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Jüdische Rundschau · 1917-06-22 · Heft 25 (22.6.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 JUED1SCHE RUNDSCHAU •Seite 209 sehe Zentralkomitee auf, sein offizielles Organ in s c 111׳ r ■S P r a c 11 e lierauszugebeii. D,c Konferenz sandte an den Rat der Soldaten- und Arlniterdcputierten mul an die Provisorische Regierung lUgriiiSinigsklegraininc und fällte eine Protest re solut io 11 gegen die Uebcrrestc der jüdischen Rechtslosigkeit in R u in ä n i e 11 und Finnland. in das Zent rai ko mit ec wurden gewählt die Herren W1I ent sch iik, Hindes, A. idclsohn t. e I) e d i 11 s k y und I i s c 11 c r, in die R e d a k t i o ״ s - Kommission der Zeitschriften die Herren Hindes Wo Ik o vv i s k y , M. Ci r o ß 111 a 11 n , Lcvit und l'o eli er. Schekclmeeting des Warschauer ״Merkas“ Auf einem besomlereii Meeting der Warschauer ziomsliseheii Jugend, das vom zionistischen ״Merkas“ einbenifeii worden war und auf dem die Herren Schweiger, Winkler, A4. Oordon, J DjvvidowitseJi, R. M i 111 e r und S. Eisenberg snraelitii, wurde folgende Resolution angenommen: Das Jugend-Meeting vom 7. Juni ist einig in der Forderung einer öfleiitlieli-reditlich gesicherte״ Heimst litte in Palästina. Fiel' erschüttert durch die trauri- ״cm Nachrichten, die aus unserer Heimat über die sdiiiimue Lage des jüdischen Jischuws gekommen sind, weilt sich die versammelte jüdische Jugend eins in dem heiligen Gelübde, alle ihre jugendlichen Kräfte muttstrengen, um dem jüdischen Volke in seinem ewige״ Streben nach seinem Alt-NeuIaud, Palästina, treu und ergebe״ zu dienen. Die jüdische Jugend in Warschau sendet einen warmen und herzlichen Gruß an ihre Briider in'Palästina, deren gegenwärtige Leiden die erwartete' Erlösung des jüdischen Volkes mit sich bringen werden, und schwort, wie ein Mann auf den ersten Ruf des Volkes bereit zu sein, ihre Kräfte und ihr Leben für die Wiederbelebung des jüdischen Volkes im eigenen Laude ciii/usetzeii. Als Beweis ihrer Gefühle und ihres geiiicinsaiiKii Strebcns zahlt sie den ״Schcckel“. Das Meeting war von mehr als 2000 jugendlichen Zionisten besucht. Gegen den jüdischen Handel in Polen Die bekannte polnische Gesellschaft ״Roz wo j“, die es sidi zur Aufgabe gestellt hat, die ״fremden Elcmente“ im Handel zu bekämpfen, hat dem Warschauer Er/bisdiof I)r. Kakowski anläßlich der Konfcrenz der Bischöfe in Warschau ein Memo ran du 111 mit folgendem Wortlaut cingcreicht: Die Eroberung des Handels und der Industrie im Lande durch Massen fremder Elemente ist eine Gefahr nicht nur für die ökonomische Selbständigkeit Polens, sondern auch für schic nationale Existenz, Die politische Unabhängigkeit wird uns nicht von der ökonomischen Gefangenschaft befreien, wenn nicht das ganze Volk das Schlechte auszurotten versieben wird, das eine Folge der Tätigkeit fremder Kaufleute und Industrieller in unserem Lande ist. Als deutlichstes Beispiel der Gefahr können die Wahlen zu den Stadträtcn dienen. In vielen Städten werden fremde El e 111 e n t e, die der polnischen Kultur und Religion feindlich gestimmt sind, mit den nationalen Qüterii wirtschaften. Die intelligenten Schichten unseres Volkes haben in Erkenntnis der ganzen Furchtbarkeit der Gefahr seil einigen Jahren damit begönne״, unser wirtschaftliches Leben zu nationalisieren. Leider ist dieses Streben eines nicht großen Teiles der Bevölkerung nicht mir auf Öko- 110111 isciie, sondern auch gesellschaftliche Hindernisse gestoßen. Wir können ohne Ucbcrtreilnmg sagen, daß in dem Maße, in dem die