Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 25 ל U EDISC H E RUNDSCHAU Seite 207 ׳ von F. r ) h r * cord, c 1' snt H. iichs. An. 1 wie Itscli. laatstik'hc Hilfe, sscn- •IniuJ, »ei 1111 ׳. die und Finiß de ntdes nter- Zn. rbiin» 'eilen eben 1 Kol gCder Verr die Zio. n,ner kt. ) erdie viik- Fr- IJrilire iheriilier :lien die an 11cm . die cser dendie Da- •ic״- Auf- Entda נ e!1exillich umhat Und tlker liesc Oe- <raidien rden vor : cs! in :!bst zört, iilier :ifellicht liuld rift- SSCtl nieüekjidi- 11t“,!ehe eins ich, Ihr so »rerdie zu das reu ich, 11 re lien Kr* teil ״Assimilaiiten“ diesseits wie jenseits des Ozeans höher dein nationalen Oedanken des Zionismus ent* gcgciigcselzt liaiten. Kein Nielitjude zweifelt daran, dali es eine jüdische Nation gibt und niemand versagt ihr das Recht, neben allen anderen Nationeu ihre Forderungen v.u erheben. Auch die Mitglieder der ״isnieütiselien Religionsgemeinschaft‘' niiiilleii sdilicltlidi erkennen, wie zwecklos ihre Ab- Iciignn״« ‘R's jüdischen Volkstum.s war. Alle diejciiigen, die der Krieg mit gröberem Ernst und erlihhtein Verantwortungsgefühl erfüllt hatte, mul], teil der Forderung ־/ustimmen, den Millionen des j״- diseluii Volkes ein gesichertes Dasein zu schaffen. h)er namenlose 11aiS der Polen gegen das jüdische Element, das lurditliare Elend der Juden in den eroberten Gebieten, die Notlage in Palästina, all dies bewirkte, daß zunächst das amerikanisehe Judentum für das Daseinsrecht und künftige Wohlergehen der Juden entschlossen eintrat. Die Formel für die jüdischen Forderungen, die auf einem Kongreß aller Juden Amerikas erhoben werden sollen, konnte mir diejenige sein, die längst von zionistisdier Seite aufgestellt war: Anerkennung der jüdischen Nation als solche in allen Gebieten, wo die Juden in gröberen Massen leben, freie Entwickiung der jüdischen Kolonisation in Palästina, bürgerliche Gleichberechtigung der einzelnen Jitden in allen Ländern. Es konnte auch für Niehtzionisten mul selbst für die früheren scharfen Geg* ncr des Zionismus kein Zweifel darüber bestehen, daß das Prinzip bürgerlicher und nationaler Gleichlieieehtigiuig auch für die Juden in Palästina Gelhing haben müsse. Daraus folgte bereits eine IJnleisiiil/mig gewisser Forderungen des Zionismus. Lines aber fehlte noch: die Erkenntnis von der besonderen Bedeutung Palästinas für die Zukunit des jüdischen Volkes, die eigentliche Erkenntnis des Zionismus also, der ja nicht allein um der Freiheit 11ml Gerechtigkeit willen für die Gleichbcieelitigung der Juden als Bürger, für die nationale (ikichbeiechtigiing jeder größere!) jüdischen Volksgruppe unter den anderen Nationen, und damit auch für die freie Einwanderung und ungestörte Ansied- Imigsiätigkeit der Juden in Palästina cintritt, dem vielmehr aus inneren Gründen, ans Gründen der jii- (ii clien SelbsterlinlUing und Neiieiitwiekhui״,, die Endallmig des jüdischen Volkstums in Palästina die erste und wichtigste Forderung ist. Noch fehlte trotz aller Annäherung der sich früher bekämpfenden Gruppen im amerikanischen Judentum die entscheidende Wendung zum Zionismus als Idee der jüdischen Renaissance in Palästina. Aber diese Wendung kam, sie kam durch ein Ereignis, von dem früher wohl niemand gerade diese Wirkung vorausgesagt hätte: durch die russische Revolution. Die westeuropäischen Kritiker des Zionismus haben immer wieder versichert, der Zionismus sei eine Seifenblase, eine Reaktionserschcinung gegen den Antisemitismus, ein phantastisches Unternehmen, das sicherlich nicht ausführbar, aber wegen der Notlage der russischen Juden gewissermaßen entschuldbar sei. all. wo wir Anhänger des Jfilisdien finden, die an seine kulturelle Kraft glauben, von Liebe zum jüdischen Volk getragen sind und die Bedeutung der hebräischen Sprache anerkennen, müssen wir ihnen behilflich zur .Seite stellen. Für uns aber bleibt als Selbstzweck allein die hebräische Sprache und mir ihr wollen war unsere schüpfeilschen Klüfte widmen. Jetzt, da das Reich des Frevels zusammciibracli und die Fahnen der freien Völker über das Land flattern, sollte unsere Fahne mit der Aufschrift des einen Gottes und der einen Sprache unter ilmcn fehlen? Werden wir denn zu den Ufern unseres Vaterlandes mit einer Stange ohne Fahne zurürkkehren? Wir müssen unsere atiferstniidcne natio-• nale Sprache mit uns ins Land unserer Väter bringen;; denn in ihr liegt der Samen unserer nationalen Zukunft.“ Der Vortrag, der die ganze Sitzung niisfülllc und wiederholt von Beifall unterbrochen wurde, riet eine begeisterte Stimmung hervor. In der folgenden Debatte Fuut er allerdings auch manche Erwiderung. Ein ausführliches Referat über die Tätigkeit der S c hu I k o in 111 i ss 1 on erstattete Herr S. Per sitz. Fr berichtete über hebräische Abendkurse in Saratow,; die ca. MO Studenten als Schüler haben, über den I hebräischen Kindergarten in N i s ch n i ־ N 0 wg oroil, den 100 Flüclitliiigskindcr besuchen, über die hebrä- '5che Jcschiwa in Bogorodsk, wo Talmud in Itebritischer Sprache vorgetragen, demnächst auch jüdische beschichte und Literatur hebräisch unterrichtet werden wird, über die iicugegründctcn hebräischen Schulen in Moskau und über die Unterstützung der bestellenden hebräischen Schulen in einer Reihe von Städten des ehemaligen Aiisiedlungsrayoiis. Die Kommission un- '«stützte auch hebräische Schriftsteller und Lehrer und widmete ihre besondere Aufmerksamkeit der Ausbildung hebräischer Lehrer und Kindergärtnerinnen. Zu diesem Zweck subventionierte die Kommission das hebräische Fräbclinst itu t von Halpcrin in Odessa und gründete vor kurzem unter Leitung von Rabbiner Dr, Nun trat das russische Judentum selbst auf den Plan, durch einen Federstrich von hundertjährigem Druck befreit, im vollen Besitz aller bürge!״־ liehen Rechte —- •mul siehe da: dieses russische Judentum tat nicht, was es nach der Meinung der westlichen Assimilanten hätte tun müssen: cs erklärte die jüdische Nation nicht für tot und he* graben, es behauptete nicht, daß cs in Zukunft mir Russen mosaischer Konfession gäbe. Nein, das russische Judentum begann sogleich, sich als Nation zu organisieren, und die Leiter des neuen demokratischen Rußland verlangten nicht, daß die Juden sich ihrer nationalen Sonderart entkleideten, sondem sie begrüßten das jüdische Volk freudig als Mitkämpfer für die Sache der Freiheit. Diese Haltung der 4 Millionen russischer Juden bat auf die 2['-j Millionen amerikanischer Juden tief gewirkt. Das befreite Judentum Rußlands verlangt nationale Gleichberechtigung —- welcher Jude dürfte es wagen, in Zukunft noch die Existenz der Nation zu leugnen? lind noch mehr: Die russischen Zionisten erklärten nicht, daß mmmclir der Zionismus überflüssig geworden sei, nein, sic begannen sofort eine mächtige Organisation zu schaffen und wenige Wochen nach der Rcvolution traten in Anwesenheit von Tausenden von Gästen 530 zionistische Delegierte in Petersburg zu einer Konferenz zusammen, die den uncrschütterliehen Willen des russischen Zionismus zur Verwirklich 1111g des zionistischen Programms feierlich bekundete. Von ganz besonderer Wirkung mußteil diese Vorgänge auf jene Männer in Europa und Amerika sein, die seit Jahrzehnten gewohnt waren, die jüdische Frage im wesentlichen als eine philanthropische Frage anzusehen. Die 4 Millionen russischer Juden hören nun auf, Objekt der Phi- IniUhropic zu sein. Sie werden nicht mehr verfolgt, sie werden in ihrem neu gewonnenen Vaterlande Wohnrecht und Verdienstmöglichkeit haben. Sie sind imstande, sich seihst zu helfen und für sieh seihst zu sprechen. Da mußten jene westlichen Philanthropen sich die Frage vorlegen, wofür sie denn eigentlich