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Jüdische Rundschau · 1917-11-16 · Heft 46 (16.11.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 46 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r"• '1/ L j J / 0 ij Redaktion und Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W. 15, Sach.ische StraßeT'Er- ,cleint wochentl. am br״ tag. Abonnement bei der Expedition und bei allen PostEmter״ Vicrtoljkhrl. Mk. J,/5 in Deutschland, in Qesterreich-Unjjorn k r j\m Ausland Mk.•י,,— Nummer 46 | Berlin, den 16. NovcmbeTT917 «c!י¬ Telephon: Amt Uhland 815. 8-16. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392, Für Oesterreich ן I IC K. PoatspisrltMscnamt Scheckkonto Nr. ] 56030. Anzeigen die •edirpespalteae Petitrcilo oder deren Raum 40 Pf, Teucrunffszuschlajy 15"'״• Redaktion »!«־hluC Dienstag nachm. 1. Kiolcw 5678 XKU. Jahrgang Eine Erklärung der englischen Regierung für den Zionismus. Der englische Minister des Aetißern Bnl four hat einen vom 2. November datierten Brief an Lord Rothschild in London gerichtet, der folgendermaßen lautet: Ministerium des Aeullcrcii, 2. November 1017. Mein lieber Lord Rothschild! ' Zu meiner grollen Genugtuung übermittle ich Ihnen namens S. M. Regierung die folgende Sympnthie-ürklartmg mit den zionistischen Bestrebungen, die vom Kabine( geprüft und gebilligt worden sind: Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jiidisehe Volk mit Wohlsvollen und wird die groliteii Anstrcnguiigcii tünchen, um die Erreichung diese* Zieles zu erleichtern, wobei klar verstanden werde, dali nichts ן getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestellender iiiclujüdisehcr üciiicinseh.'iftcii in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgend einem anderen Lande bcciniriichtigcri köiiiilc. Ich bitte Sie, diese I:1ld;ir1mg zur Kenntnis der Zionistischen Föderation zu bringen. gez,: James fj ,11 f o u r. Diese Erklärung der englischen Regierung ist ein Ereignis von aullerorilcutlidier Tragweite, Es ist das erste Mal, dal! eine Großmacht in offizieller Weise zum Zionismus Stellung nimmt. Zum ersten Male wird der Anspruch des jüdischen Volkes auf Erneuerung seines nationalen Daseins in Palästina durch eine europäische Regierung in den Kreis der wichtigen politischen Gegenwartsprobleme empor־ gehoben und man darf sagen, daß die Anerkennung dieses 'Anspruchs durch die englische Regierung ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung ist. Noch liegen fast alle Staaten der Erde im blu* tigen Knegc ׳und politische Leidenschaft mag dieses Ereignis in sehr verschiedener Beleuchtung sehen. Für uns Zionisten aber stellt die Tatsache unverrikkbar fest, daß eine solche Anerkennung der Bewcgimg als eines politischen Faktors von höchstem Wert ist, ganz unabhängig davon, welche politischen Absichten die Regierungen verfolgen mögen, wenn sie zum Zionismus in der einen oder anderen Weise Steilung nehmen. Die Absicht der englischen Regierung mag wohl dahin gehen, Palästina unter englisches Protcktorat zu bringen. Doch wäre selbst im Falle der kriegerische 1t Eroberung Palästinas die Frage der staatsrechtlichen Zugehörigkeit nach geltendem internationalen Recht noch keineswegs gelöst. Palästina ist türkisches Gebiet und würde es bleiben, auch wenn die englischen Truppen weiter vordringen sollten. Nur die Friedenskonferenz und die tf ihr zu treffenden internationalen Vereinbarungeu können die Zugehörigkeit der im Kriege umstrittenen und besetzten Gebiete zu dem einen oder anderen Staat endgültig entscheiden. Schon aus diesem Grunde mußte die Erklärung der engtischen Regierung sich auf die Anerkennung der zionistischen Wünsche beschranken und durfte das staatsrechtliche Verhältnis Palästinas zur Türkei nicht berühren. Aber cs ist wohl auch der besondere Wunsch der englischen Zionisten gewesen, daß die Erklärung in dieser Form und ohne jede Beziehung zu irgend welchen englischen Protektoralswi'msclicn abgegeben wurde. Das Wesen der zionistischen Bewegung verlangt dies, denn nach wie vor gilt der Grundsatz Theodor H erzl s, daß das Werk der jüdischen Wiedergeburt in Palästina von dem Wohlwollen aller Mächte getragen und in