Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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HC11 rler Verordnung über die (>r«;1״isotio״ der jüdischen Reü^ioiis^eseilsi hoft im (ieueralgouveriieincnt Warsdian. Antisemitische Beschlüsse in Lublin Wie in Warschau rieten aiieli im östcrrcichif.ehcn okkupierten Gebiet die bevorstehenden Wahlen zu den Sladtriitcn eine lebhafte Wahlkampagne hervor. Im Untersdiicd von Wnrseliau, wo die IV)len während der Wahlen eine wohlwollende Haltung der Juden zu gewinnen suchten,!scheint hier die antiseiniti- Still׳ rendeit/, auch während der Wahlkampagne sich nicht /urtkkilräiigeii /u lassen. Die jüdischen Zeitunken bringen den Bericht der ,,Z i c ttt i a L u h e I s - 14 a" über eine grolle Vorwahlversammhmg in Luhlint, an der sich die Vertreter der 12 Arhcilcr/cchcii, der 2 Klubs, der 5־ Wahlkomitees, dc< Konsistoriums, des Aufsiditsrats am Ltihlincr Magistrat, ferner die Redakteure der beiden Lubliner Zeitungen (,,Ziemia Lulniska“ tnul ,,Glos l.uhelski“), die Leiter der Lehrergcscllsehaft, der Haiidc'sgc ■ei s halt, der Bibliotheken, des Hausbesitzervercins, der Gesellschaft der Acr/te, Apotheker, Techniker, Büroaugcstellkm, des Ztickervcrh,indes und s!listiger maßgebender Institiitioiieu beteiligt hatten. Nach dem Beschluß, ein Zentralkomitee von 3t) Personell zu wählen, das all diese Ciescllschaftcn und Körperschaften repräsentiert, wurde die Krage der ״Bewahrung des polnischen Charakters vor dem Einflüsse fremder Elemente“ aufgerollt. Die Meinung aller Redner ging dahin, daß ein^Compromill mit den Juden jeden Sinnes entbehre. Am Schlüsse der Vtr-ammlimg wurde die Frage gestellt, ob es erlaubt sei, einen Kandidat aufziistclleii, der einmal sein Besitztum in der Stadt einem Juden verkauft hat. Dieser Frage wurde eine zweite angefügt: ״Darf das Komit e e einem Polen vertrauen, der e i 11 e 111 jüdischen 11 :1 n d werter z u v c r d i c n c n gab, dem polnischen Handwerker zum Schaden?“ Diese beiden Fragen wurden von der Versammlung einstimmig im j u d c n f c i n d I i ehe n Sinne bcantwortet. Von den 5 Kurien, in die die Wähler Lublins eingetcilt sind, hätien die Juden in der zweiten Kurie, die aus Kauflenlen besieht, am meisten Aufsicht gehabt, die Wahl eines Kandidaten durchzuführen. Den polnischen Bemühungen gelang es aber, durchzusetzcn, daß die Hausbesitzer, die vorsehril'tsgcinäß der tiritten Kurie angehören sollten, als K.uillcutc bezeichnet und in die zweite Kurie versetzt wurden, Vertrauensmännerversammlung der Zionisten Oesterreichs Am I I. und 15 November I, J. fand in den Räumen des Zionistischen Zentralkomitees in Wien eine auch aus Galizien und der Bukowina 7-ab!reich besuchte Vertraiiensmäiinerversammlung der Zionisten Oesterreichs unter Vorsitz des Präsidenfeu-Stellvcrtreters, k. k. Keichsratsrevisors Rud. T aussig statt, bei welcher das Mitglied des E. Ä, C״ Dr, Arthur tlantkc, ausführliche Referate über die Verhältnisse in Russisch-Polen sowie in Palästina, wie auch über die allgemeine Lage der zionistischen ürganisation erstattete. Präsident Adolf Stand referierte über die durch die Neugestaltung der Verhältnisse in Oaüzien geschaffene Lage. benetzt inan verwitterte Steine mit Tränen und Modim fordert und mahnt . . , Nach Modim geht die Jugend. Es sind neue Dörfer hiiizfugekommen: Scdschcra, Merchawja, Dagania, Kinncrcth, Miichamia . . . Neue Namen, neue Gräber. Lin Zeichen, daß ein neues Leben anhebt, durch gesunde Menschen mit freiem Herzen, starkem Willen, die das Leben lieben ohne ein Warum und im Kamp! zu fallen verstehen. Es beginnt ein mystischer Bund zwischen Modim und Sedschera, zwischen den Zeloten von ehedem und den Wächtern von heute. Ein neuer Abschnitt in unserem nationalen Leben beginnt. 