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Jüdische Rundschau · 1917-06-22 · Heft 25 (22.6.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 208 Von der Kongreßbewegung in Rußland Dio örganisationskoinmission, die aus de» Vertreten! der Zentralkomitees aller jüdisch-politischen Parteien lind der größeren Gesellschaften zusammengesetzt ist und die Aufgabe hat, das Programm und de« ÜrgMtiisaiioiisplan des bevorstehenden Jüdischen Kongresses in Rußland festzusctz.cn, hat ihre Beratungen fortgesetzt. Uebcr die Aufgaben des Kongresses bezüglich der i 11 » c - ren Fragen des russischen Judentums waren sielt alle Teilnehmer der Koriitnissiott einig. Wie bereits berichtet wurde, bat die Beratung beschlossen, dall der Kongreß ein Programm der n a t i o 11 a 1 ־ j ii d i s e 11 e n l'orderu n g e 11 für die russische Konstituante festsetzen und die innere Organisation der Cie« mciitden wie auch der Sclbstvcr waltu 11 gs- Organe bestimmen soll. Eine weit auscinaudergeliende Meinungsverschiedenheit rief die Erörterung bezüglich eher Stellung des Kongresses zur rechtlichen Lage de? Juden In den anderen Ländern hervor. Der Vertreter des ״Hundes“ lehnte es entschiede!* ab, die Juden frage in den anderen Ländern auf diesem Kongreß zu beraten. '13er Vertreter der ״Dcinolfa■ tischen Gruppe“ erklärte, er habe zwar prinzi• piell nichts gegen die Behandlung der Judenfrage auch in den anderen Ländern ein/.uweitden, ans praktischen Gesichtspunkten aber schließe er sich, uni unvermeidlichen Reibungen aus dem Wege zu gehen und die wichtigen Aufgaben der Gegenwart nicht zu vernachlässigen, der Meinung des ״Bundes“ an. Die 2. i o * nisten dagegen, für die das russische Judentum nur einen Teil des Gesainijudcntums darstellt und die auch die Paliistinnfrage unbedingt vom Kongreß erörtert wissen wollen, forderten die Beratung auf, die rechtliehe Frage der Juden in den anderen Ländern auf die Tagesordnung des Kongresses zu setzen und die Juden frage in Palästina, die ihrer Natur nach einen ganz anderen Inhalt habe, als einen besonderen Punkt der Tagesordnung aufzusteilen. Ihnen schloß sich mit gewissen Einschränkungen auch die ״Nationale Partei“ an, die die Judcufragc in Palästina ebenfalls als akut betrachtet. Eine Zwitterstcl'.uug nahmen die Vertreter der jüdisch-kadettischen ״V-0 i k sg r 11 p p e“ und der nettgeg!ündeten ״J ii d i s c 11 -d e 111 o k r a t i sc 11 c 11 ׳Vereinigung“ ein, die die Aufrollimg der Juden- (rage in den anderen Ländern für unbedingt notwendig halUm, es aber ablehnen, die PaUistinafrage als besonderen Punkt der Tagesordnung zu behandeln und auf diese Weise ihr eine eigenartige, wie sie glauben, rein zionistische Prägung zu geben. Im Namen des ״Bundes“ erklärte D. O. Sas* latvsky, der ״Hund“ werde nur an einem Kongreß teiliiehmen, der sielt ausschließlich mit russisch-jüdischen Angelegenheiten befassen wird. ״Nicht um den Willen des Volkes zu erfahren, sondern um eine praktische Angelegenheit zu erledigen, gehen wir ziun Kongreß. Jede bürgerliche Befreiung muß von innen kommen und kann nicht durch äußere Einflüsse verursacht wer• den“. Den Standpunkt der Zionisten vertrat j. Gr tutbau nt: ״Es gibt nur eine einheitliche jüdische Nation, die in allen Ländern der Diaspora zerstreut ist, und daher muß jeder Teil des Weltjudcittums sich in gleicher Weise um die Sorgen aller anderen Bestandteile kirntmein. Bis jetzt war die russische Judenheit das Sorgenkind des Gesamtjudenlu1$״, jetzt muß das russische Judentum für die Befreiung