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Jüdische Rundschau · 1917-11-23 · Heft 47 (23.11.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 47 (23.11.1917)
Date
1917-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 380 Nr. 47 8. Der Unterricht in der jüdischen Volksschule ist für Kinder beiderlei Geschlechts obligatorisch. 9. Die privaten Schule« werden durch die Gemein• den unterstützt, insofern sic die Grundforderun* gen der pädagogischen Scliulriile akzeptieren. 10. Die hebräischen Lehrer schließen räch den Forikningen der progressiven russischen Gesellschaft an, daß Kindern unter vierzehn Jahren jede Besduiftigung im Handel oder der Industrie von Staats wegen verboten wird. Die Konferenz beschloß die Gründung einer hebräische 11 Lehrer Organisation in Rußland und die Herausgabe einer Fachzeitung. Die «Organisation bestellt aus einem Zentralkomitee und einem Exekutivkomitee. In das Zentralkomitee vurden 17 Mitglieder gewühlt, zu denen noch 2 Vertreter aus den! Kaukasus und aus Sibirien Iiinzukoinmen. ln das Exekutivkomitee wurden gewählt: Scminardirektor Kon stamm, Dr. Szerni, Beigil und Sehofmann; zum Redakteur des Organs wurde N, P i n c s gewählt. Der Sitz der Zen* trale ist C h a r k o sv. Die Resolutionen der dritten Zionistischen Konferenz in Polen Außer den in unserem Bericht bereits erwähnten Resolutionen hat die dritte Zionistische Konferenz in Polen noch folgende Beschlüsse gefaßt: ׳ ־ ^" Politische Fragen A. Allgemeine Resolutionen: 1. Die dritte Zionistische Landeskonferenz, in Polen konstatiert, daß das Basler Programm in nichts die Rechte und!,(lichten der Juden als Bürger ihrer iiiudcr beeinträchtigt. 2, Die dritte Zionistische Konferenz in Polen schließt sieb den nationalen Forderungen des jüdischen Volkes a«. Bei der Regelung der internationalen Fragen muß auch das Recht der Juden auf Palästina und das Selbstbestimmungsreebt der Juden anerkannt werden. B. Resolutionen zur j ü d i s c 11 p 0111 i s e!1 e n Frage; 1. Die dritte Zionistische Konferenz in Polen protestiert energisch dagegen, daß die polnischen Richter veraitete Gesetze amvenden, die die jüdischen Rechte bcschränken, indem sie z. B. Juden aus Dörfern auf Grund aller russischer administrativer Verordnungen, die in Rußland seihst bereits in gesetzlicher Weise abgcscliaflt worden sind, vertreiben. 2. Die dritte Zionistische Konferenz, in Polen pro. testiert gegen die Verordnung, daß "für ־kranke Juden im den allgemeinen Spitälern besondere Abgaben zu zahlen sind, da die Juden ja außer den allgemeinen Steuer!» auch eine besondere Spitalsteuer zahlen. 3. Nachdem für beide Okkupationsgebiete eine pol• nischc Zciitralrcgierung geschaffen worden ist, bevoll• nächtigt die dritte Zionistische Konferenz das Zentralkoinitee, sich an die Zciitralregicrung mit dem euergischen Vorselilag zu wenden, die erwähnten Ucschrüii• klingen abzuschaffen. C, Resolutionen die Stellung der p o 111 i sehen Zionisten z 11 a n d c r c 11 jüdische 11 Parteien betreffend: L Um die Vereinigung der jüdisch-nationalen Parfeien, aus der sich allmählich eine jüdische Repräsentanz entwickeln soll, zu verwirklichen, muß am Zentralkoinitee der Zionistischen Organisation ein nationalpolitischer Klub geschaffen werden. Dabei ist das Zentralkomitee verpflichtet, in keinem Fall auf die zionistischen Prinzipien zu verzichten. ׳ 2. Gleichzeitig wird anv Zentralkomitee eine bcsondere politische Kommission für O c g c 11 - wartsarbeit gegründet, die in ständigem Kontakt mit dem nationalen Klub stehen soll. 3. Die Konferenz verpflichtet das Zentralkomitee, die Initiative ׳zur Einberufung eines a 1 lg e in ei 11 -j iidiseben Kongresses in Polen zu ergreifen. 