Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 230 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28 Zur Frage t wirtschaftlicher Ausbildung jüdischer Franc» und Mädchen in Palästina au_ Von Johanna Simon Frledbcrg Vorbemerkung: Dieser Aufsatz ist 11ns übermiitelt worden, bevor noch der Aufsatz, von 1T|. Bambus in Nr. 2(1 der ״Jiid. Rundschau“ veröffcntlicht wurde. Dies soll nicht vergessen werden. Die Grundsätze, die Frau Johanna Kjmoii-Friedherg »ach Ocltmgci's Aufstellungen wiedergiht, sind zweifellos rieht i;f 11111I auitcrordriillich wichtig. I lofienilicli werden diese Anregungen selinelle und diirchpreifende Ausführung finden. Richtig waren früher auch die I Imwcise von |׳'rau FiliiU Ladumiiii! auf die Bedeutung organisierter zionistischer Frauenarbeit. Nur wird, wie wir niiiicliuicn müssen, mit solche» Hinweisen Frieda R o in in und gleichbesinn־,eil z.ioiiistiselicn Mädchen, die seihst 11:1dl Palästina gelten wollen, die selbst das Richlige sdion jetzt lerne» wollen, damit nicht Genüge «fet.'i 11. Sie können sich hei «lern Appell von Frau l.achmauu nicht beruhigen -- besonders wenn sie für ihre Person ohnedies schon in der zionistiselien Organisation tätig sind. Sie wollen eiien einen Wer( ,Teilen, der sie schneller zum Ziel führt, als wenn sie auf das Zustandekommen der großen Pliine warten, die noch ,ווו viele Voraussetzungen gekmipii sind. Darum ist das Projekt, das l'rf. Ha mt> 11s entwickelt hat — ungeachtet «ler Richtigkeit der von Frau Johanna Simoii-Frieilbcrg wiedergebeiieiieii Thesen - - von aktueller Bedeutung. Fs ist unschwer diireliz.iifiihreu und gibt einigen Mädchen — wenn der Plan gelingt, auch einer genügend grölten Anzahl - - die Möglichkeit, sich cinigcrniafScn für Paiiisiina voiviibeieiicn. Manchmal arbeitet «las Gute dein Besseren vor. Darum kann von uns sehr empfohlen werden, Anregungen wie die von Frieda Romm und Vorschläge, wie den von Flfriede Ham bus, ernst zu nehmen. Fiir «len Vorschlag von Frl. Bambus ist übrigens in weiteren Kreisen Interesse entstanden. Die Redaktion. In Nr. 20 der ,,Jüdischen Rundschau propagierte Frieda R o m in die Errichtung einer jüdischen Mädchenfarm in Europa: ein ״deutsches Kinoreih“. Auf ■diese Anregung erwiderten Frau Edith Lach mann, die ebenfalls für eine landwirtschaftliche Anstalt in Deutsch-!and cinlritl, und die Hlaiiweill-Führcriii Vera London, die zwar «len Plan ebenfalls begrüßt, aber doch seine Schwierigkeiten einsieht, in folgendem klugen und klaren Satze trifft sie den Kernpunkt «1er Frage: .einfach ist aber 111. E. die!־'rage nicht. Wenn wir uns ein kleines Bauerngut kaufen und nun darauf losarbeiten, so wäre cs zum mindesten sehr unrationell.“ Vera London regt׳ darum an, zunächst Leiterinnen und Lehrerinnen eines solchen Unternehmens ausbildcn zu lassen. Ich kann an diesen durchaus vernünftigen Vorschlag nnkniipfcii, um das zu sagen, was gesagt werden muß. Die Gründung einer jüdischen landwirtschaftlichen׳ Lehranstalt für Mädchen in Europa ist nicht nur difettantisch, sondern überflüssig, ja schädlich. Die Lage für uns zionistische Frauen ist folgende. Wir wollen für Palästina arbeiten. Wir lintlcn eine Lelirfnnn in Kincrcth, dk der ״Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ siibveniioniertc. Dieser Verband, der auch die Spitze»• Ichrschulcn in Jaffa, Tiherias und Safed unterhielt, war vor dem Kriege internationale Oeklsnmmelstellc. Seit dem Kriege können die Entciiteländer keine Beiträge mehr senden, so daß die Einnahmen des Verbandes sehr ztisaiiiiiicngesciimolzen sind. Mit Hilfe samincleifriger Freundinnen in Dcuisrliland und Holland gelang cs dein Verband, die Miidclieiifarm auch während des Krieges aber Wasser zu halten, bis sie vor ganz kurzer Zeit, der Kriegszustände halber, doch geschlossen werden!mißte. Fra« Clianua M c i s e 1 Sch o c 11 a t, die aufopfcrungsvolle Leiterin dieser Farm, hat bereits ihre Vorschlüge zur!’