aller jener Teile des Judentiutis kämpfen, die noch immer unter dein Joch der Rechtlosigkeit schmachten. Warum protestierte der ״Bund“ nicht gegen die Beschlüsse des amerikanischen JUEDISCHE H UI-JDDCI* AU Judentums, für die Befreiung der russischen Juden zu kämpfen? Ist es denn denkbar, daß ein Kongreß der russischen Juden sich gegenwärtig mit der Lage der polnischen tmd lilntiisclicn Juden nicht befaßt? Außer der russischen Revolution gibt cs einen Weltkrieg und der Jüdische Kongreß in Rußland hat sich daher nicht nur für die rußiündische Konstituante, sondern auch für die bevorstehende Friedenskonferenz vorz,ubereiteu ... in die allgemeine Formel: ״rechtliche Lage der Juden in den anderen Ländern“ kann die Palästinafrage nicht eingereiht werde111 .״ Palästina sind die Juden weder bürgerlich rechtlos noch national ungcschützt, hi Palästina handelt es sich jetzt tun eine neue Kolonisation, um die Verwandlung de» Landes in ein jüdisches Zentrum «ml wir wollen, daß das russische Judentum durch den Mund seiner berechtigten Repräsentmiteu es vor aller Oeffcntliehkcit erkläre, ob es mit den Wünschen der Zionisten oder mit denen seiner Gegner einverstanden ist. Die Zionisten sind sich bcwollt, welcher Gefahr sie entgegengehen, falls das russisehe Judentum sich auf dem Kongreß von Palästina (jffcntlich lossagt. Trotzdem bestehen sie auf der Aufnähme der l’alästinafrage als eines besonderen Punktes in die Tagesordnung des Kongresses.“ Einen tiefen und ausschlaggecnbdcn Eindruck machte die Rede des jüdischen Historikers S. M. Dubnow, der als Vertreter der ״N ationai -Partei“ auftrat. Er sagte, es sei verfrüht, jetzt um Parteifragen zu streite״. Vor allem müsse der Kongreß möglichst schnell einbernfen werden. Die Beratungen hätten dafür zu sorgen, daß der Wille des gesamten russischen Judentums auf dem Kongresse wirklich zum Ausdruck kommt. Alles andere müsse dem Kongreß selbst überlassen werden. Die Litauer, Ukrainer und Muhaimnedatier batten bereits ihre Kongresse abgehalten. Der Redner trat dann schroff gegen die vom ,,Bund“ geäußerte Meinung auf. ״In Polen, sagte er, wird jetzt eine nationale Inquisition gegen das Judentum unternoiumen. Das polnische Volk, mit Ausnahme vielleicht von zehn Gerechten, wollen die nationalen Rechte der Juden in Polen nicht anerkennen. Die Frage hat eine internationale politische Bedeutung erhalten. Ist cs denn möglich, daß wir in diesem Augenblicke die polnische judcufragc auf unserem Kongresse übergehen? Können wir an den Leiden der Juden Rumäniens schweigend voriibergeheu? Und Palästina? Darf man denn über dieses Land nur deshalb nicht sprechen, weil die Juden Generationen hindurch sich nach ihm sehnten? Aber auch diese Frage braucht dem Kongreß nicht von ci? nein Parteistandpunkt aus vorgelcgt ־/u werden. Der Kongreß wird alijütlisch sein und die Frage muß daher auf allgemein-jüdischer Grundlage behandelt werden. Palästina ist in national-kultureller Hinsicht eines der bedeutendsten jüdischen Zentren und muß sorgfältig gepflegt und entwickelt werden.“ Die Redaktion der Beschlüsse nahm eine neue Sitzung tler Kommission in Anspruch. Die Forderung der ״Bimdisten“ und der ״Demokratischen Gruppe“ wurde ahgelelmt. Der strittige Punkt in folgender Weise formuliert•. ״Bürgerliche und nationale Rechte der Juden in den anderen Landern (Polen, Paliistina, Rumänien 11. a.).