Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 354 R Ü W D a C HAU נ: 11 C״JUCDI! Nr. 44 dienst ׳’•—reellen, «laß er durdi großzügige Erfasst׳)!״ des (j; liaiaMers der jüdischen Geschichte, tlurcli Betont: irer Universalität und Totalität, mit anderen Worte!: uircli, daß er die Geschichte eines Volksstam;. , nicht eine Wolle Literatur- oder Oe- 1« h r t e n g e s c 1> i c 111 e schreiben wollte, vorbildlich gewirkt und den Sinn für die Erkenntnis «1er Vergangenheit unvergleichlich geweckt hat. Während noch sein unmittelbarer Vorgänger Jost, wie Graetz zutreffend bcmerkte, ״«las vicltauscndjährigc Hcklcndrania in lautcr Fetzen zerrissen“ hat, fühlte der bewußte Staminesjudc Graetz eine nationale Solidarität ans der Geschichte heraus und stellte sic dem ״Grenzpfahlpatriotismus“ des deutschen, französischen Judentums und anderer Judcntümer deutlich gegenüber. Kein Reformer, für den die Vergangenheit miturgerr.äß nur bedingte Geltung besitzt, kein Orthodoxer, dem die Entwickelung nur Abirrung von der unabiinderliehen göttlichen Grundlage ist, butte sieh zu jener höhereu Warte emporschwingen können, von der aus ein Graetz die mannigfaltigen Töne unserer Nationalgeschichte zu einer großartigen Symphonie zusammeuzufügen suchte. Keiner von beiden hätte auch, eben weil ihm eine engere Grenze durch dogmatische Vorcingeiiommenheit gesetzt war, sich so tief in die Vergnngenlieit einlebcu können, «lall, sic ihm zum eigenen Erlebnis wurde, keiner von beulen luitte so geliebt und gehaßt, so gelitten und .triumpliicrt wie Graetz. F'reilieh, schic natürlichen Anlagen, sein fabelhaftes Wissen und Gedächtnis hatten ihn zu dieser Aufgabe in besoliderem Malle befähigt. Aber dazu gehörte noch mehr als bloße Ikgahung, dazu gehörte eine jüdische Seele im weitesten Verstände des Wortes, der Mut eines vor keinen Konsequenzen, selbst vor Irrtum und wissenschädlichen ■Mißgriffen nicht zurückscltcucmlciqiuihcirrtcn Standpunktes. Wer Idihl bis ans Merz die Vergangenheit seines Volkes zu ergründen sucht, wer mit F'leiß und Verstand Herbarien sammelt, der mag ein ausgczeichneter Forscher sein, vielleicht auch ein Gesdiichtsschreiber mit Verdiensten um die Wissenschaft, das Leben der Gesamtheit wird er nie befruchten, und keine Welle, welche die Seelen der Massen bewegt, wird von ihm ausgehen. Wenn man sich dies vor Augen hält, dann wird man begreifen, Weshalb Graetz׳ Lebenswerk so unendlich viele Mängel aufweisen mußte, weshalb wir, genau genommen, nicht eine allseiligc Darstellung aller Züge der jüdischen Gesdiichtc, sondern, um hier ein hartes Wort Abraham Geigers anzuwenden, vielfach nur ״Geschichten" vor uns scheu, weshalb aber nuf der anderen Seite schwcrlidi von einem jüdischen Buche so gewaltige Wirkungen ausströmten, wie von der Oractzschcn Geschichte. Nirgends ist «lies deutlicher herausgcfühlt worden als dort, wo das nationale Bewußtsein unter den Juden niemals einen (lauernden Bruch erfahren hat, nämlich unter den Juden des Ostens, vor allem in Rußland und in den polnischen Gebieten. Gewiß, audi unter den westeuropäischen Juden hat Graetz’ Gesdiichtc, wie auch seine Gegner gestehen, viel zur Stärkung des Selbstbewußtseins und jüdischen Gefühls gewirkt, aber was bedeutete dies in einem Milieu, in dem die Kraft des nationalen Einheitsgcdankcns längst geschwunden war und die Parole des ״Staatsbürgerrums