finanziellen Kräfte und die große Zahl der fremden Elemente, die die Wandelsbesten sind, wesentlich erhellen. Schon eine jüdische bloße Laubenkolonie hat das Zeug in sich, Juden als solche zit vereinigen mul jüdische Bestrebungen zu stärkcn. Die Kulturbedeutung einer solchen jüdischen Oartenstadt für die Erhaltung und das Wachstum, die Ausgestaituiig und Vertiefung jüdischen Lebens in Deutschland ist unabsehbar. Es gilt, einen Baustein für die Grundmauer des Judentums zu legen. Heinrich L o e w c, Literarische Mitteilungen Der alte Verlag der russischen Poaie-Zion, ,,Der Hammer“ (Wilna), hat in Moskati seine Tätigkeit wieder aufgenoinmen. Es erschienen bis jetzt drei neue drosdiüren in russischer Sprache: ״Die Krise der Internationale“ von L. Berlinrauth, ,Zum Kampf um die jüdische Volksschule1' von S. K i w i 11 und ״D er Krieg und der jüdische Arbeiter in P a i ä s t i 11 a“, von L. Berlinrauth. Gleichzeitig erschien in Petersburg ״Das Pro- «ramm der Poale-Zi 011“ in einer besonderen Ausgabe, mit einer Einleitung versehen. Am 1. Juni begann in Petersburg eine neue grolle politische Tageszeitung■ in jidisclicr Sprache, ״Volksblatt“ zu erscheinen. Als Mitarbeiter der Zeitung werden genannt: S, M. Dubnow, M. Kr ei- ״»n, B. Mandel, J. Zinberg, S. Niger, N. -Mi ff, I, Efren, Bertoidy-Lazki, A, Wer- *er, j. J a sch u 11 s k y u. a. Im Lodzer Verlag ״Th ea t e r w e 11“ erschienen von M. Frankenthal die Studien ״Das Lehen ruft“, ,,Ein junger Greis“ und die szenische Humoreske ״Der Sohn, ein Schriftsteller“ in jidisclier Sprache. An die Freimdc nnd Leser der }0m y, ן» **!«י־״• יך «GisCiiea iwuadcchfcu Mit dem nächsten Monat beginnt ein neues Quartal der ״Jüdischen Rundschau“. Die ״jüdische Rundschau“ wird in der gesamten jüdischen Publizistik gegenwärtig mit Recht als reichhaltigste und informierend!»!® - Zeitung in Deutschland anerkannt. Ihr stehen infolge ihrer Beziehung zur ganzen zionistischen Weltorganisation aus allen Ländern Nachrichten zur Verfügung. Die Nachrichten der ״jüdischen Rundschau“ informieren gründlich über alle Vorgänge im jüdischen Leben. Die wesentliche Vergrößerung der Zeitung durch ökonomischere Anordnung des Textes und Erweiterung des Satzspiegels hat ihr die Möglich• keit gegeben, den redaktionellen Teil erheblich zu vermehren. Die in stetem Wachsen begriffene Erhöhung des Papierpreises und der Herstellungskosten haben uns gezwungen, den Abonnementspreis der ״Jüdisehen Rundschau“ um einen kleinen Betrag zu erhöhen. Wir sind sicher, daß die Zahl unserer Abonnenten trotz dieses Aufschlages weiter steigen wird, Freunde der ״Jüdischen Rundschau“ 1 Werbet für die ״Jüdische Rundschau“! Der Verlag. und Industrie-Unternehmungen in ihren Händen halten, die Entstehung polnischer ökonomischer Institutionen verhindern, auch die Polen selbst die Devise: ״Polen, kauft nur bei Polen polnisches Fabri• k a t!“ nicht verstellen. Leider kommt cs auch vor, daß die Pfarrer und andere Geistliche hei Fremden Waren kaufen. Oft beklagen sich darüber die Kleinhändler, indem sie nicht verstellen können, daß Ihre Geistlichen ihnen so schmerzliebes Unrecht tun und damit zugleich den ungebildeten Schichten des Volkes ein schlechtes Beispiel geben. . . Mit Betrübnis muß man fcststellen, daß die Devise: ״Polen kauft h u r bei Polen polnische« Fabrikat!