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Jüdische Rundschau · 1917-07-20 · Heft 29 (20.7.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 29 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 241 Was geht in der Alliance israSlite vor? Am 21. I)1ärz brachte der American Jewish Chronicle einen Bericht, wonach die Schulen der Alliance israölite universelle von der fran-!״sisclien Regierung übernommen Worden seien. Eines her amerikanischen Mitglieder des Zentralkomitees der Alliance, Herr B. H. Hartogensis in Baltimore, wandte sich um Auskunft nach Paris und erhielt von hört folgende Antwort: ״Wir haben von dem Artikel i>n American Jewish Chronicle vom 2*1. März Kenntnis genommen lind ant- Worten darauf folgendes: Alle darin enthaltenen Beliatiptuiigcii bezüglich der Alliance-Schulen sind vollständig erfunden, nichts hat sich während des Krieges hinsichtlich der Kontrolle über die AUianccsdnilen geändert. Sie bestehen alle weiter wie früher und werden niit einer einzigen Ausnahme weiter anfrechtcrhaUcn unter der direkten Leitung der Alliance. Es war niemäh davon die Rede, irgendeine unserer Schulen irgendeiner Regierung zu übergehen. Das Programm, die Lehrpläne und die Leitung der Schulen sind genau so, wie sic während der letzten 10 Jahre waren und wir habe« weder einen (iruml, noch die Absicht, hierin irgendetwas zu ändern. Bitte treten Sic den Behatiptiingen des American Jewish Chronicle mit aller Bestinniitlicit entgegen.“ Hierzu schreibt der American Jewish Chronicle vom 25. Mai an leitender Stelle, daß er seine Behauptungen in vollem U m fang au frech terha Itc. Er erklärt, dal! am 5. Oktober 1015 ein Abkommen zwischen den Vertretern der Alliance und der französisehen Regierung von Marokko getroffen worden sei, wonach innerhalb von 5 Jahren die 22 Alliance- Schulen in Marokko in den Besitz der französischen Protektorats-Regierung übergehen sollen. Danach sei die französische Regierung tatsächlich die Besitzerin der Schulen, wenn auch der Name der Alliance noch aufrechterhalten wird. § 11 des Abkommens bestimmt, daß alle Lehrer der Alliance-Sclrulcn in Marokko französische Bürger sein müssen. Eine andere Bestimmung des Abkoimnens besagt, daß die Alliance kein Recht hat, Lehrer nnzustcllcn, während die Regierung das Recht besitzt, ohne die Alliance zu benachrichtigen, Lehrer anzustellen und zu entlassen. Außerdem bestimmen die französischen Behörden alle Einzelheiten des Unterrichts. Der A111 e r i c a n J e w i s 11 Chronicle empfiehlt Herrn Hartogensis, von dem Pariser Zentralkomitee der Alliance eine Kopie des Abkommens zu fordern, wcl• dies mit eleu Worten beginnt: ״Wegen Mangel an Mitteln bewilligt die französische Pro• t c kt o r a t s ־ R eg i c rti n g ,in Marokko hierdurch der Alliance eine jährliche Sub• vention usw.“ Der American Jewish Chronicle hemerkt dazu noch, die amerikanischen Mitglieder der Alliance sollten keine Gelder in Amerika für die Alliance sammeln, nachdem die Alliance ihre Schulen in Marokko der französischen Regierung übergeben habe und während des Krieges nicht in der Lage sei, ihre Schulen in Persien, Aegypten und der Türkei aufrcdifzuciiialtcit. j Vom Zionismus in Frankreich Paris eine zionistische V e rder folgende Resolution Am 10. Mai fand in s am in 11111 g statt, auf angenommen wurde: ״Die Zionisten van Paris, die zu einer Konferenz am10 ׳. Mai versammelt sind, begrüßen mit Freude die großen historischen Ereignisse der jüdischen Befreiung in Rußland; sic erklären, daß cs Millionen von Juden gibt, die in ihrem Herzen noch immer die Wunde des verlorenen Vaterlandes tragen und die Hoffnung, es wiederzufinden; sie geben der Uebcrzcugung Ausdruck, daß für diese Juden Palästina einziges, letztes Ziel ihrer schmerzvollen Entwicklung