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Jüdische Rundschau · 1917-08-31 · Heft 35 (31.8.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 JUEDJSCHE RUNDSCHAU Seite 289 lltfei». icr ־<> iic- Cr* >ie in et n* er •m cn >eilä 111J er• Ite Üe ur aron en;e- 11c re- ,״• 1er -1b 11): •er g ״ (er en )je eren ab ce on lie igin Id n, au J- A. R. a:> lis tb. lie eren . di (em* 2)- "an. Brief aus Holland I (Von unserem Berichterstatter) \ Die hiesige Tagespresse beschäftigt sich recht viel { mit dem Zionismus. Wenn hierbei für die Verwirk- Hebung der zionistischen Bestrebungen vielfach mehr ן auf die Unterstützung der Alliierten als die der Zentral- , m.'!eilte gerechnet ,wird, so ist dies u. a. wohl darauf , zuruckzuführen, daß man scheinbar von Enlcntcscite : dem jüdischen Volke mehr Versprechungen gemacht i hat, als dies von Ber anderen Seite der Fall war, I Daß auch die Unterstützung der Mittelmächte wesentlich zur Festigung und zum Emporblühen der jüdischen I Siedlung in Palästina beitrageil kann, wird häufig aus | dem Auge gelassen. Eine Lösung der Judenfrage mit I Hilfe der Wcstmächte schwebt auch dem angesehenen Verfasser der Clironik im ״Amsterdamer Allgemeinen Handcl sb1atte“ vor, aus dessen ausführlicher Betrachtung die folgenden Stellen wiederge- I geben seien: ״Ich hoffe, es noch zu erleben, daß, | als fruchtbare Folge des Krieges, Palästina eine jüdi- ן sehe Republik wird.Eine nationale Wiedcrgef burt des Landes ihrer Väter Wünsche ich den Zionisten I von Herzen. Welch neue, schöne Aussichtspunkte würden sicli damit eröffnen. Ich vermute, daß russische Juden, die für die Erreichung dieses Zieles und Begründung einer jüdischen Republik über reiche Ffiifs- 1 mittel verfügen, viel würden beitragen können.“ Nachdem der Verfasser dann das augenblickliche ״Leid des Hauses Jakob in seinem eigenen Laude“ erwähnt, spricht er die Uebcr/ctigung aus, daß es eine Notwendigkeit sei, aus dem durch Religion, Poesie und Tradition geweihten Lande einen freien jüdischen Staat zu machen, in dem Friede und Ordnung herrschen werde. Die Juden .würden von dem bei vielen Völkern während Jahr* hunderte der Leiden Oekrntcn das alte Land Früchte tragen lassen. Die Juden könnten den Bergen entlang Terrassen anlcgen und s'ie bewässern, iVie einst i Salomon es tat, tun das Land von Milch und Honig überfließen zu lassen. Dies erscheine ihm als mehr denn romantische Möglichkeit. Die jüdische Nation sei 60 begabt und besitze so viele Erfahrungen, daß sie! ,aus Palästina einen Modcllstaat, in dem Gerechtigkeit | herrseiie, würde machen können. Und 'die jüdischen | Kolonien 1111 Heiligen Laude hätten bereits bewiesen,! daß mit ihrer Hilfe wieder große Flächen unbebauten f Landes von herrlichen Ernten lachend gemacht werden I könnten. Der Schreiber des Aufsatzes zitiert dann eine 1 Stelle aus Disraelis Tankred-Roman, wo Tankred zum ן jüdischen Bankier Tcsso sagt: ״Es kommt mir vor, 1 als ob ihr Juden jedes Land regieren könnt außer euren» f eigenen“, worauf Tcsso antwortet: ״Und doch wäre; dies im Jahre 1839 möglich gewesen, als Melmied Ali die Türken die cilicischcn Tore entlang vertrieben hatte.