■ form und Reorganisation der Anstalt nach dein Kriege in einem Brief an den Verband niedergelegt. Außerdem wünscht sie vor allein: sich selbst durch eine Studienreise in europäischen Musterlchranstallen neu zu orientieren und zwei der in Kincrcth bereits landwirtschaftlich geschulten Mädchen Gelegenh«*it zu geben, sich zu Lehrerinnen weiter nuszubildcu und zu vervollkommnen. Dr. Ruppin unterstützte «len Meiscl'sclicn Rcorganisatiousplan aufs wärmste und regte bei vier Verwaltung des Jüdischen Nntionnifonds an, bereits jetzt die erforderlichen Beträge hierfür zu bewilligen, Der Jüdische Nationalfond aber konnte der Anregung Ruppins nicht entsprechen, weil die Verweil• düng von Geldmitteln für Zwecke, die nicht dem Boden• erwerb dienen, außerhalb seines eigentlichen Tätigkcltsgebietes liege. Nach dieser Sachlage ist die finanzielle Sicherung der künftigen reorganisierten Farm ganz und gar unsere zionistische Frauenaufgabc geworden I Sie bleibt die wichtigste, ja brennend-notwendige Aufgabe, die wir jüdischen Frauen und Mädchen lösen müssen und an deren Erfüllung der Verband, die zionistische Frauenorganisation, und darüber hinaus vietc einzelne Werber und Helferinnen, Frieda Romm, Edith Lachmann, Vera London mitscliaffen können und sollten. Wir dürfen unser Palästinakind, unsere erste Mädchenlchrfarm nicht verlassen; sie muß uns heiliger sein wie jeder noch so wünschenswerte landwirtschaftliche Betrieb in Europa. Aber selbst wenn wir das Oefühl ganz ausschaltcn wollen: die palästinensische Lchran• statt entspricht auch allein den Forderungen des Zweckmäßigen und Nützlichen. Ich darf mich hier auf das Urteil eines unserer ausgezeichnetsten Fachleute stützen. Agronom Jakob O.ettin ger, konferierender Beirat des Palästinaamtes, unser Sachverständiger in Kolonisationsfr.'igeii, hatte die Liebenswürdigkeit, seine Ansicht über eine künftige!amiwiriisduifUiclie Lehranstalt in Palästina in einige Thesen zu fassen und gestattet, sic an dieser Stelle erstmalig zum Abdruck zu bringen: 1. Für eine gedeihliche Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina ist eine planmäßige־, hinreichend weitgehende Tätigkeit auf dem Gebiete der landwirt* schaftliehcn Ausbildung tlt׳r Mädchen und Frauen erfor• deriidi, 2. Die FrriWiluag spe./iellei־ Miidduudelirfnrmcu kann — im (legcnsatzc zu anderen Lelirfarinen ׳-־- wohl in He• tradü kommen, da für die Mädchen die Möglichkeit der I'i.im■, in sonstigen lamlwii Iscimfllli'lieii llcliicbci), I wo gewisse Lernmöglichkeiten vorhanden sind, eine viel beschränktere ist als für junge Männer. 