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Jüdische Rundschau · 1916-12-22 · Heft 51 (22.12.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 51 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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uiu crzaniungcn vierer liorl, die dort gearbeitet und zu helfen versuclit liahcn, wird, gleichviel wie er polilisch stellt, im Tiefsten erschüttert sein über soviel menschlichen Jammer — obgleich!der Krieg uns .111׳c miteinander etwas abgestumpft hat. Und wie ein Wunder mtifS es erscheinen, »lall der Lebenswille dieses Volkes noch nicht vollständig zerschlagen ist, sondern «lall er sich immer wieder erhebt, um Herr zu werden dieser tiefen Not und gegen seine Verwaltigung aiizu• kämpfen. Alle Volke,!missen gegenwärtig viel Kriegselend auf sich nehmen. Aber es ist ein Unterschied zwischen dem, was unvermeidbar ist iiuul dem, was nicht zu sein braucht. Und vieles brauchte dort im Osten nicht zu sein, wenn die Polen mehr guten Willen zeigten und die eben erst für sich seihst errungene I rciheit nicht der jüdischen Bevölkerung ihres Landes vorciithicltcn. Es ist merkwürdig: mit Ingrimm Jiaheu die Polen die preullische Ausnahmen,eset/gebimg gegen die polnische Minorität bekäniptt, aber sic seihst haben sielt keinen Augenblick gescheut, Ausnahmebestimmungen gut/.uhei- Heu, die sielt gegen die jüdische Minderheit ihres cigcneu I andes richteten, M es nicht unerhört, wenn man in Warschau die Kri1'gM111lersti1t/nng .111־ die Frauen der jüdischen Soldaten im russischen Heere nicht mehr nus/ahlt, obwohl sie aus allgemeinen Steuern aufgebracht werden? Ist cs nicht unerhört, dalt diese Auszahlung urplötzlich an die Bedingung der Vorzeigung eines offiziellen Trauscheins geknüpft wird, den die jüdischen Frauen nicht besitzen? Hie weitaus grüllu• Zahl der jüdischen Llien (und nicht die schlechtesten) ist in der gebräuchlichen jüdiseh-ritneilen bonn (kirchliche Trauung), alter ohne diesen Schein geschlossen worden, 111,in Kennt das einfach nicht*). Und mm stehen diese armen Frauen und Kinder da, der Not und dem Elend, buchst,iblich dem Verhungern preisgegeheu. In Deutschland, wo Unlerstülzimgei! bezahlt Werden, vermag inan zu beurteilen, was ihr plötzliches Aufhören bedeutet, und in Deutschland wird die gesamte öffentliche Meinung verlangen, dall diese Schmach aufhört. Ist es zu glauben, dall die polnische Stndtverwal- 11mg in Warschau den Mut fand, im Jahre 1010 eine Art modernen Ghettos eiuzuriehten? Im Oktober wurde nämlich beschlossen, daß in den städtischen VciIcäJIfs« hallen die Stände der Kaufletite nach Konfessionen ab• »!sondern sind, den jüdischen Geschäftsinhabern wur» den dalu-i die hinteren Gewollte zugeteilt. Von hier aus ist es mir ein Schritt, eien Juden bestimmte Viertel auch zum Wohnen imziiweisen, und das Mittelalter wäre wieder auferstaude». Dali der Warschauer Magistrat den Juden, eie nahezu die Hälfte der Bevölkerung ausmacheii, keine beson״ deren Schulen bewilligt, soll nicht gerügt werden, aber mich <limkl, dall die polnische Minorität der deutschen Ostmark stets besondere Schulen tiir sich verlangt hat. Um so eher wird man vielleicht in Warschau dazu kommen, besondere jüdische Bänke ciiizurichtcii, verlangt wird cs bereits. Ist es zu glauben, daß man in Warschau der jiidischen Gemeinde 30 000 Rubel monatlicher