“ bi* jetzt noch kein nationales Gebot geworden ist, das jedem Bürger des Landes, der nur einen Tropfen polnischen Blutes in sich hat, verpflichten sollte. Besonders empfindlich ist diese Verständnislosigkeit gegenüber der erwähnten Devise während der gegenwärtigen Weltkatastrophe zu fühlen. > Die polnischen Kauficutc, die keinen großen Unternehmungsgeist besitzen — und sic sind leider ln der Mehrheit - , werden mutlos und verfallen der Erbitte* rung und dem Pessimismus... Die Tiöluiseheii“Geistlichen' können zur'N at i o 11 alisicruug des Handels und des wirts eh a 111 i eh c 11 Lebens sehr viel beitragen. Deshalb wenden wir uns anläßlich der Konferenz der polnischen Bischöfe an Eure Exzellenz mit der grollen Bitte, der Frage der Nationalisierung des wirfsciiaitlidien Lehens Ihre großmütige Beachtung zu sdvenkeu und empfehlen folgende Mittel der besouderen Aufmerksamkeit und den nationalen Gefühlen der polnischen Geistlichen: 1. die ■Bauern, Städter und Gutsbesitzer mifzufordern, den polnischen Handel, die polnische Industrie und das polnische Gewerbe zu unterstützen; 2. die Bevölkerung zu ermuntern, neue Handels- und Imlustrieunternciiimmgen zu gründen; 3. die Gesellschaft ״Ro z w o j“ über die bis jetzt *für Handel und Industrie in den verschiedenen Gegenden des Landes umuisgenütztcn Orte zu informieren; 4. dahin zu wirken, daß die Stadträte und Magistrate Verordnungen er• lassen über die Schließung der Ge• schäfte am Sonntag, wozu alle KauUcute ohne Unterschied der Religion vor• pflichtet sein sollen; 5. die Devise ״Polen kauft bei Polen pol- 11 i s c 11 e s F a b r i k a 11“ durchzuführen. Wir drücken unsere unerschütterliche Hoffnung und unseren Glauben aus, daß Eure Exzellenz uns unsere heiße Bitte nicht versagen wird,“ Dieses Memorandum, das die vollständige Ausschal• tun״• der polnischen Juden aus Handel und Industrie zum Ziele hat, wurde auf der Konferenz der polnischen Bi• schüfe öffentlich verlesen. Aus Palästina Ein trauriger Vorfall hat sich, wie unter dem 3. Mal aus Jerusalem berichtet wird, vor ein paar Tagen in M e r c ii a w i a ereignet. Der jüdische Arbeiter Reg• n i k wurde hier auf den Acckern der Siedlungsgenossen• schaff tot aufgefunden. Von der Farm sind noch keine näheren Nachrichten über das Unglück vorhanden. Interpellationen im österreichischen Reichsrat Im österreichischen Abgeordnetenhaus hat der jüdisehe Abgeordnete Dr, Benno St ra ueber an den Ministerpräsideuten eine Interpellation gerichtet, in der das Ministerium des Aeußcrcn ersucht wird; auf die osmanischc .Regiciung in solcher Weise einzuwirken, daß in Palästina die Wiederholung der durch die Evakutcrung Jaffas veranlaßten Bedrängnis der jüdischen Bevölkerung ausgeschlossen wird, die von der Aus- Weisung betroffene jüdische Bevölkerung, ausreichend gesichert, in ihre Wohnorte zurückkelircn dürfe und ihr Ersatz und Genugtuung geleistet werde. Die Interpellation betont, daß der lkfehl zur Evakuierung auch österreichische, ungarische, deutsche mul bulgarische Juden betroffen habe. Die den Flüchtlingen zur Vcrfügung stellenden Hilfsmittel seien völlig mizurcichciid; cs herrschten unter ihnen Not und Krankheiten aller Art, Da von den harten Maßnahmen auch Juden der mit dem otlomaiiisehcn Kaisertum verbündeten Zentralmiiditc betroffen wurden, sei cs dringend geboten, dal» auch der j österreichisch-ungarische Staat, ״leid! der verbündeten deutschen Regierung, mit aller Energie bei der kaiserlich türkisdien Regierung die unverzügliche und geeignete Bescitigung der Ucbclstände — ihre Richtigkeit vorausgesetzt -- bewirke. Die Interpellation, die am 30. Mai HJ17 eingercicht wurde, war außer von Dr. Strauchcr von den jüdischen Abgeordneten Hermann Di am and, Rudolf Gail, Adolf Groß, Heinrich Ko lisch er, Camill Kura 11 da, Hermann Licbcrmann, Nathan von L ö