Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652026-2652064--11292-2668600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Cu י ד״׳ץזזי נ' ‘3 \mrס»י" י ,ליז* Direkte Mitteilungen, die dnn «I10~)0nl;n~0a0r Büro <!or Zionistischen Organisation*׳ erhielt, besage«, dass weitere Evr.lran.tiouen in Pal";;li11a nicht zu befürchten seien. Dagegen ist der evakuierten Bevölkerung Jaffa# die Ilu:: ::,;ev.r in Ihro Hcimrtläticn bisher eicht gostattot worden. Die Noilago der jüdischen Bevölkerung, besonilora auch der mittellosen jüdischen Einwohnerschaft Jerusalems wächst von Tag zu Ta« und alle bisheriges HilfcksbUtng hat sich alu unzureichend erwiesen. Die Juden aller Länder cj.Ercon das Illlfawerk für Palästina fördern und an den bevorstehenden Feiertagen ihrer unglücklichen Brüder in Palästina gedenken. ׳ Spenden sind zu richten an das I!Il"8werl5 für Palästina, Berlin W 15. Postscheckkonto Berlin 4192. Er sind viele Äußerungen in einem für ein i ü d i - sc lies Palästina günstigen Sinne von den maßgellendsten Stellen gehört worden. Noch ist die Zeit nicht gekommen, zu beurteilen, welche Acußerungcii nur historischen oder audi politischen Wert habe״ Die meisten Aeiißcrmigcn sowohl von Rcgicrimgssciie als von maßgebenden Personen Und Organisationen gehen von einer bestimmten Konstellation aus und haben ferner gemeinsam, dal) man Palästina zum jüdischen Lande machen will. Dem jüdischen Volke ist es ernst um Palästina, und die erweckten Erwartungen werden mit größtem Vertrauen eiitgcgeiigeiiomiiieii. Unser Volk lebt mehr als alle anderen Völker in einer Zeit großen Elends und entsetzlicher Opfer, In soleheii Zeilen ist die wiiehge* rufenc Moflmmg nicht wie Spreu vor dem Winde, Es ist unserem Volke blutiger Ernst mit der Ueberzeu* gung, dal) ein Unrecht von 20 Jahrhunderten nicht fortdauern könne und auch nicht fortdauern werde. Es erwartet, daß die Schmach des jüdischen Elends nicht an der christlichen und modernen Kultur der neuen Ge• schidriscpoche haften bleibt, sondern dal) das jüdische Volk in Zukunft sicher wohnen wird im Lande der Väter, Hierfür haben wir laut Wolflsohns Worten ״öff c nt i i eh - r efili 11 i c 11 e Garantien" nötig. ״Wie diese zu erreichen sind, hängt von den politischen Verhiiltiiissen ab." Die zionistische Bewegung ist neut r a I. Wir sind keine Kriegspartei und üben auf den Ausgang des Krieges keinen Einfluß aus. Was wir verlange«, ist an alle Mächte gleichzeitig gerichtet. Für eine Politik, die den lag überdauern will, ist dies auch gar nicht anders möglich. Die Miiclitc haben wohl ihre Haltung zur Türkei hin und wieder geändert; wir aber sind gleichwohl immer dieselben geblieben. Wenn wir von der Türkei die Gewähr für eine gesicherte Eutwickhing erhalten, so werden wir ihre loyalen Bürger in Palästina sein, aber was wir verlangen, ist, die Oei e g e 11 h e i t zu 11 a b e n, um in Palästina u ns c r e Loyalität z, u beweisen. Wir hören den Einwurf: ihr erhaltet nur Sympathickundgebungen von der einen Seite der kriegftihrendcn Parteien, Diejenigen Mächte, die euch ihre U11terstüt/.ung angedeihen lassen wollen, werden durch ihre eigenen Interessen dazu veranlaßt, Wir wissen das. Aber sollte uns diese Hilfe darum weniger wertvoll sein, wenn uns das Ergebnis befriedigen kann? Auch andere Mächte, die uns bisher nicht unterstützten, hätten ein eigenes Interesse hieran, wenn sie sich auch darüber noch nicht genügend Rechenschaft gegeben haben. Wir aber sind ,unbefangen genug, die Förderung unserer Bc- Strebungen von jeder Macht und Mächtegruppe dankbar entgegenzunehmen. Diese Haltung können wir deshalb so konsequent durchführen, weil wir nur jüdische Politik treiben und uns nicht für fremde Politik gebrauchen lassen und weil die Verwirklichung