1 Einzelne Oefallene. Aber keine vereinzelten Auserwählten. Solche müssen sein und solche sind jü* disclie Arbeiter in Palästina. Das Golus hat in ihnen eine Unzufriedenheit geboren, eine Unruhe erweckt und in Palästina haben sie eine Befriedigung gesucht. Gesucht und gefunden. Kampf war ihr Leben — Kampf war ihr Tod. ihr Leben und ihr Tod sind darum ein Symbol für das ganze Volk . . . Der Tod dieser neuen jüdischen Helden ist der L e b c n s rof an das ganze jüdische Geschlecht von heute. Der verstummt« Akkord unserer Volksmelodie ist wieder erklungen. Das Volk, das in den Oolus zog; heiligte die Namen seiner Märtyrer. Das Volk, das den Oolus zu verlassen beginnt, wird den Taten seiner Helden nacheifera. An diese Reu rate schloß sieh eine lebhafte Dis- Mission, die als Resultat folgenden einstimmig gelallten B c s e 11 111II ergab: ״Das Exekutivkomitee der Zlonisten Oesterreichs wird beauftragt, aile notwendigen Schritte dahin zu unt e r u e h m e 11, daß hei der Neugestaltung der Verhältnisse in G a I i z i e n d i e R e c h - t c der Juden als einer gesonderten nationalen Gruppe in vollstem Maße berücksichtigt werden. In erster Linie ist die Errichtung einer nationalen Kurie (eines nationalen Katasters) zu f o r d c r 11." Die Verlrmieiismänncn ersaiumliiug votierte schließlith dem E. A. C., sowie iiisbesondcrs der unermütfliclieu Tätigkeit des )lernt Dr, Hautke für die bisherige Führung der zionistischen Organisation einstimmig Dank und Anerkennung. Russische Verleumdung Die antisemitische ״Senistschinn“ vom PI./27. Septendier bringt unter der Ueherschrilt ״Aus offiziellen Quellen“ eine Anzahl Berichte über verräterische Taten der Juden. So wird unter vielen anderen Geschichten erzählt, wie am 15, August vorigen Jahres ein Jude aus dem Dorfe Borisowka deutsche Truppen auf einem Waldwege in den Rücke״ einer russischen Kompagnie führte, die von den Deutschen gänzlich vernichtet wurde, (Ans den Angaben der Bauern des Dorfes Sa gor je, Gouvern, Grodno.) Ein anderer Bericht schildert, wie eine Jüdin im Dorfe Sa mar ja, Gouvern. Wolhynien, den Deutsehen einen verwundeten Kosaken angczcigt hat, der dann von diesen getötet wurde. Als die Bauern nach Abzug der Deutsche 11 ihr Vorwürfe machten, antwortete sie: ״Wartet, das gleiche Schicksal wird auch bald euch treffen." Auch über die Haltung der Juden in feindlicher Gefangenschaft ihren russischen Mitgefangenen gegciiüber werden ähnliche Verleumdungen erzählt. Die jüdischen Gefangenen mißhandeln laut den einstimmigen Berichten entwichener Kriegsgefangenen die russl• sehen, denunzieren sie forbviihrend an die Deutschen, die sie deswegen hart bestrafen; auch verraten sie es, wenn sic entdecken, daß ein Russe flüchten'will. Der ״Nowy Putj“ schreibt über diese antisemitische Agitation der ״Scmstscliina“: ״Diese Mitteihingen ״ ׳aus offiziellen Quellen“ könnte man in den Papierkorb werfen, wenn wir nicht die Erfahrung von Kusclii und Marianipol hätten . . . EHe Insiniialionen der ״Semstscliira“ genießen die Aufmerksamkeit der einflußreichen Sphären . . , Die Juden befinden sich jetzt ״im Lager der Feinde“ Im buchstäblichcn Sinne des Wortes. Und die Feinde warten mir den Augenblick ab, um den Juden die entschcidemle Schlacht und den Todesstoß zu versetzen. Zu diesem Schlage bereiten die ״R u ß k o j e S n a m j a" und die ״S c 111 s t sch i na“ ihre zum Olück nicht sehr zahlreichen Kadrcs vor.