Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Nr. 22 JUEDISCIi E RUNDSCHAU Sette 185 a r, UlK) sehe, 't U,!g ■tlsloij e ist 1 t>e. der- » aiij 1 In 'gniii. eit er- »01 au fjfru. ׳ /re- 111׳':». 1300 ili.ilo glich Hvn, düng Slllllnimg 111׳ im die neineiltet ge- ׳ausm<׳l- V'ird. cli au l:c- ■ toi. ehab tgra- •sehe aiidc eher «lern Zuern; sehe Deo* dem lito• sara* ־ im •iclit : 10 V׳‘ 1 ce khe fett- Kn ft seht echt v<er* Middiii- 49), ‘KO 02), zuhti- Irei de 11 fnihäuhl '׳KC •crö teil tXö 54S :ce -*ת: Liern der :iß- >er, :nsf eiliß- bis ißter M. :11-;ui e ti Ligö' :ceit vim, Ile in) :r- Von der jüdischen Kongreß-Bewegung in Rußland Am 14./27. April (and in Petersburg unter dem Vorsitz von M. N. K rein in eine Besprechung über׳ das Programm des bevorstehenden Jüdischen Kongresses in Rußland statt. Einer Mitteilung der Rjelsch zufolge wnde auf der Beratung, an der u. a. M. M. W i] 11 n w e r, der Üumiist Saslawski, die Demokraten Jefrojkin und Landau tcilnahnien, bcschlossen, daß dem ciimibcrufcmlen Kongreß die Aufgäbe obliegt, die Grundlagen der künftigen jüdischen nationalen Selbstverwaltung fcstzulegen, die Bürgschaft der Gleichberechtigung der jüdischen natio- ״ulen Minorität zu bestimmen und die Formen zu kennzeichnen, die die jüdische Gemeindcorganisation annehmen soll, Es wird auch geplant, einen Punkt über die rechtliche Lage der Juden in den anderen lJindern auf die Tagesordnung des Kongresses 711 stellen. Von der Kriegshilfs-Organisaticn in Rußland In der vom 20. bis 22. April (3.~ 5. Mai) in Petersbürg unter Beteiligung der Vertreter der Lokalkomitees der Provinz tagenden Beratung des Zcntralkomitces der Jüdischen Kriegshilfsorganisation machte der Vorsitzende, Herr H. B, Sliosberg, auf die traurige Tatsache aufmerksam, daß das Interesse der jüdischen ()Öffentlichkeit für die jüdischen Flüchtlinge und Kriegsopfer seit Ausbruch der Revohition merklich gesunken ist. Die zionistischen und demokratischen Kreise, die sich bisher so eifrig an der llilfsarbeit beteiligt hatten, seien jetzt von anderen ])oliiisehen Arbeiten in Anspruch genommen und die Hilfskomitees dadurch in eine kritische Lage geraten. In einem Appell an die jüdische ()Öffentlichkeit forderte die Beratung die russische Judenhcit auf, ihre Pflichten nicht zu vergessen und die so großzügig begonnene Biudcrhilfc im gleichen Maße fortzusct/.cn. Eine heftige Debatte rief der Vortrag von M. M, K r c i 11111 über die Stellung der lokalen Hilfskomitees zu den gegenwärtig in Bildung begriffenen Organen der jüdisehen Gemeindeselbstverwaltung hervor. Nach eingehender Behandlung wurde beschlossen, die Hilfsarbeit in der Provinz, den sich bildenden Verwaltungen der jüdisclscn Gemeinden, die auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gewählt werden sollen, zu tibergeben. Die zentralen Organe der großen Gesellschaften (״Biklungsgescllschaft“, ״Gesellschaft zur Pflege der Gesundheit“, ״Zentralkomitce der Kricgshilfsorganisation“ usw.) bleiben bis auf weiteres bestehen, bis ein Zentratorgan, dem alle jüdischcn Angelegenheiten im Lande unterstellen, geschaffen werden wird. Das Hilfswerk für Polen und Litauen Das Petersburger Jüdische I I i 1 1 s k o m i ־ tec für die vom Kriege betroffenen Juden überwies zur Unterstützung der notleidenden jüdischen Bcvölkerung in Polen mul Litauen mit Gcnehinipung der russischen Regierung 300 000 Rubel, die wie kilgt Vcrteilt worden sollen: 56200 Rubel 56 200 «X» 200 611)00 16 500 10000 1, Jüdische Gemeinde in Warschau . . 2, Zur Verfügung von Dr. Poznanski und Fl. Farbstein ebenfalls für Warschau 3. Für Lodz zur Verfügung von Dr. Brande und Jaroczinski . 