unseres Programms — anders als einzelne Aussenstehcndc zu meinen scheinen — durdiaus nicht von einer bestimmteil politischen Konstellation abhängt. Der Redner gab dafür verschiedene Beispiele und fuhr dann fort: Unsere Neutralität verpflichtet uns aber auch, objektiv zu sein. Deshalb müssen wir fcststellcn, daß man in den Lindem der Zentral machte .ebenfalls uitscreu Bestrebungen sympathische Stimmen vernommen hat, Es handelt sielt dort bisher nur um niditoffiztelle Aeusserungen, aber die Einsicht wächst auch dort, daß sieh dam zionistische Ziel in der praktischen Politik nicht totschweigen oder umgehen läßt. Man wurde bisher auf dieser Seite hauptsächlich von der unrichtigen Vorstellung beeinflußt, daß der Zionismus eine Loslösimg Palästinas von der Türkei erstrebe. Palästina ist zwar kein ti'irkisclics Land in dem Sinne, wie die Niederlande hollänflammend und, vor keiner Gefahr zurückwcicfiend, zu allen Opfern bereit ist — und über all dem der wunderbare, tiefe, ewig lachende Himmel Palästinas) Und auf der anderen Seile: die engen und krummen, iingepflasterten und unbeleuchteten Gäfktieu der ״Tscherta" mit ihren armen, kleinen Krämerlüden, mit dem ewigen Lärm und Gepolter um einen zerbrochenen kupfernen Groschen, mit finsteren Gestalten von kränklichen, blutarmen und stets durch kleine Sorgen iiiedergcsdilagcneu Menschen, vergrämt und verbittert durch große Not und Bedrängnis, düster und ahgemagert durch. Fasten und Peinigung, durch den jahrhundertelangen unnatürlichen Druck, durch religiösen Rigorismus und Askelismus; Menschen, die ständig beten und bitten, die sich ständig unter Selbstanklagen an die Brust schlagen, Buße tun und nidit aulhören, vor dem ״Tage des Gerichts" zu zittern . , . Es ist ganz natürlich, daß die reizvollen Bilder aus der alten jüdischen Vergangenheit, die, belebt von den Strahlen reiner Kirnst, aus Mapus Pinsel krmicii, die jüdische Ghetlojugeinl einfach bezauberten, i 1ml dieser Zauber wurde noch viel größer und starker durch Mapus Blume!!spräche, durch seinen hebräischen ״Meli/J״-Stil, der in allen seinen Nuancen und Schatticru«gen völlig von biblischem Geiste durchdrungen war. ,,Ahawalli Zion" hatte auf den jungen hebräischen Leser eine doppelte Wirkung. Vor allem rief cs in ihm einen inneren Protest gegen das ganze eigenartige ״Weben und Streben" des Ghettos, die gewaltsame Unterdrückung der Gefühle, die gebieterische religiöse Enthaltsamkeit von allen Irdischen Gelüsten und die Einschläferung des Lebenswillens hervor. Und damit zusammen erweckte ״Ahawath-Zion“ im Herzen der jungen Leser eine große starke Liebe zum Lande der großen jüdischen Vergangenheit und eine tiefe Schnsucht nach dem einstigen palästinensischen, freien, diseh sind; nur eine kleine Minderheit der Ikvölkcrting ist türkisch; aber die Türfei Ist die Beherrscherin Palästinas. Die Mittelmächte sind mit der Türkei verbündet und es ist klar, dal) ein Mißverständnis bcziiglieh des zionistischen Ziels eine Meinungsäußerung hinsichtlich der Zukunft Palästinas beeinflussen muß. Darum freuen wir 1ms darüber, dal) sich auch dort mehr und mehr das Verständnis durchsetzt, daß die zionistisehe Politik ein Punkt der Beratung für alle Mächte sein darf, kann und muß. Von allen Mächten, also auch von der Türkei, erwarten wir die Erfüllung unscrer Wünsche und eine Garantie für unsere freie Entwicklung in Palästina. Die zionistische Bewegung ist neutral und führt nur eine neutrale Politik. 