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Jüdische Rundschau · 1917-09-21 · Heft 38 (21.9.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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־01 Ef, ־25 ■dv lit ire tn• 01• nn >tz en!111 nü ho Nr. 38 ] U E DIS C 11־ E RUNDSCHAU Seite 315 Vor 41er J&hrcskonferenz der Zionistischen Organisation in Polen Die Jaiireskonfercnz der Zionistischen Organisation in Polen wurde auf die Tage vom 15.—19. Oktober festgesetzt. Die Vorbcreitungsarbciten für die Konferenz haben bereits begonnen. Für die Konferenz wurde folgende Tagesordnung bestimmt: 1. Eröffnung (Wahl einer permanenten Kommission und eines Legiti- 1 mationsausschusscs); 2, Eröffnungsrede; 3. Wahl des I Präsidiums und Sekretariats; 4. Bericht über die Ta- Q tigkeit der Zionistischen Organisation in Polen; 5, Unser politisches tmd nationales Programm; 6. Die Stellung der Zionisten im polnischen Judentum; 7. das Programin der Kultur- und Bildimgstätigkeit; 8. Paliistina: a) Bericht der Hilfsaktion für Palästina, b) U11scrc Pflichten gegen Palästina, c) Gründung einer ständigen Palästina-Kommission bei der Zionistischen Organisation in Polen; 9. Nationalfond; 10, Organisation; 11. Presse, Agitationsliteratur; 12. Resolutionen, Budget, Wahlen. Vota Zionismus in Wilna .Vor einigen Wochen konnten wir mittcilcn, daß das W i I ״ a c r Rabbi 11 a t sich auf den Standpunkt der Zionistischen Organisation gestellt habe. Das Zionis tische Aktionskomitee hat aus diesem Anlaß ein Schreiben an das Wilnacr Rabbinat gerich־ tet, auf welches folgende Antwort eingclaufen ist: Vcrwaltuiigsvorstand Wilna, den 28. 8. 17, sämtlicher Syiingogen-Gcmeindcn und Woliltätigkeitsaiistaltcn der Wilnacr Juden. A11 das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation Berlin Im Namen des Wilnacr Rabbinats beehre ich midi, in Beantwortung Ihres geehrten Schreibens vom 21. d, M. Ihnen ergebenst mitzutcilen, daß das Rabbinat sich auf das nachstehende Programm geeinigt hat: 1. Palästina-Tätigkeit: a. Praktische Arbeit zu Gunsten Palästinas nach Ort- und Zeitbedingungen; b. Bestreben zur Schaffung eines nationalen Zentrtuns und zur Erreichung einer Autonomie in Palästina; c. Propaganda der Vcrwirklichungsmöglichkcit diescs Bestrebens auf grund der Qcschehnissc der Gegenwart. 2. Tätigkeit in der Diaspora: a. Propaganda der Idee der Einheit der Thora und der jüdischen Nationalität; b. Verbreitung des Studiums der Thora, der hebrüisehen Sprache und der jüdischen Geschichte im Geiste der Tradition. 3. Erziehung der Kinder auf natio 11 al-rc 1 ig i ö s c r Grundlage. 4. Gründung von Schulen zum Studium der Thora und zur Aneignung allgemeiner Bildung wie auch Ausbau und Reorganisation der bestehenden Talmud-Thoroth, Chadarim und Jeschiboth. 5. Gründung von Lehrer- und Lehrcrinncnkurscn wie auch Gründung von Kursen für Erwachsene. 6. Gründung einer Hochschule für Ausbildung von Rabbinern. Die Hochschule muß durch rabbinisehe Autoritäten mit einem festgestcllten Programm gegründet werden. 7. Bestreben nach nationaler! Rechten in . der Diaspora. Möge der Allmächtige unserem heimatlosen Volke schnellste Erlösung schicken und unsere Bestrebungen, nach unserem Heiligen Lande zurückzukchren, mit Erfolg segnen. In vorzüglicher Hochachtung Oberrabbi 11 er Rubinstein Der Brand von Saloniki Aus Rom wird gemeldet: ״Infolge der großen Verkehrsschvvicrigkciten treffen offizielle Nachrichten über das schreckliche Unglück, das die Bewohner Salonikis getroffen hat, erst mit großer Verspätung ein. Dem lislicnisclieii Ministerium des Aeußcrcn wird durch die Konsulate mitgctcilt, daß der Sitz des Großrabbinats und die sämtlichen Gebäude der jüdischen Gemeinde durch den Brand vollständig zerstört sind. V011 den 37 Synagogen sind 3-1 vernichtet; dasselbe Los traf 10 von den 13 jüdischen Schule» und ein jüdisches Spital. 