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Jüdische Rundschau · 1916-10-27 · Heft 43 (27.10.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 43 (27.10.1916)
Date
1916-10-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 IfUBDlSCHE RUND9CHAU Seite 355 Die hebräische Bewegung in Amerika hs befinden sidh zurzeit in New-York füll( 11cbräisdie Sprachvereine für Erwachsene und gegen zwanzig für Kinder, I>ie letzteren nrheifen im Einvernehmen mit den hehriiisehen Schulen. l>ic Vcreine ,,Athiebcr“ und ,,Iwrinls‘‘ bestellen überwiegend aus Eiiigewandcrtc». Die eigentlichen hebräischen I adilcute, die hebräischen Lehrer, sind in der ,.Agudath I lamorim" vereinigt. Das grollte luteresse vom zionistischen Standpunkt beansprucht aber der Hebräer vom neuen Typus: der junge Mann oder das junge Mädchen, die keine besondere 11cbräische Bildung besitzen, aber gelernt haben, Ilebraisrh zu sprechen, und diese Sprache bei allen t ivlcgciilieitcn benutzen. Diese sind, vor allem Zionisten und als solche tätiger als alle anderen ״I Icbnicr" •Typen. Dieser Typus wird durch die ,,Agudath Bnei-Am-Chai“ vertreten, ein Verein, der seit einem Jahre bestellt, schon eine beträchtliche Mitgliederzalil aufweisen kann mul die jungen Cicmüter weit mehr anzu/ielien vermag als jede andere Form des hebräischen Vereines, unter anderem weil hebräische Lieder und Spiele zu einem sehr großen Teile den Platz der trockenen Diskussionen bei den Versammlungen eingenommen haben. Audi ein Verein von Palästinensern ist gebildet worden: die ,,Agudath Erez-Isracl“, welche die Vcrbiiuluiig der Palästinenser unter sieh und mit der jüdischen Bevölkerung Palästinas aufrecht erhält. —- Audi die Poalc Zion bereiten die Gründung einer hebräischen Abteilung vor. Die kürzlich gegründete ״Ilebrew Federation of America“ beabsichtigt, Unterrichtsmaterial zu bcscliaffen, Versammlungen von Eltern zu veranstalten mul die Bildung von Schulen anzuregen, die von Elternvereinen betrieben, von der Federation überwacht und durch besondere Beiträge unterhalten werden sollen. Louis D. Brandeis 111 der letzten Nummer der ,.Jüdischen Kundschau" war mitgetcilt, daß Präsident Wilson J11stice Louis D. Brande is zum Vorsitzenden der amerikanischen Delegation für die vereinigte inlernationale Kommission ernannt hat, die gemeinsam mit einer mexikanischen Delegation die noch scliwcbenden Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko ordnen soll. Wie der ,.Caiiadisehe Adler" mitteilt, hat Juslicc Bramlcis nach einer Beratung mit Chief - Justice W 11 i t e an den Präsidenten Wilson einen Brief ge - richtet, worin er ihm mitteilt, daß er es nblcliiic'ii müsse, Mitglied der mexikanischen Kommission zu werden. Es heißt, daß der Chicf-Justiee White erklärt habe, cs passe nicht für ein Mitglied des Supieine Court, in einer Kommission zu sitzen, die der Kritik ausgesetzt sei und in IV>litik verwickelt werden könnte. Herr Brandeis hat daraufhin folgenden Brief an Präxident Wilson gerichtet: ״Mein teurer Präsident ich schätze die Bedeutung der wichtigen Dienstleistung sehr hoch ein, welche die Mitgliedschaft in der mexikanischen Kommission mir dargeboten hätte, aber nach einer Beratung mit dem Chief-Justicc finde ich, daß die Lage der Arbeiten des Suprcmc Court in der jetzigen Zeit cs mir unmöglich macht, neue