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Jüdische Rundschau · 1916-11-17 · Heft 46 (17.11.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 46 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 378 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46 weil die hygienischen und sozialen Verhältnisse, der Stadt seit einem Jahrhundert unerhört vernächlässigt sind. Die Finanzen der Stadt sind in der größten Unordnung, die Organisation der Nahnmgsinittclversorgung ist höchst mangelhaft —'aber das sind nicht die Fragen, die jetzt dringlieh sind: jetzt muH das jüdische Volk in seine Schranken gew iesen und beschimpft werden, lind immer mein־ stellt sich heraus, daß die Polen ihre neue Selbstverwaltung in erster Linie hetrachten als das ihnen bis jetzt fehlende Instru- (ment, den Jtidenboykott, der vor dem Kriege doch immerhin nur ein privates Kumpfmittel darstellte, zu einer amtlichen Linrieht 1mg zu gestalten. Und dies geschieht in derselben Stadtverordneten - Versammlung in :Warschau, von der die Polen bei ihrer Wahl behaupteten, dali sie bis zur Wahl einer allgemeinen Volksvertretung sozusagen den polnischeu Reichstag vorwcguchme. Darum verlangteil sie auch von den Juden, dali sie nicht die 40 Vertreter hinein entsendeten, auf die diese nach ihrer Volksziffer in Warschau Anspruch hatten und die sie auch hätten durchsetzen können, sondern nur gemäß dem Prozentsatz, der ihrer geringen Volksziffer im ganzen Lande entspricht. Und die Juden, die immer noch glaubten, dali sie mit den Polen zusammen am neuen Polen arbeiten könnten, haben diesem Wunsch ent- Sprüchen, und jetzt haben sie die Quittung. Ls ist klar: die Polen wollen die Zertrümnicrmig des jüdischen Volkes in Polen. Es palit ihnen nicht, dali ein Volk von zwei Millionen unter ihnen wohnt, das nicht ihres Volkes ist, und da es ja unmöglich und ausgeschlossen ist, dali die Juden polnischer Nation werden ♦ (eine Möglichkeit, die auch die Polen keineswegs zulassen würden), so soll das Volk zerstört, versklavt, zur Auswanderung gehetzt werden. Es liegt nicht an den Juden, wenn es soweit gekommen ist, mul die Vorgänge im Warschauer Stadtrat haben deutlich gezeigt, welcher politischen Entsagung die Juden fähig sind, um nur den Polen ihren starken Willen zur gemeinschnftlichen Zusammenarbeit zu zeigen. Aber es gibt keine Gnade bei den Polen für die Juden. Und wenn nicht von vornherein Maßregeln getroffen mul Garantien geschaffen werden, dann welle dem unglücklichen jüdischen Volke in Polen! Dieses war es, was wir von der Neugestaltung der Verhältnisse erwarteten: daß Garantien geschaffen winden, die das Recht der nationalen Minderheit gegenüber dem polnischen Nationalismus gewährleisteten. Ls handelt sfch ja nicht nur um die Juden. Schon im General- Gouvernement leben ja auch eine halbe Million Deutsche, und was Galizien aulangt, so wehren sich die Riitlienen nicht grundlos so verzweifeit gegen ihre Auslieferung an polnische Einsicht und Gerechtigkeit. Die Verordnung wegen der Bildung eines Staatsrates und eines Vereinigten Landtages im Königreicli Polen enthält fast nichts von diesen Garantien. Wir wagen nicht zu fürchten, daß es wohlerwogene Absicht der deutschen Verwaltung gewesen ist, die die Einfügurig dieser Schutzmaßregeln versäumte. Wir hoffen, wir