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Jüdische Rundschau · 1917-11-02 · Heft 44 (2.11.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'',l’i, '7 n J j “זנל CT/■' s3 ׳ / \ \ י. \c;;?«.• Redakti•״ und Verlag jüdische Rundschau, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, Er- (cheiat wechentl. am Freitag. Abonnement bei der Expedition und bei allen Post-Entern viertaljährl, Mk. 2,75 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr. 5,— im Ausland Hk. 4,— Nummer 44 U-=SCffiaK5URZ;i:* Berlin, den 2. November 1017 A / u ך--e ך—־1 •J» t- . ,״> «... Telephon: Amt Uhlatsd 845. S4S, Pasiräe■ K. i*.Pontjparkessenamt Schcd-konto Nr, 156030, Anzeigen die sechsgeapalteb• Petits»l!o oder dercaRaum 40Pf.Teuerun״s1unchlag 15°/״. Rcdaktien»:d1!ußbienst»״ nachm• Skonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreidhl «ir 17. CI5c3cln־/an 5070 XXII. Jahr^an: / Zum zionistischen Delegiertentag in Polen ,Während dieser Tage findet eine der bedea- Rings vollsten zionistischen Konferenzen der Kriegs׳• Zeit statt In Warschau versammeln sich die zionistisclicn Delegierten von Polen, um all die brennenden Fragen durchzubcraten, die heute die polnisehe Judenheit, die polnischen Zionisten und die Zionisten der ganzen Welt so tief bewegen. Eine stattliche Zahl von Delegierten — nach vorlättfiger Schätzung sind es 350 — wird sich aus dem deutschen und — soweit es die Verhältnisse nur irgendwie gestatten — aus dem österreichischen Okkupationsgebiet ln Warschau zur Konferenz zu- ׳samnrcnfindcn. Schon dies allein zeigt den gro- Len Fortschritt und die große Bedeutung dieser zionistischen Zusammenkunft. Noch deutlicher aber geht die Wichtigkeit der Konferenz aus der Tryrcsordnung hervor, die das Zentralkomitee für sie aufgestellt hat. ״Die Aufgaben der Zionisten in Polen", ״Die Stellung der Zionisten im polnischen Judentum“, ״Die Kulturlund Tzrzieluuigsaufgabcn“, ״Unsere Presse und ihre Aufgaben“, ״Unsere Pflicht gegen Palästina“ sind die großen vielsagenden Themen, die von der Konferenz behandelt und über welche festumgrenzte, für die Zukunft bindende und vcrpflichtende Entschlüsse gefaßt werden sollen. Die politische Entwicklung in Polen zwingt — wie alle politischen Parteien Polens — auch die Zionisten zu einer Festsetzung ihrer Aufgaben innerhalb des Landes. Das iunerjüdisehe Parteileben, das gerade im letzten Jahre in seiner Intensiiiit eine große Steigerung erfuhr, fordert von den Zionisten eine klare Stellungnahme zu den übrigen jüdischen Parteien und Strömungen im Lande. Aus einer solchen Präzisierung und Abgrenzung wird der Zionismus in Polen eine innere Stärkung erfahren. Welche überragende Bedeutung in nächster Zeit der Frage des jüdischen Schul- und Erziclmngswesens zukommt, kann dem nicht zweifelhaft er- Scheinen, der diese Frage und besonders ihre letzte Entwicklungsphase aufmerksam verfolgt hat. Im' Kampf um die nationalen Rechte und — als erstes und wichtigstes dieser Rechte — die nationale Schule, aber auch im Kampf für die Ausbreitung des zionistischen Ideals ist die zionistische Presse Polens eines der wirksamsten, ja das wirksamste Mittel und cs ist klar, daß die Formulierung der Aufgaben dieser Presse eine große zionistische Notwendigkeit ist. Im Mittelpunkt der Tage so rdnuiig d*er Konferenz aber stellt das zentrale Problem der Arbeit für Palästina. ״Unsere Pflicht gegen Palästina“ — schon in dieser Formulierung des Themas liegt ein Hinweis auf die Art, in der sich die Warschauer Zionistenkonferenz mit dem Palästina-Problcm auscinandcrzüsetzen beabsichtigt. Die schon im ,Vorjahre beschlossenen Arbeiten zur Vorbcicitung von Pioniergruppen werden auf Grund der Ereignisse des verflossenen Jahres noch erweitert und intensiviert werden. Neben allen diesen Problemen wird auch den akuten Organisationsfragen die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Treten doch die Zionisten Polens zum ersten Male als legalisierte, in der ״Zionistischen Vcreiriißung für Polen“ organisierte Körperschaft zusammen, die ihnen erhöhte Arbeitsmöglichkeiten gibt, aber auch erhöhte Pflichten gegen die Organisation auferlegt. Mit den Gefühlen hoher Erwartung und warmer Teilnahme verfolgt das zionistische!und zionsfreundliche Judentum die Verhandlungen der polnisehen Zionistentagung. Den polnischen Gesinmwgsgenosscn für eine fruchtbare und erfolgreiche Durchführung ihrer Beratung die besten Wünsche auszudriieken, ist ein tiefgefühltes Bedürfnis der gesamten zionistischen Oeffcntliclikeit Gedenket de* Hilfswerks für Palästina! Gedenket der Evakuierten t ״Der Kostrar.* ertfrebi fr»? 1*,:s YcE* die Schaffung} einer C.~cn׳.üct-reebJI!05» £t:!c’5ct4c® Helmiiülic ta PelürttnA/' Eaiclcr Fredranitt*. An die lecer der rildlodicn Rundschau Durch die infolge der großen Papierknappheit erlassenen Verordnungen, die der Presse die Verpfliclitung größter Sparsamkeit auferlegen und uns in unserer früheren ausgedehnten Propaganda(־ tätigkeit durch Versendung der ״Jüdischen Rundschau“ an Nichtabonnenten vollständig beschrärtken, sehen wir uns veranlaßt, an unsere Leser mit der folgenden Bitte heranzutreten: Uin eine Verbreitung unserer Idee auch in so!• dien jüdischen Kreisen, die bisher unserer Bewegung fern gestanden haben, zu erleichtern, ist es!unbedingt erforderlich, daß uns eine größere Anzahl von Exemplaren der ״Jüdischen Rundschau“, die wir zu dieser Propaganda verwenden können, zur Verfügung steht. Unter den gegebenen Verhältnissen wird dies nur dann ermöglicht werden können, wenn unsere Abonnenten bereit sind, ihre 'Exemplare möglichst bald an die Expedition der ,,Jüdischen Rundschau“ znrückzuschickcn. Die Nachfrage nach der ״Jüdischen Rundschau“ ist, besonders von seiten jüdischer Soldaten und Feldrabbincr an der Front und in den Garnisonen, Lazaretten, Krankenhäusern, Soldatenheimen usw. und von seiten jüdischer Gefangenen so groß, daß cs eine sehr verdienstvolle Tat jedes einzelnen ׳unsercr Leser wäre, wenn er es sich zur Gewohnheit machen würde, gut erhaltene Exemplare der ״Jüdischen Rundschau“ für diesen Zweck dem Verlag der ״Jüdischen Rundschau“ zur Verfügung zu stellen. .Verlag der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin ,WL 15, Sächsischcstr. 8. Vor der zionistischen Jahrcskonferenz in Polen Die Vorbcreitmigsarbeit zur dritten zionistischen Jahreskouferonz in Polen, die am 28. Oktober in Warschau eröffne! wurde, erweckte in der zionistischen öeffentliehkeit Polens und in weiten Kreisen der polnischen Judenheil starkes Interesse. In Warschau und in der Provinz wurden wiederholt Versammlungen abgehalten, die den Tragen, mit denen sich die Konferenz beschäftigen wird, gewidmet waren. Aut Anfragen mancher Vereine des ocsterreirhischen Okkupationsgebietes erklärte das Zentralkomitee, daß die Konferenz