'Wir entsprechen allen Vcrpflidthingen der Neutralität, fordern jedoch auch alle Rechte, die sieh aus ihr ergeben. Eines dieser Rechte ist; Sympathie zu haben und diese zu bekunden gegenüber denjenigen, die zeigen, daß sie uns durch die Tat helfen. Nur Sklaven können dies nicht tun, wir aber fühlen uns als jüdische Politiker innerlich frei. So haben wir historisch u,nd traditionell befestigte Sympathien für diejenigen, welche uns in der Vergangenheit eine Stütze waren; wir hegen diese Sympathien unter anderem neben dem Frankreich, das uns die Emanzipation brachte, für die Türkei, die zusammen mit Holland den von der spanischen Inquisition Verfolgten das sicherste Asyl bot, Das sind Sympathien, die sich diese Länder bei den Juden Rußlands und Amerikas ebensogut wie bei den Juden überall sonst in der Welt erworben haben. Das bcdeutet aber nicht, daß diese Sympathien nicht mehr verwirkt werden könnten. 111 Palästina haben wir jetzt Ursache zu ernsten Klagen. Der Redner möchte in diesem Zusammenhang auf den papiernen Krieg zwischen den Agenturen der Entente und der Mittelmächte über die Jaffacr Ereignisse nicht ciugchcn. Er will nur öffentlich fcststellcn, daß die türkisclien Maßregeln die Juden härter betroffen haben als die Nichtjuden. Der Redner kann und will auch nicht an eine Beurteilung der militärischen Notwendigkeit dieser Maßregeln hcraiitrctcn. Darüber sind sich offenbar die strategischen Gelehrten in Palästina selbst nidit einig. Er fühlt sich nur verpflichtet, die öffentliche Meinung ernstlich anzurufen. Die aus Jaffa evakuierten Juden können angcdchts des verstreichenden Sommers nicht in dem Zustande verbleiben, in dem sic sich jetzt befinden. Dies ist keinesfalls eine militärische Notwendigkeit. Wenn die Evakuierten in diesem Zustande die feuchte Jahreszeit und den Winter durchmadien, so werden die Krankheiten und Sterbefälle unter ihnen noch mehr zimehmen und ihrer wartet eine Katastrophe, Wir appellieren deshalb an da» menschliche Gefühl der ganzen Welt und besonders an das der türkischen natürlichen jüdischen Leben. Zwar verwischte die alles vernichtende Zeit diese Jugendsehnsucht; der Jüngling wurde zum Manu, dessen Leben neue Verlangen und neue Wünsche gebar; trotzdem blieb von dieser Schnsucht irgendwo im verborgenen Winkel des Herzens ein glimmender Funke zurück, und als die jüdische Gegenwart immer drückender wurde und das Daseins- Problem dazu zwang, neue Wege und neue Mittel zur Erlösung zit finden, flackerte der glimmende Funke der alten Sehnsucht wieder auf und in der Phantasie stiegen wieder die goidgewebten Bilder der großen Vergangenheit herauf und stark und feurig wurde das Verlange», diese Vergangenheit in eine reale Wirklichkeit zu verwandeln . . . Sobald nur das jüdische Streben naeli Licht und Freiheit auf die eiserne Mauer des Antisemitismus stieß, wurde plötzlich, wie von einer Urgewalt geweckt, der heiße Wunsch nach einem eigenen Leben auf dem alten historischen Bode,!» wach, der allmählich in der Cltil>l>atit-Zion-Bcwegung eine reale Form amiahm. leb will damit nicht sagen, daß Mapu der unmittclbare Schöpfer der Cliiblmth-Zion-Bewcgung war. Mapu war aber z»! seiner Zeit der ernte, der den *'Boden für diese Bewegung geebnet mul vorbereitet hat. Seine grolle Anhänglichkeit an die jüdische Vergangenheit, sein tiefes Sehnen midi dem eimtil/Nit jüdischen Leben im Lande der Väier -- das alles bewog ihn, die Vergangenheit als Symbol, als Ideal gegenüber duut finsteren elenden Giiettolebcn hinz.Ubtellci» und das führte zu Wirkungen, au die Mapu selbst vielleicht garuldit gedacht halte: es ebnete den Weg für den späteren zionistischen Gedanken. Alle jene Kreise hebräischer Leser, die als erste für den zionistischen Gedanken clntrnten, habe» viel, viel von ihrem erwachten Heimweh und ihrem unwiderstchlidicn Drang nach einem selbständigen politisch- Regierung. Wenn etwa Einflüsse am Werke sein sollten, die eine solche Ka• tastrophe nicht unglern ■sehen würden, so wird cs Zeit, daß man im Osten von der Weisheit des Westens lerne, daß das Blut der