erwarten, nein wir verlangen, daß jetzt noch die Sicherheiten geschaffen weiden, die den nationalen Minderheiten in Polen ihr Recht, ihre Lebensmöglichkeit verbürgen, Organisation der jüdischen Religionsgemeinschaft im Gouvernement Warschau Die dicswöchentliche Ausgabe des aintlidien Organs des Generalgouvernements in Warschau wird eine Verordnung, die Organ i s a t i o 11 d c r j ü d i s c 11 e n R e I i g i o n s g e - Seilschaft im Generalgouvernement .Warschau betreffend, enthalten, durch die die Juden des Generalgouvernements Warschau als Re I i gio«s ge sc 11 sch a f t öffentliehen Rechtes zusammengefaßt werden. ׳Wir werden in der nächsten Nummer die für die Zukunft der polnischen Judejihcjt bedeutungsvollen Bestimmungen dieser Vcrord- »vung veröffentlichen. Aus dem österreichischen Okkupationsgebiet Zu den Stadtratsw«hier» Die• Vrrlrcicr der jüdischen (ienieimlevfnval- Hingen in 1.11 bl in, R a d o 111, Kielte und Pctri kau i.h, rrc, eilen dem ö־-|erre.chis.I1-1.ngarNcitcn Gouverneur 111 Lublin ein Memorandum über die Wahlvcnudimngcn für die Ssadträ'iC. ,,Die Statuten der städliselieii Selbstverwaltung", heißt es in dem Memorandum, ,,sind für die jnd.sehc Bevölkerung ein leuchtender Hofinmigsstrahl für die Zukunft, da sie keine engherzigen Beschränkungen für Angeliürige einer anderen Religion enthalten und die Juden melit als (iiirger zweiter Klasse bclinndeln.“ Die Durchführung dieser Statuten sei aller von den Wahlbestimmmigcn abhängig. Leider sei ke.n einziger Vertreter der jüdischen Ocfl'eutliclikeit bei der Festsclzimg dieser Wahlordnung lieiragt wurdtn. Andererseits hätten die Zeitungen Mitteilungen über manche ünmdlageii der Wahlordnung gekracht, ״die mit den auf den Prinzipien der Gerechtigkeit bcruhenden I loffmmgeii der jüdischen Bürger in kraßem Widerspruch stehen,“ Das Memorandum unterbreitet daher dem Gouverneur die Bitt«, daß die!Wahl• ordmmg so durchgeführt werde, dali sie die eiemenlaren Reehle der Juden nicht all fliehe. Ls verlangt, daß die Wahlen in der ersten Kurie ,nicht propo!(ionell sizieii, damit auch die jiid'schcn Träger der liberalen Berufe, die den russischen Bi dmigsbeschrankmigcn zufolge eine kleine Minderheit darstellen, aber die Lage und Bedürfnisse der Volks* «nassen gut kennen, vertreten seien. Dabei sollen auch die Zahnärzte und Absolventen der Warschauer Handelshochschule von Kronvnberg zu der ersten Kurie gerechnet «erden. Pur die Anerkennung der polnischen Staalszugehürigkcit soll nicht der Oft der Gehurt, sondern der Wohnsitz, seit dem l*t. Lc* bensjabr ries Betreffenden maßgebend sein. Im I laiiptwalilkomilee, das inner der Aufsicht der Okkupationsmacht steht, wie auch 111 den Examinations« kommissionen, die die Kenntnis tler polnischen Sprache zu prüfen haben, sollen auch die Juden Proportionen vertreten sein. Das Memorandum ver• langt auch, daß diejenigen, die vom Kriegsliilfskomitec Unterstützung erhalten, nicht daduich, wie es geplant wird, ihr Wahlrecht verlieren, Das Memorandum schließt mit vier Versicherung, daß all diese Forderungeil nicht etwa aus dem Willen nach Absonderung, sondern aus dem heißen Wunsch eines friedlichen Zusammenlebens mit den Polen entsprungen seien, wie es die soeben abgelialteucii jüdischen Konfereuzcii in Radom und Petrikau bezeugen und nur das eine