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Jüdische Rundschau · 1916-12-15 · Heft 50 (15.12.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1 ’ j / | tcn Arbeitsprogrammes, die Xleraiiziclrung 111111 Ansiedhing der bereits jet/.t tamlwirtscliaftlicli Tätigen, ist ja wahrend des Krieges kaum durchführbar und muß bis Zum Frieden zurück!.cslellt werden. Es inuli uns vorläufig darauf nnkoiumen, den Kreis der Ausiedlungsfähigen auf jede Weise zu vergrößern. Eine innere Kolonisation für die jüdische Ücvöl• kernig im Osten selbst kommt aus inncrpolitisclicii Orüiuleii wollt kaum in Frage und braucht deshalb an dieser Stelle keine Berücksichtigung zu finden. Während die obigen Ausführungen einen Teil un• seres wirtschaftlichen zionist sein ת Pro;ran1ms für die Diaspoia umfassen, soweit eine Neuordnung der Verhältnisse durch den Krieg sicli vornussdicn läßt, werde *ich im Folgenden die Richtlinien, die sich aus denselben Gründen für unsere künftige Palästinaarbeit ergeben, darlegen. lieber die Aufgaben der Landspende Von Agronom J. Ocltingcr, z. Zt. im Haag. In dein Erez-Jisrael-Sondcrlieft ,,Jüdische Landspende“, das das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfoiids im I lang eben herausgibt, veröffcntliebte Herr Agronom J. Octtingcr unter obigem Titel einen Aufsatz, ■dessen Hauptausführungeu wir im Anschluß an die Landspendcn-Aktion, die der Jüdische Natioiialfond gegenwärtig in Deutschland durchfülut, im folgenden wiedcrgcheu, I)er Gedanke der I.andspende l ür Paiä st i na schließt sich au ähnliche neuere Strömungen bei andern Völkern an. Wie unsere gesamte nationale Bewegong mit modernen Strömungen parallel läuft, so ist auch die 1 amispcmle durch universelle Ereignisse angeregt worden. Betrachten wir mm die analogen Projekte in andern Ländern, z. B. in Deutschland, wo vor allem der ,,Bund deutscher Bodcnreforincr“, der die Schaffung von Kricgerhcimstätten als eines seiner Haiipt/icle anstrebt, Satzungen für solche Siedlungen aufgcstclll hat, so finiten wir immer wieder zwei Haupt* fordiTiiiigrn : 1. 11 c r g a b e des Bodens auf der Grundlage der I r b - resp. f > a 11 e t p a c h t. 2. G ä r t n c 1 i s c 11 e 11 n d I a n d w i r t s c h a f t i i e h e b c r u f I i c 11 e I i i g 11 u n g d e r 11 c i m s t ä t 11 e r. I >er jüdische■ Natioiialfond erfüllt bereits die eine dieser Forderungen Er befolgt bei seiner Kolonisation die heilsamen Grundsätze der Erbpacht. Dies bereitet eine ungeheure Erleichterung zur Schaffung von neuen Siedlungen in Palästina, von der man sich auch in zionistischen Kreisen leider noch keine genügende Vor- Stellung macht und die man bis jetzt noch gar nicht ausgenutzt bat. Allerdings muß andererseits durch den Natioiialfond noch ernstlich die Frage der Renten- 11 öhe geprüft werden, damit sie tatsächlich mäfiig, den Verhältnissen des Heimstättlcis entspreclicnd ist. Man darf auch die zweite oben erwähnte Forderung nicht außer Acht lassen, die vielleicht noch schwerer ins Gewicht fällt, als die Geldfrage. Wir werden die neuen Kolonisten wieder und wieder mvicl Lehrgeld zahlen lassen, wenn wir Leute, die beruflich nicht dazu geeignet sind, ohne besondere Vorbereitung zum Ergreifen des landwiitscliaillichcn Berufes veranlassen.. Man glaubt, dem Mangel an jüdischen