Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 270 3 U EDISCH E RUNDSCHAU Nr. 33 Referats selber aus. Wenn man schon den Wirkungskreis dieses Referats auf Schule und Kirelie beschränkt, so war 1s klar, daß man mit seiner Wahrnehmung jemand betrauen mußte, der eine gute Kenntnis dieser Dinge hatte oder /um mindesten in einem Verhältnis zu ihnen stand. Statt dessen wählte mau den Herrn Rechtsanwalt Dr. Lfmlwig H aas aus Karlsruhe, dessen ganze Qualifikation für diesen Posten darin bestand, daß er Jude und fortschrittlicher IReichstagsnbgeordneter war, bei der Bescheidenheit, die gerade Herrn Dr. Haas aus/ciclmct, ist es ganz gewiß, daß er selbst eich niemals dazu berufen gefühlt hätte, auch mir in Deutschland in Fragen des jüdischen Kultus aufziitrclcn, geschweige denn im Osten eine leitende Wirksamkeit hierbei nusztfühcii- Nun soll gewiß nicht geleugnet werden, «laß Herr Dr, Haas sich ' mit ):rotier Miihe und /u beginn seiner Tiiligkeit mich mit anerkeuneiiswerter Objektivität bemtilit hat, sieh in das «eliwle• rlge mul Ihm so unendlich feriiliegemle Gebiet hinein• zufitulcn, dessen Bearbeitung ihm so überraschend über■ tragen wurde. Und wenn so wenig Ersprießliches dabei Iieiaiisgekoiiiiiien ist, so!miß man gerecliterweisc zugellen, dal) dies zu einem guten Teile iu der oben heschriehenen Beschränkung der Befugnisse des Referats begründet ist. Die schweren Folge» dieser unklare» und ganz und gar nicht zjclbcwußtcn Politik der deutschen Rcgierung machten sich in der Praxis des jüdischen Reierats recht bald in einer dem Ansehen der deutschen Politik hei «Jen Juden innerhalb und außerhalb Polens abträglichen Weise bemerkbar. Wie die Dinge lagen, war der jüdische Referent in Warschau darauf angewiesen, sieh alle Vrwiigiingen, die für die Behänd- Umg der jüdisch-polnische» Angelegenheiten in Frage lutmen, von mißen ziitragen z.11 lassen. Wir haben schon oben! betont, daß er Sieh anfangs dalwi bemühte, möglichst objektiv zu bleiben. Das hat sieh aller wesentlich geändert, seitdem das jüdische Referat gänzlich unter den Einfluß der beiden orthodoxen deutschen Rabbiner gekommen ist, denen die deutsche Verwaltun;: gestattet hat, eine politisch-organisatorische Wirkt* sauikcit grülltcn Stiles unter den polnischen Juden auszinihen. Nur diesen beide» Herren, Vertretern der schärfsten Tonart der deutschen TreiniiHigsorlliodoxie, ist diese Möglichkeit gcgelmi worden. Keine andere jüdische Richtung, weder die liberale, noch die nationale, und nicht ei11111.1l die der deutschen Gemeinde-Orthodoxie hat eine gleiche Vergünstigung zugestanden bekommen. Alte dahingehenden Versuche sind regelmäßig abgelehn» Worden. Welche Umstände die deutsche Regierung ver• anlaßt haben, ausschließlich diese eine allersclriirfste tmo allerklcriknlsie Richtung so merkwürdig zu begünsti« gen — und sieh damit vor dem Judentum der ganzen Welt in ein höchst eigenartiges Licht zu setzen -־, entzidit sich jeder Beurteilung. Gewiß ist, daß der jiulisehe Referent dien diese Richtung Im deutschen Judeiitum selbst auf das schärfste,bekämpft »ml sich in alten seinen jüdischen Anschauungen im heiligsten Widersprueli zu ihr befindet, d. 11. innerhalb der deutschen Rciclisgrcnzcii. 111 Warschau — um im Stile des ״Beitrags" zu bleiben!