Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 48 J U E Dl SC H E R U N DSC H A U Seite 397 geringer Scliritt, <lcr durch die Duma bereits im vori- (N״ Jahre aiigekündigt und zugcs'clicrt wurde, Kt noch nicht getan. Unter dem Eindruck der Berichte unserer parlaimntarischen Delegation, die tlie Länder unserer Verbündeten besucht hat, ist im Punkt der Judenfrage durch die Duma nunmehr beschlossen worden, einen viel weiteren Schritt zu tun. Trotzdem l>cschreitet der ״progressive Block“ noch bis auf den heutigen ו ag nicht den ״Weg der Erleichterung der jüdischen Lage“ (wie es in seinem Programm lieiltt). Werden die Vorbereitungen noch lange dauern, dann kann die richtige Zeit versäumt werden. Inzwischen kann ein Uewiilcr hercinbrechen, das den Weg überhaupt unmöglich machen wird, Jedenfalls: viril der Block diesen Weg endlich heschreiten, so wird ihm das Judentum eine glückliche Heise wünschen; tut er es aber nicht, wird ihm das Judentum ebenfalls ״glückliche Heise“ zurufen (Beifall links). Die amerikanische Aerztccxpcdition für Palästina Das Provisorische Zionistische Komitee in New- York teilt mit, dalt es die I. imvilligaug des State Depanment erhalten hat. um einen Posten Medik a m e 11 t e nach Palästina zu senden, und zwar auf dem syrischen 1 lilfsschiff, das New-York unter den vereinten Bemühungen des Syrischen Komitees und des Koten Kreuzes verlassen wird. Die 1 inwilligimg des State Department ist dein Provisorischen Komitee vorbehaltlich' der F.iiiwilligiiug der franz.ösischen und englischen, wie auch der türkischen Hegicrimg erteilt worden. Unter den gleichen Bcding'imgcn, die zum I eil schon erfüllt sind, wird eine A c r z t e - M 1 s s i o 11, bestellend aus 5 Doktoren, 5 Schwestern und einem Vertreter des Provisorischen Zionistischen Komitees nach Palästina entsandt werden. Diese Acr/te-Mission, die von der zionistischen Frauenoiganisation ״H a 11 a s s a h“ ins Leben geruf 111 ist, wird von einem Hafen des Mittelländischen Meeres auf einem Schiff der Vereinigten Staaten nach Palästina gehen und wird sogleich damit bcginnen, den Typlms, die Cholera und andere epidemi'clic Krankheiten zu bekämpfen, die in Palästina sowohl unter der jüdischen wie auch der arabischen Bevölkerung herrschen. Durch den Bedarf an Acrzteil 1111 türkischen Heeresdienst ist augenblicklich Mangel an Aer/tcu in Palästina (verg'l. jüdische Rundschau Nr. ■17 unter ״Aus Palästina“). iXr Dampfer der Vereinigten Staaten, der mit den .Medikamenten nach Palästina gehen soll, muH die französische und englische Blockade längs dei sv rischen Küste passieren. Dadurch ist es erlördertich, die Einwilligung aller in Präge kommenden HegiiTiiiigt n zu erlangen, damit das I lilfsschiff ohne Belästigungen passieren kann. I's werden mindestens 25 (DÜ Dollar für die Zwecke der Acrztc-Lxpcdition nötig sein mul die Spenden hierfür werden jetzt gesammelt. Schatzmeister dieses Ponds ist Frl. Sophia Berger, die auch Schatzmeister der lladassali ist. Die Vorsitzende der Had.assah ist frl. Ilcmactt.i S z 01 d. Line Anzahl freiwilliger Spenden ist bereits bei der Zionistischen Organisation, New-York, •I I Last 23. Str. eiiigegangen, Anbahnung einer Verständigung zwischen den Zionisten und der ״Volksgruppe“ in Warschau