vollster Loyalität gegenüber dem souveränen Herrn des Landes vollzogen werden muß. Es liegen Gründe zu der Annahme vor, daß die Regierungen der Vereinigten Staaten, Frankrciclts ■und Italiens sielt dem Standpunkt der englisclien Regierung in der Frage des Zionismus anschließen werden. Es ist zu wünschen und zu holten, daß auch die Mittelmächte und insbesondere die Türkei den gleichen Standpunkt vertreten werden. Denn der Zionismus hat nur dieses eine Ziel: Mit Zustimmung der gesamten Kulturwclt, ungchindert und in Sicherheit, in Palästina ein Werk friedlicher Kulturarbeit zu vollbringen, dem Judentum und der ganzen Menschheit zum Nutzen. ״Der Zicnltmui erstrebt für das j"3!!,׳che Voll! die Schaffund einer CI.T.dUc’.i-rccbSllelj ßcsklscriea HelnuUitic in l*okfth«3." Baseler Programm. Die Zionistische Konferenz in Polen Der Dclegicrtcntag der Zionistischen Vcrcinigung für Polen war mehr als die Generalversammhing einer großen Organisation, er war die erste große Nationalversammlung der polnischen Juden. Das ganze polnische Land, einschließlich des österreichischen Okkupationsgebietes, hatte seine Repräsentanten entsandt. Die Tagung war der überwältigende Ausdruck der entschiedenen nationnlen Geschlossenheit und Entschlossenheit des polnischen Judentums. Schon die starke Beteiligung läßt das Außerordentliche dieser Konferenz erkennen. 3öö Delegierte nahmen an ihr teil, gewählt von mehr als 40000 Schckclzahlern. Aber wer aus diesen Zahlen, so imposant sie sind, schließen möchte, daß also die zionistische Be* weguiig immerhin erst eine Minderheit der polniselien Judenheit umfaßt, würde sich irren. Heute, in einer Zeit des ׳unerhört tiefen sozialen Niedergangs der polnischen Juden, die unter der furchterlichen Last eines entsetzlichen materiellen Elends fastzusanimeiibrcchen, von 40 000 Juden in Polen den Schekel nbzuverlang'cn, bedarf cs der Anspan־ 111mg aller verfügbaren Kräfte. Die Maschinerie, die diese Sammlung in Bewegung setzte, ist jung, ein Kind des Krieges und leidet unter all den inneren ׳und äußeren Bedrängnissen, die der jetzige politische Zustand in Polen init sich bringt. Und doch hat sic dieses außergewöhnlich schwierige Werk zuwege gebracht. Wenn erst der von der Konferenz beschlossene Ausbau des organisatorischen Apparates geschehen sein wird, wer kann daran zweifeln, daß die nächste Tagung mehr als doppelt so groß und auch in ihren Zahlen die Vertretung der Mehrheit des polnischen Judentums sein wird? Denn daß der zionistische Oedanke das polnischc Judentum beherrscht, ist klar ersichtlich. Er ist lebendig in den Häusern der Bürger wie in den Hütten der Armut, ringt nach Form In den Straßen der Großstadt Wie in den!Winkeln des Dorfes, erfüllt mit gleicher Hingabe die radikale Jugend wie die konservative Orthodoxie. Er Ist in Wahrheit der lebendige Ausdruck des polnischen Judentums. Und ihm gehört die Zukunft. Dessen war sich die Tagung wohl bewußt. Aus diesem Gefühl ihrer Zuknnftsbedeiituiig faßte sic ihre Beschlüsse, die kennzeichnend sind für die unbeugsame nationale Entschlossenheit der Juden in Polen, für den unaufhaltsamen nationalen Drang, der sich durchsetzen wird, wer immer sich in seinen Weg zu stellen sich vermessen sollte. Die Tagung hat ihr uuerschütterliclics Verlangen nach Palästina zum Ausdruck gebracht •und mit gleicher Bestimmtheit die nationale Selbstbestimmung für die Juden gefordert in allen Ländern, wo sie als Massen siedeln. Kein polnischer und kein deutscher Potiliker darf nach dieser Deklaration noch im Zweifel darüber sein, was der Wille der politisch organ^- sicrten Mehrheit des jüdischen Volkes in Polen ist. Es wäre gerecht ׳und klug, wenn sic die Folgertmgeu daraus zögen, ehe der unaufhaltsame Gang der Geschichte sic ,dazu zwingt. Der polnische Zionismus, zum Frieden bereit, zum Kampf gerüstet, ist nicht gesonnen, die Waffe» zu strecken vor einer aufgezwtingcneii Entwicklung. Um dieser festen Entschlossenheit unzweideutigen Ausdruck zu, verleihen, wandte sich die Konferenz entschieden gegen das jüdische G c me ind eo r ga nis at i o 11 s Statut, dessen jammervolle Stümperei schon zu fortgesetztem Flickwerk zwingt, ehe cs