Landbauern, die mit den landwirtschaftlichen Arbeiten in Palästina gcnügend vertraut sind, dadurch zu entgehen, daß man die Anlage von Pflanzungen ancmpfichlt, wofür wenig oder unter gewissen Bedingungen auch keine vorhergehende ' Praxis erforderlich wäre. Nun haben wir in Palästina, wie auch anderswo, lernen können, daß mau sich auf Pflanzungen allein nicht verlassen kann, daß die Bedenn absolut notwendig sein, daß an solche׳ Betriebe mir Leute licraiigchcn, die, wenn sic auch anderswo landwirtschaftlich tätig waren, vor allem in Palästina seihst eine praktische Vorbereitung gewonnen haben. Di!> jenigen Familien״ die sich schon früher in (> steuropa mit irgendeinem landwirtschaftlichen Berufe tatsächlich befaßt haben, werden sich sicher viel leichter 111111 schneller als Angehörige anderer Berufe in Paläslina die nötigen praktischen Kenntnisse aucigncu. Eine gewisse Mindestzeit der Betätigung als Arbeiter im Lande selbst muß aber auch von jedem, auch von *ihnen verlangt werden, um so mehr, als schon häufig Leute, die in Rußland oder Galizien irgendwelche Lander/eiiguisse verkauft oder bei der Verj Pachtung von Großgrundbesitzen vermittelt haben, sich ן für die ihnen ganz fremden neuen Verhältnisse vollkommen vorbereitet dünken. Für die Schaffungen von neuen Siedlungen bt> sitzt Palästina allerdings in den gegenwärtigen jiidischeu Landarbeitern ein Kontingent, ,das für die allererste Zeit genügen wird. Alle Kräfte und Gcscilschaftskrcise, die der jüdischen landwirtschaftlichen! Besiedelung Palästinas volles Gewicht beilegen, müssen darauf binarbeiten, daß dieses Kontingent in dieser oder jener Form zu selbständigen Landwirten aufzusteigen die Möglichkeit gewinnt. Etwa zwei oder drei Koionien von mindestens KD Familien könnten mit I lilfc dieses erprobten Elementes angelegt werden. Solange die Vorbereitungen zur Anlage weiterer solcher Siedhingen zu machen sein werden, werden sieh unterdessen frische Arbeiter .־ifts d'er Zahl derjenigen, die sich um Siedlerstellen bewerben werden, durch die Arbeit in den bestehenden palästinensischen Betrieben dazu präparieren. Wird einmal der Aufstieg vom Arbeiter- Stande znm Häusler oder gar /.um seliirtämligen Landbauern nicht nur in Aussicht gestellt, sondern auch tatsächlich, wenn auch in bescheidenem Maßstabe verwirklicht werden, so wird ein stetig zunehmender Nachwuchs au Arbeitern entstehen, aus dem immer neue Siedlungen werden schöpfen können, Ganz allgemein wird man die Forderung der beruflichen I igniing so zu präzisieren haben, daß v o 11 je d e 1׳ F a in i I i c wc - 11 i g s t e n s ein Mitglied eine Mindestzeit von zwei J a 11 r e 11 in Palästina arbeiten 11111 (I, bevor sich die Familie dort zur Ansiedlung vollkommen eignet. Von hervorragender Bedeutung ist außerdem die Forderung des Vorhandenseins eigener O e 1 d nt i t - t e I bei den Ansiedlern. Am geeignetsten sind die, die etwa X bis 50i>0 Francs ihr eigen nennen. Eine tierartige, im Besitze des Kolonistenk« 1111 idaten iin Momein seiner Ansiedlung tatsächlich sicli befindende Summe wird einen sehr wesentlichen Beitrag zu den Etablicrimgskosteu seiner Familie bilden. Wird ihm daun mit Hilfe der Landspenden durch den Nationalfomls der nötige Boden überlassen und besitzt er eine entsprechende Praxis, so