“ Aus Palästina (Das Jüdische Krankenhaus Schaare Z i o n i n Jaffa) Das Krankenhaus Schaare Zion, das zu Beginn des Krieges infolge materieller Schwierigkeiten seine Jiskor! Aber nicht zum Himmel gerichtet, sondern an das lebendige Volk; nicht in die vier Wände des Gotteshauses bei brennenden Scclenlichtem eingesperrt, sondern in der weit zerstreuten jüdischen Welt bei der hellen Sonne des jüdischen Befrciungs• kampfes; kein Gebet, sondern ein Aufruf. Jiskorl Das jüdische Volk möge eingedenk sein, wie jüdische Arbeiter gelebt haben und gefallen sind. Kinder des Volkes waren sie: der jüdische Bohemien aus Odessa, der Kaufmann aus Poltawa, der Schneider aus Tcmir-Chan-Schura, der Setzer aus Jerusalem und der Farmarbciter aus Kalifornien, Sic wollten sich aber nicht mit dein Verdienst der Eltern bcgnügen, sondern versuchten selbst zu arbeiten und zu schaffen, zu leben und zu genießen. Sie haben keine Heldentaten verrichtet, aber die Fahne der Arbeit und des Lebens haben sie erhoben und im Kampf für das Leben den •Tod gefunden. Das Andenken dieser Helden möge ki jedes jüdische Haus dringen, in dem •ich eine Golussccle quält und peinigt, und in ihr eine Sehnsucht erwecken, eine Oicr nach anderem Leben. Es möge die Schwachen im Volke stärken und sie ermuntern: wie diese Helden können alle Min, müsse» alle sein. Es beginnt ein neues jüdisches Leben der Arbeit. Wo Arbeit ist, ist Kampf; wo Kampf ist, •ind Opfer nötig. Ea fließt das jüdische Heldenblut auf dem Boden des nationalen Arbeitaheim* uad schreit von der Erde: ״Möge da■ jüdische Volk eingedenk •eia“ . . . Tätigkeit fast hätte einstellen müssen, veröffentlichte vor kurzem einen Bericht aus dein hervorgeht, daß die Zahl , der Kranken, die wahrend der ersten 18 Kriegsmonatc Aufnahme fanden, 315 beträgt. Die Zahl der Tage, an denen die Patienten im Hospital behandelt und gepflegt wurden, beläuft sich auf 5(188. In der Wöclinerinncnabteihing wurden 31 Frauen entbunden. Die Zahl der Patienten, die außerdem von diesem Krankenhaus untersucht und behandelt wurden, ohne dort nufgcnorninen zu werden, beträgt mehr als :3600. Mehr als 1200 ,verscliicdcnc Arzneimittel wurden an Arme kostenlos abgegeben. Aus den! amerikanischen Hilfsfond hat das Krankciihatis 15 OHO Eres, erhallen, außerdem ein erliebliches Quantum von den Lebensmitteln und Medikninentcn des ״Vulkan“. Aus anderen Hilfsfonds erhielt die Anstalt 230!) Frcs. Eines der neuen Opfer des Flecktyphus in üaliläa war der jüngst verstorbene 52 jährige Ahron J o h a r li k in Safeil, einer der treuesten Gemeindefürsorger, der seine Zeit und Energie der öffentlichen Wohlfahrt und den modernen hebräischen Erziehung*־ anstaltcn Safeds widmete. Wie ״Hachcrut“ kon>tatiert, war, wie in vielen Fällen, auch in diesem der Mangel einer ärztlichen Hilfe an seinem schnellen Dahinscheiden schuld. * Die hebräische