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Jüdische Rundschau · 1916-11-03 · Heft 44 (3.11.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 44 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 364 sätzlicher Darlegung. l's wäre schatte, aus st'incm Artikel l tu/vlhcitcM) hcruus/.ulieben. Fr ist Ausdruck einer furchtbaren Anklage und einer herrlichen Frl.emmg, und indem er die Fra (je des Grenzschutzes in den ihr gebührenden ethischen Rahmen stellt, hebt er gleichzeitig das Probern des Ostjuden ins allgemein Menschliche. So wird ihm die Not der Ostjuden zu 'einer Gnade, die uns zu Teil werden möge, und die Aiisgcset/.ten und Flüchtlinge, die Davonlaufer zu Vorläufern der Menschheit. Mit einer eminent praktischen und eminent wichtigeu!־'rage des Ostjudentunis beschäftigt sich Leo Roscnberg in seinem Aufsatz ״Zur Reform des ostjiulisdien 'Handwerks״. Der Artikel ist sehr instmktiv und stellt eine (leidige Arbeit dar, die bei der lioffcntlidi bald einset/.euden llehandlimg dieser Trage nicht wird auller Acht gelassen werden können. I11 יs, von unserem westjiidisclien Standpunkt, will scheinen, daII der ostjiiilisdie Verfasser In seinen Reform! erschlagen allzu kritiklos Westeuropäisches auf Verhältnisse übertragen haben will, die wohl ihre eigenen (iesetze haben und sich nicht ohne weiteres nach den Vorschriften österreichischer und deutscher Gesetzgebung regeln lassen. Um so richtiger und wichtiger ist die Forderung des Verfassers, dad die Ostjuden kein Objekt fremder Wirtschaftspolitik werden sollen. Arno N .1 d e I gibt die letzte Folge seiner schönen ״Jüdischen Volkslieder", Abraham Roh in so 1111 veröffentlich( einige gewinnende Proben aus seinem in Vorbereitung befindlichen Huche über die Prctilgten des Rabbi Jakob aus l>ubno und des Rabbi Abraham Dow Flohni. Die Rubrik ״Bemerkungen“ ist wieder sehr reichhaltig und diesmal auch sehr geeignet, Widersprueh zu erwecken. Die ,,Verhältnisse“ iibcrschricbencii Bemerkungen Albrecht Ile II mau 11 s werden manche ahlchnen. Die (ilosse von Bertha I. a s k ״Die Wirkung der christlichen Religion auf das jüdische Kind" erscheint uns reichlich überflüssig. Das ist ein schwacher und dilettantischer Versuch, tiefe Zusammenhänge mul (iegensätze auf eine feiiilletonistische Formel zu bringen. Die absolute Seichtheit und Oberflächlichkeit der Darlegungen sollte sie eigentlich von der Aufnahme׳ in den ״Juden“ ausschlicHen. Audi die Notiz. ״Russcntuiu, Polentum und Juden“ hat mehr Feuilletonwert als sachlichen Inhalt. Sehr sympathisch dagegen berührt der hübsche Aufsatz. ״Die geblichen sind“, in dem R, S a 1111 a 11 die palästinensisch hebräische Literatur des zweiten Kricgsjahres behandelt. Line wertvolle Palästina-Rundschau schlicht das Heft. Wir haben dem vorliegenden Hefte des ״Juden“ eine besonders eingehende Besprechung zuteil werden lassen. Ls ist das erste Heft des /.weiten Halbjahres dieser Zeitschrift. Dieses siebcnle Heft scheint uns in seinem reichen Inhalt ein gutes Vorzeichen dafür zu sein, daß die Zeitschrift gew.llt ist, in 1lux.M11 /.weiten Halbjahr das Versprechen zu halten, daß der ausgezeichnete erste I laibjahrsgang gegeben hat: Die repräsentative Zeitschrift des modernen, lebendigen Judentums zu sein. ib,. LITERARISCHE CHRONIK Die unter der Redaktion des jüdischen Historikers S. M. Du hu uw in Petersburg erscheinende Vierteljahrssilinlt der jüdischen historiseh-ctiiogiaphischcui (1t Seilschaft ״J e w r e i s k a j a Starina“, die