4. Das Zentralkomitee ist bevollmächtigt, einen Plan und ein Programm für die Einberufung einer Konf c r c 11 z a 11 c r j ü d i s c 11 e 11 R at s m ä n n •c r, A4 a g i - s t r a t s 1111 ־ d Sejm- Mitglieder in Polen auszuarbeit eil. Resolutionen zur Schulfrage 1. In Anerkennung, daß Hebräisch die einzige nationale Sprache des ganzen jüdischen Volkes ist, beschließt die Konferenz, daß die Unterrichtssprache in den Schulen, die unter der Aufsicht des zionistischen Schiilkiiratoritims stehen, das Hebräische ist, D.'ibci wird Jidiscli als einzige llilfspradie benutzt und du stufenweiser Uebergaiig zun» Unterricht in hebräischer Sprache angestrebt. 2. Die Autonomie der Schule ist die Hauptgrundlngc der bürgerlichen und politischen Freiheit und die erste Bedingung der freien nationalen Entwicklung. Die dritte Zionistische Konferenz in Polen fordert daher. daß die Regelung des jüdischen Schulwesens dem jüdischen Volke selbst und seinen gewaiillcii Vertretern übergeben werden soll. Diese Schulen sotten auf der Grundlage einer freien Entwicklung der nationalen Kräfte des jüdischen Volkes aufgehaut werden. Die Uebergäbe der jüdischen Schulen in jüdische Hände steht auch mit den normalen Staatsintcrcsscn im Einklang. Damit protestiert die Konferenz aufs schärfste gdgcndasOcBCtz tiberdie jüdische Schule in Polen, da# diesen Bedingungen nicht entspricht, ־J U E D15 C H E Ti Ü N DSC H A U Das PalLvlinaamt in Anerkennung, dnß unsere Arbeit in Palüstiiia organisiert und einheitlldi sein nuiD, wendet sich die dritte Zionisiixclic Laiuieskoiucrcnz in Polen an das Zentralkomitee mit »lern Vorschlag, ein besonderen Pa 1 ä s t i 11 a am t bei sich einzuriditen. Dieses Paliistinaamt richtet an _ jedem ״Waad ironi“ ein lokales Amt ein, das sidv mit den, Palästinaarbeite■״, wie der Organisierung der Chahizim, ihrer Emigration nach Palästina, ihrer Ausbildung und der Schaffung von ArbeitsinügÜchkciten für sic im Golus und iu Palästina beschäftigt Das־ Palüstiiiaamt unterstützt auch die Entwicklung von Gesellschaften und Gruppen, die den Kauf von Boden in Palästina und die Gründung voii Mustcrkolonien und Gartenstädten zum Ziele haben. Für das Amt wird ein besonderer Palästinafond gegründet, der die Mittel zur Erhaltung des Amts und die Ausgaben, die mit der Ausführung der Aufgaben des Amtes verbunden sind, deckt. Das Amt gewinnt seine Einkünfte aus Selbstbc- Steuerung, Anleihen und Subsidien. Organisationsfragen 1. Die Schekel müssen ohne Abzug an das Zentralkoinitee abgeführt werden. 2. Jeder lokale ־Verein ist verpflichtet, an das Zentral-Komitce den Landesbeitrag in der Mindesthöhe von einem Schekel pro Kopf zu zahlen. Eine Versammlung des Jüdischen Naiioiialvercins in Oesterreich Sektion der Kultusgcntolude-Beamlcn Am 23. Oktober fand in Wie« eine vom ״Jü- (lisch eu N a t ion a 1 v c re i » in Oesterreich“ einhemfene Versammlung der KuHusgcmciiKlc-Bcaniten statt, die sehr zahlreich besucht war. Die Angestellten der Wiener KuUnsgemeinde waren tüihez.tt vollständig erschienen. Den Vorsitz, führte der Obmann-Stellvertreter des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Kassner, der die Aufgaben des Nation,•ilvereiiis iu längeren Ausführungen erklärte. Die Kultusgemcinde-Angcstditcn, ' sagte der Redner, deren ganzes Berufsleben dem Judentum gewidmet ist, sind geeignet, eine grolle Volksarbcit zu leisten umi kommen als starke Stützpfeiler einer jüdisehen Organisation in Betracht. Ihr Zusammenschluß sei unbedingt nötig. Das 1 laiiptrcferat hielt der Obmann des Vereins, KuItusvorAtcher Oberingenäenr Stricker. In Übersichtlieber Weise behandelte er die Grundziige eines jüdischen Volksprograiniiis für einen jüdischen Kongreß in Oesterreich. Er zeigte die verfehlte Taktik der bisherigen Jndcnpoiitik in allen Krön ländern auf. Es habe an I;i11lieitlielikeit gefehlt und zumeist Unberufene hätten sich als Volksvertreter aufgeilriingt, die die nationalen Interessen der Juden oft vernachlässigt haben. Die Juden Oesterreichs müssen es Jiblelmeu, für die politischen Fehler von Juden, die vom Volke niemals zu einer Vertretung bevollmächtigt worden waren, die Vernutwortiing zu tragen. Audi von der Fürsprache angeblich einflußreicher Glaubensgenossen könne kein ausreichender Schutz gegen Zurücksetzungen von Juden und Ile* nacliteil'giing jiid’siher GcsaMlintrjvcscn erhofft werden. Ein eu!.