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Jüdische Rundschau · 1917-11-16 · Heft 46 (16.11.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 46 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 370 j U 2DIS€H "״ R U M DOCHAU Nr. 46 j ® fl ״־ י Y־/ י; m־׳v ־; ך"■ 1P 7:: י ץי״/ג־ fea•־*״״“*/ r ■’/ Ar »Ä jlLrJk h׳. M }! :5 II 3. Tag’ Vormittags-Sitzung l)ic vierte Sitzung■ der Konferenz erofinctc der Vizevorsitzendc A. L. Scha1 ko w i tsch, der in einer kurzen Ansprache seine Freude darüber zum Ausdruck braclitc, daß ihm die Ehre zu teil geworden sei, gerade die Sitzung zu leiten, die sich mit der Paliistiiiafrage beschäftigt. Pilistinareferete Ucber die Palästinafrage waren zwei Referate vorgesehen. Das erste: ״Die Lage in Palästina und die Paiüsliuaarbcit in Polen“ hielt Herr J. N i ss enbau m, das zweite: ״Unsere Pflichten gegen Palästina“ Herr Selig W 0 i z 111 a n n. Herr N iss e-11 bäum gab in seinem Referat einen kurzen Ueberblick über die Lage in Palästina seit Ausbriicls des Krieges. Lr schilderte in begeisterten Worten die großen organisatorischen lind kolonisatorischen Fähigkeiten, die der neue jüdische Jischmv in Stadt und Kolonie während der ersten Kriegs),•ihre, bis zur Zeit der Evakulionci), an den Tag legte. Die energische Durcliiiihnmg einer umfassenden Hilfe, die Schah'mig von Arbeilsiiiüglidikciten für die arbeitsfähigen l.lebiente seien beweise für die Lebensfähigkeit der jungen jüdischen Ansicdlung. Daneben bähe die kulturelle Arbeit gerade ■während der ersten Kriegszeit — im Gegensatz zu fast allen übrigen jüdischen Kulturzentren — einen ungeahnten Aufschwung genommen. Der Relerent wies in diesem Zusaiiiiiu'iiiiaiig auf die große Zahl hebräischer Lehrbücher, Saminelschriiteii tmu mmsliger Veröffentlichungen der palästinensische» Lehrer-, SriirifT.lellcr- und Arhoiterkrcise hin. Die Lvakuiernngen haben diese hoffnungsvolle Entwicklung jäh abgchrochcn. Gegenwärtig sind 0-1000 jiatästineiisisciic Juden ausschließlich aut fremde 1 lilfe angewiesen. U11gehciirc Summen seien nötig, um diese Notleidenden mit dem Nötigsten zu versehen. Der geistige Zustand des jüdischen Bevölkerung sei heute nicht besser als der inali-rielle: die Schulen sind geschlossen 11ml die einzige hebräische Zeitung, die bisher noch bestellen konnte, die in Jerusalem’erscheinende ״H a eh e r 111 h", mußte infolge der Eiiiberiilimg ihres Redakteurs ihr Erscheinen cinstcllcn. Bezüglich der politischen Lage erklärte Herr Nisseiihaum, daß die jetzt schon zwanzig Jahre allen zionistischen Bestrebungen, die das Recht der freien Einwanderung und Kolonisation ujtu der eigenlailbirelleii Entwicklung fordern, die Frage der Oberhoheit über Palästina nicht beniiireii. ln 1 zweiten Teile seiner Rede sprach der Referent über die Tätigkeit der jiohii.sclieii Zionisten zu gimsteii der lii'ssenmg der materiellen, geistigen und jialilischeii Verhältnisse in Palästina. Fr wies in erster Reihe aut das von den polnischen Zionisten veranstaltete Palästina-Pleinszit und die großzügige in Polen durebgeführte llilfsal.tion für Palästina hin. Mit einem warmen Appell, die Paliistinnaktioii mit allen Kräften weitcr/uführeu, schloß Herr Nissenhaum seine Rede, die aut die Vcr- Bn1n1nel1e.il einen tiefen Eindruck machte und oft durch Beifall unterbrochen worden war. Das zweite Paliistinareferat —- von Herrn Weiziu.uui •— behandelte die Aufgaben des Zionismus hinsichtiieh der Arbeit für Palästina in Gegenwart und Zukunft, Herr Weizmaim ging von dem viclvcrheißemlen Zustand aus, in dem sich die jüdische Kolonisation