wird zu diesen drei aussiebtsvollen Faktoren NationalfoudslKHlen, berufliche Eign1mg und ein gewisses eigenes Kapital --- nur noch di« Iiianspnieimahme eines Kredites für Baulichkeiten, Inventar und Betriebskapital hinzukomiucn müssen. Es isl von Belang zu wissen, um welche Beträge es sicli bei diesen fehlenden Krediten bandeln würde. Die Erfahrungen Palästinas - wie anderer Land- Wirtschaft treibender Länder - lassen einzig die Scbafhing von ,,gemischten‘' Wirtschaften erstrebenswert erscheinen, bei denen ausreichende Einkünfte aus dlcr Milchwirtschaft, dem Gemüsebau, der Geflügelzucht usw. erzielt werden. Bei derartigen Verhältnissen muß der palästinensische Kolonist im Durchschnitt etwa hundert Dunam Boden zur Verfügung haben, um sein Auskommen jvircT—im («11* ■fariiv* nun mit einem anfänglichen Investierungskapital von rund 20 000 Francs, den liodcnprcis mitinhegriffeu, eingerichtet werden. Für den Bodenerwerb allein sind davon ehe» (1000 bis 10 00;) Fr., also '10 50״n der gesamten Etablieriingskosteii eines Kolonisten zu rechnen. Ffr die Schaffung einer Kolonie aus hundert Fa inj. lieu werden also für den Boden 000(10!) bis 1000(100 Francs aiifzubiiiigen sein Und 111 Palästina sollten aus vielen gewichtigen (irümlcn, neue Kolonien nicht weniger als hundert Familien umfassen. Gelingt 0 nun den Lnndspeiiden für soviel Ihm,וווו׳ Boden ge. nügend < ichl zu sammeln, als zur Begründung der erst«! neuen I liimlcrtfaiiiiliensiedluiig notig ist, so wird tl!cj einen mächtigen Ansporn dazu bilden, daß nach mög. heilst kurze« Zeiträumen immer neue derartige Gründüngen entstellen. Gestalten sicli nach dem Kriegt die allgemeinen Verhältnisse fin eine praktische (גיlästiuaarbeit günstig, wie wir es alle jetzt hoffen, so könnte eine wirklicli populäre, auf breiter Grundlage organisierte LamlspcmleusauiinUiug im Laufe eines Jahrzelmts, bei enger /.usammenwirkimg mit anderen, für Palästina tätigen kolonisatorischen Institutionen, dem JNF. ermöglichen, sehr Bedeutendes für eine jiiiDche Besiedelung des Landes zu leisten. Wenn nun di« palästinensischen Landspenden in den ersten drei Jahren bloß soviel Dunam Boden zu kaufen ermöglichen als für die Begründung je cher Himdertfamilienkolonic iin Jahre nötig sind, so wird dieses an und für sich bescheidene Ergebnis eine derartige Erstarkung der Lnitdspcndcnidee zur Folge haben, daß in den nächstes drei Jahren jährlich je zwei neue llundcrtfamilicnko• Ionien werden begründet werden können lind dann je drei usw. Im Laufe einer Periode von 12 Jahren könnteil, gemäß einer solchen Progression, etwa dreißig neue Kolonien (1 3 | 2 3 | 3• I 4 3) in Palästina entstellen. Ein derartiges, dem Anscheine nach langsames, im Vergleiche mit den bisherigen Verhältnissen aber recht lebhaftes Tempo des Entstehens nincr landwirtschaftlicher Zentren in Palästinn würde ein großartiges Verdienst der I amlspenden und des Nation,dfoiids darstellen. Mit der Itodcnbcschaffiing. mit der tatsächlichen bcruilichcii Eignung und mit dem Vorhandensein von ein paar tausend Francs bei jedem der Mitglieder einer Huudcrtfamilicugruppe wird das Ziel der Sicherung einer Kolonie aber wohl angcbalmt, doch noch nicht erreicht werden! Es werden für jeden Kolonisten, wenn er auch keine Kapilaiaii/ahhiiig auf 11 11 Boden zu