45ÜOO Juden sind obdachlos und die Hälfte derselben entbehrt aller Mittel. Der italienische Konsul hat sich im Namen des Oroßrabbiners von Saloniki an die jüdische Gemeinde in Rom gewandt, mit der Bitte, Geld, Lebensmittel und Kleider-zu senden.“ Der ״Israelitische Hilfsfond in der Schweiz“ hat einen von hervorragenden Vertretern des Schweizer Judentums gezeichneten Aufruf ״Pro Saloniki“ erlassen, in dem die Öffentlichkeit aufgefordert wird, das Unglück der Salonikcr Juden durch Geldspenden lindern zu helfen. Geldsendungen sind zu richten an das Postschcck-Konto VII, 915 Luzern mit dem Vermerk ״Pro Saloniki“. Das Ko 11 r;re0!!!t»11 ilnm in der Schweiz Das Jubiläum des ersten zionistischen Kongresses ist in allen jüdischen Zentren durch festliche Veranstaltungen gefeiert worden. Die jüdische Presse aller Länder brachte aus diesem Anlaß längere Bctraehtungcn über die 'Entwicklung und die gegenwärtigen Aussichten des Zionismus, Besondere Beachtung fand das Jubiläum in der Schweiz, wo die gesamte Presse, insbesondere die Blätter der Großstädte, der z.ionistisehen Bewegung vvarmc und günstige Artikel widmeten und darauf hinwiesen, daß das zionistische Jubiläum im Zeichen eines der wichtigsten historischen Momente gefeiert wird, die die Geschichte der Menschheit über- Haupt kennt. Allgemein wird der Zionismus und seine Ziele besprochen und die Ansicht geäußert, daß seine Verwirklichung nicht mehr eine Chimäre oder eine tinerfüllbare Hoffnung sei. Aus der großen Zahl der Aufsätze über den Zionismus, die in Schweizer Tageszeitungen erschienen, sind besonders die ausführlichen Leitartikel in der ״Neuen Z ü r c 11 e r Zeitung“ vom 29, August (Zweites Morgenblatt), im katholischen ״Basler Volksblatt'‘ vom 31. August, ln der ״Basel la nd s c 11a ft liehen Zeitung“ vom 29. August, im ״Tagblatt der Landschaft Basel“ vom 29, August zu erwähneu. Längere Abhandlungen über das Jubiläum des 1. Zionistcnkoiigrcsscs erschienen tintcr anderem auch im ״B c r n e r 1!11 c 1 li g c n z b I a 11“ Vom 10. Scptember uiid im ״BI c 1 c r Tn gb 1 a tt“ vom 31, August, Aus Zürich wird ferner gemeldet, daß dort die zionistischen Vereine zum 'Jubiläum des 1, Zionisten• Kongresses eine Feier Veranstalteten, die von 600 Personen besucht war und seiir eindrudksvoll verlief. Die Konferenz der national-sozialistischen Parteien in Rußland Am 7./20. August wurde ln Petersburg eine Konferenz der national-sozialistischen Parteien der nationalen Minoritäten abgehaltcn. Beteiligt waren Vertreter der weißrussischcn sozialistischen ״Oromada", der lettischen Sozial-Revolutionären, der litauischen Volkssozialistcn, der grusinischen Sozialistcn-Föderalisten, der P 0 a I c Z i o n, der ״Vereinigten Jüdischen Sozialistcn“, der polnischen sozialistischen Partei, der Osctiner-Partei, der russischen Volks-Sozialisten und anderer. Die Sitzung wurde vom Vertreter der russischen Volks-Sozialisten, dem Mitglied des Arbeiter- und Soldaten-Rates Schnßkolski eröffnet. Im Namen des Arbeiter- und Soldntcn-Ratcs begrüßte der russische Sozialist N. D. So ko low die Konferenz. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde guf der zweiten Sitzung der Vertreter der Poalc-Zion Rechtsanwalt R a f a 1 k e s gewählt. Ein zweiter Poalc-Zionist, der vor kurzem aus Stockholm zurückgekehrt war, M. Jahrblum, las ein ausführliches Referat über die Konferenz zu Stockholm und die Reorganisierung der Internationale vor. ln der lebhaften Debatte, die sich diesem Vortrage anschloß, schilderten die Vortreter der nationalen Parteien die Leiden, die sic erdulden mußten, bis sic endlich von der Internationale anerkannt und zum internationalen Kongreß zugclasscn wurden, Die Konferenz beschloß, im Namen der rußländischen national-sozialistischen Partcienv die um die Befreiung ihrer Nationalitäten kämpfen, ein Memorandum an die Stockholmer Konferenz zu richten, in dein die Forderungen der nationalen Minoritäten dargclegt werden, und eine gemeinsame Delegation zur Unterstützung und Begründung dieser Forderungen nach Stockholm zu entsenden. Hechaluz in Holland Auf Veranlassung des zionistischen Jugendvereins ״Haschachar“ in Sclicveningcn hat am 2. September im Haag eine Konferenz von Vertretern zionistischer und national-jüdischer Jugendvereine stattgefunden, um nach dem Beispiele der jüdisehen Jugend in Amerika und Polen nunmehr audi in Holland eine Pionierbewegung ins Leben zu rufen. Vertreten waren 17 Vereine holländischer und ostcuropäischer Jtiilen durch etwa 50 Delegierte. Teilnehmer der Konferenz waren ferner die Herren Jean Fischer, Julius Simon, Nehcmia de Licme und Dr. va!ו Vriesland. Das Präsidium lag in den Hunden des Herrn F. Fr011 mann, des Vorsitzenden des Vereins ״I laschaclmr". Herr Nathan Groß sprach Über den Jüdischen Pionier. Herr Sn in Sehmcidlcr erstattete namens der vorbereitenden Kommission einen Bericht über die Arbcitsm öglichkcit cn desHechaluz in Holland. Nach einer eingehenden Diskussiou nahm die Versammlung folgende Resolution an: 111״ Erwägung, daß, wie immer der Krieg atisgclit, die Erschließung und die Bearbeitung des Bodens durch Juden in unserem Lande nur durch entsprechend vorbereitete und amgebiUletc junge Pioniere erfolgen kann, lullt cs die Hcchaluz-Konfcrcnz für die Pflicht der jüdischen Jugend in Holland, sich der in Amerika und Osteuropa entstandenen Hcchaluzbewcgung anzuschließen und sic materiell und moralisch mit aller Kraft zu fördern. Zu diesem Zwecke beschließt die Hcchaluz-Konfcrctiz die Bildung eines Komitees, das aus folgendcn Sektionen besteht: 1. Die landwirtschaftliche Sektion. Dieser obliegt die Aufgabe, junge Leute, die sich dem Pionierberuf widmen wollen, zu organisieren und sie auf landwirtschaftlichen Betrieben in Holland für ihren Be* ruf' praktisch ausbildcn zu lassen. 2. Finanz-Sektion. Diese hat die Aufgabe, die für die Durchführung der gekennzeichneten Aufgaben nötigen Mittel zu beschaffen und Maßnahmen zu treffen, um die Ansicdlung der Pioniere in Palästina zu erleichtern. 3. Pro paga n d n Se k t i 0 11. Diese hat die Aufgabe, die allgemeine Propaganda für den Hechaluz- Gedanken in Holland unter der jüdischen Jugend in Wort und Schrift zu führen, wobei auch die Propaganda für den Pionierbeitrag berücksichtigt werden soll, der bekanntlich dazu bestimmt ist, den Pionieren in Ercz Israel zu helfen, sich in Pioniergcnosseiischaftcn zusammcnzuschlicßcn und sie mit der nötigen Ausrüstung zu versehen.