4, Für Wilna zur Verfügung von Rabbinur Rubinstein und Epstein .... 5. Für Bialvstok . 6. Für Kowno . Die russische Regierung bat das Geld zum Friedenskurs überwiesen, so daß etwa 600000 M. zur Vorteilung gelangen werden. Das amerikanisch-jüdische Hilfswerk Der 10 Millionen - Dollar - Fond, der für die vom Kriege betroffenen Juden in den Kriegszonen in Anicrika durch das American Jcwisli Rcliet Committee autgebracht werden soll, ist durch die Spende von dem Chicagocr Pliilnnlropcn Julius Rosen wa Id (vergl. ״Jüdische Rundschau*' Nr. 19) bereits fundiert worden. Herr Henry Morgenthau verlangt in einem Aufnife von der amerikanischen Judenhcit, dab diese 10 Millionen bis zum 1. Juni des Jahres aufgebracht werden, wenn die 3 Millionen Juden in der östlichen Kriegszonc vorn I lungcrtode gerettet werde 11 sollen. Um diesen früheren Termin cinhaltcn zu können, hat sich ein neues Komitce gebildet, das sich mit der Propagicrung für die schnelle Aufbringung der 10 Millionen beschäftigt und das außer Herrn Morgenthau, die Herren Jacob H. Schiff, Oberrichter Louis D. B r a 11 d c i s, Daniel Gug gen heim, Nathan Straus und Herbert H. Lehman umfaßt. Zur rumänischen Judenfrage Die ״Neue Züricher Zeitung“ vom 25. Mai (2. Mittagblatt) meldet aus Jassy, Mitte Mai: Das bedeutendste politische Ereignis der letzten Tage ist die Aufrollung der Judenfrage und die Stellung der verschiedenen Parteien und Volkstcilc zu derselben. Das vor kurzem veröffentlichte Cominunique der ruiiüiiiischcn Regierung über die beabsichtigten innern Reformen hatte bekanntlich die Judenfrage mit keinem einzigen Wort erwähnt. Hingegen erklärte der König einer Abordnung der nimänischen .Juden, die ihm eine Denkschrift überreichte, die rumänische *Regiertmg werde nach dem Siege keinen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Bestandteilen der Bevölkerung in bezug auf den Genuß bürgerlicher Rechte machen. Viel weniger bestimmt und zusagend waren die Erkläruiigeii, die Bralianu in ebenderselben Frage zur gleichen Zeit in Petersburger politischen Kreisen abgnb. Darin witterten die Antisemiten eine günstige Wendung in der Behandlung der Judenfrnge und begannen unter Anleitung des bekannten Gcschichtsprofcssors N. Jorgtt eine scharfe Hetze gegen die jüdische Bevölkerung. Doch scheint die Sonne der judenfeindlichen Bewegung in Riuniinien dem Sinken nahe. Die ncugcgründetc Arb e i t e r p a r t e i, die, unterstützt durch die russischen Soldaten, immer mehr an Einfluß gewinnt, hat auf ihr!Programm die vollständige Gleichberechtigung der Juden geschrieben. Erscheinungen, die vor dem Kriege vjillig undenkbar waren, kommen hinzu, um die m• germlc Regierung zu bestimmen, offen Farbe zu bckennen. Nach einer Meldung der ״Times“ veranstalteten in O d e s s a die Juden eine Kundgebung wegen der sclilechteil Behandlung, die die Juden Rumäniens neuerdings erfuhren. Einige tausend Juden vcrsammcTten sieh vor dem Gebäude des rumänischen General- Konsulats und sandten eine Abordnung zu dem General• konsul mit einem Schreiben, das Verwahrung gegen das Vorgehen der rumänischen Regierung cinlegte. Kurz darauf erschien dieser mit der Abordnung auf dem Altan, und einer der Abgesandten teilte den Vcrsaninv’l• ten mit, der GcncralkcAwil werde die Verwahrung seiiici* Regierung schriftlich übermitteln. Die rumänische Rt•• gierting antwortete, die jetzt versammelte rumänische Volksvertretung werde die Judenfrage im ganzen behandeln. MiJiiüllUiiilllllUUItlltlllllllltilllllllimUllUIUlliUUI | JÜDISCHES VOLKSHEIM, BERLIN J Meister-Saal, Köthener Strafte 35 j Dienstag, den 5. Juni 1911, abends 8 Uhr 1 Heit I | Martin Buber I j Neue | | Chassidische Geschichten. [ §§ Billetts 6 Mk. 3, Mk. 2, Mk t. / Vorverkauf bei Werthelm, § H Bote & Bock, Jüd. Verlag und an der Abendkaue. §j ... Die französischen Sozialisten und die jüdisch-nationale Frage Auf der Tagung des Nationalkongrcsscs der französischen Sozialisten verlas der Sozialist Cachin das Programm der sozialistischen Parteien in Frankreich füll die Diskussion der Stockholmer Sozialistenkonferenz. Punkt 1 dieses Programms lautet: ״Die allgemeinen Fricdcimbcdingungen auf der Grundlage des freien Selbstbestimmung«- rechts der Völker, der Autonomien der Nationalitätcn und der Anwendung dieser Grundsätze auf die konkreten Fälle Belgien, Serbien, der anderen Balkanstauten, Polen, Finnland, Elsaß-Lothringen, Nordsclileswig, Armenien, Litauen und Ukraine, der tschechischen und jüdischen Länder und Kolonien.“ Vom Komitee ״Pro Causa Judaica“ Sonntag, den 20. Mai, fand im Gemeindehaus der Israelitischen Gemeinde in Basel eine Sitzung des Pienarkoniitces Pro Causa Judaica statt, die vom Präsidenten Herrn J. 1)r ey f u s - Br 0d s k y, geleitet wurde. In erster Linie erstattete der Präsident Bericht über die Tätigkeit des Komitees seit der letzten Sitzung, aus dem wir folgendes entnehmen: Das Anfang März 1916 gegründete Komitee Pro Causa Judaica hatte sich bekanntlich die Forderung der Gleichberechtigung für die Juden Osteuropas und die Frage der Regelung der kolonisatorischen Emigration als Ziel gesetzt. Zu diesem Zwecke wurde eine öffentliehe Propagandatätigkeit cingelcitct, die durch das im vorigen Jahre veröffentlichte Manifest des Komitees, durch Berichte in der Presste, Verkehr mit den neutralen jüdischen Organisationen, Veröffentlichung einer Broschüre über die Ziele und Wege des Komitees viel dazu beitrug, das Interesse und das Verständnis für die Judenfrage in breitem Volksschichten der Schweiz und Europas wachzurufen. Freilich war die allgemeine politische Lage nicht darnach angetan, dieser Arbeit den Erfolg zu sichern, auf den man ln vielen Kreisen gerechnet hatte. Die Schwierigkeiten im Postverkehr, die politische Bedrängnis vieler neutraler Staaten und andere ähnliche Umstände brachten cs mit sich, daß die Arbeit des Komitees nicht in dem Maße zur AusA führung gelangen konnte, wie cs erwünscht war. Auch konnte die Frage der Einberufung einer Konferenz der neutralen Juden nicht behandelt werden. l>er Eintritt Amerikas in den Krieg veränderte die Lage derart, daß die Pro Causa Judaica auch damit mm rechnen muß. Die russische Revolution, die inzwischen ausgebrochen ist, hat in erfreulicher Weise den schwierigsten und bedeutendsten Teil der Judenfrage gelöst. Die russische Judenhcit wird sich, den offiziellen Erlassen und Verfügungen der Provisorischen Regierung gemäß) der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung erfreuen dürfen. Sämtliche privaten Berichte aus Rußland bestätigen dies. Dies hingst ersehnte und erhoffte Ereignis hat nicht nur die gesamte Judenhcit, sondern auch tolle Welt mit Freude erfüllt. Das Komitee Pro Causa Judaica hat sofort nach Bekanntwerden der Gleichberechtigung der Juden der russischen Regierung ein! Danktelegramn! geschickt, welches gleichzeitig dem russischen Gesandten in Bern und der gesamten Presse der Schweiz übergeben wurde. Die wichtigste Frage des jüdischen Problems hat somit ihre Lösung gefunden und zwar ohne direkte Beeinflussung von seiten des Komitees oder von seiten anderer jüdischer Organ»- sationcu. Das Komitee Pro Causa Judaica muß daher jetzt der Judenfrage in R u tn ä n i e 11 lind Polen sowie der I» a 1.1 s t i 11 a f r a g c seine ganze Aufmerksamkeit widmen. Hierauf erstattete