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Jüdische Rundschau · 1917-07-27 · Heft 30 (27.7.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 30 (27.7.1917)
Date
1917-07-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 248 Nr. 30 | U E D! SC 11 E RUNDSCHAU «litnn, Levontin, Nejditsch, I*ersitz, Po 11lischewski mul U siele w. Zum Vorsitzenden des Büros des jüdischen Niitioimlfoiuls für Rußland wurde L. M. Tscherikower gewühlt. Um 6 Uhr morgens erklärte Dr. j. W. T sc hienow die Siebente Konferenz der russischen Zionisten für geschlossen. Ein Geschenk für die Jüdische National-Bibliothek in Jerusalem JX־r Konferenz der russischen Zionisten teilte W, R. J a k 11 b so 1111 mit, daß die berühmte Bibi io* t h e k des verstorbenen Baron David G ü n z b tt r g in Petersburg für eine Million Mark gekauft und der Jüdischen Nationalbibliothek in J e r u s a 1 e in geschenkt worden ist. Diese ander* ordentlich wertvolle Sammlung, die von drei Generationon von Miiceiiatcn und Gelehrten mit viel Wissen, Liebe, Heiß mul Weitherzigkeit angelegt worden ist, ist auf den Gebieten llebraika 1111(3 Judaika eine der reichsten und kostbarsten Bücher-, Handschriften- ,und Antiken Sammlungen in Europa. Das Geld für die hochherzige Schenkung wurde von Baronin Güuzburg (100 000 Rubel), Familie Slat o p o I s k y •f* e r s i t z (t00 000) und einigen anderen zionistischen Miicenaten gespendet. Das revolutionäre Rußland und das nationale Problem Auf einer Rayonkoiifereiiz der So/ial-Rcvolutionäre in Smolensk wurde im Anschluß an das Referat von S. Gare witsch über das nation a I e Problem in Rußland folgende Resolution gefallt: ״Jede Nationalität in Rußland, uimbliiingig von ihrer Zahl und vom Gepräge ihrer nationalen Soinlerart, ob sic in kompakten Massen in einem hestimmten Territorium wohnt oder ob sie in kleinen Gruppen über das Land zerstreut ist, w׳ird als ciffentlich-rciiitlielur Verband anerkannt, und besitz! das Reell! auf national-kulturelle Selbstverwaltung. Die Bürger jeder Nation wählen eine nationale Vertretung, die auf dem Gebiete der uationalkuUurellcn Tragen die gesetzgebemlc und ausführeiuie Macht darslellt. Die Greuzrn der K01 ipetcnz dieser nationalen Vertretungen in ihrer Stellung zu den Reichsorganen werden von der Konstituante bestimmt. Die Augehörigkeit zu einer Na- *tion wird von jedem Bürger nach seinem freien Willen bestimmt. Auch auf dem Kongreß der Arbeiter- und Soldatenriite wurde die nationale Frage behandelt und im Sinne der Forderungen der nationale״ Minoritäten gelöst, ln stinem Vortrage über das nationale Problem vertrat Wotinski die Ansicht, daß die revolutionäre Demokratie jede Nation in ihrem Kampf uni die Selbsthestimmuiig im weitesten Maße unterstützen muß, daß die endgültige Lösung der nationalen Frage die Konstituante ihirchzufiihreii hat, daß aber schon vor der Einberufung der Konstituante die provisorische Regierung den Nationalitäten Rußlands sofort das Recht der Benutzung ihrer eigenen Sprache in der Schule, im Gericht, in den Stadtverwaltungen und im Verkehr mit den Regierungsorganen gewähren muß. Die Hechaluz-Bewegung unter den jüdischen Soldaten in Rußland ln den S e 1 j e s c h t s c h c 11 - Kasernen (Gouv. Nuwgororf) fand im Offiziersklub eine große Versammlung der sieh dort befindenden jüdischen Soldaten statt, in der der Delegierte der Zionisteukonferenz A. Balachowski über die Tätigkeit der Konferenz berichtete. Im Anschluß an diesen Vortrag, wurde beschlossen, eine Hcchaluz-G ruppe zu bilden, die aus jüdischen Soldaten bestellt, die sich verpflichten, bald nach Be• endigung des Krieges aLs Arbeiter nach Palästina zu gehen. Herr Bala chowski ging jetzt an die Front, um unter den jüdischen Soldaten eine Agitation für die Hechaluz-Bewegung zu entfalten. Von der sozialistischen