Palästiuas vor dem Kriege befand: in den läiullichca wie städtischen Ansiciilungeii batte sich der Wohlstand zuseheuds vermehrt; die Zahl kommunaler und kolcmisatorischcr• liistüulioiien ist in ständigem Wachstum bcgriffen gewesen; das Schul-, Unterrichts• und Gerichtswesen halte sich immer mehr entwickelt; das öfientliehe Leben halte sich normal zu entfalten begonnen und beieils Ansätze zu einer Art Selbstverwaltung gezeitigt, die das innere Leben der jüdischen Bevölkerung ohne irgend eine Unterstützung oder einen FiuiUiU äußerer Faktoren regulierte. ״Der Entwicklungsgang des »eilen Jisclmw״ sagte der Referent, ״hat uns' das volle Recht zu der Ueber/eugung gegeben, «Inh das jüdische Volk trotz, des zweit!insemljnlingen (ioliis die Fälligkeiten zu einem selbständigen, unabhängigen nationaleii 1 eben nicht verloren hat“. Diese erlreuliche Entwicklung sei durch den Krieg abgebrochen worden. Aber der jüdische Jiscluiw habe trotz der unemiliehen l.eideu, die über ihn gekommen sind, eine moralisch« Widerstandskraft und Zähigkeit gezeigt, die uns an die alten heroischen. Zeiten des jüdischen Volkes erinner». Fast iiieinaiKl• habe das Land freiwillig verlasse». Instinktiv habe der jüdische Jisduuv men an den neugewonnene» Boden mit zäher Energie fes1,״;eklammert. Die Evakuatioucu aber haben düs Kol« »11satioiisu'crk zerstört.. Die durch Not, Krankheit, Krieg und die unfreiwillige Auswanderung i-instnmleiieu Lucken müssen in naher Zukunft durch neue Kräfte ersetzt werden. Z.ur wirksamen Durchführung der He- ■ c 11 ״'? c vv 1j B u 11K in Polen 111 achte der Relercnt eme Heilie praktischer Vorseldiige. Bezüj-iidi der ktinftiigii Kolomsatioiis.irbeit betonte Weizmaim, daß die Zionistische Organisation in Palen ähnliche Beschlüsse wie di« siebente Konferenz der russischen Zioiiisieu Jasseu müsse. Unter den Resolutionen die Herr Weizmanu am Schluß seiner Ausführungen der Konferenz vorlegte, ist vor allem die Gründung einer besonderen Pnlastinanb eilung henorzulieheu, die unter der verantwortlichen Leitung des Zentralkomitees stehen soll, Diese Abteilung »oll die Aufgabe haben Pal», stiua 11 ach seinen lamlwirtsdiaftlidicu und industriellen Möglicbkeileii tlieoretiscli und praktisdi zu crlorsclien die culsprechciiden Kreise und Personen über die Resultat« dieser Erforschung zu informieren, Arbeitsbüros zu schaffe», Gruppen von Arbeitern und Fachleuten j zu organisieren und alle Unternehmungen zu unter• . stützen, die der Hebung der produktiven Kräfte des | Landes ׳mul der Stärkung des jüdischen,Elementes in Paki• slina dienen. Debatten An diese beiden Referate schloß sidh eine lebhafte Debatte, die die ganze Sitzung und einen Teil der Naduniüagssit/.ung in Anspruch nahm. Als erster sprach in der Diskussion Herr Seat j at itscli im Namen iles Warschau«• ,,! kchaliiz". Das jüdische Volk, so sagte er, müsse seine Hingebung zu Palästina in Taten zeigen. Das Plebiszit sei von diesem Standpunkt aus nicht ausreichend. Man müsse sich zur Auswanderung nach Palästina und zur Bearbeitung des palästinensischen Bodens vorkreiten. Mit tiloflen Laudkäufeu werde man kein kolonisiertes jüdisches Land schaffen. Die jiidi* sehe Kolonisation werde nur durch jüdische Arbeiter ermöglicht und der Ausbildung mul Vorbereitung dieser Arbeiter diene der ״Hechaluz“. Das Zaitralkoiuitc habe die nech.1׳lHzl>oweg1mg zu wenig gefördert. Bezuglieh der Gründung von Lehrfarnicn u.sw. legte der Redm:r eine Resolution vor. Als Gast beteiligte sich au der Diskussion auch der gegenwärtig in Warschau weilende Dr. Curt Nawratzky, der die Hochaluzhewegtmg in Polen begrüßte. Die zionistische Leitung habe siel» mit dieser Bcwegfiiig befallt und sie unterstützt. Herr Freud kojistaticric, daß cs lilnsiditlidi der Palästina- ,׳iriu-it keine• Meiiiiiiigsvcrscliiedeuheiti'u gebe. Er verl.