eine-Ko n f e re n z der Zionisten des gesamten Polens und nicht bloß des deutschen Okkupationsgebietes sein wird. Es ist aber noch fraglich, inwiefern die Ortsgruppen des österrciehischeii Okkupationsgebietes bei den gegenwärtigen Vcrkchrsscliwierigkeitei! von diesem Rechte Gebrauch machen können. Herr H. Farbstein, der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Polen, der gegenwärtig im Aufträge des Warschauer Magistrats zwecks Versorgmig der polnischen Bevölkerung mit Lebensmitteln in Dänemark weilt, wird wahrscheinlich nicht bis zur Tagung der Konferenz nach Warschau ■'ziirüekgekehrt sein. Herr S. L. Oordon, der das Referat über die zionistische Schulpolitik, eine der wichtigsten Fragen der Konferenz, übernommen hat, ist erkrankt und wird vermutlich verhindert sein, der Konferenz bciziiwohnen. I» Lodz, Warschau und in einer Reihe von Provinz• stiidteu trat bereits der Wahlkampf der verschiedenen Richtungen Innerhalb der Partei begonnen. In Warschau, wo der hohen Zahl der Schckcl/alilcr gemäß 40 Delegierte gewählt werden, konkurrieren vier Kandidatenlisten miteinander: die eine ist von den sechs ältesten zionistischen Vereinen aufgestellt und beginnt mit der Kandidatur von H. Farbstein. Eine zweite Liste der zionistischen Jugendorganisation ״Mcrkas“ bcsteht aus den Führern der neugeschaffcncn Fraktion der ״Zion Isten-Demokraten“, den Leitern der Jugcmlorgaiiisntion und den zionistischen Journalisten. Außerdem figuriert noch eine Liste des. ״M i 8 r a C 11 i" und eine des zionistischen Frauenvereins ״Bnoth Zion“. Der Warschauer ״Merkas“ beruft zusammen mit den ״Z c J r c.- Z i on“ in Lodz vor der Eröffnung der Konferenz eine Beratung der Vertreter der zionistischen Jugendorganisationen in der Provinz ein. Die obenerwähnte Pnikiion ״Zionlsten-Dcmokraten", die gegenwärtig im Entstehen bcgriffen ist, hielt am 10, und 18. Oktober zwei Gründungsvcrsammlimgen ab, an denen eine große Zahl Zionisten teilnalimeii. A. L. Schalkowitsch (Ben- . Awigdor), J. H eftmann, J. Freud und andere ent- ■ wickelten das Programm der zu schaffenden Fraktion, das in der I>cmokratisierung der zionistischen Tätigkeit, der Betonung der Gegen wartsarbeit und der Vervolkstümlichung des Zionismus bestellt. Es fielen bei den Gründungsversammlungen der Fraktion auch manche bittere Worte gegen die gegenwärtige zionistische Leitung in Polen, die angeblich die nationalen Tagesaufgaben des polnisehen Judentums vernachlässigt habe, von einem konscrvativen Geist getragen sei und einerseits der jidischen Sprache, andererseits der palästinensischen Piomcrbewegung nicht das gebührende Interesse schenke. In einer , langen Rede nahm Dr. J. Gott lieb das Z. K. in Schutz, * ln der Konferenz-Woche erscheint das hebräische Parteiorgan ״H a z e f i r a“ täglidi. Gleichzeitig werden auch tägliche Bulletins in jidischer Sprache über die Tätigkeit der Konferenz licrausgcgcbcn. Es werden ungefähr 350 Delegierte erwartet, darunter eine Anzahl angesehener Rabbiner, * G raetz Zu seinem hundertsten Geburtstag Um einer so vielseitigen Persönlichkeit mit einem so komplizierten Seelenleben, wie H, G raetz es war, einigermaßen gerecht zu werden, muß man sich einige Ellen hoch über die Formeln und Schlagwörtcr des Tages erheben. Wie es verkehrt wäre, Gractz als einen Rcaktioiüir hinzustellen, weil er den Liberalismus und die Reform mit unzweideutiger Schärfe