Schon seit geraumer Zeit machte sich in den nationalen Kreisen der polnischen Judcnheit eine Stimmung geltend, Wege zu finden, um die schudliehe Spaltung zwischen den Zionisten und den Mitgliedern der jüdischen Volksgruppe zu beseitigen. Die Wahlen zu den Stadträten in der polnischen Provinz und die neugeschaffene ernste politische Lage im Lande lieben eine Verständigung der mit ionalen Parteien im polnischen Judentum zum Zwecke der gemeinsamen Verteidigung der bürgerlichen mul nationalen Forderungen der Juden Polens als änderst wünschenswert erscheinen. Wie der ״Haint“ mitteilt, fand am Donnerstag, dem 23. November, im Lokal des ״Hasamir" in Warschau eine Beratung der zionistischen Ratmänncr Farbstein und Seidemann mit den Ratm,innen! der Volksgruppe P r ilutzky und Efron und anderer Vertreter beider Parteien statt, die eine Kommission von 9 Personen zur Ausarbeitung eines Vcrcinigungs• Projektes wählte. Wie der ״Haint“ hinzufügt, darf die Verständigung im allgemeinen als Tatsache betrachtet werden. Zur Judenzählung Der Ausschuß des Verbands der deutschen Juden verbreitet die Nachricht, daß ihm von durchaus zuverlässiger Seite mitgeteilt worden sei, daß ein Erlaß des neuen Kriegsministers ergangen ist der sich gegen jede Ausdeutung des bekannten Erlasses vom Oktober d. J. im antisemitischen Sinne wen- Die Landspende für Palästina Die Kolonisierung Palästinas durch jüdische Landarbeiter,'die im letzten Jahrzehnt mit immer steigendem Erfolge durchgeführt wurde, wird in ihrer großen Bedeutung von allen jüdischen Kreisei! erkannt und anerkannt. Die Weltcreignissc habe״ jedem Jude״ das ״Land der Väter“ wieder in lebendige Erinnerung gebracht; mehr denn je fühlt er die Pflicht, die Entwicklung unserer palästinensischen Siedelungen nach Kräften zu 11i11crstiitz.cn. Eine solche Hilfe erscheint gerade jetzt um so dringender, als sich für seiir viele unserer östlichen Brüder, die ihr l iab und Gut verloren haben und in furchtbarstein Elend dnliinlcbcn, eine Aiisicdlung in Paliistina und damit eine Erlösung aus aller Not erreichen lallt; mehr als durch alle noch so gut gemeinten Wohltatigkeitsbcstrebungen wird liier geleistet, wenn möglichst vielen dieser Entwurzelten in Palästina die (irnmllagc zu einem neuen Lehen geschaffen wird, z.11 einer auf gesunder Arbeit in Feld und Garten beruhenden Existenz im Lande der Väter, das nie aufgehört hat, das Ziel jüdischer Sehnsucht zu sein. Au dem Ausbau der bisherigen Kolonisation in Palästina hat der Jüdische Nationalfoiul den weitaus größten Anteil. Er hat seiner Bestimmung gemäß bereits bedeutende Summen dafür anfgewendet, durch seine Wirksamkeit sind eine stattliche Reihe jüdischer Bauerndörfer, Pflanzungskoionien und I armen entstanden, die sich wachsenden Wohlstandes erfreuen und einen sicheren Grundstock für die neue jüdische Siedhing bilden. Dennoch ist aber das Ausmaß des von ihm erworbenen Bodens ittt Vergleich zu seiner 1111 g c 11 e u ren A u f g a b e noch recht gering, er bedarf ganz erheblicher neuer Mittel, um ein wirklich großzügiges fruchtbares Werk der Erneuerung zu leisten. Daher richten wir an alle ■unsere Brüder, die glücklicherweise nicht wissen, was cs heißt, vom 'heimatlichen Herde vertrieben zu sein, die Aufforderung, unsere Land spende fUr Palästina nach Kräften ztt unterstützen. Die eingehenden Spenden werden nach einem auf («rund langjähriger Erfahrungen aufgcsteliten Bcsiedlungsprogra m m verwendet, das von maßgebenden Fachleuten als richtig anerkannt ist. Für jede Spende von 40.