sich bisher ausschließlich mit der Geschichte der Juden in P> len und Rußland belaßt hatte, entwickelt sielt allmählich zu einer Zeitschrift der gesamten jüdischen Iti'torisihvn Wissenschaft. Das int September dieses Jahres 11 scheinende Doppelheft enthält u. a. eine Abhandlung des Redakteurs über die ,,Geschichte der Juden im Bosbunis-Zar 111111'' (Ergänzungen zu Scuürcr), Beitrage von j, Lev in ״Die Juden in Preu- II. 11 im XVIII. Jahrhundert“; M, S11111 w e i t s e 11 i k ״Die Wüste in der Geschichte und Ideologie des alten Israels“; B. I< r 11 g I e w i t s c 11 ״Die Familien- Hamen der Karner“; Toporowski ,,Die Juden im Gouvernement Mohilew im II). 17. Jahrhundert“, Auch die Geschichte des XIX, Jaltrhtmdcrts ist durch zahlreiche Aufsätze vertreten. I. Sosis seiticibt über die ,,Krise der jüdischen Literatur in Rußland in den 80er Jahren“; S, Dtihnow teilt seine .,Lriimcnmgcn an Schulen! Alejeiiem“ mit und verölfeiltlieht eine Reihe Briefe des verstorbenen Dichters (von ISSS IS'HI) L, Lev in behandelt den ״Versuch einer Bewegung Ihr die Jmlen-Lnuiiizipation in Ruß. laml im Jahre 1858“, 111 der Abteilung ״Materialien“ werden wichtige Urktmdcii gebracht über die ״Be- Ziehungen des russischen Ministers P I e I) w e zur Jitdenfrage, über die Beteiligung der Juden au dem polnischen Aufstand von 18(13“ etc. Die Zeitschrift enthält auch eine Bibliographie der wissenschaftlichen Literatur aller Sprachen, die von Fachleuten mit Ix•- soliderer Sorgfalt durchgeführt wird. Im Verlag ״Bliemclach“ (lllümlciit), Odessa, dessen Ziel die Herausgabe schöner Kindcrliteratur in jidischcr Sprache ist. erschien die erste Serie, die aus sedis hübsch ausgeslatteten, illustrierten und billigen Heften besteht. Die Erzählungen stammen JUEDISCHE RUNDSCHAU aus der Feiler von M e 11 <1 c 1 e Moclier S fo r i m , Jeluula S t e i n i> e ז g, IL S 111 a p 11 i r und B. S m o Ij a r. Der rusMM'hc Verlag ״Neue Kunst“ g ib eine inhalisrtiihe M! imgraphie .über das Schaffen des judisehen Künstlers J. J. Brodsky heraus. Die Monographic enthalt außer kunstvollen Reproduktionen der I lauptarbeiten des Bildhauers eine eingehende Abhandhing von (1. K. L 11 k <> w s k y und eine Würdigung des Künstlers (lua‘11 den Kunstkritiker K. J. T 8 c h tik o w s k y. Die jidisdie Tageszeitung ״Unser Leben“, die, wie hereils mitgctcilt wurde, seit einigen Monaten die Genehmigung ihres Wieviererscheinens erhallen halte, nahm im Oktober d, J. in Odessa unter der Redaktion von Höchberg ihren Betrieb wieder auf. Sie ist gegenwärtig die einzige jüdische Tages- Zeitung im Lande. Gleichzeitig wird auch über das Wicderersdicineu vier pädagogischen Zeitschrift der jüdischen Bildmigsgesellschaft ״Wjestnik Jewrciskawa Pmsvvesihtsclienija״) ‘׳Der jüdische Bildungsbotc“) mitgctcilt. Der Aufsatz von Leo J. Dana, dem der Louis D. Bramlcis-Preis für die Behandlung des Themas: ״Die Werke und Probleme des Jüdischen National• lomls“ /iieikamif wurde, ist in New-York in Brosdtürenform herausgegeben worden. |lllllliillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!ll1n S Seminaristischer Vortragszyklus J 1 veranstaltet von den zionistischen und | I national-jüdischen Vereinen Groft-Berlins. 1 §§ 1. Kurs: Dr. F.ugen Tßubler: .All-Israelftlsdie Ge- H §f schläUe", 8 Vortrßge. Härgebühr Mk. 4,-. §j § Beginn: Sonnabend den 11, November 1916, jjg H abends '/9י Uhr. jg jf Lokal: Herzl-Club, Berlin C., Gr, Prösldenlenstr 3. g p Hörerkorlcn sind bei den Vorständen der Ver- 3 s eine und Im Bureau der Zionistischen Vereinigung für §§ g Deutschland, Berlin W. 15, Sßchslsdiestr. 