ablchnte, oder ihn als ״Apikores" zu verdammen, seine Traditionstreue anzuzweilcln, weit er trotz aller Rcformgegnerschait das Entwickclungsprinzip auch für die Religion gelten läßt und vor einer fast radikal zu nennenden Kritik der Religionsquellen und anerkannten rabbinisclien Autoritä* ten nicht zurücksdieut, so wäre cs nicht minder falsch, ihm deswegen die nationale Auffassung des jüdischen Wesens absprechen zu wollen, weil das Bild, das er vom Judentum zeichnet, nicht iti alien Punkten sich in ein zionistisches Parteiprogramm ein fügen lallt. Wenn ich In meinem zum hundertsten Geburtstag von Gractz erschienenen Buche*), gestützt auf ein nach meiner Uebcrzengiing erdrückendes ßcwcismatcriaj, ihn einen Nationntjuden nannte, so geschah cs nicht aus purer Lust, ihn unter eine Schablone zu rubrizieren, sondern weil ich glaube, daß kaum eine andere unter den großen Persönlichkeiten der deutschen Judenheit während des neunzehnten Jahrhunderts so viele engverwandte Seclcnkliinge mit der lutiomdjüdischen Bewegung aufweist, wie eben Gractz. ln diesem Sinuc möchte ich die kürzlich von anderer Seile gebrauchten Worte, daß nicht die liberalen Hüter der ״Wissenschaft des Judentums“, sondern die Bekenner des nationalen Gedankens die wahren Vollstrecker des üraetzschen Erbes sind, unterschreiben. Wie keiner der jüdischen Historiographen deutscher Zunge vor und nach ihm hat Gractz in seiner clfbändigcn ״Geschichte der Juden“ den nationalen Oesichtspunkt zur Geltung gebracht. Die jüdische Geschichte war ihm keine Kirchen- und Dogmengeschichtc, auch nicht die Geschichte einer ״Religionsgemeinschaft“, er vindizierte ihr vielmehr einen nationalen Charakter, ״weil sie nicht bloß den Entwicklungsvcrlauf eines Lehrinhalf.% sondern auch einen eigenen Volksstamm zum Gegenstand hat, der zwar ohne Boden, Vaterland, geographische Umgrenzung und ohne staatlichen Organismus lcl>te, diese realen Bedingungen aber durch geistige Potenzen ersetzte“. Denn die Glieder des jüdischen Stammes hörten trotz ihrer Zerstreuung Jn alle Zonen nicht auf, sich ״in Religionsbekenntnis, geschichtlicher Erinnerung, Sitte und Hoffnung als ein einheitliches Volkswesen zu fühlen,“ Für einen jüdischen Geschieht®- Schreiber, der aus dem Wesen des Judentums heraus und nicht auf ein apologetisches Ziel starrend, die Vergangenheit seines Volkes darstellen will, ist dies der einzig mögliche Standpunkt. Jede andere Betrachtung«- weise ist abwegig und führt zu bewußter oder unbewußter Fälschung der Tatsachen. Was immer man gegen die Gractzschc Geschichtsschreibung einwenden mag, vor allem gegen den Plan, mit den absotut unzulänglichen Mitteln jener Tage eine Gesamtgeschichte der Juden schreiben zu wollen (ein Plan, der uns bei dem heute so vorgeschrittenen Stande der Forschung beinahe absurd erscheinen würde, in einer Zeit, die Dutzende von ״Weltgcschichtcn“ produzierte, nicht so sehr verwundern kann), was immer über ihre Lücken, die stellenweise tenden* ziöse Färbung des Materials, die mangelhafte Berücksichllgung, ja fast die Vernachlässigung der Wirtschaftsgeschickte, die bisweilen anstößige Art in der Benutzung fremder Forschungsergebnisse u. a. mit Recht gesagt worden ist, kein Sprwchbcfygter kann Oraetz das Ver- *) Verlag Louis Lamm, Berlin. Vcrgl. die Bcsprechung in dieser Nummer der ״J&d. Rundschau“. (D, Red.) (

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