ihr Leben lang eingetreten waren: wirklich nur für fiir ״arme verfolgte Glaubensgenossen“? Und hört nun <lie Gemeinschaft mit der Verfolgung!und der Armut auf? Muli nun das Baud zerreißen, das Ost mit West verknüpfte? Ist das Judentum min endgültig gespalten in Russen, Deutsche, Ungarn, Engländer, Amerikaner ״mosaischer Konfession“, denen cs so gut" geht oder demnächst gehen wird, daß sie siel» nicht mehr ■umeinander zu kümmern brmuchcn? Oder bestellt doch noch ein Band anderer Art, das ganz Israel verbindet, eine höhere, geschichtlich gewordene Einheit, die man zuweilen schmäht und leiignet und die doch stärker ist, als cs der Trotz des ,,Konfessioiisjudcn“ zugeben will? Solche Gedanken müssen cs gewesen sein, die eine Anzahl früher dem Zionismus abgeneigter Männer nunmehr zum Anschluß au die Bewegung( veranlaßtcn. j 1 Mo 11111׳ wer ein hebräisches Lehrerseminar in Odessa, das die bedeutendsten Lehrkräfte zur Vcrfügung hat. Naeli längerer Debatte über den Bericht, bei der 11. a. der hebräische Schriftsteller Salinnn Epstein gegen die'extreme Forderung der hebräischen Unter* ricli'.sspraelie für alle Lclirgegcnstände auftrat unu M. C a h 11 der hebräischen Kuliurbewegung zum Vorwurf machte, daß sie sich den Volksiuasseii entfremde und der ״rollen KulUtrarbrit in der Provinz, entziehe, folgten die fachmännischen Referate der Herren Alterm a 11 11 und Halpcrin über Aufgaben, Inhalt und Form des hebräischen Kindergartens. N. P i 11 c s sprach über die hebräische Volksschule mit hebräischer Unterrichtsspräche und Ch. Griiiibc rg über die hebräische Mittelscluiic und das Gymnasium. Aul Antrag der Schulkommission wurden von der Konferenz eine Finanzmul eine Kulturkommission gewählt. Die Finanzkommis• sion hat die materiellen Grundlagen des hebräischen Schul Werkes in Rußland zu schaffen, die Kultiirkommissioti ein Programm für das hebräische Gymnasium misziiarbeileii. Die Konferenz wühlte eine besondere Kommission, bestehend aus den Herren Dr. S. Eisenstadt, Dr. M. ü I ii c k s 0 11, J. Halpcrin, Ch. Grünberg, J. Alter mann, M. Klein mann, D. Nürnberg und N. Pin es, die aut Orund der Vorträge, Debatten und Vorschläge den Wortlaut der Resolutionen festzusctz.cn und der Konferenz, vorzulcgen hatte. Ein Projekt als Anregung Von privater zionistischer Seite geht eine Anregung aus, die jedenfalls der Beachtung wert ist: in der Nähe Berlins eine jüdische Gartenstadt zu gründen. Das Projckt scheint zunächst unlösbare Schwierigkeiten gegen sich zu haben. Aber, ist der Qedanke einer jüdischen Oartenstadt nicht groß und schön genug, um nicht den Versuch zu rechtfertigen, über diese Schwierigkeiten Die siegende Kraft des Nationalgcdankens, das selbstbewußte Auftreten des russischen Judentums, die Erkenntnis der schwindenden Bedeutung rein philanthropischer Betätigung, führten die ernsteren, ihrer Verantwortung bewußten Repräsentanten der älteren Generation in Amerika zum Zionismus, In ihm sahen sie die Idee verwirklicht, die sie selbst verleugnet und dennoch wohl geliebt batten: Die Idee der Einheit des Judentums, liier war und ist dem Judentum der ganzen Welt eine Aufgabe gesetzt, größer •und beglückender als jenes Wohltätcrtuin, das sieb selbst zu überleben beginnt. Und hier ist die Antwort auf die Schicksalsfrage, was aus dem Judentum dereinst werden solle: ob cs atoiuisicrt •unter den Völkern verschwinden oder als Einheit durch seine Arbeit fortbestellen werde. Es ehrt Jakob I I. Schiff, den Philanthropen und alten Gegner des Zionismus, daß er als bejahrtcr Manu den Weg zum Zionismus gefunden hat. Wie die New-Yorker Blätter melden, hat er erklärt, er trete jetzt für die Verwirklichung der zionistischen Pläne in Palästina ein, weil die Befreiung der russischen Juden die Auflösung des Judentums zur Folge haben müsse, wenn nicht ein Zentrum jüdischer