Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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dt׳! ulk-11 Bürgern gcwähricKteteu Rechte s(c s uucin• Itrintkl werden erfreuen können, Gerührt v,!11 den Segi 11s\vii11sd!1׳nt die Sie in Ihren (iotte ■hiiuscrn für mich und die Meinen /um I linunel seihten, sagen wir Ihnen mal! (iir die fromme Bekundung Ihrer treuen Gebilde iMiseru wärmsten 1 >.111k.* Ein Briefwechsel zwischen Pinsker und Tschlenow ׳ Im Jahre 1881 wandte sieh I )<־. E. T s c 111 eneu, der damal:. Vorsitzender tines Moskauer /iotiMisrlien Siudentciivereiiis war, mit dem folgernleii Brief an 1)1׳. Pinsker. I!ie Antwort seilrieh im Auftrag׳ Pinskcrs der damalige Sekretiir der UI10wewe-/1.111 ,Mosche Leb Liliciihluni. Der Brief• Wechsel hat durch den 23, Jahr/,!!tag Pümkcrs erneutes Interesse gewonnen, Moskau, I ). I)e/emher 1881. Sehr geehrter Herr Dr. [,insker! \׳or allem gestatten Sie, ilali ich inicli Ihnen vor• Mine: ich hin der Vorsil/.emle des akademiseheii Pa■ laMma-Vcreins,!lessei! Namen Sie;ms dem Stempel ersehen. Die Gesellschaft wurde diesen I!erlist von Schillern von I lochsduilen gegründet, gegenwärtig wäre sie aber richtiger als Verein intelligenter Jugend zu nennen. Aus Ifcipiemlichkvilsrneksiclrten zerfällt der Ver* ein in einzelne ()nippen (jel/t wird schon die Iiinflc Gruppe gebildet), die in enger Beziehung zueinander stehen und ein gemeinsames Komitee erwählen. Um die Beziehungen der Mitglieder tiulereiiiander zu verengem, und ebenso wegen Ikrichtcrstattuugcn, Wahlen und Verhandlung über die wichtigsten Fragen werden nicht weniger als dreimal im Jahre Generalversammlungen aller Mitglieder einherufen. Sowohl bei den General• Versammlungen als auch bei den Versammlungen der Gruppen dürfen Nichtmitglicdcr anwesend sein. Die Ziele und Aufgaben der Gesellschaft sind rein theore* tische: die theoretische Ertwicklung der Idee der Ko• Ionisierung Palästinas durch Juden und die Propaganda für dieselbe. Selbstverständlich weist die Gesellschaft auch praktische Arbeit nicht von .sich, falls sich für eine solche die Gelegenheit bietet. Sa haben wir B. am ^iibilänmslagc von Monicfjore ein Fest veranstaltet, von dem wir die JFilfte des Reinertrages nach Warschau abgeschickt haben. Ich erachte es als notwendig, Ihnen wenigstem;, eine kurze Charakteristik der Gesellschaft zu geben, in deren Namen ich mich an Sic mit einer dringenden Bille wende. Es handelt sich um folgendes:! Wir haben beschlossen, eine Reihe von Schriften zu veröffentlichen, um die falschen Ansichten, welche noch bezüglich unserer Lage in den Volksiiinssen und in der Intelligenz zirkulieren, /u beseitige«, und somit den Boden für unsere Arbeit im Volke vorzubereiten. Vor allem hat ihre berühmte Broschüre ״Autoemanlipalion" unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die in unserer neuesten Literatur epochemachend geworden ist. Zum Schlüsse Ihrer Broschüre äullcrn Sic sielt jedoch in einer Weise, die weder mit Ihren jetzigen Ansichten noch mit unseren Zielen überciuslimmt. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, Sie zu ersuchen, das Ende im Sinne der Palästina-Idee abzuändern und die Broschüre alsdann entweder auf eigene Kosten e -״״- ■■«׳־ 1 " — — ׳.. - ׳■■ _■ ״. — ..1—— —■־«. .j . Buchbesprechungen J, L. Boruclt: Ozar safruiH jisrncl. In der Warschauer I l.izelirah kündigte der Verlag JfchuJija (Warschau, Chlodna 8)an, daß er das 1913 im Verlage Rosenkranz und Schriftsetzer in Wilna er• schienen!