der provisorische Kassier, Herr H. Conhci m, den Finanzbericht, aus dem hervorging, daß das Komitee bisher Fr. 19 040,75 als Spenden und Zuwendungen eingenommen hat, während die Ausgaben (Büroausgaben, Drucksachen, diverse Autorenhonorare usw.) sich auf Fr. 10010,85 beliefen, so daß noch ein Barbestand von Fr. 8 897/10 vorhanden ist. Das Komitee beschloß die Herausgabe einer Denkschrift über die Judenfrage, von der bereits der Teil über die rumänische judenfrage und der über die Emigration fertiggestellt ist. De* Teil über die russische Juden frage, den die größte Arbeit verursachen sollte, wird nunmehr als kurzer historischer Ucberblick über die bisherige Lage abgefaßt werden. Dagegen soll ein neuer Teil die Lage der Juden in Polen behandeln. Auch soll die Lösung der nimänischen Judenfrage nun eine neue (Hauptaufgabe bilden. Ferner soll der Palästinaangelegen heit im Sinne der Schaffung eines jü- Idischcn Gemeinwesens für diejenigen Juden, die dorthin auswandern wollen, die Aufmerksamkeit gewidmet werden und zu diesem Zweck eine Sammlung authentischcr Dokumente über die Stellungnahme der vcrschicdencn Regierungen zu dieser Trage gemacht »,,erden. Die Versammlung nahm noch Kenntnis von der Demission des Herrn Dr. Farbstein in Zürich lind des Herrn Julius Bär als Mitglieder des Komitees. An Stelle des Herrn Dr. Farbstein hat der Schweiz. Isr. Gcmcindcbund Herrn B 1 o c 11 - R ס o s aus Basel delegiert. Zum Kassier wurde an Stelle des Herrn Bär, Herr Dr. Ch. Bo llag in Zürich gewählt. Aus der Zeit der Evakuierung Wie Berichte aus Jerusalem vom 18. April melden, war die Auswanderung der Juden aus Jaffa bis dahin von jüdischer Seite sehr gut organisiert. Ein unter Vorsitz von Hcmi Diesengoff, Jaffa, gebildete* Komitce hat eifrig gearbeitet. Eine große Anzahl von jungen Leuten unter Führung des jüdischen! Handwerkervercins hat opferfreudig den Transport organisiert und überwacht. Der gleiche Bericht erzählt, daß die Nachricht von der Evakuierung Jaffas in Unter-Galiläa starken Widerhall fand, wo die jüdischen Kolonien sämtliche Vorfügbaren Wagen und Pferde mobilisierten. Trotzdem gerade überall wichtige Pflugarbeit zu verrichten war, gingen gegen 120 Wagen sofort nach Jaffa, um ohne jeden besonderen Entgelt (es wurde nur Futtergerste für die Tiere und Brot für den Kutscher verlangt) die Evakuierten nach neuen Plätzen zu überführen, ln dci* jüdischen Kolonien, in die die Flüchtlinge kamen, wurden sie mit vollster Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit auf* genommen. Besonders wird die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge in E n - g a n i m hcrvorgelioben. Es ist schon in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ auf Grund eines telegrafischen‘ Berichte« ״»!(geteilt worden, wohin sich die Evakuierten begeben haben. An Einzelheiten ist nachzutragcn, daß sich in Schveja bei Sichron Jakob nach einem Bericht vom 20. April die Pension und Schülerküche des hebraisehen Gymnasiums in Jaffa befand und zwar in dem dortigen Sanatoriumsbau. Da verschiedene Gebäude von Jerusalcme rSchulen für andere Zwecke in Verwendung genommen wurden, mußte vorläufig der Unterricht an der 'Knabenschule und in einem Kindergarten aussetzen. Es besteht aber d׳e Hoffnung, daß Einrichtungen getroffen werden, um den Unterricht fortsetzen zu können. Die Kinder der geschlossenen Evebne de Rothschild-Sclmle haben sich in die hebräischen Mädchenschulen, Kindergärten und Arbeitsschulen gemeldet. Die hebräische Zeitschrift ״Macheruth in Jerusalem erscheint seit Pcssach nicht ”׳.da4dc,r Redakteur Ben Atar zum türkischen Hilfsdienst eingerückt ist. ח 1769071102337