׳,er Kontakt zwischen Führer und Volk müsse liergesteiit werden. Alle jüdischen Gesellschaften und daher auch die KiiUlisgemdiideii niülik’ii dem demokratischen Zeitgeist Rechnung tragen timt dürften der Walt• «mg der jüdischen Volks rechte keine Hindernisse mehr bereiten. Ausführlich würdigte Oberingenkur Stricker die verfassungsrechtlichen Bestrebungen der öslerreicliischen Juden und betonte den immer steigen* den Antisemitismus in Oesterreich, den nur ein ge* schlosseiics österreichisches Judentum wirksam bckämpfen könne. Dann behandelte er eingehend die Ziele einer Reiclisorgmiisation der jüdischen Kultuslicnniteii, deren Bestellen mir im Anschluß an eine kriiftige Volksorganisalioti gesichert sei, Die besonderen Aufgaben der KuHuslieamtcu bektichtetc der ,Sekretär der jüdischen Kiiltusgcineiiulc Jacob Kraus. Der jüdische GeiueiiidcbeanUc könne infolge der Eigenart seines Berufes ein verständnisvoller uiid mitfühlendes׳ Berater des Volkes werden. Er begrülltc die Bes Ire bange 11 eines Zusammenschlusses der Kulitusbeamien. Ein Referat über das jüdische Erziehung®• wesen hielt Herr Dr. Heinrich 'Gla 11 z-So 11 ar. Nach dem Schlußwort des Vorsitzenden wurde die folgende vom Referenten vorgesdilugenc Resolution c I »H stim in ig a 11g e 1! o in m e!1. ,,Die am 23. Oktober 1917 im Saale de# ׳Galt! Adlon in Wie» auf Einladung des ״jüdischen National- Vereins“ versammelten Angestellten der Kultusgeniclnden begrüßen den Vorschlag auf Einberufung eines österreichischen Jüdischen Kongresses, der vor allem die Sicherung der Rechte des jüdischen Volkes durch die Österreichische Verfassung zu fordern lind die Vorbc- (lingungen einer Gesamtorgonisation der 1 Österreich!- sehen Judenschaft auf demokratischer Basis zu schaffen hat. Sie fordern alle Kollegen im׳ Reiche huf ihre Kräfte in den Dienst dieser Sache zu stellen.'• GcdcaEsci de» «?! *־-׳■״. V ׳* 11; ע¬ז¬ 1*7 ü «ii, ll'll, Ctcdcnfcct ii! jL* C* .י * JIUC, al Eine jüdische Kundgebung in Prag Zu einer machtvollen Kundgebung der Prager Juden• gestaltete sich die vom Zionistischen Distriktsverband für Böhmen auf den 10. November ciiibertiicne öf f c 1111 i cli c Versammlung. Ein viellumdcriköpfigcs jüdisches Publikum war erschienen, das mit größtem Interesse den Referaten über ״das Sclbstbestimmungsrccht der Völker und die Juden“ folgte. Nach der Eröffnung durch den Vizepräsidenten des- Zionistischen Disfriktskomitees hielt Herr Dr. Ludwig Singer ein ausführliches Referat, in dem er die von den jüdischen Kongreß-Organisationen aufgcstelltcn jüdischeu Forderungen und Aufgaben für die kommende Zeit behandelte. Dr. Singer wies darauf hin, daß, wie die Hussitenkriege die Freiheit der religiösen Ueber- Zeugung, die französische Revolution die politische Freiheit des Bürgers gebracht haben, dieser Krieg, die Freiheit des nationale« Lebens der Völker zu sichern berufen ist. Die national-jüdische Idee habe im Kriege ihre Feuerprobe bestanden. Die Forderungen des jüdisehen Volkes seien die Schaffung eines iiational-kiiitiirellai Zentrums in 'Palästina, die nationale Gleichberechtigung, wie sic auch jüngst das Stockhol ine 1־ Friedensnianifcst formuliert hat, und der Kampf gegen den Antiscmitismus. ״Wir verlangen“, so faßte der Redner seine Ausführungen zusammen, ״eine vollständige ~ nicht nur auf dem Papier stehende — Gleichberechtigung als Bürger lind Juden. Wir )ordern die kulturctla Autonomie, deren Trägerin die in eine allgemeine Volksgemeindc iimzmvaiiilelmlc Kultiisgemeinde ist. . . Die K11Uusgomeimk11׳ sollen zu Landesverbänden und diese zu einem Rcichsvcrhand zusaiiiiiieiigcschlosscn werden, damit eine Vertretung nach außen und eine cinhcit• liehe Instanz im Innern geschaffen werde.