3. Die Erriclitimg von Miiddienlelirfaniieii wird aber die mannigfaltigen Bedürfnisse, Palästinas hinsichtlich der Verbreitung landwirtschaftlicher Kenntnisse unter der jüdisdien Fraiionhevölkoriing bloß in geringem Maße bcfriedigen. Vielmehr ist für die Erreichung dieses Zieles folgendes System miteinander zusammenhängender mul sieh gegenseitig ergänzender Veranstaltungen ins Lehen zu rillen: a) eine •zentr.ilc landmul haiiswirlselial'tliehc Lehranst'ilt für Mädchen mul Frauen (anstatt einer ״Lehrfarm“, deren Aufgabe und Bedeutung bereits durch die ungeeignete Benennung allzusehr cingcsrhfänkt sind), und zwar mit zwei Abteilungen: a) für jüngere interne Mädeheü (von 15 18 Jahren) mul 11) für ältere Mädchen; b) im Anseliinß an diese Lehranstalt -- periodische ein- bis viersvöelienllielu' praktische Kurse in den ein• zelnen für iTauen wichtigen Zweigen der Lamlwirtsehnft (Gemüsebau, Milchwirtschaft, Baumiiflanzmigcti, üellü• geizneiit lisw.) und des Haushaltes (Kochen, Finmnchen von Früchten und Gemüse, Nähen, 1 licken u. dergl,); e) syst« malische, durch die zentrale Lehranstalt or« gaiiisierle ein- bis zweimonatliche Wamlerknrse zum /wecke der Verbreitung inieiilbchrlielH'r lantlWirtschaft* lieber Kenntnisse unter denjenigen Mädchen und!׳rauen in den einzelnen Siedlungen, die die Lehranstalt nicht besuchen können. d) Anstellung von Wnnderlehreriiiiicn; e) Patronat des Lelirlingsweseus (Unterbringung in rivaten Wirtschaften und Farmen auf Grund von Ar• eitsmul Lehrverträgen). 1. Für die Verwirklichung des Programms ist eine entsprechende Erweiterung des jüdischen Fraucnverban• des resp, die Schaltung einer neuen speziellen Organisation erforderlich, die die Aufgabe der Aufbringung der notwendigen recht bedeutenden finanziellen Mittel für die Fiiirielitimg und Unterhaltung der in Rede sieltenden VeraustaUimgeii zu iihcrnclmicii imstande sein wird, 5, Diese Organisation wird im Einzelnen /.(machst folgende Aufgaben vor sich haben: a) Ausdehnung der Werbe• und Sammeltätigkeit auf alle Linder, wo für die Ziele der Organisation mehr oder minder beträchtliche Geklmitiel sieh aufbringcii lassen; 11) sofortige Aufnahme einer vorbereitenden Tätig• keit: 1. durch die Friuöglidimig einer Studienreise nach Europa für die gegenwärtige Leiterin der Mädchcnfarm in Kincrcth, 2. durch die Unterbringung mehrerer paliistinensischer Mädchen (5 bis 10) in europäischen gccigncteil Lehranstalten (nicht bloß in Ahlem), um sie für die einzelnen Lchr/.wcigc vor/ureiten, 3. durch die Einsetzung einer speziellen Palroiintskoiumission fiir diese /nküiii'tigen landwirt ,eletfltielicii l.chvcriimcu, 4. durch die Alilassung eines erschöpfenden Berichtes über die gegenwärtigen Tendenzen und den Stand der lamlwii'tselmft• liehen Ausbildung der Frauen in den verschiedenen Läitdem mit möglichst eingehender Beschreibung der bestehendeii Institutionen (Ausführliche Lehrpläne, Ergebnisse der Ausbildung, spezielle Mctlnxlik des landwirlsehaft•!idieu f rauenunterridiu's, genaue Angaben über Baulich• keilen und sonstige Einrichtungen, über einmalige in* stallationskosten und jährliche Unterhaltungskosten; 5. durch die rechtzeitige Ausarbeitung von Programmen, Plänen und Kostenanschlägen, (». Die Ausgaben für die einmaligen Einrichtungen Werden wohl kaum weniger als '200(100 Francs betragen (Wohn- und Wirtschaftshnulichkcitcn: etwa 100 000 F'rcs,, Hcwässeriiiigaiilage, Motor, Röhren, Wasserbehälter: 20 000 Fres., Pllnii/imgs.inlagon: (10000 F'rcs., Mobiliar, Arbeitsi1ivent.il•, Lehrmittel: 15 000 Fres., lebendes Invenfar: 5000 Fres.). Für die jährliche Unterhaltung der erwähnten Veranstaltungen ist ein Kostenanschlag von etwa 50 00(1 Fres. voraiisziischcn (Lehranstalt: '20 in* lerne Mädchen ä 3000 Fres, •---- 24 (MH) Fres., 40 externe & 300 Fres. 12 000 F'rcs., Kurse in- und ausserhalb der Anstalt: 5000 l'rcs., 2 Waiulerldirerinuen samt Reisekosten 9000 l'rcs.). Die Sicherung der Jahresbudgets sollte von Anfang an auf dem Wege der Aufbringung eines Fonds von mehreren iHindcrttausend bis zu einer Million Francs, aus dessen Zinsen die Jahrcsatisgnbeu zum großen Teilt* gedeckt werden könnten, vorgenommen werden. 