Unter- Stützung für die - ach so bitter nötigen — billigen Küchen verweigerte, den nicht jüdischen dafür in derselben Sitzung eine lia'bc Million bewilligte? Dali man es fertig gebracht lim, den Juden das Wahlrecht zu verkürzen, ist selbstverständlich, und in den anderen größeren Städten Polens sowie in der Provinz liegen die Dinge ganz ähnlich, die Zahl der Uebelständc ist Legion, Hier muß die deutsche Verwaltung unbedingt eingrcilcn, sic kann nicht ruhig zusehen, wie das Zusammenlebcu der Polen und Juden von Grund aus vergütet wird. Ls ist eine der nötigsten Aufgaben, dafür zu sorgen, daß die mm einmal auf demselben Boden in enger wirtschaftlicher und politischer Gemeinschaft lebenden Volkstcile in ein gedeihliches Verhältnis zueinander kommen. Es geht nicht, daß die Polen, selbst zur Freiheit gelangt, die Freiheit der anderen nicht dulden wolleij. 1 )1c Polen müssen einschen, daß eine gatte zukünftige Entwicklung ihres Landes (die ohnehin genug Hindernisse findeii wird) aufs schwerste gefährdet ist, wenn die brennende Frage des polnischen Judentums nicht in Ireihcitlkhcin Sinne geregelt wird. Aber auch das Deutsche Reich hat ein beträchtliches Interesse daran, daß die fürchterlichen Miftständc beseitig! und die Rechte nationaler Minderheiten garantiert werden. Das Ostjiidentum ist durch mancherlei Fäden mit dem deutsehen Lehen verbunden. Wie es schon vor dem Kriege der Haupt-träger der wirtschaftlichen Verbindung mit Rußland war, so wird es dies nach dem Kriege wieilcrum sein, es wird außerdem für die gar nicht leichte Aufgabe, Polen wirtschaftlich den Mittelmächten anzugliedern, wertvolle Hilfe leisten. Deutsche Offiziere und Beamte, die im allgcmcinen einer besonderen Vorliebe iür polnische Juden nicht verdächtig sind, aber mit offenem Auge die Dinge bctrachten, sprechen mit mehr Achtung von ihnen, als man vielleicht erwarten könnte. Sic erkennen an, daß das jüdische Element für Wirtschaft und Handel unentbehrlich ist. Gewiß, es steckt — begünstigt durch die t'iirchterliciieu Verhältnisse eines dauernden Kricgsgebicts — in diesem Handel noch viel Unredlichkeit. Die ist aber nun größten Teil eine Folge der allgemeinen Unterdriiekung: nehmt sie fort und die Entwicklung wird sich nach und nach westeuropäischen Zuständen nähern. Es ist nidit uninteressant, daß der Berichterstatter der ״Frankfurter Zeitung“ ein ganz ähnliches Urteil •) Das gilt hauptsächlich tür Galizien. Die Red. der Jüd. Rundschau. reihe filier eine Reise durch Kurlaml vom Dezember vorigen Jahres schreibt er u. a. ״Aber der dadurch (durch die Revolution von 1905) geschaffene Gegen* satz (zwischen Balten mul Juden) verschwand doch sehr rasch wieder in den folgenden Jahren des genieinsamen Kampfes gegen das Riissenfnin, und wo Stachel zniückgiblichen waren, da sind sie ganz allgemein durch den heroischen Auszug der Juden bei der Vertreibung im jetzigen Krieg beseitigt worden. Die wahre I Ichlengiöße dieses Auszuges hat einen tielen, uiiniislösihlieheii Eindruck auf den deutschen Bürger und I׳Idol 11 mn 11 gemacht, und wo man heute vom Juden sprüht, geschieht es in ehrlicher Betrübnis, daß das tüchtige und solide Handelselcment fehlt und dem Lande dadurch großer Schaden entstanden ist.“ Es wird für die deutsche Verwaltung gewiß keine leichte Aufgabe sein, den schweren Mißständctt abzuhelfen, indes, das ist eine Aufgnlrc, der sic sieh unmögliili entziehen kann. Auch sic begeht manchen Fehler, meist aus Unkenntnis der Vcrhä'tnisse, selten aus bösem Willen, Aber eines müßte sic sieh grundsätzlieh sagen, daß man niimlieh auf dem Wege strenger Verordnungen, die für die Verhältnisse der Heimat!lassen mögen, nicht eine Bevölkerung, die bis dahin das Gegenteil gewöhnt war, in richtige Bahnen bringen kann. Hier tmdl langsam begonnen und am Vorhaudeueii angckiüipft werden, nur so läßt sieh Erspricßliebes erreichen. Wenn 111:111 Altgewohntes einfach umstülpt, so ordnet man gar nichts oder doch nur scheinhar. Man verwirrt die Bevölkerung und stellt im bcsteil Falle alles auf den Kopf. Gute Kenner des Lindes behaupten, dalt auch für die Beschaffung der Eruähriuig und sonstiger Gobrauchsgcgcnstüiide des Heeres viel mehr erreicht worden wäre, wenn man die getioffenen Bestimmungen den vorhandenen Zuständen besser angepallt und sieh der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel geschickt bedient hätte, denn für die wirkliehe Durchführung aller Vorschiiften fehlt cs in Polen von vornherein ati den nötigen Beamten. Und gerade die jüdische Bevölkerung, die bereit und in vier Lage gewesen wäre, der Verwaltung gute Dienste zu ]eisten, hat die Härte vieler Maßnahmen infolge der nun einmal vorhandenen Henifsg'ic.lerung und der a!gemeinen sozialen Verhältnisse doppelt und dreifach gespürt. Was Iür diese Bevölkerung vor ollem iinttut, sind jüdische Beamte. Ebensogut wie man Dutzende von deutschen Polen als Beamte in das besetzte Gebiet geschickt hat, so muß man eine der jüdischen Volkszahl entsprechende Menge jüdischer Beamter, die jidisch wirklich verstehen, nach Polen senden. So weit mir bekannt ist, gibt es deren heute kein Vierteldntzend, in höherer Stelle aber nur den einen l>r. Ludwig Haas. Dieser hat henits Außerordentliches geleistet, aber der Arbeit ist allzuviel. Es gibt in Deutschland genug Juden, die guten Willens wären, und die die Dinge ain riehiigcn Ende «anznpaeken verstehen, die aber v! r allen Dingen wissen, wie man cs nicht machen darf, ln Polen so gul wie anderswo kommt man mit bloßer Wohltätigkeit nicht weit, auch dort ist die Organisierung der Selbsthilfe das beste Mittel. Und es spricht für den guten Kern der polnischen Juden, daß sic keine bloßen Almosciu'inpfänger sein wollen, sondern vorzic* heil, sieh mit den .vorhandenen Hilfsmitteln zu organisieren mul von nuten!herauf die Kräfte zu sammeln, die sie für ihre Weiterentwicklung und Gesundung braueben. ״Nie sind in Polen — so schreibt Julius Berger im 3. Heft des ״Juden“ — so viel jüdische Schulen gegründet worden, nie so viel Lesehallen und Bibliotheken, wie gerade jetzt, mitten im Kriege. Und nicht durch fürstliche Schenkungen einzelner Oroßcr. Aber mit 100 Rubeln Anfangskapital haben z, B, die Zionisten in Warschau ein Schulsystem gegründet, das heute beinahe dreitausend Kinder umfaßt, Kinderheime, Volksschulen, Mittelschulen, Handfertigkeitsschulen für Mäddien.“ Diese Bewegung und diesen Geist nt unterstützen, ist Pflicht der deutschen Verwaltung, Und wenn bei einem Empfang (furch den deutschen Reichskanzler Professor Brudzinski 01. a, die Forderung stellte, daß ein provisorischer Staatsrat aus einheimischen polnischen Eiementen zu bilden sei, der die Ausarbeitung einer Verfassung iiiul die Organisation der polnischen Staats- Verwaltung vorzubcrcitcn habe, so muß die weitere Forderung erhoben werden, daß diese Verfassung eiligelicmlc Bestimmungen mm Schutz und der Entwicklutigsfreiheit der jüdischen Minderheit in Polen erhält. Das erfordert nicht nur das wohlverstandene Interesse des polnischen Staates selber, es ist auch ein Interesse Deutschlands. Das Deutsche Reich hat viele Qründc, die Unterdrückung nationaler Minderheiten in den von ihm besetzten Gebieten nicht zu gestatten. Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schckcf: Ailcnstcin 12.—, (davon 3— für 1914/15), Berlin: Jüdisch-Nationale Frauenvereinigung 215,—, (davon 105.— für 1011/15), Düsseldorf 21— Ologau 1,—, Guben 4.—, Magdeburg 2.—, aus dem Felde I.—. LaudcsiicilrUifei Berlin: Herz.l-Club 160.—, Danzig 33.—, Düsseldorf 63,—, Giicseu 9.״ -, Cir.-Strchlitz 40.—, Glogau 6.—, Guten 6—, Karlsruhe 33.—, Köln: Zion. Vereinigung Hnsehachar 20.—, Königsberg 135,—, Kiel 20.—, Magdeburg 6.—. Eingang vom6.bis 19. Dezember 19161 Schekel: 1915/10; 148.—. Landesbeiträge: 531.—. Gesamtoinganj!;! Schekel: 2624.—. Landesbeitrage: 4916,—. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung tür Deutschland, Berlin W15, Sächsische Strafte 8. Postscheckkonto: Berlin 8091. * ־׳‘~־■־ ־ ־ ׳־ ־ ׳ e» Von Arnold Zweig Um Mitternacht rührte mich eine leise Hand an. ״Steh aul“. Ich trat vor die Tiir der schweigenden Schlafharacke und sah; ' Azrael, Cherub der über lote gebietet, stürzte vom Nachtfimianicnte herab rachcgcflügeltcr Zorn, stieß in! Horn Schot;!!׳ und schrie: ״Auf zur Zählung, ihr toten Juden im deutschen Heer!“ Ls verging keine Zeit, da wimmelte das Feld von leisen Gestalten bis an die gebogenen Hügel, hinter denen brüllte die Esse Verdun, neu angefacht, und ihre kleineren l'.sscn brüllten laut; Flammen sehluge.1 furcht, har auf, zuckend zerbrach am Horizont des GcsrlnU/ei die wehklagende Nacht. Der Wind flog vom Orion her, dem strahlenden Zeichen des Mannes, den Mond an, der schwach über den Höhen hing in trüben Schleiern, Raunen bil'le übers Gelände, düstrer Schein umwitterte Taustmlc, Ein lisch stand, aufgeschlageii ein große! Buch, ein Schreiber saß in Montur dahinter, spitznaßlj mit gelbem Schopf. I r rief: ״Antreten dem Range nach! Die TotcnstaimnroHe ist au/iicrkciincii!" Da sagte eine milde Stimme: ״Oh warum laßt ihr uns nicht schlafen, da wir schon lagen in der Erde Arm ruhevoll!" Und der Schreiber ״Oje Statistik fragt, wieviel von euch Juden sich vom fernern Krieg gedrückt ins Grab.“ Stöhnen stieg auf vom Gelände als klagte der Boden, und die Stimme rief schmerzlich: ״Großes Vaterland, ich gedachte für dich zu stcr. hen und zu ruhn!“ Aber ein Wirbel bewegte die Toten sie standen am Tische einer nach dem andern, Haupt.’ leute und Stabsärzte ziivoii und Leutnant und Aerz.tc Feldwebel und Wachtmeister, Unteroffiziere, Gefreite’ Gemeine. Und eine dürre Feder gab der Schreiber in jede Hand, sie floß wie ein geritzter Finger, seinen hebräischen Namen schrieb ein jeder in kleinen roten Lettern die leuchteten wie quadratische Siegel. Da standen die Leichname geduldig und warteten, und wer geschrieben, der legte schweigend die Abzeichen auf den Tisch die er trug und trat zurück, einer in der Menge. Da lagen die dicken Achselstücke der Stabsärzte und die silbernen der Offiziere, Portepees wie silberne Fier, die Tressen der Unteroffiziere, die