Märtyrer die Saat der Kirche i s t," Der Redner faßte dann die Forderungen, welche die organisierte Judcnhcit stellt, noch einmal zusammen und widmete einige Bemerkungen der Zusammenarbeit des Zionistenbundes mit der ITO und der Alliance. Er schloß seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag mit den Worten aus dem Manifest der ersten Palästina- Pioniere des vorigen Jahrhunderts (1880): ״Beth Jaakob lcchu svcnclcha!" (Nach dem Hause Jakobs laßt uns zielten und aufbrechcn!) Vom amcrikaniichen Hilfswerk Das ״Vereinigte Verteilungs-Komitee der Fonds für die vom Kriege betroffenen Juden" in New-York, dessen Präsident Herr Felix M, Warburg ist, hat von dem Statc-Departement in Washington die Erlaubis erhalten, Hilfsgeldcr für die Juden der okkupierten wie auch anderer in der Kriegszone liegenden Länder zu überweisen. Demgemäß sandte das Komitee dem H oliä nd ische n Gesandten in Washington zur Weitergabe an seine Regierung in Holland, die dann wiederum das Geld an die Bestimmungsorte gelangen lassen wird, folgende Beträge: $ 150000 für Polen und Litauen, S 100000 für das von, Oesterreich besetzte O c b i e t Polens. 8 50 000 wurden zum Lebensunterhalt und zur Bekleidung der Kinder in den hebräiselten Schulen in Warschau bestimmt, 8 40000 für Rumänien. 8 45000 wurden ais Monatsrate für Palästina zur Verfügung gestellt, außerdem 8 4000 für die Volksküchen und $ 1000 für das Gcsundheitsamt in Jerusalem. In Anbctradit der Notlage in Palästina beschloß das Komitee, außerhalb der Monatsraten weitere 8 50000 zu überweisen. Nach einer telegraphischen Meldung aus dem Haag sind dort ■die ,Mitglieder der vom Conjoint Distribution Committee eingesetzten Kommission zur Verteilung der amerikanisch-jüdischen Hilfsgcldcr für die notleidenden Juden in den Kriegsgcbictcn, Bogen und Senior, eingctroHcn, Zar polnischen Judenfrage in der Morgenausgabe des ״Berliner Tageblntts" von Donnerstag, dein 27. September, nimmt Georg Gothein, Mitglied des Reichstags, in einem ״Der Schutz der nationalen Mindcrhciteil in!,ölen" betitelten ,Leitartikel zur polnischen Judenfrage Stellung, Er tritt im Wesentlichen für den nationalen Leben in Erez Israel aus Mapus ״Ahawath- Zion" geschöpft. Noch mehr: Wenn wir uns heutigen Tages fest an die Untrenubarkeit der Triade: Volk, Sprache und Land halten und uns das eine ohne das andere nicht mehr vorzustcilen vermögen, so haben wir das mit von Mapu geerbt. Erez Israel und die hebräische Sprache landen in Mapu ihren begeisterten Vcrhcrrlidicr. Die Liebe zu Palästina und zum Hebräiselten verschmolzen in Mapus poetischer Seele harmoniscli in eins und diese Versdmiolzenheit übertrug sich auf alle jene, die sich an Mapus Werke erzogen. Nicht zum ersten Mal sehen wir, daß große Schriftsteiler mit ihrer Tätigkeit hervorragend״ Wirkungen erzielten, die sic selbst weder voraussah noch erwar• teten. Mapu war einer von ihnen. (Aus dem Jidischen). Die Ifamborger Arbeitsgemeinschaft Herr Erich Cohn, der in Nr, 34 der ״Jüdischen Rundschau" gegen die ״Hamburger Diskussions-A.-G," polemisiert, hat sich von der ״Arbeitsgemeinschaft״ «in gänzlich falsche* Bild gemacht. Ich kann ihm den Vorwurf nicht ersparen, daß er meine Notiz in den ״Neuen Jüdischen Monatsheften" nicht genau gelesen hat; sic ist an anderen Stellen recht gut verstanden worden, Herr Cohn macht der A.-O. den Vorwurf, Jas, was sie bisher geleistet hat, sei keine ״Arbeit", sondern ״Diskussion"; keine Tat, sondern eine ״Stätte theore• tischer Erörterungen." Im Wort ״theoretisch" liegt der Orundfehler der Anschauung des Herrn Cohn. Die Aussprache in der A.-G. ist eben nicht theoretisch: sic ist eminsnt praktisch! Ich habe den Grundgedanken der A.-O. in dem von Cohn angezogenen Artikel fal• gendermaßen dargestellt: