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Jüdische Rundschau · 1916-11-03 · Heft 44 (3.11.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 44 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 44 JUEDI SC H £ KUNÜSCHA!1 Seite 3 3 Auf dieser Sitzung wurde;1 ucti von der Vorbcmtimgstätigkeit der Kommissionen berichtet. I>ic Kommissionen für Rußland uml Galizien sind gegtnwartig mit der Ausarbeitung eines Memorandums beschäftigt, I>ie Kommissionen fiir Rumänien und Palästina haben bereits wertvolle Materialien gesammelt. Um den Schtscherbatow■ Erlaß Für die jüdischen Politiker hesteht noch immer die Frage der Auficchterhaltutig ries Sditschcrhatow-Lrlasses bezüglich der Erwcitcrüng tles Ansicdlimgsravons naeli dem Kriege. Bekanntlich erhielt dieser Erlaß bis jet/t noch keine .Sanktionierung eines geset/geberischen Organs und gilt mir als ailininistrativer Erlaß, der vom Ministerium jeder Zeit rückgantri׳.׳ gemacht werden kann. Wie begründet dieses Bemühen der jüdischen Politiker um die recht/citige gesetzgeberische Sanktionierung dieses Erlasses ist. zeigt u. a. eine sehr charakteristische Antwort, die die ״Ocscllsdiaft der Freunde der hehiitischen Sprache“ in einer Provinzstadt Zeiitralriililands (Ilogorodsk) von den zuständigen Behörden auf ihr Gesuch, eine;hebräische Schule in der Stadt zu eröffnen, erhalten hat. Dieses Gesuch wurde mit der Motivierung abgelelmt: ״daß eine solche Anstalt nicht lebensfähig ist, da Bogorodsk außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons liegt und! die jüdischen Einwanderer, die schon jetzt eine Tenden/, zur Auswanderung zeigen, »!nächster Zuk u n f t die Stadt völlig verlassen ward e n.“ Zur Einigrationsfrage Vorbereitende Schritte der JCA für die Emigration nach Amerika Dem vor kurzem veröffentlichten Bericht über die latigkeit der JCA in Rulilaiul während der Kriegsjahre 101 ■l/l5 entnehmen wir, daß die Leiter der Gesellschaft der Ucberzciigimg sind, daß nach Wiederkehr des Friedens die jüdische Auswanderung nach. Amerika ihre alten grollen Formen annehmeii wird uml daher schon jetzt die nötigen Vorhereituiigeii dazu gemacht werden müssen. Im Januar 1015 sandte das Zentralkomitee den I lauptsckret.'ir, Herrn S. J. Janowski, nach den Vereinigten Staaten zwecks Lrforsdiuug der Liinvunilenmgslndingungcn im allgemeinen und Nieilerlassimgsmöglichkeilen, die jede einzelne Stadt fiir die jüdischen Finigr;inten hü tet. Herr Janow ski besuchte New-York, Philadelphia, Baltimore, Washington, Cleveland, Ciucitmali, 1 ntIiana(Kiliu, St. Louis, Cancas-Cilv uml St. fraii/isko und kam nach persönlichen 11ntersudiimjen und t hitcrrciliingcn mit den führenden jüdischen P« rsiiiiliclikeiteii zur l'cber/ciigung, dal! nur eine regelmäßige Verteilung der jüdischen Linw,anderer die gegenwärtig herrschenden Antiimmigrationstcndcnzcn ab/iiscliwachcn tmd den Einwanderern eine Niederl.issiiiigsmoglidikcit zu gewährleisten vermag. Lmigrauten, die bei der Wahl ihres Wohnsitzes keinen Privatgmml haben, New-York zu bevorzuge«, würden besser von den Lokalkomitees der JC.A nach den Zentral-, West- und Siidstaaten der Vereinigten Staateil geschickt wurden. Die Liste solcher Städte, die tlen l uiigranten empfohlen werden kann, müsse vom russischen Zentralkomitee im Verein mit den Einwandcriingsinstitulioncn Amerikas aufgestellt werden. Dabei dürften aber nur sulche Städte in Betracht kommen, in denen bereits ׳ jüdische Gemeinde vorhanden ist. Besonders ׳* t für die jüdische Einwanderung findet ,Herr Jnnuwski die Städte des miltleieii Westens der Vereinigten Staaten. Zum zweiten Halbjahrgang des ״Juden“ In ruhigeren Zeiten hätte eine Polemik, wie jene /wischen Hermann Cohen und Martin Bu- 11 e r über den Zionismus, w ahrscheinlich d:e leidensehaftliehe Teilnahme des ganzen jüdischen Deutschlamls gefunden, liier wird endlich einmal von hochster Warte und von zwei geistigen Führern dcutselier Jiidcnhcit das Problem des Zionismus gewertet, der Zionismus und der Antizionisnuis kreuzen ihre Waffen in einer Arena, aus der agitatorisches Bedürfnis mul politischer Machtdrang gleichermaßen verbannt sind. Man darf wohl sagen, dali (Las, was Hermann Cohen gegen Buber vo.bringt, das ist, was das deutsche Judentum gegen den Zionistuus vorzuhringen hat. licht schon dieser Umstand die Diskussion Cohcn-Buber über alle Erörterungen hinaus, die jemals im Streit über den Zionismus unter den deutschen Juden geführt worden sind, so vertieft die Entgegnung, die B u 11 c r im soeben erschienenen Oktoberheft des ״Juden״*) auf die Antwort!*ermann Cohens in den K. C.-Blättern gibt, den Streit zu einer weit über die Grenze der Polemik reichenden prinzipiellen Erklärung. Buber bezeichnet seinen Aufsatz ״Zion, der Staat und die Menschheit“ als ״Bemerkungen“. Aber dieser Artikcl ist vielmehr. Er ist eine programmatische Erkl.irung, ein Aufruf, wenn wir 'wollen, der mit hinreißender Wucht und aus einer ticfinnerliehen Bewegung das Fetzte aussagt von dein, was die llcr/en einer immer größer werdenden Gemeinschaft erfüllt, die im Zionismus viel mehr sicht als die Bewegung zur Schaffung einer 'Heimstätte, Und dies ist das 1 Bedeutsame an Bubcrs Deklaration; daß sich hier i dieses Streben, diese tiefe und dunkle Sehnsucht restlos und unlösbar mit dem verschmilzt, was wir ״den Zionismus“ nennen. Der alte Kampf, das leide lisch,■iitliclic Ringen Bubcrs um die Einheit der Welt lost sich harmonisch und rem als zionistische Bewegung. Niemand kann sagen, daß das, was Buher hier ausspvicht, ״der Zionismus“ ist und er selber lehnt es ab, im Aufträge ״des Zionismus“ 'zu sprechen. Und es wird auch wohl kaum jemals sein können, daß diese Erweiterung des Zionismus 1 zu einer, zu der messi,mischen Bewegung etwa das Programm der politischen Organisation wird. Aber darum handelt cs sich ja auch gar nicht. Diese Biiber'sclie Auslegung des zionistischen Gedanken kann aber aus der zionistischen Bewegung nicht *) Der Jude. Fine Monatsschrift, lieft 7, Oktoher 1<M(1. Verlag R Löwit, Abteilung der Jude, Bcrlin N. 37, Weißenbiirgerstr. (1 oder Wien I, Woll- /eile <1. Aboiiiiemenlspreis lür das Jahr 10 Mark, für das Halbjahr 5 Mark, Einzelheit 1 Mark. mehr weggedacht werden. Was viele lange unbcwtfßt fühlten, was einem immer größer werdenden Kreise den Kopf heiß und das Herz erregt machte, was insbesondere im Kreise der deutschen Zionisten in den letzten Jahren immer lauter und immer bcwulltcr nach Ausdruck rang, in diesem Artikel hat cs sein Wort und hat t*s seine Aufgabe gefunden. Hier ist etwas gesagt, zu dem Stellung genommen werden muß, und es wird vielleicht der Inhal! des deutsehen Zionismus nach dem Kriege sein, hierzu Stellung zu nehmen. Hier müssen wir un.