überhaupt noch in Wirksamkeit getreten Ist, protestierte sie würdig und entschieden gegen das neue Schulgesetz. Sie hat cs zum Ausdruck gebracht, daß es ein schweres Unrecht ist, über das jüdische Volk in Polen zu beschließen, ohne cs zu befragen. Und wer der Stimmung dieser Konferenz lauschte und die außerordentliche Entwick* 1-ung des Zionismus in Polen sich vor Augen hielt,- eine Entwicklung, die alles eher als abgeschlossen ist, dem mochte cs wohl klar werden, daß eine derartige Uebergchttng der Forderungen des jüdi sehen Volkes in Polen unmöglich sein wird, wenn die harmonische Entwicklung des Staates nicht Schaden leiden soll. Dabei war diese Konferenz keineswegs eine leere Demonstrationsvcrsammlung, deren Verlauf von den Veranstaltern vorher abgezirkelt worden war, Sie war eine echt zionistische Konferenz mit all dem Kampf und all der Leidenschaft, die unsere Tagungen auszcichnct und sie zum Sinnbild des sturmischen jüdischen Freiheitsdranges macht; wobei man ruhig zugeben darf, daß diese Tagung etwas reichlich davon aufzuweisen hatte. Aber der würde sich sehr täuschen, der aus den leidenschaftlichen Explosionen, aus dem stürmischen Widerspruch auf tiefgehende unversölmbare Meinungsvcrschiedeabeiten schlösse. Nie war der polnische Zionismus einheitlicher gerüstet für eine glückverheißende Entwicklung als nach der Konferenz. Dafür bürgt vor allem die vorbildliche Stimmung der jüdischen Provinz, der wahren Trägerin der Zukunft des pol« nischen Judentums. Es ist kein Zufall, daß die cigcntlieh en Zentren der aufeinanderstofienden Gegensätze fast ausschließlich im Kreise der Warschauer Dclegierten lagen. Aber es ist kein Grund vorhanden, darüber Befürchtungen zu hegen. Wahr ist, daß dta organisatorische Entwicklung, die Einordnung in das Oanzc, der Drang zur organisierten Wirkung gerade bei der Warschauer Jugend etwas zurückgeblieben ist hinter einer rein theoretischen Fortbildiuig, die ihre Träger oft außerhalb der Grenzen der Organisation in die Getilde führt, die man als Bewegung bezeichnen kann. Die weitere Arbeit sollte vielleicht hier ein setzen. Denn eben dieser Drang nach letzter Konsequenz, diese Sehnsucht nach Unhedingihcit und absoluter Folge rieh« tigkeit ist uns andererseits eine Bürgschaft, daß diese Jugend den rechten Weg nie verlassen wird. Sein •unbändiges Freiheitsgefühl garantiert uns, daß dieses Volk sich niemals unterwerfen lassen wird. Die Konferenz hat die energische Ausbildung des organisatorischen Apparates des polnischen Zionismus beschlossen. Wir selten darin den Schwer« punkt ihrer Bedeutung. Die Bewegung ist zukunfts* reicli in Polen, die Stimmung von hinreißender Gewalt. Wenn eine straffe, weit ausgebaute Organisatiori die Atmosphäre zionistischer Begeisterung für die systematische Arbeit zu nützen wissen wird, steht die Zukunft des polnischen Zionismus unter einem glückverheißenden Stern. Zionisten! Das Jahr 5677 ist längst zu Ende und der allerletzte Termin zur Einzahlung der zionistischen Parteibeiträge fiir das verflossene Jahr herauge* rückt. Viele •unserer Freunde sind noch mit der Lei- *>tauig ihrer Partcibeilräge im Rückstand. Trotz der Schwere der Zeit darf cs kein Zionist verabsäumen, durch die Einzahlung der allgemeinen zionisiischen Kopfsteuer, des Schekels (Mk. t.—) und des Landesbeitrags (Mk. 3.—) für die Zionistische Vereinigung für Deutschland sich zum zionistischen ideal zu bekennen. Gerade der gegenwärtige Augenblick fordert von jedem Einzelnen von uns, die Zuge- Hörigkeit zur Zionistischen Organisation auch nach außen hin zu dokumentieren, in der Zeit des starken Wachstums und gewaltigen Aufschwungs unserer Bewegung in allen Ländern muß auch der Zionismus in Deutschland seine Stärke erweisen, Damini ergeht an alle unsere Gesinnungsgenossen der Ruf:! Zionisten, zahlt Schekel und Landesbejirag! Zionistische Vereinigung für Deutschland. Geldsendungen sind, zu richten an die ZionbtlscJic Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächclsche Str. 8. Postscheckkonto Berlin 8091. Bankkonto :.Nationalbank für Deutschland, Depo- •itcnkttiie Berlin, Kurfüretendamm.

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