“ — Der Autor schließt dann: ״Nun kommt wieder eine solche Gelegenheit, 'ja sogar eine viel bessere, , und unter dem Eindrücke des Berichtes über-die neuen Grausamkeiten ini Lande Israel bete und hoffe iclv, daß eine jüdische Republik in Palästina entstehen und blühen möge“. — Langsam, etwas zu langsam entwickelt sich 111 Holiaml eine Art Kongreßbewegung. Erst kürzlich las man ln den allgemeinen und jüdischen Blättern eine Notiz, itt der der Oeffcntlichkcit mitgctcilt wurde, daß ein aus Vertretern der Allianz, des Zionistenbundes und der Ito bestehendes Komitee für die Zeit des amerikanisch-jüdischen Kongresses eine Sym* pathiekundgebuiig in Amsterdam plane. Erfreulicherweise regt Sich unter der zionistischen Jugend, namentlieh der aus Osteuropa stammenden, ein neuer Geist, der die jüdischen Massen zur Unterstützung der Forde* rungcu und Wünsche des jüdischen Volkes w.ichrufen will. Wird doch das holländische Judentum — das zahlreichste der neutralen Länder (Amsterdam allein zählt über 60000 Juden) — künftig vielleicht aus nach* ster Niihe zu den Teilnehmern der Friedenskonferenz icdcn können. Von Einzclvcrn iistaHungcn während der letzten Monate seien folgende angeführt: Zu ScUcwuoth wie alljährlich in allen Städten Hollands ein Nationalf o nd - Bl 11 m e n tag, dessen Einkünfte 'diesmal für den ״Pionierbeitrag“ bestimmt wurden. H crzl •Oe* denk feiern namentlich in Amsterdam (Redner Juiius Simon), Schcvcningcn (Redner Jean Fischer) Haag und Rotterdam (Redner Albert Ehrcnfcld). Gründung des Jüdischen National-Blbllotliek- und Museumfonds, der bereits 800 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von M. 5000 aufwei* seil kann. (Dabei entrichten viele Mitglieder nur einen Wochenbeitrag zwischen 2!und 5 Cents 1) In Amsterdam sind ferner, 'in der Hauptsache durch Ostjuden, ins Leben gerufen: Der Jüdisch-sozialistische Verein Chcruth, der jüdisch-nationale Sportverein ״Makkabi“ (mit je einer Turn-, Wandcr-, Schwimm-, Radi,׳dir- und Fußbalhbtcilung), ein Gesangverein! ״Hasamir“, endlich eine Pioniergruppe, die gemeinsam mit anderen Gruppen den Plan verfolgt, ihren Mitgliedern eine Ausbildung 111 der holländischen Landwirtschaft zu geben, hm nach dem Kriege nach Palästina überzusiede 111. In Schcveningen hat sich eine Da m c 11 -Tur 11 abt e i 1 ung gebildet, außerdem eine weibliche Wandergruppe. Hier erscheint auch die gut redigierte Jugendzeitschrift ״Tikwath Israel“. Ucbcrlmipt kann Schcveningen immer mehr als ein jüdisches Zcntnnn bezeichnet werden. Es ist zwar keine jüdische Gartenstadt, wie man sie jetzt bei Berlin projektiert, wohl aber einem jüdischen Stadteben vergleichbar, in tlcm jüdischer Ocmcinsinn Bcthiiuscr, Schulen, eine Lesehalle und für die Bedürftigen eine Volksküche geschaffen׳ hat, wo Meer und Wald zur Erholung einladen und im Kurhausc oft hervor* ragende Kunstgenüsse selbst, die Ansprüche verwöhnter Gäste befriedigen. Zinn Schlüsse sei noch einer neuen jüdischen Amsterdamer Zeitschrift Erwähnung getan, die sich ״Das alte Volk, che m als und jetzt" nennt, dein freisinnigen Judentum dienen will und die Hebung des jüdischen Proletariats erstrebt. Es handelt sich hier um einen wenig aussichtsreichen Versuch, die breltcu Schichten der holländischen Juden, welche Im Grunde doch noch gut jüdisch empfinden, für eine ״liberale Aufklärung“ mit dem Ziele der Assimilation zu gcwiniicn; ״das alte Volk“ bekämpft die nationalen Ideen der Orthodoxen und Zionisten und bezweckt die Heran* bildung ״jüdischer Niederländer“, Es ist anzunehmen, daß dieser neue Sproß am Baume