Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 166 Nr. 20 sich hierin völlig aufreihon. Es sollte gar nicht er* lauht «ein, daß jemand länger als eine gewisse Zeit, etwa 1*2 Jahre, gänzlich der Parteiarbeit widmet (abgesehen natürlich von unsern obersten Funktionären). Dafür muß nach dieser Zeit schon die Ablösung bereit sein. Fs ist notwendig, daher muß jeder folgen. Die Militärbehörde fragt auch nicht und) 3 Jahre sind hin. 5. wäre vom Arbeitsamt in gewissem Kähmen auch die Struktur des jüdischen Wirtschaftskörpers z.u bcciis- Bussen, dort, wo ein jüdisches Massenlebcn bestellt, vor allem in den Ländern des Ostens. Itcsomlers die Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaues nach dem Kriege wird von außerordentlicher Wichtigkeit sein. Dieses weile (iebiel soll in diesem Zusammenhang mir kurz er* wähnt 'bleiben. Die zweite Sektion des Arbeitsamtes wäre die Abteilung für Palästina. Herr i)1\ Hantkc hat tmlängst in Zürich die Schaffung einer Abteilung beim Pa* lästina-Amt in Aussicht gestellt. Diese müßte mit sehr kundigen Männern besetzt sein und hätte auch l'orschungsarbeit zu leisten. Dieses Amt müßte in Voraussicht erkennen, was innerhalb gewisser Zeiträume, etwa 5 oder 10 Jahren, in Palästina erforderlich sein wird, und müßte entsprechende Weisungen an das Arbeitsamt ausgehen, das dann die Ausbildung der erforderlichen Menschen in dieser Kichtmig zu leiten hätte. Fs müßt« auch eine wirklich wertvolle licnnVveriiiittluiig aiisübcn. [‘enter müßten von dieser Abteilung öffentliche Arbeiten atisgeführt werden, die, im allgemeinen Interesse gelegen, anderwärts vom Staat besorgt werden. Den (iewinn hätte selbstverständlich auch hier der Staat, der wohl gern von einem derartigen Organ Gebrauch machen würde. Da es sich uns liier nur um ganz vage Richtlinien für eine mögliche Arbeit bandelt, die erst durch das Leben Ciestatt anuclimeu kann, so kann liier von Detailfragen, deren wichtigste die Finanzierung ist, abgesehen werden. Es kommt uns ja nur darauf an, zu zeigen, daß die zionistischc Organisation die Bedingungen für derartige Arbeit schaffen muß, indem sic die Menschen schafft. Ing. O r n s t c i 11 (Nr. 0 der ״Jiid. Ztg.") weist mit Hecht auf die Erfahrung hin, die im Krieg mit den sogen. ״Arbeitcrab- Icihmgcn“ gemacht worden ist; aber auch bei derart!־ gen Unternehmungen wird natürlich der Bcrufsarbeftcr den Vorzug haben, er darf nicht nur nicht geschädigt, sondern muß gefördert werden. Und wenn die Organisation Menschen vorübergehend in ihren Dienst stellt, so muß sie selbstverständlich für ihre Bedürfnisse (Wohnimg, Verpflegung, ärztlichen Beistand) sorgen, ähnlich wie es beim Militär und übrigens auch in anderen Betrieben der Fall ist. Die Vorarbeiten zur Urbarmachung des Landes, die nicht auf wirtschaftlicher Basis gemacht werden können, werden durch solche Gruppen unter dal)־ ernder sachkundiger Leitung durchgcfiihrt werden kön- 1!cn. Immer ,natürlich wird, wer Zu dauerndem Aufenthalt ins Land * 1kommt, den Vorzug vor dem Volontär halten. Die Dienstpflicht darf nicht irgendwie schablonenhaft anfgefaßl werden. Der Vergleich mit dem Militärdienst ist ja auch ein ganz loser. In jedem einzelnen Fall werden viele Umstünde bedacht werden müssen. Die Dienstpflicht kann für Studenten z, B. in Verpflichtung zum Besuch bestimmter Kurse, Ablegung einer Priihing etc. bestehen, für Kauflcutc, wie Frau F. S. P. anretrt. in Verlegung ihres Wohnortes in ein jüdisches