— pfeifen cs, weil es die iii Frage kommenden Stellen selbst erzählten, die Spatzen vom Dach, da fl sich die Regierung deshalb verpflichtet fühlte, gerade der chassidische« Richtung in Polen Führer aus Deutschland zu verschreiben, weil cs dieser in Polen selbst gänzlich an politisch oder auch nur moralisch geeigneten Männern mangele, die als ihre Führer in Betracht kommen könnten. Wir wollen cs dahingestellt sein lassen, ob ,wirklich dies der Grund für die besondere Wertschätzung der radikal-orthodoxen und die Nichtzulassuiig aller anderen Richtungen gewesen ist. Jedenfalls Märchen von Liebe und Treue Die Welt des Märchens ist die beste aller Welten. Der Optimismus des dichtenden Gemütes überwindet die Tragik des Lebens. Der böse Trieb, der in •tausenderlei Gestalt unendliche Komplikationen schafft, wird schließlich besiegt, das Böse selbst gestraft, und — im Gegensatz zu dieser wirklichen ׳Erden-Welt — wird dort das Gute belohnt, das natürliche Rechtsuiid Moralem• * pfiiidcn wird befriedigt. Dabei bewegt sich das freie Spiel der Phantasie auf verschlungenen Bahnen und malt seine Zauberwelt mit bezwingender Kraft und Anschaulichkeit: und die Kinder, sie hören es gerne ~ auch die großen Kinder, die der Kern des Volkes sind. Im Märchen (und im Mythos, seinem Bruder) spricht sich am naivsten die Denkungsart des Volkes aus. Die Erzählungen der merkwürdigen Begebenheiten und Berichte gehen von Mund zu Mund, oft durch Jahrhunderte, beschäftigen immer wieder den fleist der wechselnden Geschlechter, werden durch die Erzähler gewandelt, bereichert, vervielfacht, -4 und kommen ans der Kindheitszeit des Volkes in irgend einer literarischen Gestalt auf uns Nachgeborene, auch uns bereichernd, erfreuend, erbebend, sofern wir noch nicht allzu kalt und kahl geworden sind. Wir kannten Märchen aller niöglichcA Völker des Orients *und Okzidents, wir Allerwcltsmcnschcn und entfremdeten Söhne Unseres Volkes , von jüdischen Mär* dien aber wußten ,wir wenig. Wurde in den Stuben unseres Volkes, in den Kammern der Frauen, beim Herd und beim Trimk und im Schatten des Waldes, nicht erzählt und gefabelt? Die Kindheit unseres Volkes hegt weit zurück und ln der späteren Zeit, als die anderen Völker noch in naturhafter Uiigebuiidenlieit lebten, stand im Mittelpunkt unseres Volkslebens die Sorge um das Eine, den Kern des Lebens und der Versöhnung, die Frage nach dem geistigen Ur- Rrund und dem rechten Weg; die paradiesische Unwissenheit war vorbei, der jüdische Mensch war kann von einer Objektivität, von Unpartciir.dikeit der tleulsclicn Verwaltung gegenüber den inneren Fragen der poinischen Juden seitdem keine Rede mehr sein. Und die polnischen Juden empfinden dies bis weit in die chasr.i11i3c.heu Kreis(; hinein ,und machen cs der deutschen Regierung zum schwersten "Vorwurf. Es ist auch dem Verfasser des ״Beitrags“ sicher bekannt, daß eine Reihe maß- );ehender und sehr Angesehener rahbiuischer und wcltlieher Führer des Chassidismus, von Rabbinern det־ misriagdisdieu Orthodoxie ganz abgesehen, in der schärfsten Weise (gegen die Tätigkeit der (beiden deutschen Rabbiner liinsprudi erhebe», Zwar stellt der ״Beitrag“ es so dar, als ob es gerade dem Einfluß dieser beiden Rabbiner zu danken sei, ״daß der Cims'iidi.mus seine «ebroffo Dililnngsfeiiullirlikelt alimühih’h nnfgibt“, D.uiilt wird zweifellos insbesondere auf die deutschen Kreise zu wirken gesucht, denen der jüdische Referent 111 Keinen Anschauungen sonst jiahcsldil, und die sich gewiß von seiner Protektion! des