Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 36 Seite 299 JUEDiSCHc i.. U i ’ .;״,;AU dukte zu nehmen. Wir habe« gelernt, daß die Vorbercitungsarbeit bis zur ordnungsmäßigen Bewirtschaftung nicht dem •einzelnen kleinen Ansiedler aufgebürdet werden darf, der unter dieser Last zusammcnbrcdien müßte. Wir haben gelernt, daß für die Kolonisation in erster Linie Siedler heran/u/.iehen sind, welche die ־Fähigkeit haben, den Boden selbst, oder wenigstens zum Teil selbst zu bearbeiten, und wir haben endlich die Bedeutung der festen Ansicdlung von jüdischen Arbeitern innerhalb der jüdischen Kolonien begriffen. So kann als das Resultat unserer Erfahrung der geläuterte Nationalfond-Ocdankc angesehen werden, wie er in der Nachlaltspende zum Ausdruck kommen soll Nnchlah d. h. Erbteil. Jede Spende soll einer jüdischen Familie zu einem Erbteil im Land der Väter verhelfen. Es handelt sich also hier nicht um kleine Beiträge, wie sie für eine Wohltätigkcitsumcrnehmung angemessen sein mögen, die Mindesthöhe einer Nachlahspcndc bcträgt 5000 Francs. Der Nntionalfond soll also in Zukunft wieder in die Lage versetzt werden, Land zu kaufen als unveräußerliebes Eigentum des jüdischen Volkes, wie seine Zweckbcstmv.iHinjr lautet. Er soll es aber nicht selbst bewirtschäften, soweit es sich nicht um sogenannte Aptierungsarbeiten handelt, sondern er soll cs an erfahrene Siedler auf dem Wege der Erbpacht abgeben. Er soll aber nicht nur solches Land kaufen, das für die Heranb i 1 d u n g von Arbeitern bestimmt ist, wie cs heute bei den Farmen der Fall ist, oder für die An Siedlung jüdischer Proletarier oder für gemeinnützige Zwecke, wie für Schulen, Volkshauscr und dergl.; er soll vielmehr in der Lage sein, aucli nichtprolctarischcn Siedlern, die ihre Fälligkeit zur Landarbeit bereits erwiesen haben, Boden in Erbpacht abztigcbcn, und er soll darüber hinaus auch — soweit die jüdische Privatinitiative Land im Wege des freien Kaufs erwerben will — 1regulierend eingreifen, um den nationalen Zweck der palästinensisehen Siedlung nicht zu gefährden. Wenn bisher die jüdische Privatinitiative Land erwarb, sei es, daß es vermögende Einzelne waren oder eine Reihe von Gleichgesinnten, die sich zusammentaten, oder Achusotb, die allmählich iiir Geld zusammenzubringen suchten, so geschah der Kauf ziemlich planlos, d, h. es wurde weder auf die genügende Größe der zu schaffenden Kolonie, noch auf die zweckentsprechende Differenzierung der Wirtschaftsnrlcn, noch auf die Sieherung genügender jüdischer Arbeitskräfte zur Bewirt- Schaffung des Landes Wert gelegt. Für die Folge aber muß verlangt werden, daß der Jüdische Nationalfond über genügend Mittel verfügt, um bei allen Bodenkaufen — auch bei jenen für private Rechnung — mitzuwirken und dafür zu sorgen, daß den nationalen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Hierfür, gibt cs eine Reihe von Möglichkeiten, über die ich aber jetzt nicht sprechen will. Damit der Nationalfond dies alles kann, müssen seine Einkünfte um ein Vielfaches gesteigert werden. Ich bin fest davon überzeugt, daß dies möglich ist, wenn nur die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer planmäßigen nationalen Kolonisation genügend innerhalb unserer Reihen begriffen wird. Die Zeit des Krieges hat uns gelehrt, Opfer zu bringen. Sie hat uns außerdem Hoffnungen für eine großzügige jüdische Besiedlung Palästinas in Zukunft gegeben. Vergessen wir keinen Augenblick aber, daß alle Rechte, die wir in Palästina erwerben könnten, ungenügend sind, wenn wir nicht ln der Lage sind, einen gesunden Stamm jüdischer Bauern zu schaffen, d. h. wenn def Jüdische Nationalfond nicht über genügende Mittel zum Kauf von Boden verfügt. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß nur ein nationales Institut wie der Jüdische net, die Welt im Voraus plant und baut — Gott.“ Der Autor schämt sich, daß er ״so lange unter denen weilen konnte, die Ihn nicht erkennen und von Ihm nichts wisscn“. Er scheint einen seiner neuen Gesinnung entsprecheiulcn Kreis um sich gesammelt zu haben. Ein erstes Zeugnis soll dieses Sammelbuch geben. Die Einleitung ist der Offenbarung am Sinai gewidmet. Ein nebclhaftcr Aufsatz, gespickt mit Zitaten aus Goethe, L. Stein, Micha und Sohar, ist ״Jüdischkeit“ überschricben, Ein Dichter — U. Z. Grünberg — singt vom ״Eloliim“, ein zweiter ahmt in ״volkstümlichen“ Reimen ein Gehet mich. Selbst der am Schlüsse des Buches veröffcntlichtc Aufruf der ״Hilfskommissioii 1915 für Palästina“ spricht vom Dank an Gott für den Segen der Thora, der jetzt, solange kein Bcth-Hainikdasch besteht, durch Spenden zum Besten des Heiligen Landes zum Ausdruck gebracht werden kann. Nur Dr. J, F r c n k e 1 in seinem Aufsatz über den Chassidismus, in dem er sich mit dem sogenannten ״Ncochassidisuius“ atiscinand ersetzt und die Grenzen der Verwertung des Cliassidismus für die Gegenwart zu zeichnen versucht, wagt es, in einem in Klammem gebrachten Satz zu gestehen, daß ihm ״der alte, echte, naive Volksglaube“ abhanden gekommen sei, ein Geständnis, das aus dem Rahmen des Buches herausfällt und die idyllische Harmonie stört. Das Sammtlbuch bringt einige Gedichte von M cstel, König, Holder, Sternbeim, Erzählungen und Skizzen von Silberbusch, Weinstock und Schoßheim und eine Unidichtung des Buches ״Ruth“ von Witkowcr-lmn. Schade, daß die Sprache des Samriielbuchcs und vor allem die Orthographie ziemlich verwahrlost ist. Glückwunsch - AI/.&ra»s£c;1 Der Aufruf, eiert wir in der letzten Nummer an •unsere Gesinnungsgenossen richteten, unsere Notstandsaktion für Palästina durch Glückwunsch-Ablösungen zu unterstützen, hat zwar schon verschiedentlich Beachtung gefunden, äst aber von der Mehrzahl unserer Freunde bisher noch nicht berücksichtigt worden, obwohl die Zeit sehr dFängt. Wir brauchen nicht nochmals zu betonen, daß die jüngsten Ereignisse in Palästina ganz besondere Anstrengungen von jedem von uns fordern und daß gerade die Ablösungen eine ausgezeichnete Gelegenheit bieten, unseren palästinensischen Brüdern zu helfen. Wir hoffen zuversichtlich, daß in Anbetracht des besonders dringenden Anlasses das diesmalige Ergebnis das Vorjahr weit hinter sich lassen wird Nochmals bitten ■wir •unsere Freunde, in weitesten Kreisen die Ncujalirsspendc zu propa׳• gieren, vor allem aber den uns zugedachten Betrag umgehend an, •uns abzusenden. Da der erste Ausweis in Nr. 37 der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht wird, müssen alle Spenden, die noch in dieser Nummer erscheinen sollen, bis spätestens Montag, den 10. September bei unserm Schatzmcister Herrn Max Wollstcincr, Charlottenburg, Roscharstraßc 5, Postscheckkonto 347, eingegangen sein. Jeder gedenke der Neuj ahrsablösungen! 1Jüdischer Nationalfond, Zentrale für Deutschland Nationalfond in der Lage Ist, dafür zu sorgen, daß der von Juden erworbene Boden auch tatsächlich und nicht nur rechtlich ln die Hände der Juden übergeht, d. h. durch jüdische Hände ■bewirtschaftet wird. Wir wollen unsere Betrachtungen nicht komplizieren. Ich will daher — 01111c auf Einzelheiten cinzugehen — das Axiom aufstcllen, daß jede jüdische Siedlung, die, ohne genügende jüdische Arbeitskräfte, auf fremde Arbeit angewiesen ist, eine schwere Gefahr für die nationnlc Kolonisation bedeutet. Dem jüdischen Pflanzungsbesitzer, soweit er nicht selber in der Lage ist, sein Besitztum zu bewirtschaften, müssen genügend jüdische Arbeitskräfte an Ort und Stelle zur Verfügung stehen. Neben der Schaffung von