jüdischen Glaubens" alle Weckrufe übertönte? Anders im Osten, wo besonders die hebräische Bearbeitung des Gractzsclien Geschichtswerkes im wahren Sinne zum Erzichungsbuche der letzten Maskilimgencration und eines erheblichen Teiles der in den Reihen der nationalen Bewegung Stehenden geworden ist. Es waren eben die verwandten Scclcnklängc, die aus der ganzen Darstellung zu dem I ferzen dieser ״unbedingten“ Juden hcrEberlüatcn. Wie sehr Graetz seihst siel’, dlerer inneren VerhtiiKkiilieit mit «len Juden des Ostens bewußt war, zclglc sich deutlich fu seinem kurzen Verkehr mit den galizischcii Juden, zu dem er auf seiner Prup.'ipuiidarcise für die Waisener/iehung in Palästina besonders während des Aufenthalts in Lemberg im Hause Salomon Hubers Gelegenheit fand. Er betrachtete diese Reise als eines seiner großen Er- Icbnissc, von denen er stets mit heller Begeisterung berichtete. Trotz alledem würde »na« ein falsches Bild von Graetz׳ Anschauungen geben, wollte man seinen nationalcn Standpunkt mit dem heute gangbaren Identifizieren oder ihn gar zum Zionisten stempeln. Wenngleich er eine .tiefe Liebe für das Land und die Sprache seiner Ahnen oft und oft deutlich zum Ausdruck bringt, sogar an die politische Wiedergeburt «1er Juden in Palästina fest glaubte und in diesem Punkte ziemlich mit Moses Heß ühereiustimmte, so hat er «loch wieder hei aller nationalcn Grundauffossung der jüdischen Geschichte die Trenniiiigslinic, die Ost und West scheidet, bisweilen so scharf hcrvorgckelirt, sich unter «lein Gesichtspunkte des zivilisierten Westjuden zum Sittenrichter über die jenseits der schwarzweißen Oreiizpfähle wohnenden jü- «lischcn Massen aiifgesplelt, verschiedene Erscheinungen in der Gesdiichtc der Ostjudenhcit, die nicht in den Kaluncn des von ihm allein sanktionierten rabbiimchcn Judentums paßten, so abfällig kritisiert und schief gczeichnet, daß man oft au seinem Glauben an die jüdische Solidarität irre wird. Auch seine Betonung des Zugehörigkeifsgefühls zur deutschen Nation in der Polemik mit Treitschke muß als eine Einschränkung seines jüdischen Nationalbewußtsci»« nach der heutigen Auffassuug dieses Begriffes gedeutet werden, Einen seelischeu Zwiespalt in diesem Standpunkt können nur die Zionisten von heute finden. Graetz selbst konnte dies nicht fühlen. Seine absolute Verbundenheit mit der religiösen Tradition, an der er nicht minder als jeder Orthodoxe fcsthiclt, bildete den unlösbaren Kitt, der wirklich oder scheinbar divergierende Anschauungen, wcnigslciis für ihn selbst harmonisch verbinden konnte. Da er aber auf der anderen Seite im Judentum Religion im engeren Sinne gar nicht oder, mit Renan zu sprechen, ein Minimum an Religion erblickte, so fand er hier wieder die Brücke zu seiner nationalen Erfassung des jüdischen Wesens. Das sind ln groben Umrissen die seelischen und geistigen Züge, die cs rechtfertigen, Graetz einen Nationaljtidcn zu nennen. Wenn man mit historischem Blicke und nicht mit der strengen Sonde der modernen Partcianschauiingcu die Relativität dieses Begriffes, der sicherlich auch heute noch nicht seine endgültige Forinu-, lierung gefunden hat, gelten läßt, wenn man aus dem Ingenittm der Persönlichkeit, ihrer Stellung zu den Zeitfragen, kurz aus den ganzen Verhältnissen heraus sich ein Bild von der geistigen Physiognomie H. Graetz׳ zu machen versucht, dann dürfte