Realschule in Haifa, die 3 Vorhercituiigsklassen und 5 Schulklassen zälilt, eröffnete ihre 6. Klasse. Trotz, der ungünstigen Zeitverhältnisse entwickelt sich die Schule und nimmt an Popularit.it und, Beliebtheit zu. Die Zahl der Schüler bcträgt 140. In letzter Zeit beginnen auch sefardische und orthodoxe Kreise ihre Kinder in diese Schule zu schicken. Auch der Gesundheitszustand der Schüler, dem gegenwärtig besondere Sorgfalt zugewandt wird, ist merklich besser geworden. Die Schule hatte nur 3 *T yplmsfiillc zu verzeichnen. Dem Wandcrverein, den die Zöglinge der Realschule gegründet haben, schloß sich auch die außerhalb der Schule stehende Jugend der Stadt an, ״Neue Jüdische Monatshefte“ Als die Neuen Jüdischen Monatshefte, von denen nun drei I leftc vorhegen, ins Leben traten, wurde neben mancherlei Genugtuung über das Erscheinen einer neuen jüdischen Zeitschrift in lXutschland, die sich jüdischen f ragen mit Ernst widmen will, auch manches Bedenken geäußert, das aus dem Progranun der neuen Zeitschrift und der Zusammenset/ung seiner Herausgeber entsprang. Das Progranun der Neuen Jüdischen Monatshefte verhieß den Versuch, zwischen den verschiedenen jüdischen Richtungen im deutschen Judentum auf dem Weg publizistischer Auseinandersetzung und Klärung eine Verständigung anzubahnen. Dieser Versuch veranlaßte zum Beispiel das Frankfurter Israelitische Lamilicnblatt, dem Bedenken Ausdruck zu gehen, daß er ״die Gefahr einer verschwommenen unklaren Kom* promiBpolitik" bedeute. ״Der hier unternommene Versuch einer Verständigung", schrieb das Frankfurter Israelitische Familienblatt, ״wäre von vornherein verfehlt, ja schädlich und gefährlich, wenn er zu solcher Kompromißlerci führen sollte, wenn er die Klarheit und Reinheit der Prinzipien, die das nationale Judentum vom assimilatorischen, das traditionelle vom reformcrischcn trennen, irg«11dwie trüben und den Typus eines verschwommenen, unklaren,!unwahren, sogenannten ,guten‘ Juden großziehea wollte . , . Gerade für ein Volk, (das vor der Entscheidung über seine nationale Zukunft steht, wie das jüdische, ist dieser laue, undefinierbare Tvpus doppelt schädlich. Alle Verständigung innerhalb des Judentums kann nur auf einer klaren Betonung der Gegensätze und Differenzen beruhen, die die verschiedenen Richtungen voneinander scheiden, und muß in der Erkenntnis wurzeln, daß cs trotz dieser Gegensätze und über sic hinaus gewisse Fragen und Aufgaben gibt, in denen ein einiges und geschlossenes Vorgehen nottut“. Diese sehr ernsten Bedenken, deren Berechtigung wohl außer allem Zweifel steht, dürften nicht nur durch das Programm der Zeitschrift, sondern auch schon durch den ersten Aufsatz des ersten Heftes hervorgerufen gewesen sein, den Dr. Eugen Fuchs, einer der Herausgeber der Zeit• schrift, ״zur Aussprache“ beisteuerte, und in dem er in einem schätzbaren und gleichmäßigen Wohlwollen die verschiedenen jüdischen Richtungen zur gegenseitigen Versöhnung mahnte. Daß dabei an die Fehde zwischen Zionisten und Zentralverein er• innert wurde, war recht löblich, da den wirklichen Kennern der Entwicklung ja •ehr wohl bekannt ist, daß zum Beispiel die berüchtigte Inseratenhetze nicht gerade auf zionistischer Seite ihren Ursprung hatte. Etwas weniger verbindlich war der gleichzeitige Hin• wei* •uf die Fehden, der Zionisten unter »ich. Diese