— Mk. kann der Nationalfond einen Dunam Land, das in Palästina übliche Bodenmaß (Ö2ü qm oder etwa Morgen) erwerben. Auf den Ländereien sollen An-• sietllerfamilien dörferweiso zu I limdcrtschaftun zusatumcugeschlosseu werden, um in ihrer Ko- Ionie Getreide, Gemüse und Batimkulttiren anzubauen. Getreu dem Grundsatz des Nationalfoiuls: ״Nicht Almosen, so ״ d c r n S c h a ff tt n g von A r b c i t s m ö g 1 i c h k e i t c 11“ wird das Land den einzelnen Familien «licht als Gcschenk, sondern in Erbpacht übergeben, d. 11. jede Familie bat vom Ertrage ihrer Wirtschaft jährlich eine entsprechende Abgabe zu entliehteil, wofür Land und Baulichkeiten dauernd in ihrem Besitz bleiben. Wenn es 1ms gelingt, in kurzer Zeit die Mittel zur Errichtung neuer Dörfer aiif/nbringen und fortlaufend immer neue Hundertschaften jüdischer Arbeiter auzusiedclii, dann wird die Landspende des Jüdischen Nationalfonds die neue Zukunft des jüdischen Volkes mit heraufführen helfen und sozial wie kulturell' den größten Segen stiften. Aber nur wenn dieser Spende wirklieb namhafte Summen zufließen, kamt unser Vorhaben ztt einer fruchtbaren Tat werden. Darum fordern wir nochmals alle Freunde des jüdischen Nationalfonds auf, dieses Werk der Erneucrung nach Kräften zu fördern und unsere La n d s p e 11 d e möglichst freigebig zu bedenken. Wer das Geld für einen Dunam Land, also 40.— Mark stiftet, soll als Spender in ein vom׳ Nationalfond für ewige Zeiten zu führendes Katasterhuch der Kolonie eingetragen werden, lieber die eingehenden Beträge wird in der Jüdischer. Rundschau öffentlich quittiert. Jeder gedenke unserer Lundspende! jüdischer Nationalfond Zentrale für Deutschland dei umi klarsten!, daß jede Bceintrüclitigung jüdischer I lecresangelniriger dem Zwecke jenes Erlasses widerspricht. Her bayerische Kriegsmiiiister empfing am 22. Novcinbcr, wie ״Bas Jüdische. Echo“ initteilt, eine Abordming der Münchener und Nürnberger jüdischen Gemeinden. Sie berichtete über die hochgradige Errcgimg, die die Anordnung der Zählung der jüdischeu 1 lecrcspt'lichtigeu sowie die Art ihrer Durchführiing hei den Juden an der Front mul im Heimatgebiete hcrvorgenifen habe. In seiner Erwiderung betonte der Minister, die Tendenz, des Erlasses richte sieh nicht gegen die Juden, er bezwecke vielmehr Beschallung von Unterlagen, um den Anschuldigungen gegen die jüdischen I Iccrcspflichtigcn entgegentreten zu können. Er erklärte weiter, nach wie vor auf dem von ihm im Vorjahre im Landtag eingenommenen Standpunkt zu stehen, wonach er hei den Soldaten keine Konfession, sondern nur die Pflichterfüllung keime und würdige. In Ucbercinstiminung hiermit werde er eine andersartige Auslegung und Anwendung des Erlasses nicht nur im Interesse der Juden, sondern im allgemeinen vaterländischen Interesse nicht dulden. Demnach scheint die Jiulcnzählung entgegen der Erklärung eines Redners in der bekannten Juden:• zähluiigsdebattc des Reichstags auch in Bayern durchgeführt zu werden. Zum Tode