- begiüigen, auf das Außerordentliche der Btiber’schcn Antwort liin/iiweiscii. Auch ihrer polemischen Aufgabe wird sie in sicherer• Führung und vornehmer Form gerecht und man darf wohl annehmen, daß damit die Diskussion mit Hermann <lohen zu einem ihm wenig Genugtuung bereitenden Ende geführt ist. In einer Besprechung des ״Juden“ int Oktoberlieft der ,,Neuen Rundschau“ hatte Julius Bah dem ״Juden“ \orgcworfcn, daß sein jüdischer Natioiialisums sich im wesentlichen am Ostjmlcnturn eiweise, daß die Probleme des Westjudentums also auch für ihn nicht unter nationalem Gesichtspunkt zu werten ■ seien. Es trifft sich nicht schlecht, daß schon dieses Heft des ״Juden" in zwei Beiträgen diesen Linwand glatt aus dein Wege räumt, daß erste Mai mit dem Artikel von Max Brod ״Unsere Literaten und die Gemeinschaft". Das ist eine ausge/cidinete Arbeit, die mit kühner und sicherer Hand den Einfluß und die Bedeutung des Jüdischen im Schaffen der neueren deutschen Literaten aufweist. Es ist ein schweres und sehr ungeklärtes Problem, aber Brod riilirt mit dem Feinsinn des Dichters an den Zusammenhang der Dinge und cs mag sein, daß dieser Beitrag einmal als der erste gewertet wird, der dem Wesen des Jüdischen in der Kunst wirklieh nahe gekommen ist. Wir müßten uns sehr täuschen, wenn der prächtig geschriebene Artikel nicht der Anfang zu einer weitreichenden Diskussiou werden sollte. Der zweite Beitrag, den ich meine, ist die kleine Bemerkung A. Schwadrons, der am Beispiele I issaoers zeigt, ״Wie aus einem Juden ein Deutscher ward". Es ist ein Vergnügen, die elegante kleine Skizze zu lesen. In einer besonderen Weise!gehört auch der Aufsatz von Moses Cal Vary ״Blau-Weiß“ hierher. Lr unternimmt es, die spezielle jüdische Seite und Aufgabe der jüdisclu'11 Wamlcrbewegimg aufzuweisen. Er zeigt uns gut den Zwiespalt, der aus der ursprünglichen Auf* fassuug, das Wandern sei!Mittel zur Erziehung des Menschen, das heißt liier des Lin/.eljiidcn, und der spä- 4eren entstanden ist, die wandern will, um das jüdisclie Gemeinschaftsgefühl zu veiticfen. Auch hier berühren sich eng elie Fragen ״Deutschtum und Judentum“, z. B. 111 der Fassung: deutsche Landschaft und jüdistlies Auge. Und auch hier wird die letzte Lösung noch nicht gegeben. Aber der Aufsatz zeigt uns den praktischen Weg, der aus dem Dilemma heraus* führt, und gibt uns eine wenn auch nicht erschöpfende - dafür ist all das wohl noch zu jung und neu — so doch beruhigende Begründung für diesen Weg. I Gustav Landauer, den wir mit aufrichtiger Genugtuung im Mitarbciterkreisc des ״Juden" bcgrüße», nimmt in seiner ganz ursprünglichen, ganz einfachen und darum ganz wahren Weise Stellung zur Frage ״Ostjuden und deutsches Reich“. Audi er geht von Polemik aus, aber auch seinem Aufsatz ist die Diskussion ein Ausgangspunkt zu gmnd« vorhanden, die in einer zweiten Auflage imbedingt berichtigt werden sollten, Hmer anderem ist die Punktation der hebräischen Wörter nicht immer so gegeben, daß sie die - mm einmal antietymologische Aussprache des Volkes darstcllte. Fs wäre praktisch, beides, sowohl die grammatische wie die volkstümliche Aussprache anziigehen (z. B. ,Cliafo/iin‘ und ,Ghfeiziin‘). Bei anderen hebräischen Ausdrücken. zeigt der Verfasser deren Quelle an. Nun ist es unverständlich, wie er hei so echt misch ui sehe ח Wörtern wie ״ilallel“ (I.obgesang an Festtagen) mul ״Olnm haha“, (die künftige Welt) als Quelle das Evangelium augibt, Matthäus dort und dort! Seit wann entnehmen die Juden in Polen ihre Wörter und Begriffe aus Mat- (!laus4 Prof. Dr. Strack zeichnete sich sonst in seinen Werken durch Objektivität und feinen Takt aus. Vom zionistischen Standpunkt ist noch eine Denhing im Wörterbuch zu rügen, die unvollkommen ist: ,S e h ekel / a h I c n' nämlich heißt noch lange nicht ,Zionist sein‘. K. Baruch, Ha s'ew w'hafldajim. Hebräisches Bilderbuch. Alleinvertrieb Jüdischer Verlag. — Preis 1.50 Mark. Porto 20 Pfg. Der ,.Jüdische Verlag“ vertreibt in neuer Aufläge ein hebräisches Märchenbuch mit bunten bcweglichen Bildern: Ha-s׳ew w’hagdajiml“ Das alte Märk'in vom Wolf und den sieben Geislcin wird in schönem, leichtem Hebräisch erzählt. 