der jüdischen Assimilation die Verbreitung zionistischer Gesinnung In Holland mehr fördern als hemmen wird. Auch im Lande Spinozas wird sich unsere nationale Bewegung Bahn brechen. Die jüdischen Vertreter -v. in der ukrainischen ״Rada“ Zu den Sitzungen der gesetzgebenden ukrainischen ״Rada“ waren auch Vertreter der die Ukraina bc* wohnenden Nationalitäten cingcladcn. Der Abgeordnete der Zionisten II. Rosenstein verlas auf einer Sitzung in hebräischer Sprache folgende Deklaration, die darauf Tn die russische Sprache übersetzt wurde: ,!Die zionistische Partei, die die Erneuerung des jüdischen Volkes in seinem alten Vaterland Palästina auf ihre Palme geschrieben bat, ist von tiefer Achhing und Mitgefühl für das ukrainische Volk durch• drungen, das jetzt seine Auferstehung erlebt. Wir Zionisten glauben dieselbe Haltung auch seitens des freien ukrainischcn Volkes voraussetzen zu dürfen, mit dein uns ein Zusammenleben seit Jahrhunderten verbindet. Ein Volk, das in Leid und Verfolgung seine Freiheit bcwahrt bat, muß auch dem jüdischen Wandcrvolke Mitgefühl entgegenbringen. Das Glück des großen revolutionären Rußlands und der Ukraina hängt von der freiest unabhängigen Ent- Wicklung der das Land bewohnenden Nationalitäten ab, von ihrer gegenseitigen Achtung und ihrem Vertrauen zueinander. Wir sind fest überzeugt, daß dieser felück« liehe Augenblick nahe ist. In geschlossenen Reihen streben wir danach, das leuchtende soziale Ideal zum Besten der ganzen Menschheit zu verwirklichen.“ Als Abgeordneter der Poalc-Zion verlas eine ausführliche Deklaration Goldmann, der vom Standpunkt der jüdischen Forderungen seiner Partei die Vcrwirklichung der national-territorialen Autonomie def Ukraina begrüßte. : Als Vertreter der Zionisten trat der bekannte zionistische Schriftsteller Ing. M. N. Syrkin aus Kiew in die ukrainische ״Rada“ ein. Gleichzeitig wird auch mitgeteilt, daß zum Gchilfssckretär für nationale Angclcgcnheitcn im ukrainischen Ocncraisckretariat (vergl. ״JiiiJ. Rundschau“ Nr. 33) der Vertreter der Vereinigten jüdischen Sozialisten Dr. M. Silbcrfarb (Basin) gewählt wurde. Silbcrfarb, der mit ‘der Verwaltung der jüdischen Angelegenheiten in der Ukraina betraut wurde, erhielt Stimmrecht und darf seine Berichte direkt def zentralen Rnda vorlcgcn. Zionistische Bewegung in Italien Der jüngst verstorbene ehemalige italienische Kriegsminister Ratfaele Ottolcnghi richtete kurz vor seinem Tode einen ״Aufruf an die Frcundcdcrinter• nationalen Gcrcchtigkcit“, dem wir folgendes entnehmen; ״Sogar die aufgeklärtesten und unparteiischesten Oclster verfallen bei Prüfung der komplizierten Probleme der •sozialen Lage der Juden in Widersprüche und Irrtiimer, die dazu beitragen, die Schwierigkeiten dieser Situation zu vergrößern und zu verschärfen. Die für die Juden nm günstigsten gestimmten Geister glauben, daß die wahre Lösung der Judenfrage durch Verleihung der Gleichberechtigung gelöst werden könnte. Die so verstandene Lösung der Judenfrage entspricht vielleicht den Forderungen der Humanität und dem von der französischen Revolution aufgestclltcn Ideal und hat den Schutz des Juden als Individuum zum Zweck. Doch ist das keine Lösung der Judcnfragc. Es darf hier aber nicht nur das Recht des Indivi* duums, sondern die Gesamtheit der Institutionen des jü* dischcn Volkes als Oanzcs in Betracht gezogen werden. Die