Arbeit zu übernehmen. Mit großem Bedauern Ihr sehr ergebener Louis I). Brandeis." Konferenz der russischen Poale-Zion Kürzlich traten Delegierte der russischen Poalc- Zionisten zu einer Konferenz zusammen, der ersten seit Ausbruch des Krieges. Folgende Resolutionen wurden angenommen: 1. In «len jüdischen Massen ist die Erkenntnis zu verbreiten, daß die einzige Lösung des jüdischen Problems die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina ist. 2. Es ist alles zu tun, um «lie Einkünfte des Palästina-Fonds zu erhöben. 3. (Veröffentlichung nicht /!!gelassen.) 4. Die Idee eines interterritorialen jüdischen Kongresses ist zu propagieren. 5. Die Repräsentanten der jüdischen Arbeiter- Organisationen sollen ein jeder Bewegung teilnehmen, die die Verbesserung der ökonomischen Bedingung'en der Juden in Rußland und ihre Ent- Wicklung in kultureller Hinsicht zum Ziele hat. 0. Die Konferenz genehmigt die Resolutionen der Wiener Konferenz von 1909, wonach die Unterrichtssprachen in den jüdisch-nationalen Schnlen Hebräisch und Jidisch sein sollen. Vom Jüdischen Nationalverein in Oesterreich Dienstag, den 17. d. Mts. fand in den Räumen iles Wiener Zionistischen Büros die diesjährige ordent* liehe G c 11 e r a I v e r s n m m I u n g d c s ,, J ü d i ־ s r h e n N a t i o 11 a I v g r e i n e s i n O e s t e r r c i c h“ stall, an der sich eine ansehnliche Anzahl von Mitgliedern beteiligte. Den Vorsitz führte der Obmann Herr Ing. Roher! Stricker, der auch den Rechenschaftsbericht erstattete. Unter Hinweis auf die Zensur- und Presse- Schwierigkeiten, sowie auf die sonstigen, mit dem Kriege /iisammeiiliüiigcnden Umstände, die einer Vereinst,itigkeit auf breiter Basis hinderlich sind, hesprach der Referent die Wirksamkeit des Vereins in der abgc'latifcneii Periode. Er hob schließlich die die große Bedeutung einer national-politischen Organis.itioii für die Jiidcnhcit Oesterreichs hervor lind betonte, daß für die Arbeit des Vereins nach Beemligmig des Krieges sihon jetzt gerüstet werden muß. Jetzt gilt cs, Mitglieder zu werben und für den Verein und dessen Ziele zu agitieren. I )ieser Bericht, der von I fern! Sekretär I I e 11 i s e I! ergänzt wurde, rief eine lebhafte, mehrstündige Aussprarhe hervor. Hierbei kam der Wunsch fast siimtlieber Teilnehmer nach häufigen Diskussionsabcmlcn, n,ich einer regeren schriftlichen Progaganda und nach einer jüdischen Presse zum Ausdruck. Es wurde auch die Schaffung eines Agitationsfonds angeregt. Nach Erteilung der Entlastung für den abtretenden Vorstand beschloß die Generalversammlung einstimmig folgende■ von Herrn Dr. Kadi sch unterbreitete■ Resolution: (ictrcudcm K r a k n 11 e r Pr o g r a m rn e erk I ä r t d i e O c 11 e r a I v e r s a m m I u n g des ״J iid i s r 11 c n N a t i o 11 n I v e r c i n s in Oesterr e i c h" an seinem Programme der Er 11 a I- 11111 p 11 n d Er n e u e r 1111 g Ocsterrcic 11 s u n - e r s c h ii 11 e r I i c 11 fcstzu 11 alten. Sie erk I ä r t w e i t e r ti 111 c r E e s t h a 11 u n g d c r F o r - d e r 1111 g der Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nation alle B c s t r e - hu 11 ge 11 zu unterstützen, welche auf Herstellung des V ö I k e r f r i c d c n s und e i ne g r o ß z. ii g i g e W i r t s c h a f t s p o I i t i k g e - richtet s i 1111. Die (ieueinlversammlimg schloß mit der cinstimmigen Wald folgender Herren für den Vorstand und die sonstigen Funktionen: Adolf Böhm, Börsenrat Adolf Brecher, Dr. S. Feldblum, S. A. Häusler, Meier ׳ Ii e 11 i s ch, l)r. Hermann Ka- (lisch, Dr. Salomo» K a II n e r, Ing. Oskar Krain e r, Adolf Stau 1l, Leopold S i t z m a 1111, Ing. Rohert Stricker, Dr. II. S 11 ß m a 11 n. Löbl Taubes und Reiebsratsrevisor Rudolf Taußig, Zum Gemeindewahlrecht jüdischer Kriegsteilnehmer Der Deutsch-Israelitische Ocmcindcbuml hatte am 22. November vorigen Jahres folgende Eingabe an tlas Königl. Staatsininisteriiim in Berlin gemacht: ״Dem Königl. Stnatsministerium beehrt sich der mitcr/ciclmetc Deutsch-Israelitische (iemcimlebund als die nach Maßgabe der beigefiiglen Satzung berufene Vertretung der deutschen israelitischen Synagogcngcmeiiidi ii folgende Bitte ganz, ergebenst vorzutragen: Nach dein tlas aktive Wahlrecht behandelnden ij •II tles Gesetzes über die Verhältnisse der Jude» vom 21. Juli 1817 sind Gemcindcmitgliedcr, abgeselu'11 von amleren hier nicht in Betracht koommenilen Voraussetzungen, nur wahlberechtigt, wenn sie ״mit E ״tri e I! 11111 g der A b g a b e 11 für die S y n - a g < 11! eng e 111 find e Während der letzten drei Jahre nicht in Rückstand geb I i e b e 11 s i n d.“ Infolge des Krieges sind zahlreiche (ieineinde-!Mitglieder, die zum I leeresdicnst ciiigez.ogen sind, zur Bezahlung der Abgaben außerstande gewesen mul noch weiter hierzu nicht in der Lage. Dies hat nach den von den einzelnen Symigogeiigememden inner Beobachtung des § 41 aufgestellteu Wahl- Ordnungen zur Folge, daß solche Kriegsteilnehmer, die mit ihren Stenern im Rückstand geblichen sind, ihres Wahlrechtes verlustig gehen. An dieser Rechtslagtkönnte auch eine Stundung der Abgaben nichts 'ändern, da die Stundung nicht rückwirkend deren gesetzliche Folgen beseitigen kann. Abgesehen liiervon steht der Min. Erl. vom 24. Dezember 1817 (Min. Bl. 1848 S. 4) sogar auf den Standpunkt, dal! selbst durch Berichtigung der atifgelaulenen Rückstände vor denn Wahltcrmin die gesetzliehe Bedingung nicht nachträglich erfüllt werden kann. Der so geschilderte Rechtszustaiid hat bei dem regen Interesse, das in den einzelnen Synagogengemeinden am Gcmeindelcben und namentlich an den Oemcindewahlen bestellt, eine große Beunruhigung der jüdischen Kriegsteilnehmer hervorgerufen. Müssen sie, die (iir das Vaterland kämpfen t«1d ihrem Erwerbe und Berufe nicht nachgehen können, es doch besonders unbillig empfinden, daß sic bei den nächsten narb Beendigung des Krieges stattfindenden Gemeimlewalikm in den Wahllisten gestrichen und so geradezu als Genieindeinitglicder zweiter Klasse behandelt werden, Eine Abhilfe erscheint daher unseres Erachtens dringend geboten. Sic dürfte nur im Wege des Gesetzes oder einer Notverordnung erfolgen können, allenfalls auch vielleicht da über das Recht der Gcineimlemitglicder zur Teilnahme■ an den Repräscnlantenwalileii die Verwaltungsbehörden unter Aussdiluß des Vcrwaltiingsstreitvcvlahrens endgültig entscheiden (O. V. G. 5(1, 203) durch eine Deklaratiou des Königl. Staatsministeriums zum j$ 41 1 c, und zwar etwa dahin, ״daß die Bestimmung des § 41, Ges. v. 23. Juli 1847, wonach die mit Entrichtung der Abgaben während der letzten drei Jahre im Rückstand gebliebenen < ieiiieiiidemitgliedcr