“ Daraufhin erklärte der Vertreter des ״Bundes“, G. E11 r 1 i c!1, seine Partei sei nicht mehr in der Lage, sich an dem Kongreß zu beteiligen. Die Orgaiiisationskommission hat nunmehr noch die Frage zu behandeln, ob vor der Einberufung des Kom grosses eine vorbereitende Konferenz notwendig ist. ___:_NlJ5 tj Die sechste Konferenz des ״Hechawer« I Die in Westeuropa gegründete Organisation zionisti w scher Studenten aus Rußland, die seit AusbrnUt des Kt' ' ges im Anslande ihre Tätigkeit vielfach cin/.11scl1rä״u* f, gezwungen war und infolge der Verfolgungen <turch tl'& -I alle russische Regierung auch in Rußland keine an,4! I (lehnte Tätigkeit entfalten konnte, erfuhr nunmehr di« 1 Reorganisation. Schon in den Tagen der Revolution zeig, 1 len die Mitglieder des ״I Iccliawer“ großes Verständig I für ihre Aufgaben imil trugen später viel zu dengioi.'■, Erfolgen des Zionismus im Lande bei. Als am 5y!j f April in Petersburg die ü. Konferenz des ״Ile ch»! 1 wer“, die erste öffentliche in Rußland, eröffnet wurde 1 zeigte es sich, daß in allen Universitätsstädten des pej! I eile» bereits Lokalorganisationeu besiehe!!, die eine tief. I gehende jüdische Kulturarbeit leisten und im Kampfe (ür I die jüdischen nationalen Rechte in den ersten Reihen I stehen. Das Interesse der Presse, die Zahl der Gast» I und die Fülle der Begrüßungsreden (von seiten der Zio. | nisten: J, G r ü n b a u m , J, R o s o w, S. Ja n o w s k y 1 N. Katzen cls 0 11, L. Kaplan, Depeschen von Dr! 1 L. T s c h I c n o w, M. Al. U s s i s c h k i n , L. j:! f f e usw.); von seiten der Nicht/ionistcn: Dumaabgcordncter N, M, Fried man 11, Schriftsteller S.A. An-sky, ein Vertreter der islamischen Studcntenorganisatiön etc,) zeigten, daß die junge Organisation bereits große Auerkcmuing erworben hat. Die einleitende Prog’rainnirede Hielt der Vorsitzende des Zentralkomitees des ״Ifccha• wer“, A. •j, Idelsohii. Die beiden folgenden Vorträge — von M, Limaiiowskv und M. Levit — galten den ״nationalen Forderungen in Rußland“ und «len ״Aufgaben des Jüdischen Kongresses“, lieber die bevorstehende Palüsthiatatigkeit referierte Wolkovvisky, über Turnen und Sport J. G r a 11 o w s k y. Eine längere Debatte vcranlaßtc der Vortrag von A. Idelsohn über innere Organisntionsfrage;1 und die Stellung des ״llvcliawer“ zum zionistischen Jiigendvcrhand Zeire-Zicm, der sich nicht bloß aus Akademikern ztisammeusetzt, den Stimmungen des palästinensischen ״llapoel liazn'ir“ nahe, steht und sieli gegenwärtig anschickt, sich als besondere Fraktion im Zionismus zu formieren. Während der Revolut ions/eit waren die beiden zionistischen Jugcndorganisa* tioneu gemeinsam anfgetreten. Auch auf der Konferenz verlangten einige eine Fusion der beiden Verbände. Das Zentralkomitee wie "blich die Mehrheit der Versammelten beschlossen, den studentischen Charakter des ״Hcchawcr״ bcizuhchaltcn und mit den ״Ze'irc Zion“, solange sie keine besondere Fraktion gebildet haben, auf föderativer Grundlage ztisammciiziiarbeiten. Die Konferenz faßte über alle behandelten Fragen eine Reihe Resolutionen. In ihnen wird das Helfingforser Programm gutgeheißen und das Zionistische Zentralkomitec aufgefordert, einen jüdischen Kongreß! in (1118lang ciuziibcnifcu bc/w. sich an ihm zu beteiligen. Dieser Kongreß soll die Pnlästinaforderung aufstellen und dafür eintreten, daß die Judenfrage vom gesamten Judentum auf der Grundlage der Forderung bürgerlicher Gleichberechtigung, nationaler Selbstverwaltung und einer freien jüdischen Entwicklung in Palästina aufgerollt wird. Die Tagung beschloß ferner, die Palästina-Tätigkeit z.t» erweitern und Pioniergruppen zu bilden, die entschlossen lind, auf eigene