europäische Zivilisation hat nicht das Rccnt, Institutionen zu unterdrücken, deren moralischer Wert sich •in Ider großen Vergangenheit offenbarte. Das jüdische Volk stellt eine Gesamtheit von intellektuellen und moralischen Kräften dar, die ganz besondere und nur den Juden eigene Werte besitzt. Wenn also die großen modernen Staaten gegen die Unterdrückung der kleinen Nationen auftreten, deren Rolle eine rein politische ist und die sogar nach Einfügung in größere Staaten ihre Existenz fortsetzen, so ist es eine Pflicht der Kulturwclt, die freie Existenz des jüdischen Volkes, das eine Gesamtheit ganz ״m i'g e-!r- 1uf Uil lie trs ter cn »ft »eißgT. sie ־111 1kurf 3P!n» (ct •ef ite od Ift e«t eb dieses Buch, das nach seiner Darstellung so voll roher, antliropoinorpher, polytheistischer, zeitlich und national beschränkter Vorstellungen ist, überhaupt noch als ״Hei* iige Schrilt", als noringebcnd auch für die christliche Er- Ziehung gelten sali. Er hilft sich meist damit, daß er die bleibenden, ewigen, unübertrefflichen Werte des Geistes und Gefühls, die es enthält, als noch heute maßgcblich hie und da schüchtern fcststellt. Dann aber muß er konsequent genug sein, die ״niederen Stufeil“ als schon innerhalb des Judentums überwundene, nur noch historisch interessante Reste liiimistellen, anstatt sic als Charakteristika des ״Judentums“ überall fett zu unterstreichen und mit Behagen brutzutreten. Man inißt auch die Griechen nach Achilles, nicht nach Thcrsitcs, nach Periklcs, nicht nach Klcon, nach Thaies, nidit nach Herostrat. Diese Kernsclivväche der modernen theologischen Bibeikritik hat Neubauer richtig erfaßt und griindlieh bloßgcstcllt. Als die besten Kapitel seines Budies erscheinen mir die, in denen er juristische Begriffe erörtert, wie Ger, Rc’a, Talion, und die Inkompetenz der theologischen Kritiker für diese juristischer» Stoffe treffend nachweist. Wenn wir auch nicht allem beipflichten können, ivas Neubauer hier an Positivem gibt, so zeigt swh doch grade liier sehr deutlich, daß den christlichen Gutachter Kittel — und er ist nur ein Typus — das mit!jüdische Vorurteil an der sachgemäßen Erfassung biblischer Dinge verhindert hat. Ebenso finden sich im einzelnen viel« treffende Richtigsteilungen und Hinweise auf schwache Punkte des bibelkritischen Systems in den Kapiteln ״Etymologie des Gottesnamens“, ״Volksrcligion“, ״Ahab“, ״Erwählung", ״Rachgier und Prophetie“, ״Sabbelt“ und in den ״Kritischen Misccllcn". Aber Neubauer will mehr, wie er selbst auf S, 7 sagt. Er will den Grundlagen der modernen Bibelkritik einen Stoß versetzen, um zu zeigen, daß dieses ganze Ocbäudc ein Kartenhaus ist. Es ist klar, daß sein ganzer Streit gegen Kittel, dessen Ziel der Nachweis mangelnder Objektivität des Gutachters Ist, die Grundfragen der bibelkritlschcn Methode kaum zu berüh* ren brauchte. Indem aber Neubauer gegen die ganze kritische Betrachtung der Bibel Sturm läuft, setzt er nicht etwa an die Stelle einer mangelhaften Methodik eine bessere, sondern er setzt gegen Hypothesen — Dogmen, gegen Schlüsse — Deutungen, gegen Quellenforscliung — Tradition. Damit verwirkt sein in vielen Einzelheiten treffliches Buch — leider I — den Anspruch, als wissenschaftlich ernste Schrift gegen die Bibclkrifik beachtet zu werden. L111 so herbes Urteil bedarf der Belegung wenigstens durch einige Beispiele (denn zu