Konferenz 1 in Stockholm Die Vertreter der Poa 1 e-Z io n auf der iiiternationalen Sozialistenkonfercnz in Stockholm hielten eine Boratung mit den Delegierten des Petersburger Rates der Arbeiter- und Soldatcn-Dcputiertcn ab, in der die Delegierten des Arbeiter- und Soldaten-Rates den Poalc-Zion versprachen, für die Verwirklichung der Forderung der jüdischen nationalen Autonomie einzutreten. Der Korrespondent der New Yorker Zeitschrift ,,Globe“ hatte in Stockholm eine Unterredung mit dem Sekretär der Internationale Camille Huysinann. Unter anderem sprach Huysmaiin seine Meinung dahin aus, daß der künftige Friede auch dem jüdischen Volke die Verwirklichung seiner Hoffnung bezüglich Palästina bringen werde. Als «Jcr Korrespondent daran zweifelte, ob die Juden im Ernst nach Palästina gehen wollen, erwiderte der Sekretär der Sozialistischen Internationale: ״Ich weiß wohl, daß viele unter den Juden mit ihrem Leben in der Zerstreuung zufrieden sind. Ich weiß ober, daß die Zahl derer, die vor Freude weinen werden, wenn die Nachricht über die Möglichkeit einer Riiek* kehr in ihre freigewordene Heimat kommen wird, bcdeatend größer ist. Ich weiß, daß fünf große jüdische Organisationen sich die Verwirklichung dieser Hoffnung zur Aufgabe gestellt haben." f׳rAr fcWi* iS Der amerikanis Das Küpenhaffeiier Büro der Zionistischen Organisation erhält folgend« Ksbelmckliin״ vom 10. Juli 1017 ans New-York: ״IX'.r nmcrikanisch-jfidisclic Kongreß ist auf den 18. November 1917 verschoben worden.‘‘ Die amerikanische Zionisicnkonfercnz Am 2L Juni begann in Baltimore die 20. Kotjferenz der Amerikanischen Zioiiistcn-Föderation. Das Zionistische A k t i o n s - K o in i t e c sandte der Konferenz folgendes Bcgrüßungntelegrainm: ״Mil Entschlossenheit und Hiiigahe sind Sie an der Spitze des amerikanischen Judentums während des Weltkrieges für die höchsten Interessen des jüdischen Volkes dugetretcu. Der amerikanische Zionismus hat gewaltige Leistungen vollbracht in der Arbeit für die Erhaltung des jüdischen Kolonisationswerkcs in Pniiisfitia und die Schaffung einer demokratischen Repräsentanz des amerikanischen Judentums. Während durch Ihre Arbeit das jüdische Leben Amerikas tief umgestaltet wurde, hat sieb in Rußland die Befreiung unserer Brüder vollzogen. Unter Füllrung der Zionisten hat das russische Judentum den Kampf um seine nationale Anerkennung atifgciiommen. Mit freudiger Genugtuung erblickt die Zionistische Organisnfioii diesen Fortschritt in den beiden größten jüdischen Gemeinschaften der Welt. Jetzt gilt es aufs Neue zu bekunden, daß -der Krieg die Einheit unserer Organisation nicht erschüttert hat. Palästina braucht Hilfe, besonders die 9000 Juden, die Jaffa verlassen mußten. Da unsere Kolonie 11 unversehrt sind, wial kein dauernder Schaden entstehen, falls die Judenheit der ganzen Welt ihre Pflicht tut. Die palästinensische Judenheit, im Unglück uiigcbeugt und auf die Zukunft vertrauend, zählt auf Ihre Hilfe. 1111 Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit bietet das Zionistische Aktionskomitee alles auf, um das Kolonisationswerk zu erhalten und es rechnet dabei in erster Linie auf Ihre Mitarbeit. Das Aktionskomitee weiß sich eins mit Ihnen In der Hoffnung auf die Zukunft. Wenn wir alles aitwcnden, um durch kluge Voraussicht, den Jisehuw zu erhalten, wenn der Geist lebendig bleibt, der die Zionisten aus allen Landern zusammengeführt hat, so wird der Traum vieler Generationen verwirklicht werden, Wir begrüßen Sie lierzlichst und bitten Sie, überzeugt zu sein, daß wir auch weiterhin in dem gleichen Geiste wie Sie bemüht sein werden, den Forderungen der Gegenwart zu dutspreclieu und die Zukunft vorzubereifen, in der das Judentum der ganzen Welt in Frieden und Freiheit vereint für Zion arbeiten wird. Wa rb u rg,“ Ein bedeutsamer Beschluß des Board of Deputies Das K o p e n 11 a g c 11 e r Büro der Zionist!, sc 11 eil Organisation erhielt folgendes Telegramm aus L o 11 d o 11: ,,Der Board of Deputies wählte zum Vord(,«;n(jcn Sir Stewart Samuel, zu Vizepräsidenten Lord Roths c 11 i Ul und Sir Philipp Magnus, zum SchatznicB ster Nathan Laski. Ferner beschloß der Board 0ן Deputies, die weitere Tätigkeit des Conjoint Comiu<;e cin/ustelk'ii. Es handelt sich also um einen vollständigen Sieg der Majorität gegen die Unterzeichner des antizionht», scheu Manifestes des Conjoint Committee". Dieser bedeutsame Beschluß des Board of Deputj.es desavouiert nunmehr endgültig und kategorisch die 11)11 den bisherigen Vorsitzenden des Conjoint Committee erlassene nntizionistisehe Kundgebung. Der Board of Deputies stellt die Tätigkeit des von ihm geschaffenen Conjoint Committee ein und wählt zu seinen Vorsitzenden Persönlichkeiten, deren Sympathien für den Zionismus fcststclicn. Das Palästinahiifswerk in England Mit Genehmigung der Britischen Regierung ist in England eine große Pa lä s t i n a -H iI fs» Aktion cingeleitet worden. Die Sammlung, die untcr den Auspicien des ״Londoner Zcntral-Komi* tees" veranstaltet wird; hat bisher den Betrag von 500 000 Francs ergeben. In allen jüdischen und englischen Zeitungen werden vom Hilfskomitee Aufrufe an die Juden Englands erlassen, die gcmeinsch.iftlieh von Hermann Landau, dem Präsidenten des Zcntral-Komitccs, I)r. Ch, Wciztnanii, als Vorsitzenden des Paliistiiia-Hilfs-Komitccs, und Ernest Ma in, als Schatzmeister des Zcntral-Komitccs gezeichnet sind. Die erste größere Rate ist bereits nach Palästina überwiesen worden. Palästina und die Mächte ln einem Leitartikel, den der ״American Jew i s 11 C11 ro 11 ic I c" in seiner Nummer vom 18, ״Mai veröffentlicht, behandelt er die Stellung der alliierten Regierungen zu der Palästina- Frage, und kommt zu dem Schlüsse, daß ״falls Eng* land die jüdische Sicdclung in Palästina Vorschlägen sollte, Italien nichts gegen den Vorschlag cin/uwcndcn hätte und England lind Italien zusammen wohl im* stunde wären, die Opposition zu überwinden, die Frank* reich eventuell machen würde. Daß das neue Rußland dein Zionismus nicht entgegen«rheitc, habe Miljukoff erst vor kurzem erklärt." Das Begrüßungs-Kabel des KopenhagenerZio n i s t i s c 11 e n Büros lautet: ״Unter dem Eindrücke zweier Ereignisse tritt Ihre Konferenz zusammen: die Befreiung der Juden in Rußlawl und die Evakuation in Palästina. Ein dorncnvolicr Pfad war cs, der unsere russischen Brüder zu ihrem jetzigen Glücke führte. Lassen Sie uns ihre namenlosen Opfer, ihre nie ermüdende Energie, ihren festen Glauben an den endlichen Sieg als Beispiel ncluncn, um mit unerschütterlichem Vertrauen auf die Verwirklichung unseres Ideals weiterz.uk,impfen. Dann leiden unsere Brüder in Palästina nicht vergebens: kommende Generationell werden ernten, was sie säen, und diese Vertreibung wird die letzte traurige Wanderung in unserer Geschichte sein. Die amerikanischen Zionisten leisteteil außerordentliches während des Krieges; wir sind fest überzeugt, daß sie auch die kommenden, entscheideiiden Aufgaben erfüllen werden: wir hoffen, daß Ihre Konferenz harmonisch und fruchtbar sein wird, sowohl für den Amerikanischen Zionismus wie für die ganze Bewegung." (Ein Bericht über die Tagung folgt.) Die jüdischen Frauen Amerikas und der jüdische Kongreß Der Wunsch der jüdischen Frauen A mcr i k a s, aktiven Teil am Amcrikaniscli-Jü d i *■ sehen Kongreß zu nehmen, fand seinen Ausdruck in der Nominierung von 16 Frauen unter den Delegierten von Groß-Ncw-York. Die Zahl der weiblichen Delegierten wird jedoch zweifellos erheblich'größer sein; denn cs kommen die Delegierten aus anderen Städten und die Vertreterinnen der Nationalen-Frauen-Organisationen