bleibt und sind der Meinung, daß die französischen Juden, national nssimilicrt und tief wurzelnd in dem großen Frankreich, dem Zionismus doch ihre Sympathie gewähren werden, und daß Frankreich nicht verfehlen wird, die Juden und alle anderen unterdrückten Nationalitäten zu unterstützen. Sie fordern ihre Gesinnungsgenossen auf, hierfür mit ihrer ganzen Kraft cinzutrcten an der Seite der großen Demokratien der Welt, im Kampfe für die Freiheit der kleinen Völker. Vom Zionismus in Bulgarien Die in Sofia erscheinende ״Deutsche Baikanzcitung“ vom 16. Mai 1917 enthält einen längeren Bericht über die Tätigkeit der Zionisten in Bulgarien. In dem Bericht wird die Organisierung und Durchführung eines allgemeinen Sdickcltagcs in Bulgarien geschildert und ein Aufsatz von Karl Herbst, der an leitender Stelle in der dem Schckeltage gewidmeten Nummer der zionistischen Wochenschrift in bulgarischer Sprache ״Hamischpflt“ erschienen war, veröffentlicht. Der Aufsatz stellt, wie die ״Deutsche Balkanzeitung“ bcmerkt, einen flammenden Aufruf an das jüdische Volk dar, sich sein Recht auf ein Eigcndasciu zu erkämpfen. Karl Herbst gehört zu den ersten und treuesten An- Jiiingcrn und Mitarbeitern von Theodor Herzl und war lange Zeit Mitglied des Oroßen Zionistischen Aktionsfiomitces. Zionismus in Polen (V o 11 der zionistischen Bewegung) Die drei nationalen Trauerwochen (voift 17. Thnm* nuis bis <). Ab.) wurden bekanntlich vom zionistischen Zentralkomitee für die Sammlungen zugunsten der notleidenden Juden in Palästina bestimmt. Diese Hilfsaktion wird jetzt in ganz ׳״rollern Stile vorbereitet. Das Zentralkomitee gab eine große Anzahl von Plakaten, Aufrufen und Piugsdirifteu in der hebräischen, jidisdien und polnischm Sprache heraus. Aus einer Heilte von Städten der polnischen Provinz kommen spezielle Delegierte nach Warschau, dieses Propagandaniatcrial zu böten. Der Clicf der Z i v i I v c r wa 11 u n g erteilte der Warschauer Zionistischen Organisation die Genehmigung, diese ״roßangelegte Sammlung zu veranstalten. Gegenwiirtig ersuchen mich die Provinzstüdtc ihre Krcisscliaft um diese Genehmigung. Die P a 1 ä s t i 11 a k out in i s s i o 11, die die Hilfsaktiou organisiert, veröffentlichte einen Aufruf an die jiidisclic Jugend, ,sich der Saminlungsarhcit zu widmen, den die iagespresse veröffentlicht hat. Ebenso veröffentlichen die Zeitungen den Aufruf des Zentralkomitccs zum 13. Todestag Hcrzls. Die Palästinakommission veröffentlichte auch den Beschluß der P oale- Zion, diese Hilfsaktion für Palästina iiincrlmlb dieser 3 Wochen tatkräftig mitz.iiorgaiiisicrcn. Die voll den Poalc-Zifm gesammelten Gelder werden an den Palästina- Arbeiter-Fond geschickt werden. Am Sonnabend vor dem 20. Thammus wurden in mehreren Synagogen Warschaus Seclciifcicn» zu Ehren I)r. Hcrzls abgehalten. Zur wahren zionistischen Detnonstration wurde diese Feier in der großen Synagoge der Tlcnm/kastr., wo Kantor Syrctn das ״El indle Rncliainiin‘‘ vorlietcte. Die versammelten Mitglieder der zionistischen Jugend-, Sport- und Schüler-Vereine und der Studenten- Korporationen sangen die ״Hatikwah" und die ״Sehewuali", die das ganze Publikum stehend anhörtc und begleitete. Die Konferenz der Poale-Zion in Stockholm Die während der Sozialisten-Konferenz in Stockhol in stattfindende fünfte Konferenz des Wcltverbandcs der Poale-Zion wird nach einem Zirkular des Partei- Sekretariats folgende Tagesordnung haben: 1. Die Forderungen :1) in allen Ländern der Diaspora, h) in Palästina, 2. Die Stellung zur Sozialistischen Internationale, 3. Die Stellung zu anderen jüdischen Parteien, 4. Die Reorganisierung der Partei, 5. Die Idee eines jüdischen Weltkongresses und einer ich Arbeiter-Weltkonferenz. Aus deutschen Zeitschriften ln der von Siegfried Jacobsohn