8, xu haben, |f i:lllll!l!llffllll!llll!!lll!!ll!!i!!il)lllll!illillll!l!lili Aus Palästina (Gesundheitszustand in j e r u s a I c m) Wie die ״I laelierut“ vom 21. September berichtet, scheint die Cholera in Jerusalem erstorben zu sein. Seit 20 Tagen siarb in der Stadt niemand mehr an Cholera. Dagegen tritt immer noch der Flecklyphus und das gelbe Fieber auf. Zu den neuen Opfern der Seuche zählt u, a. auch der Führer des Amsterdamer Kolci der Chalukka Herr Saul (in- I a m z, einer der Verwalter des Krankenhauses ״Bikkur Cholin!" Herr Jchoschua Jolis und Herr Abraham L e v y -11 a nt b 11 r g e r. (Vorträge in J u f f «) Fines guten Erfolges erfreuten sieh die rcgulmäßigen Vorträge, die die jüngst entstandene ,,<ksellsehalt für jüdische Literatur und Wissenschaft“ verunstaltete. Vor kurzem sprachen: Herr Dr. Seliger über ״Die ersten Streitfragen der Tanaiten“, Herr A. S. R a b i 11 o vv i t s c 11 über ״Die Chubad- Richtung im Chassidismus“ und Flerr J. Feldmann über ״Die Frage nach der Zukunft des j Judentums“ in Ruppius ״Juden der Gegenwart“, 9 (״T i k vv a t I! -1 s ra e I“.) Der Agronom Wilkausky besuchte kürzlich bei seiner Anwesenheit in Fin-Cltai auch die Rar/.eilen der Pflaiizmigs-Gesellsdiaft ״Tikwath Israel“ und konstatierte, daß der Boden siült in vorzüglichem Zustande befinde. Fr ist gut aufgcloekcrt lind ganz uiikrautfrci. Die Bäume sind daher gut entwickelt, namentlich 'diejenigen, die sich auf Hügeln, sowie auf allen höher gelegenen Plätzen befinden, welche Erscheinung übrigens an verschiedenen Plätzen des Landes zu konstatieren ist. (Vom P a s t e 11 r i n s t i t u t in Jerusalem.) Vom leitenden Arzte des Pasleurnstituts in Jerusalcm, l)r. Arje B e h a in, erhielten wir unterm 22. September 1010 folgenden Bericht über die Tätigkeit des Instituts in der Zeit vom 15. August bis 15. September Idlü: 1. W u t s c 11 u t z - A b t e i I u 11 g. ,Die Zahl der Gebissenen, die sich an das Pasteurinstitut wandten, betrug in diesem Monat 17; von diesen waren: 9 in militärischen Stellungen und 8 Bürger; 6 Juden, <4 Mohammedaner, 2 Christen; 2 Frauen, 15 Männer, darunter 3 Kinder, Tiere: Flundc 13, Katzen 2, Schakal 1. Die Gebissenen sind: aus Jerusalem 8, Beer Seba •4, Wad-cl-Arisch 1, Nazaretli 3, Bis an 1. Nr. 44 2. In der S e ro I og i s c 11 e 11 Abteil ti n g vvurden folgende Untersuchungen atisgeftthri: 23 Falle von Darmtv pims (l) positiv), 33 Fälle von Syphilis (II positiv). Die meiste Zahl der Fälle sind aus den Militar-Spitalcro. 3. In der Vaccinol hciapeutischen und I in p f a b t e 11 ti n g wurden 12 Kranke gegen Fc/en und Furunkulose mit liier fabrizierten Vaccinen bchandelt. 5 Kinder wurden gegen Pocken geimpft. Die Pockeufabrikation wird fortgesetzt. (Von der ,Augenklinik ״L e m a a n Z i o n“.) Vom leitenden Arzt der Jerusalemer Augenklinik ״l.cmaan Zion“, Dr. Albert Ticho, erhielten wir folgenden Bericht über die Tätigkeit der Augenkliuik im August l‘)K> Die Zahl der täglichen poliklinischen Patienten hat Lude August die größte Holte seit Bestand der Anstalt erreicht. Am 2‘L August hatten wir 1107 Kranke zu behandeln. Die Zahl der ticsamthehandhmgen im August betrug 25 521 gegen 11720 im Jahre PH5. Dieses starke Anwachsen der Bchancllimgs/ahl mag einerseits damit Zusammenhängen, daß die Bevölkerung zu arm ist, um sielt Medikamente zu kaufen, andererseits auch damit, daß viele