einer völligen Begründung wäre eine eigene Abhandlung nötig!). Neubnuer behauptet,-daß er nicht vom Standpunkte des tradUionstrcuen Juden aus schreiben, sondern grade aus den Voraussetzungen der Bibelkritik ihre Unmöglichkeit darlcgcn will (S. 1 u. 7). Aber mit der grundlegendsfcn Frage der Bibclkrifik, der Qucltenscheidung innerhalb des Pentateuch, beschäftigt er sich in einer kurzen Anmerkung auf S. 49, und auch hier nicht kritisch, sondern referierend. Daß die Quellcnscheidung, worauf Ncubaüer triumphierend hinweist, nidit (öden noch nicht) überall durchgeführt ist, beweist natür- IRh nichts gegen ihren Grundgedanken. Wer aber gegen Bibelkritik schreib cn will, muß zu• nächst den Gedanken der Quellenscheld u n g völlig widerlegen. Er nehme z. B. einen Schulfall der Bibelkritik, die Sintflutcr/iilüung, und zeige, daß die liier so klare Qucllcnsebcldtmg ein Irrtum ist, und daß sich die ganze Erzählung widerspruchslos als einheitlich erweisen läßt. Statt aber dergleichen zu versuchen, geht Neubauer einfach von der für ihn (durch Glauben, nicht durch Forschung) feststehenden These aus, daß der Pentateuch ein vollkommen einheitliches und vom ersten bis zum letzten Wort von Moses nicdcrgeschricbencs Werk Ist. Diese Anschauung in Ehren! Aber man darf dann sagen, daß Neubauer gegen Hypothesen (hier die Quellcnschcidung) Dogmen setzt. Man darf dann nicht meinen, hiermit die Bibelkritik widerlegt zu haben. Zu welchen grotesken Folgen diese ״Methode“ führt, auch dafür ein Beispiel: Neubauer nennt die Stelle Josua 23, 6, wo vom ״Buch der Thora Mosdie’s“ die Rede ist, ״das Zeugnis eines Zeitgenossen für die mosaische Abfassung des Pentateuchs“! Ohne Rücksicht darauf, daß die Bibelkritik die Abfassung dieses Verses um viele Jahrhunderte später ansetzt, womit er natürlich jede Bcweiskraft verlieren würde. So schreibt Neubauer nicht gegen die Bibelkritik, sondern an der Bibelkritik vorbei. Er leugnet auch, seinem Standpunkt entsprechend, jeden späteren Zusatz im Pentateuch. Jedes Wort ist von Moses und gleich autoritativ. Wir wollen hier nicht sachlich auf diese Anschauung eingehen, die wir seit Jbn Esra und Spinoza für endgültig widerlegt halten, Abef sie bietet Gelegenheit zu einer allgemeinen Bemerkung, die ebenso die Bibelkritik wie ihre Bekämpfet■ angeht. Die kritische Forschung sieht in den Erzählungen des 1. Buches Mosis und im wesentlichen auch in denen des 2. Buches Sagen und Märchen des jüdischen Volkes, die wohl hie und da an geschichtliche Verhältnisse anknüpfen, aber nicht selbst Geschichte sind. Von die*, sem Standpunkt aus sind sic nur nach ihrem poetische«' und gedanklichen Inhalt zu werten, und ihr bester Bcarbcitcr innerhalb der kritischen Schule, Gunkel, bevvertet sic darin außerordentlich hoch. Ganz verkehrt aber ist cs, gerade vom kritischen Standpunkte aus, hier den sittliehen oder theologischen Maßstab anzulegen, weil eben der naiv schaffende Volksgeist kein Lehrbuch geben wollte. Und doch wird dieser' logische Fehler immer wieder, grade auch von Kittel, gemacht. Die hlmische Betonung etwa nicht einwandsfreier Handlun* gen Jakobs ist vom kritischen Standpunkt aus genau so töricht und ungerecht, wie wenn man, sagen wir an den Grimmschen Märchen oder der griechischen Heldensage die ״Moral“ untersuchen wollte. Herakles

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