wohl unsere These kaum einem ernsthaften Widerspruch begegnen. Ob Graetz, wenn er heute lebte, Zionist wäre, ist im Grunde eine müßige Frage. Ich selbst glaube aus triftigen Gründen, daß er mit großen Sympathien abseits stünde, wie mau wohl schon aus seinem Verhalten gegenüber den Cliowcwe-Zion sch ließen kann. Wie dem auch sei, wer so wie Graetz die Gesdiichtc seines Volkes schreiben und erleben konnte, wer an die nationale Wesenheit des Judentums und seine Wiedergeburt so fest wie er glaubte, wer für Palästina und das Hebräische, für Tradition und Leben der Judenbeit in solcher Liebe erglühte, wer, von rechts und links verlästert, im Grunde als Einsamer, fast Vcrfehmter, den während seines Streites mit Treitschke in einer für sie wenig rühmlichen Art weite Kreise der deutschen Judeuheit so jammervoll im Stiche ließe״, da st and, «1er ist, man sage, was man wolle, ein Nationaljude, «lern auch die jungen Juden, welche sieh als Träger der nationalen Zukunft fühlen, zu mehr als pietätvollem Gedenken verpflichtet sind. Denn auch sie schulden ihm unauslöschlichen Dank. Dr. jasef Meist Brief aus Skandinavien In Skandinavien weilt seit einigen Wochen der Vorsitzende des polnisch-zionistischen Zentralkomitees und Mitglied des Warschauer Stadtratcs, Herr Fi. Färbstein. Er besuchte Kopenhagen und Stockholm im Auftrage des Warschauer Magistrats zwecks Herbeischaffung voii Lebensmitteln für die polnische Bevölkerung. Herr Farbstein setzte sich sofort mit den Herren Dr. E. W. Tsch lenov und Dr. V. Jacobson vom Engeren Actions-Comitö der Zionistischen Organisation sowie mit den skandinavischen führenden Persönlichkeiten, vor allem mit Prof. D. S i 111 <» 11 s c n und Oberrabbiner Dr, Schornstein in Verbindung. Er wurde bald darauf vom dänischen Ministerpräsidenten Zahle empfangen, dem er über seine Mission wegen der Notlage in Polen referierte. Der ״Ministerpräsident sprach Flerrn Farbstcin seine volle Sympathie für die polnische Bovülkcnmg aus und empfahl ihn zwecks Ausführung seiner Aufgabe an die entsprechenden Departements. Eine Reihe hervorragender jüdischer Kauflcute in Kopenhagen unterstützte Herrn Farbstcin in seinen Bemühungen, sodaß es ihm nach kurzer Zeit gelungen ist, für Polen einig« bedeutende Konzessionen erfolgreich tlurehzuliihrtn. Auch in Stockholm unternahm Herr Farbstcin eine Reihe wichtiger Schritte, unterstützt von den füllrcndcu Persönlichkeiten der dortigen Jüdischen Genteiude. Hierauf fand in Kopenhagen eine Beratung statt, in der beschlossen wurde, an «len Präsidenten Wilson den telegraphischen Appell zu richten, er möge die Zufuhr von Lebensmitteln aus Amerika nach Polen in dem Maße genehmigen, wie Amerika cs gegenüber der belgischen Bevölkerung zuläßt. Ein dringender telegra* phischer Appell ging ab an die führenden zionistisehen Persönlichkeiten in Amerika, die Mission des Herrn Farbstcin tatkräftig zu unterstützen. Der Appell war unterzeichnet von den Herren Prof. D. Simonsen, Dr. E. W. Tsch len ow und H. Farbstcin, Gegenwärtig unternimmt ,Herr Farbstcin Schritt« wegen Ausfuhr von in Skandinavien lagernden, den Entcntemiiclnen gehörenden Lcbcnsinitteijirodiikten nadt dem Königreiche Polen. Herr Farbstein wandte sich Ln dieser Sache telegraphisch an den englischen Minister* Präsidenten Lloyd George. Bekanntlich hat Herr Farbstein eine ähnliche Aktion in der Schweiz nach