7, Die Beteiligung des Jüdischen Natioualfonds an der Verwirklichung des liier skizzierten Planes könnte ,sich darin ausdriieken, daß der zentralen landwirtschaftlichen Lehranstalt bewiisserharer Boden in genügender Ausdcli* nung (etwa 150 bis 200 Dmiam) an einem geeigneten Orte bereitgestellt wird. Außerdem könnte der J. N. F. eventuell an der Ausarbeitung der Programme und Pläne der Veranstaltungen milwirken, sowie, falls dies seitens der betreffenden Organisation erwünscht sein wird, späterhin an der Inspizierung sieh beteiligen, Die Baulichkeiten, die Bewässerungsanlagen und alle sonstigen Anlagen müssen seitens der speziellen Organisation errichtet werden. An den Unterhaltungskosten soll sich der J. N. F, gleichfalls nicht beteiligen. Jede Zionistin, die Oettinger» Thesen überdenkt, wird zu der Einsicht kommen, daß wir Frauen hier vor cinci׳ Riesenaufgabe stehen, die wir aber bewältigen müssen und werden. Die Erklärung der einzelnen Punkte und die Dar* legung ihrer Durchführung im besonderen können einem späteren Zeitpunkt Vorbehalten werden. Nur das sei auf Grumt einer ausführlichen Besprechung, die Herr Oettinger mit einigen zionistischen Frauen und Männern über seine Vorschläge führte, hervorgehohen. Oettinger erklärte, lllnil Lehrfarmen Inst niemals das Ideal land wirtschaftlicher Ausbildung fiir eine Berufsausübung fm Ausland sein können. Die Bedingungen des einen l.mulcs entsprächen niemals denen des anderen. Knaben wie Mädchen, die in Deutschland laiidwuischaftlich ausgebildet sind, können, durch die völlige Verschiedenheit von Klima, Bodcnbcschaffeuheit und Kulturen, ihre europäischen Kcnniiiisse in Palästina nicht verwerten. Sie müssen vmi Grund aus umleriien, Oettinger (der jahrelang Acker- und Garlenbaiilcolonieii in Südrußlaml geleitet, Inspektor der J. G. A.-Kolonien in Argentinien war) wies weiter darauf hin, daß selbst Lehrfarmen!111 Lande seihst höchst problematisch sind und ngf unter bestlmnileii Voraussetzungen ihieii Zweck erfüllen. Er erzählte, daß in Rußland 6 jüdische Lehrfarmen wieder geschlossen werden mußten — in Odessa, Minsk, Moiiilcw, Gzenstoiijcw, Czenstochaii, Orgcjcw — weil sich die Zöglinge nicht für die Arbeit in kleineren und andersartigen Einzelwirtschaften eigneten, geschweige denn für neuartige Kiiltiirbediiigimgen fremder Länder. Deshalb warnt Oettinger eindringlichst vor der Errichtung einer jüdischen Miidclieiifarm in IXmtschlnnd, von der er sich keinerlei Nutzen für Palästina verspricht. Auf Palästina aber kommt es uns allen doch an, auch den drei Zionist innen, die jene Idee proklamierten, die ich liier bekämpfe. Wer Ocllitigers Erfahrungen bcachtet, wird mit mir duschen, «laß wir mit der Erricliltmg einer jüdischen Mädchenfarin in Deutschlandunsere Kräfte sinn- und nutzlos zersplittern. Unsere Arbeit muß auf das eine Ziel konzenlriert werden, wo der größte praktische Erfolg für unsere palästinensische Kolonisation erwartet werden kann; deshalb muß unser ganzer Wille auf die Wiederherstellung unserer palästinensiselien Anstalt gerichtet sein. Zunächst muß der Wunsch von Prall MciscF Scliochat so rasch, als der Krieg die Reise erlaubt, erfüllt werden. Wir müssen dem Verband die noch fehlenden Mittel zur Verfügung stellen; er wird sich nicht der Ehrenpflicht entziehen, den