• Buch ״Ozar safrufb jisrncl“ (Schatz der Litcratur Israels) auf Lager hat. Obwohl ich bereits beim Erscheinen des Buches hier darauf aufmerksam gemacht habe, möchte ich jetzt diesen Hinweis wiederholen. Die ,Zahl der hebräischen Bücher, die wir jetzt kaufen können, ist so klein, daß jedes einzelne ge• nannt werden sollte. Ikmichs Ozar ist ein wahrer Schatz; eine Blüten• lese der jüdischen Prosa und Poesie nach Abschluß des biblischen Kanons, die mit den bisher erschienenen zwei Bänden bis zum Abschlüsse des Talmud reicht. Max Brod sprach kürzlich mit Bedauern darüber, daß wir in deutscher Sprache keine ordentliche Antholo- Rie des Tahivud haben; aber wir hatten bis zu Boruchs Buch auch im hebräischen keine. Der zweite Band des Ozar ist diese ,Anthologie aus palästinensischem und babylonischem Talmud. Seit Monaten führe ich diesen Band mit mir im Felde herum, und ich verdanke ihm alltäglich eine Freude. Der Band ist so geordnet, daß atisgewähltc Texte der Halacha und Agada — soweit ich sehe, alle wichtigen und charaktcristisehen - im unveränderten Urtext auigenommen sind; die Anmerkungen gehen die notwendige Erläuterung. Besonders freudig wird es jeder, dem das Aramäische Schwierigkeiten macht, begrüßen, daß alle aramäischen Stellen in den Anmerkungen hebräisch übersetzt sind, so daß Boruchs Buch geradezu ein Lesebuch zur Ein• führmtg in die zweite Sprache unseres Volkes ist. Die sachlichen Erklärungen sind aufs Notwendigste bc• schränkt, doch so gehalten, daß mit ihrer Hilfe jeder des Hebräischen Kundige nun auch allein den taimu• dischcti Text versteht, dessen Sprachgcfüge oft von so wundersamer Knappheit ist. nie sw inr non!: oeimaeii weritcn, utui ciattn Wernen wir selbst für die I )rneklegung Sorge tragen. Im letzteren Lalle wäre eerwünscht, tl'iß Sie die Erlaubnis seitens der Zensur erlangen, da das Ihr Sie leichter wäre, Was min die IIclnTsctzuiig der Broschüre ins Russische anheiiil'ii, so können wir, falls Sic die im ,,Razswiet“ veröffentlichte Uchcrselziing von Llekser befriedigt, von derselben Gebrauch inadieti; fall•« nicht, 8.1 wer• den wir llmeu in kurzem die Uebersclzung eines unserer Mitglieder vorlegen. Ich bin überzeugt, daß Sie angesichts der hohen Bedeutung dir Sache nicht versäumen werden, mich mit Ihrer Antwort in dem einen oder dem anderen Sinne zu heeltreu, Mit ausgezeichneter Hochachtung und aufrichtiger Ergebenheit der Vorsitzende des Vereins Sind. E. T schien o w. A 111 w o r t Odessa, 2). Dezember 1884. Durch private und allgemeine Angelegenheiten außer• ordentlich in Anspruch genommen, hat der Verlasser der ״Aiitoemaiizipalioii“ mich beauftragt, auf Ihren an ihn gerichteten Brief folgendes zu antworten; 1. ln Sachen der Patästiiiakolunisation beschäftigt■, hat der Autor obenerwähnter Broschüre nicht nur nicht seine Ansicht bezüglich des für die Kolonisierung der Juden zu wählenden Landes gewechsen, sondern setzt seine Arbeit laut dem von ihm bestimmten Plane'fort. Ls handelt sielt um folgendes; der Autor betrachtet die Frage der Wahl tlcs Landes nicht der Kompetenz der einen oder de־ anderen einzelnen Personen un• terlicgcml und hat deshalb die Lösung derselben dem gesamten Judentum überlassen wollen, Er hoffte, daß der Kongreß der Delegierten seitens der gesamten Juden• heit sieh endgültig t'nr «las eine oder das andere Land entscheiden wird. Die westlichen Juden haben jedoch aus irgendeinem Grunde den Antrag des Autors völlig ignoriert. Die östlichen Juden hingegen haben sich in ihren Meinungen geteilt: der eine Teil hat, wie cs auch die westlichen Juden getan haben, dein Rufe des Autors nicht Folge geleistet, «ler zeite Teil, der den Ideen des Autors mit voller Sympathie begegnete, hat sieh ohne alle Kongresse für Palästina entschieden. Da die Gegenpartei Vorschläge nicht gemacht hat und überhaupt jeden Gedanken einer radikalen Lösung der jüdischen Frage abweist, so konnte der Autor ihre Meinung nicht in Betracht ziehen, und es b'ieb ihm nur übrig, die Meinung des anderen, mit ihm sympathisicremleii Teiles zu hören, I )iescr Teil hat hei ihm nun den Kongreß ver• treten. Der Autor war froh, daß die von ihm gestellte Frage endgültig vom jüdischen Volke selbst entschic• den wurde, um so mehr als die Wahl auf Palästina gefallen ist, 2. Mit der 1 )rneklegung der russischen Ucbcrsctzung seiner Broschüre kann der Autor sich nicht befassen, Wenn Sie dieselbe tlnickeii wollen, so erteilt Ihnen der Autor seine Genehmigung hierzu. 3. Das im Namen des Autors unter L Dnrgclegte können Sie als Anmerkung zur Ucbcrsctzung oder als Vorrede derselben veröffentlichen. M. L. L i 1 i c 11 b 111 m. Unserer Generation ist es wohl versagt, ein Lehen dem Studium des Talmud zu widmen. Aber eine ein• gellende Kenntnis imili doch jeder haben, der unser Volk iiihI sein Schrifttum (auch «las allernioderustc, das scheinbar der Jcxchihah «len Rücken kehrte) ver• stehen will, liier ist das Problem, tlie Fülle des Stoffes mit der Knappheit der Zeit zu vereinbaren, glänzend gc• löst und mit Recht empfiehlt der Verlag das Buch als Lehr- und Lcsclmch fiir die Schuten. (Der Preis des 1. Bandes beträgt I Rubel 50, der des 2. Bantles 2 Rubel 30.) Die Einleitungen bringen die Ucbcrsct• zung der bekannten Artikel von Wünsche, Strack und Fuchs über den Talmud. Hebräische Originalartikcl wären hier mehr am Platze gewesen. Dankenswert ist das Personen- und Sachregister über «len Talmud am Schlüsse des 2, Bandes; es müßte in einer neuen Auflage bedeutend erweitert wer• den. Bei den ausgewählten Tnlmudstelien vermißt man 1unangenehm das Fehlen der Seitenangabe nach «len vollständigen Ausgaben. Hugo Bergmann. David S. Silberbusch: S t r y c 11 a I y c 11. Novellen und Skizzen aus der Kriegseit 101•1/101(1. Wien!916, Selbst• Verlag des Verfassers. (M. 1.50 beim Jiid. Verl.) Wollen wir aufrichtig sein: Die galizischen Juden gelten als eine Art eufants terribles der Ostjudenhcit. Und «lie Blicke, die mau auf sie wirft, sind etwas stiefmütterlicher Natur. I>a war nun bei meiner cvvigen Feindseligkeit gegen derlei Sticfnnitterlauncn das Buch von Sitbcrtmsch eine willkommene Gabe für nlich. Und ich mache mir nur Gedanken darüber, daß cs nicht allen denjenigen zugänglich sein könnte, die sich immer von ein paar mißlichen Erscheinungen nufbrin• gen lassen, aber für die noch unverbrauchte Kraft gerade des galizischen Zweiges der Ostjudenhcit kein Auge haben. Dabei ist mir klar, «laß der Verfasser nichts weniger als irgendeine Ueberzcugungsabsicht hatte, als er das Huch schrieb, sondern wirklich nur galizisclvcs Jiule»leben darsteilen wollte. J,>aß er die Fabel der Novelle ״Beile Gitel“, die den Hauptteil ,.1U «*ar« ייי tind, werden hierdurch gebeten, den Schekelverkauf zum Abschluß zu bringen und sodann dl« verein• nahmten Betrüge dem zusifindlgcn Landes*bcz. Distrikts* komiiee zu überweisen. Zionistisches Zeniralbureau, Vortragszyklus der jridiscli-nationalen Frauenvereinigung Die Jüdisch-nationale Fraiieiiverciiiigung veranstaltet zwecks jüdischer Ausbildung von Frauen und Mädchen in!kr Zeit vom 15. Januar bis 19. Marz 1017 in den Räumen des Rabbiner-Seminars Artilleriestrallc 11 einen Vortrags-Zyklus, Die Themen «los Vortragszyklus sind wie lolgt ver• teilt: Montag, den 13. Januar. Die Stellung «ler Frau im jüdischen Volke nach der Aulfassung des Talmuds und der jiulischen Gcsetzcslehre, Lraucngcstaltii! in der Bibel. Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Lcwv. Montag, den 22. Januar. Ethik tles Judentums. Religionslelire, Elternliebe, Wohltätigkeit, Humanität, Nachstcnlicbc, Sklavcubehaudhmg, Unfallverhütung, Oercchtigkeit. Frau Margarete Brom. Montag, «len 29. Januar. Die jüdische Ehe. Ehegcsetze, Hygiene der Ehe, die Friihchc, Erziehung zur Ehe, Eheschließung, Ehescheidung, Hochzeitsgebräuee Mischehe, Mutterrecht. Frau Lina Wagncr-T;!