lebten haben wird, mehrere tausend Francs fehlen, damit er seinen Betrieb mit Aussicht auf genügende Rentabilität einrichten kann. Kann man denn wirklicli nicht so wird (läufig gefragt einen Typus einer Wirtschaft in Palästina ausarbeiten, für dessen Instandsetzung bloß 4 5000 Frcs, nötig sein würden? Dadurch würde man ja sehr stark die Besiedelung Palästinas beschleunigen können. Nein, dieses Problem ist vorläufig noch nicht gelöst worden. Es wird auch in Zukunft bloß eine beschränkte Lösung finden. Wohl ward auch in Palästina die Zahl derjenigen Familien mit der Zeit wachsen, welche ihre ungenügenden Einnahmen aus einem kleinen Bodenanteite durch Lohnarbeit bei den Nachbarn ergänzen werden, der sogenannten ״Halbbaucm". Andererseits werden ganz kleine Betriebe, die sich aul Gemüsebau, auf sehr intensive Milcinvirtscltafl usw. verlegen werden, In beträchtlicher Anzahl in der Nähe der Städte!md vielleicht auch der größeren Kolonien entstellen. Vorläufig müssen wir aber mit den aus den bisherigen Erfahrungen stammenden Zahlen in bezug auf das nötige Anlagekapital von selbständigen Bauernwirtschaften rechnen. fl sa L» ac ah Ar 80 Ni sa te au de Fr sc' au n» de ei di so (l de ia in K a׳ L b ir b C C d s f i Brief an einen Dichter Von Hugo Bergmann Aus dem soeben erscheinenden außerordentlieh reichhaltigen uml wertvollen Sammelwerk ״l> a s jüdische Prag“, herausgegeben von der Redaktion der zionistischen Wochenschriit ,,Selbstwehr“, geben wir mit Erlaubnis der Redaktion den folgenden Aufsatz wieder. Eine tnhaltsangäbe der bedeutsamen Publikation bringen wir an anderer Stelle. Vereinter Freund! Mit Vergnügen entnehme icl! Ihrem Schreiben, daß Sie für die Sanunelsctirift unserer ״Sellrstwchr“ einen Beitrag schicken werden. Zum erstemiftil sprechen Sic damit als Jude zu Juden, zum erstenmal sind Sie Gast daheim. ״Draußen“ kennt man Sie längst und wir kannten Sie bisher nur als einen von draußen. Nun treten Sie zu uns ein. Sollten wir uns darüber nicht freuen? Wenn iclr daran denke, wie vor 13 Jahren, als Ernst Gütig das erste Sammelhueli ties ״Bar Kochba“ (״Neue Wege“ hieß es) herausgab, wir froh waren, wenn uns ein Skribent gnädigst einen Zwütdruck überlieft, und mm die Liste der Mitarbeiter au diesem Sampielhclt der ״Selbstwelir“ sehe, wenn ich lese, wie große Tageszeitungen Artikel über zionistische Problctnc bringen, dann kommt mir rum Bewußtsein, weich schönen Schritt nach vorwärts wir gemacht haben. Die Arbeit zweier Jahrzehnte im Westen war doch nicht vergeblich, Unsere Atmosphäre ist freier, unser Horizont weiter geworden, nun können aucli die Fernen und Fremden, die verlorenen Söhne, zu Uns kommen. Dennoch quält mich eine bittere Frage und vergijllt mir die Freude. Sind wir — so geht es mir in\ Kopfe hemm -- schon auf den! Wege ni einer jüdischen Literatur auch im Westen? Sind uns die Dichter, die zu uns kommen, dasselbe, was Mcndele, Scholen! Alejciicm, Perez und die andern den Ostjuden sind? Ich traf einmal im Felde einen gefangencu russischen Juden, dem schenkte ich ein dünnes Buch von Asch. Fr war ein Handelsmann aus Kiew, ein Durcbscbnittsjude, wie ein Reisender oder Agent ans der Prager Niklasstraße. Die Freude, die der Mann ob dieses Büchleins empfand, vermag ich nicht zu schildern. Wer diese Freude nicht