ersten Schritt zur Reorganisation der Mädchcnfarm zu‘unternehmen; aber er braucht in diesen Kriegszeiten finanzieller Beihilfe. Denn neben Frau Meisel-Schochat sollten noch zwei bewährte Arbeiterinnen, die mit «len palästinensischen Bedürfnissen in mehrjähriger Erfahrung vertraut sind, ihre Ausbildung in Europa vervollständigen, um dann initzuhelfen, die palästinensische Anstalt aufs beste neu einztiiieliteii und aiis/uhaiien. Reicht aber unsere Fürsorge und unser Gehl »och aus, um etwa zwei oder drei deutschen Jüdinnen, die nach dein Kriege in Paläsiina leben wollen, die gründliche Ausbildung in einem hauswirtsdiaftlich «aller gartenbaulichen Spezialiaeh zu 1ermöglichen, so sollten wir diese: zweite Aufgabe sofort in Angriff nehmen. Beide Vorschläge hat auch Herr Oettinger aufs entschiedenste befürwortet, und ich darf darum «licsc Vorschläge den arbeitenden drei Damen, sowie dem Verbandsvorstand ans Herz legen. (Schiut folgt.) Von der Kongreßbewegung in Rußland Zu der vierten .Sitzung der aus den Vertretern aller jüdischen politischen Parteien in Petersburg zusammen• gesetzten Beratung ■zur <) r g a 11 i s i e r u 11 g des K o n ־ gre s s e s wurde die Frage' der Ei 11 beruf u 11 g einer vorbereitenden Konferenz erörtert. So lange sich die Beratung mit den prinzipiellen Fragen des Programms des bevorstehenden Kongresses hefaßt hatte, waren alle Teilnehmer von der Wichtigkeit dieser Beratung, in der sieli /uni erstenmal Vertreter der sich bekämpfenden Parteien zu praktischer Arbeit znsainniciitim, überzeugt. Als die Beratung gegen die Stimme der Duiidi steil beschloß, sich mit der Lage der Juden in den anderen Ländern zu beschäftigen, erklärten die Buudistcn, daß sie an «feil weiteren |te• rntuiigcn nicht mehr teiliicliiiicu können. Als darauf auch die Forderung der Zionisten, der Palästinafrage einen besonderen Punkt der Tages- Ordnung des Kongresses zu widmen, abgc lehnt wurde, hielten es die Zionisten doch für angebracht, au der Beratung weiter teilzimelnnen, da sie der Ueberzeugung waren, daß diese Vorbesprechung keine b i 11 d e 11 d c Bedeutung für den Kongreß haben werde. Bei der Erörterung der Frage über die Einberufung einer vorbereitenden Konferenz mußte sich cntschciden, ob sich die Petersburger B erat 1111 g als einzig kompetente ein berufende Instanz «les Kongresses Ix״ trachtet, oder ob auch Vertreter des P r o v i 11 z j u d c n ■ tu ms herangezogen werden, um den Charakter und Arbeitsplan des Kongresses zu bestimmen. Bald wurde es klar, daß in der Frage der Kompetenz der Petersburger Beratung 11״d der Einberufung der Vorkonferenz ein Übereinkommen schwieriger zustande kommen werde als in den bisherigen program nt a• tischen Fragen, Einige Teilnehmer der Beratung, darunter hnup•* sächlich die Vertreter der politischen Richtungen, deren Einflufikreisc sielt im wesentlichen nur auf die Re»•' denzen selbst .erstrecken, unter den Volksmasscn der Provinz aber wenig Anklang finden, lehnten die Konferenzforderung entschieden ab (die kadcttische Volksgruppe, die demokratische Vereinigung, die na• tionnle Partei), Ihnen schlossen sich auch die Scj* misten und S. S. an. Auch S. M. DubnoW vortrat die Ansicht, daß die Konferenz die Organisierung des Judentums verzögern werde und daß die einzige Aufgabe des Tages die schleunige Einberufung des Kongresses sei, da alle anderen "Völker Rußlands bereits ihre Kongresse abgehaltcn hätten und sich über ihre Forderungen an die Konstituante im klaren seien.