telegraphischen Verhandlungen mit dem damaligen französischcn Ministerpräsidenten Ri bot erfolgreich durchgeführt. Anläßlich der Anwesenheit des Herrn Farbstcin in Skandinavien hat eine Reihe von Beratungen der Hilfskomitces stattgefunden. Herr Farbstcin hat in mehreren speziellen Beratungen über die materielle Lage in Polen referiert, worauf «lic Konferenzen sich telegraphisch um Hilfe nach Rußland und Amerika gewandt haben. Gegenwärtig sucht Herr Farbstcin ein besonderes Komitee polnischer Juden in Skamlinavicn zu organisieren, das die Aufgabe übernimmt, ein jüdisches Kinderheim für 500 Kinder in der Nahe von Warschau zu errichten und zu unterhalten. Das Oründungskapital soll demnächst deponiert werden. Buchbesprechungen Josef Meisl: Heinrich Graetz, Eine Würdigung des Historikers und Juden zu seinem 100. Geburtstage, 31. Oktober 1017 (21. Clieschwan). Berlin, 1917. Verlag Louis Lamm. Der Sinn für Geschichte ist in jedem Volke umnitteibar abhängig von dem Grade des nationalen Bewußtsc ms. Je stärker sich im Volke die nationalen Instinkt« und Impulse entwickeln, desto leidenschaftlicher wird in ihm das Verlangen nach Erkenntnis seines geschichtlichen Weges. Dieser Grundsatz der Volkspsychologle gilt in gleichem Maße auch für den Einzelnen als Glied dei Volksgemeinschaft, Erst in demjenigen Individuum erwacht das Bedürfnis nach Erkenntnis der geschichtlicher Vergangenheit seines Volkes, das den Zusammenkauf, mit der Gemeinschaft in sein Bewußtsein erhoben hat sich restlos als Glied des Volkes fühlt. Die Nebcneiiiamlerstelluiig des Historikers mul de! Juden Heinrich Graetz als Gegenstände einer kri tischen Untersticlnmg, wie sie Josef Meisl in eine Festgabe zum 100. Geburtstage des großen jikliscliei Historikers des 19. Jahrhunderts versucht hat, ver rät. darum tiefes Verständnis für diesen Zusammenbau( zwischen Oaiidnsdiaflsbewußlscin und ßcschiditlidtcii Erkenntnisdrang. Dam diese beiden Empfindungen um Strebungen sind bei Graetz, in gutem und schlechter Sinne, «me untrennbare Einheit. Graetz ward Miste riker des jüdische 11 Volkes aus leidenschaftlichem jüd! sehen Gefühl und er schrieb sein Geschiehtswerk nid! von der hohen Warte des gefühlsmäßig uninteressierte! rem wissenschaftlich untersuchenden Gelehrten sonder mit der heiße., lubrunst eines sein Volk I,•eilenden Jude! Die bchrift Meisls ist, wie wir gesagt haben, ein kritische Untcmidnmg. Gewiß, man merkt in jede Zeile des Werkes die tiefe Liebe und Öcwundcruni die der Verfasser für die Persönlichkeit, den Juden u.1 den Gcschkhtsschreibcr Graetz empfindet, und dei noch verschließt er seinen Blick nicht vor den Man- ״ein und Fehlern, die dem Manne und dem Werke anhaften. Eine knappe biographische Einleitung eröffnet die Meislschc Schrift Sie durfte so knapp sein, weil es der biographischen Würdigungen Graetz׳ bereits ge- 1111g gibt. Der Biographie folgt eine Uebcrsiclit über die jüdischen Geschichtsschreiber vor Graetz, in der sich ,manch treffliches Wort über den Wandel der Anschauungen und Erkenntnisse• bei den jüdischen Geschieht«- Schreibern von Flavins Joscphus bis auf I. M. Jost findet, die aber doch zu skizzenhaft ist, um Gnmdlcgern les 11ml AlwdilicUcndcs zu dieser Frage sagen zu können. Mit dein dritten Kapitel tritt dann der Verfasser in die Behandlung seiner eigentlichen Aufgabe, die Untersuchung des Wertes des Gractzsclien