sab, hat nie eine Freude gesehen (würde man hebräisch sagen). ״Asch, Asch“, und er tanzte herum wie ein kleines glückliches Kind, Ich frage Sie, lieber Freund, können Sie glauben, daß unsere jungen wcstjüdischcn!'lichter uns je das sein werden, was den Ost juden die ihnen sind? Mißverstehen sie mich nicht. Ich meine jetzt nicht die künstlerischen, die mcnschlidieu Werte, welche in ihren Dichtungen verwirklicht sind. Ich spreche von der nationalen Bedeutung der wcstjüdischcn Dichter. Ich weiß wold, daß das Nationale nicht der höchste Kreis des Menschlichen ist. Es gibt höhere, bedeutsaniere Kreise. Unsere wcstjüdischcn Dichter haben zweifellos ein! tiefere Metaphysik als dte osijüdischen, dir Kampf um den letzten Sinn alles Menschlichen ist , vielleicht gerade deswegen so ergreifend, weil sie alle Bindungen der Gemeinschaft übersprungen haben und sicli nun als Einzelne Gott wie Auge in Auge gegenüberslelien, Fragen stellend, Antwort heischend. Ihre Fragen sind so leidenschaftlich, weil ihnen ja alles fraglieli geworden ist. ״Alle Lande wurden zu Gewässern“, singt Franz Werfel. Aber ich spreche jetzt nicht von diesem höchsten Kreise des Menschlichen. Ich frage, ob die jüdische Dichtung in deutscher Sprache schon auf dem Wege ist, nationale Dichtung der deutschen Juden zu werden, i Eine Dichtung ist national, wenn sie im innersten Zusatnmenhange mit dem Schicksale des Volkes stellt• Di« größten Werke der Weltliteratur sind übernational, sie | sprechen zum Einzelnen, zum Menschen, nicht zum ’ Deutschen oder Engländer, Aber ein Volk (und auch wir deutschen Juden sind eine Volksgemeinschaft) muß ein nationales Schrifttum haben, das dein Volke seinen < Spiegel vorlifilt, ihm sagt, wie cs ist und wie cs sein soll, es tröstet, aufrichtet, erzieht. Ich frage Sic, ver* ehrtcr Freund: Sind unsere Dichter imstande, unsere* Gemeinschaft Wege zu weisen? feil fürchte: noch nicht. Noch ist Eure Beziehung 1 zu uns eine viel zu literarische und Euer frisches jüdischcs Bekenntnis eine Modesachc. Aber wenn eine* sicli nicht zur Mode eignet, so ist es das jüdische Volk. Kein Volkstum will so mühevoll erarbeitet sein wie das jüdische. Bedenken Sic, daß wir seit 0(101׳ J1Hren im Lieble der Geschichte wandeln, und alle diese Jahrtausende luibcn Spuren an unserer Seele hinterlassen; in dein Juden, der vor Ihnen im Kaffee!!au* s|ifzt, leben Propheten, Baalspriesfcr, Könige, Händler, Verräter, Märtyrer, Die jüdische Seele läßt sich nicht auf literarischen Ausflügen erkennen; wer sie kennen, wer sie gestalten will, muß innig mit ihr leben. Man I muß die jüdische Seele ״lernen“, nicht im Sinne efen 1 Bücherstiicliunis (obwohl es auch dazu getiört), sott- I dern in jenem eindrmgeuden Sinne des Mit-cincr-Sad«־ | Verwnchscns, den der Jude als ״Lernen“ bezeichnet. I Ich sah mii einziger Ausnahme von Max Brod — | keinen der neu zu uns gekommenen Dichter dies auch I nur versuchen. f Die West juden fühlen mit sichern! Instinkt da* I Künstliche und Vergängliche des neuen literarischen I Judentums. Sie scheren sich wenig drum, ob das Juden- I tum literarische Mode ist. Aber gebt ihnen für ihr* Kinder ein Bilderbuch, ein Märchenbuch, schenkt ihnen Romane, in denen sie sich verstanden fühlen, weist

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