über. Montag, den 5. Februar. Speiscgcsctzc. Verbotene Speisen, Säugetiere, Vögel, Fische, Schechitah, Koschermachen, Haus und Küche, notwendige Hausgeräte, Vor- Bereitungen zu Pcßach, Frau Dr. Wilhelm Lcwv. Montag, den 12. Februar. Boden- und Agrargesetze. Frau Clara B o s c 11 w i t z. Montag, den 19. Februar. Der Sabhath: Die soziale Bedeutung des Sahhaths, Sabbathgcdankcn, Sabbathleier, Sabbathvorschriften, Sabbathgcsänge, der Freitag-Abend. Frau Margarete Brom. Montag, den 26. Februar. Das jüdische Jahr, der jüdische Kalender: Festtage, Fasttage, Gedenktage, Vor- Schriften, Gebräuche, Sitten (Minhogim). Herr Jacob Wagner. Montag, den 5. März. Die geschichtliche Bedeutung unserer Festtage: Das Religiöse und Nationale von Peßacli, Sch’wuaus, Szukkauß und Rausch-Haschono, Jnum• Kippur, Chanukka und Purim, Thischo b’ow. Herr Jacoi» Wagner. Montag, den 12. März. Vorschriften bei besonderen Anlässen: Sochor, Miloh, Piiljan haben, Bar Mizwoh, Einweihung von I iäiiseru und Wohnungen, Trauergesetze und •gebrauche, Krankenbesuch, Gcbctzcitcn und Gebete des täglichen Lebens, Urochaus. Herr Rabbiner Dr. Wilheim L c w y. Montag, den 19. März. Das jüdische Haus: Familien• liehe, Ellernaclitiing, Erziehung des Kindes zur religiösen Pflicht und nationalem Empfinden, Hebräische Sprache, Geschichte, Literatur. Frau Dr. Wilhelm Lewy, Eintrittskarten zum Preise von 2 Mark für «len ganzen Zyklus sind zu haben bei dem Portier in der Artillerie• straßc 31 und im Zionistischen Zentralbüro, W. 15, Sächsischcstraße 8. des Buches bildet, in «lie Kricgsz.eit und deshalb die llamllung zum großen Teil in I liiehtlingsharaekcn auf niclitg.'ilizischeiii Boden verlegte, ist ziemlich neheusäch• lieh, Hauptsache, daß er uns gali/.iscU-jiUlischc Menschen und l.ehcnsnusschnitte gab, «lie literarischen Rang be• anspruchen dürfen. Line Schöpfung voll dichterischer Weilte ist «lie junge jüdische Frau, nach der die Haupt• novelle heißt: Kein verheiratetes ״süßes Mädel“, sondem eben eine echte jüdische Tochter, anmutig zart aber nicht mimosenhaft, einfach' aber nicht einfältig, keusch aber nicht prüde und vor allem das Jtidi• schcste: so tapfer und fraglos ihrer Pflicht ergeben. Ihre seltsame Barackenbekanntschaft, Fräulein Rosa, weist schon über die galiziselie Bodenständigkeit in die große schon lange vor dem Kriege in Fluß geratene ostjiidisehc Wanderschaft hinaus. Keine Spur mehr von der galizischen Kleinstadtidylle, in die wir am Anfang der Novelle gestellt sind, aber auch nur mehr ein letztes Verdämmern, das Erinnern an altjüdische Größe, wie sie sich in der Szene des Maarivgcbctcs auf der Flucht über die Karpathen manifestiert. Im Gegenteil: Barometer auf ,,Veränderlich“ und ״Sturm“. Die Skizzen, die der Novelle ״Beile Gitel“ folgen, sind feuillctonartigc Arbeiten, die oft durch geistvolle Wendungen überraschen und an vielen Stellen, namentlicli in Form, von Schriftauslcguug, den echten ost• jüdischen Humor verraten. Silberbusch hat größere Arbeiten früher nur liebräisch veröffentlicht. Seine jidischc Erstlingsnrbeit ist auch sprachlich interessant. Fr bewegt sich noch etwas fremd in der jütischen. Schriftsprache, adaptiert namentlich etwas zu freigebig und willkürlich hebräischc Wörter, die niemals im JMischen gebraucht wurden. Anderseits aber könnten, glaube ich, viele altbewährte jidischc Schriftsteller von ihm lernen. Denn von dem gerügten Fehler abgesehen, ist sein Jidisch kernhaft, vom modernen jütischen Pressebetrieb, «ler die Sprache plattdrückt und entwesentlicht, noch nicht angekränkelt. Dr. Nathan Birnbaum. ♦׳1 ׳1