Milieu, - all diese Anregungen können Berücksichtigung finden. Audi die höchst beachtenswerte, daß ein Jahr dazu verwendet weiden soll, unsere Menschen an Zucht und Disziplin zu gewönnen - dazu etwa palästinensischer Arbeiterdienst. Das Arbeitsamt wird aus all diesen Vorschlägen die lebendige Kraft schöpfen müssen. Es darf kein Mechanismus werden, sondern es muß das Herz der Organisation, des Volkes sein. Scholem Alejchem Zu seinem ersten Todestag Von Dr. N. Syrkin, New York. Auf die Lpodie einer heftigen Erbitterung und uervösen Gereiztheit folgte in unserer Literatur eine Periode; des Friedens und der Liebe. Ein neues Gefühl, von dein sidi die Väter der Haskatah und der Assimilation nichts träumen ließen, entstand in diesem Zeitabschnitt und wurde zur schöptcfischcn Kraft der Poesie und des Romans, der Forschung und Publizistik, der Frkenutnis des Lebens und seiner Wandlungen. Ein Gefühl der erbarmuiigsvollen Liebe zmu Volk, des Verzeilicus und der Vergebung, ein Gefühl der Anpassung und Verschmelzung in und mit dem Volke. Und dieses Gefühl begann, die Stücke, in die die Generation zerrissen war, wieder zu einen, ihre inneren Wunden zu heilen und die jüdische Psyche von dem Haß gegen sich selbst zu erlösen, einem Hall, der aus seelischer Verwirrung und geistiger Unsicherheit floß. In Scholem Alejchem verkörperte ,sich dieses erlösende Gefühl. Vor Scholem Alejchem erdoiincrte das Lied des Zornes und Ingrimms, die züchtende Zurechtweisung der Assiinilationsprophetcn. Bogrow und Rubinowitsch im Russischen, Mcndete Moclier-Sforim und Liniecki im Jüdischen und sogar Gordon und Smoienskin im Hebruischeti verwandelten ihre Lever in einen Bogen und sandten ilire Pleile ki das Herz der zerwühlten und bcdrückten judcnhcit. Ein verzerrtes und schreckliches Bild breitete sich. vor ihnen aus, ein Bild der Judengasse, die voll• war von Verzweiflung, Verdruß, Knechtung, Unbildung, Finsternis, Ücsorgaittsation und Zerfahrenheit. Kein Strahl der Hoffnung ifud Aufrichtung drang in diese Straße und and! das ״Licht der Thora“ war verdunkelt und dem Erlösdien nahe. Die Seele des Volkes schmolz dahin aus geistiger Unsicherheit, aus Mangel au Vertrauen, aus innerer Ver- Wirrung, äußerer Bedrängnis und gehässiger Zurück- Setzung, Da kamen die Maskilim und anstatt das Volk . zu verteidigen, setzten sic cs auf die Anklagebank JUEDl&CH £ R U H D S C 11־ A U Der Eindruck tfcr rec:0״d;cn Jt!d:.1TCfn3R2»psfion In Amerika Linen tmlK'schrcihlichcn Jubel riefen die Nachriditeil von dem Sturz des russischen Zarismus und der Befreiung der russischen Judcnhcit in der jüdischen Presse und Oeffcntlielikrit Amerikas hervor. Die jüilisehen Zeitungen sandten telegraphische Anfragen an den jüdischen Duina.nhgeordneten N, M. Fried mann, um sieh der Glaubwürdigkeit der frohen Botschaften zu vergewissern, mul als die benilügeiulc Antwort eintraf, br.'ich die gesamte Jmlcnheit in heile Begeisterung aus, Alle Zeitungen und Parteien sandten ihre (ilückwiinschc und Begrüßungen an das neue Rußlaiul und die freigewordenen Juden. Eine Gruppe jüdischer f-'inanzleiite drahtete an die Provisorische Regierung, daß die bisher von ihnen betriebene Agitation gegen die finanzielle Unterstützung Rußlands jetzt aufgehoben werde und die neue freiheitliche Regierung auf ihre Dienste rechneu dürfe. Die jidisdie und hebräische Presse drückte ihre Genugtuung über die Tatsache aus, daß das russisehe Judentum sieh nicht mit der