kleinen Aeskulapstäbe, die großen knöpfe der Gefreiten: die Eisernen Kreu/.e der Ersten Klasse und wTc viele der Zweiten, andere Kreuze und Medaillen, schwarzweiße Bänder und Bänder in allerlei Farben. Der Haufen schwoll aber auf dein Tische. Die stillen Männer traten heran, schrieben und wurden Menge. Wie eine leichte Aura umgab sie der Umriß des alten Leihe-, pliosphoreszicrend wie faules Holz; aber den dmiklereu Kern gab der Körper, den man ins Grab gelegt zu seiner Zeit. Die Bäuche waren zerfressen vom Flecktyphus und ausgehöhlt von Ruhr. Ihre Köpfe wiesen Löcher auf vom Geschoß, halbe Schädel hatten Granaten entführt, Arme mangelten, Beine, Rippen zerbrochen, drangen aus zerfet/ten Uniformen: sie waren mit Verbünden umwickelt, mit Lumpen bekleidet, ohne Stiefel; erloschene Augen blickten düster, von gesenkten Stirnen fiel weißer Schein, die Toten schwiegen in Scham und Trauer. Da standen Jünglinge bei Knaben amd junge Männer neben reifen. Und sie gaben an, wie alt sie seien und wo geboren: überall im deutschen Land, und was für Berufe: Lehrer und Rechtsanwälte, Rabbiner und Aerzte, Reisende, viele Studenten aller Fakultäten, Schüler, Maler, junge Dichtcr, Kauflcutc, Handwerker und Kauflvutc wiederum und immer wieder Kauflcutc, Und wo gefallen, wo lagen sic iin Grabe? Bei Lille, sagten sic, und Poziircs, die ganze Somme entlang, Tlitaumont hieß es und Azanties, Flciiry und Vativ, Champagne, Argonnen, Vogesen, ganz Flandern, die lagen am längsten im feuchten Grand; Bzura klangs, Ostpreußen, Knrpathcn, die Slotn Lipa, der San ward genannt, Kowno und Dünaburg, Wolliynischer Sumpf, ungarischer Wald, serbischer Berg, gal'• zisches Tal: und Azracl nickte, der Engel, bei jedem, er hatte sic atisges.it wie Samenkörner, weit geworfen, hierhin, dorthin, Alles war verzeichnet im Buche, die Feder bewegte sich, kleine rote Buchstaben standen auf dem bleichen Blatte. Manchen aber leuchtete ein helle* Kreuz über der Stirn, die waren geiauft; der Schreiber fragte jeden: Jude? Und er nickte, er sagte: ״Sie ui-sen doch"; er sagte: ״Mosaischer Konfession“ ״Israelit" sagte er, ״Deutscher jüdischen Glaubens", — ״Jute» ja“ sprach mancher und streckte sich, und die Kreuze verblichen jedem. Und wie die frischesten am Tische standen, fast noch blutend, aus Rumänien hergeweht der Dobntdsclta, der Somme. Der Mond verlor den Schein, Wind wehte heftiger ins Dunkel, Azracl hob die Hand, das Feld lag leer, übcrbuscht von zerstiebendem Scheine. Nacht brach herein, ganz schwarz, am Rande zerloht von der Esse Verdun brüllend hinter den Höhen. * Aber es war den toten Juden kein Halt mehr auf dem Grund ihrer Oräbcr. Sic sanken, langsam glitte» und seelenlos tiefer die Körper abwärts, tiefer hinab Ein Strom, schwarz und lautlos floß in den Adern <W Erde, er nahm sic auf und wälzte sic ostwärts; rund* Walze wurde jeder schrumpfte, ward groß wie ein Ziegel und ganz weich. Und er warf sic aus im frühen Morgen, mundend unter Palmen ans Licht einer jubeln• den Sonne, die stieg aus dem Meer. Ein großer Mann aber mit schwarzem, breitem Bart und der Schürze des Werkmannes, die Kelle rechts neben sich liegend, und ‘link* das nackte Schwert, ergriff einen jeden und preßte ihn, er ward in der Sonne hart zum Stein und gefügt in ein niederes *Mauerwerk, und Walze neben Walze

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