w c 11 s t c i n, Julius Ofner, Edmund Rauch, Heinrich Reizes, Igiiatz St ein 11 aus und Bernhard Stern, also von sämtlichen jüdischen Abgeordneteil des Rcichsrats und von den rüditjüdisclien Abgcordneten Aust, Haber mann, Lukavsky, Mar c k , Ncmez, Pik, Reger, S e in a k a, S m e rek, Soukup, Spenul, Steyskal, Tomaaek, T r y I o w s k y j, V a 11 e k, W a s s i I k o u. a. unterzeichnet. ♦ In der dritten Sitzung des österreichischen Reichsrats vom 6. Juni richtete der jüdische Abgeordnete Heinrich Reizes an den Präsidenten des Hauses eine Anfrage betreffs der Verbesserung der Flücliflingsfürsorgc. Die Anfrage enthält die Forderung, in einer der nächsten Sitzungen des Rcichsrats die Wald eines besonderen Ausschusses für Flüchtlingsangelegen• h c i t c n anzuordnen, der alle Flüchtiingsfragen, besonders, die Bnrackcnfrage, sofort behandeln soll. Zu einer Anfrage in derselben Angelegenheit ergriff der Abgeordnete Dr. Bugatto das Wort, indem er auf eine Interpellation itinwics, die er bezüglich der Flüchtlingsfragc in der letzton Sitzung des Rcichsrats zusammen mit einer Reihe von Abgeordneten cingcbrncht hat. Herr Dr. Bugatto schloß sich den Ausführungen des Abgcoriieteu Reizes an und bat gleichfalls um baldige Einsetzung eines besonderen Ausschusses, der über die Angelegenheiten der Fiücht• lingsfürsorge beraten soll. Der R e i eh s r a t s p rä s i - de nt antwortete den beiden Fragestellern, daß er sich bereits mit der Regierung ins Einvernehmen gesetzt habe und gern bereit sei, für die Einsetzung eines solchen Ausschusscs für Fluchtlingsaiigclcgcnliciteit einzutreten. Er hoffe, daß die Sache in einer der nächsten Sitzungen erledigt werden könne. * Wegen des rigorosen Verbots, die jidische Spradtc 1m zensurierten Briefverkehr zu benützen, worüber bereits in Nr. 10 der ״Jütl. Rundschau“ berichtet wurde, richtete der jüdische Abgeordnete Heinrich Reizes eine von ihm und anderen Rcichsratsabgcordnctcn Unterzeichnete Interpellation an den österreichischen Reichsrat, in der gefordert wird, daß die Regierung dieses unbegründete drakonische Verbot sofort auf hebe. Aus Galizien Das Lcmbergcr zionistische ״Tag b la tt“ schreibt in seinem Lcifariikel vom 22. Mai: ״Vor kurzem ging durch die Lembcrgcr Presse die Nachricht, daß aus militärischen Rücksichten und Vorsiclitsmaßrcgcln, die in der Nähe der galizischen Ostfront liegenden Gebiete von der Bevölkerung evakuiert werden sollen. Gegen diese Maßnahme läßt sich gewiß nichts eiiiwcnden. Militärische Notwendigkeiten gehen im Kriege über jede andere Rücksicht . . . Anders verhält es sielt aber bei der Ausführung von Maßnahmen, die in den FIä 11 den der politischen Behörde liegen. Es ist selbstverständlich, daß die politische Behörde eine derartige Evakuierung, besonders der eigenen Bevölkerung, planmäßig leiten und sich In allem bemühen wird, das Los der «chwcrbcfroffcncn Bevölkerung zu erleichtern, ihr bei der Einrichtung ihres neuen Lebens behilflich zu sein usw. Dabei braucht nicht erst gesagt ru werden, daß die betreffende Bevölkerung nicht irgend wo in fernen, fremden Provinzen und Kronliiiidern untergebracht werden darf, wo sich der Evakuierte vollständig fremd fühlt, da er sich mit der einheimischen Bevölkerung nicht verständigen kann. Auch hat der Staat und das Land, in dem eine Evakuierung vorgenommen wird, das größte Interesse daran, daß cli-e zeitweilig־ evakuierte Bevölkerung stets in Be-?üschaft ist, um in ihre Heimat zurückzukehren, sobald die Räumungsgründc wcggcfalien sind. XJJ

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