Augenleidende jetzt den Arzt airfsucucn, die sieh früher mit dem Heilverfahren der Apotheker und Kurpfxt* scher begnügten. Im allgemeinen verliefen die akuten Bindehautentzündungen heuer sehr günstig, nur die durch gleidltzeitig bestehende fieberhafte Frkrankungen und durch Trachom komplizierten Fälle zeigten ein ernsteres Bild, heilten jedoch auclt ohne schwere Schädigung des Sehorgans, Zahl der großen Operationen 14, der kleinen 64. Sämll che Operationen wurden mit gutem Erfolge vorgemmimen In Spitalpflege standen 34 Patienten. Zahl der Verpflegung*- tage 402. Von diesen Patienten waren 10 Juden, 0 Mohammedaner, 6 Christen. Aus Jerusalem kamen 15, aus Jaffa 6, Damaskus 2, Liberias I, Petach- Tikwah 2, Rechobotlt 1, Bed/a la 2, Betlchcm 1, Kufur-Malak l, Taibe I, Karak t, Lvd 1. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Russisch-Polen. Die in Warschau vom 13. 15. September tagende Konferenz der polnischen Zionisten, faßte, wie uns nachträglich mitgeteilt wird, die folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: Die in Warschau tagende Konferenz der polnisdten Zionisten drückt dem wohllüblichcu Zionis t i s c 11 e n A k t io n $ Ko m i t ee in voller Alterkenming seiner aufopfernden. zielFewußten Arbeit für den Zionismus während der schweren Kriegsjahrc den tiefsten Dank aus. Amerika. (Konteren/ zionistischer R c ü u c r.) Am 18. September laml eine Konteren/ von /ionistischen Rednern statt, die vom Zionist Council Gmß-Ncw-Yorks eiuberufen war, um die Propagandaarbeit in Uroli-Nevv-York 111 :־ den kommenden Winter zu organisieren. Der Zionist Coinnil berichtete, daß im Juli und Aiigtn-t in Groß-New-York (>ü Versammhingen siattgelimdeu Italien, die Mehrzahl im Freien. Als Resultat sei eine bedeutende Zunahme der Mitglieder/ahl und Sehekalim zti konstatieren. Auf der Konferenz wurde hesihlnsscn: I. daß ein Programm aufgestellt werden soll für eine systematische Agifution in den Synagogen und Clubs; 2. daß die /ionistischen Vereine wenigstens einmal im Monat einen zionistischen Vortrag veranstalten sollen; 3. daß in regelmäßigen Abständen an vcrsihieiletuii Orten ein Zyklus zionistischer Vorträge stattfinden soll; 4. daß der Oouncil zionistische Broschüren in hebräischer tnul jidischcr Sprache!־(•!öffentlichen soll; 5, daß die zionistischen Redner sieh von Zeit zu Zeit treffen sollen, um über die zionistische Propaganda und Agitation in Amerika zu diskutieren. Australien. Das offizielle Organ der australischen Zionisten ״The J e vv i s 11 Hera Id“ bringt in seiner Juli- Nummer einen Bericht über die 111• r z I - G e d e n k feier in Sydney. Den Vorsitz bei der Iranerfeier führte der Präsident der Vottng Mens' Zionist Association, I lerr J. K i s s c I h o f f. Ansprachen warden gehalten von P, J. Marks, Präsidenten des Sydney Zionist Society, über ״Hcrzls Judenstaat“; Herr Steig rad sprach über ״Palästina vor und nach Her/.l“, Flerr Sampson sprach über ״Herz! als Schriftsteller“. Ueber die gegenwärtige Lage des Zionismus sprach Herr S. P c c 111 c r. Die ״Melbourne Zionist Society Her/.liah“ hat in letzter Zeit eine rege Tätigkeit entfaltet. Eine große Trauerfeier wurde zu Herzls 12, Todestage in Form eines Gottesdienstes in der Synagoge abgchaltcn. Dann folgte einige Tage später eine Trauerversammlung, wo verschiedene Melbmirncr Zionisten u. a. die Herren J. Rochlin. C. Aarons, N. Harris, B. Aarons und B. Cohen Ansprachen hielten.

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