bürgerlichen Lmanzipatiou begnüge, sondern die errungene Freiheit für die ungestörte Entfaltung der nationalen Kräfte zu verwerten entschlossen ist. Ls wurde der Zweifel ausgesprochen, daß die neugeschaffene Lage auf die Kongreßbcwcguhg hemmend wirken könnte, da für bestimmte Krcisg der amerikanischen Judcnhcit, die sieb später der Kongfeßbewcgitng angesclilosscn haben, die Erlangung der jüdisehen Gleichberechtigung in Rußland die Hauptaufgabe des Kongresses bedeutete. Aber schon gleich nach den ersten lagen der Revolution erklärten die leitenden Organe der Kongrcßbcwegung, daß die Organisationsarbeit des Kongresses fortgesetzt wird. Die Tageszeittmgen ״Der Tag“, ״Die Wahrheit" und die Wochenschri'ten ״Das jüdische Volk", ״Der jüdbeße Kämpfer“, ״I latoreu“ usw. ermahnten die jüdische Bevölkerung, die I lilfsarbeit nicht einzustellen, da es noch Millionen kriegsgcschädigfer Juden gibt, die gegenwärtig außerhalb <ler Wirkung der russischen Verjüngung stehen und diese Bruderhilfc nach wie vor brauchen. Dasselbe erklärte auch das Rcliefkomitcc in seinen Aufrufen an das Volk. Immer mehr tritt die Bedeutung des Kongresses für die innere Gesundung des amerikanischen Judentums hervor. Auf einem ant 18, März, vom ״Volkshilfskomitee“ einberufenen Meeting in ״Manhattan Opera Ifotise“ wurde die weitere Hilfsarbeit besprochen. Eine aus Vertreten! der Zionisten (l)r, Stephan Wisc tuul Dr. Schmnrja-l.evin), des Volkskomitccs (Schn 10m Asch), der Poale- Zion (B. Zuckermaiin) und der ״Vorwärts״-Gruppe (A. Kaliau) zusammengesetzte Kommission legte einen ausführlichen Plan über eine ״Sclbsthcstcucruug" nach dem Muster der jüdischen Selbstbestimmung in Rußlaiitl vor, der von der vlcrtausendköpfigcn Menge mit Begeisterung au!genommen wurde, Durch diese Selbst- Besteuerung soll eine Limialime von zehn Millionen Dollar für das Jahr 1617 erzielt werden. Am 25. März wurde in New-York das zehnjährige Jubiläum des zionistischen Ordens ״Rim-Zion“ gefeiert. Unter den vielen Rednern trat auch Dr. J. L. M n g 11 e s , der ehetnallge Vorsitzende des Ordens und Leiter der ersten Gründungsversammluiig im Jahre 1037, auf. Cr sprach über die Lntstelumg des Ordens und schilderte seine Aufgaben in der Gegenwart. Das amcrikanischc Judentum, erklärte Dr. Mngncs, habe jetzt die Mission, sein wuchtiges Wort über unsere Hoffmmgen in Palästina zu sagen. Die großen Ereignisse in Rußland hätten die Lage der J n d c n gebessert. tergaug kann es Ghetto ist Licht,;die.!• das Ghetto ternis, Füge mul und geißelten beharrlich die Jtulengasse mit innerem Grimm, aber offenem Spott. Die Ordnung mul das!.eben des Volkes sind verwirrt, keine gesunde Stelle ist mein• au ihm und nur durch seinen nationalen U11seine Schuld sühnen. Außerhalb des Gerechtigkeit, Fortschritt und Lehen, selbst ist mit einer Decke von Lins- Fäulnis umhüllt. Laßt uns also den Zaun durchbrechen, .־ms der engen Wohnung hinmisziehen und das Liebt möge von draußen ciridriugcu, damit wir uns durch die Verschmelzung mit dem Volk des Landes, seiner Kultur und seinem Leben von unserer IJnreinlich befreien, Wie häßlich ist das Bild des jüdischen Lebens iin Ghetto, wie es Bogrow In seiner Erzählung ״Handsehriften eines Juden“ gezeichnet lud! Line lange Reihe־ von Verleumdern, Betrügern, i .11; eiiern, Narren, Taug im iikhtsen, Sittentuul Anstamlsloseii, du* ein Fluch für das Land und sein Volk sind, zieht im 1ms vorüber und erregt einen verächtlichen Spott. Audi