Kultur in Palästina geschaffen werde. Mit Jakob Fl. Schiff haben auch andere der angesehensten und reichsten Juden Amerikas sich zum zionistischen Ideal bekannt. So der Präsident des American Jewish Committee Louis Marsh all, der Multimillionär mul ״Kupfcrkönig“ Levison und andere. Die amciikaniselien Zeitungen feiern cs als den größten Sieg des Zionismus, daß die Hochfinanz, die sicli bisher abseits hielt, nun hinter.. dem Zionismus stehe. In England scheint eine ähnliche Entwicklung vor sich gegangen zu sein, wie der Beitritt Lord Rot hschilds zur Zionistisehen Organisation zeigt, + Wenn nach dem Kriege!unsere friedliche Arbeit in Palästina wieder aufgcnommeii werden wird, so wird sic au Menschen mul Mitteln weit stärker sein als in früheren Zeiten. Der Zionismus als einigendes Prinzip des gesamten Judentums hat gesiegt. Aus Blut, Geist und Willen des Judentums ist diese Bewegung entstanden. Kein Spott, keine Feindschaft-konnte sie aufhaltcn, die Annen und Jungen haben sie mit ihrer Selmsucht und Liebe beflügelt, min hat sie das ganze Judentum ergriffen, mm wird Fler/.ls Tramn verwirklicht werden. Aus Blut ward sic: Das ist die natürliche und geschichtliche Einheit des jüdischen Volkes. Aus Geist ward sie: Das ist derselbe Geist, der die Propheten entzündete, der in tausendjähriger Verbannung glühend blieb, der von Mose bis zu dieser Stunde die Gerechtigkeit kündete und das soziale Gewissen schuf. Aus Willen ward sie: Das ist der Wille, der stärker ist als jeder irdische Widerstand, der keine Grenze in Raum Und Zeit hat, das äst der Lebenswille des Volkes, das nie starb und nie sterben wird. —.-«■...—...■״■״■...■׳׳ .......... י״■״״״■.. wenigstens einmal Klarheit zu verschaffen? Wir veröffentlichen iווו folgenden zwei Beiträge, die das Projekt von verschiedenen Seiten beleuchten und werden dem* nächst zwei weitere Beiträge zu diesem Projekt bringen. Schriftliche Mitteilungen sind bis auf weiteres an Herrn Kgl. Bibliothekar Professor Dr. Heinrich Loe w e, Berlin, Fleiningsir. 12, zu richten. Die Gartenstadt als Konzentrationsform Die Hauptaufgabe der jüdischen Welt liegt auf dem Gebiete der Organisation und Konzentration, ln Eriiiaiigclnng einer einheitlichen Konzentration verdienen mich mehrere und verschiedenartige Konzentrationen den Vorzug vor dein gegenwärtigen zerfahrenen Zustand, der gleichwohl ebenfalls schon Konzentrationen aufweist, nur dal) diese entweder nicht systematisch zustande gebracht wurden oder nicht allgemein als wünschenswert anerkannt sind. Zu diesen Konzentrationen gehört beispielsweise diejenige in Palästina, die von einem noch immer sehr sehr grollen und sehr maßgeblichen Teil der Judcnheit bckämpft wird. Eine ,solche ist auch die Ansammlung von nahezu einer halben Million Juden in der werdenden größten Stadt der Welt, New York, und solche Konzentrationen liegen auch vor in den zahlreichen Städten des Hauptwolmgebietes der jüdischen Masse in Europa, Auch mittel- und westeuropäische Großstädte, wie London, Amsterdam, Paris, Wien und Berlin, haben mehr oder weniger große Jiidcmpiartierc, aber cs ist charakteristisch, dal) gerade auch diese neuen ״Ghctti“ (sowohl die der Armen wie die der Reichen) von vielen maßgebenden Juden als ein Rückfall ins Mittelalter betrachtet werden, während in Wirklichkeit der gesunde Instinkt der jüdischen Masse in diesen Ansammlungen ein Mittel zur Erhaltung des Volkstums gefunden hat. Zweifellos sind auch die Reibungen und Mißstände, die sich aus dem Durchcinandcrwohncn von Juden uiki Nichtjudcn . ergeben, sehr zahlrcidi, und Viele empfinden sic so scharf daß sie auch aus diesem negativen Gesichtspunkte wohl bereit wären, an Bestrebungen teiizunehmcn, die hier Abhilfe versprechen. Eine moderne Konzentrationsform in diesem Sinne wäre in der städtischen Siedehmgsform der ״Garten-