l lypcrkierlkalismus zunächst eigenartig ' berührt fühlen tnfmsea. Aber der Autor des ״Beitrags'1 kennt auch den berüchtigten Brief des ״(lerer Rcbbe“ ganz, genau, in dem dieser eine geradezu kircheiistaatlich nmmitcmie BikUingsfeiiidlidik keil zum Ausdruck bringt mul eben im Zusammenhang mit der Tätigkeit der beide» deutschen Rabbiner und ihrer Zcitu11g־sgrü11du11g den leibhaftigen Kirchenbann über alle Leser anderer Zeitungen ausspricht, wobei er unter anderem ausdrücklich betont, daß a« und für sich das Zeitungslesen eine möglichst zu vermeidende Sache ist. Dieser Brief ist erst ein paar Monate alt und wir möchten doch wissen, ob gerade Herr Dr. Haas diesen Brief als einen Beweis für die bildimgsfrcmidlii'he Wirksamkeit der beiden deutschen Rabbiner ansieht. Es .entbehrt wohl nicht einer gewisscii Piknnterie, sich etwa das Donnern der Fortschrittsprirtei im Reichst,׳!ge vor/.usk'lteii, weint, sagen wir, ein kntiinlisclier Bischof — was übrigens gewiß nicht zu befürchten ist - einen Hirtenbrief erlassen hätte, der auch nur ein Zehntel der vorsintflutlichen Bildinigsfciiulliehkeit und brutalsten (Ausnutzung der geistlichen Gewalt zum Zwecke der Unterdrückung jeder geistigen Regung enthalten halle, wie dieses von den beiden deutschen Rabbinern ansdrücklicli gebilligte Dokument eines der umllgebeiiden geistlichen Führer der polnischen Clrassidim. Die besondere Vorliebe, die die •deutsche Verwaltung gerade für die .Organisierung der chnssidisehen‘ Kreise im Generalgouvernement hat, kommt auch zum Ausdruck in der Art, wie das Organ dieser Oruppc, die Tageszeitung ״Das jüdische Wort“ zustande gckommen ist. Der ״Beitrag“ tut so, als ob die Jüdisch-NntioikiIcii und Zionisten in Warschau cs als ein Unrecht empfinden, daß auch dergroßen orthodoxen Masse eine Tages/,ci• Ding gestattet wurde, und wagt zu behaupten, daß man auf jüdisch-nationalistischer Seite gegen die Orthodoxie rast, seit sie sieh organisiert hat und eine Tageszeitung 11csitzt, weil mau ihre politische Konkurrenz fürchtet. Denn Verfasser der ,,Beitrüge“ Sind die weltauffassungstiefciii Gegensätze zwischen der Kirdienstaatspolitik der diassidisdicn Rebbeim und dein demokratischen Zionismus ebenso bekannt, wie er weiß, daß er Wcscnt» liebes unterdrückt, wenn er schreibt, daß die Ver- Wallung ״ohne jede Unterstützung ihrerseits“ der Orthodoxie gestattete, eine Tageszeitung herauszugebenl Wir behaupten demgegenüber, daß bei der Schließung des ״Warschauer Tageblattes“ und der damit in Zusamineiihang stehenden Gründung des ״Jüdischen Worts" die chassidische Orthodoxie in ganz einseitiger Wcisa vor allen anderen Richtungen des polnisdien Judentums bevorzugt worden ist. Andererseits aber würde cs wissend und schuldig geworden und suchte vor allem Eines: die Erlösung, die durch Gottes Wort verbürgt war. Die Lehre mußte erforscht werden, sie war der zentrale Punkt alles geistigen Tuns. Aber cs ist ein Irrtum, daß in der Strenge dieses Streben» die Buntheit des Lebens verblaßte; der lebendige, blühende Trieb brach sieh Bahn und immer wieder kommt der Er/iblcr zu Wort, der den Sinn der Lehre mit dem Sinn des Lebcus verdicht und die Freude an der Fülle des Wunderbaren im Volke vvacliliält. Jedes Volk hat frühzeitig den Schatz erkannt, den cs in seinen Märchen besitzt und hat sie gesammelt; insbesondere das Zeitalter der ,Romantik hat den (Wert dieser Poesie ganz