Rabiuowitsrh, der Verfasser des ״Sabbathleuchters“, dieser zartbcsaitete Schriftsteller mit seinem natürlichen Empfinden dem Volk gegenüber, auch er sieht in der Judcngassc mir Unordnung und Zerfahrenheit, für die nur Armut, Drangsal •und Bedrängnis eine Entschuldigung sind. Mencfclc ist auf sein ״Kfcloit“ voll Grimm 11ml Wut, er gei* fielt sein Volk mit beißendem Spott unu eine verzehrende Erbitterung ergießt sieh über alle seine Bilder und Schildermigen. Zwar frißt an ihm das Mitleid mit der Geincinde Israels, die er wegen der Quälereien und Mühsale, die sie ertrugen muß, einer herrenlosen Stute verglich. Aber die Stute selbst ist schuld an ihrem Schicksal, weil sie im Finstern aut krummen Wegen gellt und die Wege des Landes, die hellen Wege der Aufklärung meidet. Und auch Smoienskin der Prophet der Erneuerung, war anfangs ein Irrender und alle seine Helden waren ״Irrende auf den Wegen des Lehens“. Irrende und Irreführende, UnglüCKlielie und Lculverstriekte in! Jammertal der mit Finstmnis bediäten Imiengasse. Uiui in dem Gedicht ״Um ein I- Tüpfelchen von Gordon, dieser jugendlichen Straf* prallet eines groben IMchtcrs, der in den rationalisti .scheu Ilieoricn seiner Zeit befangen war, für die ' die Das Judentum aber werde dadurch nicht gtrettt; Die Gefahr der Entartung, die dem Judentum der 1*״ samten Diaspora droht, könne und müsse durch t;n jüdisches Kulturzentrum in Palästina beseitigt werden Die Verwirklichung dieses Planes sei noch nie so nah« wie jetzt gewesen, falls ein organisiertes amerikanisch« Judentum seinen autoritativen Einfluß dem Werke zur Verfügung stelle. Die fiationat-sozialisiische Konferenz in Amerika Völlig unter dem Eindruck der großen Ereignisse der Zeit der russischen Revolution, des Eintritts Amerikas in den Weltkrieg und der Lage im Orient — stand die erste Konferenz der indischen nationaj-sn/ia. listisclien Vereine, die vom 24, 26. März in New.York stnltgefunden hat. Diese Konferenz zeigte von neuem, welche ungeahnten Fortschritte der jüdisch-nationale Ge. danke unter der jüdischen Arbeiterschaft, die noch vor kurzem völlig der f Icrrschnft des assimilatorischen Sozia!»*, ums ausgeliefert war, aufweist. An der Konferenz nähme* 400 Deiegierte teil, die eine Arbeiterschaft von 150600 Personen repräsentierten. Darunter waren vertreten: ־ft professionelle Vereine, 'J4 ZweigVercine des unabhängige* Ordens ״Arbciterriiig“, 81 Lokalkomitees des natioMlen Arheitcrvcrbands, 60 poalc-zionetische Vereine, 3 *0• zialistiscli-rcvolutionäre Gruppen und 7 radikal-nationale Sclnilvereine. Linen besonderen Eindruck machte ibe Anwesenheit einer Anzahl der führenden Personen de» jüdischen Sozialismus, die sich \ or kurzem der natioiaksozialistischen IVwcgitng angesclilosscn hatten und auf dieser Konferenz eine ausgesprochen nationale und p«. lästinensische Richtung vertraten. Die Konferenz wurde vom Sekretär des national, sozialistischen Arheitcrvcrbands I lerru Ehrenreich eröffnet. Als Vorsitzender wurde der Altmeister des jüdischen Sozialismus, Dr. Chain! Shitlowsky, gcwählt, der in seiner Eröffnungsrede, die die liege ,stcrung der Versammelten hervorrief, unter anderem folgendes ausführte: ״Mit dem Sturz des russischen Zarismus beginnt die Weissagung der alten Propheten über die Befreiung der ganzen Menschheit verwirklicht zu werden; aber vollendet wird sie erst daun sein, wenn auch jede׳ nationale Unterdrückung aus der Welt geschafft sein und jedes Volk Herr seines