Baucrnstellen für sclbstarbcitcndc Klein- und Mittelbauern muß also in umfangreicher Weise auf die Scßhaftmacliung des jüdischen Landarbeiters Rücksicht genommen werden und diesen jüdischen Landarbeitern muß Gelegenheit gegeben werden, sieb selbst zum Häusler und zum Kleinbauern zu entwickeln. Der jüdische Landarbeiter hat nicht die Psychologie des Laiulprolctariers anderer Länder, der ja noch weit unter dem städtischen Industriearbeiter steht. Das Ökonomische Ziel dieses jüdischen Arbeiters kann nicht sein, ein Luidproletarier zu bleiben. Ihm kann aber im allgemeinen die Möglichkeit des wirtschaftlichen Aufstiegs gewährt werden, Wenn der Nationalfond über Eine Anzeige auf dem Umschlag des Sainmclbuehes teilt mit, daß im gleichen Verlag demnächst eine Zeit- Schrift ״Hnolim“'in hebräischer und jklischer Sprache erscheinen wird, dessen erstes Heft Beiträge v 0 11 Dr. Nathan Birnbaum, über ihn und über ״*ein neues System" bringen wird. n. Literarische Mitteilungen Noch vor den Herbstfeiertagen wird der von Otto I Abcles und Ludwig Bat 6 he rausgegebene ״J üdisciie Nationaikalcndcr im Verlag der ״Jüdischen Zeitung“ erscheinen. Zum drittenmal gelangt dieses Jahrbuch, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut, zur Ausgabe. Aus dem reichen Inhalt der Sammclsdirift seien heute iolgeiule Beiträge angeführt: von Ludwig Batö eine uebersicht über die Ereignisse des Kriegsjahres 5Ö77; von A!brecht Heitmann, dem früheren Redakteur der ״Scibstwehr“, ein aktueller Artikel zu einem Kongreß der österreichischen Juden; von Adolf Stand, dem Präsidenten des Exekutivkomitees der österreichischen Zionisten, Erinnerungen an den ersten, vor zwanzig Jahre 11 stattgefundenen Zionistenkongreß; von Dr. Siegfried Bern leid eine!’..i:1־r.d!ur,g des Verhaltnisscs zwischen der Jugend und den Parteien; von A, S, Juris eine neue Forderungen entlialtcndc Untersuchung über ״Die nationale Bedeutung der jüdischen Arbeiterschaft“; Nach um Gold mann steuert einen bemerkenswerten 'Aufsatz über ״Ghettoromaniik“ bei und Dr. Osias Thon schreibt für das Jahrbuch einen Essay über ״Die Kunst der Bejahung“; Prof. Heinrich Loewe stellt eine biographische Be* trachtung über den Geschichtsschreiber Grätz all Natiotialjuden an; Z. F. Finke ist ein versucht als erster eine psychologische Studie über den Dichter der ״Ha* genügend Boden verfügt, den er ihm auf den!• Wege der Erbpacht abgeben kann. Der Jüdische Nationalfond muß also jedem1 erprob* teil Landarbeiter bei dem Aufbau seiner eigenen Wirt- Schaft behilflich sein um! so jedem tüchtigen Land- Proletarier ein lockendes mul erreichbares Ziel zur Wirt* schnftliclicii Unabhängigkeit gehen. Das bildet einen gesunden Anreiz für die Entwicklung eines initiier weiter ausgcbrcitctcn Stammes jüdischer Landarbeiter und damit wird dann, ohne alle erhitzten Diskussionen über die Landarbeiterfrage, das Problem des jüdischen1 Land* arbeiters gelöst sein. Denn dieser jüdische Landarbeiter, der sich in der Kolonie fest ansiedelt, um seine kleine Wirtschaft selbst zu pflegen, wird nicht mir ein gutes Beispiel sein, sondern nebenher dem Kleinbauer oder dem Großbauer oder dem Pflanzuugs besitzer, vor allem in der Zeit der Saisonarbeit, die ja je nach den Kultur* arten in Palästina zu verschiedenen Jahreszeiten in Frage kommt, eine billige und erprobte ,Arbeitskraft abgeben können. Dieser Landarbeiter wird keine Konkurrenz des arabischen Fellachen zu fürchten haben, denn sein Haupterwerb hängt nicht von der Lohnarbeit ab — das bewirkte bisher gerade seine ungünstige Stellung gegenüber dem Fellachen — und seine größere Gewisscnliaftigkeit, seine höher« Intelligenz, seine erprobten Fähigkeiten sichern ihm ein für allemal den Vorrang vor dem Fellachen. Aber