Ziel b itten, die ״in den Statuten verkündeten Prinzipien der Humanität und Gerechtigkeit auch auf die Juden aiis/udchuen." Zionistischer Distriktstag in Böhmen ׳ Am Mittwoch, den 1, November P)1b, fand in Prag der Disirikistag der böhmischen Zion sten statt. I lerr Friedrich M a 11111 c r eröffnete als Distriktsobmaun die Tagung und begrüßte die Delegierten und Gäste. Sodann hielt Herr Ernst Bechert eine Begrüßungsansprache, die er mit herzlichen Worten des Gedenkens für die auf dem Felde der Ehre gefalleiien Gesinnungsgenossen schloß. Herr Prof. Viktor Freud verlas die emgegangenvn Begrü- (hingen, darunter ein Telegramm vom Z i o 11 i s t i - selten Aktionskomitee und dein Wiener Zionistischen Z e n t ra I b u r e a 11. Der erste Punkt der Tagesordnung war die Erstatlung des Rechenschaftsberichtes, der nach kurzer Debatte einstimmig genehmigt wurde. Es wurde einstimmig beschlossen, Herrn Friedrich Mautner zum Zeichen der dankbaren Anerkennung für die Leitung des Distriktes ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eiuziitragen. Dem Obmann und dem Distriktskomitee wurde Dank und Vertrauen ausgesprochen. Nach Entgegennahme des Berichtes der Revisoren wurde der Kassenbericht einstimmig genehmigt. Folgende Kandidaten wurden für die Neuwahl in Vorschlag gebracht und nach längerer Debatte per Akklamation mit allen gegen eine Stimme angenommen: als Obmann Ing. Hugo Slonitz, als D.K.-Mitgliedcr die Herren: Friedrich Mautner, Albert Bob a sch, Filipp Lebenhart, Dr. lelix Kornfeld, JUC, Ernst Desensy und Frl, Nolty Thicbcrgcr. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Max Saudck, Kolin, Moritz. Bauer, Prag. Nach den Wahlen erstattete Herr Friedrich Mautner ein eingehendes Referat Über den Ausbau der Organisation. Das Referat gipfelte in der Forderung nach Schaffung von Büros-frei den großen Vereinen mit angestellten Sekretären. Herr Lrnst Bechert erklärte in der folgenden Debatte die$e Einrichtung in den Provinze ere m־n für nicht nut g, ist aber für die versuchsweise Einführung e.mi Sekretariateg in l'epliiz Schönau. Herr Prof. J. Wert- 11 e i 1111• r wies darauf hin, daß von böhmischen Vereinen nur Kolin vertreten ist. Er beantragte, das neue Distrikts-Komitee möchte der Aibc.t in dem tschechischen Sprachgebiete große ,Aufmerksamkeit ziiwri״•)!״. Herr big. Slonitz In(ürworliD die Schaltung von Sekretariaten, die erst die dringend notwendige Erweiterung des Arbeitsgebietes der z.oni. *tischen Organisation aut alle jüdischen Angelegenbeiten ermöglichen werden.-».. Herr I >r. Hermann Hirsch beantragte, daß cm Sekretariat eiligerichtet werde, um den Zusammenhang mit der größeren jüdischen Oeffcutlichkcit und den Kultusgemciiulcn zu lieben. Herr Louis Schiff meinte in Besprechung lokaler Verhältnisse, daß ein Sekretariat in Aussig vorlätilig nicht errichtet werden könne. Herr Dr. Epstein, Amati, beantragte, man möge jedem Zionisten eine bestimmte Arbeit zuweisen. Der Wirkungskreis sei bis jetzt viel zu klein, es arbeite nur das Distrikts-Komitee. Er sprach über das Wesen des Zionismus und forderte ein positives Kultusgcnieindeprogramm. Herr Dr. Ko rufe Dl heautragte, mau möge in Böhmen in den größeren Städten je ein Sekretariat errichten. l im׳ Propagamla in den tschechischen Gegenden sei notwendig. Herr Dr. E e tl c