׳mgt(: reale Arbeit mul bedauerte, dal! »nläßlieh lies vor kurzem gck'ieileu Mapu-jubilaum-i keine |)0jmläre Ausgrabe des P.il.istiiia-Romam• Majms ,,Aliaw.ith Zion" vcranstnhet worden sei. Der Rabbiner von Mogelniea Schaplro erklärte, daß man in der Provinz mehr Interesse i'ü 1׳ die nraktischc Palästinaarbeit als für politische Fragen habe, Er forderte die Orütulung von!•'armen, die I fera11sj׳alH1 einer Palast bin Icartc «ml die Paliistinapropa« gmida iu 1k:n kleinen Stiidteii der polnischen Provinz, M. As cli ken asy bcrichtcle über die Gesellschaft ״Magal" die es sieh zur Aufgabe gemacht bat, in Pa- Iästina eine Mustcrkolonio uml eine Miistergartenstadt zu gründe», Die Gesellschaft iialn: bereits 70 Mitglieder lind es sei die Pflicht jedes vermögenden Zionisten, der Gesellschaft beizutretcii, Einer Vernachlässigung der voriH-reitcude» Palüstinaat'hcit beschuldigte das Zentralkomitee auch I lenjakir W;1 r s c h n w s k y, Er forderte «in größeres Interesse für den ״llcclmhiz“ und schlug vor, die Zionistische Organisation solle die Fürsorge für die Kricgswaisen iiberiiejiiiien uml sie iit Palästina erziehen lassen, 1111 Namen des ״Merkas" sprach Herr Eiges, Er verlangte, daß bei einem Zustandekommen eines jüdischen Kongresses in Polen die zionistischen Palastiiiahmkrimgeii auf die Tagesordnung gesetzt werden müssen. Außer dir Unterstützung der Clialu/im forilcrte Eiges die Einführung des Unlerriehts der Palästinageograpliie in sämtlichen Schulen, ferner die Anschalnmg von Büchern und Lehrmitteln für die hebiäisehe Uuiversilüt und den Ausbau der Nationalblbliolhek in Jerusalem. Die Hemm Uiwkind und Zein ach betonten die zukünftige Arbeit in Palästina. Letzterer setzt, wie er sagte, keine großen Hoffnungen auf die l Icchaluzbcwegiiiig, Er schlug vor, eine großzügige Propaganda unter den jüdischen Arbeitern zu führen. Herr G ritt Berg erinnerte an die verwaisten Fand* Heu der gefallenen Schomnin und Arbeiter und forderte deren Versorgung, Naclifiifüsga-SItsatig lm erste» Teile der Nacluniltagssitzimg fand die Debatte über die Palnstina.'irheit ihren Fortgang, Als erster sprach der Gombiiier Rabbiner Siotuik, der in Erwiderung auf Zemaelts Einwendungen warm für die lamlwirtsdiuliliehe Vorbereitung im Golus eintrat. .,Die Chnlu/it» müssen unsere Friedensarmee bilden, Pilieht des ganzen Volkes Ist es, wie bei allen Armeen, sie zu erhalte».״ (Beitall.) Herr S i I bc r m a 11 n (Pul• insk) sprach ebenfalls gegen die Gegner des ״I lechah.z“. Zum Schluß erhielten die beiden Referenten das Schlußwort. I terr W c i zu! au 11 konstatierte in seiner Antwort, daß es keine ernste prinzipielle Gegnerschaft gegen die 1 lerhaluzbewegim/׳ gebe. Die von den ver•־ sdiicdenen Rednern ciiigelwaclitiii Resolutionen wurden dem Permanenz,■iiissclniß zur Reiügierung üliergcbcit. I leir Nissen b a u m wies in seiner Sdtlußrede auf ilie analoge» I’aliistiimaktioncn iu Rußland und Amerika hin mul forderte weitere angestrengte Tätigkeit fiir Pa• Iästina, ״Das Aktionskomitee“, sagte er am Schluß, ״ist mit der Tätigkeit der polnischen Zionisten zufrieden. Wir selbst abci׳ sind nicht zufrieden mit den Verhältnissen unter den polnischen Jude». Die 2(10 000 Uutvrseliriften lies zionistischen Plebiszits sind nickt nur Unterschriften, sondern ebenso viele tausend jüdische Herzen, 11,c sich nlich ihrem Vaterlande sehneu.