damit ist das notwendige Maß der Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds noch lange nicht erschöpft. Das Ideal, das wir aulzustcllcn haben, nach dem wir mit allen Kräften zu streben haben, wenn cs auch noch für lange Zeit wohl nicht erreicht werden kann, ist, daß der Jüdische Nationalfond über die Mittel verfügt, den gesamten Boden, der der jüdischen Kolonisation in Palästina zugeführt werden kann, zu ervverhen, um diesen Boden in Erbpacht abzaigcbcn. Damit'wird der Privatinitiative in keiner Weise Eintrag 'getan, ja sie wird erst dadurch in ihrer freien Entwicklung sichcrgcstellt. Bisher mußte die Privatinitiative im Hinblick auf die geringen Mittel, über die der Nationalfond frei verfügen konnte, das gesamte Geld für Boden, Inventar und Betrieb aufbringen. Für unsere nationale Kolonisation in Palästina kommt im Großen und Ganzen nur der Erwerb von Großgrundbesitz in Frage. Der Erwerb kleiner Parzellen inmitten der Fellachcnwirtscliaft kommt natürlich nicht in Frage. Keinen Juden wird cs reizen, sich inmitten der kulturell viel tiefer stehenden Fellachcn festzusetzen. Aber auch der Erwerb mittelgroßer Flächen, wie bei den bisherigen Nationalfond-Küufen ist nicht zweckmäßig. Nur ausgedehnte Siedlungen mit mindestens 100 Familien sind in der Lage, die für das Kulturnivcau der Juden erforderlichen Gelder zu! Ent- Wicklung ihres Qcmcinschafts- und Kulturlebens aufzubringen. Selbst die in den letzten Jahren aufgekommene Form der Achusotb ist nicht in der Lage, die erforderlichen Gelder so rasch zu beschaffen, daß an eine schnelle Förderung der jüdischen Kolonisation gedacht werden kann. Außerdem ist selbst diese auf das Kapitalminimiun zngeschnittene Form der Koloniegründung nur auf einen ganz kleinen Kreis von Teil* nehmen! beschränkt, da jeder Teilnehmer im Durchschnitt mindestem 20 000 Francs aufzubringen hat. Selbst wenn es mm gelingen würde, die schwierige Frage des Agrarkredites nach dem Kriege zu lösen und dem Siedler einen Teil der erforderlichen Mittel im Wege des hypothekarischen Kredits zur Verfügung zu stellen, würde sich das Mindcstkapital des Ansiedlers höchstens um ,/»1/1־־ verringern, da ein hypotlickari* scher Kredit naturgemäß nur für Boden und Haus tikwah" N. H. lmbcr. Aus dem literarischen Teil seien in dieser Voranzeige erwähnt eine ״Elegie an die abgefallenen Juden“ von Max Brod, die erkennen läßt, wie diesem Dichter die Probleme des heutigen Judentums auf der Seele brennen; ״Geschichten des Baalschcm“, die Martin Bu bc r beigesteuert hat, und unbekannte ״Tagcbuchblättcr au* der Fiüditlingszcit“ von Otto Abeies, die ihn wiederum als feinen, mitfühlenden Beobachter zeigen. Den Alleinvertrieb für Deutschland hat der Jüdische Verlag, Berlin W. 15, übernommen. Der Preis des Buches beträgt einschließlich Porto Mk, 2.90 Nach langer Unterbrechung erschien im Juli von neuern der von Dr. J. K I a u s n e r redigierte ״H a s c h i - 10ach“. Das erste Heft (April-Juli) ist äußerst reichhaltig und bringt Abhandlungen und Aufsätze von Klausner, Zi'tron, Pincs, Glücksohn, D. Kahane, M. Kleinmann, M. Ussischkin und Gedichte von Saul Tschernichowski, Erzählungen von M. Ben-Elieser u.a. Im ״Volksverlag Scholcm Alejehem", New York, erschienen 4 Bände von zumeist noch unveröffentlichten Schriften des verstorbenen Dichters: 1. Von Kasriclewkc (eine neue Serie von: ״Kleine Menschclach'ß; 2. Von Pessach bis Pcssach (neue Feiertagscrzählungcn); 3. Maasics und Fantasies (Utopien und und 4, Dramatische Im Verlag Ast al, New York, erschien eine Sammlung hebräischer phibsophi scher und literarischer Auf- Prof0 ־r. pavrf Neumark unter dem Titel ״Mikeren sawlth“ (״Aus dem Winkel“). Löst die RoscbhasdLa1aaLv/iiEE::;I:2 fezcii den Nationalfond ab!