111 Palästina ist das Büchlein schon seit einigen Jahren bekannt. Dort können schon 6—7 jährige Kinder mühelos die spannende Geschichte mit dem frohen Schluß, der Bestrafung des Bösewiclits, allein lesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß kleine Anlänger im Hebräischen mit mein• l.ust und Interesse ihr Wissen an solch einem Märchenbuch üben als an den meist ziisainmciihangslnseii Lesestückcii des Lehrbuchs, lind so ist das Büchlein als willkommene (iahe für unsre hchräischlcrncmlc Kindcrwclt zu empfehlen. D. C, Mavcr. Dr. A. Bell.1111: ,Der Krieg, die Gesundheit und die Infcktionskranklieiteii in Palästina“. Derselbe: ״Heber die Cholera“. Die sanitären Verhältnisse in Palästina haben den ״Verein der jüdischen Acr/te und Naturforscher für sanitäre Aiigelegeiiheiteii in Palästina“ veranlaßt, einige Broschüren zur Aufklärung über die zurzeit dort herrschenden Krankheiten in den vcrschleikincn Landessprachen lieraiiszugehcn. Von diesen Schriften liegen jci/.t deren zwei vor: eine allgemeine Schrift über den Krieg als Urheber und Verbreiter der bekanntesten Infektionskrankheiten und eine eingehende Schrift über die Oliolcra. Beide in hcbräischer Sprache. ln der ersten werden mit sehr kurzen Worten folgende Krankheiten behandelt: Fleck- und Bauchtyphus (1 ifuß habaharoth, T, hamcajim), rckurricreiidcs Lieber (T. choscr), Cholera, Dysenterie (schilschul hadani), Pest (Dewer), Mcncngitis (schiwta), Pocken (ahn׳ buoth), Malaria und Mnfthesischcs Fieber. hi der zweiten wird die Cholera behandelt: ihr Wesen, ihre Ursache und die notwendigen Vorbcugungsmaßregcln. , Diese Broschüren unterscheiden sich von gewöhnliehen pormlär-wissviiscliaftlichcn Arbeiten. liier spricht niciit nur der Arzt zur Bevölkerung, sondern auch der Jude zu seinen Brüdern, deren Leben ihm sehr am 1 ter/eii liegt. Wie warmherzig ist die Maliuiing /u sanitärer Lelxnsweise 11ml wie brüderlich sind die gegebenen Ratschläge! Der Geist, der aus den Broschüren spricht, ist jüdisch. Beispiele, die angeführt werden, sind selbstverständlich aus der jüdischcn Geschichte genommen. Viele UibclstclLn! sind bei der Besprechung der Seuche angeführt. So arbeiten unsere unermüdlichen Aerzte in Patüstina brüderlich mit der Bevölkerung gegen die schrecklichen Krankheiten und, wie wir hoffen, mit Erfoig. J, L.-Ch. ״ Verlag Misrachi, Warschau, erschien eine Broschüre ״Ma hu haniisrachi?“, die auf 28 Seiten elie Grunilprin/ipien des religiösen Zionismus in po pulärcr Weise erörtert. Der erste Abschnitt der Broschüre bringt das Baseler Programm samt den nusrachistischen Ergänzungsresolutionen zu ihm. Ucbcr die Tätigkeit des Misrachi in der Diaspora und in Palästina und über die durch den Krieg entständenen Fragen spricht der zweite Abschnitt. Für die Agitation des Misrachi besonders neu ist der letzte Ab■ schnitt ״Zionismus und Chassidismus“ in dem der Autor ,ein treuer Chassid“, einen inneren Zusammen• hang dieser beiden Begriffe schildert und den chassi■ naheiegtKrC,9Cn lh״! Pfllchtcn den Zionismus

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