“ (Stürmischer Beifall.) Die Sclitilifoge Den 1 iaiiiitpunkt der fünften Sitzung bildete die Sclwlfr.igc, Mittler Abhaltung von Referaten über diese Frage waren der hebräische Dichter Dr. Jjakob K a h a 11 uinl der Direktor des Jüdischen Gymnasiums in Lodz, P e r e l tu .11111 , betraut worden. 111 seinem hebräischen Vortrag betonte Dr, Kali an die Notwendigkeit einer einheitlichen uatioualeu Sprache fsir das jüdische Volk, die mit׳ das 1 k'briiisdie sein kann. Wie es für die Zionisten fc-d-dcht, daß sie nur iu dem einen Laude wieder ihre volle Freiheit der Entwicklung erhalten, müßten sie räch midi zu der Erkenidiiis durchfingen, daß nur die eine Sprache ihm.:» die Sicherheit eines iincingescliraiiMcii kulturellen Schaffens zu ge• Ih-ii vermag. Die Wiederbelebung den j(idi׳s«hen Volkes erfordere eine radikale Lö. mtg der SpraciKidrngc. Die Zioiiistisdie Organisation 11;.b« cs bisher an der’nötla‘11 K011sf1|11eu/. I» dieser Frage Rhlen 1,־r ■eil. Jetzt aber sei die Zeit gekommen, die lnliimalkiiKurelle Autonomie, die aus dem künftigen ErieiUnskoiigrcß gefordert werden wird, auf die nationale Sprache, das Hebräische, aufzubaiiuii, ״Die Wiederbelebung der lieliräisrhen Sprache“, sagte I )r, Kalian, ״ist eine notwendige Voraussetzuna nicht nur für das Volksleben in Palästina, sondern auch in den ,Golusläiidcru.“ Diese Wiederbeiebung der hebriiischcii Sprache aber schließe die Benützung anderer Sprachen zu Propaganda/wedieii nicht ans. 15er Vortragende forderte am Schluß seiner Rede Hcbräiscli al* ׳ Unterrichtssprache in sämtlichen Kindergärten, Volks-; und Mittelschulen, Lehrerseminaren und Hochschulen, In seinem polnischen Korreferat forderte Herr P c r e 11» a n n die Selbstverwaltung׳ des jüdischen Schul- Wesens in Polen. Die jüdische Schule solle sich mit der Erlernung einer fremden •Sprache begnügen. Unirr den jüdischen Facliern müsse sich in erster Reihe die hebräische Sprache und Literatur befinden,!)er Schüler muß hebräisch zu denken lernen. Ferner müssen 11 io Bibel, die Geographie Palästinas, die jüdische Sagenwelt, die jüdische Ethik־, der Talmud 11 sw Untcrrichtsgegcnstände sein. Dieser Unterricht'würde um vieles k'iehter sein, wenn er in hebräischer Sprache erteilt werden könnte. Aus Mangel au Lehrern und Büchern aber müsse polnisch unterrichtet werden. Die wuchtigste Aufgab« sei die Vereinheitlichung der Schule, Solange die Schule nicht auf öffentliche Ko-dcn unterhalten werde, müßten private Gesellschaften gegründet werden. Der Refcrent verlangte die Gründung von Lehrerseminaren, die Herausgabe von Ldiilnidiciu für die oberen Klasse» ,י und von eigenen Kindi-rzeitschriftcn etc*. Ferner fordert•; er die Entwicklung des ästhetischen Gefühls der Kii*- ‘ der, die Anlegung eines Jüdischen NalkMialmuseiiins, diw : Gründung von Bibliolliekcn u»w. Debatten Diese Referate zur Sdudfrage rieten eine Icidcnsdiaft- - liehe Diskussion hervor, iu deren Mittelpunkt die Spr•» ehe n trage stand. Zunächst forderte Lehrer Gutmann (Warschau), daß die jüdisch« Schule einen Volkstümlichcn und keinen politischen Charakter trage» soll. ״Mail spricht hier״, sagte er, ,,mit Uleiehgültigkdt von der Unterrichtssprache; vom pädagogischen Stand- [Hinkt aber muß man Kinder in der Sprache unterrichte», die sic verstehen.,. Man ■spricht hier Polnisch, lind lorilcrt als Unterrichtssprache Hebräisch.