Kosten sich in l*aläslina uicdcrzulasscn und sich auf den ersten Ruf des Zentral- Komitees dorthin zu begeben. Es wurde weiter bcschlos* seit, die Herausgabe der Zweiwodicnsdirift ״Jcvvreisky Student“ und der hebräischen Vierteljahrssdirift ״Heeitawer“ fort/usctzen. Ferner soll eine Monatsschrift ״HeChawer“ in jidischer Sprache herausj׳egebcn werden. Die Beratung forderte das Zionisti- '«*י stadt“ gegeben, für die sich in letzter Zeit ein gewisses Interesse bemerkbar macht. Diese Art von Gartenstadt unterscheidet sieh wesentlich von der für Zwecke der eigentlichen Kolonisation von mir seit Jahren «mpfohlcnen hall) landwirtschaftlichen und halb industriellen Kolonisatiünsform der Gartenstadt. Um diese letztere deutlicher von dem zu unterscheiden, was großslädtisclicrweise häufig als ״Gartenstadt“ propagiert wird, pflege ich sie als ״Industrieller(“ zu bezeichnen. Aber auclt die Gartenstadt großstädtischen und vorstädtisdien Charakters hat ihre unzweifelhaften Vorzüge im Sinne j einer Konzentration gleichgearteter und ähnlich intercsj sierter Menschen, und in diesem Sinne wird man auch bei uns diesen Gedanken als einen weiteren Weg zu wiinsehenswerter Konzentration begrüßen. Davis Trietsch, Eine jüdische Gartenstadt bei Berlin Auch viele von denen, deren ganzes Streben nur nach dem Lande Israel gerichtet ist, werden Voraussichtlieh doch noch Jahrzehnte diese ihre Sehnsucht nicht erfüllen können. Und cs bleibt daher notwendig, daß sie sich hier so gut einriditeii, wie es ihnen möglich ist 1und wünschenswert erscheint. Eine jüdische Gartenstadt bei Berlin würde ihnen das bieten, dessen sie am meisten in der Großstadt entbeliren. Zugleich würden sic nicht von ihrem Ziele abgelenkt, sondern nur dafür vorbereitet werden. Die Bewohner der Gartenstadt können den ganzen Tag in Berlin tätig sein, und befinden sich abends nach vollbrachtem Tagewerk bei ihren Angehörigen in frischer Luft. Soweit sic den Sabbath beobachten, werden sic sich dieses Haiblandaufenthaltes vom Sabbatlieiuganc: bis Montag früh erfreuen. Das ist für die jüdische Volksgcsundhcit, die in den Großstädten crhcbliiti leidet, von unschützbarem Werte. Der Sabbath selbst, der in der Weltstadt untergeht, selbst wenn er beobachtet wird, erwacht in der jüdischen Kleinstadt zu befruchtendem Leben. Aber ein anderes kommt Hinzu, das für manchen von uns von viel größerer ,Bedeutung werden kann. Diese jüdische Gartenstadt gibt uns, ohne uns zu ungewolltem Abschlüsse von der Umgebung zu zwingen, ein jüdisches Milieu. Eine solche Umgebung aber beseitigt die schlimmsten Gefahren der Angletfinnig, die unserer hcrauwachsenden Jugend sonst überall droht. Mit dem Ghetto hat diese jüdische Gartenstadt gewiß etwas gemein, nämlich das Zusaminoiiwohneu von Juden, zvber ein himmelweiter Unterschied ist darin gegeben, daß es sich hier um keinen Zwang, sondern grailc tun Freiheit handelt. Wir sind nicht genötigt, uns in jedem Augenblicke bei unseren Handhingen und Unterlassungen als Juden danach zu richten, was wohl die Milderen dazu sagen werden. Und wir werden uns frei fühlen und aufrecht entwickeln. An geiiossenseliaftliclicn Siedlungen dieser Art vor den Stadten können sich sonst Juden, denen au der Beobachtung jüdischer Gesetze liegt, nur dann beteiligen, wenn sie durch sehr große Geldmittel der Schwierigkeiten Herr werden, die das Alleiinvolmen einem jitdischcu Leben entgegenstelll. Hier wird in der Milte der jüdischen Gartenstadt die Synagoge stehen, die 111 Schönheit die geistigen Bedürfnisse