kein aktives Wahlrecht haben, für Kriegsteilmihmer svigfällt, insoweit cs s.cli um Wahlen während des Krieges oder die ersten Gcmeindewahlcn nach Beendigung des Feldzuges handelt." Das Geltungsgebiet des Ges. v. 23, Juli 1847 ist zwar nur auf die altpreußischeii Proi.'inzen beschränkt. Ein Eingehen auf den in chm übrigen Pri li'inzen Preußens bestehenden Rechtszustand erübrig( sich aber, weit dort ähnliche der Abhilfe bedürftigen Bestimmungen nicht bestehen. Hiernach bitten wir das Königl. Stnatsministerium ehrerbietigst, unserer Anregung geneigtest stattgeben zu wollen. Der Ausschuß des Dcutseh-Israelitischcn Gemeindebiindcs* gez. Prof. Dr. S. K a I i s c 11 c r, Gesrhäftsf. Vors., Prof. Dr. M. So b e r n h e 1111, l. stellv. Vors״ Justizrat Salomo 11, II. stelle. Vors. Auf eine unterm 9. August 1916 an das Königl. Ministerium des Innern gerichtete Erinnerung ist nunmehr nachstehender Bescheid ergangen: ״ . . . fX*m Ausschuß erwidere ich auf die Eingabe vom 22, November vor. Jrs. und 9. August ds. Jrs. bei Rücksendung einer Anlage ergebenst, daß ich nach Prüfung der einschlägigen Verhältnisse davon ahschcii muß, eine Aemlcnmg der Bestimmung des § 41, Ges. v. 23. Juli 1817, betreffend Verlust des Wahlrechtes der mit Entrichtung der Abgaben im Rückstände gebliebenen Genieindeinitglicder, herbeizuführen. Im Aufträge gez. Unterschrift . . .“ ״Der Jude“ Soeben erschien das 7. Heft der von Martin B über hcraiisgegebeueii Monatsschrift ״Der Jude".*) Das Heft enthält folgende Aufsätze: Martin Buher, ״Zion, der Staat und die Menschheit"; Gustav Landauer, ״Ostjuden und Deutsdies Reich"; Leo Rosenberg, ״Zur Reform des ostjüdisdien Handwerks“; Moses C.;11 Vary. .,Blau-Weiß'1; Max Brod, ״Unsere Literaten und die Gemeinschaft"; Arno Nadel, ״jüdische Volkslieder. Religiöse Lieder V'."; Hebräische■ Kimlcrprcdigtcn. Bemerkungen, Daten und Materialien. Zionistisches Leben in Süd-Afrika Die völlige Einigkeit, die jetzt in allen zionistisdien Kreisen Süd-Airikas herrscht, macht sich durch eine lebhaftere zionistische Tätigkeit geltend. Die drei größten zionistischen Vereine haben ein Komitee gebildet, um gemeinschaftlich ule zionistisdien Fragen zu besprechen und ihre Beschlüsse mit gegenseitiger Unterstützung ilurehziilühren. Der ,,Deklaration-Tag", der Anfang September stattgefmiilen hat, war das erste gemeinschaftlich beratene Unternehmen. Die erfolgreiche mul würdige Ab• haltung von H e r 7:1 - (i e d e 1! k f e i c r 1! ist ebenfalls als Ergebnis des Zusammenarbeitcns der drei Vereine zu bezeichnen. Das gemeinsame Komitee besduiftigt sich mit der Frage der Organisierung der Sammlungen für die P a I ii s t i 11 a - H j 1 f s - A k t i o 11. Audi die langstrittige’ t rage der Wiedererrichtung der Zionistischen Bibliothek wird nun eine befriedigende Lösung finden. Mit der Wiede rer- Öffnung der Zionistischen Bibliothek in Johannesburg wird der Zionismus eine neue kräftige Lebcnsuiielle finden. Die 12. Jahrzcit Theodor HerzJ’s vereinigte die J oh annesburger Zionisten zu einer würdevollen Gedenkfeier in der Wolmarans Street Synagoge. Desc Gedenkfeier wurde von den Johatwcsburgcr Zionistischen Vereinen gemeinschaftlich veranstaltet. , rJ'n;, Cl'• Ganziährl, Abonnement 10 halbjahrl. 5 M., Einzelheit 1 Mark.

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