“ Zum Schlüsse erfolgten die Wahlen in das Ar* beitskomitcc. Die Konferenz iegte Zeugnis ab von dem guten zionistischen Arbeitswillen, der die jüdische Jugend in Holland beseelt. Es wird mm hauptsächlich von der gewählten Leitung des I icchahiz abliängen, inwieweit der Pionicrgcdankc in Holland Gestalt annelimcn und die gefaßten Beschlüsse bezüglich der praktischen Vorbcrcituiig junger Juden für eine landwirtschaftliche Bctiitigung in Palästina zur Durchführung gelangen werden. Zweifellos bietet gerade Holland mit seiner hochentwickelten Landwirtschaft (Viehzucht, Gemüse- und Obstbau, Düiienkultur) sehr günstige Gelegenheit, einen großen Teil der für Palästina erforderlichen Kenntnisse zu erwerben, wenn auch erst die später in Palästina zu sammelnden Erfahrungen für die Ansicdlung und rationelle Bewirtschaftung eine sichere Grundlage schaffen werden. Aus Palästina Der grollen Unsicherheit, die zur Zeit in Palästina herrscht, ist wieder ein junger Wächter zum Opfer gefallen. Ungefähr Mitte Juli d. J. drangen 30 Araber in den Weingarten einer Kolonie ein, tun dort zu stehlen. Die Wächter merkten cs und verfolgten sic. Auf der Flucht stießen die Araber auf einen jungen Wachtcr namens M n n 0 a c 11, der versuchte, sic zurück* zudräiigcii, Sic waren aber in der Uebcrzahl, verwundeten ihn mit dem Messer und entrißen ihm das Gewehr. Er wurde In ziemlich bedenklichem Zustand in die Kolonie gebracht, konnte aber dank seiner kräf* tigen Konstitution völlig wiedcrhergcsteltt werden. Seit dieser Nacht fanden ständig Ucbcrfällc statt, Bei einem dieser Ucbcrfällc wurde der Wächter Fleischmann am Faß verwundet und mußte in ein Krankenhaus nach Jerusalem gebracht werden. Daraufhin wurde in der folgenden Nacht die Zahl der Wächter vergrößert, und als die Diebe kamen, began• nen die Wächter zu schießen. Bei diesem Gefecht wurde der frühere Arbeiter und provisorische Wächter S o h a r aus Pcthach Tikwah durch einen Schuß in die Kehle auf der Stelle getötet. Ein anderer Wächter wurde verwundet. Der Getötete blieb an der Stelle, wo der Ucbcrfall staltfaud, liegen, bis Rcgierungsbe* amte kamen, um den Tatbestand aufzunehmen. ZloalstUche Bewegung England (Londoner Büro der Zionistischen Organisation) Zum Zweck der Intensivierung der dortigen zionistiscli-politisclicn Tätigkeit haben die Mitglieder des Engeren und des Großen Actions-Comitös, N. S o k o 10 W und Dr. Ch, W e i z m a 11 n, unter dem Namen ״Zio-!;ist Organisation London Bureau“ in London (Piccadilly, W. 35—38, Empire House) ein neues Büro errichtet, das die ganze lokale Arbeit auf diesein Gebiet zusammenfassen wird. Aus aller Welt Aus Oeaterrelch. (Poa I c- Z io n - Vc rsa 111 m I u 11 g ln Prag) Sonntag vormittag fand im Hotel ״Zentral“ in Prag eine öffentliche, zahlreich besuchte Ver- Sammlung der jüdischen Arbeiterpartei ״Poale- Z i o n“ statt. Auf der Tagesordnung stand die Stcl- Itingnalinic der jüdischen Arhcitcrdclcgation auf der so* ziilistisclien Friedenskonferenz in Stockholm, Dieses Thema behniidcite Redakteur Singer in einem oiiregendcn, vielfach vom Beifall der Zuhörer unterbrodienen Vorträge. Von den Kriegsursadicn ausgehend, die nicht in den Gegensätzen einzelner Nationen, soneiern lediglich in den egoistischen Umtrieben des Groß- Kapitals und imperialistischen Bestrebungen gewisser Kreise zu suchen seien, schilderte er die furchtbaren Folgen des europäischen Krieges. Die Umbildung aller Staaten auf demokratischer Grundlage kann allein diesen Krieg beenden und einem Krieg?11 «1er Zukunft vorbeugen Dies ist der Standpunkt der jüdischen SozialistcHpartd auf der Friedenskonferenz in Stockholm. u!ü״״daanl. *\ור/ל ufK!, die ganz,« Welt gesunden, wenn a Ic Völker die Möglichkeit haben werden, sich J?cKcnsc,tlgc Ausbeutung zu entwickeln. Dieses Recht reklamiert der Redner für uie Juden, die, in- 1

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