hcrnusgcgcbencn Wochenschrift ״Die Schaubühne“ sind in den letzteil beiden Nummern die ersten Teile einer Aufsatzseric von Abraham Schwadron ״Ostjuden“ erschienen. Im neuen lieft der ״Sozialistischen Mo- 11 01 s h c f t c“, dem 1 -I. Heft dieses Jahrgangs, findet sich ein ausführlicher Artikel von Leo Rose 11 borg ״Die Emanzipation der Juden in Ruß- [and“. Einleitend stellt der Verfasser den Gang der Emanzipation dar, tim dann im Hauptteil seines Aufsatzes die Geschichte der Juden in Rußland, die Ocschichte der russischen Judeiipolitik, den Kampf der Juden gegen das zaristische Regime sowie ihre Teilnähme an der Revolution zu schildern. Dieselbe Nummer bringt in der von Herbert Kühnert geleiteten Rubrik ״Rcl i g i o 11 8w i s sc n sc 11a ft" eine ״Chassidismus“ überschricbenc Besprcduing von Martin Bubcrs Anschauungen von Religion und Religiosität, besonders in seinem Buche ״Vom mer hei Besprechung •litersrischer Erscheinungen auf dein Gebiete der Kolonisation auch Dr. Elias Auehachs Broschüre ״Palästina als liideiilaml“ einer anerkennen* den Besprechung unterzielit. Eine Depesche des Warschauer Magistrats an den schweizerischen Bundesrat In der Sitzung des Warschauer S t a d t in a g istrats vom 7. Juli wurde beschlossen, durch Verinittlung des schweizerischen Konsulats in Warschau an den Bundesrat in Berit folgendes Danktelegramm abzusendcii: ״Der Magistrat der Haupistadt Warschau entbietet dem hohen Bundesrat der schweizerischen Eidgenossenschaft seinen innigsten Dank für das der Approvisioiiicrinigsfragc der polnischen Hauptstadt entgegengebrachte warme Interesse mul insbesondere für die wohlwollende Hilfe, die den Delegierten der Stadt, den Herren M n c h n i c k i und F a r h s t e i n gewährt wurde durch Erteilung der Ausfuhrbewilligung für 51 Waggous Reis und Ucberiinhmc von Garantien gegenüber den Regierungen der Alliierten, daß die betreffende Warensendung tatsächlich in den Besitz, der Stadt Warschau gelangen wird.“ Hierzu ist zu bemerken, daß der Kommission Fürst Sapicha und unser Gesinnungsgenosse Farbstein angeboren sollten. Statt des Fürsten Sapicha fuhr dann Herr Machnicki, Herr Färb st ei 11 ist zeit noch in der Schweiz. zur• Zionistische Bewegung Italien. Die zionistisch-italienische Zeitschrift ״Israel“ veröffentlicht in ihrer Nummer vom 31. Mai einen Bericht des ״C omites der j ii d i s e 11 e 11 Gemeinden Italien s“, in dem zunächst von dem Besuch Nahum Sokolows in Rom dk־ Rede ist. Das Goinitd teilt dann mit,׳ daß eine von ihm vorgesehlagcnc Konferenz, der französischen, englischen, amerikanischen und italicnb■ sehen nationaljiidischcn Verbände bis jetzt am Widerstände der Alliance Isrnciiti universellclind des Conjoüit Committee in London gescheitert sei. Am Schluß fordert das Comitd eine energische Hilfsaktion für die aus Jaffa evakuierten Juden, In einer Schlußheitierkung kolistatiert der ״I srael“ befriedigt, daß die Ziele des Gcmcindecoinitcs rein zionistischer Art sind. Die italienischen Juden könnteil stolz sein, daß sie sich in so kurzer Zeit von absoluter Indifferenz zur geschlossenen nationalen Oemcinschaft entwickelt hätten. England Geist des Judentums“. Aus diesen tiefschürfenden und von wahrem Verständnis für den jüdischen Geist zeugenden Ausführungen sei hier folgende Stelle angeführt: ״Es ist ein großes Verdienst Bubcrs mit seinem obengenannten Ruch den zahlreichen Darstellungen der jüdischen Religion eine Darstellung der jüdischen Rcligiosität — an die Seite gesetzt zu haben. Das Wcsentliche an dieser Religiosität ist darin zu sehen, daß sie die Weltcrlösimg von dem Glauben der Menschen an das Absolute und von der Forderung, sich in einem heiligen Leben seinem Dienst zu weihen, abhängig »nacht. Liegt aber in andern Religionen der Nachdruck mehr auf der