r m a 1111 in P.Pcn sprach sich ebenfalls für ein Sekret ariat und eine E1vve1te.ua; de! Taligkeit aus. Erl. Dr Lola Schau zer regte an,'junge Mädchen und Erauen für den Zionismus zu mtere sieren; dies solle durch Gründling von Vcrc.ncn, ahn ich dem in Prag bestehenden ״Klub jüdischer Ermen und Mädchen", auch in der Prov.nz erfolgen Herr Leben hart besprach jüdische Gcmeuidetr.igen und war für die Erweiterung des Wirkungskreises in dm Gemeinden. Herr Dr. Max Brod sprach für die Ausbreitung der Propaganda. Er erwähnte da-. Schulwerk des Prof. I>r. Engel und lenkte das I laupGugciimerk auf die Jugc(tdvcrcinig!1ngvn und die Frauen- Organisation. Herr Dr. Hirsch b füiwoitete n:n)1mals das Sekretariat und die Kiiltiisgcmciiide-Arheit. Nachdem noch mehrere andere Redner zu den Reteraten der Herren Mautner und Dr. Epstein das Wort ergriffen hatten, beantragte l Jcrr Dr. Ep s t c 111 folgende Resolutionen: 1. Der Distriktstig verlangt von den Vereinen, daß sie Ausschüsse cinsctzeti, die dafür sorgen, daß die Kultusgcmcinden reorganisiert werden. Dieser Antrag wurde ahgclchnt. Der Distriktstag fordert das Aktionskomitee auf, die vor einer Reihe von Jahren in Aussicht genommene Gegenvvartsarbcit sofort aiifzuneliimn. Dieser Antrag wurde angenommen. Zum Schlüsse dankte Herr Mautner den Delegierten für die rege Teilnahme an den Verbandhingen. Nach Absuigung der I latikwah wurde die Sitzung um 6 Uhr abends geschlossen. Auf der ersten Sitzung des neuen I )istrikts-Komitees am 2. Novemlicr konstituierte sieh das Komitcc wie folgt: Obmann: Ing. Hugo Slonitz: Obn1a!1u8tellvc־rtrelcr: Albert Bobascli; Kassierer: Frjcdricti Mautner; Schriftführer: Ernst Dcsensy; Beisitzer: Filipp Lchcnhart, I>r. Felix Kornfeld, Nelly Thieberger. Zionistische Arbeit in England Nachdem die von der English Zionist Federation innerhalb der ganzen Judcnhcit Englands verbreiteten ״Deklarationen" (Zuslimmungserklärung zum Progrnmm des Zionismus) gute Erfolge gezeitigt haben, und nachdem dadurch die iiuinerisclie Stärke der organisierten Zionisten in England gewachsen ist, merkt man in den verschiedenen Ortsgruppen ein regeres Leben, das für die kommende Winterarbeit versprechend ist. Auf einer Sitzung der ״English Zionist Federation“, die Anfang Oktober stattfaud, wurde der Beschluß gefaßt, Agitationsreisen nach der Provinz zu arrangieren und überhaupt, durch eine Propaganda für den Organisations-Fond der Fcdcration elie Möglichkeit für eine intensivere Bcarhcitung der jüdischen Kreise zu geben, die für den Zionismus zu gewinnen wären. Zur Ausführung dieses Beschlusses werden bercits öffentliche Provinz- Meetings vorbereitet. Die Herren S. Pinsky aus London und Dr. J. S. Fox aus Liverpool werden in Glasgow, Manehester, Liverpool, Cardiff, Leeds und Ed in bürg Vorträge halten. Eine weitere Liste von Rednern ist in Ausarbeitung und wird allen der Federation angcsclilosscnen Vereinen zugesandt werden. Der ״Order of Ancicnt Maccabcans" hat seine Winterarbeit mit einem Appel zugunsten der Palast in a-Hilfs-Aktion dngeleitct. Der Aufruf ist von Herrn Herbert Ben t wich Grand Commander of the Order, gezeichnet; bisher sind ca. 150 £ gesammelt worden, wovo.1 14/0 £ durch die Vermittlung des Kopenhagen« Büros der Zionisti-

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