“ Darauf hielt Frau Pu.111 Kakowska ein liiugci'es Referat über die Stellung der Frau lwi den Juden m den verschiedenen; Zeiten und wies auf «111• betrübende Tatsache Irin, daß ׳ der Einfluß der jüdischen Trau im öffentlichen jüdischen Leben mul in der Erziehung der Kinder im Gegensatz i zum Einfluß «ler Fram:» anderer Völker sehr gering ist. Nachdem Herr S, VRcizniann noch eine» kurzen Ueberblick über die Entwicklung «ler jüdischen Turn• beweguug iu Polen gegeben hatte, wobei er insbesim• dere die lirzichtiiigsfragi■ ausführlich behandelte, konzenfeierte sich die Debatte fast ausschließlich auf die Sprachenfrage. I Der Sompolnacr Delegierte Anerbac% «»achte dem Zentralkomitee de» Vorwurf, daß es die jüdische Sprache i» schiel׳ Korrespondenz ziirüeksct/c, während die Stimmung des Volkes die Wahrung der Rccble der jüdischen Sprache foixkre. Diesen Vorwurf wies der Vizcvorsitzcudc des Zentralkomitees Rechtsanwalt Olschwanger mit Entschiedenheit zurück. Das Zentralkomitee kenne keine Spraclicnfragc. Wenn unter dem Zwang der Verhältnisse jidischc Briefe polnisch bcant• wort et werden mußten, so sei dasselbe auch mit hebräisciicn Briefen geschehen. Eine scharfe Protestrcde gegen das jüngst in Polen ן erlassene Schulgesetz hielt Herr Schweiger (War• j schau). Zunächst mißbilligte er «len extrem hebraistischeii Standpunkt Dr. Kubans. Der Zionismus sei eine Volksbewegmig und müsse «las ganze jüdische Volk erlassen. Die zionistische Leitung solle daher in der Sprache »frage 'י neutral sein und jedem zionistische» Verein bezüglich der Stellung zur Unterrichtssprache in der Schule freie Entseheidungsmögliehkeit gewähre». Die nationale Au- ' tonomic solle aut der Forderung der nationalen Rechte | unter Ausschaltung der Spraclicnfragc gefordert werden. I ״Das Schulgesetz", sagte der Redner unter dem Ktiirmi- 11 scheu Beifall der Ktmlcrcnz, ״hat «ns nicht berüek'ädij tigt. Ich fordere Sie auf, folgende Resolution an- I zunchmcn: Die Schul,׳nitonomic ist die erste Garantie | für eine freie Entwicklung und daher muß die jüdische J Schule unter jüdischer Seflrstvcrwaltuiig stehen. Wir : protestieren dagegen, dail man uns das Recht gcHoinmea / hat, über unsere Schule selbst zu bestimmen.״ Die g Rechte des Jidischcn verteidigte auch Rabbiner Slot- | nik. Der Weg zu Hcbräiscli könne nicht über fremde ן׳ Sprachen gehen, sondern nur über Jidiseh. Die lii'bräi־ I sehe Bewegung sei mir in den Tündern gesduu- •:! feu worden, in denen nicht fremde Sprachen, sondern j das Jidischc gesprochen ■wurde. In den Schulen solle Hebräisch die Untcrriclitsspriiche und Jidisd* ein Unterrichtsgcgcnstand sein. Als letzter Redner dieser Sitzung sprach Herr Sch. Zein ach. Er erklärte, i daß ihm die Fragestellung ״Hebräisch oder Polnisch“ ו fremd sei. Man dürfe weder jütischer noch hebräischer Achnd-I faamist sdu. Die Kultur sei nicht alles. ״Die jüdischen Gcmcinsdiaflen in den Golusl,ändern werden sich immer mein־ zersplittern. Eine Mehrheit werden wir nur In Palästina bilden «ml dort werden wir auch r nur eine Sprache habe» — das Hebräische." ' 4. T a g jj Vormittags-Sitzung { In dieser und. der folgenden Sitzung nahm dm JK> j batte über die Schulfrage ihren Fortgang. Herr Rcichert (Sgicrsz) sprach j;cgcn Jidiseh und brachte bislo- י rische Beweise, daß «s um* eine natio»,111׳• Sprache gebe I — Hcbräiscli, Mosche Go!■«Ion verteidigte die Stet- I hing des Zentralkomitees zue Schulfrage. tkis Zentral- ן komitee Italic recht daran getan, die Uel)erg;»be J des Schulwesens in jüdische Verwaltung zu v'!'* ־ langen, ohne die Sprachen frage zu berühren. Die anderen nafionnkm Parteien in Warschau hätten dem nicht zugestinimt, sondern die Schuloutonomie auf Gnma

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