich der Juden angenommen. Jetzt hat sieh Sit11.1t 1611 geändert und mit ihr auch die Oiieitlicrung und wieder werden die Juden beschuldigt, daß sie aus der Fremde inspiriert werden, Der Zionismus, der die breitesten Schichten des jüdischen Volkes in allen Lindem der Welt in sich schließt, kann nicht beeinflußt werden durch einzelne Länder, weil der Zioniunus abhängig ist von dar internationalen Oeifcntlichkcit. Ekr Redner wandte sieh dann gegen die Politik der Assunilaiiten, die beide Seilen geschädigt ha,t wenn die Polen sich mit den Juden nicht verstnrtdigen können, 80 sind die Assimilanten schuld daran, die ‘den Polen de« Weg zu den Juden versperrt haben und ihnen die Möglichkeit genommen haben, die wirklich jüdischen Forderungen kennen zu lernen.