Ocschiclits- Werkes ein. Zweierlei fällt dem Leser bei .dieser Un* tersuclnmg angenehm auf; tlafi siel! der Verfasser mit ziemlicher Konsequenz davon fcrnhiilt, den Inhalt der einzelnen Bünde auch nur auszugsweise wiederzugeben, wozu die Verleitung siclierlidi sehr nahe lag, und daß er sieh «furch die Bewunderung für «len Juden Grad/, «len Blick für «Ile Schwächen des Historikers Graetz nicht hat blenden lassen, Welches diese Scliwüdien sind, weiß jeder, der cintnal ernsthaft irgendeinen Band des Gractzsclien Gesdiichtswcrkcs durdigearbeitet, der sich an der Ungenaulgkdt pnd Lückenhaftigkeit der Queliciibciiutzung, an der Zusammenhangslosigkeit vieler Partien, der tendenziösen Aburteilung von Persollen und Ideen und nicht zuletzt auch an der Geschmacklosigkeit der Darstellung an vielen Stellen gestoßen hat. Das Neue um! Beachtenswerte an der Meislsehcn Kritik ist also nicht das Inhaltliche, 6011- «lern das Formale, der Versuch, diese Sdiwüchcn der Gractzsclien GescliicHGadtreibuii״ aus ihren Ursachen zu erklären mul zu begründe״, Graetz׳ Gcsdilditswcrk muß die Schwächen haben, die cs aufweist, weil die Aufgäbe, «lic Geschichte des jüdischen Volkes zu schreiben bei dem Umfang und der Mannigfaltigkeit des Stoffes und «Hr—■י— ■ ■ jh»»■«,!.■; ■ ■11.■; «. . j_. * -י .!!■■■ ■ mm ■?■11י bei der Unzulänglichkeit der geleisteten Vorarbeiten di« Kräfte eines Einzigen bei weitem überstieg und weil anihrerseits der Jude Graetz, der leidenschaftlich liebend« und hassende Mensch dem I listoriker auf Sdiritt und Tritt im Wege stand. Das ist in der Tat das Geheimnis der Graetzschen Geschichtsschreibung und cs ist das Verdienst Meisls, dies, soweit mir bekannt ist, zum erstenmale ausgcspxbchcn und folgerichtig nachgewiesen zu haben. Der stärkste Mangel des Gractzsclien Gcschiclits- Werkes, «las Fehlen eines einheitlichen Grundgedankens, das an der wahllosen Vermischung von politischer, Rc- IIrIoiis- und Literaturgeschichte im Aufbau des Werkes die größte Schuld trägt, wird freilich auch durch diescs Geheimnis nicht erklärt. Lind hier ist darum ein Hinweis darauf angebracht, «laß Graetz als Schüler Hegels der Darstellung des Geschieht.« Verlaufs der Juden die Auffnssting von elcr Entwicklung der Idee zu Grunde gclegt und dadurch mehr die Geschichte einer geistigen ßcwegimg als die einer sozialen und politischen Gemeinsehaft von Menschen, oder noch besser, keins von beiden geschrieben hat. Diesen Hinweis, der identisch Ist mit der letzten Erkenntnis «kr Mängel Gractzschcr Historiographie vermißt man bei Meisl, vermißt ihn umsomehr als Tä übler in seiner Antrittsvorlesung an der Lehranstalt für die Wissnschaft des Judentums (erschienen im Oericht der L, f. d. W. d. J., 1913) diese Frage mit einleuchtender Klarheit Min adelt hat. Der zweite Teil der Meis Ischen Schrift ist der Untersuelumg der Stellungnahme Graetz' zur jüdischen Gemeinsdiaft gewidmet und hier kann man ohne Einselirünkung mir Anerkennung yollcit. Wie Meisl auf Grund des Geschichtswerkes, der beiden Oractzschcn Bckeiintuisscliriftcn ״,Verjüngung des jüdischen Stamnies" und ״Briefwechsel einer englischen Dame über Judentum und Semitismus“ und seiner $tcllun£nahmc z« aktuellen jüdischen Fragen das Bild «les jüdischen Menschen Graetz zeichnet, ist höchster Bewunderung wert. Richtig hat er erkannt, daß Graetz gegenüber 4 ■;* ä* I * 1 1 i » ז