hinzu. Mehr als 200 000 jüdische Frauen Amerlkas, die bisher keiner jüdischen Organisation angeschlossen waren, habch sich in ״die Fraucn-Organ isa tion für den amerikanisch-jüdischeu Kongreß" eintragen lassen. Die Tätigkeit dieser Organisation beschränkt sich nicht auf' New- York; in 103 Städten sind Zwcigvcrcinc gegründet worden. Es wird aktive Propaganda geleistet, Literatur verbreitet, Vorträge und Volksversammlungen wenden veranstaltet, eine Prcß-Kampaguc wurde unternommen. Die Kandidatinnen vertreten die verschiedenen Interessen der Bcvölkcrungsklar.scn, von denen sie aufgcstellt worden sind. Bisher wurden u. a. nominiert: Miß Henrictta Szold, Miß Sadie American, Mrs. Samuel Mason, Frau Charles Spivocke, Frau Josef Fels, Frau jay C, Guggenhelm« r, Frau Richard Gottlicil, Frau Nathan Straus, Frau Hillel Solotaroff, Dr. Stella Shaffcr-Epstcln, Frau Morris Rothenberg, Dr. Dora As kowith, Frau kta Lcvinc, Frau Charles Zunser, Der Artikel schließt biit folgendem Passus ״Bisher haben die Zcntral-Mächtc davon abgesellen, ihre Haltung gegenüber der politischen Et* füllung der zionistischen Ziele bekannt zu geben. Die Tatsache, daß die gegenwärtige öffentliche Diskussion bei den alliierten Regierungen begann, könnte wohl geeignet sein, die Zcntral-Mächtc dazu zu veranlassen, die jetzige Diskussion über den Zionismus als eine feindliche Bewegung zu betrachten, dazu bestimmt, da» jüdische Gefühl für die Sache der Alliierten aiizufeuern. Sobald die Zcntral-Mächtc jedoch diesen Eindruck überwunden haben, werden sie eine freie jüdische Siedelung in Palästina als in keinem Falle ihren politischen Interessen in diesen! Teil der Erde widersprechend be* trachten." Vom österreichischen Abgeordnetenhaus ln einer Sitzung des Österreich. Abgeordnetenhauses vom 16, Juni behandelte der national-jüdische Abgeordncte Dr. St rau eher die jüdische Frage in Oesterreich in einer längeren Rede. Er wendete sich gegen die Behandlung der Juden in Oesterreich und bemerkte, daß alle Völker große Hoffnungen in die Neuordnung der Verhältnisse setzen, während die Juden bei den utivci־׳ kennbar stärker gewordenen antisemitischen Richtungen von tiefster Besorgnis über ihr Schicksal in Oesterreich erfüllt, sein müssen. Die judenfeindliche Richtung setzt unverhüllt immer stärker ein, bedauerlicher- und bezcichnendcrwcisc in Kreisen, bei denen man berechtigt war, Un Voreingenommenheit zu erwarten, Ueberall be* schäftigl man sich mit der Lösung der Judenfrage, nur in Oesterreich nicht. Der Redner präzisierte die Forderungen der Juden nach dein gleichen Rechte wie die anderen Staatsbürger in folgenden Punkten: Da auch in der Judenschaft die völkische Richtung im letzten Viertel des Jahrhunderts zur Geltung gekommen ist, müsse die nationale Gleichbcrechtigung der Juden als Volk und deshalb die national* kulturelle Autonomie verlangt werden, sowie nationaljüdische Kurien in allen iVcrtretungskörpern, dort wo die Juden in Massen wohnen und wo dies nicht maglieh ist, jüdische Wahlbezirke, eventuell das Verhältnis- Wahlsystem, ferner die uneingeschränkte politische Gleichbcrechtigung, die restlose Durchführung der Verfassungmäßig gewährleisteter» Rechtsgleichheit auf allen Oebieten; des weiteren die wirtschaftliche und soziale Fürsorge für das jüdische Massenprolctafiat. Das österreichische Abgeordnetenhaus hat in seiner letzten Sitzung vor seiner Vertagung sich mit dringenden Anfragen beschäftigt, die von Abgeordnetsn verschiedener Parteien in der Angelegenheit des- Erk, ״ u V E rel.i K'0lr tolfc len: heil־; Off* dicij1 von, Wa‘ me{ ein 1 lüg1 ricA OS tue ihr‘, da‘ füll rus/ hea ihi in V<< Scr sc Is- S([ .11) .׳<! di»?״■ dS ל* sc| tC( Kl bÜ (/ L־ ri- K fl li r lf IC vl; «I ’i1 li';1' u sf I; 1*.

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