selbst des frömmsten Juden bcfriedigen soll. Hier wird durch das Zusammenwohnen von Juden jede jüdische Gcmeindednricltümg möglich 11ml vorhanden sein, so daß cs weder an Fleisch noch an Milch nach der vom jüdischen Gesetze bedingten Vor- Schrift fehlen wird. Was aber vielleicht nicht minder wichtig ist: hier wird dm jüdische Schule nicht bloß möglich, sondern durch die Sache selbst gegeben sein, die Schule, die am Sabbath geschlossen ist und in deren Unterrichtsplan der jüdische Unterricht nicht bloß eine geduldete Nebenrolle an letzter und!unscheinbarster Steife einnimmt. Hier wird der gesamte Unterricht, der von jüdischen Lehrern mul Oberlehrern erteilt wird, vom Geiste der Kultur und des Judentums ilarchdrungcn sein. Auf solchen Schulen tmd in dieser Umgebung ward' man auch die hebräische Bibel und <Jie jüdische Geschichte gründlich kennen und Verstehen lernen, Auch die kommen auf ihre Rechnung, die das Hebräisdie als lebende Sprache pflegen wollen. In einem solchen Gartcnstüdtchen werden räch leicht und bequem alte die Zusammenflüßen, die miteinander die hebräische an der Betätigung ihrer gemeinsamen Bestrebungen ge- Imitiert werden. Alle Vereine werden von selbst jüdische Vereine sein, und selbsl ohne cs besonders zu beabdchtigen, jüdischen Anschauungen und jüdischen Bcrtrebun• gen dienen. A11 Sabbathen und jüdischen Feiertagen wird die Stadt einen festlichen Charakter tragen, der mich auf solche Bewohner nicht ohne Eindruck bleiben kann, die selbst gar kein Bedürfnis haben, das Juden• tum in der alten überlieferten Form zu pflegen. So wird die Gartenstadt alle Vorzüge in sich vereinigen, die das Ghetto einstmals besessen hat, ohne auch nur einen einzigcn Nachteil zu teilen, der «lern Ghetto doch eigen war. Die jüdische Gartenstadt wird auch Khiblokalc und Säle haben, und es ist gar kein Zweifel, daß sie der bclichteste Ausflugsort aller jüdischen Großstädter sein w'ird, die irgendwie noch ein Interesse am Judentum haben. Die Wandervereinc werden sicher hier ihr Land heim errichten, die Tum- und Sportvereine werden selbstverständlich in diese Gemarkung ihre Spiel- und Sportplätze ׳verlegen, und die jüdischen Rudcrvereiiic werden hier ihre Bootshäuser haben. Kurzum: Teil Abib bei Berlin - das soll aber noch kein Vorschag zur Namcnvgebimg dieser Siedln׳״״ sein — wird der Schwerpnnkt werden, der alle jüdischen Bestrebungen mit Naturgcwalt an sich zieht. Dadurch aber werden die hier zur Geltung kommenden Richtungen vorbildlich für die deutsche Judenschaft werden. Die Loge, die liier sein wird, der Litcraturvcrciu und die ganze jüdisch-soziale Gcmcmdcarbcit werden den Juden, zuerst in Berlin, dann im ganzen Reiche zeigen, wie sie ihre Vereine und Gc- Seilschaften einzurichtcn haben, und wie eine großzügige iiulische Wohlfahrtspflege ausschen und wirken niuB. Hier wird das neue jüdische Geschlecht nicht kritisieren, sondern bauen und schaffen, Hier werden jüdisclies Wissen ■und hebräische Sprache, jüdisches Lieben und jüdisches Leben ihre natürliche Stätte haben. In den Gärten werden hebräische Lieder gehört werden, und der Jude oder Nichtjude, der in die Stadt kommt, wird empfinden, daß Judentum und Schönheit, hebräisches Volkstum und Arbeit innig zusantmcngchören. Die jü• dische Gartenstadt, die durch ilire bloße Existenz ein Oegengewicht gegen die Mischehen bildet, weil sic die Gelegenheit dazu vermindert, wird die Zukunftsaussichten des deutschen Judentums, die sonst nidtt die Aller-

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