“ Nach dem Referat Dr. Singers hielt Herr Oberingo nieur Stricker eine eindrucksvolle Rede, nach der folgende Resolution einstimmig angenommeti wurde: ״In Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit einer demokratischen Vertretung der österreichischen Judenlicit zur Wahrung der Rechte des jüdischen Volkes, fordert die am 10. November 1917 int großen Saale des Hotel ״Central“ iu Prag tagende Masseuversiunmlung den organisatorischen Zusammenschluß der östcr* reichischcn Juden und begrüßt die Bestrebungen, diese» auf den» Wege eines österreichisch-jüdischen Kongresse» lierbeizafülircii, auf das wärmste.“ Poale-zionistlsche Arbeit in Kopenhagen Schon seit längerer Zeit machte sich ln Kopenhagen, wo eine ansehnliche jüdische Arbeiterschaft wohnt, das Bedürfnis nach poalc/.ionistischer Arbeit fühlbar. Durch den Besuch des bekannten poalczionistischcn Fültrcts Scrubabei aus Palästina, der auf seiner Reise nach Rußland von Stockholm fiir kurze Zeit hierhergekontmen war, wurde die Omudimg einer poalczionistischcn Gruppe ermöglicht, die als erstes Auftreten nach außen am 25. Oktober eine Volksversammlung abhiclt, bei der Herr Scrubabei über ״die Stockholmer Konferenz und die jüdischen Forderungen“ sprach.; Das aktuelle Thema und die Tatsache, daß Herr Scrubabei persönlich Teilnehmer der poalczionistischcn Delegation zur Stockholmer Konferenz ist, hatten zu diesem ersten Vortrag eine zahlreiche Zuhörerschaft aus den verschiedenen Schichten der Kopcnhagcncr jüdischeu Bevölkerung nngc/ogcii, socio0 der Saal überfüllt war. In seiner ausgezeichneten, bildhaften jküsdicn Sprache führte der Redner ungefähr folgendes aus: Diescr Krieg wurde hervorgerufen durch Regierungen, der Frieden aber wird durch die Völker geschlossen werden. Die Stockholmer Konferenz gilt als ein Symbol dafür, den Friedenswillen der Völker dem Kricgswillen der Regierungen cntgcgcnziistclleii. Die Internationale war bisher auf das Prinzip der Staaten gestellt, die neue Internationale muß auf »las Prinzip der Völker gebaut sein. Der kommende Frieden muß die Grundforderungen der Völker verwirklichen: keine Kontributionen und Annexionen, dagegen Scibstbcstimmungsreclit der Völker. Um in diesen Ruf der Vütker-Forderungcn cinzustimriicn, muß sich das jüdische Volk als Volk organisieren. Seine Forderungen können nicht beschränkt sein auf die der bürgerlichen Gleichbercditi* gtmg ohne nationale Rechte, ohne ein nationales Heim. Menschliche, hiirgcrlichc Gleichberechtigung ist uiimöglieh ohne nationale Gleichberechtigung. Eine nationale Gleichberechtigung des jüdischen Volkes kann nur יזס folgen durch die Anerkeiiming der hiternationnlitiit des jüdischen Volkes in den verschiedenen Ländern. Diese Anerkennung aber wird nur möglich sein durch die Aufstellung der Forderung eines nationalen Zentrums für diese aüwcltlichc Nation, nach einer Heimstätte in Palästina, Der Redner ging dann auf die Forderung nationaler Rechte in den verschiedenen Ländern ein, besonders auf die jüdische Frage in Polen, und clmnkterisierte mit scharfen Worten die Politik der Polen gegenüber den Juden als ein ungeheuerliches Beispiel schamloser Unterdrückungssudit einer eben freigewordenen Nation einer Minderheit gegenüber, die soweit geht, daß sie auch die dortige Sozialdemokratie vergiftet, deren Verhalten er durch die Haltung Diamant» und Daszinskys charakterisierte. Diamant z. B. leugnet überhaupt die Existenz einer jüdischen Frage in Polen und erlaubt großmütig, die hebräische Sprache ruiii Beten zu benutzen, währen Daszinsky die Polen ata arglose Tauben darstcllt und luchis wissen will von

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