bewußt gemacht. Auch die jüdischen Murdien wurden in verschiedenen Werken und Volksbüehern gesammelt, ein großer Teil Ist noch verstreut in allerlei gelehrten oder literarischen Werken erhalten ode'1• lebt im Voikximiud, Dieses ganze unübersehbare und zum Teil unzugängliche Material hat Micha Josef bin 0 o r i o n, einer der um die Erforschung jüdischen Volkstums ailcrvcrdicntcsten Männer, z-usammengctragcir; eine Frucht dieser kolossalen Arbeit liegt uns nun vor, eine Auswahl jüdischer Legenden, Märchen und Er zähhingen, die der Genannte in einem großangelegten Werk unter dem Titel: ״Der Born Judas“ in deutscher Sprache herausgibt*), sowie er früher bereits ein verwandte» Gebiet, ״Die Sagen der Juden“, dem deutschspreihemlen Kreis vermittelt bat**), Der Born Judas soll nach der ausgesprochenen Absicht des 1 feratisgchcrs der Versuch Kein, den bekannten :;roßen Märchen- und Legeiideiisammlungen wie ״Der Weise und der Tor“, ״Tausend mul eine Nacht", ״Gcsta Romnnoruin“, chic neue Sammlung, die ihr eigenes Bild hat und die anderen er- *) Leipzig. Im Inscl-Vcrlag. Erster Band: ״Von Liebe und Treue“. Mk, 6.—. **) Frankfurt a, M. Liter. An«t, Rütten & Loenmg. Bisher 2 Blinde. wiederum einer gewissen Pikanterie nicht entbehren' ' wenn etwa im deutschen Reichstage irgend eine bcliebige Nummer des ״Jüdischen Worts“ zur Verlesung gebracht und etwa der Forsehrittlcr Dr. Haas aufgefordert würde, zu erklären, ob er gleicii dem Verfasser des ״Beitrags“ den Inhalt und den Ton dieser unter der Zensur der beiden deutschen Rabbiner erscheinende(» Zeitung als einen Beweis für deren bildungsfrcuiKlticIitf Wirksamkeit ansieht Tatsächlich kann man mir sagen, daß a!|c j<rejs(. der polnischen Judenheit mit Ausnahme ausschließlich des Kreises um den Uercr Rebbe — der übrigens keineswegs identisch ist auch mir mit dem polnischen Chassidismus -• die Tätigkeit der beiden deutsche«. Rnhhiiier als ein wahres Unglück für die polnische Judenfielt 1mul ein Verhängnis für die Gestaltung der Uv/idumgen der polnischen Juden zu den Polen ebenso wie zu dipi Deutschen betrachten. Warum da» so Ist, das haben wir hier oft genug ausgeführt und wir fühlen uns damit In Ucbcrcimdmiimnig mit der großen Mehrheit des jüdische» Volkes in Pole», vor allem auch mit der Haittmg seiner sämtlichen Zeitungen, zionistischer und nk'liizioiiistisdicr, mit einziger Ausnahme natürlich( des Organs der beiden I lerreu sellier. Ein Grund mag aber liier nocli einmal angeführt sein, weil der Verfasser des ״Beitrags“ ihn etwas überheblich abzutun versucht, der nämlich, daß die beiden deutschen Herren von der gesamten niehtcliassidischen polnischen Judenheit als deutsche Agenten verschrieen werden. Wir haben seinerzeit die linmlelsgeriehtlidie Eintragung veröffentlielit, in der die deutschen Eigentümer des ״JüiUsehen Worts“ es als Zweck ihrer 0. 111. b. H. bczeichnen, ihre Zeituni; ״zwecks Wahrung der »lautlichen Interessen für die Dauer der Okkupation Polens in steter Fühlung mit den deutsche» Verwaltungsbehörden bleibei!