Seite des Erlebens dieser Einheit, so liegt er im Judentum mehr auf der Seite ihrer Verwirklichung durch die sittliche Tat (oder wie es in besonderer jüdischer Terminologie heißt, durch die ״Entscheidung“). Ganz besonders aber ist für die jüdische Religiosität das Pathos, die lnbniust charakteristisch, mit der die Umkehr, d. 11. der letzte Akt der Entscheidung der Hinwendung vom bedingten zum unbedingten Leben, als Mittelnunkt des religiösen Lebens hcrgestellt wird. Darum ist die Geschichte der jüdischen Form des Entgehetdun״spcdn11kens zugleich die Geschichte der jüdischen Religiosität.“ In seinen weiteren Ausführungen verfolgt dann der Verfasser die drei Auffassungen des Entschcidungsgedankens, die Bubcr zu sehen glaubt. Allen ist gemeinsam die Anschauung von dem absoluten ,wert der Tit Diese drei Stufen, deren letzte die chassidischc ist, 'stehen im Kampf mit dem offiziellen, priesterlich-rabbinischen Judentum. Es sei zum Schluß ״och darauf hingewiesen, daß Hermann Kranold, mit dessen ausführlicher Würdigung der jüdischen Kolonisation in Palästina wir uns in der Rundschau“ beschäftigt hatten, In dieser Num- Wie der ״Jewish Chronicle“ vom 22. Juni mitteilt, wurde an Stelle von Herrn Beut wich Herr Sacher zum Vorsitzenden des Order of Ancicnt Macenbeaens ge- ' wählt. Der Sitz des Ordens wurde von London nach Manchester verlegt, י Der ״Council der Federation of Eng- 1 i 8 11 Zionists" beschloß, zusammen mit andern jüdischen Organisationen, in nächster Zeit einen jüai* scheu Kongreß C111znl>er11fe11, Aus aller Welt Am Deutschland. (Für dcn inneren Frieden) In Cöln fand am 8. Juli eine vom Ortsausschuß zur Pflege des inneren Friedens cinberttfenc Versanimlung statt, an der Vertreter der verschiedensten Parteien teil nahmen. Von jüdischer Seite nahm Herr Kaufmann B. Fcilchenfeld, Vorsitzender der Cölner Ortsgruppe des Zentrnlvcreius deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens als Referent an der Versammlung teil. Die Monisten waren durch Herrn Jtistizrat I)r. M a 1111 h e i m vertreten. Die Ausführungen vcrschicdener Redner betonten, daß es erforderlich sei, den für die Kriegsdauer ciurehgcfiihrten Burgfrieden auch nach dem Kriege freiwillig beizubehalten. Der Vertreter des Zentral Vereins erklärte seine Ucbcreinstimmung mit diesen Tendenzen und fuhr dann fort: ״Wir Deutsche jüdischen Glaubens sind wicht anders geachtet, und wollen nicht anders sein, aLs die Volksgenossen anderer Bekenntnisse, ihre Vorzüge, ihre Fehler sind im allgemeinen die unsrigeii. Sollten noch Eigenarten, die aus dem Drucke der Jahrhunderte sattsam sich erklären, bei manchen von uns vorhnnden sein, so werden diese desto rascher verschwinden, je mehr wir Juden am deutschen Volksleben teilnehmen, je mehr wir in ihm aufgeheii, je mehr und je besser uns Gelegenheit geboten wird, gemeinsam mit den anderen Volksgenossen am WoTilc des Ganzen zu arbeiten.“ Mali muß mit Bedauern konstatieren, daß ein Teil des deutschen Judentums es noch immer nicht bcgriffen hat, daß wir gute deutsche Staatsbürger sein können, ohne unsere Eigenart aufzugeben, und daß sie von jedem Versprechen, Frieden zu halten, so rcstlos hingerissen werden, daß sie in einer vom Außenstellenden nur als würdelos zu bezeichnendem Weise freudig das restlose Aufgehen im deutschen Volkstum versprechen, das hier wie in den meisten andern Fallen von den anderen Gruppen den Juden garnlcht zugemutet wird. Es ist charakteristisch, daß (wenigstens nach dem Bericht der ״Cölner Volkszeitung“ vom 9. Juli) niemand von den Erklärungen des Herrn Feilchenfcld irgendwie Notiz genommen hat, Aus Polen (Vor den Gemeindewahlen) .E'u.!!5ü? Wahlkommitee wurde in Warschau unter ״Komitee der unabhängigen Jisdem Namen

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