des Kaisers Franz Joseph Das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs, verstärkt durch eine reiche Zahl von Vertrauensmännern aus Galizien mul der Bukowina, hielt am 23. d. M. anläßlich des Ablebens des Kaisers Franz Josef eine Tmuerkundgebting ab. In einer tiefempfundenen Ansprache, die von der Versammlung stehend angchört wurde, gab Präsident- Stellvertreter k, k. Reiehsratxrcvisor Rudolf T a u s S i g den Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit Ausdruck, die die Juden Oesterreichs dem dahingegangene*! edlen Monarchen als dem Erlöser der Juden aus den unwürdigen Zuständen des Vormärz, als dem Bringer der staatsbürgerlichen Rechte und der Olcich. steHm1(׳ der Juden mit allen übrigen Staatsbürgern des Reiche« für alle Zeiten entgcgcnbrtngen. Das Exekutiv-Komitce sandte nachstehendes Telegram in an die Kabinettskanzlei: ״Kabinettsdirektor Exz Frh von S c h i e ß I, Hofburg Wien. Das Exckutiv-Koinitee der Zionisten Oesterreichs bittet den Ausdrude seines tiefstgefühlten Schmerzes und der innigen Gefühle der Trauer oh des Dahinganges des heißgeliebten Kaisers und Herrn an den Stuten des Allerhöchsten Thrones niederlegen zu dürfen. Die Juden Oesterreichs beweinen in dem dahingcgangenen, treugelicblcii Monarilien ihren Relieier aus unwürdigen Zuständen, den Spender der Staatsbürgerliehen Rechte, den Bringer ihrer Oieichheit vor aom Gesetze, ihren allzeit gütige״ Schirmer und Schützer. Für das Exekutivkimiitce der Zionisten Oesterreichs: Dr. Karl Pollak, Adolf Stand, k. k. Reichsratsrevisor Rudolf T a u s s i g. Anläßlich des Todes des österreichischen Herrschers schreibt die zionistische Prager ״Selbstwehr“: ״Mit tiefster und schmerzlichster Empfindung steht iinter den anderen Völkern seines Reiches das jüdische, das Volk tausendjährigen Leides, an der Bahre des Leidensfürsten und gütigen Herrschers, der cs stets mit huldvollem Wohlwollen bedachte, und in ״ wehmütiger Trauer verneigen wir uns vor der Größe und dem Adel des Kaisers, unter dessen zahlreichen Vorzügen und erlesenen Eigenschaften die Gerechtigkeit allen seinen Untertanen gegenüber die leuchtendste war. Stets hatten wir jüdischen Bürger des Staates das vertrauensvolle Gefühl, in Kaiser Franz Joseph einen väterlichen Freund und liebevollen Herrscher zu besitzen, einen Rückhalt in mancher schweren Zeit. Sein Name wird unvergängliah und für alle Zeiten in uns weiterleben.“ Aus Palästina (Neue Opfer) Ohne nähere Angabe der Todesursache berichtete die ״Hachcnit“ vom Tod des jüdischen Ar* beiters Mcnacliem Steinmann aus Polen, eines der treuesten Mitglieder des ״H a p o e I h a z a i r“. Dieselbe Zeitung meldet das Dahinscheiden des Fabrikbesitzers in Jaffa Herrn Jakob Papo. Geboren in Jerusalem als Sohn einer alten ehrwdirdigen Kabbincrfatnilie, war der Verstorbene einer der wo nigen und ersten dieser Kreise, der sich in den Dienst des neuen Jischuws stallte. Zwanzig Jahre lang leitete der Verstorbene die Wcinkclterci von Rischon-Ic-Zion, bis die Kelterei aus der Rotscbildadmmistration in den Besitz der jüdischen Kolonisten überging. Zuletzt war er Besitzer einer Maschinenfabrik in Jaffa, an der er ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigte. Der Verstorbene stand im Alter von 52 Jahren.