“ zu lassen. Wir glauben uns nicht zu irren, wenn wir behaupten, daß diese Veröffentlichung damals das jüdische Referat in Warschau keineswegs so fröhlich gestimmt hat, wie es seine in Verteidiger in der ״Euro-;Wüschen Staatsjmd WirtschnftszciUmg“ heute vorkommt. Das jüdische Referat hat tatsächlich verwirrend und spaltend auf das jüdische Volk in Polen gewirkt 1md die deutsche judenpoiitik i» der ganzen Welt auf das schwerste kompromittiert. Dies gilt nicht zum wcnigsten fluch von seiner einzigen größeren Schöp* fung, der Verordnung wegen der Organisation der jüdischen RcligionsgescHschaft in Polen, Auch das haben wir oft genug festgestclit und können uns daher für heute damit begnügen, darauf hinzuweisen, daß kürzlich erst sehr ernsthafte Verhandlungen zwischen den Führern aller niehtcliassidischen und assimilatorischen Parteien stattgefunden haben, die darauf hinaiislicfen, angesicht.<* der schweren Mif)stünde, die dieses Gesetz mit sich bringt, und seiner völligen Unvereinbarkeit mit den realen Forderungen des jüdischen Volks in Polen die Wahlcuthaltung aller dieser Gruppen, d. 11. Wenigstens der Iliiltte des ganzen polnisdien Judentums für die bc• vorstehenden Gcmeiiidewalilen zu proklamieren. Es ist nicht zum letzten der Objektivität und der durch Parteipolitik nicht beeinflußten Haltung der polnischen Zionisten zuzusdircibcn, wenn cs zu dieser Demonstration nidit kam, die den Bankerott der deutschen Judenpoiitik in Polen vor aller Welt offenbar gemadit hätte. Der Verfasser des ״Beitrags“ ist der Meinung, daß Deutschland, ״das deutsche und keine jüdisch-nationalistisdien Interessen zu vertreten hat“, sich und die Juden in eine heillose Situation den Polen gegenüber gebradit hatte, wenn cs als der Bcsdiützer der nationalistisdien Bewegung aufgetreten wäre. Audi außerhalb des Kreises der ״Berliner Neuesten Nachriditen" ganzen dürfte, anzugliedcrn. Damit ist die Bedeutung für die Weltliteratur gekennzeichnet; aber für u n s hat diese» Buch doch noch einen anderen Wert: daß cs eben die Sammlung jüdischen Volksgutes ist. Das Werk, das auf mehrere Teile berechnet'ist, ist nach Materien gegliedert und jeder Band ist damit ein einheitliches Buch. Bisher erschien der erste Band (der zweite dürfte bald folgen***) und vereinigt die Märchen ״Von Liebe und Treue". Die Liebe von Mann und Weib ist das immer wiederkelirende Thema der Geschichten, die Licl>e, die als stärkste 'Macht das Leben beherrscht, die zu Reinheit, Größe und Stärke, aber auch zu Sünde und Frevel werden und in das Reich des Teufcls führen kann. Gerade hier zeigte sich deutlich die belehrende Tendenz, der moralische Grundton der Erzäh« lung; sic schöpft aus der Fülle das Lebens, sic kennt die Verführung und Versuchung und Anfechtung in allen ihren Gestalten und in der Heftigkeit ihrer Wirkling, sie lächelt manchmal gütig verzeihend der allzulieftigcn Leidensdiaft, sic jst nicht ohne Humor und weiß um alle kleine Beschwerlichkeiten: aber si6 hält deutlich, mit allem Nachdruck, das ideale Bild wahrer Liebe und Treue hoch, die allein Glück verbürgt und das ewige Leben erringt. Wem cs gelingt, die Lüsternheit seines Triebes zu bezwingen, der Begierde Herr zu weiden und die Sünde zu meiden, der hat ein großes Verdienst, das in dieser und jener Welt belohnt wird; er wird aus den Händen seiner Peiniger, aus Not und Ocfahr befreit u»d er bekommt auch im Paradies einen Ehrenplatz, eiligeräumt, Hier wagt sich sogar ein ketzerischer Ton vor: Das Vermeiden der erotischen Sünde ist ein größeres Verdienst als das Forschen in der Lehre. Nicht minder hoch als die Keuschheit wird die Treue geschätzt. Oft wird die Treue der Gatten durch jahrelange Trennung ***) Der zweite Band ״Vom rechten Weg" ist soeben erschienen. D Red.