Schicksals werden wird." Fr schilderte dann den weifet! Horizont, den die nusisehe Rrvohtioii für die Rußland b w״hn< nden Nationen eröffnet, mul die Aufgaben, die sich dein jüdischen Volke stellen. ״Wir wollen aber“, erklärte der Redner, ״die Juden frage in ihrer ganzen Große erkennen und die Ereignisse der Zeit dazu verwerten, um sic in ihrer ganzen Größe zu lösen. Wenn wir jetzt ein Plebiszit unter den jüdischen Massen über die Wunsche des Volkes unternehmen würden, wände die Antwort sein, ein selbständiges Lehen in einem eigenen Land. Und wenn wir die zweite Frage hinziifügtcu, welches Land cs sei, in dem das Volk sein Schicksal schmieden will, dann würde jetzt, des bin ich sicher, die Antwort der überwiegenden Mehrheit des Volkes lauten: das Land, das einst unser war," Diese Erklärung des autoritativen Führers des jiidischeu nationalen Sozialismus, der bisher abseits der palästinensischen Bewegung stand, einst sogar ihr entschiedener Gegner war, rief den stürmischen Beifall der Delegierten hervor und sicherte den Sieg des Palästinagedankens auf der Konferenz. Mit Freude vernahm die Konferenz die cingetroffene telegraphische Nachricht von den ersten Kundgchiui- Ucberliefemng, das Gesetz und der Rabbiner eine Hemniiuig des Lebens bedeuteten, auch in ihm ist der lestlieh gekleidete Jüngling, der, wie alle Welt, auf der Lever improvisiert, der Held des Lehens, ״die jüdische t rau, deren leben niemand kannle,“ sein Opfer. Aller cs erwachte gemäß der Entwicklung des jiidischeu Lehens ein großes Gefühl des Erbarmens und Mitleids, der Vergehung mul Verzeihung unter der Intclligenz tuul in de״ Spuren dieses Gefühls erstrahlte ei״ neues Licht über die vergessenen Winkel, über alle die Risse und Spalten und alle die dunklen Zugänge des Städtchens. In der Seele Scholem Alejchems fand dieses Gefühl seine künstlerische Offenbarung, Mit frühliclicm Geist, der aus einer tiefen Einsicht und großen Liebe strömte, blickte der neue Dichter auf das Lebei! des Städtchens, auf seine Typen, Situationen, Sillen 1,*,d Gewohnheiten. Und alle Typen änderten ihren (.haraktcr iiiul ihre Farbe unter den Strahlen dieses neuen Lichtes, das über ihnen auficuchtctc, Lin neues Lied singen sie gemeinsam mit dem Dichter, das frohe Lied des großen, Jicbcvolfen Lachens, das Lied der Befreiung und Erlösung, das die Seele von den Trübuugcn und Verkrümmungen, der Blindheit, Kleinlichkeit 1»11d Armut, der Beschränktheit und Unbildung erlöst. Vor uns stellt lewje, der Milchiger, dieser seltsame Typus von Kasrielowke. Vor Scholem Alejchems Auttreten war dieser f'ewje in unserer Literatur einer der Taugenichts-Typen. Er schleuderte umher, seinem Oeschält zuliebe, das mir durch Zufall eindeutig und einförmig ist, während es scinetn Wesen nach jinstand« ist, sieh zu jeder Stunde vollkommen zu ändern und den, der es betreibt, aus dem Jammerta! zu Bergeshöhc hmaufziizielicn. Und alles uni des eigentümlichen tausendjährigen Ranzens willen, den die Geschieht« auf die: Schulter Tcvvjes gelegt hat und der voll ist von Kultur und KulUirfet/.en, von Bibelsprüchen, Autsatzen: Forschungen, von Philosophie, Witzen, Scntinientalitaten, von Wollen und Funken eines Wollens. Und Tcwje ergeht sich mit seinem Ranzen an den Zugängen des fremden Lebens und wird zum Ge-!achter und Staunen in aller Augen, erregt Furcht, Ver* wwiderntig, Gleichgiltigkeit. Holm und Verachtung. Und seine eigenen Brüder, *ein Bein und Fleisch, verleugnet(.־«